Sternchen

von Rosanila
GeschichteAllgemein / P12 Slash
Alex Vause OC (Own Character) Piper Chapman Stella Carlin
15.09.2018
27.12.2018
7
12.350
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15.09.2018 1.675
 
Stella stemmte sich hoch und kam wieder zu Boden. Sie stemmte sich hoch und kam runter. Hoch- runter. Hoch- runter. Hoch- runter. Hoch- runter. Sie wusste nicht genau, wie lange sie schon in Iso war, aber sie schaffte das schon. Zwischen jeder Liegestütze murmelte sie: >>Jacky. Jacky. Jacky. Jacky.<< Als sie damit fertig war, wischte sie sich den Schweiß ab und legte sich mit angewinkelten Beinen zu Boden, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Sie kam vor und wieder zurück, vor und wieder zurück, vor und wieder zurück. Den Trick hatte sie von Jacky- wer sich, geistig und/oder körperlich, betätigte, der drehte in der Iso auch nicht durch. Jacky war oft in der Iso gewesen. Nicht so oft wie Stella, nachdem sie in den Stress mit Bo und Tracy reingeraten war, aber oft- und sie war schon vor Stella im Gefängnis gewesen. >>…Siebzig<<, zählte sie. >>…Einundsiebzig… Zwe-Zweiundsiebzig… Dreiund…<< Die Tür wurde aufgerissen und Stella blickte zu Direktor Caputo hoch. Einen Moment lang starrten sie einander an, ein stummer Wettkampf, dann machte sie kurzerhand mit den Sit-Ups weiter. Mr Caputo ließ sie weitermachen, bis sie bei Hundert ankam. Sie hatte sich das braunorange Oberteil ausgezogen, sodass nun nur noch das weiße Unterhemd zu sehen war, welches eng an ihrem Körper klebte. >>Gefangene, wieso hast du das getan?<< >>Was?<<, fragte Stella. >>Officer Blue verletzt. Wieso hast du es getan?<< Stella lachte kalt. Klar. Er würde sich ihre Geschichte- die Wahrheit!- anhören, dann sagen, dass sei nicht wahr und sie hier einsperren, bis sie zugab, es aus Bosheit getan zu haben. Da spielte sie nicht mit. >>Komm schon. Hat er dich angegriffen?<< Stella war überrascht. Sie rappelte sich auf und stellte sich vor den Direktor. >>Mei-Meinen Sie das etwa ernst?<< >>Natürlich. Was hat er getan?<< Stella öffnete den Mund, sagte jedoch nichts. Sie kannte solche Direktoren wie den hier nicht. >>Ich kann diesen Sadisten nicht feuern, ohne einen guten Grund zu haben. Also: Wollte er Ihnen etwas antun?<< Stella starrte ihn an. Ja. Ja, hat er. Feuern Sie das Schwein! >>Nein<<, sagte sie und drehte sich um. Ein neuer Wärter könnte ein Mörder sein. Er könnte auf sie angesetzt sein. Officer Blue war zwar ein Schwein, aber er würde sie von jetzt an- hoffentlich- in Ruhe lassen. Er durfte ihr einfach keine Pillen mehr bringen, dann könnte er auch nichts verlangen. Dann würde sie den Entzug machen müssen… die übrigen Pillen in ihrem Oberteil waren schon fast aufgebracht… aber egal: Das kannte sie schon. Die Tür fiel zu, als der Direktor enttäuscht ging.

Am nächsten Morgen ging Jacky vor der Rückkehr der Wärter zurück in ihre Zelle und Estelle wartete darauf, dass das Licht anging. Als das geschah, öffneten die Wärter das Gitter und riefen: >>Ladys: Frühstück!<< Estelle stand auf und ging schnurstracks zur Zelle gegenüber. Sie klopfte an der offenen Tür. >>Kirra?<<, fragte sie. >>Hey!<< Die Dunkelhäutige blickte hoch. >>Stern!<<, rief sie strahlend. >>Morgen!<< Als sie näher kam und die Verletzungen sah (die blauen Flecken mussten inzwischen violett-grün verfärbt und die Schürfwunden verkrustet sein), schlug sie entsetzt die Hand vor den Mund und legte die Arme um ihren Nacken. >>Süße! War<< Sie senkte die Stimme. >>das Miss Gray?<< Estelle nickte kaum merklich. >>Schatz…<< Sie beide kosteten den Klang dieses so vertrauten, so realen Wortes einen Moment aus, bevor Kirra fragte: >>Können wir heute an einem anderen Tisch als Jacky und die Crew sitzen? Ich will was mit dir besprechen.<< >>Klar<< Sie küssten sich, bevor sie Arm in Arm zum Frühstück gingen.

Stella machte hundert Liegestütze, hundert Sit-Ups, hundertmal ‚joggte‘ sie im Kreis durch die kleine Zelle. Und von vorn. Und nochmal. Und erneut. So lange, bis sie beim neunundsechzigsten Sit-Up der fünften Runde schweißüberströmt zusammen brach und sich in eine Ecke übergab. Es stank. Auch egal. Sie begann erneut. Schließlich reichte ihr das Work-Out und sie dachte an Jacky. An Bo. An Kirra. Es war nicht fair! Sie holte mit der Faust aus und schlug heftig gegen die Wand. Wieder und wieder und wieder, bis sie mit blutigen Knöcheln zu Boden sank und die Augen schloss. Sie war gerade eingeschlafen, als polternd ein Tablett hereinfiel. Im Grey-Smith- Gefängnis in Australien hatte man die Tür geöffnet, die Insassin vielleicht gegrüßt und das Tablett auf den Boden gestellt oder der Gefangenen selbst gegeben. Aber hier wurde es durch einen Schlitz in der Tür reingeworfen. Und hier bestand das Essen immer aus einem Sandwich aus ungetoastetem Toast mit (hin und wieder leicht schimmligem) Belag, einem Apfel und einem Plastikbecher, den sie am Waschbecken neben der Toilette selbst auffüllen konnte. Stella aß das Sandwich, trank etwa zehn Becher mit Wasser und biss in den Apfel. Dann machte sie mit den Sit-Ups weiter, bis sie bei der Hundert ankam, aß den Apfel zur Hälfte auf und machte fünfzig Liegestütze. Danach erlaubte sie sich, den Apfel aufzuessen. Erschöpft und durchgeschwitzt (und höchstwahrscheinlich stinkend) lief sie hin und her, bis die Tür aufging. >>Carlin, mitkommen!<< Zwei Officer nahmen sie mit. Anders als sie erwartet hätte, wurde sie nicht zurück in den normalen Vollzug gebracht, stattdessen durfte sie wenigstens duschen. Danach wurde sie zurück in ihre Iso-Zelle gebracht. Inzwischen war sie gewaschen worden- und ihr Oberteil war weg! Nein! Sie fuhr zu den Wärtern herum und starrte sie an. Diese hielten den kleinen Plastikbeutel mit den weißen Pillen darin hoch. >>Das gibt noch etwas länger Einzelhaft, Carlin. Vielleicht bleibst du auch für immer hier, wenn die Rektorin aus Australien Erfolg hat!<< Stella entgleisten alle Gesichtszüge. Nein. Nein. Nein! Sie rannte auf die Tür zu, aber sie wurde zugeschlagen. Nein! Zugegeben, hier drin war sie vorerst sicherer, aber nur solange sie noch klar denken konnte- und sie war nur sicher vor normalen, nicht ‚superschlauen‘ Gefangenen- aber die im Grey-Smith, die sie verärgert hatte… die konnten alle losschicken! Verdammt, die könnten sogar Gefängniswärter auf sie ansetzen! Stella sank auf die Knie und vergrub den Kopf in den Händen.

Estelle und Kirra gingen an Jackys Tisch vorbei und setzten sich an einen eigenen, der mehr in der Ecke stand. Auf Kirras Tablett standen Müsli mit Milch, ein Ei und Tee, auf dem von Estelle Bohnen, ein Ei und Tee. Das Essen hier war okay, zugegeben. >>Stern<<, begann Kirra schließlich. >>Ich weiß, wir alle vögeln mit Jacky, das ist halt so, also… ist es kein richtiger Betrug innerhalb unserer Beziehung, wenn du das tust, aber…<< Die Aborigine seufzte. >>Ich will eine echte Beziehung mit dir. Nicht nur eine Knastbeziehung- eine Beziehung!<< >>Okay…<<, begann Estelle verwirrt. Was sollte das? Jacky war die Anführerin einer der zwei Crews im Gefängnis, Drogenschmugglerin, sexsüchtig- und eine Soziopathin. Ja, das würde schwer sein, mit ihr Schluss zu machen- nach Estelles Ankunft hatte sie ihre Hand im heißen Fett und Öl in der Küche verbrannt, um klar zu machen, wer der Boss war. >>Und<<, fuhr Kirra fort. >>Ich will auch, dass du clean wirst. Denn<< Ihre Stimme wurde fröhlich, aber auch etwas ängstlich vor ihrer Reaktion. >>in zwei Monaten komm ich raus.<< Estelle starrte sie an. >>Was?<<, fragte sie. >>Ernsthaft? Oh mein Gott, Kirra, das ist ja fantastisch!<< Sie umarmten sich. >>Ja, verschrei es nicht, aber meine Bewährung wurde bewilligt!<< >>Super!<< Estelle strahlte. Kirra lächelte erleichtert, dann sprach sie weiter: >>Okay, also: Wenn ich rauskomme, dann such ich mir ´nen Job, ´ne Wohnung und halte dir ´nen Platz frei. >>Aber… das geht nur, wenn wir in ´ner richtigen Beziehung sind und du clean bist<< Sie fragte: >>Kanns-Kannst du das für mich tun?<< Sie sagte einen Moment lang nichts, überlegte, ob sie Jackys Zorn für Kirra riskieren konnte, bevor sie deren Hand nahm, sie küsste und das Gesicht darin vergrub und sie sagte: >>Ich tu alles für dich.<<

Der Entzug begann und Stella lag im Bett. Das war schon der dritte, den sie durchmachte. Der erste war ihre Schuld gewesen, sie war freiwillig für Kirra clean geworden und der Rückfall danach war die Schuld von Miss Gray gewesen, und der Entzug danach auch Miss Grays Schuld, und dieser Rückfall… der war einfach passiert. In der Iso-Haft, bevor sie nach Litchfield verlegt wurde. Zu ihrer eigenen Sicherheit, hatte es geheißen. Klar, dachte sie. Ihr wolltet mich einfach nur loswerden, das is‘ alles. Sie zitterte, wickelte sich in die Decke, schwitzte, warf die Decke durch den Raum, schluchzte, schrie, schlief, schlug um sich, übergab sich (diesmal in die Toilette), bekam dafür aber nur Geschrei von den Gefangenen in den anderen Zellen zu hören, welche sich beschwerten. >>Ich hab dich<<, hörte sie Kirras Stimme und spürte ihre Hand auf der Stirn, die sie sanft streichelte. >>Es wird alles wieder gut!<< Da sie das schon zweimal durchgemacht hatte, wusste sie, als es ihr wieder besser ging, dass an die zwei Tage vergangen waren. Sie begann wieder mit dem Training, aß immer nur ein wenig, trank dafür umso mehr Wasser, bis sie einen Tag später von den Wärtern aus der Zelle geholt und zurück in ihre Bucht gebracht wurde.
>>Na sowas<<, sagte Piper und umarmte sie. >>Du lebst ja noch!<< Stella seufzte. Piper hatte keine Ahnung, was sie da sagte.
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