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Don't leave me alone

GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Burnett James Holiday Brandon Kylie Galen
08.09.2018
02.11.2018
2
5.212
3
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Dieses Kapitel
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02.11.2018 2.496
 
AN: Okay, da ist es endlich! Puuh, das hat länger gedauert, als ich angenommen hab, sorry dafür.
Das Kapitel beinhaltet sehr viel Dialog und da hatte ich öfters mal das Gefühl, da passt etwas nicht und musste viel umschreiben.
Hier ist es jedenfalls. Viel Spass und bitte hinterlasst mir doch etwas Feedback.






Etwas mehr als eine Stunde später stieg Burnett die Stufen zu Holidays Hütte hoch.
Schon von Weitem hatte er Geräusche vernommen, die ihm verrieten, dass sie dort war.
Er klopfte ohne Zögern an die Tür und hörte, wie drinnen ein Stuhl zurück geschoben wurde und Schritte sich der Tür näherten.

Die Tür öffnete sich und Holiday stieß ein erschöpftes Stöhnen aus, als sie ihn erblickte.
"Können wir reden?", fragte Burnett ruhig, was sie nur noch mehr aufzuregen schien.
Aber sie tat einen tiefen Atemzug, trat zur Seite und machte eine einladende Handbewegung in ihre Hütte.

Nach ein paar Schritten blieb Burnett stehen und besah sich den Wohnzimmerbereich.
Das Mobiliar unterschied sich kaum von dem der anderen Hütten im Camp.
Es war allerdings klar zu sehen, dass Holiday schon länger in dieser Hütte wohnte.

Überall hatte sie ihren persönlichen Touch gesetzt. Helle und farbenfrohe Decken und Läufer waren auf Tischen und Kommoden platziert.
Kerzenhalter auf den Fensterbänken. Dekokissen auf der Couch und Kristalle, ähnlich denen in ihrem Büro, im ganzen Raum verteilt.
Es war genauso gemütlich wie Burnett sich ihr Zuhause vorgestellt hatte.

Als er sich ihr wieder zuwandte, bemerkte er, dass sie ihn mit verschränkten Armen gemustert hatte.
Anscheinend wartete sie darauf, dass er anfing zu sprechen.
Burnett hatte sich nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, wie er anfangen sollte und suchte nach den richtigen Worten.

Holiday kam ihm zuvor.
"Kylie hat es dir gesagt", sagte sie nur und ließ ihre Arme fallen.
"Sei nicht wütend auf sie", sagte Burnett sofort. "Ich hab ihr keine Wahl gelassen."

Natürlich hatte er die angespannte Stimmung zwischen den beiden Geisterseherinnen gespürt, nachdem Kylie ihm damals erzählt hatte, dass Holidays Ex Vampir war und sie wohl sehr verletzt hatte und es ihr deshalb schwer fiel ihm zu vertrauen.
Er hätte Holiday mit diesem Wissen niemals konfrontiert und Kylie damit verraten, aber Kylie, die ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, dass sie Burnett etwas so Persönliches von Holiday verraten hatte, hatte es Holiday von sich aus gestanden und es hatte eine Weile gedauert, bis Holiday nicht mehr so enttäuscht von Kylie gewesen war.
Er wusste, dass Kylie Angst davor hatte, dass Holiday ihr wieder böse war. Es war ihm lieber, wenn sie es an ihm ausließ. Er war es gewöhnt.

"Ich bin nicht wütend", sagte Holiday ehrlich. "Aber ich bin nicht glücklich darüber. Die wenigsten können mit diesem Wissen umgehen."
"Ich denke, ich komme schon damit klar", antwortete Burnett. "Vorallem, weil ich nicht glaube, dass es mich betrifft."
"Hat sie dir gesagt, dass man es aufhalten kann?", fragte Holiday in einem genervten Tonfall.
"Sie hat gesagt, dass du das nicht glaubst. Und ich vertraue deinem Gefühl", erklärte Burnett und sie sah ihn leicht überrascht an. "Was ich meine ist, dass es hier noch andere Vampire gibt."

Er trat etwas näher.
"Aber deshalb bin ich nicht hier", sagte er. "Wir müssen endlich darüber reden, Holiday."
"Über was reden?", fragte Holiday ihn unsicher.
"Darüber, dass du nach der Vision beschlossen hast, vom Worst-Case-Szenario auszugehen, um dich auf den größtmöglichen Schmerz vorzubereiten. Und dass du dir deshalb eingeredet hast, dass es um mich gehen musst."

Einige Sekunden starrte Holiday ihn blinzelnd an, öffnete den Mund, brachte aber keinen Ton hervor.
"Ich, ich weiß nicht... was du meinst", log Holiday, was Burnett natürlich wusste.
Wieder trat er einen Schritt näher. Fast berührten sie sich.
"Ich weiß, dass du noch andere Investoren für das Camp hattest."

Die Unterlagen dazu hatte er entdeckt, während Holiday nach dem Tod ihrer Großtante fort war. Zuerst dachte er, sie hätte die Investoren vor Kurzem erst gefunden, aber nach dem Gespräch mit Kylie hatte er sie sich genauer angesehen und erkannt, dass sie diese Leute gefunden hatte, bevor er unterschrieben hatte. Schon damals hatte sie ihn vorgezogen.

"Du hast in meinen Sachen geschnüffelt?", fragte Holiday angepisst aber auch verunsichert.
"Du hast mich gewählt", ignorierte Burnett ihren Einwurf. "Wieso?"
"Das war eine rein geschäftliche Entscheidung", erklärte Holiday, nicht sehr überzeugend.

"Küsst du all deine Geschäftspartner so?", fragte Burnett leise, trat noch näher.
Zum ersten Mal wich Holiday einen Schritt zurück.
Als empfände sie es als zu gefährlich, ihm so nah zu sein, während sie an den Kuss dachten.

"Du hast mich geküsst", protestierte sie schwach. "Und es war ein Fehler. Ich hab kurz nicht aufgepasst."
"Oh", sagte Burnett. "Du musst also aufpassen, mich nicht zu küssen?"
"Das habe ich nicht gesagt."
"Das hast du aber gemeint!"

Holiday hielt seinem Blick stand, brachte aber kein Wort mehr hervor.
Sie dachte, dass es besser wäre nichts mehr zu sagen, anstatt dass sie versehentlich noch mehr preisgab.
"Es könnte so einfach sein", sagte Burnett, kaum lauter als ein Flüstern. "So gut. Wenn du es nur zulassen würdest."

Wieder trat er näher und Holiday trat zurück, kam in Kontakt mit dem Esstisch in der Mitte des Raumes.
Wann hatten sie sich gedreht?

"Verdammt, Holiday! Warum kannst du es nicht zugeben?", fragte Burnett, wurde lauter, aufgebrachter. "Ich weiß es doch. Dass ich dir etwas bedeute, dass du deswegen so unnötig besorgt um mich bist, dass du genauso fühlst wie ich!"
Holiday zog scharf die Luft ein, wandte den Blick ab.
Burnett hörte ihr Herz rasen, sah wie sie schluckte.

Als sie den Kopf wieder hob, waren ihre Augen kurz geschlossen und als sie sie öffnete, wusste er schon, dass sie lügen würde.
"Ich sorge mich nicht mehr um dich als um jeden anderen Vampir hier", sagte sie schnell, schaffte es, ohne dass ihre Stimme zitterte.

Er wusste, dass sie log.
Dass sie wusste, dass er es wusste.
Es ging Holiday nicht darum, ihn anzulügen.
Es ging darum, dass sie es sich selbst nicht eingestehen wollte.

Burnett trat einen Schritt zurück.
"Nun gut", sagte er, seine Stimme triefte vor Frustration. "Wenn das dein letztes Wort dazu ist."
Holiday sah ihm stur in die Augen und schluckte erneut.

Er trat einen weiteren Schritt zurück und Holiday verspürte den Drang, die Arme auszustrecken, um ihn festzuhalten, damit er sich nicht weiter von ihr entfernte.
Sie verschränkte sie hinter ihrem Rücken.
"Ich bin bald zurück", sagte Burnett und wandte sich ab, um zu gehen.

Holiday brauchte etwa zwei Sekunden, bis die Worte und ihre Bedeutung bei ihr ankamen.
Er würde aus der Tür gehen und vielleicht niemals wiederkommen.
Der Gedanke nahm ihr den Atem und ihr Herz schmerzte als würde es sich zusammen ziehen.
Ihre Hände umklammerten die Tischplatte hinter ihrem Rücken.
Ob es sich wohl so angefühlt hatte, als der Geist Burnetts Herz zusammen gedrückt hatte?
Würde sie gleich auch in Ohnmacht fallen?

Sie dachte daran, wie er sich an die Brust gegriffen, sie angesehen und dann zusammen gesackt war.
Dachte zurück, an ihre Gedanken, die ihr in dem Moment durch den Kopf gegangen waren.
Die Reue, die sie gefühlt hatte, über die vielen ausgesprochenenen Dinge.

"Warte", stieß sie hervor, das kurze Wort genügte, dass ihre Stimme dabei brach.
Burnett blieb nahe der Hüttentür stehen, drehte sich herum und blickte sie an.
Er steckte seine Hände in die Vordertaschen seiner schwarzen Anzughose und zog abwartend und fragend eine dunkle Augenbraue hoch.

Holiday atmete zittrig aus und wieder ein.
"D-Du... hast Recht", flüsterte sie erstickt.
Burnett hörte sie laut und deutlich.
Holiday fühlte sich verletzlich und ausgeliefert unter seinem festen Blick.
Es machte sie wütend.

"Es ist wahr, okay? Bist du jetzt glücklich?", fragte sie lauter.
Burnett atmete kräftig aus, als hätte er seinen Atem angehalten gehabt.
Ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen, wurde größer.
Bis er so breit lächelte, wie sie es bei ihm noch nie gesehen hatte.
"Ziemlich, ja", antwortete er schließlich.

Holiday fühlte sich unsicher, lehnte sich an den Tisch hinter sich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Dann bemerkte sie, dass ihre Brust sich weniger eingeengt anfühlte.
Als wäre ein Gewicht, das lange daran festgeschnallt war, endlich verschwunden.
Vorsichtig beantwortete sie sein breites Schmunzeln mit einem zaghaften Lächeln ihrerseits.

"Und jetzt?", fragte sie nach ein paar ewig scheinenden Momenten.

Burnett wusste, was er jetzt tun wollte.
In seinem Leben war er wohl noch nie so erleichtert gewesen.
Endlich, endlich hatte sie es zugegeben.
Nicht mit eigenen Worten, aber es war definitiv ein Fortschritt.

Er wollte sie in seine Arme ziehen, wollte sie küssen, sie berühren, und nicht mehr loslassen.
Aber er konnte nicht. Noch nicht.
Er konnte jetzt nicht all seine Pläne über den Haufen werfen.
Aber er sollte es ihr vielleicht wenigstens erklären.

Burnett trat wieder ein paar Schritte näher, bevor er sprach.
"Jetzt muss ich gehen", sagte er bestimmt und doch so sanft wie möglich.
Holiday seufzte frustriert auf.
"Warum?", fragte sie nur.

"Weil du nicht die Einzige bist, die sich Sorgen macht", antwortete er ihr.
Als sie ihn fragend ansah, fuhr er fort.
"Ich werde erst zur Ruhe kommen, wenn dieser Wahnsinnige, Mario, erledigt ist. Wenn du und der Rest des Camps in Sicherheit seid. Ich will, dass jeder Spur nachgegangen wird, ganz egal, wie klein die Chance ist, dass es die Ermittlungen irgendwie voran bringt. Und das muss ich tun, weil ich einer der Besten bin."
Die Art, wie er es sagte, ließ keinen Zweifel daran, dass er das nicht sagte um anzugeben, sondern weil es eine Tatsache war.

Holiday musste einsehen, dass er Sinn ergab und dass sie es nicht schaffen würde, ihn umzustimmen.
Sie ließ ihre Arme sinken und nickte ergebend, den Blick zum Boden gerichtet.
Burnett wusste, dass es besser wäre jetzt zu gehen. Er war schon spät dran.
Aber er konnte sie so verängstigt doch nicht zurück lassen.

Er trat noch einen Schritt näher und konnte nicht länger widerstehen, sie zu berühren.
Er griff sanft mit seinen beiden Händen nach ihren.
Holiday sah auf, überrascht von seiner Nähe, wehrte sich aber nicht gegen die Berührung.
Plötzlich kam es ihr so vor, als würden ihre Lungen nicht genug Sauerstoff bekommen.
Ihr Atem ging schwerer und ihr wurde leicht schwindelig, während Burnett ihre Hände mit seinen Daumen streichelte.

"Ich bin bald zurück", sagte er langsam und eindringlich, seine Stimme wieder so leise. "Mir wird nichts passieren. Ich verspreche es."
Holiday schloss die Augen und schüttelte abwehrend den Kopf.
Als sie sie wieder öffnete, glänzten sie feucht und sie wandte den Blick ab.
"Das kannst du nicht", sagte sie heiser und schluckte dann.

Sie blickte wieder auf und sah ihm fest in die Augen.
"Du kannst es nicht versprechen", wiederholte sie deutlicher. "Ja, es gibt noch andere, aber du bist auch ein Vampir von Shadow Falls."
Burnett hielt ihrem Blick stand und ekannte plötzlich, dass sie Recht hatte.

Die ganze Zeit, seit seinem Gespräch mit Kylie, hatte er sich nicht erlaubt, auch nur für eine Sekunde darüber nachzudenken, dass es wirklich um ihn gehen könnte.
Aber die Möglichkeit bestand.
Und er vertraute Holiday, voll und ganz.
Nicht nur ihr als Person, sondern auch ihren Fähigkeiten.

Wenn Holiday sagte, dass es nicht aufzuhalten war, dann glaubte er ihr.
Aber das bedeutete auch, dass es, falls er tatsächlich der Vampir aus der Vision war, keinen Unterschied machte, wo er war.
Im Camp zu bleiben würde ihm nicht das Leben retten.
Im Gegenteil, es könnte die Leute, die ihm wichtig waren, in Gefahr bringen.

Der Gedanke zu sterben machte ihm keine Angst.
Der Tod war ständig präsent und stets eine Option in seinem Beruf.
Er würde liebend gern sein Leben geben, in dem Wissen, dass jemand anderes dafür leben würde.

Aber bis vor kurzem hatte er noch gewusst, dass sein Ableben niemandem wehtun würde.
Jetzt war das anders. Nun gab es Personen, denen er wichtig war.
Der Gedanke, dass sie um ihn trauern würden, war tröstlich und gleichzeitig machte es ihn rasend.

"Du hast Recht", war es nun an Burnett, flüsternd einzugestehen. "Ich kann es nicht versprechen."

Während er mit dem Daumen seiner linken Hand wieder sanft über ihre Knöchel strich, ließ er ihre zweite Hand los und strich ihr nun eine Strähne roten Haars hinter ihr Ohr.
Holiday schloss die Augen als er ihre Wange streichelte und lehnte sich in die Berührung.
Sie öffnete sie wieder, als sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spürte.
Burnett war zu ihr runtergeneigt, dass seine Stirn schon fast an ihrer lag, aber er schien zu zögern und starrte sie nur intensiv an.

Also erhob Holiday sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn endlich.
Darauf hatte Burnett gewartet.
Der ging definitiv von ihr aus.

Als der Kuss zu enden schien, fing er ihre Lippen sofort wieder ein, küsste sie sanft und doch voller Leidenschaft.
Holiday erwiderte, legte ihre Hand in seinen Nacken und fuhr mit den Fingern durch sein Haar dort.
Ihre Hände ließen sie los und legten einander die Arme um die Taille.
Holiday seufzte leise auf, als seine Zunge sich in ihren Mund tastete.

Als Holiday den Kuss nach einigen Sekunden beendete und ihre Lippen stattdessen auf seinen Hals presste, stöhnte Burnett auf.
Gefolgt war es von einem frustrierten Knurren, weil er wusste, dass sie aufhören mussten.
Er löste seine Hand von ihrer Hüfte, legte beide Hände an ihre Schultern und schob sie sanft von sich.
Er legte seine Stirn an ihre und sie sahen sich an, während ihre Atmung sich langsam beruhigte.

"Ich versuche es", flüsterte Burnett schließlich ernst.
Oh, ja, er würde mit aller Macht versuchen zu ihr zurück zu kommen. Besonders jetzt.
Holiday schloss die Augen, bereitete sich darauf vor, ihn gehen zu lassen und atmete zittrig tief ein.
Währenddessen hob Burnett seinen Kopf und küsste sanft ihre Stirn.

Und während Holiday ihren Atem entweichen ließ trat er von ihr zurück, drehte sich um und verließ ihre Hütte, ohne sich noch einmal umzublicken.
Er wusste nicht, ob er es sonst geschafft hätte.
Als Holiday die Augen geöffnet hatte, hatte sie nur noch seinen Rücken gesehen, bevor die zugeworfene Tür hinter ihm ins Schloss fiel.
Sie blinzelte und eine einzige Träne rann ihr die Wange herunter. Sie wischte sie fort.

Dann ging sie auf unsicheren Beinen zu ihrer Couch, setzte sich und tat das wohl Selbstsüchtigste, was sie in ihrem Leben je getan hatte.
Sie schloss die Augen, konzentrierte sich wie noch niemals zuvor und flehte zu den Todesengeln.
Bitte, nicht Burnett, dachte sie immer wieder, stundenlang. Bitte, nehmt mir nicht Burnett.
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