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Detroit - The Time After

von TammyOaks
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Gavin Reed Hank Anderson PL600 Simon RK800-51-59 Connor RK900
10.09.2018
26.10.2020
65
185.316
30
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Dieses Kapitel
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09.06.2020 2.897
 
Etwas spät diesmal, sorry^^“ (das Wochenende war recht vollgestopft)

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Connor


Er drehte sich um, als die Tür geöffnet wurde, sah seinen Partner den Raum betreten, und bemerkte dabei gerade noch, wie der etwas in der Innentasche seiner Jacke verschwinden ließ; vorerst sagte er jedoch nichts dazu.
Hank, der eben am Fuß der Treppe von Halle 3 stehengeblieben war und sie angewiesen hatte, schon einmal vorzugehen, trat jetzt um Connor herum und wirkte betroffen, als er sah, was vor ihnen auf dem Metalltisch lag.
„Ah, scheiße“, war sein Kommentar dazu.
Connor hatte bei dem Bild ähnliches gedacht, wenn auch mit weniger derbem Ausdruck.
"Ja, allerdings", meinte Joanna – die BL100, die sie in Empfang genommen hatte – trocken und nickte, während sie ebenfalls kurz zu Markus schaute.
Connor folgte ihrem Blick; obwohl er und Markus sich nicht sonderlich nahe standen, bereitete es ihm starkes Unwohlsein, Markus so zu sehen; nicht nur, weil der Verlust dieses Androiden das Ende ihres Volkes bedeuten konnte – sondern auch, weil er immer mehr von dem entwickelte, dass man Empathie nannte.
Joanna führte ihren Bericht weiter, während ihr Blick zwischen dem Tablet in ihrer Hand und den Monitoren hin und her flackerte: „Jedenfalls, die Arme haben wir schon wieder ersetzen können, das war kein Problem. In dem Bereich hat er gängige Anschlüsse und wir ausreichend Ersatzteile auf Lager.
Seine Gedächtnispalast-Komponente hingegen ... die hat ziemlich was abgekriegt, und da er dieser RK-Reihe angehört, die es so nie auf dem freien Markt gegeben hat, gibt es keine passenden Ersatzteile. Ich meine, gerade der zentralen Recheneinheit kann man ja schlecht irgendwas dranbasteln. Der Nachteil an seiner Einzigartigkeit." Sie seufzte. "Zumal wir bei den Untersuchungen festgestellt haben, dass sein Gedächtnispalast vorher auch schon einmal beschädigt wurde; von der Art der Regeneration her tippen wir auf einen Streifschuss. Und der muss, dem Einfallswinkel nach zu urteilen, dann wohl auch die Ursache dafür sein, dass seine rechte optische Einheit ausgetauscht werden musste. Die ist von beiden Augen nämlich das Ersatzteil."
Connor nickte. Damals, im Stratford-Tower, als er das Standbild von Markus‘ Gesicht analysiert hatte, war ihm das auch bereits aufgefallen.
"Und dass der Audioprozessor ausgetauscht werden musste. Komisch ist nur, dass das Komponenten von einem AK700 und einem LA900 sind. Die werden seit Ewigkeiten nicht mehr hergestellt. Keine Ahnung, wie er da drangekommen ist.“
Connor hingegen konnte es sich vorstellen, auch wenn er darüber schwieg. Die Fallakte über Markus‘ Vernichtung hatte er immer noch im Speicher. Und da zerstörte Androiden vor der Revolution in der Regel auf Schrottplätzen gelandet waren …
Im Stillen sprach Connor Markus seinen Respekt aus. Dass dieser es damals mit all den Beschädigungen geschafft hatte, sich selbst wieder herzustellen, war eine beachtliche Leistung.
„Jedenfalls, jetzt sind zwei der Gedächtnispalast-Prozessoren zu stark beschädigt, als dass Markus' System sie selbst wieder instand setzen könnte. Wir haben sie ausgebaut und drücken alle die Daumen, dass die Jungs aus der Feinmechanik das wieder hingebogen kriegen, denn sonst hätten wir ein echtes Problem. Aber tatsächlich", sie lächelte kurz, "klingen die recht zuversichtlich, also wird das schon.
Uhm, als nächstes ... richtig, der Audioprozessor. Der ist auch völlig hinüber. Und der letzte, der mit ihm kompatibel gewesen wäre, ging vor drei Tagen an einen AV500. Und bis welche nachgeliefert werden, kann es dauern, denn die stehen nicht auf der Dringlichkeitsliste, weil sie nicht zum Überleben notwendig sind und außerdem nicht ganz so häufig beschädigt werden.“
Joanna stieß leise die Luft aus und warf erneut einen kurzen Blick auf Markus, bevor sie weiter berichtete.
"Der eingedrückte Kiefer – und Wangenbereich bereitet uns ebenfalls noch Kopfzerbrechen."
"Weshalb?"
"Weil uns auch da seine Einzigartigkeit ein Bein stellt. Es gibt keinen zweiten Androiden mit einer solchen Schädelform. Dementsprechend auch keinen Ersatz. Und glaubt bloß nicht, dass CyberLife uns 3D-Drucker zur Verfügung stellen würde. Die behalten die schön für sich."
"Oh", sagte Hank. "Hm. Ziemlich scheiße."
"Wem sagen Sie das?"
"Aber könntet ihr nicht einfach fragen, ob sie euch einen Ersatz herstellen können?"
"Und ausgerechnet denen dadurch die Information zuspielen, was mit Markus passiert ist? Sicher nicht. Es ist entschieden worden, seinen Zustand so lange wie möglich geheim zu halten. Mit ein bisschen Glück und Geschick kriegt niemand außerhalb von Jericho mit, wie übel es wirklich um ihn steht."
Connor betrachtete Markus; er lag unter einem Tuch, das man ihm bis zur Brust hochgezogen hatte, in seiner ursprünglichen weißen Gestalt; das nanotechnologische Material, dass die menschliche Epidermis und Behaarung simulierte, war deaktiviert worden, der Schädel geöffnet, und diverse Kabel verbanden Markus' Körper mit umstehenden Computern und Gerätschaften.
Seine im Wangen – und Kieferbereich beschädigte Außenhülle war entfernt worden, und darunter kam der Kunststoffknochen zum Vorschein, der eingedellt und aufgebrochen war; Thirium lief keines mehr aus, doch unter dem gezackten Riss blinkten schwach-blaue elektrische Signale. Ein wenig glich Markus nun dem WR600, den sie damals in dem baufälligen Haus bei der Jagd nach der AX400 angetroffen und vor ein paar Tagen wiedergesehen hatten.
Auch Daniel fiel ihm dabei ein – und die Kugel, die dessen Kiefer zerschmettert hatte ...
Connor wandte den Blick ab und konzentrierte sich auf Joanna. Sie wollte zum Sprechen ansetzen, als in ebendiesem Moment die Tür erneut geöffnet wurde.
Ein WF500 trat ein, nahm die Anwesenden aber kaum wahr; er hatte nur ein kurzes, abwesendes Nicken für sie übrig, ging schnellen Schrittes auf Markus und die Monitore und Gerätschaften zu, und stöpselte an einem Computer eine Festplatte an, die er mitgebracht hatte. Ihnen allen den Rücken zugewandt, bearbeitete er siebenundvierzig Sekunden lang die Tastatur, dann zog er die Festplatte wieder ab und wandte sich zum Gehen.
"Und?", fragte Joanna. Der Abweichler, der müde und überspannt aussah, hatte nur ein vages Schulterzucken für sie übrig und war im nächsten Moment auch schon wieder verschwunden. Erneut seufzte Joanna und rieb sich mit geschlossenen Augen über den Nacken. "Wenn wenigstens das nicht ...", murmelte sie unbestimmt.
"Was?", fragte Connor.
"Seine Software", antwortete Joanna und schaute wieder auf. "Die hat ganz schön was abbekommen. Bei derart extremen Gewalteinwirkungen bleibt das leider nicht aus. Wir haben zwar für den IT-Bereich spezialisierte Abweichler hier, die versuchen, alles an Daten zu rekonstruieren und zu retten, was geht, aber, nun, mal abgesehen davon, dass sowas deutlich komplizierter und komplexer geworden ist, seit wir Emotionen empfinden können, bringen selbst die schlauesten Köpfe nicht viel, wenn die Ausrüstung nichts taugt."
„Und das heißt?“, fragte Connor.
Joanna zuckte die Achseln. „Sie arbeiten mit Hochdruck an der Wiederherstellung seiner Systeme, aber bei den vergleichsweise schwachbrüstigen Rechnern hier … Sagen wir, wenn er direkt von CyberLife instand gesetzt worden wäre, hätte man schon Prognosen stellen können. So müssen wir warten." Sie fuhr sich durch die Haare und zog dabei an einer Strähne, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte. Für einen Moment war es still, und sie schien in Gedanken versunken, doch dann schüttelte sie den Kopf, atmete tief durch, lächelte.
„Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, richtig? Markus ist stark, unsere Leute fähig. Sie sagen, sie rechnen bloß mit Gedächtnislücken und eventuellen Nachkalibrierungen, wenn sie ihn wieder hochgefahren haben. Und das lässt sich beheben. Also wird das schon wieder." In erster Linie klangen ihre Worte, als versuchte sie, sich selbst zu überzeugen.
"Gut, ähm, mehr fällt mir jetzt auch nicht ein. Und so langsam müsste ich auch weiter, ich hab noch andere Patienten zu betreuen. Oder gibt‘s noch was?“
„Der AP700“, sagte Connor.
"Ah", machte sie. "Ja, natürlich." Sie versuchte, sich neutral zu verhalten, doch ihre Lippen wurden schmal. Das entging ihm nicht. "Gut, dann kommt mal mit." Und sie führte sie aus dem Raum heraus. Sie befanden sich in der oberen Etage von Halle 3; hier war kaum etwas los. Weiter hinten saßen Abweichler, die sich um die Reparatur von Kleinteilen kümmerten, ansonsten schien der Bereich hauptsächlich als Lager verwendet zu werden. Überall standen Kisten herum, Regale angefüllt mit Ersatzteilen, Platinen, Kabeln und Biokomponenten
"Stört dich, dass ich mich mit dem Schicksal dieses Abweichlers befassen möchte?", fragte Connor geradeheraus.
Joanna blieb stehen, die Schultern angezogen, den Blick zu Boden, verschränkte die Arme vor der Brust; dann seufzte sie.
"Nein", sagte sie. "Nein, Unsinn. Ich verstehe es ja. Es ist nur ... ach, ich weiß auch nicht. Ich meine, ich kann irgendwo nachvollziehen, was in ihm vorgegangen sein muss, und ich bemühe mich auch um Objektivität. Wirklich. Aber ..." Sie strich sich über den Kopf, zog erneut an der Strähne. "Ich bin ... ich bin wütend. Richtig wütend. Das sollte ich nicht sein, ich weiß, aber ich bin's. Nur weil er seine schlechten Erfahrungen nicht verpacken konnte, bringt er uns an den Rand einer Katastrophe. Das kann doch nicht ... das ist doch ..." Sie rang um Worte.
"Scheiße", sagte Hank.
"Scheiße", bestätigte Joanna. "Richtige Scheiße."
Connor nickte. "Es geht mir allerdings nicht nur um diesen einen Abweichler. Er ist lediglich der Anfang. Wir haben uns zu wenig um euch gekümmert und haben uns darauf ausgeruht, dass wir euch das Angebot übermittelt haben, uns eure Vorfälle zu übermitteln. Ich hätte mir gleich denken können, dass das nicht funktioniert. Aber ich war ... zu bequem." Das einzugestehen, war ihm wirklich unangenehm. "Wir hatten in den Straßen Detroits soviel zu tun, dass ich mein eigenes Volk verdrängt habe." Kurz kam ihm der wütende AP700 – Eric – in den Sinn; kaum merklich schüttelte er den Kopf, sagte: "Das hat ein Ende. Ihr werdet bei mir jetzt Vorrang haben. Ich bin einer von zwei Androiden, der direkt mit der Polizei zusammenarbeitet und dem annähernd die gleichen Rechte wie dem eines menschlichen Detectives eingeräumt sind. Ich habe eine Verantwortung, und die darf ich nicht länger ignorieren."
Hank blinzelte und wirkte irritiert, weil sein Partner von dem Vorhaben noch nichts erwähnt hatte, aber das war Connor egal. Zu lange hatte er die Not seiner eigenen Leute ignoriert.
Joanna hingegen fing an zu lächeln. Sie sagte nichts, womöglich, weil sie seinen Worten noch nicht traute, wirkte aber verhalten hoffnungsvoll.
"Wie geht es ihm eigentlich?", fragte sie. "Tristan? Funktioniert sein Arm?"
"Bis jetzt kamen keine Beschwerden."
"Schön. Das freut mich. Gut, dann – Oh, hi." Sie blickte an Hank und Connor vorbei, und als die beiden sich umdrehten, sahen sie Simon auf sich zuschreiten.
"Hallo", sagte er, als er zu ihnen aufgeschlossen hatte. "Tut mir leid, dass ich jetzt erst komme, aber wir hatten noch eine Besprechung, und die ist etwas ausgeufert."
Es war unverkennbar, dass Simon zwar versuchte, eine unbeschwerte Miene aufzusetzen, aber gänzlich verstecken konnte er seine Niedergeschlagenheit nicht. Und offensichtlich mied er auch den Blick zu dem Raum, in dem Markus lag.
Connor wusste, dass Simon Markus bewunderte; was dem Anführer der freien Androiden zugestoßen war, musste Simon arg zusetzen. Zu gern hätte Connor seinem Kameraden geholfen, doch seine sozialen Fähigkeiten waren, wie er gestehen musste, recht dürftig, und so hatte er keine Ahnung, was er hätte tun können.
"Kein Thema." Hank winkte ab. "Wir haben alle unsere Verpflichtungen."
"Sehr schön", sagte Joanna. "Dann seid ihr in besten Händen. Macht's gut, und vielleicht sehen wir uns dann demnächst öfter." Connor und Hank nickten ihr freundlich zu und sie schritt los, wandte sich im Gehen noch einmal um: "Und grüß deinen Freund von mir. Falls irgendwas sein sollte, kann er gern wieder vorbei kommen." Sie lächelte, dann war sie am Ende der Halle durch die Tür und dahinter die Treppe hinunter verschwunden.
"Ihr seht euch demnächst öfter?", fragte Simon. "Hast du etwa ein Date ergattert?" Er sprach das möglichst sorglos aus und schützte gute Laune vor, offensichtlich in dem Versuch, etwas Normalität in ihr Aufeinandertreffen einzubringen.
Connor lächelte, doch er schüttelte den Kopf. „Nein, kein Date.“ Und er erklärte Simon in kurzen Worten, was er vorhatte. Simon wirkte überrascht, im positiven Sinne. „Das … freut mich“, sagte er. „Wir können Unterstützung gut gebrauchen. Es wäre mir zwar lieber, wenn wir gar keine Polizei nötig hätten, aber ich schätze, das ist utopisch.“ Schicksalsergeben hob er die Schultern. „Aber meld dich, wenn du kommen möchtest. Damit ich jemanden finden kann, der Zeit für dich hat.“
Connor nickte, und damit führte Simon sie beide zu einem der Räume, in dem die Toten aufbewahrt wurden.
Der Bereich wirkte wie eine Mischung aus Werkstatt und Leichenhalle. In die Wände waren keine Kühlkammern eingelassen, sondern Metallregale daran entlang aufgestellt worden, und in den einzelnen Fächern lagen tote Androiden; sie waren zwar abgedeckt von Tüchern in unterschiedlichen Stoffen und Musterungen (scheinbar war genutzt worden, was gerade zur Verfügung stand), doch die Silhouetten waren unverkennbar. Connor zählte vier Leichen. Die fünfte – die, die für Connor in diesem Moment relevant war – lag direkt vor ihnen auf einem Behandlungstisch.
Er verlor keine Zeit, verdrängte geflissentlich das mulmige Gefühl, dass sich beim Anblick toter Körper neuerdings jedes Mal einschleichen wollte, und Hank und Simon standen nur schweigend daneben, während er den AP700 untersuchte; die Wunde, die dieser sich selbst beigefügt und zu dessen Tod geführt hatte; aber vor allem das gewaltsame Abtrennen seines linken Armes und der verschiedenen Abschürfungen und Hämatome, die unter der Kleidung zum Vorschein kamen und die bereits angefangen hatten, sich zu regenerieren, bevor er starb. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass Hank nur noch geringfügig das Gesicht verzog, als er eine Probe des Thiriums oral analysierte. Scheinbar hatte sein Partner sich langsam aber sicher an diesen Vorgang gewöhnt.
Als er jedoch Simon darum bat, ihm zu übertragen, was genau sich am Vortag zugetragen hatte, schreckte der zurück.
„Muss das wirklich sein?“
„Es kann helfen“, erwiderte Connor und hielt Simon die Hand hin. „Bitte.“
Simon griff nur sehr zögerlich zu; und Connor fühlte sich von dem Wunsch überwältigt, seinen Kameraden schützen zu wollen, ihn vor den Übeln dieser Welt bewahren zu wollen – stattdessen musste er ihm noch mehr aufnötigen. Er hielt das schlechte Gewissen zurück, während die Übertragung stattfand, und versuchte, das Geschehen, das sich nun in seinem Gedächtnispalast abspielte, neutral zu betrachten, mit dem Blick eines Polizisten, nicht mit dem eines Involvierten, auch wenn er spürte, dass ihm die Anschuldigungen, die der Abweichler gegen Markus vorgebracht hatte, auf sein Gemüt schlug.
Er versuchte bereits, zu erfassen, welche der Szenen und gesprochenen Worte für ihn wichtig sein könnten, während die Übertragung noch lief, als ihn etwas überrumpelte und im selben Atemzug zutiefst erschütterte.
Der Augenblick, als Markus das Gesicht zertrümmert wurde …
(Simon hatte ihn bis jetzt zurück gehalten, wahrscheinlich, weil es ihn selbst davor grauste.)
Connor spürte, wie seine Thiriumpumpe heftiger arbeitete. Gleichzeitig hoffte er, dass man ihm den Schreck nicht im Gesicht ansah oder er etwas davon übertrug.
Simon hatte diesen Moment genauso hautnah erlebt wie Markus, weil sie verbunden gewesen waren, also hatte Simon auch gespürt, was Markus gespürt hatte; nur, dass Simon mit dieser Information nichts hatte anfangen können und sich deswegen wohl nicht damit auseinander gesetzt hatte – Connor hingegen schon.
Schmerz.
Markus hatte Schmerz empfunden. Echten, physischen Schmerz.
Also war Connor nicht der Einzige, der von dieser Anomalie betroffen war.
Die Erinnerungssequenz verebbte und Simon zog erleichtert die Hand zurück. Connor nickte wortlos und trug eine möglichst neutrale Mimik zur Schau, während er alles daran setzte, sein aufgewühltes Inneres nicht nach außen dringen zu lassen.
Seit seiner ersten Begegnung mit diesem Phänomen, verursacht durch Tristans Faustschlag, hatte er es erfolgreich verdrängt, weil er es sich nicht erklären konnte, und bis zu diesem Moment war die Erinnerung fast vollkommen verblasst; nun drängte sie mit aller Macht zurück.
Er atmete durch. Dieses Gefühl von Schmerz machte ihm, wie er gestehen musste, Angst. Simon hatte es nur flüchtig wahrgenommen, nur in dem Moment der Verbindung, ohne dass es in ihm nachhallte.
Also war Simon selbst nicht dazu in der Lage, Schmerz zu empfinden, sonst hätte er dem mehr Bedeutung beigemessen.
Doch es eröffnete ganz neue Schrecken. Wenn es nicht nur einen, sondern zwei Androiden traf, bestand die Möglichkeit, dass es sich auch auf alle anderen ausbreitete; und wenn ein Android des Schmerzempfindens fähig wäre – was konnte man ihm dann antun? Was würde man anrichten mit all den Gewalttaten?
Sein Blick blieb an dem AP700 vor ihnen hängen. Er hatte in Simons Erinnerungssequenz keine Anzeichen von wirklichem, physischem Unwohlsein gezeigt.
Doch während ein Schlag ins Gesicht nur … brannte, war das explodierende, weißgrelle Glühen von Markus‘ Verletzung (wenn Connor es auch nur sehr kurz wahrgenommen hatte) um ein Vielfaches stärker, beängstigender und lähmender.
Wie würde sich dann ein abgerissener Arm erst anfühlen … ?
„Connor?“
Er schreckte hoch aus seinen Gedanken. „Ich habe nur rekonstruiert.“ Die Lüge kam ihm überraschend leicht über die Lippen. Noch wollte er nichts darüber berichten, weil er es nicht ertrug, Hanks erschrockenes Gesicht zu sehen, wenn diesem die Ausmaße über eine solche Möglichkeit bewusst würden; wollte es für sich behalten, weil er Simon nicht noch mehr aufbürden wollte.
„Ich denke, ich habe genug Hinweise, die helfen werden, die Täter zu finden.“
Innerlich hoffte er, dass diese „Fähigkeit“ vielleicht mit der RK-Serie zusammenhing; oder das es womöglich ein Virus war, ein Schadprogramm, dass sich wieder löschen ließ. Nur ein im Zusammenhang mit der veränderten Datenverarbeitung eines Abweichlers stehender – aber behebbarer – Softwarefehler.
Und an diesem Gedanken klammerte er sich fest …
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