Amissa - der Ursprung

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
03.09.2018
06.12.2018
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Hallo Liebe Leser,
hier noch ein kleines nettes Kapitel im Nikolausstiefel für euch.
Viel Spaß beim Lesen,
Eure Silvie

„Hey, Jackson“, rief Cameron Mitchell, als er durch die Gänge der Hammond eilte, um den Archäologen einzuholen, der mit ihm in einem Team war.
„Daniel“, wiederholte er und endlich hielt der andere an.
„Oh, hi Cam“, erwiderte Daniel und schob sich seine Brille die Nase hoch, „Was ist los? Wir sind doch noch nicht angekommen, oder?“
„Zehn Minuten noch“, bestätigte Mitchell und setzte sich wieder in Bewegung. Sein Teammitglied schloss sich ihm an.
„Was liest du?“, fragte er und deutete auf das Tablet in der Hand des Archäologen, auf dem deutlich ein augenscheinlich langer Text zu sehen war.
Daniel winkte ab: „Nur einen der Berichte, den wir von der Ausgrabung bekommen haben. Sam hatte mich doch gebeten, die Auswertung mit den Archäologen dort zu halten, da ja Dr. Rossi mit der Argo verschollen ist. Ich les mich nur ein bisschen ein. Ist zwar nicht ideal, ich hatte schließlich in der Planung nur eine beratende Rolle, aber was solls. Aber Arthur ist nun mal noch weniger eingearbeitet und Sam braucht ihn ja hier.“
„Arthur?“, fragte Cam, „Sams Archäologe?“
„Ja. Dr. Arthur Jordan“, bestätigte Daniel nickend, „Ein Freund von Sarah, den sie damals empfohlen hatte. Er hat einige Zeit im SGC mitgearbeitet.“
„Blondes Haar? Recht groß?“
„Genau“, bestätigte Daniel, „Trägt eine Brille.“
„Dann weiß ich, wen du meinst“, erwiderte Cameron, „Ich dachte Sam hat zwei Archäologen unter ihrem Kommando?“
„Hat sie eigentlich auch. Aber Fiona – Fiona Saunders ist in Mutterschutz gegangen und Sam hat noch niemanden gefunden, der ihren Posten übernimmt.“
„Wenn's weiter nichts ist...“
Sie hatten den Fahrstuhl zwischen den Ebenen erreicht und traten zu zwei Technikern, die schon darin warteten hinzu.
„Worum geht’s eigentlich bei der Ausgrabung?“, fragte Mitchell dann.
Daniel hob eine Augenbraue. „Ursprung der Ori und Antiker. Evolutionär gesehen ist es ein gewaltiger Zufall, dass sich die Menschen auf der Erde zu einem genauen Ebenbild der Antiker entwickelt haben, die aus einer ganz anderen Galaxie stammen. Ich meine die genetische Probe, die damals von Ayiana genommen wurde, ähnelt extrem der eines Menschen.“
„Meine Großmutter sagte immer, Zufall ist der einzige legitime Herrscher des Universums“, erwiderte Cam und zuckte mit den Schultern.
„Das ist von Napoleon“, sagte Daniel, „Bisher waren alle Wissenschaftler der Welt sich mehr oder weniger einig, dass außerirdisches Leben, auch wenn es auf einem Planeten entsteht, der der Erde sehr ähnlich ist, niemals so aussehen würde wie das auf der Erde. Ich meine, Evolution basiert auf zufälligen Mutationen und dann Auslese. Wir hätten uns beispielsweise niemals entwickelt, wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben wären.“
„Aber dennoch ist es geschehen“, meinte Cam.
„Ja“, bestätigte Daniel und grinste mit jenem Funkeln in den Augen, das davon kündigte, dass er sich irgendwo festgebissen hatte, „Ja, es ist geschehen.“

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__________O__________


Zehn Jahre lebten sie nun schon hier. Die meisten hatten sich damit abgefunden, diesen Planeten niemals wieder zu verlassen.
Rettung würde nicht kommen. Das war die bittere Wahrheit.
Und doch hatten sie es sich so gut hier eingerichtet, wie es nur ging. Sie hatten eine Schule aufgebaut, um so viel wie nur möglich von ihrem Wissen und ihrer Kultur für nachfolgende Generationen aufrecht zu erhalten. Es gab Mathematikunterricht, alle Sprachen, die in ihrem kleinen Dorf vertreten waren (Englisch, Französisch, Russisch, Deutsch und Tschechisch, Mandarin, Goa'uld und Latein und die Sprache der Antiker dank der Archäologen), es wurde Biologie unterrichtet und Physik, Musik.
Rosalind Gregor war stolz auf ihre Schule, auch wenn alles nur improvisiert war. Sie hatten nichts, um ihren Kindern Chemie wirklich zu zeigen, Chemikalien waren rar und zu kostbar, um sie in Kinderhand zu vergeuden; sie hatten keine der Modelle, um den Biounterricht anschaulich zu gestalten und er konzentrierte sich sowieso hauptsächlich auf die Flora und Fauna ihrer Zwangsheimat. Amissa, auf diesen Namen hatten die Archäologen irgendwann den Planeten getauft.
Noch nahmen die Kinder die Antworten einfach an, aber die ältesten sind gerade einmal neun Jahre alt. Irgendwann würden sie die komplizierteren Themen wie Evolution oder Atomphysik ansprechen müssen und dann? Es hieß oft, sehen heißt glauben, aber hier hatten die Kinder nur das Wissen der Erwachsenen, keine Fossilien oder Knochen an denen man Entwicklungen erklären konnte, keine Bilder oder Abbildungen, die Kinder verstehen würden, von jenen physikalischen Prozessen mit denen selbst Studenten kämpften.
Aber noch hatten sie Zeit, tröstete sich Rose. Noch hatten sie Zeit.
Um knapp 150 Kinder ist ihre Gemeinschaft inzwischen gewachsen. Die ersten Kinder, die Amissa ihre Heimat nennen würden. Drei davon waren Rosalinds, eine weitere Tochter starb vor zwei Jahren als eine Krankheit durch ihre Siedlung fegte.
Sie war umgezogen in ein anderes Blockhaus, dass sie sich mit Grace Lefevre und ihrer Familie sowie Robert McAran, dem Biologen und Vater von ihren Kindern teilte. Er war nicht der biologische Vater von allen ihrer Vier, nur der von Camille, aber er verhielt sich den anderen beiden gegenüber genauso wie ein Vater und das war es, was für sie zählte.
Sie liebte ihn nicht, glaubte sie, zumindest nicht in der feurigen, passionierten Art, wie sie den Mann damals geliebt hatte, mit dem sie sich vor diesen elenden 15 Jahren beinahe verlobt hatte, aber sie schätzte Robert sehr als Freund und Vertrauten.
„Mater*!“, rief ihr Sohn Leonard, der älteste ihrer drei noch lebenden Kinder, als er ins Haus stürmte und lachend vor ihr stehen blieb. Viele der Kinder hier sprachen einen Mischmasch der verschiedensten Sprachen. Bei ihren eigenen war es hauptsächlich Englisch, aber Leonard war häufig bei den Archäologen und mischte so gern Latein mit ein.
„Ich habe eines der Giraffenpferde geritten! Pater* hat mich raufgesetzt!“, berichtete er strahlend. Die Giraffenpferde waren eine Tierart, die sie hier in den Wäldern gefunden hatten. Sie hatten ebenso wie Giraffen längere Vorderbeine als Hinterbeine, aber einen Kopf, der mehr Pferden ähnelte. Die Biologen hatten das Tier so getauft und einige zähmen können, so dass sie ihnen bei der Arbeit halfen.
Rosalind lächelte. Ihr Leben mochte vielleicht nicht so verlaufen sein, wie es erwartet hatte, aber sie war zufrieden. Sie hatte drei wunderbare Kinder Leonard, Camille und Ruby, einen Partner, den sie mochte und der sie schätzte und auch wenn sie ihre kleine Audrey vor zwei Jahren hatten zu Grabe tragen müssen, konnte sie sich glücklich schätzen. Andere Frauen hatten in diesem Jahr alle ihre Kinder verloren. Sie wusste, dass Ruby sehr wahrscheinlich ihr letztes Kind sein würde, schließlich war sie inzwischen sechsundvierzig, aber so sollte es sein.
Mal sehen, was die Zukunft bringen würde, für ihre kleine Siedlung auf Amissa.


*Mater und Pater bedeuten Mutter und Vater im lateinischen
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