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Robin Hood - Das goldene Kreuz

von Kittykate
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Little John Lord Alvin Lord Hereford Marian Lancaster Mutch Robin "Robert Huntington" Hood
02.09.2018
15.09.2018
12
55.000
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12.09.2018 4.460
 
… aber nichts geschah




Marian musste mit Robin reden. Seit dem frühen Abend saß sie in ihrem Zimmer und versuchte für sich eine Lösung zu finden. Sie trat zur Tür und klopfte leise. Als sie sein Zimmer betrat, fand sie es leer vor. Dafür zog sie sein Balkon an. Neugierig ging sie zur Glastüre und trat hinaus.
     Seit geraumer Zeit stand sie auf dem Balkon von Robins Gemach und blickte in die Nacht hinaus. Sie haderte mit sich. Wenn sie ihm ihre Geschichte erzählte, könnte sie ihn in Gefahr bringen. Wenn sie sich ihm nicht anvertraute, müsste sie sich ihnen alleine stellen. Sie sah keine Möglichkeit. Prinz Jean würde sie so oder so mit sich nach Frankreich nehmen. Er würde sie heiraten, aber so leicht wollte sie es ihm nicht machen. Wenn sie nur mit ihren Eltern reden könnte. Wenn sie ihnen doch nur von seinen Plänen erzählen könnte. Würden sie ihr glauben? Jetzt noch, da sie nicht einmal das Kreuz bei sich hatte und auch nicht erklären konnte, wo es war? Sie hatte es aus seinem sichersten Versteck geholt und dann im Wald verloren. Bestimmt hatten diese Männer in Schwarz es schon gefunden und zu Prinz Jean gebracht… Erschrocken riss sie ihre Augen auf.
     Sie musste unbedingt zurück. Wenn er es wirklich bereits in Händen hielt….
     Robin trat neben sie. Sie spürte seine Anwesenheit, seine Wärme und seinen Duft. Sie liebte seinen Geruch. Sie sah ihn an und spürte ihren schnellen Herzschlag in ihrer Brust.
     „Marian“, hauchte er überwältigt von ihrem Anblick. Ihr Gesicht wirkte im Schein des Mondes zart und zerbrechlich. Er fühlte nur noch sein Herz und jede Faser seines Körpers zog ihn zu der wundervollen Frau. Eigentlich wollte er mit ihr reden. Aber in diesem Moment erkannte er, dass ihm nicht nach reden zumute war.
     Marian verlor sich in seinen blauen Augen. Sie drehte sich ihm zu und führte sanft eine Hand zu seiner Brust. Sie legte die Handfläche auf die Stelle unter der sein Herz pochte und fühlte den kräftigen, rhythmischen Schlag. Ein leichter Rotschimmer zierte ihre Wangen. Auch sie dachte an die Vergangenheit zurück. An den schönsten Moment in ihrem Leben. Robin, wie er ihr auf dem Balkon gegenüberstand und sie einfach nur festhielt.
     Er spürte ihre Berührung durch seine Kleidung hindurch und prompt verstärkte sich das Klopfen in seiner Brust. Zögernd legte er seine Hand auf ihre an seiner Brust, während seine andere Hand, die ihre suchte. „Marian“, wiederholte er fester.
     Marian fasste all ihren Mut zusammen und hauchte: „Robin, so lange habe ich mich danach gesehnt.“
     Diese Worte ließen ihn seinen geistigen Widerstand vergessen. Er ließ sich von seinen Gefühlen leiten, trat auf sie zu und schloss sie in seine Arme. Es war an der Zeit ihr die Wahrheit zu sagen. Er bereute es, ihr seine Gefühle nicht schon vor zehn Jahren gestanden zu haben, aber damals wusste er nicht, ob es der richtige Weg war. Inzwischen wünschte er sich, mit seinen Worten den richtigen Weg einzuschlagen. Er nahm all seinen Mut zusammen und gestand: „Ich liebe dich! So lange schon, Marian.“
     Sie blickte ihn an, erstaunt über sein Geständnis. Aber nun lächelte sie, begann zu strahlen und drückte sich glücklich an seine Brust: „Oh, Robin.“ Sie blickte auf, stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf seine Lippen.
     Endlich spürte er ihre Lippen. Ihre sanften Lippen, die er bereits einmal küsste. Sie fühlten sich so gut an. Es war das richtige. Er fühlte es. Ein unbeschreibliches Kribbeln übernahm seinen Körper, während er ihren Kuss erwiderte. Er drückte sie näher an sich, schob sie an das Balkongeländer und hörte nicht wieder auf sie zu küssen. Langsam öffnete er seine Lippen um seine Zunge auf Wanderschaft zu schicken. Er wollte sie intensiver spüren, stieß allerdings auf ihre verschlossenen Lippen. Zärtlich strich er ihre Konturen nach, bis Marian zögernd ihre Lippen öffnete und ihn erwartete. Langsam drang er mit seiner Zunge in ihre Mundhöhle ein und erkundete sie vorsichtig.
     Es war ein seltsames Gefühl, aber dennoch gewöhnte sie sich schnell daran und stupste seine Zunge mit der ihren an.
     Er reagierte auf sie und gemeinsam fochten sie einen Kampf miteinander aus, umkreisten sich und spielten miteinander.
     Robin drückte sie enger an sich, in dem er einen Schritt auf sie zukam. Er spürte die Wärme in seinem Körper, das stetige Kribbeln, und wie sich sein Blut in unteren Regionen zu sammeln begann. Alles war neu, aber er war sich sicher, dass es richtig war. Er liebte sie, sehnte sich nach ihr und nun konnte er ihr die Sterne vom Himmel holen, wenn sie es wünschte. Er würde alles für sie tun, nur um sie glücklich zu machen.
     Marian umschloss seinen Nacken mit ihren Händen, zog ihn näher an sich und fühlte sich eingeklemmt zwischen dem Balkongeländer und Robins Körper. Aber es störte sie nicht, keinesfalls. Sie spürte ein wunderbares, warmes Gefühl in ihrem Körper und eine nicht zu erklärende Hitze in ihrem Unterleib. Sie fühlte seine Nähe, seine Zunge an ihrer, seine Lippen auf ihren und seinen Atem auf ihrer Haut. Sie spielten mit seinem Zopf in seinem Nacken und küsste ihn so liebevoll wie es ihr nur möglich war. Sie liebte ihn. Seit langer Zeit und niemals hatte sie es glauben wollen, dass er ihre Gefühle erwidern könnte. Aber er tat es. Er gestand ihr seine Liebe und sie spürte es an seiner Zärtlichkeit.
     Der Wind wurde stärker, die Nacht kühler und sorgte dafür dass die Liebenden sich trennten.
     Robin löste den Kuss und blickte sie mit verschleiertem Blick an.
     Marian spürte wie er sich von ihr löste und es kribbelte in ihr nach.
     „Wir sollten hinein gehen. Es wird kalt“, raunte Robin mit ganz belegter Stimme.
     Sie nickte und ließ sich von ihm in sein Gemach führen. Er schloss die Glastüre und stand ihr verlegen gegenüber.
     Auch sie wusste nun nicht, was sie sagen oder tun sollte. Unsicher blickten sie sich an bis Marian lächelte: „Gute Nacht“, hauchte sie. Als sie sich umdrehte, griff Robin nach ihrer Hand und zog sie zu sich. Ganz nah trat er an sie heran: „Geh nicht, bitte“, raunte er flehend, schloss seine Arme um sie und begann sie erneut zu küssen.
Marian wünschte sich nichts sehnlicher, als bei ihm zu bleiben und schloss auch ihre Arme um seinen Nacken und nahm seine Küsse gerne wieder auf.
     Seine Hände strichen ihr auf ihrem Rücken auf und ab.
     Seine Finger suchten nach dem Verschluss ihres Kleides. Sie aus dem Stoff zu schälen würde mühsam werden und das obwohl er immer erregter wurde und sich kaum noch zurückhalten konnte.
     Auch Marians Fingerspitzen strichen ihm über den samtenen Stoff und flink öffnete sie Knopf für Knopf seines Hemdes.
     Nach und nach fielen die Stoffe zu Boden und mit wenigen Schritten erreichte er mit ihr sein Himmelbett, ließ sie sanft darauf nieder und beugte sich über sie. Er betrachtete ihr wunderschönes Gesicht. Die blonden Haare verteilten sich auf den Kissen wie ein ausgebreiteter Fächer. Ihre großen blauen Augen blickten tief in seine Augen und sanft berührte sie ihn mit ihren Fingern an seiner Wange.
     Robin lächelte zärtlich, beugte sich hinab und führte seine Lippen wieder zu ihren.
     Im Zuge der Leidenschaft fanden sich ihre Zungen zu einem erneuten Spiel, während ihre Hände auf Wanderschaft gingen.  
     Ihre Körper erhitzten sich mit jeder ihrer Berührungen mehr.
     Vorsichtig schob er ein Bein zwischen ihre und drückte diese zaghaft auseinander. Als sie ihm zu Hilfe kam, ihre Beine auseinander stellte, kniete er sich mit seinem anderen Bein auch dazwischen. Er rutschte näher an sie heran und drang in sie ein.
     Marian kniff ihre Augen zusammen. Zu sehr schmerzte der plötzlich Druck in ihr. Robin bemerkte ihre Anspannung und verharrte in ihr. „Ich… entschuldige“, hauchte er und wollte schon den Rückzug antreten, als Marian ihre Beine um seine Hüfte verschränkte und ihm somit den Weg versperrte. Sie blickte ihn an. Ihre Augen strahlten von der Leidenschaft und sie hauchte: „Nein, mach weiter!“
     Von ihren Worten ermutigt, drang er tiefer in sie ein.
     Schmerzhaft kniff sie die Augen zusammen. Wieder rührte Robin sich nicht. Besorgt betrachtete er ihre Mimik, beobachtete sie und fühlte sich schlecht ihr solche Schmerzen zu bereiten. Aber so nah hätte er ihr niemals sonst kommen können.
     Der Schmerz schwand und Marian entspannte sich sichtlich. Sie öffnete ihre Augen, lächelte ihn an und versuchte seine Lippen mit ihren zu berühren. Robin lächelte zurück, beugte sich zu ihr hinab und nahm ihren süßen Mund zu gern wieder in Besitz. Während sie sich intensiver küssten, begann Robin sich in ihr zu bewegen. Schnell fand Marian in seinen Rhythmus und bewegte sich mit ihm.
     Sie lösten den Kuss, intensivierten ihre Bewegungen und keuchten zunehmend lauter auf.
     Ein ungewöhnliches Gefühl, dennoch schien es genau das zu sein, was ihre Körper seit vielen Jahren schon vor ihnen gewusst haben. Sie waren sich so nah, das Kribbeln in ihren Körper stieg an und ein neuartiges Gefühl stieg in ihren Körpern auf.  Schließlich brach diese Welle, ein lustvoller Schrei löste sich aus ihrer Kehle und sie fühlte die rasante Entspannung in ihrem Körper.
     Auch Robins Muskeln spannten sich und als wäre es eine Erlösung, ergoss er sich in Marian, stöhnte dabei laut auf und ließ sich anschließend erschöpft auf ihr nieder.
     Schwer atmend lagen sie in seinem Bett. „Ich liebe dich“, flüsterte Robin ihr ins Ohr.
     „Und ich liebe dich“, hauchte Marian glücklich zurück.
     Er zog sich aus ihr zurück, rollte sich von ihr runter und betrachtet sie verträumt. Sanft streichelte er ihre Haut.
     Marian drehte sich ihm zu und blickte ihm in seine Augen, die ihr Kraft und Mut spendeten, es schon immer getan haben. Sie war so glücklich bei ihm zu sein.
     Sie kuschelten sich aneinander. Robin zog die Decke über sie beide, schob seinen Arm unter ihren Kopf und drückte sich näher an sie. Marian versteckte ihren Kopf an seinem Schlüsselbein und strich ihm zaghaft mit den Fingerspitzen über seine Brust. Rasch, aber glücklich schliefen sie beide ein.

Marian schlug ihre Augen auf, richtete sich auf und blickte sich um. Sie fühlte sich noch so müde, also konnte sie nicht lange geschlafen haben. Draußen stand der Mond noch am Himmel und hüllte das Land in tiefe Dunkelheit. Sie hatte geträumt, aber als sie an sich herunter sah und Robin neben ihr schlafend liegen sah, wusste sie, dass es kein Traum war. Sie hatte sich einander hingegeben und ihre Liebe gestanden. Sie fühlte sich so glücklich. Ihre Augen wanderten durch das dunkle Zimmer und gewöhnten sich allmählich an die Dunkelheit. Die Zeit drängte und ihre Vergangenheit würde sie bald einholen. Es war an der Zeit eine Entscheidung zu treffen. Sie blickte wieder Robin an. Ihre Augen ruhten auf seinem schlafenden Gesicht. Sie liebte ihn. Entschlossen blickte sie ihren Geliebten an. Und aus diesem Grund durfte sie ihm nichts sagen. Sie krabbelte vorsichtig aus dem Bett.
     Robin rührte sich.
     Ängstlich hielt sie inne und starrte ihn an.
     Aber er schlief weiter.
     Erleichtert atmete sie aus, stand auf und suchte sich ihre Kleidung zusammen. Mit leisen Schritten huschte sie in ihr Zimmer, zog sich an und blickte sich in ihrer Unterkunft um. Ihr Blick fiel auf den Tisch, auf dem eine Feder und ein Blatt Papier lagen. Zögernd trat sie auf den Tisch zu, entzündete die Kerze und setzte sich auf den Stuhl. Langsam nahm sie die Feder, tunkte sie in ein Fläschchen und schrieb im Schein der Kerze.
     Sie löschte die Kerze, schlich sich hinaus auf den Flur und achtete darauf, dass keine Bodendielen zu knarren anfingen. Ungesehen wollte sie das Schloss verlassen. Langsam und vorsichtig schlich sie die Treppe hinab, verließ das Schloss zur Tür hinaus und trat in die kühle Nacht hinaus. Ihre Augen richteten sich zum Himmel und sie sah, dass der Mond bereits sehr tief stand. Es würde bald hell werden. Sie rannte zum Stall, öffnete das Tor und trat in die dunkle Scheune ein. Pferdegeruch erfüllte die Luft und sie trat tiefer in den Stall. Sie entzündete eine Kerze, die sofort ein wenig Licht hereinbrachte. Wenig später stand sie vor Sternschnuppe´s Box und öffnete das Gatter. „Meine Schöne“, begrüßte Marian ihr treues Pferd.
     Die Stute schnaubte. Da erschien ein weiterer Pferdekopf aus der Box daneben. Marian erkannte es sofort und streichelte ihm über die Nüstern: „Guten Abend Weißer Donner“, flüsterte sie dem Hengst zu. Sie strich ihm ein letztes Mal gedankenverloren über die Nüstern, denn sie fragte sich wirklich ob sie das richtige tat. Sie dachte an Robin, Will, Winnifred und Barbara. Sie dachte an James, Betty und Ben. Much, Little John und die Sherwoodbande. Sie brachte alle nur in Gefahr wenn sie blieb, so wie sie bereits die Räuber in Gefahr gebracht hatte.
     Sie löste sich von Weißer Donner, führte Sternschnuppe aus ihrer Box und sattelte sie. Während sie ihre Stute hinaus führte, löschte sie das Licht, verließ die Scheune und schloss das Tor.
     Sie hörte Weißer Donners Wiehern und hoffte, davon würde keiner erwachen.
Sie stieg auf, was sich erneut als schwierig mit diesem Kleid herausstellte, doch sie schaffte es. Schon zog sie die Kapuze ihres Mantels über und drückte Sternschnuppe ihre Fersen in die Flanken. Schnell ritten sie in die Nacht hinein.



Die Sonnenstrahlen kitzelten Robin an der Nase. Langsam öffnete er die Augen und sofort erinnerte er sich an die letzte Nacht. Endlich war Marian bei ihm und sie fühlte so wie er. Kein Mann auf der Welt konnte in diesem Moment glücklicher als Robin sich fühlte. Er richtete sich auf, blickte zärtlich auf die Seite um ihre Schönheit betrachten zu können, doch das Bett war leer.
     Mit großen, besorgten Augen und klopfendem Herzen sah er sich im Zimmer um, aber selbst die Balkontüre war verschlossen.
     Überrascht sprang er auf, zog sich so schnell es ging seine Kleidung an und riss die Tür zu Marians Zimmer auf. Er erfasste schnell den Raum und sah das es leer war, das Bett unbenutzt.
     Ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Körper aus. Konnte es sein? Hatte sie ihn wirklich verlassen? Langsam trat er auf den Tisch zu. Er ahnte es bereits und fühlte sich in seiner Ahnung bestätigt, als er den Brief entdeckte. Er nahm ihn in seine Hände und las die Zeilen. Diese Worte konnte und wollte er nicht glauben. Seine Finger spannten sich um das Papier und seine Augen lasen immer und immer wieder ihre Worte. Eine unsagbare Traurigkeit breitete sich in seinem Körper aus, eine kalte Hand griff nach seinem Herzen und drückte es schmerzvoll zusammen.

Es klopfte an der Tür des Anwesen Huntington. James trat auf die Türe zu und öffnete sie. Überrascht wer den Herrschaften so früh morgens bereits einen Besuch abstatten wollte. Fremde Männer in schwarzer Kleidung, bewaffnet mit Armbrust und Schwert, standen vor der Tür.
     „Ja, bitte“, verlangte James von den Herren. Er ahnte nichts Gutes bei diesen Männern. Die Angestellten dieses Anwesen unterhielten sich über das blonde Mädchen und ihrem Auftauchen. Auch vermuteten sie, dass diese junge Frau Ärger mit sich brachte. War dies etwa der Ärger, den ihm die Zimmermädchen und Ben prophezeiten?
     „Wir möchten mit dem Hausherren sprechen!“, verlangte einer von ihnen mit einem starken Akzent. Er war groß und wirkte Angst einflößend. Seine Muskeln zeigten wie stark er war. Auch wenn er eine Uniform trug, zeichneten diese sich darunter ab. Die langen schwarzen Haare, hatte er zusammengebunden und fielen ihm über die Schulterblätter. Er schien der Anführer der Männer zu sein.
     Much und Will traten aus dem Esszimmer heraus und wollten soeben um die Ecke treten, als sie diese fremde tiefe Stimme hörten. Much verharrte zur Sicherheit hinter der Mauerecke.
     Will trat hervor und musterte die fremden Männer in Schwarz. Er ahnte, dass diese Kerle die Kopfgeldjäger waren, denn Robin und Bruder Tuck hatten sich über sie unterhalten.
     Während Will sich neben James stellte, guckte Much um die Ecke und wich sofort zurück. Das waren sie. Wenn sie ihn hier sahen, dann würden sie das ganze Haus durchsuchen bis sie Marian gefunden haben. Sie wussten wie er aussah und wenn sie ihn wieder erkannten, wäre alles vorbei.
     Will musterte die Fremden und blickte ihnen ernst entgegen. Es war abzusehen, dass sie auf dieses Anwesen stoßen würden. „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ Autoritär trat er den Kopfgeldjägern entgegen.
     Der Anführer musterte Will aufmerksam. So ein kleines Bürschchen konnte unmöglich der Hausherr sein. „Sind Sie der Hausherr?“
     „Ja!“ Mit einem strengen Blick schickte Will James zum Gehen.
     Dieser verbeugte sich und trat den Rückzug an. Als er an der Treppe vorbei ging, erkannte er den zweiten Gast, der sich zitternd und mit ängstlichem Gesichtsausdruck an die schützende Mauer drückte. Lauschend und hoffend, dass Will diese Männer abwehren konnte.
     James ging weiter und zog sich in die Küche zu Betty zurück um sie über diese fremden Männer aufzuklären.
     „Sir, wir suchen ein blondes Mädchen. Sie ist auf der Flucht.“
     „Ich habe kein blondes Mädchen gesehen“, widersprach Will.
     „Sie ist so groß“, deutete der Mann mit seiner Hand ihre Größe. Glauben wollte er dem jungen Mann nicht. „Sie hat lange Haare, trägt einen dunklen Umhang…“, beschrieb der Anführer der Kopfgeldjäger.
     Will lauschte den Angaben. Er tat als müsse er überlegen, doch schließlich schüttelte er seinen Kopf. „Kann mich nicht daran erinnern ein solches Mädchen gesehen zu haben.“
     Misstrauisch beobachtete der Kopfgeldjäger sein Gegenüber. So recht wollte er ihm nicht glauben. Immer wieder warf er auch einen Blick in die Empfangshalle. „Mit Verlaub wer wohnt alles bei Ihnen?“
     Will stand dem misstrauischen Blick stramm gegenüber. „Meine beiden Schwestern und unsere Angestellten! Von einem Mädchen, wie ihr es beschrieben habt, haben wir nichts gesehen oder gehört.“
     Winnifred öffnete die Tür vom Salon und trat heraus. Sie hörte Stimmen und wollte nach dem Rechten sehen. Als sie die fremden, großen, beängstigenden Männer sah, bekam sie Angst. Schnell und besorgt stand sie bei ihrem Bruder und klammerte sich an seinen Arm: „Bruder, was ist geschehen?“ Eingeschüchtert blickte sie auf und sah in das ausdrucksstarke männliche Gesicht. Was wollten diese Kerle hier? Wer waren sie? Was suchten sie hier?
     Robin verließ Marians Zimmer. Immer noch hielt er ihren Brief fest in seinen Händen. Er trat die Treppen hinunter, doch bevor er in das Sichtfeld der Kopfgeldjäger treten konnte, nahm er den wild winkenden Much wahr, der ihm deutete sich nicht zu bewegen. Irritiert verharrte Robin, doch schon vernahm er die fremde Stimme. Sie kam ihm bekannt vor, er hatte sie schon einmal gehört.
     Misstrauisch über das Verhalten des Mädchens, wollte der Kopfgeldjäger nicht aufgeben. „Würdet ihr uns erlauben uns auf eurem Hof umzusehen.“
     Will schüttelte vehement den Kopf und blieb stur. „Was gibt euch das Recht dazu?“
     „Sir, dieses Mädchen könnte sich bei euch verstecken“, erklärte er nur noch misstrauischer. Wie konnten zwei Kinder ein Anwesen unterhalten? Wo waren ihre Eltern? Verbargen sie vielleicht doch mehr, als der Junge es ihm weismachen wollte? Das Mädchen sah nur mehr als ängstlich aus.
     Will sah dem Mann entgegen: „Nun gut. Ihr könnt euch auf diesem Anwesen umsehen, doch mein Haus bleibt unberührt!“
     Seine Augen verdunkelten sich. Er würde seinen Männer auftragen unauffällig durch die Fenster zu sehen. Er traute diesen Kindern nicht. „Danke, Sir!“ Mit diesen Worten verteilten sich die Männer.
     Will schloss die Tür und konnte nur noch hoffen, dass Ben im Stall seinen Mund hielt und ihnen nichts von Marian verriet. Die restlichen Angestellten öffneten die Türe zur Küche und blickten die jungen Hausherren besorgt an. Sie hatten aufmerksam gelauscht und sorgten sich sehr über diese beängstigende Situation.
     Robin eilte die restlichen Stufen hinunter. „Das waren sie, hab ich recht? Sie suchen Marian“, stellte er fest. Und er wusste, hätte Much ihn nicht aufgehalten, sie hätten ihn wieder erkannt. Ihn, der Much und Marian zur Flucht verhalf.
     „Sie suchen sie, ja“, bestätigte Will.
     „Warum? Was wollen diese Männer von ihr?“ Winnifred blickte wütend ihren Bruder und dann Robin an. Niemand hatte ihr von diesen Männern erzählt und auch kein Wort erwähnt, dass Marian verfolgt wurde.
     Much wagte sich nun auch wieder hervor. Er zitterte immer noch am ganzen Körper.
     „Ich weiß es nicht“, antwortete Robin. Sie hatte ihm nichts gesagt und dieser Brief gab ihm auch nicht die Antworten, die er wissen wollte. Gedankenverloren blickte er auf das Blatt in seinen Händen.
     Will versuchte alle zu beruhigen: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Irgendwann werden sie wieder gehen müssen!“
     Robin und Much blieben vorerst in der Eingangshalle um nicht doch noch zu riskieren entdeckt zu werden. Winnifred sollte wieder ihrem Tagesablauf nachgehen um keinen Verdacht zu schöpfen und die Angestellten gingen wieder an ihre Arbeiten zurück.

Der Tag rückte voran und so stand die Nachmittagssonne schon sehr tief. Immer noch durchsuchten die Männer das Anwesen nach Spuren, auch das Haus wurde von außen in Augenschein genommen, aber sie konnten nichts Verdächtiges entdecken. Schließlich gaben sie auf und der Anführer der Kopfgeldjäger klopfte erneut.
     Robin und Much versteckten sich hinter der Mauer und Will öffnete die Türe. Der Kopfgeldjäger warf erneut einen misstrauischen Blick in das Haus, dennoch konnte er nichts entdecken, das ihm eine Spur zeigte. „Wir konnten sie nicht finden. Entschuldigt bitte vielmals“, knurrte er, aber die Männer zogen ab. Sie konnten nicht grundlos ihre Zeit auf diesem Anwesen verschwenden. Auch wenn sie den Stallburschen und ein rothaariges Mädchen im Stall befragt hatten, die beide ebenso unwissend taten, wie der Hausbesitzer selbst, hatte der Kopfgeldjäger den Verdacht, er wäre auf der richtigen Spur. Aber ohne Argumente mussten sie abziehen.
     Endlich verschwanden die Männer. Große Erleichterung breitete sich über das Anwesen aus.
     Will schloss die Türe und lehnte sich erleichtert gegen das schwere, schwarze Holz. „Wo ist Marian“, hakte Will endlich nach, als Robin hinter der Mauer hervorkam.
     „Sie ist weg!“
     In diesem Moment klopfte es erneut und Will zuckte zusammen. Vorsichtig öffnete er die Tür einen Spalt um zu sehen, wer davor stand. Waren diese Männer etwa wieder zurückgekommen?
     Aber nicht die Männer in Schwarz standen davor, sondern Bruder Tuck und Little John.
     „Endlich sind sie weg“, atmete Little John erleichtert aus und trat in das Haus ein, an Will vorbei, der ihn finster anblickte. „Oh, große Hütte“, bemerkte Little John sarkastisch.
     Robin und Much starrten den Chef der Räuberbande überrascht an.
     Auch Bruder Tuck trat ein und ehe Will die Tür schließen konnte, huschte auch Barbara mit Ben herein. Sofort bestürmte die jüngste Huntington ihren Cousin. Sie hing sich an seine Brust und blickte ihn besorgt an. „Robin, wer waren diese Männer? Was haben sie gesucht? Sie haben uns nach Marian befragt? Warum? Was ist geschehen?“
     Robin legte beruhigend seine Hände auf ihre Schultern, doch schon entdeckte sie den Brief und riss ihm diesen aus der Hand.
     „Barbara gib ihn wieder her“, rief Robin erschrocken aus und versuchte sich den Brief zurück zu holen, doch das Mädchen wich ihm geschickt aus.
     „Was willst du hier?!“, fauchte Will stattdessen Little John an, der gelassen und desinteressiert seine Arme vor der Brust verschränkte und die Augen schloss. „Na, was schon, mein treuster Freund kommt nicht zurück, da hab ich mir Sorgen gemacht.“
     „Chefchen“, grinste Much und stand schon bei Little John. „Das du mich so vermisst hast!“
     „Von wegen vermisst“, konterte Little John und schob Much zur Seite. „Wer kocht mir denn jetzt meine Suppe? Seit Tagen muss ich sie mir selbst kochen.“
     Much betrachtete seinen Boss mit einem irritierten Gesicht.
     Von dem Lärm angelockt, trat Winnifred aus dem Salon heraus. „Was ist das denn für ein Lärm?!“, verkündete sie und alle verstummten.
     Little John starrte Winnifred einfach nur an. Löste seine Arme von der Brust und betrachtete sie mit großen Augen und leicht offenem Mund.
     Erst jetzt entdeckte Winnifred auch ihren neuen Gast. Und diesen hatte sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und erst recht nicht mit ihm gerechnet. Sie war auf kein Treffen vorbereitet und hatte das Gefühl ihr Herz müsse stehen bleiben. Erstarrt und nach Worten suchend stand sie ihm gegenüber. Ihm, dem Mann, dem einmal ihr Herz gehört hatte.
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