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Show Me Love (SwanQueen)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aurora Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Mulan OC (Own Character) Red / Ruby Lucas
07.09.2018
07.10.2020
22
27.077
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Dieses Kapitel
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28.08.2020 1.773
 
Ein aufmunterndes Lächeln legte sich auf Reginas volle Lippen, als sie mit dem Austeilen endlich fertig war und jeder ihrer Schüler den ersten Bogen Papier mit der hinein gelegten Kursarbeit vor sich liegen hatte.

Hauptsächlich ging es um klassische Merkmale des Dramas, die es anhand von Antigone aufzuführen galt, ein Einstieg ins Oberstufenniveau der sich über die letzten Jahre hinweg bewährt hatte.

Da war es auch schon, das erwartete Kribbeln vor Aufregung, welches die Lehrerin stets bei der ersten Arbeit ihrer Schützlinge überkam. Es lag Anspannung im Raum und Frau Mills biss sich unbewusst auf ihre Unterlippe.

"Ihr dürft jetzt aufschlagen, lasst uns die Fragen nochmal gemeinsam durchgehen."
Ob sie die Nervosität nun mitfühlte oder sich heimlich daran berauschte lies die Brünette sich nicht anmerken.

Nach einer kurzen Besprechung der Aufgabenstellung fingen die Schüler emsig an auf die linierten Papiere zu schreiben.

Regina lies zufrieden ihren Blick durch den Saal schweifen und blieb schließlich an dem honigfarbenen Lockenkopf zu ihrer Linken hängen. Im Gegensatz zu den anderen hatte Emma sich nicht nach vorne über die Arbeit gebeugt, sondern saß aufrecht in ihrem Stuhl und beobachtete, wie schon so oft, das naturgegebene Farbspiel auf der anderen Seite des Fensters.

Sie erschien der Lehrerin blasser als diese Emmas Gesicht noch von ihrer Begegnung auf dem Flur vor einigen Tagen in Erinnerung hatte. Der damalige rötliche Schimmer war von den Wangen der Blondine verschwunden, dafür zeichneten sich die dunklen Ringe, die Regina schon vor einigen Wochen aufgefallen waren, unter Emmas Augen jetzt noch deutlicher ab.

Nur in unregelmäßigen Abständen schenkte die Schülerin dem Blatt ihre Aufmerksamkeit um die dortigen Aufgaben, wie Frau Mills von ihrem Platz aus erkennen konnte, knapp und antriebslos zu bearbeiteten.

Reginas Augenbrauen zogen sich zusammen, immernoch missbilligte sie die Arbeitshaltung der Blondine, deren Passivität ordentlich an ihrem Ego kratzte.
Der Rest des Kurses hatte in den letzten Stunden das jeweilige Maximum an Mitarbeit und Stoffverständnis aus sich herausgeholt und war somit hervorragend auf diese Klausur vorbereitet..

Was Regina jedoch am meisten ärgerte war die Gewissheit, welche sie seit der ersten Deutschstunde gehabt hatte, dass Emma Swan zu so viel mehr in der Lage war als teilnahmsloses Absitzen des Deutschunterrichts Woche für Woche. Beim Gedanken an das nicht ausgeschöpfte Potential machte sich ein gleichmäßiger Schmerz in ihrem Hinterkopf breit.

Für einen kurzen Moment schloss die Lehrerin ihre Augen um tief durchzuatmen.
Regina verfluchte ihren Perfektionismus, der sie in den Wahnsinn trieb, sobald etwas nicht genau nach Plan verlief. Verdammt, sie war eine erwachsene Frau und sollte drüber stehen wenn einer ihrer Schüler eben nicht nach ihrer Nase tanzte..
Doch sie schaffte es nicht ihren festen Griff um die Kontrolle in der Situation auch nur ein wenig zu lockern.

Das Geräusch von Schritten veranlasste die Brünette dazu ihre Augen wieder aufzuschlagen. Es war Sidney, welcher erneut zum Lehrerpult lief um sich seinen dritten Bogen Papier zu nehmen. Auch wenn sie seine großkotzige Art nervte, nickte Regina dem Schüler lächelnd zu, aus Respekt für seinen Fleiß und die Arbeit, die er sich stets machte wenn es um Arbeitsaufträge ging.

Bei Emma war sich Frau Mills nicht mal sicher, ob sie überhaupt das Buch gelesen hatte.

"Kommt langsam zum Ende." Gleich würde es zur zweiten großen Pause klingeln. Keiner der Kursteilnehmer hatte frühzeitig abgegeben. Nur vereinzelt entdeckte die Lehrerin dass einige schon fertig waren und sich das Geschriebene nochmal durch lasen, jedoch traute sich niemand die Arbeit endgültig aus seinen Händen zu legen.

Regina schmunzelte über die Gewissenhaftigkeit ihrer Schüler, mit großer Sicherheit würde es das nächstes Mal anders sein.
Als das akustische Signal zum Unterrichtsschluss ertönte, legte der Rest seine Stifte beiseite und alle reichten ihre Klausur nach vorne durch, wo Regina diese zu einem ordentlichen Stapel Papier drapierte.

Mäppchen wurden geschlossen, Trinkflaschen eingepackt, Rucksäcke geschultert und Stühle angeschoben. Erleichterung lag in der Luft.

"Achja, bevor ihr geht.." unterbrach Frau Mills die Geräuschkulisse. "Frau Dorn ist heute kurzfristig verhindert, was für einen Großteil von euch Englischentfall bedeutet."

Peters Pfiff hallte durch den Saal und auch die anderen Schüler fingen an sich plaudernd über die Nachricht zu freuen. "Ah! Doppelstunde beim Drachen hätte ich nach der Klausur auch nicht mehr ausgehalten.." meinte Rebecca und grinste ihre Freundinnen an.

Obwohl Regina durchaus nachvollziehen konnte, weshalb ihre Kollegin bei deren Kursen alles andere als beliebt war, brach es ihr jedes Mal das Herz wenn sie die Abneigung der Schüler mitbekam.
Marlene war eine oft missverstandene Frau mit einer sonderbaren Art, einem hartem Panzer und tiefschwarzem Humor und Regina verbrachte gerne ihre Pausen im Lehrerzimmer neben dem "Drachen". Sie mochte deren rohe Ehrlichkeit und Strenge. Und den Kleidungsstil.

"Erste Klausurenphase - geschafft!" "Endlich haben wir es hinter uns." "Das muss gefeiert werden!"
Ein Großteil der Schüler war schon gut gelaunt aus dem Saal gestürmt. Nur der übliche Mädchentrupp aus Rebecca, Aurora, Ruby und Emma waren noch dabei ihre Sachen einzupacken.

"Aber nicht mehr heute, Beccs.." meinte Ruby. "Ich hab meiner Oma versprochen diese Woche im Café zu helfen, und wenn ich heute früher anfange muss ich morgen nicht so lange machen und bekomme den Anfang des Teen-Wolf Marathons noch mit. Die wiederholen die ersten zwei Staffeln."
"Und ich brauch erst mal einen Nap.." warf Aurora ein.

"Dann lasst uns doch am Freitag feiern!" schlug Rebecca vor und der Rest nickte zustimmend.
Mit den Worten "Sorry," wandte Ruby sich an Emma und schulterte ihren Rucksack. "Kein Problem, wir sehen uns morgen." murmelte die Blondine mit einem schwachen Lächeln. Das Diner lag am anderen Ende der Stadt und somit würde sie alleine den Nachhauseweg antreten.

Aus dem Augenwinkel beobachtete Frau Mills wie Ruby ihrer Freundin einen besorgten Blick zu warf und sachte über deren Oberarm strich. "Bis morgen." Dann verließ Ruby, den anderen zuwinkend, eilig den Raum und Emma folgte ihr etwas später mit dem Rest der Letzten.

Regina packte die Sachen ein, auch sie hatte heute nur vier Stunden, und die Lehrerin wog ab ob sie den freien Nachmittag nutzen sollte, um damit anzufangen die Arbeiten zu korrigieren. Sie war neugierig auf die Ergebnisse.
Den aufregenden Gedanken im Hinterkopf behaltend verließ die Brünette das Gebäude und steuerte mit raschen Schritten auf den Lehrerparkplatz direkt vor dem Eingang zu.

Da entdeckte sie Emma. Die Schülerin stand verloren am Rand des Schulhofs, niemand anderes war zu sehen, es war schließlich Unterrichtszeit.
Als die Blondine den Lockenkopf kurz anhob trafen ihr tristes Grün und Reginas dunkles Braun aufeinander. Emma sah schnell weg und zog hastig an der Kippe.

Frau Mills biss sich auf ihre plumpe Unterlippe, unentschlossen was sie nun tun sollte.
Die Lehrerin konnte sich denken, dass Emmas heutiger Tag schon beschissen genug gewesen war und neben der Umstellungen auf das Oberstufensystem noch etwas anderes an dem Mädchen zu nagen schien..

Doch jetzt hatten sich ihre Blicke gekreuzt, und Regina wusste auch, dass die Schülerin mit der Zigarette zwischen den Fingern noch keine 18 Jahre alt war.
Frau Mills hatte die Mädchen vor zwei Wochen im Schulflur schon einmal ohne Weiteres gehen lassen und sie würde ihrem Ruf nicht gerecht werden, wenn sie jetzt nicht eingriff.
Da gab die ältere Frau ihrem ausgeprägten Pflichtbewusstsein nach und blieb vor ihrem Schützling stehen.

Mit Nachdruck in der Stimme durchbrach Regina die Stille. "Erstens, ist das Rauchen auf dem Schulgelände verboten."
Ein schwaches Seufzen kam als Antwort über Emmas Lippen und sie schlurpste ein paar Schritte nach rechts über die Grenze vom Pausenhof zum Bürgersteig, so dass die Schülerin offiziell nicht mehr auf dem Gelände stand.

Regina knirschte kaum hörbar mit ihren Zähnen, hörte jedoch sofort damit auf, erschrocken darüber wie provoziert sie sich durch die simple Geste der Schülerin fühlte.
Verärgert darüber, dass ihr Körper sie verraten hatte, verdrehte die Lehrerin genervt die Augen um anschließend ihren Blick wieder über Emmas Gestalt tanzen zu lassen, welche es jedoch nicht bemerkt zu haben schien. Die Blondine schaute stumm auf die Kippe in ihrer Hand.

Contenance.. Kurz schloss Regina wieder ihre Augen um sich zu sammeln, dann fuhr sie mit ruhiger Stimme fort.

"Und zweitens bist du, so weit ich weiß, noch nicht volljährig, Emma." Die Lehrerin suchte jetzt gezielt den Blickkontakt zu der Jugendlichen, doch diese wich ihr weiterhin aus.
Das gefiel Regina gar nicht und sie bemerkte wie stark ihr Herz in ihrem Brustkorb hämmerte. Dass sie den Grund dafür nicht genau erfassen konnte, ließ es nur noch intensiver pochen.

Sie konnte die Provokation nicht einfach so hinnehmen.
Tief in ihr fing etwas an zu glühen, und wie Lava die im Vulkanhals hochkocht, brodelten die Gefühle in Regina.

Sie sollte nach Hause gehen, anfangen, die Arbeiten zu korrigieren, vielleicht einen guten Rotwein aufmachen. Doch mal wieder war es Emma Swan, die ihren geregelten Ablauf durcheinander brachte.
Emma Swan, die Reginas Autorität so routiniert in Frage stellte, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.
Emma Swan, deren Verhalten in Form eines Rubix Cubes in Frau Mills Kopf ständig gedreht und gewendet wurde.
Emma Swan, das ambivalente Puzzle, dessen Lösung in den letzten Wochen unterbewusst höchste Priorität für die Brünette bekam.
Emma Swan, die ihr keine Ruhe ließ und sie langsam in den Wahnsinn trieb.
Emma Swan, an der Regina sich die Zähne ausbeißen wollte.

Der innere Konflikt näherte sich seinem Höhepunkt als Regina, angeheizt von den eigenen Emotionen, jegliche Sicherheitshinweise in ihrem Kopf ignorierte und in einer schnellen Bewegung mit ihren zarten Fingern Emmas Kinn anhob.

Ausdruckslos schaute die Schülerin ihr in die Augen, doch es kam keine weitere Reaktion. Emmas Mund blieb verschlossen und somit auch ihre Gedankenwelt. Das kann doch nicht sein.. Fieberhaft suchte Frau Mills nach einer Möglichkeit sich zu erlösen.

Und im trüben Blick der Schülerin sah Regina ihre Chance.

"Wenn du nicht willst, dass deine Eltern davon erfahren, bleibst du heute länger." kam es tief aus Frau Mills' Kehle. Dabei wusste sie nicht Mal welche Haltung Emmas Familie zu dem Thema Rauchen hatte. Langsam zog sie ihre Hand zurück, den Blickkontakt hielt die Brünette jedoch noch.
Doch sie musste das Risiko eingehen..

Vielleicht war erneutes Nachsitzen eine übertriebene Maßnahme, doch Regina brauchte Zeit. Zeit mit der Schülerin um deren Antriebe zu verstehen, ihren Charakter weiter zu ergründen, solange bis sie den Emma-Code geknackt hatte und ihr Schützling wieder am Unterricht teilnahm.

Emma nahm einen letzten Zug, bevor sie die Kippe in den Mülleimer neben sich schnipste, und trat einen Schritt auf ihre Lehrerin zu. Die plötzliche Nähe erinnerte Regina an ihre Begegnung auf dem Flur.

"Geht klar," murmelte die Blondine monoton. "N108?"
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