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The Nurse

von Moonie21
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Magneto / Eric Lehnsherr OC (Own Character) Professor X / Professor Charles Francis Xavier
15.09.2018
15.03.2021
23
28.931
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15.09.2018 1.133
 
In Amerika war es sehr kalt, wenn man im Dezember in einem Kleid durch den Wald lief.
Und wenn man dann auch noch wusste, was für ein Ziel man hatte, und wie viele einen dafür verfolgen wollten, wurde es gleich noch ein Stück kälter. Zumindest schien es mir so. Aber ich war schon verfolgt worden, und ich war auch schon geschlagen worden. Das hatte meinen Willen in all der Zeit nur festigen können.

Ich war schon eine  Stunde im Wald zu Fuß unterwegs, und meine Füße spürte ich schon nicht mehr. Der restliche Körper schmerzte vor Kälte, und dennoch war es das Einzige, das ich tun konnte. Nun war ich schon seit Tagen unterwegs, da durfte ich mich nicht auf dem letzten Stück zur Umkehr bewegen.
Der Brief in meiner Tasche, wegen dem ich all das erst tat, schien schwerer zu wiegen als nur die paar Gramm Papier und Tinte.

Wenn man nach mir rief, dann musste man von mir gehört haben. Und wenn man von mir gehört hatte, dann musste man wirklich schon sehr verzweifelt gefragt haben.

Es wurde nicht besser, sondern schlimmer.
Der Kompass, den ich in der linken Hand trug, schien mich in die Irre führen zu wollen. Irgendwann hatte ich nicht mal mehr den Feldweg gefunden, den ich über meine Gedanken und eine falsche Beschreibung der Koordinaten wohl verloren haben musste. Entschlossen packte ich die Griffe der Tasche fester. Wenn mich jemand brauchte, dann würde mich so ein bisschen Schnee und Verirrung zwar langsamer machen, mich aber in keinem Falle aufhalten können.
Zwei Stunden später war ich mir sicher, dass meine Lippen blau waren. Es wurde immer kälter, denn die Nacht zog herauf. In der Ferne glaubte ich, einen Wolf jaulen zu hören, und ich hoffte, dass es nur eine Einbildung war. Denn wenn es hier wirklich ein Wolfsrudel gab, würde ich die Nacht vielleicht nicht überleben. Ich seufzte. Oder die Wölfe würden es nicht.
Ich hatte die Tasche bereits einige Male abstellen müssen, weil meine Hände so steif geworden waren, dass ich schon kaum noch merkte, wenn die Tasche beinahe runter in den Schnee fiel. Und dabei wog sie mehrere Kilogramm. Ich brauchte sie zwar nicht, aber ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, nicht aufzufallen. Unter anderem. Da musste ich sie mit mir herum tragen.
Der Vorteil daran, dass ich die Sachen nicht brauchte war immerhin, dass ich sie nicht dauernd abkochen musste. Wobei man hier in Amerika sicherlich schon bessere Instrumente und Mittel  hatte, als in Deutschland.
Ich war gerade tief in Gedanken versunken, und hob meine Beine in eine undamenhafte Höhe um in dem Schnee voran zu kommen, als ich plötzlich auf harten Untergrund trat. Ich war so vertieft gewesen, dass ich nicht bemerkt hatte, dass ich direkt auf eine Straße zugelaufen war. Diesmal war es eine schöne, befestigte Straße. Ich sah mich um, und atmete erleichtert auf. Nun hatte ich immerhin schon mal die möglichen  Wege eingegrenzt, und musste nur noch hin oder her, und nicht mehr in alle möglichen Richtungen. Jetzt musste ich nur noch herausfinden, in welche Richtung ich gehen musste.

Als ich nach einer knappen halben Stunde noch immer nicht weiter wusste, und ich nur noch die Sterne sehen konnte, die Straße schon nicht mehr. Mit dem Gedanken bei den Wölfen  trieb die Angst mich voran. Ich glaubte, hinter jedem Baum etwas zu sehen, das mich gleich attackieren könnte. Es spornte mich tatsächlich mehr an, als die Tatsache, dass jemand krank war, und auf mich wartete.
Ich lief blind los, und wusste nur, dass ich nicht gerade lief, wenn ich auf einmal wieder im Schnee ging. So ging es voran, hoffentlich auch in die richtige Richtung.
Ich wusste schon gar nicht mehr, wie lange ich eigentlich schon unterwegs war, wann ich das letzte Mal gerastet oder gegessen hatte, sah ich in der Ferne ein Licht. Es war nur eine kleine Ansammlung, deswegen atmete ich auf, und dachte, ich hätte endlich das als sehr groß beschriebene Herrenhaus erreicht, als ich feststellte, dass die Lichter immer näher kamen. Das war ein Auto.
Ich war zu vorsichtig, als einfach zu winken, und zu hoffen von dem Fahrer Hilfe zu bekommen. Also eilte ich von der Straße runter, und ruinierte meine Schwesterntracht endgültig.

Ich lehnte mich gegen einen Baum, und atmete durch. Ich hoffte, dass mich der Fahrer nicht gesehen hatte, und einfach weiterfahren würde.
Pustekuchen.
Das Auto hielt direkt neben mir, und die Scheibe der Limousine fuhr runter.
„Fräulein Bauer, ich bin Hank. Der Professor möchte, dass ich Sie abhole. Sie wurden schon früher erwartet, er macht sich Sorgen.“
Ich trat in das Scheinwerferlicht, und packte meine Tasche fester, bereit, ihn damit zu schlagen. „Woher weiß ich, dass Sie mich nicht anlügen?“,  fragte ich, und sah den Schemen misstrauisch an.
„Er meinte, ich soll nach einer Dame in Schwesterntracht mit einem Koffer suchen, die feuerrote Haare hat. Ich kann Ihnen aber auch gerne den Weg weisen, wenn Sie nicht einsteigen möchten. Ich verstehe Ihr Misstrauen, es ist ja auch eine durchaus seltsame Situation.“
Ich lächelte, und strich mir die Haare hinter das Ohr. „Feuerrot würde ich nicht sagen, Mister Hank. Und ja, ich hatte allerdings auch vor, früher zu kommen. Aber mein Kompass führte mich gehörig in die Irre.“ Dann lief ich um den Wagen, öffnete die Türe des Rücksitzes, und setzte mich in das warme Auto. „Lieb von Ihnen, dass Sie mich suchten.“
„Das ist bei dem Wetter und bei dieser Tageszeit doch selbstverständlich“, sagte Hank freundlich, warf mir einen kurzen Blick zu, und drehte langsam um.

Wir fuhren knappe zwanzig Minuten, in denen wir nur wenige Worte wechselten. Ich war erschöpft und nass, weil der Schnee im warmen Auto sofort geschmolzen war, und Hank war vermutlich müde. Oder einfach verständnisvoll.
Nach dieser Zeit jedoch, gelangten wir zu dem Herrenhaus, das noch größer war, als ich es mir vorgestellt hatte. „Und da lebt Ihr Hausherr alleine?“
„Mein Hausherr…? Nein, Professor Xavier ist der Direktor der Schule, die hier untergebracht ist. Er hat das Haus geerbt, das stimmt, aber ansonsten bewohnt er nur ein kleines Zimmer, und sein Büro. Sie werden sich hier sicher schnell zurecht finden.“
„Von einer Schule wurde mir gar nichts berichtet“, stellte ich fest, wurde aber immer wacher, je mehr ich erfuhr. Das Tor der grotesk hohen Mauer öffnete sich wie von Geisterhand.
„Ja, der Professor ist in Sachen Informationen immer sehr vorsichtig, besonders wenn man sich nicht sicher sein kann, wer den Brief denn liest.“
„Wenn es um eine Schule geht? Das, verzeihen Sie, verstehe ich nicht so recht.“
Hank schielt den Motor aus, und drehte sich lächelnd um. „Es ist eine Schule für Menschen wie uns.“
Das war allerdings eine Überraschung. „Wie uns? Gibt es denn so viele…?“
„Sie würden sich wundern, Fräulein Bauer.“
„Bitte.“ Ich öffnete die Tür. „Maggie reicht vollkommen.“
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