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Show Me Love (SwanQueen)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aurora Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Mulan OC (Own Character) Red / Ruby Lucas
07.09.2018
07.10.2020
22
27.077
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07.08.2020 2.108
 
"Na dann wollen wir mal," mit diesen Worten öffnete Merida fast schon feierlich den rötlichen Behälter und führte dessen Öffnung an ihren Mund.
Emma beobachtete wie ihre Mitschülerin gleich mehrere, ordentliche Schlücke nahm und sich, nachdem Merida den 1,5L Tetrapack abgesetzt hatte, mit dem Ärmel ihres Flanellhemds die Reste des Getränks von den Lippen wischte.

Es war jetzt schon knapp eine Woche her seit dem Emma nachsitzen musste und heute war der Schultag an dem die Klausurenphase offiziell beginnen würde.
Merida kam auf die glorreiche Idee sich vor der ersten richtigen Klausur (das waren ja keine Klassenarbeiten mehr) ein wenig Mut an zu trinken, "damit wir das ganze überstehen!", und Emma hatte nicht nein gesagt.

Mit den Worten "Hier, für die Billovariante ist der nicht mal so übel," wurde ihr der Sangria überreicht und auch die Blondine trank tüchtig davon.

Die zwei hatten vor Kunst eine Doppelstunde frei und lungerten nun im Park hinter der Schule auf einer Holzbank.
Merida war gerade dabei sich mit einem Edding endlich auch auf der vollgeschmierten Sitzgelegenheit zu verewigen. Eine selbstgedrehte Kippe hing in ihrem Mundwinkel und der Rotschopf gab sich größte Mühe mit ihrem Schriftzug bei den anderen Kritzeleien mithalten zu können.

GRL PWR stand in großen, geraden Buchstaben fett auf der Sitzplatte, daneben der Appell tame the dragon und Merida hätte drauf gewettet, dass Philipp stinkt Rubys Handschrift war.

Emma saß im Schneidersitz neben ihr und betrachtete, den blonden Lockenkopf leicht zur Seite geneigt, die lieblos hingeschmierten Notizen zu architektonischen Stilepochen im Hefter, welcher offen im Schoß der Schülerin lag.
Krampfhaft versuchte sie noch ein paar Infos in ihren Schädel zu bekommen um die Note im Lieblingsfach mit einer verhauten Arbeit nicht komplett herunter zu ziehen.

Doch so sehr die Schülerin sich auch bemühte, sie schaffte es nicht sich zu konzentrieren. Die Kombination aus Schlafmangel und Alkohol standen ihr im Weg und ihre generelle tief verankerte Sturheit war auch nicht sonderlich hilfreich.
Dabei wollte Emma sich doch ab diesem Schuljahr bessern..

"Das könnte ich mir nicht mal nüchtern merken.. Was ein Bullshit. Als würden wir das je wieder gebrauchen." frustriert klappte die Blondine den Ordner zu und griff nach dem Tetrapack um weiter zu trinken. Guter Wille? Ciao Kakao!


"So sieht intensive Vorbereitung aus, jaja" lachte Merida eine halbe Stunde später leicht beschwipst mit einem rötlichen Schimmer auf den von Sommersprossen bedeckten Wangen. Auch Emma hatte aufgeholt und merkte die dumpfen Auswirkungen des Getränks auf ihre Sinne.

Vom Schulhof tönte das Klingeln zur großen Pause. "Jetzt aber los.." Emma erhob sich und schulterte ihre Tasche. Für einen kleinen Augenblick drehte sich alles und die Schülerin umklammerte ihren Rucksackträger fest, im Glauben so den Halt nicht zu verlieren.

Diesen Moment nutzte Emmas Gewissen, um dazwischen zu schalten und kam zu dem grandiosen Ergebnis dass diese Aktion vermutlich nicht eine ihrer cleversten Ideen gewesen war.. "Eeh, schaffst du den letzten Schluck?"

Obwohl, es konnte der Blondine eigentlich egal sein. Sie würde in nächster Zeit noch genug unter der bloßen Anwesenheit von Frau Mills leiden, da konnte man jetzt schon mal etwas Spaß haben.
Emma zuckte kaum merklich mit den Schultern und setzte den Behälter rasch noch ein letztes Mal an ihre Lippen, ließ jedoch einen Rest für ihre Freundin übrig.
"So, jetzt."

"Logo," Merida steckte den Edding wieder ein und trank den Tetrapack aus. "Lebensmittelverschwendung? Nicht mit uns!" Das leere Ding pfefferte sie in den Mülleimer neben der Bank, zufrieden mit ihrer - trotz Promille - starken Trefferquote.

Dann machten die beiden sich rasch auf den Weg zum Schulgebäude.
Auf der Banklehne stand nun in gut lesbarem schwarz want a piercing? ask your local ginger mit einem kleinen Herzchen daneben.


"Hier entlang!" Emma griff nach Meridas Arm als diese eine Treppe zu viel hoch laufen wollte. "Wir haben im zweiten Stock, schon vergessen?" Der Rotschopf schenkte ihr als Antwort ein blödes Grinsen. Die Blondine konnte auch nicht mehr ernst bleiben und die beiden prusteten los.

Kaum hatten die Mädchen den langen Hauptgang betreten, schwankte Emma auch schon etwas zu weit nach rechts und stieß mit einem Donnern gegen einen der dort stehenden Spinde.
"Holla!" rief Merida ihr mehr giggelnd als besorgt hinterher, doch die Blondine schien unversehrt und kicherte über ihre eigene Tollpatschigkeit.


Auf der anderen Seite des Flures schloss sich eine der Saaltüren und Frau Mills griff in ihrer schwarzen Umhängetasche nach dem Schlüssel um das Klassenzimmer abzuschließen. Einer ihrer Siebtklässler hatte noch Fragen bezüglich seiner Note auf den Französischtest gehabt, weswegen die Lehrerin jetzt erst den Raum verließ.

Als sie einen dumpfen Knall vernahm, hob die Brünette den Kopf und suchte mit ihrem Blick den Gang nach der Ursache des Geräusches ab. Doch alles was sie erkennen konnte, waren zwei Schülerinnen, die in ihre Richtung liefen.

Eine davon war Emma Swan. Die andere kam ihr ebenfalls bekannt vor. Regina warf einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr und stellte fest, dass es erst vor fünf Minuten zur großen Pause geklingelt hatte.
Die Lehrerin war bekannt dafür Schüler um diese Uhrzeit raus auf den Schulhof zu schicken.

Frau Mills hob erneut ihren Blick um die Mädchen genauer zu mustern. Jetzt erkannte sie auch den Rotschopf wieder. Merida Schütz war ihr in einigen Vertretungsstunden aufgefallen und Regina war sich sicher, dass die jetzige Elftklässlerin es immer noch faustdick hinter den Ohren hatte, deren Herz jedoch am rechten Fleck saß.

Und jetzt waren Emma und Merida, die sich vorher wahrscheinlich nur vom bloßen Sehen her kannten, beide von Frau Mills in unterschiedlichen Stufen unterrichtet, durch die Auflösung der Klassen und der neuen Konstellation in den Kursen aufeinander getroffen.

Gerade machten die beiden einen äußerst vergnügten Eindruck und ein warmes Lächeln legte sich auf die Lippen der Brünette.
Manchmal war es wirklich schön über die Jahre mit an zu sehen wie sich Schüler entwickelten..
Merida und Emma waren eine starke Kombination, die zwei passten wirklich gut zusammen und Frau Mills gönnte den Mädchen diese Freundschaft so sehr, in Erinnerung an die eher einsamen Jahre ihres Abschlusses.

Doch Reginas Gewissen machte äußerst selten Ausnahmen. Auch wenn sie Merida Schütz relativ viel Empathie entgegenbrachte und ein - wenn auch gesondertes - Verhältnis zu Emma Swan hatte..

Die Lehrerin seufzte und fiel schließlich in ihren autoritären Habitus.
Nachdem sie sich kurz räusperte um die Aufmerksamkeit der Schülerinnen - welche sie anscheinend noch nicht nicht bemerkt hatten - auf sich zu lenken, stellte Frau Mills mit mahnender Stimme die beiden zur Rede. "Was macht ihr zwei denn hier während der Pause?"


Die Mädchen blieben abrupt stehen und als Emma realisierte wer da vor ihr stand, fühlte sie sich beim Anblick der älteren Frau noch betrunkener, als sie ohnehin schon war.
Die vergangene Schulwoche hatte die Blondine es nicht gewagt Frau Mills anzusehen, nicht wissend ob vor Zorn, Scham oder purer Verzweiflung..

Und jetzt stand die Lehrerin vor ihr, in jener gelassenen Erhabenheit, ihre schulterlangen dunkel glänzenden Haare hinter die Ohren gestrichen, mit verführerisch purpurnen Lippen und diesem strengen Ausdruck im Gesicht, der kleine Funken in Emma zündete.

Mit der porzellanweißen Haut erinnerte Frau Mills an eine dieser griechischen Skulpturen aus Marmor. Mindestens genauso, wenn nicht noch ästhetischer empfand Emma ihre zarten Proportionen und träumte von den weichen Kurven, welche sich unter dem Outfit der Lehrerin verbargen.

Frau Mills trug die selbe bordeauxfarbene Bluse vom Nachsitzen und die Schülerin vergaß für einen Moment zu atmen als ihre Augen zwei offene Knöpfe und den Einblick, welchen diese gewährten, erfassten.
Eine gewaltige Hitze breitete sich in Emmas Brust aus und der Rotschimmer auf ihren Wangen wurde noch etwas dunkler.

Merida kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Tatsächlich waren sie früh dran, da die Mädchen direkt nach dem Klingeln aufgebrochen waren. Vor lauter Plaudern hatten die zwei natürlich nicht bemerkt dass sie noch die halbe große Pause Zeit hatten.
"Ähm.. wir schreiben gleich Kunst, da wollten wir pünktlich sein." Merida klopfte sich innerlich auf die Schulter für ihre hervorragende Artikulation unter diesen Umständen.

Angenehm überrascht, jedoch immernoch etwas skeptisch hob Frau Mills eine ihrer perfekt geschwungenen Augenbrauen und musterte die zwei.

Emma hatten den Blick gesenkt. Viel zu überwältigt war sie von den vorherigen Eindrücken.. Diese Frau war einfach ein Feuerwerk an Sinnlichkeit, das Emma den ganzen Tag lang hätte anstarren können. Es war, als wäre sie auf Entzug gewesen.

Bei dem Gedanken an die deprimierende Situation in der sich die Schülerin befand, wandelte sich ihre Erregung in Frust um. Es wäre auch zu schön gewesen den Grund für Emmas Aufgewühltheit und den ganzen Kummer für mehr als zwei Stunden zu vergessen..

Da spürte sie die Vertrautheit der dunklen Augen, welche nun auf der Blondine ruhten, und hob leicht den Kopf um dem Schokobraun von Frau Mills Iris mit ihrem Tiefgrün entgegen zu blicken.

Alle Sorgen und Ängste der vergangenen Tage fielen in diesem Moment von der Schülerin ab und obwohl die Gestalt der Frau vor ihr mehr als atemberaubend war, fühlte es sich so an als könnte Emma zum ersten Mal seit einer Woche wieder Luft holen.

Sie brauchte, sie verzehrte sich so sehr nach diesem Blick, dem Dunkelbraun und danach in eben diesem zu ertrinken. Ähnlich einer Taufe, so wie sie ihre eigene Müdigkeit jeden Morgen in Kaffee ertränkte.

Komplett angefixt vom intensiven Augenkontakt mit der Lehrerin, bemerkte Emma gar nicht dass sie einen Schritt auf diese zu gegangen war und nur noch wenige Zentimeter die beiden Frauen voneinander trennten.

Da hob sich Emmas Hand, ganz langsam, als wäre sie eine Freiwillige bei einer Zaubershow und der Magier demonstrierte an ihr einen Leviationstrick.

Alles in ihr schrie danach, das Gesicht der Lehrerin zu berühren. Mit ihren Fingern dort die vollen Lippen zu ertasten um über die kleine Narbe zu streichen.. Wie ein Gemälde, dessen einzelne Pinselstriche man haptisch nach fährt.

Emmas Augen weiteten sich als sie auf halber Höhe realisierte was die Schülerin gerade im Begriff war zu tun und ihre Hand kam zum Stillstand.

Immer noch hielt sie Blickkontakt, es war unmöglich weg zu sehen, zu intensiv war das ganze.
In Frau Mills Augen spiegelte sich eine sanfte Mischung aus Konfusion und Nachdenklichkeit, doch Emma fand keine Spur von Beunruhigung oder gar Entsetzen in ihnen und atmete erleichtert geräuschlos aus.

Dann, so langsam, wie sie ihre Hand erhoben hatte, senkte sie diese wieder und biss sich beschämt auf die Unterlippe. Sie hatte der Lehrerin nicht wieder stehen zu können. Scheiße, war das gefährlich.

Als Merida bemerkte wie die Frau Mills ihre angetrunkene Freundin weiterhin mit ihren Augen scannte, machte sich Panik in ihr breit. Wenn die Lehrerin den Grund für die roten Wangen und den warmen Atem der Mädchen heraus fand, wären beide geliefert.

Also packte sie Emma am Ärmel der roten Weste und zog die Blondine mit sich.
"Komm, sonst verpassen wir unsere erste Kursarbeit! Auf Wiedersehen, Frau Mills."


Im Kunstsaal angekommen setzte Emma sich wie gewohnt auf ihren Platz und packte automatisch ihre Schreibutensilien aus. Erst beim Austeilen der Kursarbeit erwachte sie aus dem Autopilot-Modus und schnappte entsetzt nach Luft.

Leichtsinnig vom Alkohol, hatte Emma mit dem Feuer gespielt.. Und das seltsam verkorkste Verhältnis zwischen ihr und Frau Mills war aus Papier. Hätte sie nicht im letzten Moment die Kontrolle über ihren Körper zurück erlangt, wäre alles entflammt und letztendlich zu Asche zerfallen.

"Ihr habt 90 Minuten Zeit, ab ..jetzt."
Emma überflog die Textaufgaben um stattdessen sofort mit der geforderten Zeichnung anzufangen, in deren Anfertigung sie sich für eine halbe Stunde verlor.
Erst als der Lehrer ihr über die Schulter schaute und "Das reicht, darauf bekommst du volle Punktzahl" meinte wandte die Blondine sich stöhnend den anderen Aufgaben zu.

Ten more days under water
And I already know
I'll be fine
Ten more days 'till it's over


Und somit begann für Emma eine Reihe von schlechten Arbeiten, bei denen sie zwar nüchtern, jedoch lustlos eine Antwort nach der anderen hin schmierte.

I'm torn between
Fulfilling my wildest dreams
To satisfy the beast inside of me


Die Schülerin fühlte sie wie ein wandelnder Untoter.
Eine triste Gleichgültigkeit hatte sich an ihr festgesetzt und raubte die letzten Reste an Motivation sich für irgendein Fach annähernd ausreichend vorzubereiten.

Das wieder herum frustrierte Emma nur noch mehr, enttäuscht darüber, ihre guten Vorsätze so schnell über Bord geworfen zu haben. Sonst hielt sie Druck und Stress so viel besser stand und knickte nicht sofort ein.
Emma hasste sich dafür so erbärmlich zu sein.

Ein Teufelskreis, aus dem sie in den nächsten zwei Wochen nicht ausbrechen konnte.

Und das Schlimmste hatte die Emma noch vor sich:
Die Deutscharbeit bei Frau Mills am kommenden Montag.
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