Eine ungewöhnliche Hochzeit  ( Holinett *_* )

OneshotRomanze, Übernatürlich / P16
Burnett James Holiday Brandon
02.09.2018
15.09.2018
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Burnett stand an einem Ende des Speisesaals und beobachtete Holiday, während sie durch die offene Tür trat und durch den Gang zwischen den Stuhlreihen auf ihn zu kam. Alle anderen Personen in dem Saal rückten in den Hintergrund und er war mal wieder gebannt von dem Blick aus ihren grünen Augen.

Sie sah umwerfender aus als jemals zuvor und ein Teil von ihm konnte wirklich noch nicht ganz glauben, dass sie ihn gleich tatsächlich heiraten würde. Holiday hatte sich lange gegen ihre Gefühle für Burnett gewehrt, genau wie er es am Anfang auch getan hatte. Aber schlussendlich hatte er sie doch für sich gewinnen können.

Sie trug ein ärmelloses, schulterfreies Brautkleid, das ihr unten bis knapp über dem Knie reichte. Mit beiden Händen hielt sie, anstelle eines normalen Brautstraußes, ein riesiges Bouquet aus Wildblumen. Es erinnerte ihn an die Blumen, die im Wald und vor allem in der Nähe der Wasserfälle wuchsen. Ihre langen roten Haare trug sie leicht gelockt und offen, abgesehen von ein paar dünnen Strähnen, die normalerweise ihr Gesicht einrahmten und nun an ihrem Hinterkopf festgesteckt waren.
Den ganzen Weg zu ihm und dem Pfarrer hinüber hatte Holiday ein strahlendes Lächeln im Gesicht und Burnett konnte sich gut vorstellen, dass er genauso aussah.

Endlich kam sie vor ihm zum Stehen und Burnett verspürte ein starkes Verlangen sie zu berühren. Er wollte sie in seine Arme ziehen und küssen, wusste aber, dass er das erst tun sollte, wenn der Pfarrer sie getraut hatte.
Holiday ließ ihren Strauß ein paar Zentimeter sinken, so dass sie ihn sich leicht gegen den Bauch drückte. Burnett spürte eine Woge von Glück in sich, als er an das kleine Lebewesen dachte, das dort gerade heranwuchs.

"Wir haben uns heute hier versammelt...", begann der menschliche Pfarrer mit der Zeremonie.

Weil Holiday bereits im vierten Monat schwanger war, wurde die Hochzeit vorgezogen und sehr schnell auf die Beine gestellt.
Sie wollte ihre Schwangerschaft erst nach der Hochzeit verkünden, jedoch bevor die Schüler und Bewohner der Shadow Falls Academy es ihr ansehen und selbst erraten könnten.
Es war dadurch kein übernatürlicher Pfarrer oder Priester zur Verfügung gewesen, aber vielleicht war das im Nachhinein auch besser so, bedachte man die unerwarteten Menschen unter den Gästen, die keine Ahnung hatten, dass gerade eine Fee und ein Vampir getraut wurden.

Burnett versuchte sich auf die Worte des Pfarrers zu konzentrieren, als es plötzlich kühler wurde.
Nicht viel, eigentlich kaum spürbar für ihn, hatte er als Vampir doch sowieso eine niedrigere Körpertemperatur als andere Übernatürliche und Menschen.
Er sah eine Bewegung hinter Holiday und plötzlich beobachtete er erschrocken, wie ein Körper sich dort materialisierte.

"Hey, junger Mann. Können Sie mich sehen?", fragte ihn die Gestalt eines alten Mannes in einem Unterhemd und langen Unterhosen.
Burnett wandte schnell den Blick ab und sah den Pfarrer an, so wie es auch Holiday gerade tat. Er gab sein Bestes, den Geist zu ignorieren, da es wahrscheinlich Kylies Geist war, den er nur zufällig auch sehen konnte. So war es bestimmt auch mit Holidays Zwilling, Hannah, gewesen.

Nach ihrem Tod war Hannah nicht zu Holiday, sondern zu Kylie gekommen, da sich die Schwestern vor langer Zeit zerstritten hatten.
Burnett hatte schon vor etwa einem Jahr angefangen, die Präsens von Geistern zu spüren und manchmal ihren Geruch wahrzunehmen.
Doch als er vor einigen Monaten plötzlich den Geist von Holidays Schwester sehen konnte, war es für ihn ein großer Schock gewesen.
Als Vampir sollte er zu nichts davon in der Lage sein können.

Dass er Hannah sehen konnte hatte er damals versucht als Zufall abzutun, insgeheim jedoch gedacht, es wäre eine Art Bestrafung von den Todesengeln, weil er seine Gefühle für Holiday nicht eingestehen wollte.

"Ich weiß, dass Sie mich sehen können. Hören Sie auf mich zu ignorieren, das ist unhöflich", sagte der Geist und Burnett spürte seinen Blick auf sich.
Er schielte zu Kylie hinüber, die als Brautjungfer neben Holiday stand und sich unbewusst mit der rechten Hand über den linken Arm strich, als wäre ihr kalt.
Doch offensichtlich konnte sie den Geist, der nur 20 Zentimeter vor ihr stand weder sehen noch hören.

Burnett wollte sich in diesem Moment wirklich nicht damit auseinander setzen, was das bedeutete.
Er biss seine Zähne fest zusammen und blickte zurück zum Pfarrer, dessen Worte er gar nicht mehr wahrnahm.
Dieser blickte ihn nun während er sprach an, aber alles was Burnett hören konnte, war der Geist.

"Haben Ihre Eltern Ihnen keine Manieren beigeracht?", fragte der und traf damit einen Nerv bei Burnett, der von seinen Eltern nicht gewollt worden und in verschiedenen Pflegefamilien aufgewachsen war.
"Nein", rutschte es ihm in einem angepissten Tonfall heraus.

Erst als es plötzlich unnormal still wurde und er den Schock in den Augen des Pfarrers sah, wurde ihm bewusst, was alle glaubten, was er gerade verneint hatte.
"Nein!", rief er erschrocken aus. "Ich meine, doch."
Er blickte Holiday an und erkannte hauptsächlich Verwirrung in ihrem Blick. Aber auch etwas Angst.
Vor dem Altar stehen gelassen zu werden war nichts worüber man leicht hinweg kam. Dass er jetzt Nein zu ihr sagte, wäre wohl die Erfüllung ihrer schlimmsten Albträume.

Wenn du ihr das Herz brichst, dann schwöre ich dir, kastriere ich dich im Schlaf, hörte Burnett Hannahs Worte in seinem Kopf.

"Holiday", sagte er, ignorierte alles andere und fasste sie sanft an ihren Handgelenken.
Eine Sekunde musste er überlegen, wie er ihr erklären konnte, was gerade los war, ohne die Menschen und auch die vielen Übernatürlichen, die sich vor Geistern fürchteten, zu beunruhigen.
"Ich heirate dich jetzt", versicherte er ihr dann. "Nichts und niemand wird mich davon abhalten."

Die Furcht verschwand aus ihrem Blick, was Burnett beruhigte. Während er ihr bedeutungsvoll in die Augen sah, fügte er hinzu: "Egal ob lebendig oder tot."
Holidays Augen weiteten sich vor Erkenntnis und sie beugte sich zu ihm nach vorne.
"Jetzt?", flüsterte sie ungläubig und Burnett nickte kurz.
Holiday blickte zu Kylie, die nur verwirrt mit den Schultern zuckte, aber natürlich auch verstanden hatte, was Burnett Holiday mitteilen wollte.

"Hannah?", fragte Holiday ihn dann, so leise, dass kaum ein Ton aus ihrem Mund kam.
In der kurzen Zeit, die sie tot war, bevor Kylie sie wieder belebt hatte, hatte sie sich mit ihrer Schwester ausgesprochen und vertragen.
Da Kylie einen neuen Geist bekommen hatte, war Holiday davon ausgegangen, dass Hannah endlich Frieden gefunden und ins Jenseits gegangen war.
Aber vielleicht war Hannah ja doch noch hier.

Burnett sah den Geist des alten Mannes an, der nun in dem Gang in der Mitte der ersten Stuhlreihe stand. Das war definitiv nicht Holidays Zwillingsschwester.
Er sah Holiday an, schluckte und schüttelte den Kopf, als er akzeptierte, was das bedeutete.
Holiday wurde nun ebenfalls bewusst, was hier vor sich ging und sie spürte Angst. Aber sie kam nicht von ihr, sondern von Burnett.

Sie wusste, dass dies eine furchteinflößende Situation für ihn sein musste.
Als sie sich kennenlernten, als Burnett nur als Agent bei der FRU tätig gewesen war, hatte er immer einen Riesen-Schrecken bekommen, wenn sie von ihrer Gabe erzählt hatte.
Er hatte versucht es zu verbergen, aber das war eben der Vorteil daran, Gefühle spüren zu können. Sie hatte ihn immer durchschaut. Oft hatte sie nur davon angefangen, damit er sich unwohl fühlte.

Wie Kylie ihr irgendwann erzählt hatte, hatten die Wasserfälle leise nach Burnett gerufen und er hatte angefangen regelmäßig hinzugehen, um die Geistersache und damit auch Holiday besser verstehen zu können. Natürlich erinnerte sie sich auch noch daran, dass Burnett Hannah hatte sehen können und davon sehr verwirrt gewesen war. Aber Hannah war zu Kylie gekommen. Normalerweise konnten andere Geisterseher einen Geist nicht sehen, wenn dieser sich einen Geisterseher ausgesucht hatte.
Dass Burnett nun einen Geist sah, den sie und Kylie nicht sehen konnten, konnte nur eins bedeuten.
Burnett war nun tatsächlich ein richtiger Geisterseher.

Holiday nahm es ihm nicht übel, dass er nicht besonders froh über seine neue Gabe war.
Sie hatte immer gewusst, dass sie eine Fee war. Ihre Fähigkeit mit Geistern zu kommunizieren, hatte sich lange angekündigt, bevor sie ihren ersten eigenen Geist wirklich sehen konnte.
Sie hatte sich damals darauf einstellen können. Bei Burnett war das anders.
Und die Tatsache, dass Vampire eigentlich nicht fähig waren Geisterseher zu sein, trug bestimmt noch zu seiner Beunruhigung bei.

Holiday drehte sich zu Kylie um und drückte ihr ihren Blumenstrauß in die Hände. Dann drehte sie sich zurück zu ihrem Bräutigam, nahm seine Hand in ihre und legte die andere auf seinen Oberarm. Burnett spürte wie seine Unruhe nachließ und er schloss kurz die Augen und atmete tief ein. Er konzentrierte sich auf Holidays Hand in seiner und streichelte mit seinem Daumen darüber.
Dann öffnete er die Augen wieder und lächelte sie dankbar an. Holiday lächelte zurück und dann formten ihre Lippen die Worte Du schaffst das.

Burnett blickte den Geist an, der ihn mit vor dem Bauch verschränkten Armen ansah.
Er hatte Holiday und Kylie oft genug mit Geistern kommunizieren sehen, um jetzt zu wissen was zu tun war.

Es wäre schön, wenn Sie wann anders wiederkommen würden, dachte er höflich, aber doch bestimmt. Ich bin gerade dabei zu heiraten.

Der Geist zuckte mit den Schultern und verblasste dann, bis er schließlich verschwunden war.
Burnett atmete erleichtert auf und Holiday und Kylie spürten, wie die Temperatur wieder anstieg.
Als er Holiday ansah, hätte Burnett ihr gerne gesagt, dass er sie liebte, oder die Worte auch nur mit den Lippen geformt, aber er hielt sich zurück und lächelte sie einfach nur liebevoll an.
Er war gerade dabei zu heiraten und würde bald ein Kind bekommen. Sein Ruf als eiskalter Vampir-Sturkopf war verloren, aber deswegen musste er sich ja nicht als totalen Softie outen.

"Können wir dann fortfahren?", fragte er nach einigen Sekunden an den Pfarrer gewandt.
"Äähm, ja. Natürlich", antwortete der und räusperte sich verwirrt, bevor er anfing seine letzte Frage zu wiederholen. "Burnett, wollen Sie-"
"Ja", unterbrach Burnett ihn laut und deutlich. "Ich will, ja."

Vereinzeltes Lachen war von den Gästen zu hören, aber Burnett interessierte sich nur für das Grinsen auf Holidays Gesicht.
Der Pfarrer wandte sich an Holiday. "Holiday, wollen Sie-"
"Oh, ja! Ich will auch", unterbrach Holiday ebenfalls, immer noch mit einem breiten Lächeln, das Burnett nun erwiderte.

"Okay, dann wird es jetzt Zeit für die Ringe", sagte der Pfarrer amüsiert.
Burnett drehte sich zu seinem Trauzeugen Lucas um, der ihm den Ring für Holiday bereits entgegen streckte.
Kylie musste den großen Blumenstrauß mit einer Hand an ihre Brust halten, um mit der anderen Hand Burnetts Ring aus einer kleinen Tasche an ihrem Kleid nehmen und Holiday geben zu können.

"Nun sprecht mir bitte nach, während ihr die Ringe austauscht", wies der Priester an.
Holiday wiederholte die Schwüre zuerst, während sie Burnett den Ring auf seinen Finger schob.
Als Burnett dann an der Reihe war, musste er sich zügeln, die Worte nicht gleichzeitig mit dem Pfarrer zu sagen, da er den Text ja schon zweimal bei Holiday gehört hatte.
Er wollte einfach so schnell wie möglich zum nächsten und letzten Teil der Zeremonie kommen.
Trotzdem nahm er sich dann doch die Zeit den schmalen Goldring sanft auf Holidays Finger zu schieben und anschließend drüber zu streicheln.

"Ich erkläre Sie beide hiermit zu Mann und Frau", verkündete der Pfarrer endlich. "Sie dürfen die-"
Burnett ließ den Mann nicht aussprechen, bevor er Holiday leidenschaftlich küsste. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und er hob sie an der Hüfte ein Stück hoch und drückte sie an sich.

Lucas sah zu Kylie hinüber und als ihre Blicke sich trafen zwinkerte er sie grinsend an. Kylie spürte, wie sie rot wurde und sie hielt den Brautstrauß vor ihr Gesicht, dass sie ihn darüber hinweg jedoch noch ansehen konnte.
Als der Geist da war hatte sie ihm seine Nervösität angesehen, aber sie wusste, dass er daran arbeitete sich an die Geister zu gewöhnen. Denn schließlich war er mit einer Geisterseherin zusammen und anscheinend hatte er nicht vor sie so bald wieder gehen zu lassen. Der Verlobungsring, der neuerdings an einer goldenen Kette um Kylies Hals hing, bewies das eindeutig.

Als von den vielen zuschauenden Teenagern Pfeiffen und Whooo-Rufe zu hören waren, setzte Burnett Holiday wieder auf dem Boden ab und löste sich von ihr.
Unter lautem Applaus liefen sie Hand in Hand den Gang zwischen den Stühlen entlang aus dem Speisesaal.
Kaum waren sie draußen, zog Burnett sie ins Innere des Bürogebäudes und verschloss die Tür hinter ihnen.

Dann packte er Holiday an den Hüften, presste sie gegen die geschlossene Tür und küsste sie hungrig. Holiday war zuerst überrascht von seinem stürmischen Handeln, verlor sich dann aber schnell in seinen Berührungen und Küssen. Sie vergrub ihre Hände in seinen schwarzen Haaren, während sie seinen Kopf gleichzeitig ein Stück zur Seite neigte, um seine Zunge tiefer in ihren Mund zu lassen. Dann schnappte sie plötzlich erschrocken nach Luft, als Burnett eins ihrer Beine hochriss und es sich um die Hüfte legte.
Er war in diesem Moment so unglaublich dankbar, dass sie sich für ein schlichtes Kleid entschieden hatte, im Gegensatz zu einem mit mehreren Lagen von Tüll, mit dem diese Aktion schwieriger auszuführen gewesen wäre. Als seine Hand nun federleicht ihren Schenkel hoch wanderte, löste Holiday ihren Mund von Burnetts, als ihr Atem sich beschleunigte und ihr der Sauerstoff, den sie während des Küssens zu sich nehmen konnte, nicht mehr genug war.

"Burnett", flüsterte sie atemlos, als er mit seinen Küssen einfach an ihren Hals wanderte, ohne mit den Liebkosungen unter ihrem Kleid zu stoppen.
Holiday spürte seine Fangzähne ihren Hals kratzen, bevor er darüber leckte und ein tiefes Geräusch von sich gab, das zum Teil nach einem Stöhnen und zum Teil nach einem Grollen klang.
"Warte, warte", brachte sie mühsam und schweren Herzens hervor, schob sanft seine Hand von ihrem Schenkel und stellte sich wieder auf beide Beine.

Burnett löste sich widerwillig von ihr, wusste aber, dass es klüger war, für jetzt an diesem Punkt zu stoppen.
Die Kids, die beim Aufbau der Stühle für die Hochzeit geholfen hatten, waren - das wusste er - in diesem Moment dabei, alles für die anschließende Feier vorzubereiten.
Er und Holiday hatten nicht viel Zeit, bevor sie allen wieder unter die Augen treten mussten und er konnte sich vorstellen, womit Holiday diese kurze Zeit verbringen wollte.
Als sich der Nebel aus Lust jetzt legte, wanderten seine Gedanken jetzt zurück zu dem was während der Trauung passiert war. Worüber er eigentlich gar nicht nachdenken wollte.

Nachdem Holiday einige Male tief durchgeatmet hatte und auch ihre Erregung und Leidenschaft nachließen, spürte sie den Ansturm von Gefühlen, die in Burnett tobten.
Frustration, Verwirrung, Angst... und Schuldgefühle.
Er drehte sich mit dem Rücken zu ihr und fuhr sich aufgebracht mit beiden Händen durch sein Haar.

Holiday trat langsam hinter ihn und legte ihm erneut die Hand auf, um seine aufgewühlten Gefühle zu beruhigen.
"Es wird alles gut werden", flüsterte sie, während sie sanfte Kreise auf sein Schulterblatt malte.
Er drehte sich zu ihr um, nahm ihre Hand in seine und spielte mit ihren Fingern und dem Ring, den er ihr eben erst angesteckt hatte.
"Ich fühle mich so, so...", begann er, fand aber kein passendes Wort und sah sie verzweifelt an.

"Ich weiß", sagte Holiday nur verständnisvoll.
Burnett wandte den Blick wieder von Holiday ab und sie wurde von einer weiteren Welle Schuldgefühle von ihm getroffen.
"Es tut mir leid", flüsterte er leise.
Sie schüttelte verwirrt den Kopf.
"Ich weiß nicht, was du meinst", sagte sie.

"Es fällt mir schwer... damit klar zu kommen", erklärte Burnett leise.
Unzulänglichkeiten und Schwächen zuzugeben war immer noch nicht leicht für ihn. Es widersprach einfach der Vampirnatur.
Er liebte Holiday über alles. Alles an ihr. Es gab nichts, was er ändern würde.
Und das Geistersehen war ein Teil von ihr.
Also warum konnte er nicht glücklich darüber sein, dass es jetzt wohl auch ein Teil von ihm war?

"Das verstehe ich", versicherte Holiday ihm aufrichtig. "Du solltest keine Geister sehen können. Ich kann mir das nicht erklären."
"Ich weiß ja, dass Geisterseher diese Fähigkeit erst recht spät entwickeln. Aber 31 ist schon ein sehr hohes Alter dafür", sagte Burnett und versuchte etwas Humor in seine Stimme zu legen.
Wieder berührte Holiday seinen Arm und beruhigte seine aufgewühlten Gefühle mit ihrer Magie. Dann ließ sie ihre Hand seinen Arm hinunter streichen und verschränkte ihre Finger mit seinen, so dass sie sich nun an beiden Händen hielten.

Sie lächelte ihn voller Zuversicht an.
"Ich bin sicher, du wirst das ganz schnell meistern", sagte sie ihm. "Dafür dass das dein erster Geist war und angesichts des ungünstigen Zeitpunkts," sagte sie lachend und er musste lächeln, "hast du das eben wirklich fantastisch geregelt."
"Lassen deine Gefühllese-Fähigkeiten nach, Fee?", fragte Burnett neckend. "Nur wegen dir bin ich nicht total in Panik verfallen."
"Na, wenigstens bist du nicht in Ohnmacht gefallen, so wie Kylie damals", hielt Holiday die lockere Stimmung aufrecht.
"Das wäre ja auch wirklich peinlich gewesen", sagte Burnett. "Ich werde mich ja wohl besser im Griff haben als eine 16-jährige."

"Hey! Das hab ich gehört", ertönte es von der anderen Seite der Bürotür.
Holiday und Burnett drehten sich überrascht zu der Tür, an der nun von außen gerüttelt wurde.
"Lasst ihr mich rein oder wollt ihr nur meine Jungfrauen-Augen beschützen?", fragte Kylie.

Holiday trat etwas von der Tür zurück und Burnett öffnete sie.
"Hast du etwa vor der Tür gestanden und gelauscht?", fragte er und funkelte Kylie gespielt wütend an
"Ich wollte euch holen und als ich aus dem Speisesaal gekommen bin, hat mein Supergehör sich eingeschaltet", erklärte sie kopfschüttelnd.
"Und zu meiner Verteidigung, meinem Dad ist damals Blut vom Kopf getropft und hat Hilf mir auf den Boden geschrieben."

Holiday sah fragend zu Burnett.
"Nein. Nur ein älterer Mann in Unterwäsche", sagte Burnett.
"Also ist es wirklich wahr?", fragte Kylie ihn. "Du hast jetzt einen eigenen Geist?"
Burnett nickte mit grimmigem Gesicht.

"Wow", sagte Kylie und sah ihn an, als wüsste sie nicht, ob sie ihm gratulieren oder ihm ihr Beileid ausdrücken sollte.
Als er damals Hannah gesehen hatte, hatte er ihr gesagt, dass diese Art von Gabe ihm eher wie eine Bestrafung erschien.
"Kommst du damit klar?", fragte Kylie ihn nach kurzem Zögern.

Burnett schaute zu Holiday, die ihm ermutigend zulächelte und auf einmal hatte er das Gefühl, dass alles gut werden würde.
Vielleicht hatte er nur ein paar Momente gebraucht, dass der Schock über seine neue Fähigkeit sich legen konnte.
Aber wahrscheinlich war es eher die Erkenntnis, dass Holiday ihm von jetzt an immer zur Seite stehen würde, egal was auch geschah.
Schulterzuckend antwortete er: "Wenn ihr das schafft, kriege ich das doch mit Leichtigkeit hin."

Kylie verdrehte die Augen und Holiday lachte.
"Seht uns nur an, uns drei Geisterseher", sagte sie, während sie die beiden mit ihren Händen auf ihren Rücken aus der Tür hinausschob.
"Könnte der Anfang von einem Witz sein", sagte Kylie. "Drei Geisterseher gehen auf eine Hochzeit..."

Auf dem Weg zurück zum Speisesaal wanderte Holidays Hand von Burnetts Rücken zu seiner Schulter und seinen Arm hinunter und verschränkte sich mit seiner Hand.
Burnett sah zu ihr rüber und lächelte sie an, während er wusste, dass sie fühlen konnte, wie sehr er sie liebte.
Und er musste keine Fee sein um zu spüren, dass es ihr genauso ging. Ein Blick in ihre grünen Augen genügte dafür.



AN:
Bin ganz nervös, das zu posten :D
Das erste Mal etwas anderes als HIMYM für mich. Ich habe die Buchreihe gerade zum zweiten Mal durchgelesen und dann kam mir diese Idee und ich hatte das Gefühl, dass ich die Charaktere gut genug verstanden habe, um über sie und ihre Gedanken usw schreiben zu können. Bitte, sagt mir doch, was ihr davon haltet.
Ich weiß, es gibt eine Nachfolgebuchserie, die sich auf Della konzentriert, in der Holiday und Burnetts Baby geboren wird. Hab sowohl die deutsche als auch die englische Shadow Falls-Fanpage von Wikia durchgelesen und da steht nirgends, dass Burnett seit Hannah wieder irgendeinen Geist sehen konnte. Aber die Idee kam mir nun mal so. Macht es das AU?
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