Nie wieder

von Izzybuddy
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Alison DiLaurentis Emily Fields
06.09.2018
06.09.2018
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Hallo :)
Ist meine erste Fanfiktion, also habt bitte Erbarmen :D
Viel Spaß !


* Nie wieder *

Der Wind peitschte ihr barsch ins Gesicht. Er riss ihre dunklen Haarsträhnen mit sich, wirbelte sie wild durch die Luft und lies den Regen noch schneidender auf ihre Haut hinabrasen. Es fühlte sich an wie hunderte kleiner Nadelstiche...hunderte kleine Nadelstiche auf ihrer Haut, auf ihrer Seele...
Verzweifelt reckte sie den Kopf in die Höhe, dem schwarzen Himmel entgegen, über den unermüdlich Blitze zuckten. Der Regen vermischte sich mit ihren salzigen Tränen, doch egal wie schnell die Tropfen auch peitschenartig auf ihr Gesicht herunter fuhren, sie waren nicht schnell genug den Strom der Tränen zu überschwemmen.
Die salzigen Wassertropfen, die ihrer Wange herunterrannen waren unzählig, unbändig.
Ein Zittern durchlief ihren Körper, schüttelte ihre Schultern einem Krampf gleichend von links nach rechts und wieder zurück. Sie konnte es nicht stoppen. Sie hatte keine Kontrolle... hatte sie wohl nie.
Ein Donnern durchschlug das Rauschen des Wassers wie ein Paukenschlag. Doch sie zuckte nicht zusammen. Sie stand dort. Alleine im strömenden Regen. Unter Blitz und Donner.
Alison war gegangen... erneut. Hatte die Wunde, die gerade angefangen hatte zu verheilen gnadenlos wieder aufgerissen, wie Schorf von einem Knie gerissen... und es schien noch schlimmer zu schmerzen als es das damals tat.
Bei dem Gedanken an die Tage, Monate und Jahre, die sie bereits zuvor ohne sie verbringen musste, versagten ihre Beine. Der Schmerz er nun zusätzlich über ihr hereinbrach, zwang sie in die Knie. Der Ballast der Emotionen war zu viel. Emily konnte ihn nicht mehr stemmen.
Schwer sank sie zu Boden. Ihre Hose saugte sich augenblicklich mit noch mehr Wasser voll, ihre Schuhe, bereits durchweicht, trieften nun nur so vor Schlamm.  
Ihre Hände stützte sie auf der nassen Erde ab. Selbst wenn sie die Kraft gehabt hätte aufzustehen, sie hätte es nicht gewollt.
Diese Situation war so lächerlich passend – es schien als würde die Welt untergehen. So wie ihre eigene, ganz persönliche Welt vor wenigen Stunden untergegangen war, so schien die Welt ihr solidarisch bestehen zu wollen und ergoss sich im wahrsten Sinne des Wortes über ihr.
Heute Morgen noch war sie lächelnd aufgewacht, in dem Glauben, sie würde neben ihr liegen. Doch ihre Bettseite war kalt. Lediglich ein Zettel hatte auf dem Kopfkissen gelegen.
*Es tut mir leid.*
Mehr nicht. Nur diese vier Worte waren ihr geblieben.
Es war so lächerlich... so nichtssagend. Doch die Tränen auf dem Blatt Papier hatten die Geschichte weitergesponnen: Sie hatte sie verlassen, über Nacht, ohne ein Wort der Erklärung. Doch mit so viel unausgesprochen Emotionen, die in Form von getrockneten Tränen in diesem Fetzen Papier eingebrannt waren. Sie hatte sie verlassen.
Den ganzen Tag war sie panisch und mit zugeschnürtem Herzen durch die Straßen gelaufen und hatte sie verzweifelt gesucht. Sie war die Gegend mit dem Auto abgefahren, in der Hoffnung sie zu finden. Sie war überall gewesen: in der Schule, im Bahnhof, den Cafés, ihrem Lieblingsrestaurant- auch wenn sie dort nur verständnislos angestarrt worden war.
Schließlich wusste sie sich nicht mehr zu helfen und war auf die Lichtung gefahren. Auf ihre Lichtung. Die Lichtung, die sie so oft zusammen aufgesucht hatten. Die Lichtung nahe des Felsens. Ihren Lieblingsort. Doch auch hier war nichts von ihr zu sehen. Keine Spur, kein Hinweis, nichts.
Und dann hatte es zu regnen begonnen. Aus heiterem Himmel. Binnen weniger Minuten war die Welt um sie herum düster, bedrohlich und einsam geworden. Nicht nur wetterbedingt. Sie fühlte sich so leer wie noch nie in ihrem Leben, spürte ein schwarzes Loch in ihrer Brust, das sich stetig ausdehnte, alles auf seinem Weg verschluckte und nichts als dunkle kalte Leere zurückließ.
Da saß sie nun. Nass, zitternd, alleine und starrte hinauf zum Himmelszelt. Sie hatte nicht einmal mehr die Kraft für eine Bitte oder ein leises Flehen.
Sie hatte aufgegeben. Sie würde sie nicht finden. Nicht solange sie nicht gefunden werden wollte.
Diese Erkenntnis nahm ihr auch das letzte Fünkchen Hoffnung, das einsam gegen das Loch in ihrer Brust angekämpft hatte.
Die Phase der Wut hatte sie schon lange hinter sich gelassen. Sie war nicht wütend auf sie. Sie hatte die Spuren ihrer Verzweiflung gesehen - die Tränen auf dem Papier, eingebrannt in die Zellulose, waren der Beweis.
Zitternd fuhr sie mit der Hand in ihre feuchte Jackentasche, holte den kleinen unscheinbaren Zettel hervor und starrte ihn einen Moment lang an. Noch immer rannen Tränen über ihre Wange und sie spürte langsam den Kopfschmerz dumpf gegen ihren Schädel pochen.
Ohne ein Wort, ohne einen klaren, fassbaren Gedanken, legte sie den Zettel auf die nasse, matschige Erde und sah zu, wie er sich mit Wasser vollsog, von Schlamm bedeckt und unter ihm begruben wurde. Sie schluchzte auf. Hatte keine Worte für ihre Empfindungen. Konnte nicht Greifen, was in ihr vorging.
Emily strich mit der Hand ein letztes Mal über eine Ecke der Nachricht. Zärtlich fast, als wollte sie Abschied nehmen. Als wollte sie versuchen zu akzeptieren, dass dies wohl einer der schlimmsten Tage ihres Lebens war. Das Gefühl der Beklemmung nahm zu, legte sich wie ein breites Band über ihren Brustkorb und machte ihr das Atmen fast unmöglich. Egal wie tief sie einatmete, es schien nicht genug zu sein. Die Luft strömte durch ihren Mund, sodass sie den  Wald und das feuchte Laub förmlich schmeckte, während sie die Kälte wie Eissplitter in ihrer Lunge spürte und bei jedem Atemzug hatte sie das Gefühl beinahe zu ersticken.

„Emily?“ Es war ein Flüstern im tobenden Sturm. Verzweifelt schloss sie die Augen und wand den Kopf zur Seite. Nun hörte sie auch schon ihre Stimme im Wind, als wollte er ein grausames Spiel mit ihr spielen. Als wären die Kälte, die um sie herum tobte und die unfassbare Leere in ihrer Brust nicht schon schlimm genug. Als würden sie nicht genügen um sie zu zerstören.
Umso mehr schrak sie zusammen, als sie eine eisig kalte Hand auf ihrer Schulter spürte. Panisch riss sie die Augen auf und starrte in die Dunkelheit vor ihr. Doch auch wenn es bedingt durch die fortgeschrittene Zeit und das Gewitter beinahe rabenschwarz um sie herum war, so konnte sie die Person vor sich doch deutlich erkennen.
Emily hätte sie überall und immer erkannt. Ihr Gegenüber hockte vor ihr, nur eine Armlänge entfernt. Die eiskalte Hand war von Emilys Schulter gerutscht und stützte sich nun auf einem der Knie ab. Zwei unfassbar blaue Augen sahen sorgenvoll und schuldbewusst in die ihren.
„Ali?“ Die Ungläubigkeit hielt nur für den Bruchteil einer Sekunde an, denn sofort spannten sich alle Muskeln ihres Körpers an. Emilys Hände schnellten nach vorne, griffen nach der Schulter und der Hüfte ihres Gegenübers und zogen sie beinahe grob zu ihr heran. Sie presste ihren Körper so nah es ihr nur möglich war an den ihrer Freundin.
Sie hielt sie so fest an sich gedrückt, dass Alison in ihren Armen vor Schmerz aufstöhnte, dann jedoch ebenfalls ihre Arme um sie legte und an sich presste.
„Ich...ich konnte es nicht.“, stammelte Alison in ihre Halsbeuge. Emily, die ihren Griff noch einmal etwas verstärkte, zitterte nun noch stärker als zuvor schon. „... ich musste zu dir zurück...“ Sie löste ihre Umarmung und schob Emily sanft eine halbe Armlänge von sich. Ihre Hand fand den Weg zu ihrer Wange und strich sanft über die gebräunte Haut. Emily starrte lediglich ungläubig in ihre blauen Augen. Das blonde Haar klebte Alison im Gesicht, ihre Jacke, die sie aus dem Augenwinkel sehen konnte, war vollkommen durchnässt und hing wie ein nasser Sack von ihren Schultern. „Warum?“, brachte Emily heißer heraus und starrte weiterhin in diese meerblauen Augen vor ihr.
„Ich habe die ganze Nacht wachgelegen. Habe nach einer Möglichkeit gesucht dich zu schützen. Doch es gab keine, außer... dich aus dem Fadenkreuz zu nehmen...“ Alisons Stimme brach. Sie schluckte sichtbar und schien mit sich zu ringen:„Ich bin so ein Idiot, dass ich dachte, ich tue uns damit einen Gefallen. Ich war nicht einmal richtig aus deinem Zimmer gegangen, schon wollte ich zurück...“
Sie strich nun mit ihren Fingern durch Emilys nasse Haare. Durch die Berührung ihrer Finger mit den nassen, kalten Haaren schien sie die momentane Lage schlagartig zu erfassen. Sie sprang auf und hielt Emily die Hand hin. Als diese sie verwirrt anblickte, griff sie nach ihr und zog sie von dem schlammigen Boden. „Wir müssen hier weg.“ Ihr Blick lag sorgenvoll auf der Erscheinung ihrer Freundin. „Du bis vollkommen durchnässt und eisig kalt.“ Die Leere, die Emily vorhin unaufhaltsam beschlichen und eingenommen hatte, wich nun vor einer schier unbändigen Wut zurück. Woher sie die Kraft nahm wusste sie nicht, doch sie richtete sich auf, löste Alisons Hand von der ihren und funkelte sie an. Emily glich einem Vulkan und langsam sickerte die Erkenntnis in ihr Gehirn ein. „Verdammt Ali!“ Sie schrie die Worte regelrecht gegen Wind und Donner. „Spinnst du?! Du bist einfach so abgehauen!“
Ein Blitz zog über den Himmel und erhellte die Szenerie für die Zeit eines Liedschlages und Alison konnte deutlich die Wut in Emilys Augen erkennen. Sie wusste, dass sie Emily, egal wie schwer es ihr fiel, jetzt nicht unterbrechen sollte – und so schwieg sie. Emily hatte den beinahe unbändigen Drang Alison von sich zu stoßen, ihr irgendwie deutlich zu machen wie wütend, wie verzweifelt sie war, doch die Erleichterung und das Bedürfnis sie nah bei sich zu haben siegte zweifelsohne. „Du bist so ein Idiot Alison! Ich hatte in meinem gesamten Leben noch nie so viel Angst wie heute. Ich dachte du...“ Ihre Stimme verlor immer mehr an Kraft und Lautstärke, bis sie es gar nicht mehr wagte die übrigen Worte auszusprechen. Ein erneuter Blitz erlaubte es Alison die Verzweiflung und Angst in den Augen ihrer Freundin zu sehen. Sie sah, wie die Wut ihren Körper verlies und Emily beinahe augenblicklich zusammenbrach. Nur mit Mühe schaffte sie es, einigermaßen aufrecht stehen zu bleiben. „...ich dachte ich würde dich nie wieder sehen.“ Beendete sie leise, fast unhörbar ihren Satz und schlang ihre Arme um Alisons Hals, vergrub ihr Gesicht in ihrer Schulter, krallte ihre Finger regelrecht in die Jacke. Verzweiflung und Erleichterung vermischten sich zu einem gestaltlosen Chaos in ihrer Brust, doch endlich konnte sie wieder befreit atmen. Sie roch zwischen dem feuchten Laub und der nassen Erde auch ihre Freundin: wie ein angenehmer, leichter Frühlingsmorgen beim ersten Aufblitzen der Sonnenstrahlen.
Ein Zittern nach dem nächsten durchlief ihren Körper. Ob vor Kälte, Wut oder doch Erleichterung wusste sie nicht zu sagen. Alison umspannte sie sogleich mit ihren Armen und hielt sie schlicht fest, strich ihr über das Haar und den Rücken und verweilte einige Momente so, bis sie das Wort ergriff. Leise sprach sie direkt an Emilys Ohr: „Es tut mir so leid.“ und auch ihre rannen nun Tränen über die Wange, doch sie schämte sich nicht dafür. Ihre Gefühle für Emily waren so rein, sie konnten nichts an sich haben, wofür man sich schämen müsste. Früher hatte sie anders darüber gedacht, doch heute wusste sie: es gab so viel Wichtigeres als die Meinung anderer. „Ich wollte dich beschützen... ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass dir etwas zustößt...“, murmelte sie gegen Emilys Schulter. „...doch noch weniger kann ich es ertragen nicht bei dir zu sein.“, schloss sie, drehte den Kopf leicht und küsste die Halsbeuge ihrer Freundin. „...ich kann dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich dir das heute angetan habe.“ Emily brauchte einen Moment um ihre Worte zu verarbeiten und den Sturm in ihrer Brust zu beruhigen. Sie versuchte die Situation zu umreißen, versuchte die Wut zu vertreiben. Schließlich lehnte sie sich in Alisons Armen zurück und sah sie aus tränenverschleierten Augen an: „Tu das nie wieder. Nie wieder will ich so einen Zettel finden...nie wieder verschwindest du einfach so...“ Wieder brach Emilys Stimme. „Nie wieder.“ Lautlos kamen diese Worte über ihre Lippen. „Nie wieder...“, bestätigte Alison leise während sie Emily offen in die Augen sah.
Ein kräftiger Windstoß umfing sie und die Kälte fuhr ihnen überdeutlich durch die bereits kalten Körper. „...lass uns nach Hause gehen.“ Alison umfing Emilys Hand mit ihrer und zog sie von der Lichtung in Richtung ihres Wagens. Sie ließ sie einsteigen, setzte sich dann selbst auf den Fahrersitz und stellte die Heizung auf die höchste Stufe ein.
Emily saß wie apathisch in den Polstern und das Wasser tropfte aus ihren Haarspitzen auf ihre Jacke. Schweigend griff Alison nach ihrer linken Hand, umfasste sie fest und Emily legte ihre rechte auf ihrer beiden umschlossenen Hände. Ihr Blick lenkte sich auf das Knäul aus Fingern und verweilte dort. Alison ließ sie erst wieder los, als sie in der Auffahrt von Emilys Haus den Motor abstellte.
Für den kurzen Moment, den es benötigte auszusteigen und das Auto zu umrunden trennten sie ihre Finger voneinander. Sobald Alison diesen Weg jedoch zurückgelegt hatte, umfassten sie erneut gegenseitig ihre Finger, als wollten sie sich versichern, dass der andere da war und betraten das Haus. Im Badezimmer zogen sie sich die klatsch nassen Sachen aus, wobei Emily Hilfe benötigte, da sie schlicht nicht in der Lage war ihre durchgefrorenen Finger so weit zu krümmen um den Knopf ihrer Hose zu öffnen, oder sich das T-Shirt über den Kopf zu ziehen. Alison befreite sie vorsichtig von den nasskalten Klamotten und ließ sie an Ort und Stelle auf dem Fliesenboden liegen. Sie dirigierte ihre Freundin, die seither kein Wort gesagt hatte, unter die Dusche und stellte den Wasserstrahl auf eine lauwarme Temperatur ein.
Als der Strahl sie selbst traf durchfuhr sie ein unangenehmes Kribbeln, als ihre ausgekühlte Haut langsam wieder erhitzt wurde. Wenn ihr schon so kalt war, wie ging es dann erst Emily? Schließlich war sie deutlich länger dort auf der Lichtung im Regen gewesen. Das schlechte Gewissen, dass Alison schon den gesamten Tag plagte, traf sie nun noch stärker, als sie ihre Freundin betrachtete und das ganze Ausmaß ihrer Tat vor sich stehen sah: Emilys Finger und Lippen hatten sich vor Kälte bläulich verfärbt und ihre gesamte Körperhaltung legte den Verdacht nahe, dass sie sich nur mit Mühe auf den Beinen halten konnte. Emily war wie in einem Schockzustand und zuckte stark zusammen, als der Wasserstrahl auch sie traf. Ansonsten zeigte sie kaum eine Regung. Es war, als müsste sie zum Verarbeiten dieses Tages tief in sich gehen, sich in sich selbst zurückziehen.
Alison beunruhigte dieser Zustand sehr, doch es blieb ihr nichts anderes übrig, als das Wasser nach einer Zeit immer wärmer zu stellen und so sicher zugehen, dass Emily keine Unterkühlung erleiden würde. Immer wieder sprach sie auf sie ein,  flüsterte ihr beruhigend ins Ohr und führte sie schließlich aus der Dusche.
Emily trocknete sich mechanisch ab, zog sich einen Pullover und eine Jogginghose über, lief wie ferngesteuert in ihr Zimmer und blieb vor dem Bett stehen. Ihr Blick fixierte die Bettseite, die Alison gewöhnlich nutzte und die heute Morgen kalt und leer gewesen war.
Alison stand nur wenige Zentimeter hinter ihr und legte ihr nach einigen Momenten eine Hand auf den Rücken, lies die Hand zu der ihrer Freundin gleiten und zog sie schließlich zu ihrer eigenen Bettseite.
Während Emily sich unter die Bettdecke legte, suchte Alison im Schrank nach einer Wolldecke, die sie zusätzlich über Emily ausbreitete. Dann beeilte sie sich auch unter die Decke zu kommen und legte sich mit dem Gesicht zu Emily auf die Seite.
Auch Emily drehte sich zu ihr und streckte ihre Hand nach ihr aus. Sofort ergriff Alison diese und umklammerte sie schützend, führte sie an ihre Lippen und küsste sie sanft.
Emilys Mundwinkel zuckten bei dieser Berührung nach oben und das reichte Alison fürs erste um in dieser Nacht nicht vor Sorgen um ihre Freundin zu vergehen.
Sie wollte so viel sagen, so viel erklären, doch sie fand keine Worte um das Gefühl, dass ihr bis in die Fußspitzen strömte adäquat zu beschreiben, denn zu einen schwang eine unfassbare Traurigkeit und Sorge wie eine mit Zement beladene Schaukel mal stärker, mal schwächer durch ihren Kopf. Zum anderen durchströmte sie ein Glücksgefühl nach diesem Tag hier bei Emily liegen zu können. Emily, die sie den ganzen Tag gesucht hatte. Emily, die vollkommen durchnässt und frierend in ihre Arme gefallen war. Emily, die nun vor ihr lag, fest ihre Hand umklammerte und immer wieder sacht mit dem Daumen über ihren Handrücken fuhr.
Ihre Gedanken fügten sich zu nur einer logischen Schlussfolgerung zusammen: „Ich liebe dich“, flüsterte sie in die Stille. Diese schlichte und ehrliche Aussage veränderte Emilys nachdenklichen Blick in einen durch und durch sanften Ausdruck. Sie schloss den Raum zwischen ihren Lippen und küsste Alison mit grenzenloser Liebe.
Dieser Kuss hatte nichts leidenschaftliches, nicht verlangendes an sich. Er beschrieb ihre Gefühle, von Verzweiflung zu Hoffnung, von Trauer zu Zuversicht und endete mit dem unausgesprochenen Versprechen an einander festzuhalten. Ein Lächeln schlich sich auf die Lippen der Blonden, als Emily sich drehte und Alisons Arm über sich zog sodass ihre Brust nun eng an ihrem Rücken lag, ihr Gesicht an Emilys noch nassen Haaren.
„Ich weiß.“, flüsterte Emily so leise und sie wusste tatsächlich. Sie hatte die Reue in den blauen Augen gesehen, die Verzweiflung in ihrer Umarmung gespürt. Alleine, dass sie zurückgekommen war und sie dort auf dieser Lichtung zwischen Donner und Blitz gesucht hatte, beweis ihr den Wahrheitsgehalt in Alisons Worten.
Als Emily sich nun vollends gegen Alison sinken ließ und zufrieden ausatmete schloss auch Alison die Augen. Sie würde diesen Moment eine Weile genießen und dann den Rest der Nacht hier bei ihr liegen, sie fest im Arm halten und über sie wachen.
Morgen wäre noch genug Zeit um über das Geschehene zu sprechen und so hauchte sie ihrer Freundin noch einen Kuss auf das Haar und zog sie noch ein kleines Stück näher zu sich heran. Eine Träne der Erleichterung löste sich lautlos aus ihrem Augenwinkel und zog eine nasse Spur über ihre Wange. Emily war für den Moment sicher und sie selbst war dort wo sie hingehörte. Sie sollte nirgends anders sein als genau hier, die Arme schützend um ihre Freundin geschlungen und auf ihre gleichmäßgien Atemzüge lauschend.
Und nie wieder, nein, nie wieder würde sie einen solchen Zettel, eine solche Nachricht an Emily heran tragen.
Nie wieder.