The curse between them

von Tuffix
GeschichteDrama, Romanze / P18
Bellatrix Lestrange Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Severus Snape
11.09.2018
09.10.2019
33
285360
27
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hallo Ihr Lieben!
Bitte verzeiht die lange Wartezeit!
Ich wünsch euch viel Spaß mit dem nächsten Kapitel, und vergesst mir nicht eine Review da zu lassen :)



Lucius‘ Sicht – einige Zeit später, im Schlafzimmer des Landsitzes


Nachdenklich betrachtete ich die schlafende Hermine in meinen Armen. Rote Wangen erstrahlten in ihrem erschöpften Gesicht, umrahmt von ihrer wallenden Haarpracht. Das nachdrückliche Glänzen ihrer Augen, als sie von ihrem Ausflug mit Alva zurückgekehrt war, war unübersehbar. Doch auch die Erinnerung an das Geschehene. Es war alles frisch und der Schmerz saß tief. Nicht nur bei ihr. Aber auch, wenn es mir das Herz zerriss, sie in den Händen dieses Verbrechers zu wissen, ich konnte mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es in ihr aussah. Welche Qualen sie durchlitten haben musste. Wie sehr sie jetzt darunter litt, was sie alles hatte ertragen müssen. Ich spürte, wie sie zuckte und sich in meinen Armen wand. Die Stirn krausgezogen und die Augenlider flatternd, wälzte sie sich von einer Seite auf die andere. Schweißperlen liefen über ihre gerötete Haut und sie hatte den Mund leicht geöffnet. „Hermine“. Keine Reaktion. Offensichtlich war sie in ihrem Traum gefangen. „Hermine, wach auf, du träumst“. Meine Worte schienen genau das Gegenteil zu bewirken, denn sie wurde immer unruhiger. Ich strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte sanft über ihre Wange. „Darling, es ist alles gut. Du bist in Sicherheit…“. Ihr schneller Atem hatte sich in ein leises Wimmern verwandelt und sie warf sich inzwischen unruhig hin und her. „Hermine!“. Nach wie vor keine Reaktion. Aufgebracht schaltete ich das Licht ein und lief ins Badezimmer, um einen feuchten Waschlappen zu holen. Als ich zurückkam, redete sie im Schlaf und schlug wild um sich. „Aufhören… Nicht…. Ich will das nicht… Nein… NEIN!“ Sie schrie wie am Spieß und Tränen flossen ihr über das erregte Gesicht. Den nassen Waschlappen hatte ich längst unverrichteter Dinge auf den Fußboden geworfen und mich stattdessen zu ihr auf die Matratze gesetzt. „Hermine… bitte, wach‘ auf! WACH‘ AUF!“ Als sie begann, auch noch hemmungslos zu schluchzen, fasste ich einen Entschluss. Es war mir egal, dass Severus mich eindringlich davor gewarnt hatte, es zu tun. Dass es seine Arbeit beeinflussen und bleibende Schäden verursachen könnte. Ich konnte sie unmöglich in diesem Zustand lassen. Überzeugt von meinem Vorhaben griff ich nach dem Zauberstab. „Legilimens“.

Ich war inmitten von schweren, bis auf den letzten Platz vollgestellten Bücherregalen. Die Bretter schienen unter ihrem Gewicht zu ächzen. Ein schwacher Lichtschein drang durch eine Holztür, die mit einem schweren Vorhängeschloss gesichert war. Überall auf dem Boden davor lagen aufgeschlagene Bücher, mit ausgerissenen und teilweise verbrannten Seiten. In einigen von ihnen glomm noch immer die Glut. Ich öffnete die Tür, erwartend, mich in einem Verlies oder Ähnlichem wiederzufinden. Stattdessen stand ich in unserem Schlafzimmer. Im Bett regten sich zwei Körper und klatschende, schmatzende Geräusche drangen an mein Ohr. War das etwa…? Ich erkannte Hermine, die sich unter dem Körper, der auf ihr lag, wand. Ein animalisches Knurren, das mir die Haare zu Berge stehen ließ, drang an mein Ohr. Jetzt erst bemerkte ich, dass Hermine keineswegs erregt oder glücklich wirkte. Sie schien sich von dem Körper, der sie auf die Matratze drückte, befreien zu wollen. Unter dem dünnen Laken, das beide bedeckte, lugten breite Schulter hervor, ungewöhnlich behaart. Erst als er erregt heulte und sich weiter auf sie presste, erkannte ich ihn. Fenrir Greyback trieb sich, während er geübt Hermines Hände über ihrem Kopf zusammenhielt, in sie und knurrte seine Lust laut heraus. Mit der freien Hand packte er ihre freiliegenden Brüste und knetete sie wie Teig. Entsetzen und Grauen übermannten mich. Doch dann reagierte mein Verstand, der darauf plädierte, dieses furchtbare Szenario sofort zu beenden. Wider meine Vernunft, die mir verbot, ihre Erinnerungen ein weiteres Mal zu manipulieren, zerrte ich Hermine unter dem inzwischen heftig stöhnenden Werwolf hervor, schubste sie aus dem Zimmer und verriegelte die Tür. Unter Aufbringung all‘ meiner Fähigkeit versiegelte ich das Schloss. Dann wurde es um mich herum dunkel.

Ihr wacher werdender Intellekt hatte mich aus ihrem Geist vertrieben. Das Gesicht vor Anstrengung gerötet und noch immer heftig atmend lag sie auf der Matratze. Einige Haarsträhnen klebten ihr feucht im Gesicht und der Schlafanzug war von Schweiß getränkt. Sanft, um sie nicht zu wecken, zauberte ich ihr einen trockenen Schlafanzug an und wischte ihr mit dem Waschlappen über das fiebrige Gesicht. Sie lehnte sich in die kühle Berührung und ich hörte sie leise Seufzen. Scheinbar hatte sie endlich in einen traumlosen Schlaf gefunden. Erleichtert legte ich mich neben sie und zog sie auf meine Brust. Wie eine Teufelsschlinge klammerte sie sich an mich, während sich ihr Atem langsam beruhigte. Darauf wartend, dass sich der nächste Albtraum anbahnte, schlief ich langsam ein.




Donnerstagmorgen

Das Rütteln des Windes an den Fenstern weckte mich. Draußen tobte ein englischer Herbststurm und kündigte den baldigen Winter an. Der Platz neben mir war leer. Ich wusste nicht, wie lange sie schon fort war, aber mir war klar, dass ihr Verschwinden mit den Ereignissen der vergangenen Nacht zusammenhing. Mit einem unguten Gefühl stand ich auf und spülte die Strapazen und Erinnerungen mit einer heißen Dusche fort. Auf dem Weg nach unten in die Küche beschlich mich eine dunkle Vorahnung. Der süße Geruch von frischem Gebäck schlug mir entgegen, vermischt mit dem Wissen, etwas Unverzeihliches getan zu haben. Ich kündigte mich mit einem kurzen Klopfen gegen den Holzrahmen an und versuchte, in ihrem Gesicht zu erkennen, ob ihr bewusst war, was ich getan hatte. Sie lächelte mich schüchtern an. Keine Regung in ihrem blassen Gesicht verriet, ob sie es wusste. „Wie geht es dir heute?“, wollte ich von ihr wissen, die dunklen Ringe unter ihren Augen musternd. „Besser“. Ihre Antwort klang wenig überzeugend, auch wenn ich wusste, dass es wohl wahr war. „Konntest du nicht mehr schlafen?“. Ich vermied es gezielt, zu fragen, ob sie überhaupt hatte schlafen können und spielte stattdessen auf ihre frühmorgendliche Tätigkeit an. Sie schüttelte den Kopf und ihre braunen Locken wippten unruhig umher. „Ich wollte dich nicht wecken“, gab sie zähneknirschend zu und ihr Blick flackerte nervös. „Hast du nicht“, beeilte ich mich zu sagen und schickte ein liebevolles Lächeln hinterher. „Der Wind ist doch ziemlich laut“, fügte ich noch hinzu und beobachtete erleichtert, dass auch sie zaghaft lächelte. Auf einmal fuhr sie ruckartig herum und stürzte auf den Herd zu. „Mist, Mist, Mist!“, fluchte sie aufgebracht. „Was ist los?“, wollte ich überrascht wissen. Zur Antwort drehte sie sich mit einer Pfanne in der Hand zu mir um und präsentierte mir den traurigen Überrest eines vollkommen verbrannten Pfannkuchens. „Ich glaube, den kann niemand mehr essen“. Es war eine überflüssige Feststellung, aber Hermine grinste amüsiert und ließ das schwarze Etwas aus ihrer Pfanne verschwinden. „Ich wollte es machen wie meine Mum früher. Aber irgendwie funktioniert es nicht“. Sie deutete mit der Hand auf das nun wieder leere Kochutensil und beförderte eine neue Kelle klebrigen Teiges auf den Pfannengrund. „Ich bin mir sicher, dass du es schaffen wirst“, ermutigte ich sie schmunzelnd und hauchte ihr einen Kuss auf den Hinterkopf. „Ich werde eben nach den Abraxanern sehen“. Sie nickte, während sie weiter in der Pfanne herumwerkelte. „Gib‘ Alvar eine extra Streicheleinheit von mir“, rief sie mir noch hinterher, bevor ich durch die Tür nach draußen verschwand.
Erleichtert stieß ich den Atem aus, während mir der heulende Herbstwind den Regen ins Gesicht peitschte. Eine große Anspannung viel von mir ab, während ich den schmalen Pfad zur Koppel beschritt. Ihr nichts von dieser Nacht zu erzählen war mir schwergefallen. Und Hermine war viel zu schlau, um nicht irgendwann von selbst zu erkennen, was ich getan hatte. Den Gedanken an diesen Moment in die hinterste Ecke meines Kopfes verbannend, erreichte ich die Koppel und widmete mich der Versorgung der Abraxaner, die mich bereits ungeduldig erwartet hatten.

Vom Regen vollkommen durchnässt schloss ich etwa zehn Minuten später wieder die schwere hölzerne Tür hinter mir. Plötzlich ertönte ein markerschütternder Schrei, der mir schier das Herz zerriss. Meine nassen Haare vergessend stürzte ich los, damit rechnend, mich einem grinsenden Cox gegenüberzusehen. Ungeachtet des teuren Holzes stieß ich die Tür auf, die scheppernd gegen die Wand krachte und stürzte auf Hermine zu, die zusammengekauert auf dem Fußboden hockte und sich selbst vor- und zurückwiegte. „Was ist los?“ Ich konnte die Anspannung in meiner Stimme nicht verbergen, auch wenn ich es gerne getan hätte. Besorgt ließ ich mich neben sie auf die Knie fallen und fasste sie an den Armen. Statt einer Antwort erntete ich ein schweres Schluchzen und Hermine blickte mich aus tränenverhangenen Augen schmerzerfüllt an. „Ich weiß… nicht…“, schniefte sie aufgelöst und klammerte sich an mir fest. „Da war dieser… Schmerz. Er kam ganz plötzlich … und dann war er wieder weg…“. Zitternd kauerte sie sich, an meine Brust geschmiegt, vor mir zusammen. Ich musste schwer schlucken. Ihr weiterhin zu verheimlichen, was ich getan hatte, wäre ein Fehler. Ihr Geist hatte bereits begonnen, die von mir errichteten Barrikaden wieder niederzureißen, das bewies der Schmerz. Ich wusste, dass es unverzeihlich gewesen war und nicht nur Severus deswegen verärgert sein würde. Stockend richtete ich mich etwas auf. „Hermine…“ Meine Stimme hatte einen merkwürdigen Unterton. Offensichtlich war er auch ihr nicht entgangen, denn Hermine hob sofort den Kopf und sah mich aus rehbraunen Augen schwach an. „Was ist?“ Ihre Stimme zitterte vor Sorge. „Ich muss dir etwas sagen“. Ich fühlte mich beinahe wie ein kleiner Junge, der die teure Vase seiner Eltern beim Fußball spielen zerschossen hatte und diesen nun die Scherben präsentierte. „Was?“ In ihrer Stimme schwang nun neben Furcht auch Misstrauen mit. „Ich war in deinem Kopf“. Der Satz hing in der Luft wie ein schweres Sommergewitter. „Du warst was!?“ Ruckartig löste sie sich aus meiner Umarmung und robbte auf dem Boden einige Schritten zurück. Ihre schreckgeweiteten Augen sahen mich mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Zorn an. „Du hattest einen schrecklichen Albtraum und ich habe dich einfach nicht wach bekommen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen!“, versuchte ich mich zu verteidigen. Ich konnte den Umschwung von Erschrecken zu Wut in ihrem Gesicht verfolgen. „Das gibt dir noch lange nicht das Recht, einfach so in meinen Geist einzudringen!“, schrie sie mich an und Tränen des Zorns glänzten in ihren Augen. Ich wusste, dass es nicht die Tat an sich war, für die sie mich so hasste. Sondern dass ich gesehen hatte, was niemand sehen sollte. Dass ich ihn gesehen hatte. „Du hast geschrien und geweint und um dich geschlagen. Ich weiß, dass es nicht richtig war, aber ich habe schreckliche Angst um dich gehabt und es ist immer schlimmer geworden…“ Am liebsten hätte ich zurückgeschrien, dass es keinen anderen Weg gegeben hatte und sie an meiner Stelle das Gleiche getan hätte. Aber ich schluckte meinen eigenen Zorn hinunter und ertrug stattdessen ihren, der wie ein Gewitter über mich hereinbrach und sich zuckend über mir entlud. „ICH DACHTE, ICH KÖNNTE DIR VERTRAUEN! DU BIST NICHT BESSER ALS ALLE ANDEREN, LUCIUS MALFOY!“ Fassungslos starrte ich sie an. Aus ihren vor Zorn funkelnden Augen schienen Funken und Blitze zu sprühen. Dann sackte sie plötzlich zusammen und begann herzzerreißend zu schluchzen. „Ich wollte nicht, dass du das siehst… Ich wollte nicht, dass du siehst, was er… was er mit dieser Erinnerung gemacht hat… Es war die schönste Erinnerung, die ich hatte… und jetzt… jetzt ist sie ein einziger, schrecklicher Albtraum…. Ich wollte nicht, dass du weißt, was… Greyback mir angetan hat…“. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und ihre Worte gingen beinahe in den heftigen Schluchzern unter, die sie nun schüttelten. „Hermine, bitte hör‘ mir zu!“, bat ich sie. Aber sie weinte nur weiter stumme Tränen und bäumte sich unter ihrem Weinkrampf auf. „Was dir passiert ist, ist schrecklich und grausam und dieser Scheißkerl wird dafür büßen müssen, was er dir angetan hat. Aber… Bitte! Du kannst nicht alleine damit fertig werden! Bitte lass‘ mich für dich da sein!“ Ich flehte sie förmlich an. Hermine hob langsam den Kopf und sah mich aus verquollenen Augen an. „Ich weiß nicht, ob ich das kann…“, hauchte sie tonlos und rappelte sich plötzlich auf. Überrascht sah ich sie an. Vor meinem inneren Auge zogen die schrecklichsten Bilder vorbei. Dass sie mich hier und jetzt verließ und nie wieder etwas mit mir zu tun haben wollte. Dass sie nie wieder ein Wort mit mir wechselte und ich wieder der einsame, verbitterte alte Mann werden würde, der ich vor ihr gewesen war. Dass ich meine Chance verspielt und mein Glück vertan hatte. „Ich muss mit Severus reden“. Ihre gemurmelten Worte gingen in meinen schwirrenden Gedanken beinahe unter. Ich nickte hastig. „Ich bringe dich zu ihm“. Ich sprang auf und stürzte zum Kamin. „Ich muss da alleine hin“, flüsterte sie leise. „Hermine, bitte…“, versuchte ich es noch einmal, aber sie schüttelte traurig den Kopf. „Ich muss es selbst erst verstehen, bevor ich mit dir darüber reden kann. Aber… wartest du auf mich?“ Hoffnungsvoll sah sie mich an. „Solange wie nötig!“, erwiderte ich sofort und streckte vorsichtig die Hand in ihre Richtung aus. Ihre Finger strichen federleicht über meine Haut und sie sah mich aus dunklen Augen an. „Ich liebe dich“. Es schwang so viel Schmerz und Trauer in ihren Worten mit, dass es mir beinahe wehtat. „Ich liebe dich auch“. Dann stieg sie in den Kamin, warf mit den Worten „Severus‘ Snapes Büro, Hogwarts“ eine Hand voll Flohpulver hinein und verschwand mit einem grellgrünen Lichtblitz vor meinen Augen.

Eine ungeahnte Wut ergriff mich als ich alleine war. Zorn umspülte meinen Geist und mein Herz wie eine Sturmflut und die zerstörerische Gewalt von ungebremsten Aggressionen ergriff mich. Ehe ich es mich versah hatte ich die im Raum befindlichen Möbel umgestoßen und zu Kleinholz geschlagen. Genauso schnell wie er gekommen war, verrauchte der Zorn auch wieder. Zurück blieb ein Bild zerstörerischer Wut, das ich mit einigen Schwenkern meines Zauberstabes wieder beseitigte. Hermine sollte nicht wissen, wie sehr mich ihre Worte getroffen hatten. Wie sehr es mich verletzt hatte, dass sie mich so angeschrien hatte. Auch, wenn es ihr gutes Recht gewesen war. Um meiner angestauten Energie irgendeinen Nutzen zu verschaffen, apparierte ich in mein Londoner Büro und kämpfte mich stundenlang durch den angesammelten Papierstapel, der sich auf meinem Schreibtisch türmte. Während meiner Abwesenheit war einiges zusammengekommen, dass ich nun in akribischer Genauigkeit bearbeitete, während ich ununterbrochen auf die Uhr sah.

„Sie können da nicht einfach rein!“ Die Stimme von Miss Niesburrow drang durch die Bürotür schrill wie eine Sirene an mein Ohr. Schwungvoll wurde die Tür aufgerissen und landetet krachend an der Wand. „Oh, ich denke, das kann ich doch“, säuselte Cox grinsend und bleckte die Zähne. „Sir, es tut mir leid…“ Ich unterbrach meine aufgeregte Sekretärin mit einer Handbewegung und funkelte den ungebetenen Gast wütend an. „Schon gut, warten Sie draußen“. Miss Niesburrow nickte verärgert und zog sich leise zurück. „Was wollen Sie, Cox?“, zischte ich ihn zornig an, nachdem sich die Tür geschlossen hatte. „Aber, aber, Mister Malfoy, wo bleibt denn Ihr Anstand, mir eine Tasse Tee anzubieten? Wenigstens eine Sitzgelegenheit müssen Sie mir doch schon zur Verfügung stellen, das verspricht der englische Stolz“. Er grinste mich überlegen an und nahm wie selbstverständlich auf einem der Besucherstühle Platz. „Ich wüsste nicht, weshalb ich Ihnen irgendetwas anbieten sollte!“, erwiderte ich kühl. „Ts ts ts, Mister Malfoy. Das macht aber wirklich keinen guten Eindruck“. Er schüttelte übertrieben tadelnd den Kopf. „Aber gut, sparen wir uns die Formalitäten“. Mit einem Mal wurde er ernst und setzte sich aufrecht hin. „Sie wissen, warum ich hier bin!“. Seine grün-grauen Augen funkelten gefährlich. „Ich denke nicht“, gab ich trocken zurück und lehnte mich in meinem Stuhl lässig nach hinten. „Es ist doch reichlich merkwürdig, wenn eine Gefangene des Ministeriums aus dem am besten bewachten Gebäude der Welt entfliehen kann, nicht wahr? Noch dazu ohne Zauberstaub“. Seine Stimme war eiskalt und schneidend. „Scheinbar scheint das Ministerium doch nicht so sicher zu sein, wie alle immer behaupten“. Schultern zuckend äußerte ich mein Bedauern. „Ich weiß, dass Sie die Granger befreit haben! Sie und dieses nichtsnutzige Pack lästiger Gören!“ Auch wenn seine Worte seinen Hass zum Ausdruck brachten, war seine Stimme ruhig und ohne jede Regung. „Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen, Cox“. „Inspector Cox!“, schoss er zurück und erhob sich aus seinem Stuhl. „Ich weiß, dass sie bei Ihnen ist. Und ich werde Sie im Auge behalten“. Er wandte sich zum Gehen. „Glauben Sie wirklich, dass ich hier sitzen würde, wenn sie bei mir ist?“ Meine Worte ließen ihn einen Moment innehalten, bevor er sich hämisch grinsend wieder zu mir umdrehte. „Wer weiß. Vielleicht hat sie Sie ja auch verlassen. Immerhin hatten wir zwei eine so schöne Zeit zusammen…“. Bebend vor Zorn beobachtete ich, wie er erhobenen Hauptes aus dem Raum schritt, ohne sich noch einmal umzudrehen. Am liebsten hätte ich ihm eine Reihe von Flüchen hinterhergebrüllt, aber das hätte niemandem etwas gebracht. Meine Konzentration und meine Energie waren schlagartig verschwunden, als auch er den Raum verlassen hatte und so kehrte ich erschöpft zum Landsitz zurück. Hermine war noch nicht wieder da, also setzte ich mich mit einem Glas Feuerwhiskey vor den Kamin und starrte nachdenklich in die Flammen. Eine bleierne Müdigkeit überkam mich und ich gab mich dem befreienden Gefühl des Wegdämmerns ergeben hin.




Hermines Sicht – einige Stunden zuvor, in Severus‘ Snapes Büro, in den Kerkern von Hogwarts


Hustend landete ich in dem vollkommen verrußten Kamin und wurde von schummrigem Licht empfangen. „Hermine“. Severus Snapes Stimme klang weder besonders erfreut noch sonderlich überrascht. Sie war einfach – snapisch eben. „Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?“ Ich spürte seinen stechenden Blick auf mir, während ich mir den Dreck aus den Kleidern klopfte. Obwohl ich danach versuchte, seinen Blick mit ebenso großer Festigkeit zu erwidern, wusste ich, dass es mir nicht gelang. Er las in mir wie in einem offenen Buch. „Was hat er gemacht?“ Ich meinte ein unterschwelliges Seufzen in seiner Stimme gehört zu haben, doch wahrscheinlich bildete ich es mir ein. Äußerlich hatte er keine Miene verzogen und saß unbewegt in seinem Stuhl hinter dem dunklen Schreibtisch. „Wer?“, fragte ich unschuldig und ließ mich auf einen der entsetzlich ungemütlichen Stühle auf der anderen Seite des Tisches sinken. „Sie sind verheult und offensichtlich vollkommen überstürzt aufgebrochen“. Er deutete mit dem Kopf erst auf mein Gesicht und dann auf den Pullover, den ich mir heute morgen nur über den Schlafanzug gezogen hatte. Verlegen griff ich nach der Decke, die er wortlos hatte herbeischweben lassen und wickelte mich darin ein. „Danke“, murmelte ich leise und senkte den Blick. „Da Lucius noch nicht hier aufgetaucht ist, gehe ich weiter davon aus, dass er der Grund für Ihr Erscheinen hier ist“. Ich hatte seinen messerscharfen Verstand immer bewundert, aber im Augenblick verfluchte ich ihn. „Also?“, bohrte er nach. „Er war in meinem Kopf“. Meine Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern, aber ich wusste, dass er mich verstanden hatte. Auch wenn er keinerlei Reaktion auf das Gesagte zeigte und mich nur weiterhin scharf beobachtete. Hastig fuhr ich fort und die Worte sprudelten nur so aus mir heraus: „Ich hatte… einen Albtraum. Er hat gesagt, er hätte mich nicht wecken können und wusste sich nicht anders zu helfen… Ich weiß nicht, ob ich ihm glauben kann…“. Ich hörte den Stuhl knarren als sich mein Professor für Zaubertränke darauf bewegte. „Es kann durchaus sein, dass Sie in Ihren Erinnerungen gefangen waren“. „Aber es muss nicht so sein“, erwiderte ich leise. „Trauen Sie es Lucius zu, grundlos in Ihren Geist einzudringen?“ Er sprach aus, was ich mich nicht getraut hatte zu sagen. Unruhig knetete ich meine Finger in meinem Schoß und riskierte einen Blick auf meinen Gegenüber, der mich aus wachsamen Augen musterte. Plötzlich lehnte er sich über den Tisch zu mir herüber, sodass sich das Licht der Kerzen in seinen schwarzen Seen widerspiegelte. „Hermine, wenn Sie diese Frage nicht mit einem klaren Nein beantworten können, muss ich annehmen, dass Sie ihm nicht vertrauen“. Er lehnte sich wieder zurück und sah mich nachdenklich an. „Und das würde bedeuten, dass ich ihn dringend davor warnen müsste, sich weiter mit Ihnen zu treffen“. Erschrocken riss ich die Augen auf. „Warum sagen Sie das?“, polterte ich aufgebracht und vergaß darüber, meine Finger weiter zu bearbeiten. „Ich wollte lediglich testen, wie Sie reagieren“. Seine Stimme war wieder zu dem ewigen Eis gefroren, das ich gewohnt war. „Hermine, Sie müssen verstehen, dass das, was Graham Cox Ihnen angetan hat, nicht auf einige Erinnerungen beschränkt ist. Er hat ihr Grundbewusstsein erreicht und grundlegende, fest verankerte Dinge und Einstellungen verändert. Wenn Sie mich jetzt ansehen, werde ich in Ihren Erinnerungen noch immer der gleiche Mensch sein wie vorher. Aber Lucius ist nicht mehr der Mann, den Sie kennengelernt haben. Zumindest in Ihrem Kopf“. Plötzlich ergab alles einen Sinn. Mein Misstrauen seinen Handlungen gegenüber, meine außergewöhnlich große Wut und meine Angst. Warum ich mich nicht mehr ganz so wohl gefühlt hatte in seinen Armen, ohne dieses Gefühl erklären zu können. Weil er sich normal verhalten hatte, aber es sich nicht so angefühlt hatte. „Verstehen Sie, worauf ich hinauswill?“ Er hatte geduldig gewartet, bis ich meine Gedanken sortiert hatte und sah mich nun mit einer undefinierbaren Mischung aus Sorge und Interesse an, die ich nicht einzuordnen vermochte. „Ich glaube schon…“, murmelte ich leise und erwiderte seinen Blick. Er schüttelte den Kopf. „Das reicht nicht. Glauben Sie es oder wissen Sie es? Glauben Sie, dass Lucius in Ihrem Kopf war, um Sie aus einem Albtraum zu befreien oder wissen Sie es?“. Er sah mir tief in die Augen. „Ich weiß es“, gab ich mit fester Stimme zurück und sah ihn überzeugt an. Er nickte langsam. „Gut“, war alles, was er dazu sagte, bevor er sich von seinem Stuhl erhob und zu mir herumkam. Er drehte den zweiten Besucherstuhl zu mir um und nahm darauf Platz. „Bevor wir anfangen muss ich erst wissen, ob Sie mir vertrauen. Wenn ich in Ihrem Geist bin und Sie mir nicht vollkommen vertrauen, kann das sehr schmerzhaft werden. Für uns beide“. Die schwarzen Onyxe ruhten auf mir. „Ich vertraue Ihnen. Ich weiß, dass ich Ihnen vertraue“. Er nickte kaum merklich und die schwarzen Haare wippten sacht auf und ab. „In Ordnung. Versuchen Sie sich zu entspannen. Das hier wird nicht einfach, aber Sie müssen mir vertrauen und Geduld haben.“ Ich nickte, obwohl ich am liebsten laut „Nein!“ geschrien hätte. ich war schrecklich nervös. „Und noch etwas“. Er hatte den Zauberstab gezogen und sah mir wieder in die Augen. „Ich werde alles sehen. Nicht nur das, was Lucius gesehen hat. Sondern alles“. Ich schluckte den schweren Kloß in meinem Hals herunter, der sich gebildet hatte und spürte den großen Stein, der auf meiner Brust lag. „Fangen Sie an“, flüsterte ich heiser und schloss die Augen.



Stunden später, am frühen Abend

Severus Snape sah mindestens genauso erschöpft aus, wie ich mich fühlte. Er hatte stundenlang meine Erinnerungen durchforstet, sich alles angesehen und begonnen, einige wieder zu ihrem Ursprung zurückzuführen. Die falschen, veränderten Erinnerungen lösten sich in schwarze, undurchsichtige Rauchschwaden auf, nachdem er sie von der eigentlichen gelöst hatte. Mein Kopf hämmerte und ich konnte kaum noch die Augen offenhalten. „Das genügt für heute“. Er hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt und strich sich mit einer fahrigen Handbewegung die Haare aus dem Gesicht. Seine dunklen Augen glänzten müde, doch ich konnte den wachsamen Geist darin funkeln sehen. „Können wir nicht weitermachen?“ Ich bettelte, flehte fast. Erst durch sein Handeln hatte ich das ganze Ausmaß der Veränderung erkannt und jetzt kam es mir so vor, als würden noch Wochen der Arbeit vor uns liegen. „Nein“. Er schüttelte entschieden den Kopf und lehnte sich zu mir nach vorne. „Sie sind müde. Und Sie sollten schlafen. Ich bin mir sicher, dass Lucius schon auf Sie wartet“. Der letzte Satz kam ihm schwer über die Lippen, aber ich zuckte beim Klang dieses Namens zusammen. Lucius! Ich hatte ihn über die Prozedur vollkommen vergessen. Und jetzt erinnerte ich mich daran, dass er keine Ahnung hatte, wie es mir ging und ich bereits seit Stunden verschwunden war. Erinnerungen an unseren Streit vom Morgen flackerten vor meinem inneren Auge auf und ich wollte schon aufspringen, als mich eine unsichtbare Macht zurückhielt. „Was ist?“, knurrte Severus in bekannter snapischer Manier und in seinem von Müdigkeit gezeichneten Gesicht huschte eine Hauch Misstrauen vorbei. Scheinbar fiel mit der Erschöpfung auch seine steinerne Maske. „Mir ist nur gerade etwas eingefallen“, murmelte ich nervös und versuchte in seinem Gesicht zu erkennen, ob jetzt der richtige Augenblick war, um ihn danach zu fragen. Ich hatte mich daran erinnert, mit Lucius über meinen Wunsch gesprochen zu haben, bei Severus Snape die Kunst des Zaubertränke Brauens zu erlernen. Ich war mir sicher, dass das keine manipulierte Erinnerung war. Er zog eine Augenbraue in die Höhe und musterte mich mit einer Mischung aus Misstrauen und Ungeduld. „Hatten Sie schon mal einen Lehrling?“, platzte ich heraus und hielt den Atem an. „Nein“. Seine Augen ruhten auf mir, als suche er in meiner Haltung den Grund für meine ungewöhnliche Frage. „Wäre es vielleicht… also… könnten Sie sich vorstellen…“- „Herrgott, Granger, kommen Sie auf den Punkt!“, unterbrach er mich rüde und mein mühsam zusammengekratzter Mut drohte mich zu verlassen. „Können Sie sich vorstellen, mich auszubilden? Ich möchte Zaubertränke studieren und es gibt niemand besseren als Sie, bei dem ich lernen könnte“. Eine Weile sah er mich völlig ausdruckslos an, dann richtete er sich plötzlich wieder auf. „Ich werde darüber nachdenken. Und jetzt verschwinden Sie endlich“. Überrascht hob ich den Kopf, den ich schon gesenkt hatte und strahlte ihn an. „Danke!“. Auch wenn er mir keine Zusage gegeben hatte, dass er darüber nachdachte war schon viel mehr, als ich mir erhofft hatte. Zumindest hatte er mich nicht ausgelacht oder hochkant aus dem Raum geworfen. Er winkte genervt ab und ich verschwand, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, durch den Kamin zurück zu Lucius‘ Landsitz.

Mir schlug eine angenehme Wärme entgegen, als ich im Wohnzimmer ankam. Im Kamin glomm der letzte Rest des Feuers vor sich hin, doch ansonsten war der Raum leer. Keine Spur von Lucius. Ein wenig enttäuscht machte ich mich auf die Suche nach ihm, doch auch die anderen Räume waren verlassen. Scheinbar war er nicht da. Eine ungewohnte Angst ergriff mich. Er hatte mir versprochen, auf mich zu warten, egal wie lange es dauerte. Aber nun war er verschwunden und er hatte nicht einmal eine Nachricht hinterlassen. Kopfschüttelnd verdrängte ich den Gedanken, dass er es sich anders überlegt hatte. Sicherlich war ihm nur etwas dazwischengekommen. Ich redete es mir immer weiter ein, während ich mir eine Beschäftigung suchte, um die Zeit zu überbrücken. Mit einer dampfenden Tasse Tee und einem Roman, den ich im Schlafzimmer gefunden hatte, zog ich mich, in eine Decke eingewickelt, auf das Sofa im Wohnzimmer zurück und wartete auf Lucius. Ich hatte kaum eine Seite gelesen, als die Buchstaben vor meinen Augen verschwammen und ich langsam wegdämmerte und in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.



Lucius‘ Sicht – etwa eine Stunde zuvor

Ich wartete nun bereits seit Stunden, doch Hermine war noch immer nicht zurück. Die erste Zeit, nachdem ich wieder aufgewacht war, hatte ich noch unruhig in meinem Sessel auf sie gewartet, danach war ich im Zimmer auf und abgelaufen. Gerade als ich es vor Anspannung nicht mehr aushielt und zu ihr und Severus nach Hogwarts flohen wollte, erreichte mich der silberne Fuchs-Patronus meines Sohnes. „Vater, in der Nokturngasse findet gerade ein Überfall auf den Laden von Crabbe Senior statt. Die ganze Häuserreihe steht lichterloh in Flammen, Crabbe ist tot und überall sind Todesser. Du musst mir helfen, ich komme hier nicht mehr raus!“ Genauso plötzlich wie er aufgetaucht war, verschwand der silbrige Patronus auch wieder. Fassungslos starrte ich auf die Stelle, an der er bis vor wenigen Sekunden noch in der Luft gestanden hatte. Dann realisierte ich allmählich, dass Draco in Gefahr war und schnappte mir im Hinauslaufen meinen Zauberstab. Kaum hatte ich die Appariergrenze überschritten, disapparierte ich.



Dracos Sicht – zur gleichen Zeit, irgendwo in der Nokturngasse


Ich kauerte noch immer hinter dem stinkenden Weinfass, hinter dem ich mich versteckt hatte, als die ersten Vermummten grölend und brüllend auf der Straße aufgetaucht waren. Seitdem hatten sie beinahe die gesamte Gasse in Flammen gesetzt und jeden Zauberer, der aufgetaucht war, umgebracht. Meine Finger schlossen sich noch fester um den Zauberstab in meiner Tasche und ich beobachtete eine der schwarz vermummten Gestalten, die gerade die Leiche von Crabbe Senior mit einem Fußtritt in einen dunklen Hauseingang verfrachtete. Die verhülten Gestalten rissen den mitlerweile alten Mann auf die Beine und Pressten ihm einen Zauberstab gegen den Hals. Plötzlich erhellte ein greller Lichtblitz die finstere Gasse und ein röchelnder Grabbe Senior wurde sichtbar. Der Mann der ihn festgehalten hatte ließ abrupt los und der Vater, von einem meiner ehemaligen Freunde lag sterbend in einer Pfütze aus Blut. Im nächsten Augenblick apparierte ein ganzer Pulk von Hexen und Zauberern in die Gasse und die Auroren stürzten sich auf die Gestalten, die sich mit an Begeisterung grenzender Euphorie gegen den Angriff wehrten. Im nächsten Augenblick schossen Flüche sämtlichen Ausmaßes durch die Luft und Lichtblitze jeglicher Farbe jagten sich durch die Dunkelheit der hereinbrechenden Nacht. Ich tastete nach dem zweiten Zauberstab in meiner Jackentasche, den ich mühsam und unter falschem Namen für Hermine besorgt hatte. Mich hinter meinem Weinfass noch kleiner zusammenkauernd spürte ich die plötzliche Magie der Appariergrenze, die über den Köpfen sämtlicher Beteiligter errichtet worden war und auch mich betraf. Das Geräusch berstenden Glases vermischt mit dem Zischen der tödlichen Flüche, die durch die Luft rauschten, erinnerte mich daran, dass ich dem Tode geweiht war, sollte ich mich weiter an diesem Ort aufhalten. Ich wartete einen Moment ab, indem die Welle an Flüchen etwas abzuebben schien und sprintete, nicht ohne meinen kräftigsten Protego um mich zu errichteten, aus meinem Versteck hervor. So schnell ich konnte rannte ich durch die Gasse und entkam nur knapp einigen Flüchen, die haarscharf an mir vorbeizischten. Plötzlich tauchte direkt vor mir eine schwarz vermummte Gestalt auf und stellte sich mir in den Weg. Gehässig grinsend richtete sie den Zauberstab auf mich und ehe ich auch nur die Gelegenheit hatte, meinen eigenen zu ziehen, spürte ich schon, wie mich der knurrend gemurmelte Sectumsempra am Arm traf und dabei meinen Schutzschild durchbrach wie eine dünne Stoffschicht. Taumelnd, den Schmerz in jeder Faser meines Körpers spürend und mit klopfendem Herzen hob ich den Zauberstab, um den nächsten Zauber parieren zu können. Ich spürte das Blut an meinem Arm herunterlaufen und wusste, auch ohne hinzusehen, dass es eine ziemlich tiefe Verletzung war. Mein Gegenüber grinste vorahnungsvoll und schien nur auf den richtigen Moment zu warten, um mich endgültig meinem Schicksal zuzuführen. Gerade, als mich der Schmerz zu übermannen begann und meine Beine zu versagen drohten, wurde ich plötzlich grob zur Seite gestoßen. Ich landete hart auf der gepflasterten Straße und für den Bruchteil einer Sekunde wurde mir schwarz vor Augen. Dann erkannte ich staunend, dass mich ein Auror angerempelt hatte, um nun an meiner Stelle den Kampf mit der unbekannten Person aufzunehmen. Mehr ohnmächtig als lebendig konnte ich mich an einer Hauswand wieder nach oben ziehen, kaum noch die Kraft aufbringend, auf eigenen Beinen zu stehen. Plötzlich schoss ein weiterer Fluch an meinem Kopf vorbei und im gleichen Augenblick spürte ich, wie sich ein starker Arm um mich legte. „Kannst du laufen?“. Vater presste angestrengt die Lippen zusammen, während er mit einer Hand mich stützte und mit der anderen die Flüche parierte, die nun von allen Seiten auf uns zugeflogen kamen. Ich konnte nur noch nicken und ließ mich von ihm in die Richtung ziehen, aus der er gekommen war. Er trug mich mehr als dass ich lief und schickte währenddessen Zauber in alle Richtungen los, während er weiterhin die Angriffe der vermummten Gestalten abwehrte. „Noch ein Stück weiter, Draco“. Seine Stimme stockte vor Anstrengung, aber er lockerte den Griff um mich nicht und zog mich weiter unermüdlich in die Dunkelheit einer angrenzenden Gasse. Ich war kaum noch bei Bewusstsein und es war mir ein Rätsel, wieso ich mich überhaupt noch auf den Beinen halten konnte. „Setz‘ dich hin!“, befahl Vater mir und ich ließ mich stöhnend und schwer atmend an einer schäbigen Hauswand nach unten auf die Straße rutschen. Es war mir egal, dass ich im Dreck saß und um mich herum die Ratten nach ihrem Abendessen im Müll suchten. Nur am Rande bekam ich mit, dass Vater sich um meinen Arm kümmerte und konzentriert dabei war, den Blutfluss zu stoppen. „Wach‘ bleiben! Bleib bei mir!“, wies er mich streng an, während er irgendetwas fest um meinen Arm band. Plötzlich sprang er mit gezücktem Zauberstab auf. Erschöpft drehte ich den Kopf in die Richtung, zu der sich Vater gewandt hatte, damit rechnend, vom Fluch eines Angreifers getroffen zu werden.

Das Letzte, was ich noch sah, bevor ich das Bewusstsein verlor, war Graham Cox, der mit erhobenem Zauberstab im Eingang der Gasse stand, das finstere Lächeln im Gesicht von der einzigen Straßenlaterne beleuchtet, die es gab.
Review schreiben