Sag mir, dass es für immer ist

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
02.09.2018
12.01.2019
8
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Kapitel 8

Eine komplette Woche war vergangen, in der Jacoby und ich schon eine Beziehung führten und bis jetzt konnte ich mich nicht beschweren. Im Gegenteil sogar, ich war schon lange nicht mehr so glücklich gewesen. Es war wie, als hätte ich endlich gefunden, was ich Jahrelang gesucht hatte. Ein Teil von mir der verloren gegen war.
Und im Moment, klebte dieser Teil wortwörtlich an mir.
„Bitte Levi, ich möchte nicht Gehen“, während ich schon dabei war, mich für den heutigen Schulausflug fertig zu machen, den wir schon seit letzter Woche mit der Schule geplant hatten, klammerte sich Jacoby wie ein Kleinkind an meinem Bein fest und flehte mich an, hier zu bleiben.
„Doch wir gehen. Der Freitag ist schon seit letzter Woche geplant“, ich versuchte mein Bein aus seinem Griff zu winden, doch so langsam fühlte es sich so an, als würde ich es mir eher aus dem Becken ziehen. Zum Glück sind wir heute Morgen relativ früh aufgestanden, wodurch diese Aktion uns keine Zeit kostete.
„Also lass mich jetzt bitte los und zieh dir was Klettertaugliches an“, ich hätte nie gedacht, dass Coby, der ja eigentlich so sportlich war, sich jemals gegen einen Kletterausflug wehren würde. Zum Glück ließ er mich irgendwann endlich wieder los, doch anstatt Aufzustehen und sich fertig zu machen, so wie ich ihn darum gebeten hatte, blieb er lieber auf dem Boden liegen und schmollte herum: „Levilein, warum tust du mir so etwas an?“
Mit etwas Schwung rollte er sich auf den Rücken und lächelte mich an: „Können wir nicht zu Hause bleiben und den ganzen Tag kuscheln?“
„Nein, von mir aus kannst du gerne alleine zu Hause bleiben, ich geh Klettern“, ich stierte ihm dabei ernst entgegen, während ich versuchte Sportkleidung aus meinem Rucksack zu fischen. Wir hatten die Nacht wieder bei ihm verbracht, da seine Eltern morgens so gut wie nie zu Hause waren und wir somit theoretisch unsere Ruhe hatten.
„Das wäre aber wiederum langweilig. Warum möchtest du überhaupt so dringend Klettern gehen?“, er setzte sich langsam in den Schneidersitz und sah mir dabei fragend hinterher. Ich streifte mir das geliehene Fußballtrikot von Coby ab und zog mir meine Schlafhose aus: „Weil ich mich schon die ganze Woche darauf freue, mal etwas Anderes als nur Schulkram mit Beni und Annika zu machen und außerdem... Hallo Coby hörst du mir eigentlich zu?“ Sprachlos und ziemlich abgelenkt, starrte der Schwarzhaarige auf meinen nackten Oberkörper und nickte vor sich her.
„Sag mal, dich macht aber auch alles geil oder?“, kopfschüttelnd stellte ich mich vor den Spiegel und versuchte mich umzuziehen, als er jedoch grinsend hinter mir stand und mir einen leichten Klaps auf den Po gab: „Nein nur du.“
Er drückte sich gegen meinen Rücken, schlang seine Arme um mich und legte sein Kinn auf meiner Schulter ab. Mir fiel erst jetzt auf wie klein ich eigentlich im Gegensatz zu ihm war.
„Wieso möchtest du eigentlich nicht Klettern gehen?“, ich streichelte seine Arme entlang und lehnte meinen Kopf gegen seinen, während wir uns durch den Spiegel beobachteten. Er küsste mich auf den Hinterkopf und drückte mich näher an ihn heran: „Das liegt wohl daran, dass ich Klassenausflüge noch nie leiden konnte. Ein Tag mit Leuten, die mir am Arsch vorbei gehen, könnte mir nichts besseres vorstellen.“
Entsetzt drehte ich mich nach ihm um: „Aber Benjamin, Annika und ich gehen dir doch nicht am Allerwertesten vorbei?“
Er verdrehte darauf nur seine Augen: „Klar, aber die Garantie, dass unsere bescheuerte Lehrerin uns nicht in völlig verschiedene Gruppen steckt, ist nicht da.“
Beruhigend legte ich meine Hand auf seine Wange und grinste ihm entgegen: „Und ich dachte immer ich wäre schüchtern, aber du bist echt eine Nummer für sich.“ Ich streichelte über sein Gesicht: „Und was wäre wenn ich dir garantieren würde, dass es ein lustiger Tag wird?“ Er nahm darauf meine Hand, küsste sie und drückte sie wieder an seine Wangen: „Na gut..., aber nur dir zu Liebe.“
„Glaub mir es wird toll und bist am Ende froh, dass du dabei warst“, freudestrahlend wandte ich mich wieder dem Spiegel zu und zog mir endlich wieder etwas an.

Nachdem wir dann endlich fertig waren, machten wir uns auf den Weg zur Schule, der ausgemachte Treffpunkt, bevor wir zusammen mit unserer Klasse zur Kletterhalle laufen würden. Natürlich waren Annika und Benjamin schon früher da und hatten auch schon auf uns gewartet.
Jacoby versuchte alles, auf dem Weg zur Halle, so gut es ginge zu verdrängen und abzuschalten. Er hatte die ganze Zeit seine Kopfhörer in den Ohren und lief stumm neben uns her. Das einzige Lebenszeichen von ihm war nur seine angenehme Gesangsstimme zwischendurch, die ich heute das erste Mal zu hören bekam. Er sang dabei aber so leise, dass selbst ich es kaum mitbekommen hatte, obwohl ich direkt neben ihm lief. Dazu kam noch, dass Annika mit ihrer lauten Stimme alles übertönte. Ich fragte mich ob er überhaupt wusste, dass er Singen konnte? Ich zumindest hatte es heute das erste Mal gehört und war davon ziemlich beeindruckt.
Doch im Endeffekt überraschte mich das Ganze nicht wirklich.
Die letzten Tage durfte ich ihn erst so richtig kennen lernen und in der Zeit, hatte er mich schon mit so einigem sprachlos gemacht. Es war schön zu wissen, dass er nicht nur nett anzuschauen war, sondern auch charakterlich sehr interessant und abwechslungsreich war. Bei ihm wurde mir nie langweilig.
Nach einem ganz schön langen Fußweg, kamen wir endlich an und die Hälfte meiner Klasse setzte sich vor Erschöpfung erst einmal hin, mich und Annika mit eingeschlossen.
Benjamin stellte sich nur mit verschränkten Armen vor uns und stupste Jacoby kurz an: „Sieh dir diese faulen Säcke an, wir sind noch nicht einmal weit gelaufen und ihr ruht euch schon aus?“ Lachend stimmte Jacoby ihm zu und nahm dabei seine Kopfhörer aus den Ohren. Schwer atmend beäugte Annika den Blonden und ich hätte schwören können, dabei ein Zähneknirschen gehört zu haben: „Hört ma', nich' jeder treibt so viel Sport wie ihr beide.“ Ich hätte ihr am liebsten Recht gegeben, doch ich für meinen Teil blieb lieber leise und hörte nur lächelnd zu.
Unsere Klasse bewegte sich dann so langsam Richtung Eingang, wo wir schon herzlichst von den Betreibern empfangen wurden. Die Kletterhalle war riesig und bot viel Platz zum auspowern. Die Wände waren voller verschiedenfarbiger Klettergriffe ausgestattet und zogen sich ziemlich weit in die Höhe.
Wir wurden darum gebeten uns in den Kabinen Umzuziehen und uns danach wieder in der großen Halle zu versammeln. Jacoby, Annika und ich konnten uns schon einmal umsehen, da wir unsere Sportkleider schon anhatten. Wir mussten nur unsere Jacken auszuziehen und waren schon kletterfertig.
Nachdem wir vier uns danach wieder zusammengefunden hatten, fiel Annika die riesigen Schrammen an Jacobys Unterarmen auf die er sich gestern zugezogen hatte: „Oh mein Gott, was hast'n dir denn bitte da angetan?“ Unbeeindruckt streichelte Jacoby über die Wunden und winkte ihr nur gelassen ab: „Das hat mit Gott nichts zu tun, ich hatte gestern einen kleinen Skateboard-Unfall. Konnte mich nicht mehr halten und bin auf die Fresse gefallen.“
Da ich mich noch sehr gut an den lustig mit ansehenden Sturz erinnerte, platzte ich plötzlich förmlich vor Lachen: „Ja, das sah verdammt lustig aus.“ Jacoby pikste mir darauf nur in die Seite und versuchte mir belustigt die Hand vor den Mund zu halten: „Halt die Klappe Fuchs.“
Wenn wir in der Öffentlichkeit waren, genoss ich diese Art von Berührungen und Aufmerksamkeit. Es war die einzige Art uns zu zeigen, dass zwischen uns alles gut war. Und trotzdem würde ich seine Küsse gerade definitiv bevorzugen, doch ich wusste auch, dass er dafür noch Zeit bräuchte. Im Gegensatz zu mir, ich war bereit der ganzen Welt mitzuteilen, wer ich wirklich war. Bereit dafür jedem zu zeigen, was wir füreinander empfanden und wie viel er mir bedeutete.
Verliebt sein war schon etwas Merkwürdiges.
Da Annika seine Verletzung, trotz mehrmaligen Versichern, dass alles in Ordnung sei, immer noch nicht lustig fand, stemmte sie beunruhigt ihre Fäuste in die Hüfte und sah ihn dabei nur mit hochgezogener Braue an.
„Glaub mir das war noch nichts“, Jacoby tätschelte ihr bescheiden den Kopf und hob ihr sein rechtes Handgelenk ans Ohr: „Hatte schon mehrere Knochenbrüche durch das Skateboardfahren.“ Er rotierte es danach ein paar mal hin und her und verursachte somit ein ekelhaftes Knacksen, das Annika mit einer angewiderten Geste abwertete. Ihr Blick erinnerte mich gerade an meinen gestern, als er mir die gleiche Vorführung geboten hatte und genau wie gestern, lachte ich mich deswegen gerade erneut schlapp.
Langsam aber sicher, hatte sich unsere gesamte Klasse wieder in der großen Halle zusammengefunden und hörte unserer Lehrerin zu, die uns nochmal ausdrücklich erklärte, dass wir uns benehmen sollten. Sie wünschte uns noch viel Spaß und überließ uns den fünf Betreuern, die heute extra für uns bereit standen.
Nachdem sie sich kurz nacheinander vorgestellt hatten, war das richtige Anziehen des Klettergurtes, das Erste, dass sie uns beigebracht hatten. Währenddessen wurde ich von Jacoby irritiert angestoßen, der genervt versuchte den Gurt im Schritt richtig zu platzieren: „Sitzt ja doch schön unangenehm an gewissen Stellen.“ Ich wusste, was er damit meinte, doch zum Antworten kam ich nicht mehr, da wir schon gleich von den Betreuen in Grüppchen aufgeteilt wurden.
Zwanzig Schüler auf fünf Kletterlehrer verteilt, waren vier Schüler in jeder Gruppe, klang perfekt. So konnten Benjamin, Annika, Jacoby und ich eine Klettergruppe bilden und den Tag miteinander verbringen.
Doch natürlich war das Glück mal wieder nicht auf unserer Seite und unsere Kletterpaten hatten sich schon etwas anderes überlegt. Da wir in unserer Klasse nur drei Mädchen hatten und die laut Betreuern das Gewicht, der Jungs nicht hätten halten können, wurde Jacoby durch unsere Mitschülerin Nicole eingetauscht, die angeblich besser mit Annika zusammenarbeiten konnte. Eigentlich hatten wir mit Nicole Glück im Unglück, da wir uns sehr gut mit ihr verstanden, doch Jacoby hingegen weniger, der wurde nämlich zu seinem und unserem Entsetzen, in die eigentliche dreier Gruppe von Jason gesteckt, der darüber anscheinend genauso genervt war wie Coby.
Der Streit zwischen den beiden wurde, seit dem Tag an dem Jacoby ihm seine Meinung gegeigt, hatte nur noch schlimmer. Im Unterricht äfften sie sich nur noch nach und nahmen sich nicht mehr ernst. Jasons Gruppe ging sogar soweit, dass sie die Menschen um Jacoby herum anfingen zu nerven, sprich Annika, Benjamin und mich. Ich verstand noch nie, wie man sich so vor anderen benehmen konnte, aber es verwirrte mich noch mehr, wenn sich jemand so in den Oberstufen verhalten musste.
Widerwillig wechselte Coby die Seiten und gab mir dabei einen ich-hab-es-dir-doch-gesagt-Blick. Verdammt ich war derjenige der ihm versichert hatte, dass genau so etwas nicht passieren würde. Ich fühlte mich plötzlich so schuldig deswegen, dass ich ihn nur unsicher angrinsen konnte.
Benjamin stellte sich mit Annika im Schlepptau neben mich und winkte Jacoby zu: „Viel Spaß.“
„Danke... werde ich sicherlich haben“, Jason schien die Ironie in Cobys Wörtern nicht überhört zu haben und gab gleich seinen Senf dazu: „Heul nicht herum, wir haben auch keinen Bock auf dich.“ Darauf zuckte Jacoby nur gleichgültig mit den Achseln und stellte sich einfach zu der Gruppe, die ihn mit verschränkten Armen empfang.

Der Morgen verging in der Kletterhalle wie im Flug und nachdem unsere Betreuer fertig waren mit ihren Sicherheitsvorschriften und dem langen Erklären, des Richtigen Kletterns, machte es erst so richtig Spaß. Wir durften uns nämlich selbst beschäftigen. Es war danach uns überlassen, ob wir mit unseren Kletterpartnern weiter Kletterten, oder uns anderweitig beschäftigten.
Unsere kleine Gruppe hatte ziemlichen Spaß daran gefunden, die Wände bis nach oben zu klettern und dann sanft von seinem Partner wieder auf den Boden abgeseilt zu werden. Leider hatte ich nur Jacoby bei alldem aus den Augen verloren. Ich fühlte mich deswegen zwar ziemlich schlecht, doch konnte ich auch nicht leugnen, dass ich einen Haufen Spaß mit Annika und Benjamin hatte.
Meine rechte Hand griff nach einem der Klettergriffe über mir und mein linker Fuß suchte einen unter mir. Benjamin sicherte mich von unten ab und sorgte dafür, dass ich furchtlos diese Wand erklimmen konnte. Doch plötzlich wurde ich ohne jegliche Vorwarnung an der rechte Schulter berührt. Nicole hatte mich zu meiner Überraschung eingeholt und lächelte mir nun selbstbewusst entgegen: „Ich bin nach dir gestartet und hab dich schon überholt, Schildkröte.“
Noch vollkommen unter Schock, presste ich mich gegen die Wand und klammerte mich ziemlich fest an die Klettergriffe: „Nicole, mach das nie wieder okay?“ Allmählich riss ich mich, von meinem beinahe Absturz, wieder zusammen und ließ meine verkrampften Hände wieder locker. Sie lachte nur und kletterte einfach immer weiter in die Höhe. Irgendwie konnte ich sie jetzt nicht zuerst da oben ankommen lassen, weswegen ich versuchte die nervige Blondine einzuholen, indem ich versuchte ziemlich Gas zu geben. Tatsächlich schaffte ich es noch Nicole in der letzten Sekunde einzuholen und war der erste an der Decke. Nicht nur sie war darüber ziemlich überrascht, ich selbst war gerade sehr stolz auf mich.
Nicole und ich gaben danach Annika und Benjamin Bescheid, die uns dann langsam wieder abseilen sollten. „Hätte nie gedacht, dass du mich noch einholen würdest“, sie zwinkerte mir zu, während wir langsam abgelassen wurden.
„Und ich dachte, dass du jetzt wieder irgendeinen dummen Spruch ablassen würdest, aber wie du siehst lagen wir beide falsch“, gluckste ich ihr amüsiert entgegen, worauf sie mich nur grinsend musterte.
„Hast du eigentlich eine Freundin?“, für einen Moment realisierte ich eigentlich gar nicht, was sie mich damit fragte, aber der Boden der Tatsachen traf mich mal wieder wie ein fester Schlag. Ich war so verwirrt gewesen, dass ich nicht mitbekommen hatte, dass wir schon unten angekommen waren und legte mich gleich flach auf den Fußboden.
„Levi, ist alles okay?“, besorgt stürmten Annika und Beni gleich auf mich zu und halfen mir wieder hoch. Etwas beschämt kratzte ich mir am Hinterkopf und gab Nicole gleich als Antwort ein kräftiges Kopfschütteln: „Nein ich hab keine Freundin..., ich hab einen Freund.“
Sie zog darauf ihre Brauen nach oben, worauf Annika und Benjamin mich ziemlich erschrocken ansahen. „Siehst du Annika?“, entgeistert stand Beni da, zeigte mit einem Finger auf mich und lächelte sie dabei so an, als hätte er eine Wette gewonnen.
Annika trat ihm deswegen leicht gegen das Bein und legte sofort eine Hand auf meine Schulter: „Also nich' das wir's nich' schon geahnt hätten Levi, aber wieso hast du uns das'n nich' schon früher erzählt?“ Benjamin stimmte ihr darauf nur mit energischem Kopfschütteln zu und streichelte sich über sein Knie.
Ich zuckte nur mit den Schultern: „So richtig weiß ich es selbst erst seit ungefähr zwei Wochen. Außerdem hat euch beide meine sexuelle Orientierung nie interessiert.“ Darauf war nur ein lautes Seufzend von Nicole zu hören, die enttäuscht ihre Schultern hängen ließ: „Echt schade. Da kann man wohl nichts machen.“
Dieses Gefühl war unbeschreiblich befreiend. Es war endlich draußen, zumindest bei den ersten Personen, an denen mir etwas lag und beide hätten nicht besser reagieren können. Ich atmete tief ein und fühlte mich meinem Ziel einen Schritt näher.
Lautes Geschrei und ein heftiger Knall, ließen uns plötzlich aufschrecken. Es kam von den Hinteren Wänden der Halle, zu denen unsere Lehrerin schon in schnellen Schritten unterwegs war. Natürlich schlossen wir uns ihr an, da das Geschrei nur noch lauter wurde.
Nachdem wir immer näher kamen, konnte ich in diesem lauten Krach Jacobys stimme erkennen, was mich nur noch nervöser machte. Und tatsächlich, da lag er, auf dem Boden und stützte sich mit seinen Ellenbogen ab, während er Sophia, das Mädchen aus Jasons Gruppe, anschrie.
Die Meute die sich um die beiden versammelt hatte, gaffte fröhlich vor sich her. Unsere Lehrerin drückte sich durch den Ring aus Schülern und stellte sich vor die beiden: „Was ist passiert.“ Jacobys Augen blitzten, als er Frau Arents ansah: „Das Mädchen ist schwerbehindert, das ist los!“
„Ich?! Fass dir doch mal an die eigene Nase“, Sophia schrie gleich zurück und tippte sich dabei ein paar mal gegen die Stirn. „What the fuck? Wie retarded muss man sein, um einen Menschen aus fast 6 Metern Höhe, einfach fallen zu lassen?“, immer noch fassungslos und kopfschüttelnd richtete sich Jacoby wieder auf die Beine und drückte sich danach seinen Unterarm Schmerzerfüllt gegen den Rücken. Jason stellte sich plötzlich kichernd dazu: „Dein Verlust wäre kein Beinbruch gewesen.“
„Ruhe! Verdammt Sophia was hast du dir dabei gedacht?“, meine Lehrerin konnte dem Geschrei anscheinend nicht mehr zuhören und drängelte sich dazwischen. Coby drückte sich nur an vorbei und fing darauf an ironisch zu lachen: „Sie hat sich gar nichts dabei gedacht, weil sie anscheinend zu dumm zum Denken ist.“
Die Backpfeife, die sie ihm danach verpasst hatte ließ uns alle verstummen. Perplex standen wir da und wussten nicht was gerade geschehen war, selbst Jacoby brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, dass er gerade geohrfeigt wurde.
Den einzigen denen in dieser Situation zum Lachen zumute war, waren Jason und Lenox, dem dritten im Bunde.
Jacobys Blick verfinsterte sich und ich konnte seinen Zorn förmlich spüren. „Glaubst du, nur weil du ein Mädchen bist, würde ich dich nicht sofort verschlagen?“, er sah ihr ernst entgegen und krempelte sich dabei schon langsam die Ärmel nach oben. Provozierend stellte sie sich näher an ihn und legte ihre Hände gespielt an die Wangen: „Jetzt hab ich aber Angst, na dann komm doch her.“
Ich hasste dieses schreckliche Mannsweib wahrscheinlich gerade noch mehr wie Jacoby, aber ich konnte nicht zu lassen, dass er auf sie losgehen würde, weshalb ich mich rasch zu ihm gestellt hatte und ihm vorsorgend seine Hand nach unten drückte, die er schon vor Wut zusammengeballt hatte.
So hatte ich ihn bis jetzt nur einmal gesehen, dass war aber schon einige Jährchen her und da kannten wir uns noch nicht einmal so richtig. Es machte mir Angst und ich mochte es nicht. Er sah mir aufgebracht entgegen, ließ sich aber auf meinen Beschwichtigungsversuch ein und hielt Sophia nur seinen Mittelfinger vor die Nase, bevor er sich dann von mir heraus stützen ließ.
„Ohh, brauchst du noch einen Babysitter? Wie niedlich“, ihre entsetzlich nervtötende Lache ging mir in diesem Moment so auf den Sack, dass ich mich nochmal umdrehte, Jacoby stehen ließ und auf sie zustampfte: „Deine Eltern wären vor 17 Jahren mal besser die fünf Minuten spazieren gegangen.“ Der Kreis aus Schülern, um uns herum, fing plötzlich an so laut los zu grölen und sich darüber schlapp zu lachen, dass Sophia, Jason und Lenox nur fassungslos da standen und die Arme ineinander verschränkten. Was auch immer ich mir dabei gedacht hatte, es fühlte sich so gut an, dass es mir egal war was für Konsequenzen das mit den Dreien nach sich gezogen hätte. Ich packte Jacoby danach wieder siegessicher am Arm und führte ihn in Richtung Ausgang.
Bevor Sophia und ihre Spastengang auch nur auf die Idee gekommen wären, uns hinterher zu laufen, stellte sich Frau Arents dazwischen und verteilte den Anschiss ihres Lebens.
Ich stützte Jacoby die paar Treppenstufen nach unten ab und setzte mich mit ihm auf eine der Bänke, die um einen kleinen Holztisch geschoben wurden. Es schien ihm doch nicht so gut zu gehen, wie er es gerade vorgeben wollte. Er lehnte sich vorsichtig und schwer atmend gegen die Holzlehne und hob sich ein Bein nach dem anderen auf den kleinen Holztisch.
Besorgt musterte ich den, anscheinend schmerzerfüllten, Schwarzhaarigen: „Alles okay?“ Als Antwort bekam ich ein zaghaftes nicken zu spüren: „Ich fühle mein rechtes Bein nicht mehr, mein Rücken bringt mich um und mein Kopf explodiert gleich, aber sonst geht es mir gut.“ Mitfühlend zog ich meine Stirn in Falten und schüttelte, über die Inkompetenz der Betreuer, nur den Kopf: „Was ist passiert? Hat sie dich einfach fallen lassen, warum war kein Betreuer in der Nähe, wieso musste sie dich überhaupt sichern, warum musstest du überhaupt Klettern? Wie kann man nur so...“
Leicht glucksend unterbrach er mein hysterisches Gejammer, indem er mir seine Hand gegen den Mund hielt: „Mach mal Pause Levente...“ Ich nahm darauf seine Hand sofort von meinem Mund: „Bitte nenn' mich Levi“, und platzierte sie, nach meiner kurzen Korrektur, wieder auf meinen Lippen.
Belustigt schüttelte er mit dem Kopf, strich mir sanft mit seinem Daumen über meine Unterlippe, über meine Wange und durch meine Haare. „Du bist echt niedlich wenn du dir Sorgen machst, weißt du das?“, er lächelte mich erschöpft an und strich mir dabei weiter durch die Haare.
Was machte er da? Wollte er etwa, dass uns jeder sieht? Irritiert griff ich nach seiner Hand und legte sie wieder auf seinen Schoß: „Jacoby, reiß dich zusammen.“
„Aye Aye, Kapitän“, salutierend warf er seinen Kopf gleich gegen die Lehne und atmete schwer aus: „Vielleicht hab ich Sophia dazu beschuldigt mit Männern, im Austausch gegen Geld, zu schlafen und plötzlich lag ich auf dem Boden.“ Ungläubig fasste ich mir an die Stirn: „Du hast sie als Hure bezeichnet?“
Er hob mir grinsend den Daumen entgegen und ließ seinen Kopf danach erschöpft auf seine Schulter fallen: „Levi das ist aber kein Grund mich einfach fallen zu lassen. Außerdem hat sie mit den Beleidigungen angefangen.“ Er griff danach in seine Westentasche, zog sich seine Zigarettenschachtel heraus und zündete sich eine Zigarette an.
Ich beobachtete ihn dabei, winkelte mein rechtes Bein bequemer auf der Bank an und stütze meinen Kopf ab: „Hättest du sie wirklich geschlagen, wenn ich dich nicht aufgehalten hätte?“ Er schüttelte zum Glück nur den Kopf und pustete den Qualm dabei in die Luft: „Die Alte wird zu Hause von ihren Eltern wahrscheinlich schon dumm geprügelt, da muss ich nicht auch noch nachhelfen.“ Genervt tastete er sich seinen rechten Ellenbogen ab und versuchte die dabei erzeugten Schmerzen zu unterdrücken.
Ich fühlte mich so schuldig, ich hatte ihm versprochen, dass es lustig werden würde und jetzt lag er wie ein nasser Sack auf der Bank, weil er höllische Schmerzen hatte. „Tut mir leid“, zu mehr war ich gerade nicht im Stande.
Verwundert starrte Jacoby zu mir auf und schüttelte nur leicht den Kopf: „Was tut dir denn bitte leid? Hab ich irgendwas verpasst? Hast du etwa das Seil losgelassen?“
„Ohne mich wärst du erst gar nicht mitgegangen“, ich spielte dabei beschämt an meinem Schnürsenkel herum und vermied jeglichen Augenkontakt. Zu meiner Überraschung jedoch, zog er mich nur an meiner Weste zu ihm herunter und gab mir einen sanften Kuss. Erschrocken drückte ich mich gleich von ihm ab und sah ihm in seine grauen Augen: „Was machst du da?“ Er küsste mich noch einmal und streichelte mir über die Wange: „Dir zeigen, dass ich nicht sauer bin.“
Hektisch sah ich mich um und konnte zum Glück niemand anderen sehen: „Du bist definitiv zu fest auf den Kopf gefallen, das würdest du dich normalerweise niemals trauen.“ Er strich sich durch die Haare und lehnte seinen Kopf gleich wieder gegen die Banklehne: „Ist doch niemand da.“
Mir war das eigentlich egal von mir aus, hätte es sofort jeder wissen können, aber ich wusste das Coby noch nicht bereit dazu gewesen war, weswegen mich diese Aktion sehr überrascht hatte. Ich strich ihm sanft durch die schwarzen Haare und lächelte ihn kopfschüttelnd an: „Du solltest dich am besten zu Hause hinlegen und zum Arzt gehen. Zwar nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, aber ich möchte mir keine Sorgen um dich machen müssen.“
Schnell zog ich meine Hand wieder zurück, als ich bemerkt hatte, wie hinter mir, jemand auf uns zugelaufen kam: „Oh man siehst du scheiße aus, wie geht's dir?“ Annika und Benjamin setzten sich auf die freie Bank gegenüber und musterten Jacoby, der immer noch wie ein nasser Sack da lag. „Hab ihm schon gesagt, dass er besser nach Hause gehen soll“, Coby und ich grinsten uns dabei unauffällig an, während er seine Zigarette an der Bank ausdrückte.
„Sophia hat echt Ärger bekommen und wurde jetzt erst mal von der Schule verwiesen. Frau Arents ruft gerade ihre und Jacobys Eltern an und alle Anderen, klettern weiter fröhlich vor sich her“, Benjamin hatte sich in den Schneidersitz gesetzt und versuchte mit kleinen Papierkügelchen, die er sich von einem Papiertaschentuch gezupft hatte, Cobys Aufmerksamkeit zu bekommen. Dieser starrte ihn deswegen nur genervt an und zog fragend eine Augenbraue nach oben: „Beni was machst du da?“
Benjamin fing darauf nur an amüsiert zu glucksen und schob sich seine Brille auf der Nase wieder zurecht: „Wollte nur fragen, ob es bequem ist so... da zu liegen?“ Jacoby sah danach, so weit es für ihn möglich war, an sich herunter: „Ehm... das ist die einzige Position, die mir nicht weh tut. Also ja, mega bequem.“ Annika musste deswegen anfangen zu kichern und steckte uns damit nur an.
Ich mochte diese kleine Vierergruppe, die wir da gebildet hatten und freute mich sehr darüber, dass Coby sich sehr schnell mit beiden angefreundet hatte, aber was habe ich mir in den letzten Wochen auch für unnötig Sorgen gemacht?
Nach einer Weile gesellte sich unsere Lehrerin zu uns und informierte Jacoby, dass sein Bruder auf dem Weg hierher sei. Wir durften so lange bei ihm bleiben und ihm Gesellschaft leisten.
Es schien mir so, als wäre ich nicht der Einzige mit einem schlechten Gewissen gewesen, Frau Arents hatte es sich nicht nehmen lassen, Jacoby mehrfach wissen zu lassen, wie leid es ihr tat und das Sophia die Konsequenzen dafür tragen würde. Natürlich winkte er wie bei mir und den Anderen alles nur ab und versicherte ihr, dass er schon Schlimmeres durchmachen musste. Damit schien bei ihr alles wieder in Ordnung zu sein und sie verschwand wieder in der Halle, um unsere Klasse weiter beaufsichtigen zu können.
Nur mich ließ dieser Gedanken, dass Jacoby sauer auf mich sein könnte, mal wieder nicht in Ruhe. Mir tat das alles so unendlich leid. Es fühlte sich beschissen an jemanden leiden zu sehen, an dem mir viel lag und auch noch zu wissen, dass du auf irgendeine Weise daran Schuld warst.
„Na klasse, natürlich kann mein Vater wieder mal nicht und schickt meinen bescheuerten Bruder“, brummte Jacoby genervt herum, während er eindeutig die Augen verdrehte. Annika sah ihn darauf nur verwundert an: „Ich dachte du und dein Bruder würdet euch gut versteh'n, oder war das Letztens nich' dein Bruder, der Jason seine Meinung gesteckt hatte?“
Der Schwarzhaarige versuchte sich richtig hinzusetzen und nickte ihr nur mit schmerzverzerrtem Gesicht zu: „Doch..., aua. Fuck, moment...“, ich konnte mir nicht länger  mitansehen, wie er dabei litt und half ihm kurzerhand, indem ich ihm unter die Arme griff und ihn etwas anhob. Nachdem er endlich richtig saß, atmete er erleichtert aus und nickte mir zu: „Danke“, danach hatte er sich wieder zu Annika gewendet, die noch immer auf eine Antwort wartete: „Doch das war mein Bruder. Aber er hatte sich nicht mit Jason angelegt, weil er mir helfen wollte. Seine Hoffnung war, mich damit bloß zu stellen. Obwohl er damals noch alles getan hätte, um mich zu beschützen.“
Er wurde plötzlich so still und starrte betrübt auf seine Schuhe. „Oh, das bedeutet, dass ihr beide euch auch mal verstand'n habt?“, hakte Annika weiter neugierig nach. Erneut nickte Jacoby ihr zu und zündete sich gleich wieder eine Zigarette an: „Lange oder kurze Geschichte?“ Locker pustete er den Rauch aus seinen Lungen und wartete auf eine Antwort, von der kleinen Brünetten.
Das machte er immer, auch bei mir. Bevor er damit angefangen hatte Geschichten von früher zu erzählen, wollte er immer zuerst wissen, ob die Leute lieber die lange Geschichte hören wollten, mit allem was dazu gehörte, oder doch lieber die Kurzfassung, bevor er anfangen würde jemanden zu langweilen. Und tatsächlich hätte ich gerade gerne die lange hören wollen, da es mich auch interessierte, warum die beiden Brüder sich jetzt so in den Haaren lagen.
„Nimm dir einfach so viel Zeit wie du zum Erzählen brauchst, wir hören dir zu“, Benjamin übernahm mal wieder das Reden für Annika, doch anstatt sich, wie jedes mal, darüber aufzuregen, nickte sie ihm nur zustimmend zu.
„Na gut, wenn es euch interessiert. Levi hat euch bestimmt schon erzählt wie unbeliebt meine kleine Familie in Noam ist. Viele denken der Grund dafür sei mein Vater, aber die Wahrheit ist einfach nur, dass Dylan und ich früher immer so viel Scheiß angestellt haben, für den er immer gerade stehen musste. Das war ein Fehler. Wir lernten daraus kein bisschen und trieben es meistens bis an die Spitze. Naja, alles hatte damit angefangen, als ich mit sechzehn gemerkt habe, wie dumm ich mich eigentlich verhalte. Ich hab mich bei meiner Mum und meinem Dad entschuldigt, wurde rausgeschmissen, wieder aufgenommen und hab mich danach sehr stark verändert. Ich hab sogar meinen Realschulabschluss noch geschafft und hab in Noam Feinde zu Freunde gemacht.“
Jacoby signalisierte mir danach grinsend, dass er auch mich damit gemeint hatte und machte eine kurze Erzählpause. Er zog ein letztes mal an seiner Zigarette und drückte sie auf dem Boden aus: „Dylan ist danach komplett ausgetickt. Hat mir ständig vorgeworfen, dass ich ihm plötzlich im Stich gelassen hätte und er doch immer so viel für mich tun würde. Er fand es anscheinend so richtig scheiße, dass ich plötzlich Mamas Liebling war, dass er vor fünf Monaten angefangen hatte, unserem Vater alles zu verraten, was er noch nicht über mich wusste. Darunter war auch, dass ich eine menge an Drogen genommen habe. Und plötzlich war ich wieder unten durch und das nicht nur bei meiner Familie, nein, in ganz Noam, weil mein schwerbehinderter Bruder nirgends seine Klappe halten konnte. Auf was ich hinaus wollte ist, als mein Vater mitbekommen hatte, dass Dylan Familienprobleme herum erzählte, war es Game over für ihn. Zuerst ist er komplett ausgerastet, dass nicht ich sondern er wieder den ganzen Ärger abbekommt und danach ist er so auf unseren Vater los, dass mein kleiner Bruder Tony und ich versucht hatten ihn von ihm wegzuziehen, doch indem Moment hat er auch so ausgeholt, dass er mir ein blaues Auge verpasst hat und Tony die Treppen hinunter geschubst hat. Und da der Arme an Epilepsie leidet und eine Gehirnerschütterung davon getragen, hat bekam er einen epileptischen Anfall. Mein Dad war so sauer, dass er Dylan in den Sommerferien zu unseren Verwanden nach Delaware geschickt hatte. Glaubt mir, das ist kein Urlaub und er ist immer noch der Meinung, dass ich daran Schuld sei und möchte mich deswegen jetzt anscheinend leiden sehen. Willkommen in meiner Welt.“
Annika, Benjamin und ich sahen ihn darauf nur sprachlos an, das war einiges was wir gerade verarbeiten mussten. Ich wusste ja, dass er sich mit seiner Familie nicht grade blendet verstand, aber das war doch einen Ticken schlimmer, als ich mir ausgemalt hatte
„Heilige Scheiße. Man könnte echt meinen, dass dein Bruder jünger ist als du“, entsetzt verschränkte Benjamin seine Arme und ließ die Geschichte erst einmal sacken. Ich verzog nur fragend mein Gesicht, was Jacoby sofort bemerkt hatte: „Was ist?“
Mir war etwas immer noch sehr unschlüssig, weshalb ich gleich nachfragte: „Warum ist Dylan dann plötzlich so gläubig geworden und übernimmt sogar den Messdienerpart in der Kirche, wenn er sich doch nie geändert hat?“ „Das ist nur Show. Er muss bei unseren Eltern wieder plus Punkte sammeln und das geht nur, wenn er meinen Eltern zeigt, dass er sie bei dem unterstützt, wofür sie stehen. Mehr ist das nicht Levi, eine Fassade“, plötzlich hörten wir eine Hupe und sahen einen schwarzen VW Polo auf das Gelände fahren.
Wenn man vom Teufel sprach, es war Dylan, der anscheinend nicht sehr begeistert war hier zu sein. Er kam auf uns zugelaufen und stellte sich hinter seinen Bruder: „Zu dumm zum Klettern, oder was?“ Jacoby grinste uns in diesem Moment alle nur an und hatte diesen hab-ich-es-euch-nicht-gesagt-Blick drauf.
„Sorry das du wegen mir deinen faulen Arsch aus der Couch hieven musstest“, Annika versteckte ihr aufkommendes Lachen schnell hinter ihrer Hand, während Benjamin versuchte seines zu unterdrücken. Ich beobachtete Dylan, der Jacoby gerade einen Todesblick auf den Hinterkopf zuwarf: „Get in the car.“ Er sah so aus, als müsste er sich gerade zusammenreißen, Coby nicht gleich in der Luft zu zerfleischen. „Ich brauch Hilfe beim Aufstehen“, er sah seinem Bruder gerade das erste Mal entgegen, seit er hinter ihm stand und zuckte nur gleichgültig mit den Achseln.
Es war seltsam, aber nachdem Coby uns die Geschichte erzählt hatte, sah ich Dylan mit anderen Augen und so langsam verschwanden einige Fragezeichen in meinem Kopf, was Familie Harsen anging.
Bevor Dylan endlich mal auf die schlaue Idee gekommen wäre seinem Bruder zu helfen, stand ich auf und half ihm hoch. Sein Rücken war anscheinend am schwersten von dem Sturz betroffen, weswegen er sich in meine Schultern krallte, nachdem ich ihn schon etwas angehoben hatte. Mir tat das immer noch so leid und verursachte in mir das dringende Bedürfnis, ihn einfach nur noch zu umarmen und mich tausend mal zu entschuldigen.
Dumme Sophia, dumme Betreuer und dummer Levi.
„Dylan, ich glaub du musst mich vorher zum Orthopäden fahren“, er drückte sich an der Wirbelsäule herum und verzog dabei jedes mal sein Gesicht, wenn er eine schmerzende Stelle berührt hatte. „Ja Coby, alles was du möchtest“, Dylan rollte nur genervt mit seinen Augen und lief wieder zu seinem Auto: „Just hurry up!“
Jacoby hielt sich immer noch an mir fest und sah mich hilfesuchend an: „Kannst du mich bitte zum Auto stützen?“ Benjamin sprang plötzlich auf, weil er wusste, dass ich ihm nicht alleine helfen konnte, da er einen Kopf größer und etwas schwerer war als ich, und legte seinen linken Arm um seine Schulter, während ich seinen rechten Arm um meine Schultern warf.
Er litt beim Laufen so sehr, dass wir ihn fast zum Auto tragen mussten. In diesem Moment ging mir ständig durch den Kopf, wie minderbemittelt Dylan wohl sein musste, da er noch nicht einmal auf die Idee kam, näher heran zu fahren.
Dumme Menschen wissen einfach nicht, dass sie dumm sind, versuchte ich mir den Weg über klar zu machen.
Wir setzten ihn auf den Beifahrersitz und schlossen die Tür. Jacoby fuhr das Autofenster nochmal herunter und winkte uns zu: „Ich danke euch fürs Gesellschaftleisten. Annika, Benjamin, wir sehen uns am Montag wieder und Levi, wir hoffentlich später.“ Wir hatten uns zu dritt um die Beifahrertür versammelt und winkten ihm hinterher, als Dylan dann losfuhr.

Der Tag in der Kletterhalle verlief danach noch ziemlich angenehm, außer dem ständigen Vorwürfe machen, hatten wir zu dritt noch eine Menge Spaß zusammen. Die Zeit verging so schnell, dass wir uns sogar gewundert hatten, als unsere Lehrerin den Tag dann so um halb zwei beendet hatte.
Die Fahrt nach Hause war wie immer langweilig und ohne Jacoby fühlte sie sich so seltsam an. Ich hatte mir vorgenommen, auf jeden Fall nach ihm zu sehen, wenn ich wieder in Noam ankam. Ob er es mir wohl tatsächlich übel nahm, dass ich ihn mitgeschleppt hatte? Oder noch viel schlimmer, er von mir jetzt nichts mehr wissen wollte.
Ich schüttelte den Kopf, ich musste mich beruhigen meine Gedanken liefen mal wieder Amok in meiner Gehirnbehausung und ich hatte keine Lust deswegen wieder in Ärger zu geraten.
Nach einer Weile kam ich endlich in dem guten alten Noam an und machte mich auch sofort auf den Weg zum Anwesen der Harsen. Meine Füße fühlten sich nach diesem Ausflug an, als würden sie mir mit jedem Schritt gleich einfach abfallen, doch das war mir in diesem Augenblick egal, ich wollte einfach nur wissen, wie es Jacoby ging, weswegen ich sogar noch einen Zahn zulegte.
Als ich ankam, klingelte ich sofort an der Eingangstür und wurde auch schon gleich von Tony begrüßt, der sich über meinen Besuch freute mich aber auch gleich darüber informiert hatte, dass Jacoby noch schläft. Er hatte sich nach dem Arztbesuch gleich aufs Ohr gehauen und schlief jetzt alles aus.
Was ich natürlich verstand.
Ich machte mich danach auf den Heimweg und versuchte mir fürs Erste keine Sorgen mehr zu machen. Sonst hatte ich die Befürchtung, dass ich wieder mehr hinein interpretieren würde, als es tatsächlich wäre.
Zu Hause wurde ich von meinem Vater begrüßt, der sich aber auch schon gleich auf den Weg zur Arbeit machte. Das war okay, ich war es schon gewohnt alleine im Haus zu sein, dass es sich für mich merkwürdig anfühlte, wenn jemand hier war.
Ich bewegte mich die Treppen nach oben und verschwand gleich in meinem Zimmer. Aufräumen stand jetzt auf meinem Nachmittagsplan, da Mathilda und Frederick heute noch bei mir übernachten wollten und ich mein Zimmer nicht so unordentlich lassen konnte. Okay wahrscheinlich war ich der Einzige, der es unordentlich fand, aber ich ertrug es einfach nicht, wenn meine Bettdecke nicht sorgfältig auf meinem Bett zusammengefaltet war, oder ich irgendwo einen Krümmel sah.
Mir war egal, dass sich meine Freunde darüber die meiste Zeit lustig machten, ich brauchte diese Art von Ordnung, um mir selbst ein Gefühl von Kontrolle verschaffen zu können. Ich musste mir jeden Tag beweisen können, dass ich mein Leben im Griff hatte und ich meinen Ängsten und Sorgen nicht die Überhand gab.
Nachdem ich dann mit dem gründlichen..., über gründlichen Saugen fertig war, entschied ich mich dafür, meine Hausaufgaben zu erledigen, um die Wartezeit irgendwie zu überbrücken. Ich setzte mich motiviert an meinem PC, öffnete mein Schreibprogramm, um einige Referate hinter mich bringen zu können und fing sofort damit an in die Tasten zu hauen.  
Doch leider musste ich sehr schnell feststellen, dass heute nicht mein Tag war. Ich kam nicht weit, da mein Computer plötzlich anfing zu streiken und vor meinen Augen auch noch den Geist aufgab.
Es war ab diesem Punkt nicht möglich in Worte zu fassen, wie genervt ich deswegen gerade war. Nicht nur, dass es eine Ewigkeit her war seitdem ich das letzte Mal meine Daten gesichert hatte, nein natürlich war das, was ich mir jetzt in der letzten Stunde so mühevoll erarbeitet hatte, flöten gegangen. Zum Glück konnte ich aber einen Schaden an meiner Festplatte erst einmal ausschließen, da er nicht mehr ansprang und das Problem anscheinend ein anderes war, was aber nicht gleich bedeutete, dass sie trotzdem nicht kaputt war.
Ich rüstete mich mich Schraubenzieher aus und wollte gerade das Gehäuse aufschrauben, als sich jedoch vollkommen unerwartet das Licht in meinem Zimmer ausschaltete. Das musste ein schlechter Scherz gewesen sein.
Ein Stromausfall, in ganz Noam, jetzt? So etwas war zwar typisch für unsere Kleinstadt und dauerte eigentlich auch nie lange, aber ausgerechnet jetzt? Heute war echt nicht mein Tag.
Seufzend ließ ich mich auf meinen Zimmerboden plumpsen und lehnte mich gegen meinen Schreibtisch. Mit Absicht knallte ich dabei meinen Hinterkopf leicht gegen die Tischkante und fuhr mir brummig durch die Haare.
Egal was ich heute alles versucht hatte um mich abzulenken, es funktionierte einfach nicht. Meine Gedanken fanden keine Ruhe und drehten sich nur noch um Jacoby. Wie es ihm wohl ginge? Ob er schon wach sei? Wie übel er mir es wohl nahm, dass ich ihn heute auf den Kletterausflug praktisch gezwungen hatte?
Ich vermisste ihn gerade so sehr, dass mir nach heulen zumute war. Verdammt, ich konnte ja schon seit einigen Tagen noch nicht einmal mehr richtig Essen. Gehörte das zum Verliebtsein dazu?, oder übertrieb ich einfach nur? Ich hatte so gut wie niemanden mit dem ich darüber reden konnte, außer ihn.
Es war seltsam, aber wie aus dem Nichts musste ich plötzlich anfangen zu schmunzeln. Ich fand ein Pusteblumen-Samen auf dem Boden, unter meinem Schreibtisch und mir fiel schlagartig auf, dass egal wie sehr ich mein Zimmer auch immer saugte, die würden niemals verschwinden. Genauso wenig wie die Erinnerungen an den ersten Kuss mit ihm, auf der Party, oder den zweiten im Wald und natürlich der Zwischenfall auf dem Feld.
Amüsiert darüber stand ich auf und legte es auf meinen Schreibtisch. Es erinnerte mich gerade zu sehr an Jacoby, weswegen ich es nicht einfach in den Mülleimer werfen konnte. Mir war egal, dass es wahrscheinlich nachher wieder irgendwo in meinem Zimmer herum fliegen würde.
Im gleichen Augenblick vibrierte mein Handy, das direkt daneben lag und leuchtete kurz auf. Das war ziemlich ungewohnt da wir in Noam unsere Handys kaum benutzten um miteinander zu kommunizieren, weil wir hier so selten Empfang hatten. Mathilda hatte mir eine Nachricht geschrieben, dass sie und Freddy gerade auf dem Weg zu mir seien und sie in ihrem ganzen Leben noch sie viel Angst im Dunkeln hatte, wie in diesem Moment.
Ich brauchte dringend eine Taschenlampe, oder zumindest Kerzen, mein Handy wollte ich nicht als Lichtquelle missbrauchen, da ich sowieso schon so wenig Akku hatte. Lustiger Weise klingelte mein Handy erneut, kurz bevor ich Aufstehen wollte und stellte meinen Vater zu mir durch.
So oft wie in dieser Nacht, wurde mein Handy gefühlt noch nie verwendet.
Er wollte nur sicher gehen, dass bei mir alles in Ordnung sei und ließ mich sofort wissen, wo ich Taschenlampen und Kerzen fand.
Nachdem wir dann wieder aufgelegt hatten, kramte ich die einzig funktionierende Taschenlampe aus der Kiste, unter dem Wohnzimmertisch heraus und öffnete die Eingangstür, um mir das Chaos auf den Straßen anschauen zu können. Es war jedoch so stockfinster, dass man seine eigene Hand vor Augen kaum sehen konnte. Die Sonne war schon vor einer Stunde untergegangen und die Straßenlaternen waren aus. Mathilda hatte recht es machte einem schon fast Angst.
Vorsichtig lief ich in den Vorgarten und versuchte den herumliegenden Steinen auszuweichen, als ich jedoch plötzlich und ohne Vorwarnung von hinten umarmt wurde. Und als hätte ich mich heute nicht schon genug unnötig erschrecken dürfen, nein ein zweites Mal machte mich gerade so richtig wach und entlockte mir einen der höchsten Töne, die ich jemals von mir gegeben hatte. Das Echo meines Schreis wanderte die Straßen entlang und schallte noch einige Male zurück, bis es dann endgültig von der Dunkelheit verschlungen wurde.
Es war Jacoby, der deswegen nur laut lachend neben mir stand und mir amüsiert auf der Schulter herum klopfte: „Holy shit, wo kam das denn her?“
„Was in aller Welt..., du bist ein Arsch, weißt du das?“, schwer atmend starrte ich den Schwarzhaarigen an, der nicht aufhören konnte zu lachen.
„Es tut mir leid Levi, aber ich wusste nicht, dass du auf einmal Sirenen-Geräusche von dir geben wirst, wenn ich dich umarme.“
„Ich ehrlich gesagt auch nicht“, ich holte einmal tief Luft und versuchte mich wieder zu beruhigen: „Wie ich sehe geht es dir wieder besser?“
Freudestrahlend nickte er mir zu: „Ja, mir ist durch den Sturz ein Wirbel heraus gerutscht. Der Orthopäde hat mich wieder eingerenkt, zwei Spritzen gegeben und ein absolutes Belastungsverbot erteilt.“ Trotz der guten Neuigkeit ließ mir mein Gewissen keine Ruhe und ich sah ihn darauf nur reumütig an.
„Hay, warum das lange Gesicht? Ich darf nur für fünf Wochen nichts Schweres heben und muss jeglichen Sport vermeiden, aber sonst geht es mir gut“, verwirrt legte er seine Hände auf meine Wangen und hob mein Gesicht dabei etwas an.
„Ich bin..., also ich glaub...“, mir fehlten die richtigen Worte und ich wusste nicht, ob ich mich entschuldigen sollte, oder ob ich mich freuen sollte, dass er nicht für den Rest seines Lebens unter Rückenschmerzen leiden würde.
„Du machst dir immer noch Vorwürfe? Levi hör auf damit, ich bin derjenige der sich entschuldigen muss“, wie bitte? Er musste sich entschuldigen? Ich wusste, dass ich schwer von Begriff war, aber warum musste er sich den bitte entschuldigen: „Huh? Was musst du?“
„Na du hattest dich doch so auf den Tag gefreut und ich war so genervt, dass ich mich ja unbedingt mit den drei Hyänen aus 'König der Löwen' anlegen musste“, langsam fuhr er mir dabei durch die Haare und atmete schwer aus: „Eigentlich müsstest du ja ziemlich sauer auf mich sein.“
Ich konnte ihm sofort ansehen wie leid es ihm tat, obwohl es das nicht hätte brauchen müssen. Er war ja immerhin derjenige, der von diesem Ausflug höllischen Schmerzen davon getragen hatte.
Wer hätte den jemals gedacht, dass hinter diesen grauen Augen ein mitfühlender Mensch gesteckt hätte? Und schon wieder wurde mir klar, warum ich mich eigentlich in ihn verliebt hatte. Er war kreativ, charismatisch, brachte mich immer zum Lachen und war sehr liebevoll und auch wenn mir seine Ungeduld und seine aufbrausende Art manchmal auf die Nerven gingen, war er für mich definitiv der Richtige.
Mein Herz klopfte jedes Mal wie wild wenn er in meiner Nähe war, jeder Kuss und jede Berührung brachten mich fast um den Verstand und wenn er nicht bei mir war, fühlte ich mich so leer, dass es schon fast weh tat. Den kleinen Zeh an der Bettkante anzustoßen war dagegen ein Spaziergang.
„Hay hübscher, du weißt, dass du aufgehört hast zu Reden?“, er stand mir direkt gegenüber und machte sich über meine Abwesenheit lustig. Ich liebte sein Lächeln es heiterte mich immer sofort auf und seine Unbeschwertheit war so ehrlich, dass selbst ich in seiner Anwesenheit entspannter wurde.
Weswegen ich jetzt auch vollkommen spontan beide Hände auf seine Wangen legte, zu mir herab zog und ihn küsste.
Er war zwar überrascht, bewegte mich aber danach, an meine Hüften, zu sich und ging darauf ein. Normalerweise hätten wir so etwas in der Öffentlichkeit vermieden, aber zum Glück war es so dunkel, dass selbst wir Schwierigkeiten hatten uns gegenseitig sehen zu können.
Er streichelte meine Seiten entlang und so langsam machte sich das bekannte Kribbeln in mir breit. Unsere Zungen suchten sich, umspielten sich und unsere Atmung wurde dabei immer schneller. Er drückte mich immer dichter an sich heran und griff dabei nach meinem Hintern. Wie sehr wollte ich gerade seine Küsse auf meinem nackten Oberkörper spüren und seine Hände überall auf meiner Haut.
Überraschenderweise löste sich der Schwarzhaarige jedoch mit einem letzten Kuss wieder von mir und bis sich zurückhaltend auf die Unterlippe: „Levi, Pause...“
„Warum denn? Ist alles okay?“
„Na hör mal, ich lass mich doch nicht so von dir aufgeilen, obwohl ich weiß, dass Freddy und der Feuerlöscher heute bei dir schlafen“, er hatte recht, wir quälten uns gerade nur selbst.
„Wirst du es ihnen heute sagen?“, er sah mich mit seinen großen grauen Augen neugierig an und strich mir dabei einige Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ich schüttelte nur langsam den Kopf.
„Ich weiß, dass es für dich nicht einfach ist, aber glaub mir, danach wird es dir besser...“, er unterbrach blitzartig, ich wusste in diesem Moment nicht genau warum, aber ich glaubte, dass er die aufsteigende Panik in mir bemerkt hatte, nachdem er wieder danach gefragt hatte.
Sanft drückte er danach meinen Kopf gegen seine Brust und küsste mich auf die Haare: „Lass dir einfach so viel Zeit wie du brauchst.“ Das war alles was er noch sagte, bevor er mich dann wieder losgelassen hatte und in Richtung des Gartentor lief.
„Wo gehst du hin“, verwirrt über seine plötzliche Entscheidung zu Gehen, folgte ich ihm
„Ich penne heute bei Tobias. Wollte dich vorher aber nochmal schnell sehen und dir sagen, dass es mir wieder gut geht. Aber jetzt muss ich gehen sonst verpasse ich den Bus“, am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass er hier bleiben sollte, bei mir. Aber das Wochenende war meistens eine der einzigen Möglichkeiten, etwas mit meinen Freunden zu unternehmen, da Mathilda ja unter der Woche im Internat war und Freddy Arbeiten musste.
Es war so kompliziert und irgendwie auch nicht, dass es mich einfach nur durcheinander brachte.
Wir standen uns gegenüber und ich nickte ihm einfach nur verständnisvoll zu. „Du bist schon wieder so leise, Levente“, ein letztes Mal für heute, nahm er mich nochmal in den Arm und küsste mich zum Abschied so intensiv, dass es mein Verlangen nach ihm nur verschlimmerte.
Im selben Augenblick erleuchteten die Laternen die Straßen von Noam wieder und beendete unseren Abschiedskuss abrupt. Der Strom war wieder da und ließ mich nochmal Jacobys wunderschönes Lächeln sehen, bevor er sich dann auf seinen Weg machte.
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