Per Anhalter nach Alderan

GeschichteAllgemein / P12
Chewbacca Han Solo Luke Skywalker
02.09.2018
02.09.2018
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A long time ago in a galaxy far far away...

...war da mal ein Star-Wars-Tag, den ich mit einer FF würdigen wollte. Das hat leider nicht ganz geklappt, aber es war ja nur eine kleine *hüst* fast vier Monate Verspätung.

Vorab kurz was zum Setting:
Wir befinden uns nicht in einer weit entfernten Galaxis, sondern in einem Land, das vom Prinzip her so ein bisschen wie die USA ist, wo Planeten den Staaten entsprechen und das auch groß genug ist, um jeweils passendes Klima zu bieten.
(Alderan heißt der Planet/Staat und Aldera die Hauptstadt, Figda-Bonbons sind SW-Süßigkeiten, sagt das Wikia, und neben Han, Chewie und Luke werden noch ein paar andere Charaktere zumindest erwähnt)

Damit dann viel Spaß beim Lesen!







Irgendwo im Nirgendwo zwischen Tatooine und Alderan

„Warst du schon mal in Naboo?“, fragte Luke als sie eine Straße passierten, die dem Schild nach dorthin führte.
„Hmm.“
Er ließ sich von Han's einsilbiger Antwort nicht irritieren.
„Es soll wunderschön dort sein – der Palast in Theed, die Heiligen Stätten der Gungans und überall riesige Wälder und Seen! Ist irgendwie schwer vorstellbar, wenn man sein ganzes Leben in einer Gegend wie Tatooine verbracht hat, aber meine Schwester hat mir Bilder geschickt, also muss es wohl wirklich so sein.
Sie war mit ihren Adoptiveltern schon mehrfach da – überhaupt reist sie viel durchs Land mit ihnen – und unsere Mutter kam aus Naboo, deswegen meinte sie, dass ich das wenigstens auf Fotos schon mal gesehen haben sollte.“

„Hmm.“
Moment – Mutter aus Naboo, Adoptiveltern, die anscheinend sehr viel unterwegs waren mit ihr und dann noch alles andere, was Luke ihm von seiner Schwester erzählt hatte…
Nein, das musste ein Zufall sein, richtig?
„Sag mal – also nicht, dass ich dich dazu ermuntern will, mir noch mehr ellenlange Geschichten zu erzählen – aber wie heißt deine Schwester eigentlich?“
Nur um sicherzugehen, dass er sich irrte.

„Leia“, antwortete Luke, aber nein, das musste ein Zufall sein, eine unglückliche Übereinstimmung von Details der Leben zweier verschiedener junger Frauen.
„Organa?“, hakte Han nach – nur um sich Gewissheit zu verschaffen, auch wenn er sich einfach irren musste, Luke konnte nicht die selbe Leia meinen.
Der sah ihn aber leider überrascht an – positiv überrascht.
„Ja“, sagte er, wurde in seiner weiteren Antwort von einer Vollbremsung unterbrochen.

„Fuck!“, fluchte Han und schlag auf das Lenkrad.
„Sorry, Jungchen, aber du musst aussteigen“, sagte er nach ein paar tiefen Atemzügen.
Luke sah ihn verständnislos an. „Was denn, kennst du sie etwa?“
„Aussteigen!“, wiederholte Han, doch sein Mitfahrer machte trotzdem keine Anstalten, der Auffordung Folge zu leisten.
„Ich verstehe nicht – hat Leia dir etwas getan?“, fragte er stattdessen.

„Jetzt hör mal zu“ – und das sollte der Bursche wirklich und dann tun, was Han ihm sagte, bevor er seine Geduld verlor – „Es war von Anfang keine gute Idee, dich mitzunehmen, aber aus einem mir immer noch schleierhaften Grund habe ich es trotzdem gemacht. Aber jetzt wäre es eine mehr als nur schlechte Idee, dich weiter in meinem Auto zu behalten, und nichts auf der Welt wird mich vom Gegenteil überzeugen.“
„Aber – aber wir sind hier meilenweit weg vom nächsten Ort, von der nächsten Tankstelle!“, rief Luke entsetzt.
„Mir doch egal!“, fuhr Han ihn an. „Jetzt steig endlich aus!“


Einige Tage zuvor in Tatooine

„Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, Chewie, aber das hätte wirklich besser laufen können.“
Chewbacca sah ihn fragend an.
„Ja, ich habe Jabba gesagt, dass es eine Freude gewesen sei, mit ihm zu reden, aber das nennt sich Sarkasmus, mein Freund, Sarkasmus!“, meinte Han und verdrehte seine Augen.
„Wuff!“
„Hey!“, rief er. „Du brauchst gar nicht erst versuchen, mir die Schuld zu geben, dass unser letzter Job so schief gegangen ist – du warst es doch, der sein Maul nicht halten konnte.“
Ein Winseln.
„Nein, es lag natürlich nicht nur an dir, es waren einfach unglückliche Umstände.“ Verdammt, aber er hatte Chewies traurigem Blick noch nie lange widerstehen können. „Ändert aber nichts daran, dass wir jetzt bis nach Aldera fahren dürfen, um Jabba wieder gnädig zu stimmen.“
„Wuff! Wuff wuff wuff! Wuff! Wuff!“
„Was sagst du da, Chewie?“ Er wirkte auf einmal so aufgeregt.
„Wuff!“
„Was? Oh nein, ich nehm doch keinen Anhalter mit!“, empörte Han sich, doch Chewie ließ nicht locker: „Wuff wuff! Wuff! Wuff!“
„Nein, ich werde meine Meinung nicht ändern, nur weil er auch nach Aldera will – das ist sogar ein weiterer Grund dagegen, hast du eine Ahnung, wie sehr sich eine ohnehin schon lange Fahrt ziehen kann, wenn man sie in schlechter Gesellschaft verbringt?“
„Wauuuuu.“

**********

„Wow, danke, dass du mich mitnimmst – du glaubst gar nicht, wie viele Autos schon an mir vorbeigefahren sind, ohne überhaupt langsamer zu werden, und dann willst du auch gleich noch in die selbe Stadt wie ich! Ach, ich bin übrigens Luke, Luke Skywalker, und sag – ich will mich nicht irgendwie beschweren oder so, aber warum sollte ich meine Sachen eigentlich auf die Rückbank statt in den Kofferraum tun?“
„Der ist voll“, brachte Han schroff heraus.
„Aber -“ Wollte der Junge ihn tatsächlich in Frage stellen?!
„Voll!“, wiederholte er barsch.

Er hätte nicht anhalten sollen.
Er hätte einfach weiterfahren sollen, Chewbacca hätte sich schon irgendwann wieder beruhigt.
Der Junge war einfach zu viel für Han's nach dem Treffen mit Jabba ohnehin schon gereizten Nerven – ständig war er am Plappern, stellte unangebrachte Fragen und am schlimmsten:
„Finger weg von meinem Falken!“

Aus dem Augenwinkel sah Han, wie sich der Junge mit einem erschrockenen Blick zu ihm drehte. Dann schnaubte er abfällig.
„Ein Falke? Für mich sieht das eher nach einem Schrottvogel aus!“

Da konnte Han nicht anders, als seine Augen kurz von der Straße abzuwenden, um seinen Mitfahrer empört anzugucken.
„Red nicht so über mein Baby! Das ist ein '69er Ford Falcon, du Banause!“
„Woher sollte ich das denn wissen?“, meinte der Junge eingeschnappt. „Hier in Tatooine haben wir eher nützliche Fahrzeuge – Traktoren, Trucks, vielleicht ein paar Mopeds.“
„Hast du nicht die ganzen Planwagen vergessen?“, fragte Han spöttisch.
Der Junge schien nicht begeistert von dieser Bemerkung. Er verschränkte seine Arme und erwiderte in  einem trockenen Ton, den Han ihm nicht zugetraut hätte: „Oh haha. Wie witzig.“
„Außerdem ist mein Falke ein nützliches Fahrzeug“, ergänzte er ein paar Momente später. „Zumindest seitdem ich ihm Flügel und Krallen verpasst habe.“

„Echt, du hast an ihm herumgeschraubt?! Was hast du alles gemacht?“, fragte der Junge, plötzlich ganz aufgeregt, und sah aus, als ob er seinen Falken jetzt erst recht bis ins kleinste Detail untersuchen wollte.
Na toll.
Da hatte Han ja mal wieder genau das Richtige gesagt.
„Ich hab zu Hause auch immer an allem gebastelt – muss ich von meinem Vater haben, sagt Onkel Owen (sie waren übrigens nur Halbbrüder, weißt du?), aber so gut wie er bin ich lange nicht – Dad soll mal ein Motorrad gebaut haben, nach eigenem Bauplan, mit eigenen Teilen und so, und auf unserer Farm stehen einige von ihm gebaute Maschinen und Roboter. Ein paar davon hat er leider nie vollenden können – als er nach seinem Abschluss durchs Land gereist ist, hat er nämlich Mum kennen gelernt und ist nur noch zwei Mal zurück nach Tatooine gekommen und -“

Han drehte das Radio lauter in der Hoffnung, der Junge würde den Hinweis verstehen, aber…

„Oh, sind das die Ewoks?! Meine Tante liebt diese Band!“, erklärte er begeistert und fing an, im Takt auf dem Armaturenbrett zu trommeln.
„Finger weg von meinem Falken!“, rief Han erneut und wechselte, um seine Warnung zu unterstützen, den Sender.

„Hey!“, beschwerte der Junge sich. „Ich hör ja schon auf – kein Grund, das Lied nicht zu Ende spielen zu lassen.“
Und schon machte er wieder Anstalten, an den Knöpfen seines Autos zu drehen – um zurück zu dem anderen Sender zu schalten vermutlich.
Han schlug seine Hand weg, bevor es dazu kommen konnte, und beschloss, dass sein Mitfahrer ihm einfach keine Wahl mehr ließ.
Er hielt an, direkt dort am Straßenrand.

„Was ist los?“, fragte der Junge mit gerunzelter Stirn. „Braucht Chewbacca wieder eine Pause?“
„Nein“, antwortete Han und stieg aus, um ihm die Beifahrertür zu öffnen.
„Aber ich brauche eine Pause von dir. Steig aus.“

„Waas? Du kannst mich doch nicht einfach hier rauswerfen!“, empörte Luke sich.
Han verdrehte seine Augen.
„Natürlich nicht. Aber ich kann dich auf die Rückbank zu deinen Sachen schicken – Chewie ist ein besserer Beifahrer als du.“

**********

„Du hast mir immer noch nicht erzählt, warum du nach Aldera fährst“, stellte der Junge plötzlich fest.
„Arbeit“, war Han's knappe Antwort. „Das hatte ich schon gesagt.“
„Jahaa, aber warum genau?“, hakte er nach.

(Meine Güte, war er inzwischen nicht zu alt für diesen quengeligen Ton?)

„Ich meine – als was arbeitest du denn, warum gibst du mir keine Details? Ich hab dir doch auch erzählt, warum ich so eine lange Reise auf mich genommen habe.“

(Ja, leider, und zwar lang und breit und ausführlich genug, um ein ganzes Buch zu füllen. Oder zumindest eine Zeitung. Aber wenn Han jetzt nicht irgendetwas sagte, würde der Junge ihn vermutlich die ganze Fahrt damit nerven.)

„Mein… Auftraggeber hat Unter... Angestellte im ganzen Land verteilt. Ich fahr Sachen zwischen ihnen hin und her, wenn's mal schnell gehen muss, kümmer mich drum, wenn mal nicht alles glatt läuft, was der Boss sonst so sagt.“

(Das sollte passen. Nah genug an der Wahrheit, dass er nicht Gefahr lief, sich später in Widersprüche zu verstricken, aber vage genug, um ihn nicht gleich in Schwierigkeiten zu bringen.)

„Wow, das muss ja ein riesiges Unternehmen sein! Da verdienst du bestimmt gut als… Mischung aus Kurierfahrer und Problemlöser?“

„Hmmm.“
(Für die Risiken, die er einging, wurde er seiner Meinung nach oft eher zu wenig bezahlt. Gerade für seinen aktuellen Job.)

„Und du kommst bestimmt auch überall rum – hast du schon mal die Sümpfe von Dagoba gesehen? Oh, oder die Eiswüsten in Hoth, oder, ohohoh!, was ist mit Coruscant? Mann, du musst so tolle Geschichten zu erzählen haben!“

„Hmmm.“
(Ja, und keine davon war geeignet für junge, unschuldige Ohren.)

„Kannst du nicht eine davon erzählen? Nur eine einzige? Dann bin ich auch ruhig, versprochen!“

(Da würde er nicht drauf setzen, mehr als ein paar Minuten würde das doch sowieso nicht halten.)

„Vielleicht wenigstens über Chewbacca? Er sieht aus, als wäre er schon eine Weile dein Begleiter.“

(Gab der Junge denn nie auf?)

„Wuff!“

**********

Der Junge war auf der Rückbank eingeschlafen.
Bei der letzten Pause hatte er die ganze Zeit mit Chewie getobt (als wäre der Hund nicht sowieso schon viel zu vernarrt in ihn) und war dadurch (vermutlich zusammen mit seinen Geplapper und dem lautstarken Mitsingen – aber immerhin bei Liedern, die von gutem Musikgeschmack zeugten) so ausgepowert, dass ihn nicht einmal das Versprechen von mehr Figda-Bonbons wach gehalten hatte – dabei war er doch so begeistert von ihnen gewesen, als Han sie das erste Mal an einer Tankstelle gekauft hatte.
In Tatooine gab es sie anscheinend nicht, aber seine Schwester hatte ihm wohl immer wieder davon vorgeschwärmt – woher sollte er auch sonst davon gehört haben, es ging doch fast immer irgendwie um seine Schwester.

Han konnte den ausdauernden Enthusiasmus, mit dem Luke von ihr erzählte, nicht ganz nachvollziehen, aber er war ja auch noch nie auf dem Weg zum ersten Treffen mit einer Zwillingsschwester gewesen, die er bisher nur aus Briefen kannte – seine tragische Vorgeschichte sah da ein wenig anders aus, aber die verdrängte er sowieso lieber.

Aber genug von ihm, zurück zu seinem Mitfahrer.
Jetzt, wo er schlief, war es irgendwie merkwürdig still im Auto.
Und Luke sah auch so anders aus, aber vielleicht konnte Han ihn jetzt einfach besser angucken, wo er nicht von Lukes Unfähigkeit, still und stumm zu bleiben, abgelenkt wurde.
Wenn er es sich genauer überlegte, sah Luke fast – nein, es gab unzählige Menschen, die sich rein zufällig sehr ähnlich sahen, er fing besser gar nicht damit an, Vergleiche anzustellen.

Er sollte sich einfach nur auf Luke – Moment, das klang falsch.
Er sollte sich einfach nur auf die Straße konzentrieren, das meinte er eigentlich.
Genau, er war schließlich Han Solo, er würde sich nicht weiter von seinem Jungchen ablenken lassen, egal wie niedlich der schlafend aussah!
Er würde sich ausschließlich aufs Fahren konzentrieren und dadurch vermutlich auch schneller in Aldera sein und je eher er dort war, desto eher konnte er den Jungen loswerden und seinen Job machen und das war gerade wichtiger als dieser Gedanken, die Han beim Blick nach hinten in den Kopf kamen.
Wie Luke zum Beispiel schlafen würde, wenn er nicht von Chewie, sondern von Han persönlich zur Erschöpfung gebracht wurde. Ob er sich an kuscheln oder eher den ganzen Platz für sich beanspruchen würde, wenn sie sich ein Bett teilten.

Aber solche Gedanken würde Han ab jetzt gar nicht mehr aufkommen lassen.
Oder sie zumindest ignorieren.
Garantiert, da brauchte Chewie ihn gar nicht so auslachen!

**********

„Fuck!“, fluchte Han und schlag auf das Lenkrad.
„Sorry, Jungchen, aber du musst aussteigen“, sagte er nach ein paar tiefen Atemzügen.
Luke sah ihn verständnislos an. „Was denn, kennst du sie etwa?“
„Aussteigen!“, wiederholte Han, doch sein Mitfahrer machte trotzdem keine Anstalten, der Auffordung Folge zu leisten.
„Ich verstehe nicht – hat Leia dir etwas getan?“, fragte er stattdessen.

„Jetzt hör mal zu“ – und das sollte der Bursche wirklich und dann tun, was Han ihm sagte, bevor er seine Geduld verlor – „Es war von Anfang keine gute Idee, dich mitzunehmen, aber aus einem mir immer noch schleierhaften Grund habe ich es trotzdem gemacht. Aber jetzt wäre es eine mehr als nur schlechte Idee, dich weiter in meinem Auto zu behalten, und nichts auf der Welt wird mich vom Gegenteil überzeugen.“
„Aber – aber wir sind hier meilenweit weg vom nächsten Ort, von der nächsten Tankstelle!“, rief Luke entsetzt.
„Mir doch egal!“, fuhr Han ihn an. „Jetzt steig endlich aus!“

„Hat...“, begann Luke zögerlich. „Hat es etwas mit dem zu tun, was in deinem Kofferraum liegt?“
Das konnte doch alles nicht wahr sein!
„Raus!“, brüllte Han fast schon und endlich kam Bewegung in den jungen Mann und er konnte weiterfahren. Wegen Luke hatte er schon wirklich genug unnötige Pausen gemacht

„Nein, Chewie, du brauchst gar nicht so zu gucken – es war richtig Lu- den Jungen rauszuwerfen!“, erklärte er seinem viel zu vertrauensseligen Begleiter.
„Wauu?“
„Jetzt fang nicht damit an!“, rief er  entnervt. „Natürlich hätten wir über ihn schneller an seine Schwester kommen können, aber hast du mal für einen Moment sein hübsches Gesicht ignoriert und über die Risiken dieses Plans nachgedacht? Sie wären den Gewinn echt nicht wert!“

„Wuff wuff!“
Er beantwortete Chewies vorwurfsvollen Blick mit einem seiner eigenen. „Was willst du mir hier unterstellen, huh? Gerade du, Chewie! Für wen bin ich denn so langsam gefahren, dass er den Jungen noch extra lange sehen konnte, huh? Doch bestimmt nicht für mich selber – ich weiß es schließlich besser und lass mir nicht von so einem dahergelaufenen Jüngling den Kopf verdrehen, wenn ich einen Job erledigen muss.“

Diese Argumentation schien Chewie nicht wirklich zu überzeugen.
„Wauuu.“
„Chewie, nein!“
„Waauuuuu!“
„Chewie, du kannst doch nicht -“
„Wauu?“
„Ach fein, überredet“, gab Han schließlich nach. „Aber du bist schuld, wenn etwas schief geht, hörst du?“

**********

Für ein paar schreckliche Minuten hatte Luke wirklich gedacht, er wäre an diesem abgelegenen Ort gestrandet – Tankstellen gab es in dieser Gegend wirklich nicht viele und andere Autos waren ihnen in letzter Zeit auch nur vereinzelt begegnet – aber dann war zum Glück ein gewisser silberner Falke wieder am Horizont aufgetaucht und nach einer extravaganten Wendung neben ihm stehen geblieben.

Han hatte sich zum Glück dafür entschieden, ihn doch weiter mitzunehmen – und nicht nur das: er hatte sein Angebot sogar erweitert und ihn bis zu Lukes Treffpunkt mit seiner Schwester gebracht!
Leia hatte etwas misstrauisch gefragt, wer ihn denn da gefahren hatte, aber er war leider nicht dazu gekommen, ihr Han vorzustellen – als Luke zu ihr gelaufen war für die freudige Begrüßung, hatte der andere Mann seinen Abstand gehalten und war bei seinem Auto stehen geblieben, und als Luke sich ein paar Momente später dorthin umdrehte, war von beiden keine Spur mehr zu sehen.

Stirnrunzelnd hatte er auf den leeren Platz geschaut (war Han nicht inzwischen darüber hinweg, ihn so auf Abstand zu halten und alles? Sich nicht einmal verabschieden, also wirklich!), aber dann hatte Leia ihn schnell wieder auf andere Gedanken gebracht.
Sie hatte viel vor mit ihm – Stadterkundungen, Tagesausflüge quer durch Alderan, Abende mit ihren Freunden – Lukes Zeit mit seiner Schwester war fast vollständig verplant und sie wollte sein OK für alles.

An einigen Tagen verfluchte er Leia für ihr Vorhaben, ihm so viel in so kurzer Zeit zeigen zu wollen – die Flut an neuen Eindrücken war teilweise schlicht zu viel – aber es war dennoch sehr schön, Alderan hatte einfach atemberaubende Landschaften, eine faszinierende Hauptstadt und nicht zu vergessen – seine Schwester.

Luke war wirklich überrascht, wie gut sie sich verstanden, wie gut sie intuitiv sagen konnten, wie es dem anderen ging, auch wenn derjenige schwieg – und das obwohl sie so unterschiedlich aufgewachsen waren und sich zuvor nur über die Briefe gekannt haben.
Er hatte eine wunderbare Zeit mit ihr und es fiel ihnen beiden schwer, diese zu beenden, aber konnte sich nicht ewig frei nehmen und auch Luke musste zurück zur Farm seinen Onkels.

**********

Leia wollte ihm zuerst ein Ticket kaufen für einen Flug oder zumindest den Zug für den Rückweg nach Tatooine, aber Luke hatte sie davon abbringen können – sie hatte schon bei ihren ganzen Ausflügen so viel für ihn bezahlt, er wollte ihr nicht noch mehr zur Last fallen. Außerdem hatte es auf der Hinfahrt doch auch sehr gut mit dem Trampen geklappt, da wollte er es für den Rückweg wieder damit versuchen.

Sie konnte ihn noch dazu überreden, sich wenigstens bis zur Raststätte außerhalb von Aldera fahren zu lassen, um hoffentlich besser eine erste Mitfahrgelegenheit zu finden, aber dort hieß es dann Abschied nehmen.
Sie umarmten sich, versprachen sich, fleißig weiter Briefe zu schreiben – mit Fotos! – und sich bald wiederzusehen – dann vielleicht in Tatooine auf der Farm, damit Luke ihr seine Heimat zeigen konnte – und redeten noch eine gute Viertelstunde weiter, bis eine SMS von den Organas dieser Verzögerungstaktik leider ein Ende machte und sie sich wirklich verabschieden mussten.

Schweren Herzens winkte Luke seiner Schwester hinterher, versuchte, sich alle Momente mit ihr noch einmal genau ins Gedächtnis zu rufen und überlegte schon, wann sie sich das nächste Mal treffen könnten (Saat- und Erntezeit würden schwierig werden, solange seine Tante und Onkel niemanden hatten, der seine Arbeiten übernehmen könnte), als ein immer lauter werdendes Bellen ihn aus seinen Gedanken holte.
Er dreht sich um und konnte gerade noch seinen Stand festigen, bevor er von… Chewbacca?! angesprungen und abgeschleckt wurde.

Lachend begrüßte Luke den Hund und streichelte ihm ausführlich den wuscheligen Kopf, als die vertraut charmante Stimme seines Herrchens erklang: „ich hab gehört, hier braucht jemand 'ne Mitfahrgelegenheit nach Tatooine?“

„Han!“, rief Luke und warf sich ihm strahlend in die Arme. Dann wurde er plötzlich ganz ernst.
„Aber was machst du hier? Du willst mich doch nicht wirklich nach Hause fahren, oder? Wo doch Jabba seinen Hauptsitz in Tatooine hat...“
„Ach, mach dir um mich mal keine Sorgen“, winkte Han unbekümmert ab. „Ich hab da was geregelt – so schnell kann Jabba mir nichts mehr tun. Außerdem müsste er mich dazu erst einmal erwischen – und den Falken kriegt man nicht so leicht eingefangen, vor allem wenn ich ihn fahre“, prahlte er.
Es sah allerdings nicht so aus, als würde das Luke beruhigen, also versuchte Han es weiter: „Nein wirklich, Kleiner, mir wird nichts passieren – ich hab in den letzten Wochen ein paar Leute kennen gelernt, die mir helfen werden, und wer weiß, vielleicht gehe ich ja sogar auf ihr Angebot ein, die Branche zu wechseln...“

Luke schaute ihn forschend an.
Nach einer Weile seufzte er und meinte kopfschüttelnd: „Schon wieder diese vagen Aussagen, diese ganze Geheimnistuerei! Aber wenn du sagst, dass du sicher bist...“
„Jap, und jetzt genug von diesem deprimierendem Geschwätz!“, rief Han und lenkte Luke mit einem Arm um seine Schultern zum Falken. „Je eher wir losfahren, desto eher kommen wir an und desto eher kannst du deinen Tante und deinen Onkel wiedersehen, ganz zu schweigen von euren Haustieren. Wer weiß, ob dein Kater nicht inzwischen seiner Natur nachgegeben und eurem Papagei den Garaus gemacht hat.“
Luke sah ihn empört an.
„Das würde Artoo nie machen!“
Eine paar Momente später gab er grinsend zu: „Eher waren das Tante Beru und Onkel Owen, weil Threepio sie mit seinem Geplapper in den Wahnsinn getrieben hat.
Hab ich dir schon erzählt, dass er irgendwie gelernt hat, das Telefon abzunehmen? Mann, hat das am Anfang für Verwirrung gesorgt! Er sagt dann nämlich auch richtig Hallo und alles und…“
Es würde eine lange Fahrt werden.

Han freute sich schon darauf.





Ein paar nachträgliche Gedanken/Erklärungen:
. Han wurde im Genitiv apostrophiert, weil "Hans" an der Stelle einfach komisch ausschaut
. ich hatte überlegt, Jedi und Sith irgendwie mit einzubringen, aber es passte nicht so wirklich
. kein Darth Vader also, keine dunkle Seite, auf die Anakin gewechselt ist
. Luke und Leia wurden trotzdem getrennt, weil zu der Zeit weder die Organas noch Beru und Owen die Möglichkeiten hatten, beide zu übernehmen
. Jabba hat auch hier seine Finger in allerlei illegalen Sachen
. Han hat seinen letzten Auftrag versaut und soll sich nun darum kümmern, dass die Organas - einflussreiche Politiker in Aldera - ihm nicht mehr so viel Probleme machen
. indem er Leia entführt und Jabba zur Erpressung überlässt
. der Kofferraum ist nicht voll, da sind nur verräterische Sachen drin, die Luke nicht sehen darf
. Han hatte sie nicht versteckt, weil ja eigentlich niemand außer ihm Grund hat, in den Kofferraum zu schauen
. Luke ist aber zu neugierig und hat es doch getan, während Han an der Tankstelle Figda-Bonbons (und andere Sachen) kauft
. während Luke die Zeit mit Leia verbringt, wendet sich Han an ein paar wichtige Personen, um das zu regeln, dass er keinen Schaden nimmt, weil er Leia nicht mehr entführen will
. ihre Eltern vermutlich, aber vielleicht hat auch Lando seine Finger im Spiel, der es ja auch geschafft hat auf "die gute Seite" zu wechseln
. ob es zu einem Han/Luke kommt ist sehr offen - ich sehe Han hier als jemanden, der einfach Spaß daran hat, auf beiden Seiten des Flusses zu fischen, während Luke noch ziemlich naiv und unschuldig ist
. ganz zu schweigen davon, dass Han das Herumreisen nicht lassen wird

. C3PO musste einfach ein Papagei sein :D
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