Smooth Criminals

GeschichteRomanze, Thriller / P16
02.09.2018
11.02.2019
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Thea weinte leise hinter ihrem Schreibtisch im Cortex. Im Mülleimer neben ihr türmten sich bereits die geknüllten und verrotzten Taschentücher. Am liebsten hätte sie sich heute gar nicht von der Stelle bewegt, und das konnte sie im Prinzip ja auch lassen, denn Cisco mochte zwar unterwegs sein, aber hatte die Meta-App immer im Blick, sodass sie im Ernstfall tatsächlich nicht einmal zum Hauptrechner gehen müsste, sondern sich auf ihren besten Freund verlassen konnte.
Ein weiteres Taschentuch landete im überfüllten Mülleimer, entschloss sich aber dazu, einfach weiterzurollen und sich einen neuen Platz auf dem Boden zu suchen.
Cisco hatte ihr vor knapp einer Stunde von Barrys Verabredung mit Caitlin erzählt, da er wusste, dass Thea in den Speedster verliebt war und dergleichen Sachen wissen wollte.
„Darf ich wissen, was los ist?“, fragte Malcolm mehr oder weniger besorgt. Er hatte sich an sie herangeschlichen. „Es muss ja etwas Dramatisches sein, wenn du dafür dein Versprechen brichst.“ Er hob eine Augenbraue.
Seine Tochter sah erschrocken auf. „Das Training habe ich total vergessen, tut mir leid.“ Sie zog die Nase hoch.
„Und was ist nun der Grund für dein Trübsalblasen?“, bohrte er nach. „Oder wer?“
Sie verschränkte trotzig die Arme. „Du weißt es doch sicher schon längst, wenn du so fragst.“
Malcolm schüttelte beteuernd den Kopf. „Nein, Thea.“ Er klang aufrichtig. „Ich stalke dich nicht, habe dich weder verwanzt noch versteckte Kameras hier platziert. Ich finde, du solltest mir ein wenig mehr Vertrauen entgegenbringen.“ Er schmollte jetzt doch nicht tatsächlich?
„Die drei Gründe, die du genannt hast, wären in jeder normalen Vater-Tochter-Beziehung selbstverständlich!“, fauchte sie gereizt und drehte sich auf dem Stuhl leicht von ihm weg.
„Warum jetzt so patzig?“ Auf den ersten Blick schien die Ruhe selbst zu sein, doch in seinen Augen flackerte es gefährlich.
Thea seufzte und wandte sich ihm wieder komplett zu. „Tut mir leid. Es ist bescheuert. Das hier“, sie deutete auf den Taschentücherberg in ihrem Mülleimer, „ist nur wegen einem Typen.“
„Barry?“
Sie merkte, wie in ihr Wärme aufstieg und ihr Magen nervös flatterte, als sie an das breite, ehrliche Lächeln des Speedsters dachte. „Ja, es ist Barry“, gestand sie.
Malcolm wirkte wenig begeistert, aber immerhin tickte er nicht aus. „Das Problem ist wohl, dass er Zeit mit Caitlin Snow verbringt. Vermutlich bist du deshalb ihr gegenüber so skeptisch. Aber ich kann dir sagen, du hast guten Grund dazu.“
Theas Mund wurde trocken. „Was hast du herausgefunden?“

~*~

Die Position, in der sie es sich in ihrem Bett gemütlich gemacht hatte, wurde langsam unbequem. Caitlin drehte sich auf den Rücken und hob das Buch über ihren Kopf.
Snart hatte ihr ein paar Bände gegeben, die sie sich durchlesen sollte. Inzwischen hatte ihr Plan nämlich ein bisschen mehr Form angenommen und sie hatte ihn um Hilfe bitten müssen, so sehr es sie auch wurmte. Er hatte Cooper Seldon, einen recht unbekannten, aber doch verdammt guten Hacker, engagiert, um mehr über Barry herauszufinden. Aber keine Chance: Barry war im Internet so gut wie unsichtbar. Ebenso seine Firma. Keinerlei Daten, außer die der Firmenwebsite. Es existierten Geräte in der Firma, aber alles, was sie gefunden hatten, waren unverständliche Messungen und Rechnungen. Keine Versuchsauswertungen, mit denen sie etwas hätten herausfinden können. Zum Glück hatte Snart einen Insider der Firma bestechen können, ihm etwas über die aktuellen Projekte und den Chef zu erzählen.
Und genau aus diesem Grund musste sie sich jetzt mit kompliziertem Mist wie der speziellen Relativitätstheorie abgeben.
„Was bitte tust du, Barry?“, murmelte sie und betrachtete die Formel. „Das hier ergibt nicht das geringste bisschen Sinn! Was soll das denn heißen: ‚muss sich relativ zu dem System bewegen‘? Was zur Hölle?“
Ihr Handy gab das Hintergrundgewummere von Wreak Havoc von sich. Sie warf das Buch lieblos auf ihr Kopfkissen und stand auf, um das Telefon von der Kommode zu holen, wo es neben einem aus Langeweile gefrosteten Blumenstrauß vor sich hin summte.
Sie schielte misstrauisch auf den Bildschirm. Unbekannte Nummer. Achselzuckend nahm sie den Anruf entgegen.
„Hallo, Caitlin.“
Caitlin war das erste Mal seit langem überrascht. Was hatte die eifersüchtige Nervensäge bitte dazu bewegt, sie anzurufen? Eigentlich war Caitlin sich sicher, dass Thea nicht viel von ihr hielt. „Was gibt‘s?“, wollte sie wissen und versuchte, sympathisch zu klingen. Einen Versuch war es wert.
„Barry wollte, dass ich dir mitteile, dass Overgirl morgen früh bei S.T.A.R. Labs ankommt und wir uns den ganzen Tag freihalten sollen. Um halb acht sollen wir da sein.“ Sie klang neutral, als wäre sie nur die Übermittlerin einer für sie belanglosen Botschaft, die sie kein bisschen betraf. „Cisco ist bei seinem Bruder, etwas klären, Gott sei Dank. Ich hätte keine Lust gehabt, einen Ort außerhalb zu reservieren, weil das nachweisbar wäre. Außerdem wollte ich...“ Ihre Stimme zitterte nun leicht, aber sie schien sich zur Ruhe zu zwingen: „… dich freundlich darüber informieren, dass ich weiß, was du vorhast.“
Caitlin war genervt. Vielleicht auch ein kleines bisschen wütend. „Ach ja, Speedy? Nimm dich in Acht. Ich an deiner Stelle würde die Klappe halten.“ Damit legte sie auf.
In den letzten Tagen war sie nicht untätig geblieben und hatte sich wieder ein wenig im Verbrechermilieu herumgetrieben. Dabei war sie zufällig Zeugin eines Überfalls gewesen. Doch wie aus dem Nichts war eine rot gekleidete Bogenschützin aufgetaucht. Spitze Nase, braune, kinnlange Haare, entschlossener Blick.
Thea Queen übte sich offensichtlich an leichten Opfern, die es ihrer Ansicht nach verdient hatten. Caitlin hielt nicht viel von Selbstjustiz, aber das mochte daran liegen, dass sie kein Gerechtigkeitsgefühl besaß. Alles, was sie wusste, war, dass selbst ernannte Rächer illegal waren. Und, wie man es auch drehen und wenden mochte, sie waren Serienmörder ohne echtes System.
Wenn Thea auch nur ein Detail ausplauderte, hatte sie ein gewaltiges Problem. Denn Caitlin würde nicht zögern, sie an die Polizei zu verraten.
Mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen begab sich Caitlin ins Bad, um sich für das Date mit einem gewissen Speedster fertig zu machen.
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