He saved my life [Kurz-FF]

von DSpyro
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Cynder OC (Own Character) Spyro
08.09.2018
08.09.2018
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Ein trostloses Dasein...das ist die wahrscheinlich passendste Bezeichnung für mein jetziges Leben. Viele mögen das wahrscheinlich als eine pessimistische Sicht der Dinge bezeichnen. Vermutlich hätten sie damit auch recht, wenn es nicht einen kleinen Hoffnungsschimmer darauf geben würde, dass ich daran etwas ändern würde. Bis vor ein paar Jahren hatte ich noch fest daran geglaubt, dass es möglich sei in meinem Leben wieder so etwas wie Lebensfreude aufkeimen zu lassen, jedoch haben sich die Vorzeichen dafür komplett aufgelöst. Deswegen ist die Bezeichnung "trostlos" vermutlich, die einzig zutreffende. Tagtäglich erlebe ich es immer wieder - ich stehe morgens auf, ziehe mich an, putze mir die Zähne, gehe zur Arbeit, komme wieder nach Hause, mache mir etwas zu Essen, surfe ein wenig im Internet und dann endet der Tag und ich lege mich schlafen. So geht es tag ein, tag aus, immer wieder vollzieht sich der gleiche graue Alltag, wobei ich allerdings auch dazu sagen muss, dass ich nicht wirklich irgendwelche Anstrengungen darauf richte, an diesem Zustand etwas zu ändern. Ich habe mich mit meiner Art zu leben abgefunden - ja, ich denke, dass das die beste Art und Weise wäre es zu formulieren. Aber sind wir mal ehrlich - wenn es einfach nichts gibt im eigenen Leben, das man auch nur ansatzweise als interessant bezeichnen könnte, verliert man vermutlich den Glauben daran, dass es jemals passieren würde. Die einzig nennenswerten Daten in meinem Leben sind vermutlich der Tag meiner Geburt, der Tag meines Schulabschlusses...tja und der Tag, an dem meine Eltern gestorben sind. Es geschah an einem verscheiten Wintertag vor sieben Jahren, als sie plötzlich auf einer vereisten Fahrbahn von der Straße abkamen und frontal gegen einen Baum prallten. Hinterher meinten einige Polizeikräfte noch zu mir, dass ich großes Glück hatte nicht auch noch im Auto gesessen zu haben, da ich sonst vermutlich auch gestorben wäre. Doch im nachhinein betrachtet wäre es vermutlich besser gewesen, wenn dem so gewesen wäre, denn wie ich schon sagte - ich kann nicht behaupten, dass ich seit diesem Tag jemals wieder wirklich gelebt habe. Jegliche Mitmenschen haben sich von mir abgewandt, zu Verwandten oder Freunden habe ich den Kontakt abgebrochen, man könnte also wohl sagen, dass ich mein Leben in meiner eigens angefertigten Blase, abgesplitert vom Rest der Welt, verbringe. Ich vermeide es unter Menschen zu sein, obwohl es vermutlich egal ist, ob ich unter Menschen bin oder nicht, da ich meine Umgebung, wenn ich draußen unterwegs bin, sowieso kaum mehr wahrnehme. Mein Leben wäre vermutlich für immer so weiter gegangen, wenn nicht etwas passiert wäre, womit ich nie gerechnet hätte.

Es war an einem Freitag, ich hatte gerade meinen Arbeitstag beendet und freute mich etwas auf das nahende Wochenende, da dies die Zeit für mich war, wo ich die eine Sache tun konnte, die mir wenigstens noch etwas Freude schenken konnte - Videospiele. Schon als ich klein war, faszinierten mich diese fantasievollen Welten, es faszinierte mich diese künstlichen Charaktere auf dem Bildschirm durch immer wieder neue Welten zu steuern und ich wollte nur eins - ich wollte ebenfalls ein Teil dieser Welt sein. Ganz besonders eine Spiele-Reihe hatte es mir schon immer besonders angetan, nämlich die, des kleinen lila Drachen Spyro. Ich liebte diese fiktive Figur, alles, was er konnte, wollte ich am liebsten auch können - Fliegen, Feuer speien und solche Sachen, doch jedes Mal werde ich schmerzvoll daran erinnert, dass es sich um eine fiktive Welt handelt und diese somit nicht real ist. Immer wenn ich mit meinen Händen auf den Bildschirm zuwandere und dann durch den Fernseher aufgehalten werde, holt mich diese ganze Realität auf einen Schlag wieder ein. An diesem Freitag wollte ich es genauso handhaben, doch urplötzlich entschied ich mich dagegen. Ich hatte den Controller der PlayStation in der Hand, betrachtete ihn ziemlich lange...doch dann legte ich ihn wieder zurück. Ich schaute aus dem Fenster - es war schön...die Sonne meinte es gut und es war für einen Herbsttag angenehm warm draußen...doch während mein Blick über die Baumkronen wanderte, die mit dem Wind tanzten, zog mich irgendetwas Unsichtbares nach draußen. Ich behaupte nicht von mir, dass ich ein großer Spaziergänger wäre oder es gar liebte meine Zeit an der frischen Luft zu verbringen, doch irgendetwas schien mir geradezu zu befehlen, dass ich dort raus gehen solle. Also tat ich das dann auch, zog mir meine Turnschuhe an, meine Jacke, ließ die Tür ins Schloß fallen und schloss selbige dann auch ab. Draußen angekommen pfiff mir der Wind entgegen und ich merkte, dass es doch kühler war, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke bis nach oben zu und ging ziellos in eine Richtung auf eine kleine Wohnsiedlung mit Wiese und ein wenig Wald zu. Es war schön dort, aber war die Atmospähre dort einfach zu monoton. Die Straßen waren mit Steinen gepflastert, die Häuser alle fein säuberlich mit dem exakt gleichen Aussehen, weiße Steinmauern, rotes Ziegeldach, quadratische Fenster auf jeder Seite. Die Grundstücke allesamt mit Zäunen abgesperrt und dahinter eine 2-Meter-hohe Hecke, damit auch ja kein Nachbar beim anderen etwas abkupfern konnte.
"Als ob die alle so unterschiedlich leben.", dachte ich mir nur höhnisch.
Im Vorbeigehen blickte ich mich um - sogar die heimische Flora und Fauna schien sich an dieser Eintönigkeit zu stören, denn kein Vogel, kein Insekt, keine Blumen, ja nicht einmal etwas Unkraut schien es hier zu geben. Alles, was in irgendeiner Weise lebendig wäre oder leben würde - seien es Tiere oder Pflanzen - alles mied diese Ortschaft. Es war schon ein wenig unheimlich, doch wenn man sich dort für eine gewisse Zeit aufhielt, dann konnte man regelrecht spüren, warum dieser Zustand so war. Jeder, der hier nicht wohnte, konnte sich einfach nicht wohl fühlen. Deswegen folgte ich weiter der Straße und hielt auf das kleine Waldstück zu. Die Bäume waren bereits dabei ihre Blätter abzuwerfen - in bunten Farbtönen lagen diese bereits verstreut auf dem Boden. Trotzdem waren die Baumkronen immer noch dicht genug um das Sonnenlicht einigermaßen aufzuhalten, was dazu führte, dass der Wald ein wenig dunkler wirkte, als er eigentlich war - doch trotzdem entging meinem Blick nicht dieses Etwas, das dort am Wegesrand lag.
Ich ging näher darauf zu - es war ein...Ei...tatsächlich, dort am Wegesrand, hier in diesem Wald lag ein Ei. Doch es sah merkwürdig aus - zunächst einmal war es gänzlich lila farbend und es war außerdem für ein Ei ziemlich groß. Ich schaute mich um, ob es möglicherweise aus einem Nest gefallen sein könnte, doch so sehr ich mich auch umschaute - ich konnte kein Nest in den Bäumen entdecken. Bei näherer Betrachtung überlegte ich auch, welches Nest ein so großes Ei beherbergen könnte. Das Ei hatte ungefähr die Größe von einem Schuhkarton und außerdem noch dazu eine äußerst unebene Oberfläche. Ich hatte schon so einige Vogeleier gesehen, doch keines hatte ein solches Aussehen, weswegen ich auch annahm, dass es wohl etwas anderes als einen Vogel schlüpfen ließe. Ich weiß nicht genau warum, aber aus irgendeinem Grund konnte ich meinen Blick nicht von diesem Ei entfernen. Die ganze Zeit wollte ich eigentlich weiter gehen, doch etwas hielt mich davon ab. Schließlich bekam ich beim Anblick dieses herrenlosen Ei's Mitleid, da es wirklich ganz allein hier herumlag und kein Tier sich darum zu kümmern schien, denn normalerweise würde ein Muttertier ein Ei mit ihrem Leben schützen und beim kleinsten Anflug von Gefahr jeden Eindringling angreifen. Nun stand ich allerdings schon eine geraume Zeit dort bei dem Ei, doch nirgendwo war ein Muttertier zu sehen. Ich entschloss mich deshalb das Ei an mich zu nehmen. Wenn es schlüpfen würde, wäre es hier ganz allein und das Wesen darin würde vermutlich frieren oder schlimmeres sogar noch. Ich öffnete meine Jacke etwas und legte das Ei dort hinein. Beim Laufen hielt ich es mit meinen Arm fest, damit es nicht hinuter fiel. Schnellen Schrittes begab ich mich dann zurück zu mir nach Hause und war die ganze Zeit über darauf bedacht, das Ei nicht zu sehr zu schütteln und auch, dass mir niemand begegnete. Mit Sicherheit hätte ich eine Menge zu erklären, wenn jemand sehen würde, wie ich ein Ei einfach aus dem Wald mitgehen lasse. Doch zu meinem Glück war dies nicht der Fall, keine Menschenseele lief mir über den Weg. Ich atmete tief durch als ich vor meiner Haustür ankam. Der Schlüssel glitt ins Schloss, der Riegel rutschte zurück und ich betrat mein mir wohl vertrautes Heim. Alles war wie immer...bis auf die Tatsache, dass ich nun ein Ei in meinem Haus habe, wovon ich nicht weiß, wo es herkommt und was es beherbergen könnte. Jedoch sollte dieses Ei mein Leben nachhaltig verändern. Ich wusste es nur noch nicht.

Es waren nun bereits 1 1/2 Tage vergangen, seitdem ich das Ei gefunden hatte. Ich hatte in der Zwischenzeit ein Platz für das Ei hergerichtet, in einem alten Schuhkarton. Darin habe ich dann reichlich Watte ausgelegt, damit das ovale Etwas darin auch weich liegen konnte. Den Schuhkarton hatte ich dann auf ein Regal in der Nähe einer Heizung gestellt, damit auch für ausreichend Wärme gesorgt war. Ich hatte zwar keinen blassen Dunst von Brutpflege bei Eiern, aber ich wusste natürlich, dass Jungtiere aus Eiern schlüpfen, wenn sie viel Wärme ausgesetzt sind. So hoffte ich, dass dies beim Schlüpfen des Tieres in diesem Ei helfen würde, da ich mich selbst ja schlecht auf das Ei hätte draufsetzen können. In diesem Fall wäre vermutlich nur noch Rührei übrig geblieben. Wie dem auch sei, ich wurde nicht müde dieses Ei zu beobachten. Ständig wanderte mein Blick hinüber um zu überprüfen, ob sich etwas tat. Ich verstand mein Handeln in dieser Hinsicht überhaupt nicht. Das bloße Wissen, dass dort bald etwas schlüpfen könnte, ließ mich alles andere in meiner Umgebung ausblenden. Ich konnte meinen Fokus schlicht nicht mehr darauf richten.
"Was ist denn so besonders an diesem Ei?", dachte ich mir. "Warum bekomme ich es nicht aus dem Kopf?"
Dann jedoch kam mir eine Idee. Mein Vater war ein sehr anerkannter Arzt gewesen und zu seinen Ehren habe ich nach seinem Ableben das Stethoskop, welches er für seine Arbeit immer benutzt hatte, in einer Vitrine aufbewahrt. Dieses nahm ich nun an mich, steckte mir die beiden Enden in meine Ohren und richtete es auf das Ei, in der Hoffnung etwas zu hören, darin...vielleicht einen Herzschlag. Doch so oft ich die Abhörvorrichtung auf dem Ei auch hin und her bewegte...kein Geräusch konnte ich daraus vernehmen. Meine Vermutung war, dass die Schale des Ei's schlichtweg zu dick war. Ein wenig niedergeschlagen legte ich das Stethoskop wieder zurück in die Vitrine. Plötzlich vernahm ich ein Geräusch hinter mir, was mich zusammen zucken ließ. Es hörte sich an wie ein Knacken. Mein Blick wanderte wieder auf das Ei - konnte das wirklich wahr sein? Ich ging näher darauf zu...und tatsächlich...die Schale hatte einen kleinen Riss, welcher ganz langsam immer breiter wurde. Dann tat sich ein erstes Loch auf. Ich versuchte etwas zu erkennen, jedoch war das Innere noch zu dunkel. Wie gebannt starrte ich auf das, man kann schon sagen, Ereignis, welches sich mir dort darbot. Hinter mir hätte ein Feuer brennen können - ich hätte es mit Sicherheit nicht wahr genommen, so sehr fesselte mich dieses Szenario. Nun...eine weitere Öffnung und etwas kam hervor...eine kleine Pfote, mit vier Krallen - und sie war...lila. Was für ein Tier war bitteschön in diesem Ei? Immer mehr Öffnungen taten sich auf, nun sah ich eine Schwanzspitze und dort oben war...ja tatsächlich...ein Flügel. Ich verstand es noch immer nicht. Ich konnte es einfach nicht zuordnen, was sich für ein Tier darin befand. Schließlich wurde ein großer Teil der Schale einfach weggeschleudert. Reaktionsschnell konnte ich ausweichen, da ich sonst von dem Stück erfasst worden wäre. Ich warf wieder einen Blick in den Karton...nun konnte ich den Kopf des Wesens erkennen. Mir stockte der Atem - vor mir lag eine Kreatur mit einem fast dreieck-förmigen Kopf, darauf waren die Ansätze von zwei Hörnern auszumachen, es hatte Krallen, einen kurzen Schwanz und...Flügel. Vor mir lag ein...Babydrache...ich hatte ein Drachenei gefunden. Doch das war noch nicht alles, was mir auffiel. Natürlich war mir die lilane Schuppenfarbe des Drachen nicht entgangen und dazu noch dieses Aussehen...das konnte doch unmöglich wahr sein, oder? Ich wollte es nicht glauben, dabei wusste ich ganz genau, was dort vor mir lag. Vor mir lag nicht nur irgendein Babydrache, nein...es war Spyro...als Baby!
Es war schlichtweg unfassbar - mein Herzschlag schien auszusetzen...zumindest glaubte ich das. Mein Blick war vollkommen starr auf diesen Drachen, der dort drin lag, gerichtet. Doch dann bewegte er sich ein wenig und ich konnte erkennen, wie die kleinen Augen des Drachen ganz langsam und vorsichtig, sich zu öffnen versuchten. Die Umgebung schien ihn noch sehr zu blenden, denn für einige Zeit ließ er die Augen in einem zusammengekniffenen Zustand. Dann jedoch schlug er sie auf und er blickte sich um. Er schaute alle vier Wände des Kartons an...und schließlich glitt sein Blick nach oben - genau in mein Gesicht. Unsere Blicke trafen sich...in diesem Moment wurde mein ganzer Körper von so vielen positiven Gefühlen erfüllt, dass ich diese gar nicht aufzuzählen vermag. Im ersten Impuls wollte ich dieses kleine, niedliche, lila Wesen einfach nur nehmen, fest an mich drücken und nie wieder loslassen. Doch ich hielt mich zurück, da ich natürlich wusste, dass dies vollkommen unangebracht war und zum anderen konnte ich erkennen, dass der Drache diese Reaktion ganz offensichtlich nicht teilte. Seine Pupillen waren deutlich gewachsen und sie fixierten mich die ganze Zeit. Er schien Angst vor mir zu haben, nicht wissend, ob ich ihm etwas tun würde oder nicht. Die ganze Zeit über bewegten sich seine kleinen Flügelchen auf und ab, vermutlich in der Hoffnung, dass er einfach davon fliegen könnte. Doch diese Möglichkeit war natürlich absolut ausgeschlossen. Vorsichtig bewegte ich mich ein kleines Stückchen auf ihn zu, doch wie erwartet wich der kleine Drache zurück, rollte sich zusammen und versuchte seinen Kopf hinter seinen kleinen Flügeln zu verstecken. Es tut mir furchtbar leid für dieses Wesen. Wie gern würde ich ihm beweisen, dass er vor mir keine Angst zu haben braucht. Nur wie soll das gehen? Ich wage noch einen Versuch, indem ich meine Hand vorsichtig in den Karton hinabsinken lasse, bis sie auf Höhe des kleinen Drachen ist. Dort warte ich ab. Der Drache nimmt meine Hand natürlich wahr und schüffelt vorsichtig in die Richtung, bis er sich langsam erhebt und tatsächlich auf sie zugeht. Innerlich mache ich fast einen Freudensatz, doch ich versuche mich eisern zu beherrschen, da jede Bewegung den Drachen wieder in einen Angstzustand versetzen könnte und genau das will ich um jeden Preis vermeiden. Nun hat er meine Hand erreicht und schnüffelt vorsichtig an selbiger...dann jedoch bekomme ich die wunderbarste Reaktion, die ich mir vorstellen konnte. Er schmiegt sich an meine Hand und leckte mir auch noch darüber. Zum guten Schluss versucht er auch noch ein wenig an meinen Fingern zu knabbern. Dabei stelle ich mit Erstaunen fest, dass er sogar schon Zähne in seinem Maul hat. Bei diesem Anblick huscht ein kleines Lächeln über mein Gesicht. So glücklich, wie zu diesem Zeitpunkt war ich bereits seit vielen Jahren nicht mehr. Nach einigen Minuten ziehe ich dann meine Hand wieder zurück. Der Drache wirkt nun wesentlich lebhafter und kein bisschen mehr ängstlich. Er versucht an einer Seite des Kartons hochzuspringen und zu mir zu gelangen. Ich helfe ihm dann jedoch und nehme ihn in meine Arme. Seine Schuppenhaut ist noch etwas schleimig, vermutlich vom Inneren des Ei's - doch ich habe schnell die passende Idee. Eilig laufe ich ins Bad hinein und setze ihn vorsichtig in der Badewanne ab. Natürlich versucht er gleich wieder hinauszuspringen, jedoch ohne Erfolg. Unter dem Waschbecken hole ich eine große Schüssel aus Plastik hervor und fülle diese mit lauwarmen Wasser. Vorsichtig setzte ich diese in der Badewanne neben dem Drachen ab. Er scheint das Ganze misstrauisch zu beäugen, dann jedoch geht er mit seiner Schnauze vorsichtig näher heran und versucht ebenfalls daran zu schnüffeln. Als er allerdings mit seiner Nase das Wasser erreicht zieht er diese schnell zurück und schüttelt sich. Zum guten Schluss kann er dann auch einen kleinen Nieser nicht zurückhalten. Ich für meinen Teil musste beim Anblick dieses Moments ziemlich grinsen. Trotzdem versuchte ich ihm dann zu verstehen zu geben, dass er in die Schüssel steigen sollte. Ich wollte unbedingt, dass er es von selbst tut, denn wenn ich ihn genommen und dort hinein gesetzt hätte, hätte das möglicherweise unschön enden können und zu etwas zwingen wollte ich so ein Neugeborenes nun auch nicht. Es dauerte dann zwar einige Minuten, aber schließlich konnte ich ihn dann doch irgendwie überzeugen sich in die Schüssel zu begeben - und was soll ich sagen? Er liebte das Wasser...es waren keine fünf Sekunden vergangen, als er wie verrückt anfing in der kleinen Schüssel herumzutollen und zu planschen. Ja, ich wusste schon ganz genau, warum ich die Schüssel in der Badewanne abgestellt hatte.

Ein paar Minuten später war er dann vollends von mir sauber geschrubbt worden - seine Schuppen glänzten regelrecht, es war wirklich faszinierend - doch natürlich machte ich den Fehler, dass ich ihn, vollkommen durchnässt neben der Badewanne absetzte, um nach einem Handtuch zu greifen - und wie sollte es auch anders kommen? Er nutzte die Gelegenheit umgehend und flitzte davon und überall dort, wo er entlang rannte, hinterließ er eine nasse Spur aus Wasserpfützen und Abdrücken seiner Pfoten. Ich rief nach ihm, er solle herkommen, doch der kleine Drache war viel zu verspielt, alsdass er auf mich hörte. Er rannte umher, sprang über Tische und Stühle hinweg und legte sich nur wenig später dann in meinem Sessel nieder. Zu meinem Glück war dieser aus schwarzem Kunstleder, somit waren Wassertropfen darauf kein Problem. Während er dort lag, sah er mir ins Gesicht und lächelte dabei. So groß das Ausmaß von dem, was er gerade angestellt hatte auch war, ich konnte ihm einfach nicht böse sein. Er war nur ein Kind, ein Neugeborenes und wusste es deshalb natürlich auch nicht besser. Ich kam dann vorsichtig auf ihn zu, hob ihn mit dem Handtuch nach oben und setzte mich selbst in den Sessel, während ich ihn auf meinem Schoß ablegte. Dort ließ er sich dann von mir bereitwillig seine Schuppen mit dem Handtuch trocken rubbeln und als ich fertig war, rollte sich dieser kleine Drache auf meinen Beinen zusammen und war schon im Begriff einzuschlafen. Vorsichtig nahm ich den kleinen, lila Drachen auf den Arm und legte mich zusammen mit ihm auf die Couch. Er kuschelte sich an mich, bis er eine für ihn gemütliche Position eingenommen hatte. Er drehte sich einige Male hin und her, wobei seine kleinen Flügelchen gegen meine Brust stießen. Bald darauf war er dann eingeschlafen und so wie er da in meinem Arm lag, wollte ich ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen. Ein Grinsen glitt über meine Lippen und in diesem einen Moment hatte ich nach so langer Zeit wieder das Gefühl, dass in meinem Leben wirklich alles in Ordnung ist.
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