my love, my life

SongficSchmerz/Trost / P12 Slash
06.09.2018
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my love, my life


Jeder vernünftige Mensch auf diesem Planeten kam nicht umhin, Meryl Streep zu bewundern, und Emma war da keine Ausnahme. Ihre Leistungen vor der Kamera, ihr Engagement für Frauen und ihre ehrliche, humorvolle und warmherzige Art machten es einem aber auch sehr einfach, sie ins Herz zu schließen.

Emma und Meryl hatten bereits sowohl vor als auch hinter der Kamera zusammen gearbeitet und hatten sich mit der Zeit angefreundet, und für diese Tatsache war Emma im Moment dankbarer denn je. Greg drehte im Ausland und war noch für mindestens drei Monate fort, und allein in ihrem Haus fühlte sich Emma trotz ihres gut gefüllten Terminkalenders machmal regelrecht einsam. Es war daher ein mehr als günstiger Zufall, dass sich Meryl gerade auf einer Pressetour in Großbritannien befand, dachte Emma lächelnd und ließ den Rotwein in ihrem Glas kreisen.

"Worüber lachst du?", wollte Meryl wissen und schob sich eine blonde Strähne hinters Ohr.

"Oh, ich erfreue mich nur der geschätzten Anwesenheit von Königin Meryl", grinste Emma und zwinkerte ihrer Freundin zu. "Hüte deine Zunge, Em, sonst lässt dich die Königin in den Tower sperren!", konterte Meryl und trank genießerisch einen Schluck. "Der Wein ist ausgezeichnet, meine Liebe. Hast du Gregs Vorrat geplündert?"
Emma setzte ein betont unschuldiges Lächeln auf. "Ich? Aber nein. So etwas würde ich meinem Mann doch nie antun", flötete sie.

Beide mussten lachen. Es war immer so einfach zwischen ihnen. So leicht und friedvoll und voller gegenseitigem Verstehen... Eine Schande, dass sie sich nur so selten sehen konnten, dachte Emma und ließ ihren Blick liebevoll auf ihrer Freundin ruhen.

"Emma? Hörst du mir überhaupt zu?", fragte Meryl amüsiert. "Ich habe gerade erzählt, wie Mary-Louise dem Journalisten ein Glas Wasser über den Kopf gekippt hat, und ich hatte eigentlich mit Gelächter gerechnet."
Emma schüttelte den Kopf. "Entschuldige, ich war kurz abgelenkt...Mary-Louise? Doch nicht Mary-Louise Parker? Die, die mit uns ...Angels in America gedreht hat?"

Meryl nickte. "Doch, genau die." Zu ihrem Erstaunen errötete Emma plötzlich und senkte ihre Nase ins Weinglas. "Oh, ich wusste gar nicht, dass sie auch bei deinem neuen Film mitspielt", nuschelte sie. Dann musste sie über sich selbst lachen. "Gott, als wäre ich ein Teenager..." Sie strich sich verlegen die blonden Haare aus der Stirn.

Meryl prustete in ihr Glas. "Emma, komm schon, das ist fünfzehn Jahre her! Du kannst unmöglich immer noch verlegen werden!" In einer Folge der Miniserie gab es eine Kussszene, und aus unerfindlichen Gründen war Emma ihr dann zwei Tage lang aus dem Weg gegangen – eine echte Herausforderung, wenn man bedachte, dass sie einige Szenen zusammen hatten.

Emma sah überallhin, nur nicht zu ihrer Freundin. Das Wohnzimmer, eigentlich ein geräumiger, luftiger Raum, kam ihr auf einmal klein und überwärmt vor. "Nun ja", gab sie schließlich kleinlaut zu, "man knutscht nun mal nicht jeden Tag mit Meryl Streep, da ist ein bisschen Erröten doch erlaubt, oder?" Sie holte tief Luft und versuchte, wieder zu ihrer üblichen forsch-fröhlichen Art zu finden. "Erzähl doch weiter von dem begossenen Journalisten, Meryl!"

Doch diese dachte nicht daran, das Thema auf sich beruhen zu lassen. Sie rückte näher und legte ihre Hand auf Emmas. "Hey, da ist doch nichts dabei. Wir haben doch beide vor der Kamera schon zig Leute geküsst. Warum war dir denn diese eine Szene so unangenehm?" Sie fasste Emma scharf ins Auge. "Ich will das jetzt endlich wissen, Emma.  Du hast mich dann eine halbe Ewigkeit lang gemieden. Hatte ich Mundgeruch?" Mit dem letzten Satz versuchte Meryl, dem Gesagten etwas die Schärfe zu nehmen.

Emma ließ den Kopf hängen und massierte sich mit einer Hand die Nasenwurzel. "Ach Meryl, es war mir doch nicht unangenehm", seufzte sie schließlich. "Es war das genaue Gegenteil davon, und genau das war das Problem."


Like an image passing by, my love, my life
In the mirror of your eyes, my love, my life


Meryl runzelte die Stirn. "Wie meinst du das?", hakte sie nach einer Pause nach. Emma rückte ein Stück von ihr ab und leerte ihr Glas mit einem großen Schluck. Das verlieh ihr dann anscheinend den Mut, ihrer Freundin in die Augen zu sehen. "Es war nicht unangenehm, sondern...es hat mir, nun ja, gefallen. Es ...war schön." Sie sprach leise, aber ihre Stimme klang fest. "Und ich habe mich lange dafür geschämt. Es waren andere Zeiten damals, das weißt du, und so etwas hätte meinem Ruf sehr geschadet."

Meryl lehnte sich in die weiche Polsterung des Sofas zurück. Mit so einer Offenbarung hatte sie nicht gerechnet. "Aber", begann sie nach einer Weile, "warum hast du denn nie etwas gesagt? Ich dachte schon, die Szene hätte dich geekelt." Sie griff nach Emmas Hand. "Schau, ich verstehe deine damaligen Bedenken, aber du weißt, dass ich nie schlecht von dir gedacht hätte, weil du Frauen liebst." Plötzlich machte sie große Augen. "Em, was ist mit...?"

Emma kam ihr zuvor. "Ich mag Männer und Frauen, Meryl. Greg weiß Bescheid, und es hat ihn nie gestört. Ken hingegen...ihm habe ich es aus irgendeinem Grund nie gesagt." Sie zuckte die Schultern. "Vielleicht habe ich insgeheim schon damals geahnt, dass ich ihm nicht trauen konnte."

I can see it all so clearly
Answer me sincerely
Was it a dream, a lie


Nachdenklich fuhr Meryl mit dem Finger über den Rand ihres Glases. Da war noch eine Frage, die sie stellen musste; eine, von der sie nicht sicher war, ob sie die Antwort wirklich hören wollte. "Emma", begann sie mit belegter Stimme, "bitte verzeih, wenn ich dich so direkt frage, und sei versichert, dass du mir nicht antworten musst, wenn du nicht willst...aber....wenn du sagst, unser Kuss damals hat dir gefallen, dann..."

Sie ließ den Rest unausgesprochen, doch Emma verstand. Sie drehte nervös an ihrem Ehering und überlegte, wie sie am besten antworten sollte. Es bedeutete vermutlich eine Gefahr für ihre Freundschaft, wenn sie die Wahrheit sagte, doch lügen konnte und wollte sie nicht mehr. Nicht nach all den Jahren. "Ich war damals verliebt in dich", gestand sie schließlich ganz leise. "Verliebt in dich, wie vermutlich der Rest der Welt. Du warst, ach was, du bist so schön, so klug, so talentiert...wie kann man sich auch nicht in dich verlieben?" Sie schluckte und riskierte einen Blick auf Meryl, die ihr reglos lauschte. "Du hast mich einfach in deinen Bann gezogen, und ich dachte, ich hätte es unter Kontrolle, doch dann kam diese Szene...ich musste dir aus dem Weg gehen, sonst hätte ich es nicht ausgehalten. Bitte sei mir nicht böse."

Like reflections of your mind, my love, my life
Are the words you try to find, my love, my life


Meryl hatte atemlos zugehört, und ihr Herz tat weh bei dem Gedanken an die Last, die Emma all diese Jahre mit sich getragen hatte. "Sei du mir nicht böse", meinte sie schließlich und drückte Emmas Hand. Diese lachte und wischte sich kurz über die Augen. "Wie könnte ich dir böse sein? Du hattest doch keine Ahnung....und das war auch gut so. Es hat ein bisschen gedauert, aber ich habe es überwunden. Und jetzt", sie lächelte schief, aber ihre Augen leuchteten warm, "jetzt habe ich Greg."

Meryl erwiderte Emmas Lächeln. "Und Greg kann sich glücklich schätzen, so jemanden wie dich in seinem leben zu haben", sagte sie.


But I know I don't posses you
So go away, God bless you


Der restliche Abend verging wie im Flug, und Emma war froh, dass sie sich endlich ausgesprochen hatte. Als Meryl kurz nach Mitternacht ihren Fahrer benachrichtigte, der sie zum Hotel bringen sollte, umarmten sich die beiden in der Eingangshalle lange.

"Danke", flüsterte Meryl in Emmas Ohr. "Danke für dein Vertrauen." Ihr war bewusst, wie verletzlich Emma sich gefühlt haben musste, als sie ihr Geheimnis preisgab.

Emma vergrub ihren Kopf an der Schulter ihrer Freundin. "Danke dir", entgegnete sie leise.

Sie lösten sich ein Stück weit voneinander und sahen sich an. Von draußen ertönte ein Hupen: Meryls Fahrer war eingetroffen.

"Wir sehen uns auf dem nächsten roten Teppich, Königin", meine Emma verschmitzt. "Nur, wenn wir uns beide einen Oscar holen", gab Meryl zurück und lachte.

Dann, nach einer Sekunde des Überlegens, drückte sie Emma einen Kuss auf die Lippen. "Damit du in Zukunft eine positivere Erinnerung daran hast", lächelte sie, und damit war sie aus der Tür.

You are still my love and my life
Still my one and only
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