THE OTHER SIDE

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
08.09.2018
10.05.2019
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2.Kapitel

Rainn hat keinen Schimmer, wie lange sie da sitzt und auf den Handabdruck starrt. Irgendwann wird es so dunkel um sie herum, dass sie ihn kaum noch erkennen kann. Einer plötzlichen Panik folgend, lehnt sie sich nach vorn und presst ihre eigene Hand auf den Abdruck. Als ob sie ihn so bewahren kann. Er darf nicht wieder verschwinden. Der Gedanke daran, dass sie glaubt etwas zu sehen, was dann nicht mehr da ist, wird sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Ein klassischer Kuppelkoller. Solche Phänomene gab es, laut den Büchern, in der Anfangszeit der B5 oft. Menschen drehten durch, wurden verrückt und sahen Dinge, die nicht da waren. Dieser Handabdruck darf nicht verschwinden, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass sie selbst wahnsinnig wird bei dem Gedanken daran, was er bedeuten könnte.
Und so sitzt sie weitere Minuten und starrt auf ihre eigene Hand, die flachgepresst auf dem kühlen Glas liegt. Bis sie den Blick hebt und die Gegend um den Handabdruck absucht. Es ist so verflucht dunkel und sie müsste eigentlich schon längst zurück sein. Ihr Vater wartet sicherlich auf sie mit dem Essen auf dem Tisch. So wie jeden Abend seit man sie zur Hauptjägerin machte und ihr Vater langsam in den Hintergrund trat. Aber wie kann sie jetzt gehen? Sie kramt an ihrem Gürtel nach ihrer Taschenlampe und versucht in dem Lichtschein etwas zu erkennen, doch der Staub von außen lässt das Licht reflektieren, sodass sie die Welt außerhalb des Glases kaum mehr sieht. Nur der fremde Handabdruck ist jetzt nur noch deutlicher zu sehen. Sie reibt erneut darüber, muss noch mal sicherstellen, dass es nicht ihr eigener Abdruck ist. Doch er bleibt an Ort und Stelle. Sie bildet sich das nicht ein. Dort, auf der anderen Seite, sind Menschen.
Oder zumindest einer, der vor kurzem noch da war.
Wie ist das möglich? Man hat ihr, seit sie ein kleines Kind ist, immer und immer wieder erzählt, dass nur ein einziger Schritt nach draußen der sichere Tod bedeutet. Die Strahlung ist noch viel zu stark, sodass alle Menschen, die nach den Mega-Gaus, die das ganze Land durchzogen, außerhalb der Kuppel gewesen waren, keinerlei Überlebenschancen haben konnten. Selbst wenn es heutzutage, nach all den Jahrzehnten, möglich ist dort zu überleben, wie kann sich seitdem dort kein Leben entwickelt haben? Das würde bedeuten, dass manche die Katastrophe vor fast siebzig Jahren tatsächlich überlebten.
Ihre Gedanken rasen unaufhörlich, als sie sich langsam wieder erhebt und versucht mit der Taschenlampe noch mehr zu erkennen. Sie ist kurz davor ihre Suche abzubrechen und am nächsten Tag wiederzukommen, als das Licht der Taschenlampe etwas anderes als Staub reflektiert. Ein kurzes Aufblitzen, so fein wie ein Menschenhaar. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sie das Blitzen erneut findet und im Schein der Lampe festhält.
„Was zur Hölle ist das?“, flüstert sie und erschreckt sich bei dem Klang ihrer eigenen Stimme in der Totenstille, die sie umgibt. Wie beängstigend die Dunkelheit und Stille mit einem Schlag nur ist.
Bei genauerer Betrachtung wirkt das Haar wie ein feiner, gradliniger Riss in dem Glas und je näher sie es geäugt, umso sicherer ist sie, dass es sich tatsächlich in dem Glas befindet und nicht dahinter. Sie verfolgt den Riss mit dem Licht ihrer Lampe, fährt ihn gleichzeitig mit dem Zeigefinger nach. Er hat die Form eines Rechtecks und ist vielleicht einen Meter hoch und einen breit. Genauer lässt sich das nicht sagen, denn er verschwindet nach unten in der Erde. Der Handabdruck befindet sich exakt in der Mitte des Rechtecks, als hätte er versucht, von der anderen Seite dagegen zu drücken. Der Abdruck kann noch nicht sonderlich alt sein. Der Sandsturm der letzten Tage hätte ihn sicherlich verblichen oder ganz zerstört. Jemand oder Etwas hat also vor kurzer Zeit versucht. Hier hereinzukommen.
Milo beginnt hinter ihr zu winseln. Es klingt wie ein gelangweiltes Jammern, welches sie ihm so ganz und gar nicht übel nehmen kann. Aber Rainn kann hier nicht einfach aufhören. Auch wenn sie insgeheim weiß, dass das keine Sache ist, die sie für sich behalten wird. Unter keinen Umständen. Dafür ist das zu immens, zu wichtig. Es wird eine riesige Welle machen, man wird die Stelle genauestens analysieren, so wie Rainn es nun tut.
Sie beginnt den Boden darunter abzusuchen. Das Rechteck verschwindet sofort vollkommen, als sie den Schein der Lampe nicht mehr darauf hält. Doch auch an dieser Stelle ragt das Glas so weit in den Boden hinein, dass kein Ende in Sicht ist. Rainn fängt an zu buddeln und erregt damit Milos Aufmerksamkeit, der interessiert an ihre Seite tritt und den Untergrund beschnüffelt. Die Taschenlampe zwischen den Zähnen verharrt sie schließlich schwer atmend. Keine Chance. Die Wand geht hier metertief in die Erde. Genau so, wie es auch sein soll. Also tastet sie stattdessen das, nun freigelegte, Glas ab. Etwa zwanzig Zentimeter unter der Erde wird sie tatsächlich fündig. Das Rechteck schließt sich an dieser Stelle vollständig.
Was hat all das zu bedeuten? Sind das die Wesen von draußen gewesen, die versucht haben sich hinein zu schneiden? Oder kam der Riss von Innen und jemand  hat dann hier den Abdruck hinterlassen? Aber wie hätte dieser jemand die Erde auf ihrer Seite wieder darüber scharren können? Und wenn er es getan hätte, dann wäre Rainn das doch aufgefallen! Die Erde wäre aufgewühlt. Aber das ist sie nicht. Das lässt nur den Schluss zu, dass das Rechteck in der Glaswand schon seit sehr langer Zeit hier ist. Der Unterschied scheint nur zu sein, dass jemand auf der anderen Seite es nun auch bemerkt hat. Der Abdruck, genau in der Mitte, kann kein Zufall sein.
Rainn hebt erneut den Blick, blinzelt finster in die beginnende Nacht heraus. Sollen sie nur versuchen hier hereinzukommen. Rainn würde nicht zulassen, dass man zerstört, was sie sich hier aufgebaut haben.
Sie erhebt sich, klopft den Staub und die Erde von ihren Händen. Sie wird morgen wiederkommen, wenn sie mehr sieht. Und sie wird ihrem Vater noch heute davon berichten. Er wird wissen, was zu tun ist. Mit diesem Entschluss wendet sie sich schließlich wieder von der Wand ab und läuft mit einem anhaltenden Grummeln im Magen zurück zu der Jagdhütte, die sie mit ihrem Vater gemeinsam bewohnt.
Den Weg nach Hause findet sie normalerweise blind, tritt dabei sicher über Stock und Stein. Doch heute versagt sie, stolpert oft und sucht Halt bei den zahlreichen Bäumen um sie herum. Sie versucht so sehr nicht an die Erkenntnis der letzten Stunde zu denken, aber es gelingt ihr einfach nicht.
Und so entgeht ihr auch, dass aus den Fenstern der kleinen, metallischen Jagdhütte am Rande des Waldes kein Lichtschimmer zu sehen ist, als sie sich ihr nähert. Auch als sie die Tür aufstößt und ein „Dad?“, fragend in den Raum ruft, realisiert sie noch nicht, dass die Hütte leer und der Herd kalt ist. Verwirrt sieht sie sich um und schaltet das Licht ein. Auf dem kleinen Esstisch in der Mitte des Raumes, welcher ihnen sowohl als Wohnzimmer als auch als Küche dient, entdeckt sie eine gekritzelte Notiz.

Bin bei deiner Schwester. Komm sofort nach, wenn du das liest. H.

Rain ist ein Bauchmensch durch und durch. Als sie diese Nachricht liest, vergisst sie im Sekundenbruchteil den Handabdruck. Sie dreht auf dem Absatz um und stürmte nach draußen. Milo folgt ihr sofort. Nicht einmal den Bogen hat sie in der Hütte abgelegt. Als sie in strammen Schritten durch die Nacht marschiert, ist er noch immer um ihren Körper geschlungen.
Ihre Schwester bewohnt zusammen mit ihrem Mann ein kleines Häuschen nahe der Getreidefelder, die ihr Mann bewirtschaftet. Es kostet Rainn fast zehn Minuten, bis sie das Haus erreicht, welches um einiges größer ist als das von ihr und ihrem Vater. Juniper hat Glück gehabt, als man ihr das Haus zuloste. Rainn erinnert sich, als wäre es gestern gewesen, als sie ihr freudestrahlend von dem Losglück erzählte. Damals noch im siebten Monat schwanger mit der kleinen Ravi.
Als sie durch die Tür stürmt, blicken sie ihr Vater und Knox, Junipers Mannes, überrascht, mit einem Hauch von Panik, an. Diese Panik verfliegt im nächsten Moment, als sie lediglich Rainn in der Tür stehen sehen. Milo löste sich sofort von ihrer Seite und kommt schwanzwedelnd auf ihren Vater zu, der den großen Hund jedoch ignoriert, so wie er es immer tut. Es nervt ihn, dass Milo so anhänglich ist. Buster, der jahrelang an seiner Seite war, bevor er ihn einschläfern ließ, war das genaue Gegenteil von Milo. Diszipliniert und wohlerzogen.
Rainn sieht sich hektisch um. „Wo ist Juniper?“
„Bringt Ravi ins Bett.“ Knox zuckt mit den Schultern. Rainn blickt zu ihrem Vater, der an dem hell beleuchteten Esstisch steht, die Hände auf der Stuhllehne abgestützt. Sie muss kein zweites Mal hinsehen, um zu erkennen, dass er innerlich brodelt. Die dichten, dunklen Augenbrauen, die Rainn von ihm geerbt hat, sind tief ins Gesicht gezogen. Sein Kiefer malmt unaufhörlich.
„Okay, was zur Hölle ist hier los?“, fragt Rainn und blickt fordernd zwischen den beiden Männern hin und her. Doch ihr Vater ignoriert sie, sieht mit strengem Blick zu Knox hinüber, der an der Küchenzeile lehnt. Es wirkt, als hätte er sich in diesem Raum den größtmöglichen Abstand zu ihrem Vater gesucht. Zu Recht. Ihr Vater kann mit seinem breiten Körper, dem finsteren, dunklen Blick wirklich furchteinflößend sein. Auch wenn Rainn weiß, dass er tief drin ein Herz aus Gold besitzt.
„Du wirst das regeln, wirst sie zur Vernunft bringen, haben wir uns verstanden?“, knurrt er an Knox gewandt.
Knox tritt einen Schritt näher. „Denkst du, das habe ich nicht schon versucht, Harkin?“ Er flüstert, als wenn er Angst hat, dass Juniper ihn aus dem ersten Stock hören kann.
„Ich red nicht davon, es zu versuchen. Du bist der Mann hier im Haus. Deine Aufgabe ist es deine Familie zu schützen und du wirst es nicht einfach nur versuchen, du wirst es gefälligst tun! Was immer das bedeutet!“ Die rauen, vernarbten Hände ihres Vaters schließen sich fest um die Stuhllehne, die Knöchel stechen weiß hervor.
Knox fährt sich mit den Händen über den Kopf, wendet sich mit einem gequälten Stöhnen ab und läuft unruhig umher. Rainn nutzt die Gunst der Stunde und schiebt ihren Körper in das Sichtfeld ihres Vaters.
„Klärst du mich mal auf?“, fragt sie energisch fordernd. Nur äußerst langsam wandert sein Blick ab von Knox zu seiner Tochter hinüber und beinahe scheint es, als würde ihr Anblick ihm ein wenig der Wut nehmen und ihn ein Stückchen mehr erden.
„Deine Schwester ist schwanger.“
Rainn sieht ihn einen Moment verständnislos an, dann zu Knox hinüber, der nun mit verschränken Armen am Tresen steht, den Blick zu Boden gesenkt.
„Na und?“ Sie schaut zurück zu ihrem Vater. „Ist nicht das erste Mal und auch nicht das Zweite. Wir regeln das wie letztes Mal.“
In diesem Moment hören sie Schritte auf den Treppenstufen. Rainn blickt zu ihrer Schwester hinüber, die gerade den Raum betritt. Und immer wenn sie Juniper sieht, breitet sich in ihrem Magen eine einzigartige Wärme aus, die sie nur in ihrer Gegenwart so fühlt. Sie verloren ihre Mutter schon sehr früh und auch wenn Juniper nur drei Jahre älter als Rainn ist, so war sie immer in gewisser Art und Weise der Mutterersatz. Sie war so unheimlich perfekt in dieser Rolle. Ihre Stimme so zart und zerbrechlich, wie ihr feines Äußeres, aber sie selbst so stark, wenn es darum geht die Familie zusammenzuhalten. Wenn sie lächelt, lächelt man mit ihr. In ihren Armen ist der einzige Ort, an dem Rainn es wagt zu weinen. Sie selbst ist ihrem Vater so ähnlich. Aufbrausend, leicht zu verärgern und überaus impulsiv. Juniper ist schon von Anfang an das Gegenteil gewesen. Ihr heiliger Gral, in dem ihre Mutter weiterlebte. Sie liebt diese Familie und hält sie im Gleichgewicht. Immer wenn es um Juniper geht, fühlt Rainn einen unmenschlichen Beschützerinstinkt. Weil sie zu gut für ihre Welt ist, viel zu rein. In der Nacht, als Ravi geboren wurde, ist Rainn vermutlich nervöser als Knox gewesen. Sie schreien, leiden zu sehen war unerträglich. Sie denkt nicht gern darüber nach, auch nicht daran, dass ihr jemals etwas Schlimmes zustoßen könnte. Das ist einfach undenkbar für sie.
Und so dauert es einen Augenblick, bis Rainn erkennt, warum plötzlich eine eigenartige Stille im Raum herrscht. Im folgenden Moment sieht sie an dem, eigentlich zierlichen, Körper ihrer Schwester entlang. Sie schließt zwar schnell das Hemd um ihren Bauch, doch es ist zu spät.
Sie erkennt die große Beule sofort, auch wenn Juniper sie nun zu verbergen versucht.
Rainn erstarrt für einen Moment, als die Erkenntnis sackt, die unweigerlich auf eine zerschmetternde Tatsache hinführt. Es vergeht dann nur noch ein weiterer Sekundenbruchteil, in dem sie blitzschnell herumwirbelt und Knox mit ihrer Faust treffsicher auf die Nase schlägt. Auch wenn es unheimlich schmerzt, so weiß sie ganz genau, dass es ihm noch mehr trifft und die Genugtuung hinterlässt ein kurzes, grimmiges Schmunzeln in ihrem Gesicht.
„Rainn!“, ruft Juniper aufgebracht und stürmt die letzten Schritte auf ihren Mann zu, der sich mit einem Stöhnen die Nase hält. „Spinnst du?“
„Ich? Was ist nur los mit euch? Man sollte ihm den Schwanz abschneiden, das hätten wir schon vor einem Jahr machen sollen!“
„Rainn!“, brummt ihr Vater scharf. Aber er hat sich keinen Millimeter von seinem Platz wegbewegt und sieht nur mit bohrendem Blick zu seiner jüngsten Tochter hinüber, als würde er seinen Wachhund zur Ordnung rufen. Und dieser bohrende Blick hat es stets in sich, lässt sie für gewöhnlich stocken. Doch nicht dieses Mal. Das hier ist zu wichtig, zu groß.
Knox hat sich wieder aufgerichtet und hält sich noch immer die Nase. Tränen stehen ihm jetzt in seinen Augen. Juniper hält ihn fest und funkelt Rainn wütend an. Doch aus ihrem liebevollen Gesicht hat das recht wenig Wirkung auf Rainn.
„Wieso hast du so lange gewartet?“, fragt sie sie bitter. Junipers Wut weicht schlagartig aus ihrem Gesicht und wird überschatten von der Trauer, die Rainn da schon exakt einmal so gesehen hat. Vor fast genau einem Jahr. Es brach ihr das Herz Juniper so zu sehen, aber es gab damals einfach keine andere Möglichkeit. Die gibt es doch jetzt auch nicht! Das müssen sie doch wissen. Alles andere ist undenkbar und definitiv keine Option.
Juniper hält ihren Blick nur für einen kurzen Moment. Rainn sieht sie schlucken, dann leicht den Kopf schütteln. „Ich kann es nicht. Nicht schon wieder.“
„Du musst!“ Rainn tritt einen großen Schritt auf sie zu.
Juniper starrt sie an, Tränen schimmern in ihren Augenwinkeln. Und dann lächelt sie gequält, so wie sie Rainn schon so oft angelächelt hat. Mit dieser Hoffnung in ihren Augen, von der sich Rainn als Kind so nährte und die ihr nun das Herz zu brechen droht.
„Wir werden morgen mit ihnen reden, versuchen, es zu erklären. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden.“ Das allein klingt so absurd, dass Rainn zur Bestätigung zu ihrem Vater hinübersehen muss. Wie erwartet, blickt sie da die Hoffnungslosigkeit, die sie selbst auch fühlt, die Juniper offensichtlich nur nicht sehen kann.
„Es gibt exakt zwei Wege aus dieser Geschichte hinaus und das werden sie dir auch sagen. Und den einen Weg wirst du garantiert nicht gehen!“
„Wenn sie es mich nicht behalten lassen, dann bin ich doch sowieso so gut wie tot. Ich schaffe das kein zweites Mal mehr.“ Ihre Stimme zittert, während Knox sie nun in den Arm nimmt und seine Lippen auf ihre Schläfen drückt.
So gut wie ist aber nicht tot, verfluchte Scheiße! Hast du mal eine Sekunde an Ravi gedacht? An uns alle?“
„Sie werden Verständnis haben“, antwortet Juniper beharrlich, doch Rainn erkennt, dass sie sich verzweifelt an diese eine Tatsache klammert, weil es für sie keine weitere Option gibt. Eine Welle der Panik schwappt über Rainn hinweg, als sie realisiert, was hier gerade um sie herum zu geschehen droht. Wie der perfekte Boden unter ihren Füßen zu schwanken beginnt. Leben durch Gleichgewicht, hallt das B5 Motto hohl durch ihren Kopf. Tod durch Ungleichgewicht.
„Wie konntet ihr so egoistisch sein.“ Rainn bringt diese Worte voller Verbitterung über ihre Lippen und sieht zu Knox. Gott, wie sehr sie ihn in diesem Moment hasst. Für seine Schwäche Juniper gegenüber. Er liebt sie abgöttisch und das weiß Rainn. Er liebt sie so sehr, dass er ihr gegenüber so schwach war. Ihr in ihrem Wahn kein Einhalt gebot. Aber wenn er nicht in der Lage ist, Juniper so zu beschützen, wie sie es verdient, dann muss sie das in die Hand nehmen. So oder so. Wenn Juniper sich für dieses Kind entscheidet, dann wird sie nicht diejenige sein, die das Gleichgewicht wieder herstellen muss. Die die Höchststrafe für dieses Vergehen auf sich nimmt. Es muss da einen anderen Weg geben. Und den wird Rainn finden.
Mit festem Blick sieht sie zu Juniper. „Du wirst morgen nicht zu ihnen gehen. Geb mir einen Tag, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“
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