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The Nurse

von Moonie21
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Magneto / Eric Lehnsherr OC (Own Character) Professor X / Professor Charles Francis Xavier
15.09.2018
15.03.2021
23
28.931
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04.01.2019 1.629
 
150748

Sie war auf meiner bleichen Haut umso besser zu sehen. Ich hasste sie. Manche hatten versucht, sie mit einem Messer zu entfernen, aber das hatte sie ebenfalls verraten. Engel hatte es nicht getan. Er hatte immer gemeint, dass jeder sehen sollte, was mit ihnen passiert war.
Ich strich über die alte Fotografie. Seine blonden Haare hatten immer in alle Richtungen abgestanden. Mein Beschützer. Mein bester Freund. Eigentlich war er mein Bruder und meine komplette Familie.
Ich lehnte mich zurück, und strich wieder und wieder über sein Gesicht. Das Bild meiner Eltern war das Einzige, was in dem Waisenhaus mit abgegeben wurde. Dort sind sie noch ziemlich jung, strahlen und lachen. Ich habe nie erfahren, wieso sie mich abgaben, und inzwischen will ich es auch gar nicht mehr wissen. Ich hatte Engel, wie ich ihn schon immer nannte.
„Ein anderer Name passt auch nicht zu dir“, murmelte ich, und sah mir sein breites Grinsen an. Er hatte es nicht so lange wie ich ausgehalten. War mit zwanzig Jahren gestorben. Ich hatte immer zu Engel aufgesehen, und ich habe ihn wie ein Bruder geliebt – er war mein einziger Anhaltspunkt.
Ich vermisste ihn noch immer, und träumte oft von seinen letzten Momenten. Deswegen versuchte ich auch, das Bild nicht oft anzusehen. Obwohl er lächelte, und seine Augen strahlten, sah ich nur den blutenden, aufrecht stehenden Jungen, der mir etwas zurief, an das ich mich nicht mehr erinnern kann – und dann daran, wie er mitten im Satz gestoppt wird. Eine Kugel in der Stirn. Sein Körper reglos auf dem Boden, eine fremde Hand, die mich wegzieht, damit ich nicht erwischt werde, und neben ihm landen würde. Mir wäre das egal gewesen. Alles danach war so furchtbar gewesen, auch weil er mich nicht mehr beschützt hatte – und ohne ihn war ich ganz alleine gewesen. Ich war es noch.

Ich bemerkte, dass meine Hände zu zittern begonnen hatten, und auf einmal war ich wieder im Hier und Jetzt. Rasch, als könnte man mich bestrafen, weil ich diese Dinge hatte, und weil ich nicht wollte dass man sie sah, verpackte ich alles wieder – mit Ekel auch die Münze. An ihr, obwohl sie sauber war, klebte so viel Blut… Als ich auch den gelben Stern eingepackt hatte, und der falsche Boden wieder in der Tasche war, wollte ich gerade nach dem ersten Instrument greifen, als jemand klopfte, und ich erschrocken hochfuhr.
„Himmel!“, entfuhr es mir, bevor ich mich zur Ruhe zwang, und „Herein“ rief.
Hank stand vor der Tür. „Maggie, hallo. Wir warten Draußen schon, Charles schickt mich, dich zu suchen.“
Verwirrt sah ich auf die Uhr- er hatte Recht. Ich war einmal mehr so in Gedanken gewesen, dass Stunden an mir vorübergezogen waren, ohne dass ich etwas bemerkt hatte.
„Verzeihung, ja. Ich habe die Zeit komplett aus den Augen verloren. Die Instrumente kann man für den Fall der Fälle nicht oft genug putzen.“
Er sah an mir vorbei, auf den Tisch. Dann nickte er ernsthaft. „Nur zu verständlich.“ Er führte mich hinaus. „Ich muss meine Werkzeuge auch regelmäßig desinfizieren, Sie wissen sicher, wie schlecht Staub oder Dreck in der Materie sind.“
Ich griff nach meinem Cape. „Sicher, es ist das gleiche Konzept.“
Den Weg hinaus unterhielten wir uns noch über Vorzüge des Sterilisierens und Desinfizierens, und ich sah mich in der Annahme bestätigt, dass man in Hank einen intelligenten und treuen Freund finden konnte.
„Ah, Maggie! Danke, Hank.“
„Sicher, Professor. Gute Nacht, Maggie.“
„Gute Nacht, Hank…“ Es war mir nicht sehr wohl bei dem Gedanken, dass ich anscheinend mit Erik und Charles alleine sein würde. Charles fuhr mir entgegen. „Ich habe schon gedacht, du wärst eingeschlafen, als ich gehört habe, dass du auch nicht beim Mittagessen warst. Du musst mehr essen.“
„Ich habe wohl die Zeit vergessen“, sagte ich unverbindlich, und folgte Charles, der schon einen Bogen gemacht hatte, und auf dem Weg zu dem großen Baum war, der nahe am See stand. Dort war ein Tisch, und zwei Stühle aufgestellt worden. Auf dem Tisch standen Tassen und Gebäck, und auf einem der Stühle, er zeigte nicht zum See, sondern zum Haus, saß Erik. Mir fiel auf, dass ich seinen Nachnamen nicht kannte. Und auch, dass er einen unguten Eindruck auf mich machte. Er sah aus, wie man sich einen gutaussehenden Mörder vorstellte. Oder Wahnsinnigen. Würde eigentlich auch auf Charles passen. Der eine verletzt den anderen, und der verzeiht es, als wäre es nichts weiter.
Ich schüttelte den Kopf.
„Maggie, Erik. Erik, das ist Maggie, die Krankenschwester, von der du gehört hast.“
Er stand auf, und sein Gesicht war grimmig verzogen. „Man hört tatsächlich allerhand von dir. Es freut mich, dass ein Teil schon mal stimmt.“
„Was hört man in Deutschland denn noch?“, fragte Charles, und fuhr an die freie Seite des Tisches. Er wollte damit sicher eine Konversation starten, aber besser nicht so, wenn ich es verhindern konnte. „Nichts, was wichtig wäre“, meinte ich.
„So sicher wäre ich mir da nicht“, sagte Erik langsam.
„Nun, wenn Maggie sagt, es ist nicht weiter wichtig, dann glaube ich ihr“, sagte Charles, und musterte Erik streng. „Wir hatten abgemacht, unsere neuen Gäste nicht gleich zu vergraulen.“
Erik gab keine Antwort, sondern sah mich lediglich aus seinen unangenehmen blauen Augen an. Es waren genau die gleichen Augen, wie Engel sie hatte. Gehabt hatte. Wütend sah ich weg.
Charles sprach noch weiter, aber ich hörte nicht mehr zu. Ich wollte weg von diesem Mann, und blieb nur sitzen, weil Charles es sicher so wollte. Gut, ich hatte ihn kennengelernt, und ihm auch diesen Gefallen getan. Also reichte es, nicht wahr?


Als die Sonne hinter die Bäume kroch, entschuldige ich mich, und wünschte noch eine gute Nacht.
Ich war schon auf dem Flur, und auf dem Weg in mein Zimmer, als ich jemanden nach mir rufen hörte. Erst dachte ich, es wäre Peter, aber falsch gedacht. Als ich mich umdrehte, und Erik sah, seufzte ich.
„Erik, ich möchte wirklich schlafen. Was möchtest du denn?“
Er kam rasch näher, und zog die Brauen zusammen. „Ich spüre, dass du ein Geheimnis hast, Maggie. Und ich werde es herausfinden. Ich kann es nicht leiden, wenn man einfach in die Nähe dieser Schule kommt, und alles gefährdet!“
„Ich gefährde? Habe ich meinem Freund etwa eine Kugel in den Rücken geschossen?“
„Zumindest sagt man vor mir nicht, sechs Männer auf einmal umgebracht zu haben!“
Ich sah mich um, ob es jemand gehört hatte, bevor ich herumwirbelte, und in mein Zimmer stob.
Allerdings war Erik weder langsamer, noch schwächer. Er bekam ohne Probleme einen Fuß zwischen die Türe, und schob sich mit in das Zimmer.
„Verschwinde!“, zischte ich. Ich wusste nicht, wie dick die Wände hier waren, und wollte nicht, dass jemand auf uns aufmerksam wurde.
„Nicht bevor du mir nicht gesagt hast, was es damit auf sich hat!“
„Das kannst du vergessen! Was sind denn das für Manieren, eine Frau in ihr Zimmer folgen, und sie bedrohen!“
„Ich bedrohe niemanden“, sagte er, und schnaubte. Er richtete sich etwas auf, straffte die Schultern und schien sich etwas zu beruhigen. „Ich kann aber nicht zulassen, dass eine Gefahr für uns hier lebt. Sag mir, was ich wissen muss.“
„Um was zu tun, mich rauszuwerfen?“ Ich hatte etwas Angst vor ihm bekommen.
„Nein. Du hilfst Charles, und gibst ihm das wieder, was ich ihm genommen habe.“ Er seufzte, bevor er fortfuhr, Er reagierte sich eindeutig ab. „Aber ich muss wissen, was da kommen könnte. Wonach ich Ausschau halten muss- ich und die X-Men.“
Ich musterte ihn. „Und dann lässt du mich in Ruhe?“
Er erwiderte meinen Blick. Auf einmal war er ein Mann, der seine Heimat verteidigte, das war mir klar. Deswegen musste ich ihm auch zumindest etwas Respekt entgegenbringen. „Ich muss wissen, was da kommen kann, Maggie“, widerholte er.

Ich drehte mich um, und sah aus dem Fenster. Ich wusste, wie ich aussah, wenn ich davon sprach. Ich hatte es zu meinem Spiegelbild gesagt, und versucht, dabei nicht ängstlich, oder panisch auszusehen. Oder traurig. Damit ich besser mit anderen reden konnte. Aber das alles hatte nichts gebracht. Er sollte mich nicht so sehen. Was brachte einem ein sicherer Hafen, wenn der Hafen auf Sand gebaut war?
„Es sind Männer, die mich seit Jahren verfolgen. Manchmal bin ich nur knapp entkommen. Sie sind immer mit braunen Koffern unterwegs, mindestens drei Männer, manchmal sieben oder acht.“ Ich sah sie fast schon kommen. „In einem SUV, meistens. Oder einem Geländewagen, wenn man sich auf dem Land versteckt. Man erkennt sie nicht wirklich, wenn sie in der Stadt sind. Sie passen sich gut an.
Ich denke, am besten erkennt man sie daran, dass sie…“
„Dass sie dich wollen?“
Ich nickte.
„Wieso?“
„Musst du das denn wissen, um die Schule zu verteidigen?“
Er sagte eine Weile nichts, bevor er näher trat. „Das nicht. Aber es hilft, die Männer zu verstehen.“



Ich sagte ebenfalls erstmal nichts. Ich glaubte schon, Lichter eines Wagens den Weg durch den Wald kommen zu sehen. Als ich blinzelte, waren sie weg.
Wütend wischte ich mir eine Träne aus dem Gesicht. Das war schon so lange her, und noch immer bestimmte es meine verdammten Gedanken!
„Ich- entschuldige. Ich wollte dich nicht zum Weinen bringen.“ Er klang sanfter.
„Nun, du hast es geschafft, jetzt ist es gleich.“ Ich zwang mein Kinn, aufzuhören zu zittern – es widersetzte sich. „Sie suchen mich, weil sie gesehen haben, zu was ich in der Lage sein kann. Sie haben alles gesehen.“
„Nicht wegen der Toten?“
„Du glaubst die Geschichte wirklich?“
„Ich kenne die Quelle besser, als ich dich kenne.“
Ich sah zum Fensterrahmen, und sah, dass er näher war, als ich angenommen hatte. „Nein. Nicht wegen der Männer.“
Ihm war klar, dass das ein Geständnis war. Ja, ich hatte sie umgebracht.
Aber auch jetzt dachte ich noch die meiste Zeit, dass es mein gutes Recht gewesen war.
Dass sie es selbst verschuldet hatten.
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