Show Me Love (SwanQueen) teacherxstudent

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Aurora Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Mulan OC (Own Character) Red / Ruby Lucas
07.09.2018
23.05.2020
15
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23.05.2020 1.704
 
Akustisch begleitet vom widerhallenden Klacken ihrer Absätze auf dem weißen Marmorboden betrat Regina Mills das Foyer des Anwesens, welches sie ihr zuhause nannte.

Die aus kräftigem Eichenholz gefertigte Tür fiel hinter ihr dumpf ins Schloss und Regina pfefferte auf dem Weg in die Küche ihren Schlüssel auf den Tresen im Eingangsbereich, wo er mit einem hellen Klimpern landete.

Im Esszimmer angekommen ließ sie die schwere Ledertasche zu Boden gleiten und stützte sich mit ihren zarten Händen auf der massiven Tischplatte ab.
Zum ersten Mal an diesem anstrengenden Arbeitstag fand die Lehrerin einen kostbaren Moment der Ruhe und atmete laut aus.

Ihr Seufzen wurde von der Stille des viel zu großen Anwesens, das sie mütterlicherseits geerbt hatte, umgehend geschluckt und Regina verspürte ein durstiges Kribbeln in ihrer Kehle.
Mit blassen Fingern öffnete sie die Kühlschranktür und griff nach einem Spätburgunder.

Im Laufen entfernte Regina den Korken und goss den dunklen Inhalt in das kristallklare Glas, welches sie in der anderen Hand hielt.
Als die Brünette im Wohnzimmer zum Stehen kam setzte sie es an ihre plumpen Lippen um den ersten Schluck zu nehmen.

Zufrieden stellte die Frau Flasche und Glas auf dem Tisch ab und betrat erneut die Küche um sich ihre Arbeitsunterlagen zu holen, welche sie anschließend neben dem Getränk auf der hölzernen Oberfläche ausbreitete.

Regina griff nach ihrem schwarzen Federmäppchen und lies sich in dem weichen Sessel nieder. Vor ihr lag genug Papierkram für die nächsten drei Stunden.

Dass die Lehrerin Teile ihrer Arbeit nach Schulschluss zu erledigen hatte, störte den Workaholic nicht wirklich.
Schließlich stand Regina mit geballter Leidenschaft hinter ihrem Beruf und gehörte zu der Sorte von Lehrern, welche die Fächer in denen sie unterrichteten mit ganzem Herzen auslebten.

Die Frau war keine Befürworterin des aktuellen Schulsystem in dem, durch das regelrechte Abrichten der Schüler auf temporäres Speichern von Informationen und permanenten Leistungsdruck, viele kreative Köpfe untergingen.

Dazu kam die immense Belastung unter der viele Kollegen litten, da von Seiten der Regierung aus nicht ausreichend in Bildung investiert wird und der Mangel an Lehrkräften sich in überfüllten Klassen und immer häufigeren Unterrichtsausfällen zeigte.

Demnach war es kein Wunder dass viele Lehrer kaum Energie für ihre Schüler mehr übrig hatten, weswegen Regina sich immer auf ihre Leistungskurse freute.
Durch die geringere Anzahl an Unterrichtsteilnehmern in der Oberstufe konnte sie deutlich besser auf das Lernprofil jedes Einzelnen eingehen und somit ganz anders ihre Schützlinge fördern.

Wenn es um hohe Erwartungen an Schüler ging musste die Deutschlehrerin sich jedoch selbst an die Nase fassen, gerade bei ihrem Leistungskurs.

Allerdings legte sie in ihrem Unterricht mehr Wert darauf dass die Jugendlichen den Stoff wirklich verstanden und nicht - wie die Mehrheit der Kollegen - nur das Auswendiglernen bloßer Fakten von den Schülern verlangte, ohne dass jene die Zusammenhänge oder das große Ganze ansatzweise greifen konnten.

Jugendliche für eine Fremdsprache oder deutsche Literatur zu begeistern erfüllte die Frau mit einer Zufriedenheit, welche sie in anderen Lebensbereichen nicht finden konnte.
Das Leuchten in den Augen der Schüler, wenn sie von selbst auf die Lösung der gestellten Frage gekommen waren, die Erkenntnis mit der sie ihre darauffolgenden Aussagen untermauerten und die Erleichterung wenn Frau Mills sie in deren Richtigkeit bestätigte..

Die dadurch ausgelösten Gefühlsprozesse ließen Regina sich lebendiger denn je fühlen und verdrängten all ihre Selbstzweifel.
Und es gelang ihr, jedes Schuljahr aufs Neue.
Auch jetzt gerade hatte die Lehrerin das Gefühl ihre Kursteilnehmer fest im Griff zu haben, motivieren zu können und mit zu reißen.

Alle außer Emma Swan.

Die Schülerin mit den honigfarbenen Haaren war die einzige zu der Regina noch keinen gefestigten Zugang fand, und das obwohl diese gleich in den ersten Stunden einen starken Eindruck hinterlassen hatte..
Es war der Lehrerin unerklärlich, weshalb eine intelligente, junge Frau ihre Arbeitseinstellung über Nacht so drastisch änderte und jegliche Leistung verweigerte.
Regina biss sich verzweifelt auf ihre Unterlippe beim Gedanken wie sie diese nicht vorhandene Mitarbeit exakt zu benoten hatte.

Gerade sie, als Predigerin der Bewertung im kompletten Punktespektrum (es erschien Regina als äußerst schwachsinnig, dass viele ihrer Kollegen die Noten "ungenügend" oder 15 Punkte, welche einer glatten 1+ entsprechen, gar nicht erst vergaben), wurde im Lehrerzimmer in Sachen Konsequenz natürlich stark beäugt und konnte sich auch nicht den geringsten Ansatz von Doppelmoral leisten.

Es war so schade um die Schülerin mit der ausgeprägten Begabung für das Vorlesen von Texten. Da schlummerte so viel Potential.
Hoffentlich würden die drohenden 0 Punkte Emma wachrütteln.

"Ich muss los zum Schießen."
Regina hob den Kopf und blickte in Robins bernsteinfarbenen Augen. Sie hatte ihren Verlobten gar nicht erst von der Arbeit nach Hause kommen hören..
Die Brünette nickte kurz und Robin beugte sich hinunter um ihr einen schnellen Kuss auf die Wange zu drücken, dann griff er nach seiner braunen Lederjacke und verließ das Anwesen.

Ein Blick auf die Uhr verriet Regina dass sie nun wirklich mit der Unterrichtsvorbereitung anfangen sollte, statt ihre Gedanken auf das persönliche Sorgenkind, dessen Existenz wahrscheinlich einfach nur ihr Ego kratzte, zu fokussieren und nahm schnell einen weiteren Schluck Rotwein.

Den fruchtig samtigen Geschmack auf der Zunge zückte die Frau ihren Rotstift und begann mit dem Korrigieren von einem Test den sie gestern geschrieben hatte. Siebte Klasse, Französisch.

Doch ab der Hälfte des Stapels kreisten ihre Gedanken wieder um Emma.
Damals in der Mittelstufe war die Blondine noch eine ganzes Stück vorlauter gewesen, jetzt erschien sie der Lehrerin weitaus bodenständiger. Dafür hatte ihre Banknachbarin ordentlich an großem Mundwerk zugelegt.

Vielleicht war der blonde Lockenkopf auch einfach ruhiger und etwas verschlossener geworden, Regina hatte sie zuletzt vor vier Jahren unterrichtet und konnte gar nicht wissen welche Phasen die Jugendliche in der Zwischenzeit durchgemacht hatte.

Ob Regina der Schülerin Unrecht tat? Unsicherheit sickerte in ihr Bewusstsein.
Doch Frau Mills war gezwungen in dieser Angelegenheit konsequent zu bleiben!

Regina würde es sich niemals erlauben jemanden ohne Weiteres wieder ihre Gunst zu schenken, erst Recht nicht wenn derjenige all ihre Bemühungen zu ignorieren schien.
Sie war was Hilfestellungen anging durchaus gütig, aber hier war definitiv eine Grenze erreicht.. oder?

Hatte Frau Mills wirklich alles versucht? Waren ihre gut gemeinten Aufforderungen zur Mitarbeit vielleicht der falsche Ansatz gewesen? Hatte sie eine Option, ein wichtiges Detail übersehen?


Regina erwachte ruckartig aus ihrem Schlaf als die Haustür laut geschlossen wurde.
Geistesabwesend hatte die Brünette den Rest der Hausaufgabenüberprüfung fertig benotet und einige Analysen zum aktuellen Teil von Antigone vorbereitet.
Dabei waren ihre Gedanken immer wieder abgeschweift und die Frau würde morgen unbedingt nochmal einen Blick auf die Korrektur werfen müssen.

Robin betrat mit schweren Schritten das Wohnzimmer und lies sich wortlos auf dem Sofa neben Reginas Sessel nieder. An ihm haftete der Geruch von Harz und Schießpulver.
Mit seiner großen, rauen Hand hielt der Förster ein Whiskeyglas, in dem er die goldene Substanz kreisförmig schwenkte.

Auf seinem Gesicht lag dieser ruhige, neutrale Ausdruck der seine Frau so oft unschlüssig über das was er wirklich dachte, sein lies.
Der Mann setzte das Glas an seinen Mund und als er den ersten Schluck nahm schnellte der mit Stoppeln bedeckter Kehlkopf seinen breiten Hals nach unten und daraufhin sofort wieder hoch.
Dann stellte er das Glas auf dem Tisch zu Reginas Getränk und den dort verstreuten Arbeitsblättern.

Regina biss sich kurz auf die Unterlippe, unsicher ob sie dieses Gespräch eröffnen sollte.
Doch sie war momentan nicht in der Lage den Gedanken an Emma abzuschütteln und so holte die Brünette tief Luft.
"Da ist diese Schülerin in meinem Deutsch-LK," nervös nestelte Regina an dem Kragen ihrer weißen Bluse. "Und ich kann einfach nicht zu ihr durchdringen.. Dabei glaube ich, nein ich weiß, dass in ihr soviel mehr steckt, als das was sie im Unterricht - eben nicht - abliefert, aber -" Doch bevor sie näher auf das Problem eingehen konnte, fiel Robin ihr ins Wort.

"Ich verstehe schon. Du hattest einen anstrengenden Tag," Er deutete auf das Chaos vor ihr.
"Den hatte ich auch, es gibt viel zu tun im Wald, jetzt wo es Herbst wird. Lass uns doch etwas lesen, wenn du hiermit fertig bist." Damit stand er auf und lief zur Kommode auf der sein aktuelles Buch lag.
Regina starrte eine Weile auf das halbleere Weinglas vor sich. Von Robin konnte sie heute Abend wohl keinen Ratschlag erhoffen.

Während dieser schon fest "Die Säulen der Erde" von Ken Follett vertieft war, fing die Brünette mit den letzten Unterrichtsvorbereitungen an.

Als der Wohnzimmertisch endlich frei von jeglichem Papierkram war, widmete sie sich Ingrid Nolls "Die Apothekerin" zu, doch Regina konnte jede Seite dreimal lesen und trotzdem blieb kein Satz an ihr hängen.
Frustriert legte sie nach wenigen Minuten das Buch beiseite und lehnte sich, ein genervtes Stöhnen unterdrückend, im Sessel zurück.
Reginas Konzentration hatte heute ihren Tiefpunkt erreicht.

Die Brünette spürte wie die ganze Problematik mit Emma Swan sie die letzten Tage beschäftigt und unterbewusst ausgelaugt hatte.. Dabei war es doch ihre Stärke sich mit den Problemen von Schülern konstruktiv auseinander zu setzen und eine Lösung zu finden.

Bei dem Wortlaut hielt Regina gedanklich Inne. "Stärke.." murmelte sie, kurz davor die Idee in ihrem Kopf zu erfassen.
Robin blickte, eine Augenbraue skeptisch hochgezogen, kurz von dem Buch auf.

"Nichts." meinte die Frau schnell und setzte ihren Gedankengang fort.
Was waren Emmas offensichtliche Stärken? Sie schien dem Stoff problemlos folgen zu können, scheiterte jedoch an der mündlichen Beteiligung.
Jetzt arbeitete Reginas Hirn wieder auf Hochtouren und sie suchte fiebrig nach weiteren Ansätzen.

Eine Erinnerung aus der Zeit in der sie Emma in französisch unterrichtet hatte, flackerte vor ihrem geistigen Augen auf.
Damals war die Lehrerin fest davon überzeugt gewesen, dass das Mädchen mit den honigfarbenen Haaren in der zweiten Reihe sich übereifrig Notizen zum Fach machte. Denn jedes Mal wenn die Lehrkraft ihren Blick auf Emma ruhen lies, schien diese mit einem Stift in ihr Heft vertieft.

Erst als Regina deren Unterlagen beim Vergeben der Heftnote in der Hand hielt fiel ihr auf, dass dort nur ansatzweise die Hausaufgaben drin standen.
Dafür fand sie zahlreiche Kritzeleien, Skizzen von Körperteile, Portraits von Mitschülern und Graffiti-ähnlich verzierte Schriftzügen.

Regina schüttelte lächelnd den Kopf und schenkte sich von dem Wein nach.
Das war vielleicht der Schlüssel.. Gleich morgen würde sie sich vergewissern, ob die Schülerin ihre kreative Seite beibehalten hatte.