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Der letzte Tag

von Yukini
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
09.09.2018
09.09.2018
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Allein... Wieder einmal war ich allein. Eigentlich sollte ich daran gewöhnt sein doch an die Einsamkeit gewöhnt man sich nie. Sie kommt immer dann wenn man sie am wenigsten brauch. Ich war immer allein...

Klar hatte ich einen Freund doch dieser war nicht immer da. Immerhin hatte er sein eigenes Leben und, im Gegensatz zu mir, auch noch andere Freunde. Ich hatte keine weiteren Freunde. Das alles waren bloß bekannte mit denen ich die selben Hobbys teilte oder zusammen die Schule besuchte. Außerhalb dieser Zeit schrieben wir nie, trafen uns nie und sonst passierte nichts. Die meiste Zeit war ich in meinem Zimmer. Dort hörte ich Musik und starrte an die Decke während ich darauf wartete das der Tag verging.

Doch da die Zeit verdammt langsam verging hatte ich immer sehr viel Zeit zum nachdenken...

Warum bin ich eigentlich noch hier? Diese Frage stellte ich mir oft. Ich bin ein nichts. Ich kann nichts gut und weis nicht was ich mit diesem ‚Leben' anfangen soll. Doch immer wenn ich so dachte musste ich an meinen einzigen Freund denken daran wie er der einzige war der mich hier hielt. Immerhin wusste er von all meinen Problemen. Wir vertrauten uns alles an. 

Wir kannten uns seit der Grundschule und er war der einzige der mich nie verlassen hatte. Der einzige der immer bei mir geblieben war. Dabei waren wir zwei vollkommen verschieden. Während ich eher verschlossen war und mit niemanden wirklich was zu tun haben wollte, war er eine sehr aufgeschlossene Person. Er verstand sich mit allen gut und war ein wahrere Sonnenschein. Ich hab bis heute nicht verstanden warum er bei mir geblieben ist. Immerhin bin ich nicht immer nett zu ihm. Doch das schien ihn nie zu stören und genau darum beneidete ich ihn.

Ich wäre manchmal gerne mehr wie er. Doch das war ich nicht und das wurde mir gerade nur wieder zu sehr bewusst, während ich wiedermal in meinem Bett lag. Ich starrte auf mein Handy und hoffte etwas zu sehen was meine Einsamkeit vertreiben oder zumindest für kurze Zeit lindern konnte. Doch es war das selbe wie immer. Ich sah nur das Hintergrundbild von mir und ihm. Er hatte das Bild vor sehr langer Zeit von uns gemacht. Zu einer Zeit als es mir noch besser ging. Zu einer Zeit als ich noch mehr Freunde hatte. Als ich noch wirklich glücklich war... Es war das letzte Foto das gemacht wurde bevor es bergab ging und meine Freunde mich im stich ließen.

Seufzend drehte ich mich auf die Seite, legte mein Handy weg und lauschte der Musik. Ab und zu flossen ein paar Tränen doch es war sowieso niemand da der es sehen konnte. Obwohl es erst 17 Uhr war driftete ich langsam in einen traumlosen Schlaf.

Mitten in der Nacht wachte ich auf weil mein Magen knurrte. Ich hatte vor einer Zeit begonnen auf den Großteil meiner Nahrung zu verzichten. So sehr sich mein Magen daran gewöhnt hatte wollte er trotzdem manchmal noch etwas zu essen haben. Doch ich war zu schwach um aufzustehen also drehte ich mich auf die andere Seite und versuchte einfach weiter zu schlafen. In ein paar Stunden würde es morgen werden und Felix, mein einziger Freund, wollte vorbei kommen. Eigentlich wollte ich nicht aber er hatte kein nein Akzeptiert. So lag ich also da und starrte auf die Uhr, während ich hoffte einzuschlafen.

Irgendwann muss ich dann auch eingeschlafen sein denn als ich das nächste mal aufwachte schien die Sonne direkt in mein Zimmer. Als erstes schaute ich auf mein Handy um zu sehen wie Spät wir es hatten. Es war schon 13 Uhr. Seltsam eigentlich wollte Felix doch um 11 bei mir sein. Somit entsperrte ich mein Handy um zu schauen ob ich nicht vielleicht eine Nachricht von ihm hatte.

Nichts... Das einzige was ich sah war das er einen neuen Status hochgeladen hatte. Kurz setzte ich mich auf, weil die andere Position langsam echt unbequem wurde um mir dann den Status anzuschauen. Ich stockte als ich sah was auf dem Bild war und um welche Uhrzeit er es hochgeladen hatte. Auf dem Bild konnte man ihn erkennen, wie er lächelnd in die Kamera blickte... Doch er war nicht allein. Bei ihm waren 2 seiner Freunde und ein Mädchen. Das Mädchen küsste gerade seine Wange. Warum hatte er mir das nicht erzählt und warum hatte er nicht bescheid gesagt das er doch nicht kam? Das Bild war nämlich vor 38 Minuten hochgeladen wurden, zusammen mit der Unterschrift ‚Unterwegs mit meinem Crush und den besten Freunden der Welt'.

Vielleicht hatte er es ja vergessen... Er war manchmal etwas vergesslich. Aber vielleicht hatte er es auch nicht vergessen sondern hatte keine Lust mehr auf mich... Vielleicht wendete er sich jetzt auch von mir ab, wie es alle anderen schon getan hatten. In mir zog sich alles zusammen. Wenn er sich jetzt auch noch abgewendet hatte dann hatte mein Leben wirklich keinen Sinn mehr.

Ich entschloss mich ihn anzuschreiben und zu fragen wo er denn blieb. Gesagt getan. Jetzt musste ich nur noch auf eine Antwort warten. Zum Glück hatte ich die Lesebestätigung ausgeschaltet so wusste er nicht das ich seinen Status gesehen hatte. Ein kurzes Pling ertönte und ich wusste das ich eine Antwort von Felix hatte.

‚Mir geht es heute nicht so gut. Tut mir leid das ich nicht Bescheid gesagt habe :c Wir holen das aber irgendwann nach! Ok?'

Wütend schmiss ich mein Hand in die nächste Ecke, ohne eine Antwort zu schreiben. Ihm geht es nicht so gut! Das ich nicht lache. Es war klar das er mich irgendwann sitzen lassen würde. Er war keinen Dreck besser und niemand schaffte es mir das ins Gesicht zu sagen. Sie alle waren so verlogen. Ich wusste das dieser Tag kommen würde aber ich dachte wenigstens Felix wäre ehrlich zu mir. Tja so kann mich sich täuschen. Mein Handy gab erneut ein Pling von sich und ich stand auf um zu schauen wer es war. Es war noch eine Nachricht von Felix.

‚Es tut mir wirklich leid Binnie... Ist alles gut bei dir? Warum antwortest du nicht?'

Wieder Antwortete ich nicht sondern schaltete das Internet aus und verkroch mich für den Rest des Tages im Bett. Im Hintergrund lief leise Musik doch mehr war nicht zu hören.

Der Tag bestand nur noch aus weinen, schlafen weiter weinen und dann wieder schlafen. So verging der Tag und es wurde Montag. Eigentlich müsste ich heute wieder in die Schule, doch was sollte ich dort? Ich wollte Felix nicht begegnen also blieb ich einfach in meinem Bett. Es war nicht das erste mal das ich schwänzte also würde das schon niemanden auffallen. Der Rest des Tages verlief ähnlich wie der vorherige. Außer das ich mich irgendwann aus dem Bett quälte um mir einen Toast mit Butter zu machen, mehr konnte ich einfach nicht essen. Danach verkroch ich mich wieder in meinem Bett. Für den Rest des Tages bekam ich kaum noch was mit.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Am Donnerstag klingelte es doch ich war zu schwach um die Tür zu öffnen. Nach kurzer Zeit schien derjenige aber auch aufzugeben denn das klingeln hörte auf.

Ich hatte die letzten Tage nichts von Felix gehört. Gut ich hatte auch die ganze Zeit mein Handy nicht angeschaltet. Vielleicht sollte ich das mal wieder tun, vielleicht hatte er ja gerade geklingelt. Aber eigentlich hatte er einen Schlüssel und somit verwarf ich die Idee ganz schnell wieder.
Aber was wäre wenn er sich nicht gemeldet hatte? Noch einmal würde ich das nicht verkraften. Trotzdem war ich neugierig und so schaltete ich mein Handy wieder ein. Danach wartete ich ein paar Minuten doch nichts war passiert. Keine Nachricht, kein Anruf, nichts... Was hatte ich mir auch erhofft?

Vielleicht sollte ich wirklich einfach nur verschwinden. Es schien ja niemanden zu kümmern wie es mir ging...

Und so fasste ich einen Entschluss. Morgen, wenn Freitag war, würde ich mir unser schönes Dach mal genauer anschauen. Es würde der letzte Tag sein... Ich würde meinen 18 Geburtstag feiern... Allein und dann würde ich es beenden. Wir alle wollen doch Jung sterben oder nicht?
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