My Heart is (not?) a Playground

GeschichteDrama, Romanze / P18
Amu Hinamori Ikuto Tsukiyomi Tadase Hotori
16.09.2018
22.09.2019
281
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271. Das damals ist blöd gelaufen


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,,Wir hauen ab. Ich denke, er hat genug.“, klopft Aki seinem Kumpel auf die Schulter. Ich habe keinen Schimmer, wie viel Kukai an diesem späten Abend genau getrunken hat. Fakt ist allerdings, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten kann. In seiner Haut will ich somit am nächsten Morgen nicht stecken. Allein die Kopfschmerzen werden schwer zu ertragen sein. Hoffentlich nimmt Utau ihm das nicht krumm. Er ist ein echt feiner Kerl. Unzählige Male klebten seine Augen regelrecht am Handydisplay fest. Er weilte in alten Nachrichtenverläufen. Einst verfasste Sätze der Blondine begünstigen sein Bad in Selbstmitleid. Die Erinnerungen an die tollen Momente, die sie damals erlebten, setzen ihn schwer zu. Das sich mittlerweile dermaßen viel verändert hat, kann er nicht verstehen. Um genau zu sein, kann ich es nicht einmal verstehen.
Wann, ja wann, begann der Wandel der Zeit einzusetzen und zog derartige Veränderungen mit sich? Aus Freunden wurden nahezu  Fremde. Aus dem Partner wurde gefühlt der allergrößte Feind. Aus der einstig besten Freundin wurde jemand, der weit entfernt ist. Aus der Familie wurden Personen, die einen heute bestmöglich meiden. Es ist befremdlich, ein klein wenig ärgerlich, dass man den Zeiger der Uhr im Fortschreiten nicht aufhalten kann. Schritt für Schritt umrundet er im augenscheinlichen Schneckentempo das Ziffernblatt. Fünf Zeiteinheiten später ist meistens nichts mehr, wie zuvor.  
Es ist ein Vorgang, der unaufhaltsam fortschreitet.
Den könnte niemand stoppen zur allgemeinen Missgunst.
,,Die Beiden brauchen ziemlich lang auf der Toilette.“, schiebt Tadase seine Bierflasche zur Seite, nachdem die beiden Männer aus unserem Sichtfeld verschwunden sind. Ah, er meint den Rest von unserer Truppe...
,,Wer weiß, was die beiden Turteltauben dort treiben.“, kann ich mir ein Grinsen irgendwie nicht verkneifen. Allein Ric`s Gesangseinlage von vor gut einer Stunde versüßte mir meinen Abend weitestgehend. Amelie muss sich gleich noch ein Stückchen mehr in ihn verliebt haben, trotz aller schiefklingender Töne. Wie sie ihn seit Neustem ansieht, lässt eine Vielzahl an Schlussfolgerungen zu. Vor allem eine: Die Beiden haben sich gesucht und gefunden. Einen besseren Match in Liebesdingen gibt es nicht. Ganz egal, wie holprig es noch vor einigen Wochen aussah, durch jeden meiner Tipps, die Ric versucht zu beherzigen, läuft es von Tag zu Tag besser.
Sein Entschluss zur Therapieteilnahme war mit Gewissheit nicht leichtzufassen.
Lohnen tut es sich dennoch. An manchen Tagen ist das erste, was er tut; sie schlichtweg in den Arm zunehmen, ohne Hallo, ohne lästige Gesprächsansätze, ohne Missverständnisse, ohne plumpe Worte oder dämlichen Spruch. Dieser Moment zwischen Ihnen, in denen alles heil und zeitlos, ewig und vervollständigt erscheint, lassen mich daran glauben, dass es für mich, – irgendwann –, ebenfalls Bergauf geht.
Von Talfahrten hatte ich immerhin mehr, als genug.
Daran hege ich bis auf Weiteres keine Interesse.
,,Seit wann sind sie eigentlich zusammen?“, ist Tadase äußert wissbegierig.
,,Ein paar Tage oder Wochen? Schwer zu sagen, bei zwei Menschen, die durch die Zunge des Partners vom Erklären abgehalten wird.“, bringe ich ihn immerhin damit zum Lachen.
,,Schnulzenphase nennt man das.“
,,Was soll das sein? Noch nie, was von gehört.“, stelle ich mich mit Absicht unwissend.
,,Die Phase der rosaroten Brille, in der man kaum die Finger voneinander lassen kann. Nach 5 Minuten vermisst man den anderen bereits und kann sich gar nicht mehr vorstellen, ohne den anderen zusein. Dann dieses Dauergrinsen, die unzähligen Schmetterlinge im Bauch und die Hummeln, die einen nicht mehr stillsitzen lassen. Gefühlt könnte man die ganze Welt umarmen.“, kann ich das lediglich durch ein knappes Nicken bestätigen.
Ja, das sagt mir natürlich etwas.
Klassischer Fall von schwer verliebt.
Jeder Arzt verschreibt, als Wundermittel wahrscheinlich viel Zeit mit dem Partner auf. In dieser Phase zählt es nicht, wer vor dir sitzt, was für Eigenarten dieser jemand hat, solange du ihn mit Liebe und nichts als Liebe überschütten kannst, weil man gar nicht anders kann, als seine Euphorie auszuleben. Man himmelt den Partner an und redet nonstop über ihn. Überall sieht man Herzen und Blumen und fühlt sich von Rot- und Rosatönen plötzlich enorm angesprochen. Die Liebe alleine zählt. Essen, Trinken, Schlaf, frische Luft; das alles wird zur reinen Nebensache, solange erwähnter Partner anwesend ist und man einander die Zeit vertreiben kann.
Ich stehe der Phase im Augenblick, in meiner Lebenssituation recht voreingenommen entgegen.
Gönnen tue ich es Ric, wie Amelie dennoch, samt all der anderen Pärchen,
zu denen irgendwann auch Ikuto und Riku absehbar gehören.
,,Ami würde das unter „Knutschen“ und „Heiraten wollen“ verbuchen.“, schüttle ich mit dem Kopf.
,,Ach, komm. So schlimm ist diese Phase gar nicht. Die normalste Sache auf der Welt findest du nicht?“, äugen mich rubinrote Augen belebt an. Ja, ich finde nicht!
,,Schön... ich weiß nicht. Liebe ist nicht nur schön.“
,,Liebe ist wunderbar. Das, was die Menschen aus ihr machen allerdings oftmals nicht.“, begünstigt er es, dass ich in Gedanken abdrifte. Ich mag ihn wirklich gern widersprechen, bereits aus Prinzip und eigenen Erfahrungen heraus. Alles würde sich jedoch darauf belaufen, dass ich ihm letztendlich leider doch zustimme. Meine Beziehung ist gewiss nicht auf Grund von Gefühlen gescheitert. Meine Gefühle brauche ich für Ikuto oder Maurice nicht zu hinterfragen.
Ich bin verliebt.
Ich hege Liebesgefühle.
Nach, wie vor, ist das geblieben, wie ich es am Anfang aller erlebte.
Was mich hindert, dort anzuknüpfen, wo es endete, ist nichts anderes, als die vielen Enttäuschungen, die ich zu genüge miterleben durfte. Manche davon glichen Messerangriffen, die unverhofft und doch eintrafen. Trotzdem frage ich mich, wie es Maurice geht, was er grade macht; ob Ikuto noch des Öfteren an mich denkt und, und, und.
,,Traurig, dass viele Beziehungen im Laufe des Lebens elendig verenden.“, murmle ich gedankenverloren.
,,Als sei dauerhaft Schluss zwischen euch. Ich kenne Ikuto. Ich kenne dich. Er kann gemein und unausstehlich sein, wie er will, irgendwie, zu irgendeiner Zeit, rauft ihr euch eh wieder zusammen. Vielleicht sieht es momentan nicht danach aus, aber wenn einer von euch scheitert, scheitert auch der andere. Er ist genauso verletzt, wie du es bist und mit Sicherheit einsam... Er will das nichtsdestotrotz genauso wenig zugeben, wie du es tust.“, bringt mich Tadase zum Aufhorchen. Das aus seinem Mund zu vernehmen, wirkt irgendwie seltsam auf mich. Seltsam, komisch und außerordentlich kurios. Da fällt mir glatt wieder ein, dass auch er irgendwann einmal unter dem schrägen Verhältnis zwischen Ikuto und mir litt. Fraglich, wie arg mein Schneemann im Endeffekt darunter leiden wird. Daran habe ich bislang nicht gedacht. Angenommen es ist wirklich dauerhaft Schluss zwischen uns und er beteiligt sich trotzdem an der Kindserziehung, sofern es sein Kind ist; wie soll das dann genau funktionieren? Streiten wir dann weiter? Streiten wir dann noch schlimmer, als vorher? Will ich überhaupt einen Mann an mein Kind heranlassen, der noch weniger sein Leben im Griff hat, als ich? Muss ich mich dann damit anfreunden, dass ich weitere Trostpflaster von ihm kennenlerne? Wie viele wird es davon insgesamt geben? Wie viele gab es in der Vergangenheit? Wird mir das wehtun, wenn er irgendwann eine feste Freundin hat? Könnte ich mit dieser neuen Freundin auskommen? Will er überhaupt, sofern er eine neue Freundin hat, noch etwas mit dem Kind zutun haben? Kann er sich generell mit dem Kinderthema mit der Zeit anfreunden? Wenn ich das mal wüsste...

,,Tut mir leid, wegen damals.“, spreche ich für ihn, wie mich aus dem Nichts heraus. Etwas überumpelt neigt er den Kopf erneut in meine Richtung. Ein wenig perplex sieht er mich an. Für den ersten Moment wirkt er so, als sei er sprachlos. Ja, ich weiß auch nicht, woher das plötzlich kam.
,,Hast du Ikuto da bereits toll gefunden?“
,,Irgendwie... ja. Mit der Zeit immer mehr.“
,,Dich zu ihm hingezogen gefühlt?“
,,Definitiv. Das lässt sich nicht abstreiten.“
,,Dir oftmals vorgestellt, dass daraus mehr resultieren könnte, irgendwann einmal?“
,,An eine echte Beziehung habe ich zwar nicht geglaubt, aber mit Sicherheit trifft das zu.“
,,Dann kann es nicht verkehrt gewesen sein.“, winkt er mit einer schlichten Handbewegung ab.
Es ist eine Geste, die mich völlig aus der Bahn wirft.
Meint er das Ernst? Er trägt es mir nicht nach?
,,Du bist nicht sauer?“, werden meine Augen immer größer.
,,Wieso sollte ich? Ich wollte dich lediglich vor Situationen, wie diese schützen.“,  deutet er mit einer allumfassenden Geste um uns. Im Folgenden schenkt er mir ein warmes, ehrliches Lächeln. Wow, wie herzlich.
,,Hat nicht funktioniert.“, lasse ich mein Getränkeglas über die Tischoberfläche rutschen. Es wandert von einer Hand in die andere.
Nicht funktioniert...
Naja, es ging eher gründlich schief.
Keine Ahnung, ob das jemals wieder zu kitten ist.
Was habe ich überhaupt insgesamt davon erwartet?
Spätestens ab dem Klärungsgespräch vor Wochen zur Aussöhnung hätte klar sein müssen, dass es Taten, statt schlichte Worte benötigt, um letzten Endes das Ruder herumzureißen. Natürlich kann man sich an diese Worte, die einem Hoffnung schenken klammern. Iber Wasser halten tun sie einem dennoch nicht. Die Zeit, die wir miteinander durch Auszeiten und Streitigkeiten verpasst haben, ist nicht mehr nachzuholen. Die Zeit, in der wir unsere Kraftreserven mit Nichtigkeiten verschwendet haben, ebenso nicht. Hätten wir das all die verschwendete Energie mal genommen und für eine Verbesserung eingesetzt. Diese Effizienz hat uns irgendwie stets gefehlt.
,,Du hättest dich auch gar nicht beschützen lassen wollen. Du hast deinen eigenen Dickkopf und deine eigene störrische Art, in der du dir nicht hineinreden lässt. Du willst dein Leben selber gestalten. Damit muss sich dein Außenwelt zurechtfinden. Sowieso war mein Versuch dich zu bekehren, eher unbrauchbar für eine Hilfestellung. Da sollte es mir mehr leid tun, als dir.“, denkt er zurück.
Wahrscheinlich meint er unsere Auseinandersetzung in der Schule.
Gewiss war das nicht die feine Art, jedoch noch glimpflich im Vergleich zu all den Dingen, die mir jüngst an den Kopf geworfen wurden. Dafür braucht er sich nicht zu entschuldigen. Das muss ihm auch nicht leidtun. Seine Gefühlslage war auf Grund meines Verhaltens völlig normal. Egal, was er mir an den Kopf geworfen hätte; meine Schuld hätte es eh nicht begleichen, geschweige denn meine Fehltritte von damals wettmachen können.
,,Das damals ist blöd gelaufen.“, halte ich inne in meinem Tun.
,,Ich habe bereits Schlimmeres erlebt. Du hast es genauso.“
,,Das sagt irgendwie jeder.“, fühle ich mich an Amelie und ihre aufmunternden Worte erinnert.
,,Lies den Brief und du könntest es eventuell nachvollziehen.“, führt er etwas an, das ich längst aus dem Gedächtnis gestrichen habe. Entsetzt starre ich Löcher in die Luft.
Woher weiß er, dass ich einen Brief bekommen habe?
Das kann er doch gar nicht wissen.
,,Hast du den Notar bestochen?“
,,Das traust nicht einmal du mir zu, von daher werde ich darauf nicht antworten. Ich weiß das, weil ich Aruto so einschätze. Er kannte dich gut. Er weiß genau, womit er deinen Geschmack treffen könnte und womit eben nicht. Und er weiß wahrscheinlich genauso, wie ich, dass er ganze Romane dir hätte widmen können, per Hand gebunden und in Schönschrift verfasst; nicht einen hättest du lesen wollen.", kann ich ihm im Stillen nur beipflichten.
Es ist nicht so, dass ich sauer bin auf Aruto. Mir ist lediglich bewusst geworden, dass alles, was er mir gewidmet hat, lieber seinen Kindern übertragen hätte sollen. Allein die Mühe, die potenzielle Liebe in den verfassten Zeilen hätte Utau mehr verdient gehabt, als ich. Seine eigene Tochter hätte es im Moment bei Weitem nötiger. Sie hängt an ihm. Alles, was sie tut, alles was sie anstrebt, alles was sie ist und sein möchte, begründet sich auf Tochterliebe zu ihm. Bedingungslose, vorurteilslose Tochterliebe, die niemand ihr abschlagen könnte. Ihr diesen Platz streitig zu machen, indem ich mich erneut in Dinge einmische, die mich nichts angehen, widerstrebt mir.
,,Den hätte er lieber Utau übersenden sollen. Vielleicht gebe ich ihn ihr ja.“
,,Das lässt du schön bleiben. Utau klagt auf höchstem Niveau und das ständig. Ich meine das mit besten Absichten, auch wenn es gemein und vergönnend klingt. Ihr geht es nicht einmal halb so schlecht, wie dir. Sie leidet nicht. Sie leidet nur darunter, dass ihre süßen Kinderträumchen nach und nach zerbrechen oder von ihr Abschied genommen haben. Bekommt sie eben kein Traumschloss, fliegt sie eben nicht auf einem Besen über die Stadt, schenkt ihr ihre große Liebe eben keine Traumhochzeit in Paris, ist ihre Beziehung eben sterblich und vergänglich und nicht ewiglich und vollkommen. Damit muss sie klarkommen. Das muss jeder von uns. Wenn sie einen Führerschein haben will, muss sie eben sich das Geld erarbeiten. Wenn sie eine absegnete Zukunft von konstantem Bestand haben möchte, sollte sie ihr Augenmerk nicht auf etwas Unzuverlässiges, wie die Musik legen. Mit ihren Träumen geht sie einen in manchen Situationen derartig auf die Nerven, dass man sie am Liebsten wachrütteln mag. Zeitweise dachte ich echt, dass sie auf einem guten Weg ist. Momentan jedoch sieht es nicht danach aus. Kukai sieht aus, wie der Tod und sie trägt ihre Nase weiterhin oben.“, schnaubt er auf.
Ich bevorzuge es lieber mich in Stillschweigen zu üben.
Wer weiß, was ich womöglich darauf äußern würde.
,,Sie kann dich vielleicht aus dem Familiennest aus purem Futterneid schubsen, dir Nestwärme und unseren Familienstatus aberkennen und vieles mehr. Eines kann sie dir jedoch nicht: Dir Aruto`s Akzeptanz aberkennen, sowie all die Erfolge und Leistungen, die sie erstmals in der Anzahl hinbekommen muss, um mit dir mithalten zu können. Hat sie das geschafft, wird sie so oder so nicht mehr auf derartig kindliche Mittel zurückgreifen wollen. Festkleben in der Kinderrolle ist keine Option, für niemanden von uns. Da kann sie sich noch so gut in der Rolle auskennen; mit den Jahren schwinden die Orte zum Verstecken und unzählige Augenpaare liegen auf einem. Sie ist selbst für ihr Glück verantwortlich. Das habe ich ihr bereits mehrmals gesagt. Das ist wohl der einzige Grund, wieso sie Kukai noch nicht entwurzelt hat. Kann der sich sowieso nicht leisten, bei seinen Familienverhältnissen und seinem Pflichtbewusstsein gegenüber seiner Mutter. Egal wohin sie ihn schleppt, er würde eingehen.“, findet Tadase treffende Beschreibungen, die alles sind, aber nicht zu hart.
Alles davon entspricht der tatsächlichen Wahrheit.
Womöglich heiratet Kukai sie.
Mit Leidenschaft liebt er sie.
Er vertraut ihr, gar blind.
Für sie allerdings alles Bekannte aufgeben und seine kranke Mutter im Stich lassen; dazu ist er gar nicht in der Lage. Diesen einen Punkt habe ich damals in der Jungs- vs. Mädchendebatte vergessen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich davon sowieso noch gar nichts. Sie werden Kompromisse finden müssen, wenn sie ihre Beziehung erhalten wollen. Kompromisse, die Kukai`s Bedürfnisse ebenso entsprechen.
,,Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass sie diesbezüglich auf einen Nenner kommen.“
,,Oh doch. Sie wird zurückstecken müssen. Egal, wie schwer es ihr fällt, es lohnt sich. Kukai`s Mum hat sie von Anfang an, wie ihre eigene Tochter behandelt. Sie wurde akzeptiert, wertgeschätzt, regelrecht auf Händen getragen. Ihr derartig in den Arsch nun zutreten, ist keine gängige Methode um sich erkenntlich zu zeigen. Utau könnte sich genauso gut eine Ausbildung suchen und für einige Jahre vom Gaspedal treten. Ihre Musik läuft nicht weg. Dieser Weg wäre der Richtige. Nicht aber der Skrupellose, der über Leichen führt. Sie verkraftet das. Sie kann das. Bedeutet allerdings Verzicht und das mag sie überhaupt nicht.“, weiß ich bereits jetzt, welche Ausbildung zu Utau passen könnte. Den Posten im Nagelstudio könnte ihr Ikuto, mittels Fingerschnipp und Kontakte sichern.
,,Nageldesign.“, führe ich an.
,,Das kann sie ziemlich gut. Ikuto hält ihr bis dato immer noch eine zum Verkauf stehende Ladenzeile frei. Da gibt es eine Freundin von ihr, die sich ebenfalls einklinken würde. Die hat bereits ihre Ausbildung in der Tasche. Utau müsste sich lediglich anmelden an der Akademie und hätte sich eine sichere Stütze geschaffen. Da wären die zweitausend Euro dann auch besser angelegt.“, bestätigt er mein Bauchgefühl, dass nicht nur ich diese Idee habe. Warum macht sie es dann also nicht?
Irgendwann muss doch diesen Nacheifern bezüglich des väterlichen Vorbildes ein Ende haben. Mit 18, ohne jegliche Beruferfahrungen ins Musikbusiness einzusteigen, stelle ich mir furchtbar anstrengend vor. Wie still wird es zeitweise um bekannte Staridole, weil sie sich des Öfteren eine Auszeit gönnen, privaten Stress haben, unter Schreibblockaden leiden oder sich kein Mensch mehr für ihre Musik interessiert? Sie könnte doch ersteinmal etwas Praktisches machen, bevor sie Gesangstechnisch durchstartet. Läuft das eine im Hintergrund, hat sie immer noch ein sicheres Standbein, dass sie vor der kompletten Pleite rettet!

,,Davon hat er mir gar nichts erzählt.“, bleibe ich an Ikuto`s Arrangement in diesem Fall hängen.
,,Du ihm ja auch nicht, dass du den Brief von Aruto erhalten hast. Er hat auch einen bekommen und so, wie du mit sich gerungen, ob er ihn öffnet oder nicht. Über Stunden saß er davor, um den Briefkuvert anzustarren.“, beginne ich zu glucksen. Wenn er wüsste, was ich Ikuto noch alles derweil verschweige. Er würde Augen machen.
,,Was denn? Gibt es etwa noch mehr Geheimnisse, die du vor ihm hast?“, harkt er nach.
,,Könnte sein, dass es da das ein oder andere Geheimnis gibt.“
,,Menschlich.“, zuckt Tadase mit seinen Schultern.
,,Unmenschlich wird, wenn es äußerst wichtig ist.“
,,Als könntest du solche Geheimnisse vor ihm verborgen halten. Er hat seine Ohren überall. Wirklich, überall! Es ist gruselig, wie gut er über neuste Gegebenheiten, die sich jüngst im Leben eines anderen ereigneten, Bescheid weiß!“, liegt er mit seiner Annahme im grünen Bereich.
Das stimmt. Ikuto ist grundsätzlich nicht neugierig, weil ihm eh alles zugetragen wird.
Mein Treffen mit Ric, das noch gar nicht allzu lang zurückliegt, meine Lauscherangriffe, meine Schwachpunkte, meine Aktivitäten mit anderen, manchmal sogar meine Gedanken; nichts davon bleibt ihm verborgen. Oftmals frage ich mich, wen er genau auf mich angesetzt hat. Höchstwahrscheinlich wird der Abend mit Tadase ebenfalls unter Beobachtung stehen. Nun hat der Schneekönig ja wieder Eismünzen, um dieses Vergnügen zu finanzieren, um mich im Anschluss mit Schneebällen zu attackieren. Fraglich, ob diesen Job bei seinen ständigen Launen überhaupt noch jemand machen möchte. Oder sie verüben ihn aus Angstgefühlen heraus...
,,Da müsste er in mich hineinhören, um eventuell etwas zu vernehmen.“, schmunzle ich in mich hinein. Genaustens beobachte ich die Körperregungen meines Gegenübers. Er denkt und denkt und denkt.
,,In dich hineinhören?“, stutzt er auf, bevor er sein Glas anhebt und von dem Inhalt verkostet.
,,Hast Recht. Der Gebrauch eines Ultraschallgeräts wäre noch besser.“, spuckt er aus dem Nichts heraus die Flüssigkeit, die in seinem Mund weilt, aus. Ein Lachanfall, dem ein Husten beiwohnt, erklimmt ihn. Eine ähnliche Reaktion habe ich bereits von ihm erwartet. Als ich Ric davon erzählte, kam der mindestens genauso wenig aus dem Lachen heraus.
,,Wie lange...“, prustet er schwer.
,,Wie lange ist das bereits der Fall?“, bemüht er sich um Zucht und Ordnung.
,,Bald 12 Wochen, laut gefundenen Zeitpunkt der Frauenärztin .“, bestärke ich seine Belustigung.
,,Ist nicht so.... dass ich Kinder, für etwas Negatives halte, aber nach dem Auftritt von vorhin, gönne ich es ihm richtig. Lass ihn ruhig in seiner Ungeduld schmoren, als Ausgleich für den Frechheiten.“, will ich ihm nicht beipflichten, erzeuge allerdings bereits ein Nicken.
Sind wir mal ehrlich: Wie oft hat er meine Ungeduld und Neugierde begünstigt?
Er hält sich doch gern an sein Prinzip: ,,Gleiches wird mit Gleichem vergolten“.
Bitteschön, bekommt er eiskalt serviert von mir. Ich hoffe, es wird ihm munden.
,,Ikuto und Papa... Hammerhart. Absolut verrückt.“, schüttelt der Blondschopf mit dem Kopf.
,,Verrückt … trifft es super. Maurice käme nämlich, laut jetzigem Stand genauso gut in Frage.“
Nach ungläubigen Blicken folgt das Anschlagen seines Kopfes am Bartresen. Perplex starrt uns die Bedienung an, die sich insgeheim fragt, was mit dem Blondschopf insgesamt nicht stimmt.
Einen sonderbaren Eindruck macht er schon auf andere derzeit.

,,Nicht wahr, oder?“, wirkt er ungläubig. Er kann sich das bei bestem Wille nicht vorstellen.
,,Oooh, oooh doch!“, findet eine äußerst verschwitzte Amelie ihren Platz neben mir. Ihre geröteten Wangen ziehen mein Augenmerk auf sich. Man, man, wenn Ric so weitermacht, kollabiert sie noch und hängt irgendwann am Beatmungsgerät. Allein, wie sie sich Luft zu wedelt und schnaubt,  lässt darauf schließen, dass sich die eine Stunde in Zweisamkeit gelohnt hat. Ob sie jemals aus der Vögelphase herausfinden ohne ärztliche Hilfe?
,,Warm hier, was?“, kann ich mir mein Kommentar nicht klemmen und ernte ein verschmitztes Lächeln von der Rosahaarigen. Ihre Wangen verfärben sich glatt ein Stück dunkler zur Folge auf meine Fragestellung.
,,Ich habe keine Ahnung, was du meinst. Ich habe lediglich meinen Ohrring verloren.“ Ach ja?!
,,Da musstest du dich aber weit herunterbücken.“, beginnen meine Mundwinkel zu zucken.
,,Ric hat mir nur geholfen.“ Oh ja, das glaube ich, dass er ihr geholfen hat!
Die helfenden Hände vom Liebsten sind immer zu gebrauchen.
,,In dessen Hose der Ohrring schlussendlich sich befand!?“
,,Was du alles wissen tust.“
,,Hoffen wir mal, dass du verhütest.“, lenkt Tadase ein und ergattert sich Ric`s Wohlwollen, der ebenfalls seinen Platz an meiner Seite findet. Jaja, na danke. War ja klar, dass das zum Thema wird. Ich weiß bereits, was folgt.
,,Das werde ich, dank meiner besten Freundin, gewiss nicht vergessen zutun!“, legt Amelie ihren Arm um mich.
,,Das ist nicht lustig, sondern eine ernste Angelegenheiten!“, zicke ich sie überempfindlich an.
,,Awwwww, du hast wieder deine fünfzehn launischen Minuten, kleine Zimtzicke! Komm her, wir trösten dich, kleiner Schnuffelhase.“, erhalte ich ungebeten eine Gruppenumarmung, in die auch Ric einsteigt, der sich seinen hart erarbeiteten Platz dabei nicht wegstehlen lässt. Freunde: Man liebt sie und man hasst sie zugleich. Ihr unermüdliches Arrangement gleich an manchen Tagen nämlich den von lästigen Fliegen, die man einfach nicht los wird. Was soll`s!? Sie meinen es schlussendlich nie böse.
,,Habt ihr euch wenigstens die Hände gewaschen?"
,,Nach dem Suchen ihres Ohrrings? Muss man das?...", grinst Ric breit.
,,Ich habe zwar keine Beweise, aber ich weiß genau, dass ihr etwas anderes gemacht habt!"
,,Babys schon einmal nicht."
,,Du bist ein Arsch!"
,,Nee, eher dein Bruder."
,,Halbbruder!"
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Der Teddybär hat sich in meinen Augen echt gemacht.
An ihm ist nichts auszusetzen. Blöd, dass sie mit "zu nett" nichts anzufangen weiß.
Wobei ich zugeben muss, dass Amu ab Mitte der 300er Kapitelreihe einen kleinen, kaum erkennbaren Fortschritt macht, was das angeht. Von da an wünscht sie sich nämlich reifere und ruhigere Beziehungen und fängt an, die Qualitäten eines Mannes anders zumessen.

Wir lesen uns morgen.
Ikuto ist mit von der Partie.

Liebe Grüße
von einer müden, sehr müden Sandra,
die 100 % einen grippalen Effekt demnächst ausbrütet.
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