SotN - Akt I: Als der Norden gen Süden zog

von Nyareldas
GeschichteFantasy / P16
Cynder OC (Own Character)
05.09.2018
28.05.2020
20
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Prolog


*


Der Norden. Das war seine Heimat – seit nun fast dreißig Monden.
Ja, der Norden war nicht immer seine Heimat gewesen. Aber, inzwischen waren ihm diese Lande so bekannt wie das Heft seiner Klinge. Und als Mitglied der Wache seines Dorfes war er geübt im Umgang mit seinen Waffen.

Die Nacht nahte. Es würde eine dunkle und kalte Winternacht, aber doch eine Nacht unter vielen anderen werden.
Während die untergehende Sonne hinter den Gipfeln der Berge im Osten versank hüllte sie den Horizont in ein warmes Rot – ein blutiges Rot.

Vom Süden her begann die Dunkelheit die Oberhand zu gewinnen.
Nur gut, dass auch im Süden Berge den direkten Weg zu den Dörfern des Nordens erschwerten.
Die Kreaturen des Nordens würden bald erwachen, und auf die Jagd gehen. Bereits jetzt schollen ihre Rufe über die Ebenen des Nordens, von den Höhlen der Berge im Norden her.
Mit ihren Liedern taten sie ihr Erwachen kund. Eine Warnung an alle anderen Bewohner dieser Lande.
Aber, die Dörfer waren sicher, dank der Wache dieser Dörfer.
Denn die Kreaturen der Nacht fürchteten das Licht. Und sie fürchteten die Bewohner des Nordens. Noch grauenvollere Wesen als die Kreaturen der Nacht, und doch Freunde der Dörfer des Nordens.

Auch wenn das Licht der Sonne bereits wich, so spendeten doch die Flammen eines nahen Lagerfeuers dem Maulwurf Wärme und Geborgenheit.
Jedoch, das Feuer alleine war nicht genug, um des Winters Kälte fern zu halten. Deshalb hatte die Wache sich in Pelze gehüllt.
Unterhalb der Pelze war das Braun seiner ledernen Rüstung zu sehen.
Nicht genug Schutz gegen das Eisen von Klingen oder die Knochen von Pfeilspitzen konnte eine solche Rüstung bieten, aber lieber ein ledernes Wams als gar nichts zum Schutz gegen die Waffen der Feinde.
„Nutze das, was dir gegeben wurde...“, hatten die Alten immer gesagt – und sie hatten recht.
Die Sehne eines Bogens, gefertigt aus auf den Ebenen des Nordens selten gewordenen Eschenholz, spannte sich über eine seiner Schultern. Der Bogen selbst teilte sich den Platz auf seinem Rücken mit einem Köcher. Verbunden mit dem Gurt, der den Köcher trug, hielt ein ebenso lederner Gürtel seine Klinge. Diverse Taschen sammelten sich an seinem Gürtel; Behältnisse für allerlei Nützliches.

Noch am Vortag hatte die Wache seine Gattin gebeten das glänzende Fell des Opfers der letzten Jagd in den nahen Wäldern – den Pelz des Silberwolfs, größer als seine Verwandten im Süden, und auch wilder – vom Rest seines Körpers zu trennen.
Das Fleisch als Mahlzeit für die Hungernden, die Knochen als Werkzeuge zum Nähen und zur Verteidigung und der Pelz als Schutz gegen die winterliche Kälte.
In dieser Gegend durfte nichts verschwendet werden. Nur selten kam Fleisch auf den Tisch – es sei denn, man war ein dracontar.
Besonders während der Tage des Winters. Ein Winter, der schneller und härter Einzug auf den Ebenen des Nordens hielt als im Süden, der Heimat der wenig geliebten Brüder der Bewohner dieser Ebenen.
Den ganzen letzten Tag hatte seine Liebste an diesem Umhang gearbeitet. Und, weil genügend Pelz übrig geblieben war, hatte sie Decken für die Kleinen gefertigt. Auch sie hatten geklagt, hatten nicht länger frieren wollen.
Es war ihr erster Winter, und sie fürchteten sich. Sie hofften, ihr Vater würde bald von seiner Wache zurückkehren und die kleine Familie beschützen; genau wie es die Mutter tat. Ihr Gatte hatte den Eid der Ehe geschworen – und noch nie war er eidbrüchig geworden.

Die Wache war nicht alleine.
An ihrer Seite saßen vier weitere Wachen, allesamt Maulwürfe und ähnlich ausgerüstet wie die Wache selbst.
Der Wachwechsel stand kurz bevor und bevor die Freunde und Brüder unter den Eigenen aufbrachen, um ihre Posten einzunehmen, wollte man die Brüder verabschieden – sollten sie von ihrer Wache nicht wiederkehren.
Während des Einen Dienst sich seinem Ende zuneigte machten sich Andere dazu bereit ihre Posten einzunehmen. Und welcher Ort eignete sich besser für den Wachwechsel als die äußeren Bezirke des Dorfes auf der nördlichen Hochebene, welches westlicher als alle anderen Dörfer gelegen war?

*


So saßen die Maulwürfe nun am Feuer.
Sich an den Annehmlichkeiten derer erfreuend, die nicht mit in winterlicher Kälte Wache halten sollten, bereiteten sie sich darauf vor ihre Wacht zu beginnen. Von den bald vermissten Flammen gewärmt warteten sie die die Rückkehr ihrer Brüder unter den Thulunctari.

Noch war kein Zeichen ihrer Brüder zu sehen.
Das einzige, was sie derzeit beobachten konnten, war das Entflammen weiterer Feuer, im Norden; weitere Orte, an denen der Wachwechsel stattfand.
Um sie herum begannen bereits die ersten Bewohner des Nordens die Lichter zu löschen, um sich zur Nachtruhe zu betten.
Dass sie auf die Wache vertrauten, das war den Maulwürfen am Lagerfeuer wohl bewusst. Die Dörfer des Nordens standen noch – ein Beweis für den Erfolg der Wache.

„Wie lange wollen die sich denn noch Zeit lasen?“, beschwerte sich einer der Maulwürfe.

Auch wenn die Maulwürfe nicht für ihre Körpergröße oder klare Sicht bekannt waren, eben das waren Eigenschaften, die einer Vielzahl an die Ebenen des Nordens bewohnenden Angehörigen dieses Volkes zu eigen waren.
In diesem Punkt unterschieden sie sich von ihren Verwandten im Süden.
Die harschen Bedingungen dieser Lande, die sich vor vielen Monden vom Einfluss der Drachenstadt im Süden losgesagt hatten, hatten dafür gesorgt, dass die Bewohner dieser Ebenen abgehärtet worden waren. Daran gewöhnt den Elementen zu widerstehen und ihres Lebens – ein einfaches und hartes, aber gutes Leben – weit abseits der wenig gemochten Mauern Warfangs nachzugehen waren sie, tatsächlich, die Nachfahren der ersten Pilger des Nordens.

„Die Berge sich gefährlich im Winter. Wärst du erfahrener, dann wüsstest du das auch“, entgegnete sein Sitzpartner.

„Welch Wunder, der Neuling hat mal wieder Bedenken!“
Auf die Worte der dritten Wache am Lagerfeuer, feist und den bedenklich nach Schnaps riechenden Weinschlauch sinken lassend, folgte ein Aufstoßen, begleitet von einem Grummeln.

„Sprich noch einmal so zu meinem Schützling, und der Schnaps wird dein geringstes Problem sein!“
Die Drohung des Neulings Sitzpartners brachte die dritte Wache zum Glucksen.
„Ein Südling bleibt ein Südling, egal in welche Pelze er sich hüllt. Du kannst ihnen nicht trauen. Wieso also hast du ihn unter deinem Dach aufgenommen?“
„Weil er denselben Traum hat wie wir alle. Wir sind nicht anders als er, oder seine Familie. Allesamt Verstoßene, zweite Söhne und Träumer...“
Ein belustigtes Lächeln kam der ersten Wache über die Lippen als die Dritte versuchte sich zu erheben, sich aufgrund seiner Trunkenheit aber wieder setzen musste.

„Lasst dem Neuen seinen Ärger!“, schaltete sich ein viertes und, ausgehend von seinem von Spangen und Nadeln in seiner geflochtenen Form gehaltenen Bartwuchses, alt eingesessenes Mitglied der Wache – der Anführer dieser Gruppe.
„Seid ihr des Wartens nicht auch müde? Wie lange warten wir nun? Zwei, vielleicht drei Stunden?“
Der alte Maulwurf sah in die Runde, rückte das Gerät auf seiner Schnauze zurecht, dass ihm das Sehen ermöglichte. Auch wenn er auf eine Antwort seiner Brüder wartete, es kam keine.

Der in sich hinein grummelnde Bruder des Alten widmete sich wieder seinem Weinschlauch.
Schweigen.
Einige Funken sprühten in die Runde als der Wetzstein in der Hand des Neulings über die Kante seines Schwertes fuhr. Für einige Momente war nur das Kratzen des Wetzsteins zu hören; und die Klänge der Nacht.

Dem Alten schien die Geduld zu verlassen. Der Griff um seine Großaxt, mindestens so groß wie einer seiner südländischen Verwandten und zu schwer für den Alten wirkend, verstärkte sich.
„Findet ihr es nicht merkwürdig, dass die Späher noch nicht zurückgekehrt sind? Und was ist mit ihren Fackeln? Wieso brennen sie nicht?“

Die drei Jüngeren sahen auf, blickten in die Runde. Der Alte hatte recht.
Immer hatten die Späher damit geprahlt, dass sie die Berge dieser Gegend selbst im Schlaf bezwingen könnten. Wie sonst hätten sie die in den Fels gearbeiteten Wachtürme errichten können, die die Pässe durch die Berge überragten?
Den Wachen war es schwer zu glauben, die Späher hätten diese Türme ohne die Mithilfe der dracontari erbauen können. Zumal sie weder die nötige Stärke für den Transport des für den Bau dieser Anlagen, noch über das Wissen der hiesigen Steinmetze verfügten, um IRGENDETWAS aus dem Fels der Berge zu formen.
Noch nie hatte es Zeiten gegeben, da die Bergsteiger des Nordens einen Verlust als Folge eines Unfalls während einer ihrer manchmal Tage andauernden Ausflüge zu betrauern gehabt hatten.
Anhand des selbstsicheren Grinsens der Bergsteiger war den Mitgliedern der Wache klar gewesen, was die Späher von der Wache des Nordens hielten – es beruhte auf Gegenseitigkeit, aber ihre Zusammenarbeit sorgte für das Überleben Hunderter.

Der Ruf einer Kreatur der Nacht unterbracht die in der Gruppe herrschende Stille.
Die Jagd hatte begonnen.

Das Oberhaupt der Gruppe ließ von den Spangen in seinem Bart ab.
„Da stimmt etwas nicht...“

Die Schlussfolgerung des Alten fand Anklang in der Runde.
„Was sollen wir tun? Sollen wir es den Spähern gleichtun? Oder sollen wir zum Theus-Pass gehen und dort nach Hinweisen suchen?“

Der Alte antwortete auf die Fragen des Neulings.
„Du, Neuer, wirst nichts dergleichen tun. Du bist noch nicht bereit für die Gefahren der Berge im Süden.“
„Also soll ich...?“
„Gehe zu den anderen Sammelstellen und mach Meldung über unseren Aufbruch! Suche nach Eglandor, den momentan diensthabenden dracontar! Sag ihm: Der Gott ist in Aufruhr. Er wird wissen, was das bedeutet.“

Der Neuling nickte, erhob sich aus seiner am Feuer sitzenden Position.
Während die anderen Mitglieder der Runde sich auf den bevorstehenden Aufbruch gen Süden vorbereiteten verließ der Neue das Licht des nahen Lagerfeuers. Sein Ziel waren die anderen Sammelstellen; so wie es der Alte gesagt hatte.

*


Das Lagerfeuer brannte immer noch, trotz des nunmehr fallenden Schnees.
Entgegen der Anweisung seines Oberhaupts war der Neuling zum Lager zurückgekehrt. Nun wollte er die Rückkehr der übrigen Verbündeten abwarten; egal ob es nun die vermissten Späher oder seine Gefährten und Mentoren unter der Wache des Nordens sein sollten.

Nach einiger Zeit des Wartens ertönte der Ruf eines Wesens der Nacht.
Gefolgt wurde dieser Ruf von einem Klang, der es dem Neuling vermochte, einen eisigen Scheuer über den Rücken zu jagen.
Kein Geräusch, wie es eines der hier wild lebenden Tiere von sich gab, sondern der Kehle einer anderen, dem Neuling bekannten Kreatur entstammend – der Aufschrei eines Mitglieds der Wache erschallte aus den Bergen im Süden.

Aufgeschreckt erhob sich der Neuling schlagartig von seinem Platz am Feuer, den Bogen in der einen Hand und die andere Hand über seine Schulter greifend.
Während der Maulwurf in die Finsternis der Nacht spähte nockte er den aus seinem Köcher gezogenen Pfeil ein, nutzte die Muskeln seines Rückens zum Spannen der Sehne und zielte.
Doch, kein Pfeil flog. Zu groß war seine Angst davor einen seiner Verbündeten versehentlich zu treffen.

Langsam entspannte sich der Maulwurf, ließ den Bogen wieder sinken.
-“Ich muss da raus.“-, schlussfolgerte der Neuling. -“Neuling oder nicht, ich muss an der Seite meiner Brüder stehen.“-.
Er war ein Mitglied der Wache des Nordens. Seine Aufgabe war es, Leute zu beschützen.
Das galt auch für seine Brüder unter der Wache. Und, indem er nun in die Nacht hinauszog, um nach dem Rechten zu sehen, sollte er den Rat des Eglandor befolgen.
Aber, sollte er scheitern, so durfte er nicht in die Dörfer des Nordens zurückkehren. Nicht weil er die Schmach der übrigen Wachen fürchtete, sondern weil er den Feinden, die im Schatten lauern könnten, den direkten Weg zu den Dörfern des Nordens offenbaren würde.

So verließ der Maulwurf den Schein des Lagerfeuers, erneut.
In die über die Ebenen des Nordens gefallene Nacht zog er nun, blickte nicht zurück.
Und hinter ihm sorgte der fallende Schnee, zusammen mit den nun aufkommenden scharfen Winden, dafür, dass die Flammen des Lagerfeuers erloschen.

*


Unter seinem Stiefel brach ein Stein, stürzte in die Tiefe unterhalb seines nach Halt suchenden Fußes.
Er war vom Weg abgekommen. Eigentlich hatte er einer der durch die Bergsteiger des Nordens befestigten Straßen durch die Berge bis hin zum Wachturm über dem Theus-Pass folgen wollen. Der ohne Unterlass fallende Schnee machte es ihm allerdings unmöglich etwas Klares zu erkennen.
Er wusste, dass die Bewohner dieser Lande bekannt dafür waren die Straßen und Pfade ihrer Heimat zu bewachen. Und war er auf der Suche nach einer solchen Wache, oder einem bekannten Gesicht.

*


Der Maulwurf kämpfte sich durch den tosenden Sturm.
Seine Stiefel versanken tief im Schnee. Tatsächlich fühlte sich der Schnee an diesem Ort ungewöhnlich nachgiebig an. Ganz so, als wäre es nicht bloß Schnee, der sich unter den Stiefeln des Neulings befand. Etwas Feuchtes, etwas Warmes...

Als er versuchte zu erkennen, was in diesem Moment seine Stiefel umgab, kam er zu der Erkenntnis, dass der Sturm an Stärke gewann.
Und die um ihn herum herrschende Finsternis der Nacht tat es ihm gleich. Bereits vor einigen Minuten hatte der fallende Schnee die Fackel in seiner Hand gelöscht – die einzige Lichtquelle in der Nacht, und die Quelle für den Mut des Neulings.

Sein Versuch wurde von einem Geräusch unterbrochen, dass sich deutlich vom Heulen des Windes unterschied: das Geräusch von durch den Schnee schreitenden und schweren Stiefeln, in seiner Nähe.
Er konnte nicht erkennen, war da durch den Schnee stapfte. Aber, anhand des Klangs dieser Stiefel vermutete der Neuling zu wissen, dass es sich um seinen Hauptmann handeln musste. Alleine er unter den Wachen des Nordens, die derzeit auf Patrouille waren, war schwer gerüstet.

„Habt Ihr etwas gefunden, Hauptmann?“, erfragte der Neuling.
Keine Antwort. Die vor dem Neuling sichtbare Gestalt regte sich nicht.

Nicht ganz sicher, ob es dem Sturm zu verschulden war, dass der Neuling keine Antwort erhalten hatte, erhob der Maulwurf seine Stimme aufs Neue:
„Wo sind die Späher? Oder die Anderen?“

„Sie sind hier...“, erhielt der Maulwurf endlich eine Antwort.
Eine zweite und schon bald eine dritte Gestalt erschien an der Seite des Gegenübers des Neulings.

Die dem Neulings antwortende Stimme kam dem Maulwurf unbekannt vor.
Schemen weiterer Gestalten wurden sichtbar. Allesamt gesellten sie sich an die Seite des Gegenübers des Neulings, schweigsam.

Der Neuling trat einen Schritt zurück, sichtlich verunsichert.
Etwas stieß gegen die Kante seines Stiefels. Ein Stein?
Den Blick schlussendlich senkend, sich gar dem schneebedeckten Boden entgegen beugend, erkannte der Neuling schließlich, was der Grund dafür gewesen war, dass der Boden sich ungewohnt weich anfühlte; und die Augen des Neulings weiteten sich mit Schrecken.

Blut.
Jede Menge Blut war vergossen worden.
Und inmitten des Blutes, der reglose Leib des Alten.

Der Alte hatte Gesellschaft.
Um ihn herum waren die Körper der einstigen Brüder zu sehen.
Auch die Späher waren gefunden.
Anhand dessen, dass sie schwerste Verletzungen – solche, die unmöglich von Klingen alleine stammen konnten – erlitten hatten, kam der Neuling zu der Erkenntnis, dass die Bergsteiger in den Abgrund gestoßen worden sein mussten.

Sich wieder erhebend zog der Neuling seine Klinge.
Das Eisen seines Schwertes schlug Funken als es mit einem metallischen Klirren gegen gut bearbeiteten Stahl schabte; Funken, die für einen Moment den Ort des Kampfes erhellten.
Die Funken ermöglichten es dem Neuling einen Blick auf sein Gegenüber zu werfen:
Ein Affe, groß gewachsen und schwer gerüstet, das Banner seines Meisters auf den Wärme spendenden Mantel gestickt – der fallende Drache, ein Diener der Finsternis.

Mit bloß einer Handbewegung wurde der Neuling entwaffnet. Das Mitglied der Wache ging zu Boden.
Bei der Kehle wurde er gepackt und wieder auf die Füße gehoben. Mit einem Ruck versank der Stahl in seinem Fleisch. Mehr Blut befleckte den Schnee.

Der Neuling brach zusammen, kaum bei Bewusstsein. Er hatte seinen Platz unter seinen Brüdern eingenommen.
„Wieso?“

Die Frage des sterbenden Neulings war kaum mehr als ein Flüstern. Doch erhielt er eine Antwort.
Das maskierte Gesicht eines Affen erschien über ihm.
„Nichts persönliches, Nordling“, versicherte der Affe dem Maulwurf.
„Mein Meister verlangt es.“

„Wer?“

„Sie, die sie die Himmel mit Schrecken erfüllt“, entgegnete der Affe.
„Lass mich deinen Weg erleichtern.“

Mit diesen Worten ließ der Affe die Klinge nieder gehen, um sein Werk zu vollenden.

Sich wieder erhebend wischte der Affe das Blut von seiner Klinge an seinem Mantel ab, zügelte sein Schwert.
Lächelnd spähte er in die Ferne. „Lasst die Jagd beginnen...“










Author's Notes:

Die Kursiv geschriebenen Worte werden im Folgenden erklärt:

„dracontar“
/dra-KON-tar/ (Plural: „dracontari“)
Bezeichnung für einen Drachen.
Nordron (Sprache der Bewohner des Nordens): (verehrter) Drache.

„Thulunctari“
/THUL-unk-ta-ri/ (Singular: „Thuluntar“)
Bezeichnung für einen Späher des Nordens.
Verbündete der Wache des Nordens, geübte Bergsteiger.
Nordron (Sprache der Bewohner des Nordens): Bergsteiger (wörtlich: Bergwanderer)

„Theus-Pass“
/THE-us/
Einer der befestigten Wege durch die Berge im Süden der nördlichen Hochebene.
Einst Bestandteil einer Straße vom Norden aus bis hin zur Drachenstadt.
Nun kaum noch genutzt.
Sage: Gipfel des Theus, einer der höchsten dieses Gebirgszugs und Namensgeber des sich an seinem Fuß entlang schlängelnden Passes, sei der Sitz des gleichnamigen Gottes, im alten Pantheon des Nordens, über Blitze und Regen.
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