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The Nurse

von Moonie21
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Magneto / Eric Lehnsherr OC (Own Character) Professor X / Professor Charles Francis Xavier
15.09.2018
15.03.2021
23
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29.04.2019 895
 
„Maggie, bitte warte doch!“
Ich hörte Erik zwar, aber bei mir entstand mit jedem seiner Rufe lediglich der Drang, noch schneller, noch weiter zu rennen. Wobei das ziemlich dumm war. Immerhin konnte ich nicht vor mir selbst davonlaufen.
Wenn ich stehenbleibe, und er mich einholt, wird er verlangen, dass ich ihm erzähle, was mir alles widerfahren ist. Oder er wird Mitleid haben. Das wiederum war ein guter Ansporn, nicht stehenzubleiben.
„MAGGIE!“ Das war Charles. Er rief nach mir, und war wohl noch beim Haus. Wie sollte er mit dem Rollstuhl auch durch den Schnee folgen, dummes Kind.
Ich hörte Erik hinter mir, er war fast bei mir. Und mir war auch durchaus klar, dass ich nicht ewig würde fortlaufen können – vor allem nicht, weil ich Charles noch nicht geheilt hatte.
Zumindest wusste das ein kleiner Teil von mir. Der Rest hatte eine Panikattacke.

Als Erik mich am Arm griff, und grob zum Stehen brachte, holte ich aus, und verpasste ihm ohne nachzudenken eine saftige Ohrfeige. Dennoch hielt er mich fest, ja, packte mich sogar an beiden Schultern.
„Wenn du noch weiter rennst, brichst du durch das Eis unter dem Schnee!“, sagte er, und nickte neben sich. Ich folgte seinem Blick kurz in die Richtung, in der ich wohl unterwegs gewesen war. Tatsächlich war direkt vor mir der See. Unter der gleichmäßigen Schneeschicht kaum vom Rest zu unterscheiden. „Hör mir zu!“ Er klang, als wäre er kurz davor, mich zu schlagen. Und dabei hatte ich ihn doch geschlagen – Himmel, was war nur mit mir los?
Ich hatte ihn hart erwischt, denn ein roter Abdruck erschien gut sichtbar auf seiner linken Wange.
„Beruhige dich, ok? Charles sorgt dafür, dass alle da drinnen das gerade eben vergessen. Nur wir drei wissen Bescheid, verstehst du?“

Er ließ mich los, und ohne, dass ich auch nur etwas erwidern konnte, sah er mich mit einem Blick an, der mich verwirrte. Was war das? Mitleid sicher nicht. Ohne etwas zu sagen, zog er seine Jacke aus, und legte sie mir um – mir fiel auf, wie stark ich zitterte. Dann schob er seinen linken Hemdsärmel hoch.
„Ich war noch sehr jung“, sagte er. „Dr. Mengele fand mich, und förderte die Mutation in mir auf grausame Art. Er … tötete meine Mutter, sicher auch meinen Vater. Das habe ich nie erfahren.“
Auf seinem linken Unterarm prangte eine dünne, gut sichtbare Zahlenfolge.

Ich starrte erst die Zahlen an, dann starrte ich ihn an. Im nächsten Augenblick, ohne es wirklich zu überdenken, machte ich einen Schritt nach vorne, und zog ihn in eine feste Umarmung. Der Mantel fiel auf den Boden. Nicht so einfach, denn er war größer, und ich war noch nicht aus der Panikattacke heraus, weswegen ich umso heftiger zitterte – aber es war das Richtige.
Einen Moment lang tat er nichts, bevor ein Ruck durch ihn ging, und er mich ebenfalls fest umschlang.
„Ich war auch bei ihm“, hauchte ich, und presste meine Wange gegen seine Brust. Die Erfahrung hatte gezeigt, dass sich Menschen mit Druckausübung gut beruhigen konnten. „Mengele, kurz bevor die Amerikaner kamen. Wären sie nicht gekommen …“ Ich drückte ihn etwas fester, ich konnte spüren, dass alte Erinnerungen in ihm hochkamen. „Alles ist ok, du bist jetzt hier.“ Und dann noch: „Bitte entschuldige, dass ich gemein zu dir war.“

Eine Weile lang tat keiner von uns etwas, außer den anderen fest umschlungen zu halten. Schließlich ließen wir uns los, und er sah mich an. „Du bist eine seltsame Person, Maggie. Ich renne dir hinterher, um dich vor einer Erkältung zu bewahren, um dir zu helfen, und jetzt hilfst du mir.“ Seine Stimme war ganz rau.
Ich lächelte kurz, und hob den Mantel vom Schnee auf. „Ich kann wohl nicht aus meiner Haut raus, schätze ich.“
„Das kann nur Raven.“ Erik nahm mir den Mantel ab. Wie von einem Uhrwerk aufgezogen strichen wir uns beide über den Arm mit der Nummer, und traten den Weg zurück an. „War das eine Panikattacke?“, wollte er wissen.
„Ich bekomme nur sehr selten welche“, sagte ich. „Eigentlich habe ich das gut unter Kontrolle. Wie steht es bei dir?“
„Ich habe seitdem so viel Schlechtes erlebt, dass ich über das Stadium wohl hinaus bin.“ Er blieb kurz stehen, bevor er weiterging, und aufholte. „Wenn du, ich meine, falls du erzählen möchtest, ich weiß, dass das hart sein kann. Aber mit Charles hast du die beste Hilfe, die du dir vorstellen kannst. Du musst nicht mal reden, wenn du nicht möchtest.“
„Das habe ich auch nicht vor.“ Ich hatte mich soweit wieder unter Kontrolle. „Ich werde nicht mit ihm darüber reden, und ihn sicher nicht in meine Gedanken schauen lassen. Es geht schon, wirklich. Das Mädchen hat mich nur überrascht.“
„Du solltest..“, begann er, aber ich unterbrach ihn gleich.
„Ich sollte meinen Patienten betreuen! Nur deswegen bin ich hier.“
Ich spürte seinen Blick auf mir, als ich vor ihm durch die Haustür ging. Lachen schlug uns entgegen, und beinahe wäre ich Charles gegen den Rollstuhl gelaufen.
„Maggie, lass mich dir…“
„Es ist alles geklärt, Charles“, sagte Erik. „Sie möchte deine Hilfe nicht.“
Charles sah mich traurig an. „Bitte, jederzeit. Meine Tür steht die in jeder Hinsicht offen. Bitte lass das kein Grund sein, dass du wieder gehst. Wir hätten dich sehr gerne hier. Dauerhaft.“
„Apropos“, sagte ich. Die Kinder hinter ihm würdigten mich keines Blickes, sondern hingen weiter seltsame Dinge an den Baum. „Wann hast du heute Zeit?“
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