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Tina, die Herrin aller Träume - Auf der Suche nach Dir

GeschichteFamilie, Fantasy / P12
OC (Own Character)
07.09.2018
04.05.2019
3
5.068
 
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07.09.2018 1.957
 
Hallöchen!
Darf ich präsentieren: „Tina, die Herrin aller Träume- Auf der Suche nach Dir“Diese FF spielt ab dem zweiundzwanzigsten Kapitel von „Alca-Licht gegen den Schatten“, aber großenteils in einer anderen Welt, nämlich in der, in der Alcas Geschwister sich Sorgen und die junge Weltenspringerin machen und sich kurzerhand auf die Suche nach ihr begeben. Die Geschichte wird überwiegend aus Tinas Sicht erzählt, hin und wieder ist aber auch Marlon mal dran.
Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

Tina

„Wo ist Alca?“, fragte ich meinen älteren Bruder mit tränenverschmierten Augen.
Ja, wo war meine Schwester? Seit Tagen war sie nicht nach Hause gekommen.
Marlon zuckte mit den Schultern und fuhr sich müde durch die blonden Haare. „Ich weiß es nicht.“
„Sie kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben!“ Verzweifelt legte ich Stift und Heft weg und gab die Hausaufgaben auf.
Seit Alca verschwunden war, hatte sich jegliche Konzentration für mich erledigt. In Mathe und Latein kam ich gerade noch so mit, Physik hatte ich aber völlig aufgegeben.
„Es gibt Anzeichen für Brände im alten Theater, aber das kann es nicht gewesen sein“, meinte Marlon und ließ sich auf mein Bett fallen. Normalerweise hätte ich ihn wieder heruntergeschoben, aber jetzt hatte ich noch nicht mal mehr zum Diskutieren Lust. Das erinnerte mich viel zu sehr an meine kleine Schwester. Sie war eine Meisterin darin gewesen.
Nein, sie ist eine Meisterin darin, zwang ich mich zu denken.
Laut schluchzte ich auf. Das konnte doch nicht wahr sein! Wo war Alca nur?!
Marlon seufzte. „Mach dir nur keine Sorgen, Tina. Das ist Alca, sie hat sich bis jetzt überall durchgebissen.“ Er schien nicht recht an seine eigenen Worte glauben zu können.
Klopf, Klopf.
Die Schläge an die Tür waren so leise, dass sie nur von einer Person kommen konnten: Emelie.
Gleich darauf trat ein kleiner, goldblonder Lockenkopf in den Raum. „Weinst du wegen Alca?“, fragte die zarte Kinderstimme.
Ich nickte. „Ja.“
Meine kleine Schwester tapste zu mir und setzte sich wie selbstverständlich auf meinen Schoß. „Alca kommt bestimmt wieder. Ich habe heute Nacht von ihr geträumt, da hat sie gegen jemanden gekämpft und gewonnen. Glaube ich. Dann kam so ein Blondie und hat sie weggetragen.“
„Ein Blondie wie du, hmm?“, fragte ich Emelie und wuschelte ihr durchs Haar.
„Nö. Der Blondie war viel größer und sah aus wie der Elbentyp aus dem Film mit den kleinen Leuten mit Haaren an den Füßen, den Alca so langweilig findet.“
Marlon setzte sich ruckartig auf. „Aus welchem Film?“
„Die Frau der Dinge oder so“, erwiderte Emelie unschuldig.
Ich musste lachen. „Ich glaube, du meint den Herrn der Ringe. Warst du etwa heimlich am Fernseher?“
„Nein!“ Die trotzig verschränkten Arme und das beleidigt verzogene Gesicht brachten auch Marlon zum Lachen.
Dann wurde ihr Gesicht traurig. „Ich vermisse Alca.“
„Das tun wir alle“, sagte ich sanft.
„Ich glaube, das ist wirklich passiert. Was ich geträumt habe. Mit dem Kampf und so.“
Marlon schüttelte den Kopf. „Bestimmt nicht. Wieso sollte Alca denn kämpfen? Sie ist ein Mensch der Worte.“
„Sie hat aber gekämpft. Mit ganz viel hellem Licht und etwas Dunklem. Das war eklig und ich hab mich ganz doll erschreckt.“
„Nein, Mel. Das kann gar nicht sein.“
Wütend sprang Emelie von meinem Schoß und stampfte mit dem kleinen Fuß auf. „Doch! Das war so! Und der Weihnachtsmann war auch da!“
Der Weihnachtsmann?!“, fragte ich ungläubig.
„Ja! Und er hatte einen großen Zauberstab! Er sagte immer wieder „Ohneinohnein“ und hat verrückte Wörter gemurmelt und dann ist immer etwas passiert!“
„Was ist passiert?“, wollte Marlon wissen.
„Sowas… Magisches.“
„Und du bist sicher, dass du nicht heimlich die Filme gesehen hast?“, hakte Marlon nach.
„Ich lüge nicht!“
Ich lehnte mich auf dem Schreibtischstuhl zurück. „Du erzählst uns also, dass Alca in Mittelerde wäre und dort zusammen mit Gandalf, den du mit dem Weihnachtsmann verwechselt hast, Kämpfe mit ekligen Substanzen und Licht ausfechtet, um dann von Blondies weggetragen zu werden.“
„Glaubst du das etwa?!“, fragte mich Marlon entgeistert.
Ich zuckte mit den Achseln. Zu lange war Alca nun weg und ich sehnte mich nach einer Ahnung, wo sie sein könnte. Ja, ich wollte glauben, was Mel uns erzählte, weil mich das Unwissen über den Aufenthalt meiner Schwester in den Wahnsinn trieb. Vielleicht, wenn ich nur ganz fest dran glaubte, war Alca wirklich in Mittelerden und es ging ihr gut?
Emelie guckte uns traurig an, dann zog sie Marlon vom Bett herunter, bis er auf dem Boden saß. „Komm! Du musst mir bei meinen Mathesachen helfen!“
„Ich muss gar nichts“, brummte der Angesprochene, ließ sich aber von dem kleinen Sausewind hochziehen.
„Mama hat es aber gesagt!“
Und prompt war ich wieder alleine. Seufzend widmete ich mich wieder meinen Hausaufgaben und nahm mir vor, den Film „Der Herr der Ringe“ noch einmal durchzulesen.

Wruummm, Wruumm.
Autogeräusche ersetzten das Gezwitscher der Vögel, das längst verstummt war. Die Stille der Nacht hätte sich über unsere Stadt senken sollen, aber stattdessen machten hier einige Leute die Nacht zum Tag. Wie ich übrigens auch.
„Glorfindel? Nein, da hätte Mel „Riesenblondie“ gesagt. Thranduil? Blödsinn, der kommt doch gar nicht im Herrn der Ringe vor. Celeborn? Hmm, möglich, aber unwahrscheinlich. Galadriel? Blödsinn, die ist eine Frau. Aber die Elben sehen alle so gleich aus! Wer soll die denn unterscheiden?“
Frustriert lag ich in meinem Bett und arbeitete mich durch Elbenfotos durch. Wieso Elbenfotos? Ganz einfach: Ich wollte wissen, welcher Blondie sich da in Emelies Traum Alca geschnappt hatte.
„Legolas? Könnte sein…“, murmelte ich vor mich hin. „Haldir? Auch möglich…“
Vielleicht sollte ich schlafen, morgen war, wie jeden Donnerstag Schule.
Nein, ich würde nicht schlafen! Alca war jetzt wichtiger.
„Wo bist du nur?“, fragte ich leise in die Nacht hinein. Ich unterdrückte weitere Tränen und öffnete das bodentiefe Fenster.
Im Licht der Straßenlaternen erkannte ich die alte Kastanie, deren einer ausladender Ast bis vor mein Fenster reichte. Ohne zu zögern sprang ich in den Baum, um dann, die Tatsache, dass ich bloß einen blauen Schlafanzug trug, ignorieren, in eine Astgabelung zu klettern und mich dort niederzulassen.
Ich war oft in diesem Baum, ich gebe es zu. Aber dort zu sitzen, das Rauschen der Blätter in den Ohren hatte und hat etwas Beruhigendes. Doch durch ebendieses Rauschen drangen auch Stimmen zu mir.
„Da wohnt sie?“, fragte eine. Ich fand auch bald die dazugehörige Gestalt: Außerhalb der Kreise, die die Laternen auf den Asphalt warfen, standen zwei schlanke Silhouetten.
„Ja. Hier wirst du in Zukunft häufiger sein.“
„Wieso?“ „Weil es ab jetzt deine Aufgabe ist, sie zu beschützen.“
„Wieso sollte ich sie bewachen?“
„Weil sie - und ihre Geschwister übrigens auch - in Gefahr schweben, durch die Macht, die ihnen gegeben ist.“
„Und wieso ich?“
„Weil es deine Bestimmung ist!“
Ich hörte deutlich heraus, dass die erste Stimme zur männlichen und die zweite zur weiblichen Silhouette gehörte. Der junge Mann blickte noch einmal zum Haus. Ich meinte zu spüren, wie sein Blick mich streifte.
„Sitzt da oben nicht wer?“
Auch die Frau blickte nun zu mir hoch. „Ich sehe niemanden.“
„Doch, da oben sitzt ein Mädchen, in der Astgabelung!“
Shit! Ich vergaß, zu Atmen. Ich war entdeckt, obwohl ich nicht wusste, wobei.
Die Frau lachte. „Du siehst wohl Gespenster. Ich weiß, was du meinst,“, fügte sie hinzu, als der Mann protestieren wollte, „aber ein Mädchen ist es nicht.“
Dann wandte sich die Frau zum Gehen.
„Von wegen, da wegen, da ist kein Mädchen“, brummte der Mann und kletterte behände auf den Baum. Dabei zog er ein Kurzschwert und sprang elegant von Ast zu Ast.
Der wollte sich mit mir anlegen?!
Schon, diese kraftvolle Eleganz war beängstigend und ich ein Tollpatsch, aber hier oben war das etwas anderes. In Bäumen und auf Bergen, überall wo ich klettern konnte oder in großer Höhe fühlte ich mich sicherer und freier gleichzeitig. Im leichten Schein meiner Nachttischlampe, der aus meinem Fenster drang, konnte ich den Mann etwas genauer betrachten. Es war ein schwarzhaariger, schlanker Typ, der gut aussah.
Beste Beschreibung ever…
Ich hatte das Gefühl, ihn schonmal gesehen zu haben, aber bevor ich mir Gedanken darüber machen konnte, wo, stand er vor mir.
„Du warst also doch da!“, sagte mein Gegenüber intelligenterweise.
„Jaaah“, erwiderte ich gedehnt.
„Wieso belauschst du fremde Gespräche?“
„Wieso stehen Sie um 23:00 Uhr nachts vor dem Haus meiner Eltern und reden über die Kinder, die in ihm wohnen?“
„Wieso sitzt du um 23:00 Uhr nachts in einem Baum und fragst mich das?“
„Weil es ungewöhnlich ist, das andere Leute um 23:00 Uhr nachts vor dem Haus meiner Eltern stehen und über die Kinder reden, die darin wohnen.“
Der Mann vor mir lachte. „Du bist ja nicht so leicht kleinzukriegen. Aber jetzt solltest du schleunigst vergessen, was du gehört hast, sonst machst du dich mir zum Feind und glaub mir, das willst du nicht.“
„Nur, wenn sie meine Familie meine Sache bleiben lassen.“
Das Schwert näherte sich meiner Brust und blieb um Haaresbreite vor ihr stehen. „Du bist gerade nicht in der Lage, Forderungen zu stellen.“
„Ach ja?“ Ich zog herausfordernd eine Augenbraue hoch.
Er grinste. „War das einer Herausforderung?“
„Wie möchten Sie das aufnehmen?“
„Aber das wäre ein unfairer Kampf. Ich bin größer und erfahrener als du und zudem bewaffnet.“
Ich lächelte. „Aber ich kenne mich hier aus.“
Der Mann zog eine Augenbraue hoch. „Wir werden ja sehen.“
Ohne Vorwarnung stürzte er sich auf mich. Blitzschnell wich ich ihm aus und drehte mich außer Reichweite.
Das entlockte meinem Gegner ein Lächeln, als sei etwas sehr amüsant.
Wollte der mich auf die Palme bringen?
Mit schnellen Hieben und Stichen trieb er mich weiter nach hinten. Offensichtlich war es der Plan, mich in die Enge zu treiben. Der Ast gabelte sich und ich blieb stehen.
„Na, geht es nicht weiter?“, wurde ich gefragt und ich lachte.
„Gut festhalten!“ Aus dem Stand sprang ich auf den eineinhalb Meter höher liegenden Ast, das federnde Holz half mir dabei. Oben angekommen richtete ich mich auf und sprang erneut eine Etage höher in die Baumkrone. Ein genervtes Stöhnen war zu vernehmen, kurz darauf steckte der Mann sein Schwert weg und folgte mir. Ich hatte derweil die Baumspitze erreicht, die etwa auf der Höhe eines zweiten Stockwerks lag, und wartete.
„Hier ist deine Reise zu Ende, Mädel“, meinte der Mann überzeugt, als er ebenfalls diese Höhe erreicht hatte.
„Sehr lustig. Ich sagte doch, ich kenne mich hier aus.“
„Und ich sagte, dass ich ein Schwert habe!“ Eben jenes zog er wieder aus der Scheide und hieb in meine Richtung.
Ich sprang zurück, dann ließ ich mich fallen und trat meinem Gegner die Beine weg. Als der eine Etage tiefer unsanft auf einem Ast landete, hatte ich mich schon wieder gefangen und halb stehend, halb rutschend erreichte ich einen überstehenden Ast.
Gähnende Leere und Unkraut unter mir, von Vorne näherte sich wieder der Mann mit dem Schwert.
„Jetzt ist aber Endstation! Gib auf!“
„Das hätten Sie wohl gerne.“
Im Wind bewegte sich der Untergrund, auf dem ich stand, leicht und wieder machte ich mir diese Biegsamkeit zu Nutzen – ich wippte mit. Hoch und runter – es ging immer schneller, doch der Mann hielt das Gleichgewicht.
„Glaubst du etwa, damit beeindruckst du mich?“
„Nein, das war auch nicht mein Ziel“, gab ich zurück.
„Und was dann?“
Das wirst du gleich sehen!, dachte ich und sprang ab, doch dieses Mal hielt ich mich an einem Ast über mir fest und schwang nach vorne, um dem Mann gegen die Brust zu treten.
Der taumelte und bekam sein Gleichgewicht zurück, da zog ich ihm  mit dem Fuß die Beine unter dem Körper weg. Er fiel.
Mein Herz begann zu rasen.
Hatte ich da gerade jemanden umgebracht?!
Aus dieser Höhe überlebte niemand den Aufprall auf den Boden. Doch seltsamerweise verspürte ich keine Reue. Wenn sich jemand mit meiner Familie anlegen wollte, bitte. Ich garantiere für nichts.
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