Seht in meine Augen....

von -Rhea-
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Derek Morgan Dr. Spencer Reid
06.09.2018
09.09.2018
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Hallo:)
Das ist meine erste Fanfiction über die beiden, ich hoffe, man kann sie lesen ;)
Viel Spaß damit,
liebe Grüße,
Rhea

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„OKAY!“, tönte Hotchs Stimme durch den Raum und er trommelte mit den Fingerknöcheln ungeduldig auf die glänzende Tischplatte, „Bitte zuhören. Wir haben einen Fall. In Los Angeles wurden zwei Männer und eine Frau-“

„Wo ist Reid?“, unterbrach ihn Rossi. Im Gegensatz zu seinem Chef wirkte er gut gelaunt.

„Weiß nicht, der kommt bestimmt gleich“, flötete Garcia, Hotchs missbilligenden Blick über die Unterbrechungen vollkommen ignorierend, „also was ist mit den drei-“

„WOW!“, schrie JJ laut. Das ganze Team zuckte zusammen und wirbelte herum. Derek klappte der Unterkiefer herunter. In der Tür stand Reid, karmesinrot angelaufen wegen der sechs Augenpaare, die ihn anstarrten. Er war wohl gerannt, er schwitzte leicht und seine Atmung ging schneller als sonst.

Ein paar Minuten waren sie alle still. Dann quietschte JJ und in dem allgemeinen Aufruhr stellte sich Penelope hinter Dereks Drehstuhl und beugte sich hinunter, nah an sein Ohr, wo sie kaum hörbar in sein Ohr flüsterte:„Hör mal Süßer, ich würde den Mund wieder zumachen, sonst könnten die anderen noch auf falsche Gedanken kommen.“

Morgan sah noch einen Augenblick lang zu Reid hinüber, bevor er sich an seine beste Freundin wandte. Reid hatte sich die Haare schneiden lassen. Das wäre an sich keine große Sache, würde es nicht so einen enormen Unterschied machen. Er sah unfassbar gut aus. Das lange, verzottelte Haar vom Vortag war einer Art Boybandfrisur gewichen und die nun kurzen, verwuschelten Haare standen wegen des Regens draußen in alle Richtungen ab.
Es verlieh ihm einen fast unwiderstehlichen Charme.

Morgans Gesichtsausdruck wirkte für einen Augenblick ertappt, bevor er seine Mimik rasch zu einer Ärgerlich-Genervten umändern konnte.
„Klappe Baby Girl, sonst muss ich noch wütend werden!“
Garcia grinste ihn an, während er seine Aufmerksamkeit zurück auf sein Team richtete. Doch sehr zu seinem Leidwesen war dessen ganze Aufmerksamkeit noch immer auf Reid gerichtet. Er warf Garcia einen flehenden Blick zu und sie erbarmte sich.

„Hey Leute, nicht dass ich nicht auch scharf darauf wäre, unser superheißes Genie weiter zu bewundern, aber…“
„…wir haben einen Fall!“, schloss Hotch dankbar und nickte.

Er berichtete weiter, doch Morgan beugte sich leicht zu der grinsenden Lady neben sich.
„Ich bin dir was schuldig, Baby Girl!“, flüsterte er und zwinkerte Reid über den Tisch hinweg zu, der es bemerkte und noch eine Nuance dunkler anlief.

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Reids Gesicht brannte.
Wie er das hasste.
Wegen jedem Mist, der ihm auch nur im Entferntesten peinlich war, brannte sein Gesicht wie eine Gartenfackel und seine Artikulationsfähigkeit verabschiedete sich beinahe vollständig.
Er empfand die Reaktion seiner Kollegen als vollkommen überzogen.
Meine Güte, die Aktion mit dem Friseur war eine Spontane gewesen, heute Morgen. Er hatte denkbar schlecht geträumt, sich die ganze Nacht hin und her gewälzt und als er dann morgens versucht hatte, die langen Haare zu kämmen, war er kläglich gescheitert.
Der Friseur hatte gegrinst und hatte ihm dann diese Boyband-Frisur verpasst und er musste zugeben, dass es gut aussah. Er hatte sich bedankt, war in den Bus gestiegen und als er das Büro der BAU betreten hatte, war er mit den Gedanken bereits so weit weg, dass er gar nicht mehr an die Frisur gedacht hatte…..

Hotch berichtete über den Fall und er hörte mit einem halben Ohr zu, den Rest seiner Aufmerksamkeit hatten drei Statistiken über die Bedeutung der äußeren Erscheinung im öffentlichen Dienst. Innerlich kicherte er darüber, dass er über so etwas grübelte, doch dann lenkte ihn eine Bewegung ab. Er sah auf und begegnete Morgans Blick. Derek zwinkerte ihm zu und grinste.
Und Reid  lief rot an.
Natürlich.

Er bemerkte, dass der dunkelhäutige Agent Garcia etwas zuflüsterte. Reid schnaubte innerlich. In letzter Zeit nahmen Morgans Frauengeschichten etwas überhand. Er bemühte sich, nicht so genau zuzuhören, doch ein anderes Thema schien es auch zwischen ihm und Prentiss nicht mehr zu geben. Sie verhielten sich, als wären sie noch auf der Highschool. Reid wusste nicht genau, warum es ihn so störte, doch ein kleiner Teil von ihm vermutete Eifersucht. Jedes Mal wenn er eine seiner Geschichten hörte, fühlte er sich einsam….

„Wir fliegen morgen Abend los nach L.A.“
Verdutzte Augenpaare richteten sich auf Hotch.
„Warum denn so spät?“, fragte Emily und zog die Brauen hoch.
„Sturmwarnung im Luftraum in Los Angeles und Umgebung. Und vor morgen Abend wird er sich nicht legen. Packt eure Sachen und seit dauerbereit, okay?“
Sie nickten und verließen den Konferenzraum. Reid stand als Letzter auf und fand sich hinter Morgan und Emily wieder, die sich gegenseitig foppten.

„Soso, nicht braunhaarig?“, fragte sie gerade und Morgan grinste, während er den Kopf schüttelte.„Blond?“
„Neeee!“
„Rothaarig?“
„Emily, du frägst mich jeden Tag das Gleiche!“
„Etwa schon wieder schwarzhaarig?“, fragte sie und sah Morgan überrascht ins Gesicht.
„Jep.“
„WARTE MAL!“, blökte Prentiss, blieb unvermittelt stehen, sodass Reid fast in sie hinein lief und packte ihren Kollegen am Arm, „Es ist die Selbe?! Du datest seit über vier Wochen die Selbe????“
Morgan runzelte die Stirn, bevor er den Aufzugknopf betätigte.
„Manchmal frage ich mich, was ihr eigentlich für Profiler seid. Und was ihr für ein Bild von mir habt…Alina ist wirklich nett.“
Und er war verschwunden. Emily drehte sich zu Reid um, der ihre Begeisterung nicht nachvollziehen konnte.
„Glaubst du das? Er hat eine Freundin!“, lächelte sie und ging ebenfalls.
Ja…ganz toll, dachte Reid und verließ hinter ihr das Büro.
Wieder dieses Gefühl…
Verstimmt trat er gegen einen auf dem Boden liegenden Papierball und fluchte leise.
War er etwa wirklich eifersüchtig?

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Langsam strich er über seine Brust nach unten. Das heiße Wasser prasselte auf seine Schultern, entspannte seinen Oberkörper, während seine Hände für mehr und mehr Härte sorgten.
Ja genau. Sie haben alle Dates, nur du nicht. Selbst Derek Morgan hatte nun eine Freundin. Derek. Der Frauenschwarm und Aufreißer schlechthin. Sie alle haben Liebe, Nähe. Jaaaaa, alle.
Er spürte, wie sich seine Leistengegend zusammenzog. Es stieg in ihm hoch. Langsam. Frustrierend langsam.
Ja, keiner macht das alleine außer dir…. Nur du stehst alleine unter der Dusche.
Und er explodierte. Sein ganzer Frust der letzten Tage, Wochen, Monate entlud sich und Spence glitt leicht keuchend an der gekachelten Wand hinunter.
Schon wieder.
Er wusste nicht, wie oft er in den letzten Wochen hier drin gestanden und sich selbst befummelt hatte.
Nun das ließe sich leicht ausrechnen. Die Anzahl der Tage mal die Anzahl…
„Ach verdammt!“
Frustriert trocknete er sich ab und ging nach draußen ins Wohnzimmer, ohne sich die Mühe zu machen sich vollständig anzuziehen. Es wurmte ihn. Obwohl er noch nie großen Gefallen an Dates gehabt hatte, war der Gedanke, dass er irgendwie der einzige, einsame Idiot war, einigermaßen deprimierend. Er fuhr sich durch die nun kurzen, noch nassen Haare.
Was war er nur für ein Würstchen….

Es klingelte an der Tür, was seine Gedanken für einen Moment ablenkte.
Wer zum Henker? Es war bereits nach 21 Uhr, da war kein Paketdienst mehr unterwegs…
Wer sollte bitte zu ihm wollen?
Es klingelte erneut und Spence schlurfte lustlos  zur Tür.
Er öffnete.
„Ja?“, fragte er und schielte in das dunkle Treppenhaus.
„Alle Hosen in der Wäsche?“, kam es amüsiert aus der Dunkelheit.
„Oh, hi Derek.“
Na toll. Absolute Spitze.
„Was gibt’s?“, fragte er mit gezwungen freundlicher  Stimme.
„Kann ich reinkommen?“, fragte Morgan.
Eigentlich nicht.
„Hm, ja“, murrte er und trat zur Seite.
„Also was gibt’s?“, fragte Spence, so freundlich wie er nur konnte.

Derek trat in das helle Wohnzimmer und Spence sah ihn überrascht an. Sein amüsierter Spruch von eben hatte ihn annehmen lassen, Derek sei gut gelaunt, doch das war er ganz offensichtlich nicht. Er sah niedergeschlagen aus, traurig und Reid wollte ihn mit seiner schlechten Laune wirklich nicht noch weiter runterziehen, doch es fiel ihm schwer.

„Und? Wie war dein Date?“, fragte er, bevor ihm auffiel, dass es eigentlich noch zu früh am Abend war, als dass er ein „erfolgreiches“ Date hätte haben können.

Morgan schluckte.
„Mies. Ich kam etwas zu spät und da hab ich sie gesehen, sie hat mit dem Kellner rumgemacht. War etwas deprimierend zu sehen…. Was ist mit dir? Was hast du gemacht?“

Spence lief leicht rot an.

Derek lächelte schwach. „Ich verstehe.“

„Wie kann ich dir helfen Derek?“, fragte Spence, der noch immer nicht verstand was Derek hier wollte und wenig Lust verspürte, über seine Beschäftigung der letzten halben Stunde zu sprechen.

„Sag mir, dass ich nicht so eine Flasche bin, dass man mich betrügen muss.“

Reid sah ihn überrascht an.„Das meinst du nicht ernst oder?“Seit wann hatte Derek so wenig Selbstwertgefühl?

„Sag es…. Ich… bitte Spence….“Spence? Seit wann nannte Derek ihn Spence?Und weinte er etwa?

„Derek…“, sagte er leise, „wer dich betrügt, muss dumm sein. Mehr als dumm. Du…bist wundervoll…weißt du?“

Er hatte eine karmesinrote Gesichtsfarbe angenommen. Er hatte mehr gesagt als er wollte.

„Wirklich?“
Dieser Blick.

„Ja Derek. Ich dachte das wüsstest du.“

Morgan schwieg eine Weile, dann:
„Wann hattest du dein letztes Date, Spence?“

Reid lachte bitter.
„Mit jemand anderem als mir? Keine Ahnung.“
Wenn er nur diesen Blick deuten könnte. Er sah ihn so verzweifelt an, es machte ihn fertig.

„Warum nicht?“

„Es ist eben so, Derek.“

Was jetzt passierte, konnte Spence nicht erklären. Weder wie es passiert war, noch warum. Er hätte nicht widersprechen können, doch selbst wenn er es gekonnt hätte, warum hätte er es tun sollen?Dereks  weiche Hände griffen nach seinem Gesicht und als Spence die Lippen des anderen spürte, war ihm egal wer es war. Für den Moment war er glücklich, dass es irgendjemand war. Derek wirkte so verzweifelt, so am Ende, dass Spence es sogar genoss, sein Lückenfüller zu sein. In seinem Inneren manifestierte sich eine Art Helfersyndrom und noch während sich Dereks dunkle Hände in sein Haar krallten verlor er beinahe die Kontrolle.

Aber nur beinahe.

„Das hast du nicht nötig, Derek“, keuchte Spence, löste sich widerwillig von ihm und blickte traurig in die tiefschwarzen Augen.
„Nicht nötig?“
„Du findest einen besseren Lückenfüller, glaub mir.“ Tränen schossen ihm in die Augen.
„Das denkst du ja?“, fragte Derek kühl.
„Ja natürlich denke ich das.“
„So….du bist also mein... Lückenfüller?“, fragte Morgan und starrte ihn an.
„Ja?“
„Dann….. Wehr dich, Spence. Bitte wehr dich.“
Doch das tat er nicht. Die Art wie Derek ihn küsste war furchtbar aggressiv, doch zu seinem Entsetzen war es genau das, was er wollte. Ein paar Sekunden dachte er noch darüber nach, was zum Henker er hier tat, doch dann war es vorbei. Seine Arme schlangen sich um den Nacken des größeren Agents und es war glückseliges Versinken.
Wann hatte er zum letzten Mal Sex gehabt?
Oder sonst irgendwelchen Spaß?
Es war zu lange her, als dass er sich wehren würde…
Reid bemerkte, dass Derek ihm nicht wehtun wollte, dass er versuchte, sich zu zügeln, doch aus einer Intuition heraus beugte er sich vor und flüsterte leise und heiser in sein Ohr:
„Ist schon gut… Ich halte das aus, Derek. Na komm schon….Lass los.“
Und das tat er. Er war wie eine Naturgewalt. Mit aller Kraft presste er Spence an die Wand und fuhr rasch über die bleiche Haut und wurden nur langsam sanfter. Seine Finger fuhren den bebenden Körper entlang und hielten an Spencers Becken kurz inne.  
Hätte Reid nicht so lange unter der Dusche gestanden, hätte er es keine fünf Minuten ausgehalten, doch so….

Als sein Telefon klingelte, hatte Derek gerade Reids Wohnung verlassen. Mit leicht zitternden Fingern griff er nach seinem Handy.
„H-hallo?“, meldete er sich leise.
„Hallo Genius, alles okay bei dir?“, ertönte Garcia am anderen Ende der Leitung.
Reid räusperte sich.
Nein.
Überhaupt nichts war in Ordnung.
Was zum Henker war hier gerade passiert?

„Ähm ja. Was gibt es?“, fragte Reid.
„Komm bitte so schnell wie möglich zum Flieger.“
„Was ist passiert?“
„JJ sagt, die Polizei hat eine Pressemeldung gemacht. Officer Carlton hat das gemacht und er ist…nun ja, er hat ihn vor laufender Kamera einen…ja, also er hat ihn beleidigt.“
„Was? Was hat er denn gesagt?“, fragte Spence, während er seine Schuhe anzog.
„Also das würde ich jetzt nicht so gerne wiederholen.“
„Garcia!“
„Ist ja gut. Er nannte ihn einen kleinpimmligen Feigling, der nicht das Zeug dazu hat, die Leute ohne seine Tricks zu überwältigen.“
Spence zog scharf die Luft ein.
„Ich bin noch nicht fertig“, sagte Garcia mit belegter Stimme.
„Was kann denn noch schlimmer sein?“, fragte Reid und in seiner Magengegend machte sich ein übelkeiterregendes Gefühl breit.
„Er…also zwei Stunden nach der Pressekonferenz fand man Carlton von der örtlichen Polizei, den Kameramann und den Tontechniker. Tot, gefoltert und Letzterer vergewaltigt. Er ist unglaublich wütend.
Deputy Miller hat uns angerufen, das ganze Revier steht Kopf.“
„Ich bin unterwegs“, sagte Reid, schnappte sich seine Tasche und verließ so schnell er konnte seine Wohnung.
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