Neue Wege

GeschichteRomanze, Familie / P18
14.09.2018
22.03.2019
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Dieses Kapitel
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Huhu Leser :)

Tut uns echt leid, dass es letzte Woche kein Update gab, aber diesen Freitag gibt es wieder was zu lesen für euch!

Viel Spaß!

*wink*
Nuala & Kara



26. Vernunft (vor Gefühl)

Endlich war es soweit! Sarai wollte es, auch wenn sie eine gewisse Nervosität nicht leugnen konnte. Doch plötzlich, aus heiterem Himmel, änderte sich etwas. Es war nichts, was offen zu sehen war und doch spürte sie es so deutlich, als hätte ihr jemand einen Schlag verpasst. Und da hörte sei schon die leisen Worte.
Sie war... enttäuscht. Natürlich war sie enttäuscht, aber da war etwas in Tyrans Stimme, das diese Enttäuschung so winzig machte, dass es fast schon lächerlich war. Lag es an ihr? Nein! Ganz sicher nicht, sonst wäre er nicht schon so weit gegangen. Und sie hatte nichts getan, um ihm das Gefühl zu geben, sie wollte es nicht.
Sarai löste einen Arm von seinen Schulter und legte ihm sacht die Hand ans Gesicht. "Was ist?", fragte sie mit sanfter Stimme nach.

Tyran schloss die Augen, legte seine Hand auf die ihre und schmiegte sich in die sanfte Berührung. Es war nicht so, als würde er es nicht wollen. Nichts läge ihm ferner, als Sarai von sich zu stoßen. Aber genau da lag das Problem. Er zog ihre Hand von seiner Wange. Er wagte es nicht, sie erneut anzusehen. „Ich kann nicht“, wiederholte er. „Vergib mir.“ Er löste sich von ihr und setzte sich neben sie. „Zieh dich an. Ich bringe dich zurück in die Stadt.“

Die Stirn gerunzelt setzte sich Sarai auf. Warum störte es sie kaum, dass er nicht mit ihr schlafen konnte oder wollte, nein, konnte, aber es verletzte sie, dass er ihr den Grund nicht nennen wollte? Diese Zurückweisung tat tatsächlich weh. Vor allem auch, weil er sie nicht mehr ansah. Und dazu kam, dass er sie erneut befehligen wollte.
"Nein", antwortete sie schlicht und stand auf. "Ich möchte noch nicht zurück." Wenn sie schon keinen Sex haben konnte, dann konnte sie zumindest noch ein wenig die Sonne genießen und etwas schwimmen. Zumindest würde dann keines von den anderen Weibchen erfahren, was passiert war. Sie ging zum Wasser zurück und ließ sich hinein gleiten.

Tyran schloss erneut seine Augen und hob seine Hand in einer lahmen Bewegung, was so viel bedeuten sollte, dass sie in diesem Fall tun und lassen konnte, was auch immer sie wollte. Er sah zu, wie Sarai ins Wasser ging, worauf hin er mit seinen Händen über sein Gesicht fuhr.
„Tyran du… Idiot…“, knurrte er sich selbst an.

Sarai nahm sich Zeit. Sie schwamm eine großzügige Runde, während der sie auch untertauchte und kurze Stücke unter Wasser schwamm. Im Gegensatz zum Jägertraining hatte sie es immer geliebt zu schwimmen, selbst wenn es für sie nur wenig Gelegenheiten dazu gab. Schließlich begab sie sich jedoch wieder in die Nähe des Ufers, wo sie stehen konnte und begann sich zu waschen. Zwar war es gut möglich, dass schon längst nicht mehr zu riechen war, was sie beinahe getan hatten, doch sie wollte sicher gehen.
Nun, da der Sex ihre Sinne nicht mehr völlig vernebelte, konnte sie auch wieder klarer denken. Vor allem war sie zu dem Schluss gekommen, dass im Moment tatsächlich der denkbar schlechteste Zeitpunkt wäre, ausgerechnet Tyran erfolgreich zu locken. Es gab wenig Möglichkeiten, den anderen Weibchen auszuweichen und Sarai hatte keine Lust Eifersucht und Dominanzgehabe, das ganz sicher folgen würde.

Tyran hatte seine Rüstung wieder angelegt und bei jedem Stück, mit dem er wieder mehr und mehr seinen Körper bedeckte, fragte er sich, was er getan hatte. Er hatte sich nicht unter Kontrolle und dann hatte er auch noch Sarai zurückgestoßen. Und er war sich ziemlich sicher, dass er sie damit verletzt hatte. Ihr sehnlichster Wunsch war es, Mutter zu sein und kurz bevor er tatsächlich in sie drang, ließ er es doch bleiben. Es würde wohl oder übel darauf hinauslaufen, dass sie sich in Zukunft aus dem Weg gehen würden. Dieser Gedanke tat weh. Immerhin war sie wohl die einzige Person, die es wirklich schaffte, ihn ehrlich Lachen zu lassen.

Als Sarai schließlich auf und zu Tyran sah, hatte er sich wieder vollständig angezogen. Nun, sie war erst einmal nass und so kletterte sie zurück ans Ufer und stellte sich in die letzten Strahlen Sonnenlicht, die noch über die Baumwipfel schienen. Mit der leichten Brise, die aufgekommen war, würde sie recht bald trocken werden. Tyran hatte sie den Rücken zugewandt. War sie noch wütend auf ihn? Ein wenig.

Tyran war weder blind noch dumm. Sarai war sauer und er konnte es ihr kein bisschen übel nehmen. Das schlechte Gewissen sorgte nicht nur für einen Druck in seiner Brust, sondern ebenso, dass er das Gefühl hatte, irgendetwas zu tun. Aber was konnte er tun? Er machte einen unbeholfenen Schritt auf sie zu. „Sarai, ich...“

Sie wandte sich um und sah ihn an. "Was?" Es kam eisiger hervor, als sie eigentlich gewollt hatte. "Ich kann damit leben, dass du aus irgendeinem Grund nicht mit mir schlafen willst, denn ich weiß, dass nicht ich der Grund bin", begann sie. "Was mich allerdings stört ist, dass du mir nicht sagen kannst oder willst, warum. Du verlangst von mir, dass ich dir vertraue, dass ich dir sage, wenn ich Hilfe brauche oder die Unterstützung eines Männchens, aber du bist nicht bereit mir ebenso zu vertrauen." In dem Moment, als sie es aussprach wusste sie, dass genau das der Grund war, weshalb sie ihm böse war. Es war nicht der versagte Sex oder dass er ihr wieder hatte Vorschriften machen wollen. Es war die Tatsache, dass er Vertrauen von ihr wollte und selbst nicht bereit war, es zu geben. "Ich dachte, wir sind zumindest soweit Freunde..." Der letzte Satz geriet eindeutig eher verletzt und enttäuscht, als wütend.

Ihre Worte fühlten sich an wie kein anderer Schlag. Vor allem, weil sie recht hatte. Dennoch machte er einen letzten Schritt auf sie zu und legte seine Hände an ihre Oberarme, die er sanft umfasste. „Sarai ich will mit dir schlafen“, sagte er. „Doch das Problem ist, dass wenn ich daran denke, ich es immer und immer wieder will, nicht nur ein einziges Mal. Ich will dich nicht einfach nur schwängern und am Rande mitkriegen, was aus unserem Kind wird.“ Mit jedem weiteren Wort sprach er sich mehr und mehr in Rage. „Ich kann nicht so tun, als wäre ich so wie die anderen Jäger. Ich kann nicht so tun, als würde es mich nicht interessieren, was aus dir wird. Ich kann nicht ignorieren, dass ich mehr von dir erfahren will, mehr mit dir Zeit verbringen will, dich für mich alleine haben will. Ich kann nicht einfach Sex mit dir haben, ohne mehr von dir zu wollen. Ich kann mich nicht an dich binden, ohne die Angst, eines Tages zusehen zu müssen, wie du in meinen Armen stirbst. Ich kann nicht wieder diesen Schmerz erleiden, ohne den Verstand zu verlieren. Ich kann nicht!“

Erst wollte sich Sarai aus seinem Griff winden und zurück treten, doch seine Worte hielten sie auf. Nicht einmal, dass er sie mit dem letzten Satz beinahe anschrie, ließ sie zurück weichen. Stattdessen legte sie beide Hände an sein Gesicht und sah ihm tief in die Augen. "Das musst du auch nicht", versicherte sie ihm sanft. "Ich bin bin keine Jägerin, Tyran, ich werde nicht nicht einfach sterben. Ich hänge an meinem Leben und bevor ich alt und grau bin, will ich noch sehr viele Kinder haben. Erst dann, wenn ich alt und grau bin und die Kinder meiner Kindes-Kinder habe aufwachsen und zu großen Jägern werden sehen, dann bin ich bereit, selbst meine letzte Reise anzutreten. Und du...
Du bist nicht wie die anderen. Du solltest auch nicht versuchen zu sein, wie die anderen. Sei du selbst. So, wie ich jetzt ich selbst sein darf. Dank dir."

Tyran legte seine Hand auf die ihre. „Es ist gerade mal ein Jahr her, Sarai. Ein Jahr, dass meine Gefährtin in meinen Armen gestorben ist, weil sie sich mir nicht anvertraute. Ich habe geglaubt, nie wieder in der Lage sein zu können, etwas anderes als Schmerz, Trauer und Verlust zu fühlen. Und kaum verbringe ich wenige Minuten mit dir, bringst du mich zum Lachen. Ehrlich zum Lachen." Sie hatten nicht einmal wirklich viel Zeit miteinander verbringen können.

Sarai senkte den Blick. Ein Jahr war nicht sehr lang. Sie wollte sich wirklich nicht vorstellen, wie es sein mochte, seine Gefährtin zu verlieren, doch es mochte sich so ähnlich anfühlen, wie der Angriff der Menschen. Alles fort, zerstört, die Welt auf den Kopf gestellt. Sie sah wieder auf. "Lachen ist doch gut. Oder?", fragte sie etwas hilflos.

„Ja, Sarai“, antwortete er und lachte erneut. Es trieb ihm beinahe die Tränen in die Augen. Er legte seine Hände an ihre Wangen. „Das ist es.“ Liebevoll strich er über ihre Wangen. „Ich kenne dich kaum und doch bin ich auf den besten Weg, mich in dich zu verlieben.“ Falls es nicht schon längst um ihn geschehen war. „Es wäre aber nicht fair dir gegenüber, verstehst du?“

Zufrieden lächelte sie, als sie ihn tatsächlich wieder zum Lachen brachte. Sie wollte nur zu gern mehr davon. So, wie sie auch die Kinder am Liebsten lachen sah, wollte sie auch Tyran lachen sehen.
Verwirrt legte sie den Kopf etwas schief, ohne sich dabei jedoch seinen warmen Händen zu entziehen. "Warum wäre es unfair?", fragte sie nach. "Du hast dich um mich gekümmert, als es mir schlecht ging. Du hast dein Leben für mich riskiert, als du meinen Erzeuger herausgefordert hast. Damit kann ich nun wirklich nicht mithalten. Außerdem..." Sie machte eine kurze Pause. "...suche ich doch eigentlich gar keinen Gefährten. Wäre es da nicht viel unfairer dem Weibchen gegenüber, das dich haben möchte und für das du dann... nichts mehr empfindest, weil du nur an mich denkst?" Beinahe unschuldig sah sie zu ihm auf.

Nein, sie verstand es wirklich nicht. Dennoch schmunzelte Tyran liebevoll. „Ich würde es immer wieder für dich tun, Sarai“, begann er. „Es ist unfair, weil du gerade keinen Gefährten suchst. Ich würde mich immer um dich kümmern, dich immer vor allem und jeden beschützen wollen. Ich würde keinen anderen Jäger in deine Nähe lassen und sollte es einer wagen, würde ich ihn herausfordern und besiegen. Dadurch würde ich doch genau das tun, was du nicht wollen würdest. Ich würde dich an mich binden. Zwar würde ich dich niemals einsperren oder ändern, aber wie könnte ich zulassen, dass ein anderes Männchen deinen schönen Körper berührt?“ Sein leichtes Schmunzeln wurde schmerzhaft. „Es ist besser so, Sarai. Würden wir weitergehen, könnte ich nicht anders.“

So, wie es sich anhörte, brauchten sie dafür gar nicht mehr weiter gehen. Zumindest ließen seine Worte es vermuten. Doch war es das, was sie wirklich wollte? War das die Liebe, von der er gesprochen hatte? Band er sich damit nicht eher an sie, als umgekehrt? "Woher willst du wissen, dass das nicht genau das ist, was ich will?", fragte sie sanft, doch es klang kein Vorwurf darin. "Würdest du denn auch um mich werben?" Die Frage kam heraus, bevor sie wirklich darüber nachgedacht hatte.

„Du hast mir immer wieder gesagt, dass du Mutter sein willst“, begründete er seinen Grund, warum er sagte, dass sie das nicht wollen würde. „Und dass es für Sex keine Liebe braucht.“ Tyrans Blick wurde ernst, als sie fragte, ob er denn auch um sie werben würde. „Meine Gefährtin ist das einzige Weibchen, wofür ich Augen haben werde. Das beinhaltet auch, dass ich um sie werben werde. Mein Leben lang.“

So war das also. Nun trat Sarai zurück und löste sich damit vollständig von Tyran. Wenn er tatsächlich so an seiner toten Gefährtin hing, hatte sie wohl wenig entgegen zu setzen. Dann war es wohl auch besser, wenn sie auf Distanz blieben.
"Wir sollten zurück", meinte sie und schaffte es tatsächlich völlig ruhig zu klingen. "Es wird bald dunkel." Sie ging zum Boot zurück. Warum fand sie es mit einem Mal so schade? War es doch mehr als ein einfacher Flirt gewesen? Wollte sie sich ausgerechnet an Tyran binden?

tbc ...

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