Heute sterben wir nicht!

von TheGonzo
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Black Star Death the Kid Maka Albarn Soul Eater Tsubaki Nakatsukasa
01.09.2018
30.06.2019
16
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(Maka)
Plötzlich piept ein Display an Liz‘ Gürtel. Sie nimmt es von der Halterung und ihre Augen weiten sich panisch.
„Laurence kommt“ sagt sie, doch wir stehen bereits alle auf den Beinen. In der Panik weiß ich nicht wohin mit mir, mit meinen Freunden, mit den Kindern. Wir sind ihr hier vollkommen ausgeliefert. Das letzte, was ich wollte ist eine weitere Konfrontation mit Laurence für Ella und Till. Die Zeit vergeht viel zu schnell, wir hören wie ein Wagen auf dem Kies des Vorplatzes einrollt, wie Türen zuschlagen und Schritte auf der Treppe und niemand kann sich bewegen. Dann packt Kid die zwei Kinder an den Armen und schiebt sie zu Patti:
„Patti, nimm‘ die Kinder und geh‘ zur Terrasse raus! Zum Schrotthaufen! Sag dem Shinigami, dass wir hier sind! Und komm auf keinen Fall zurück! Wir geben euch Rückendeckung.“
„Aber-“ versucht es Patti, doch der strenge Blick von Kid beendet ihren Versuch des Widerspruchs. Sie nickt und nimmt die Kinder an je eine Hand bevor sie Richtung Terrasse stürmt. Kid dreht sich langsam in die Runde und nickt uns zu.
„Es tut mir leid, dass es soweit kommen musste“ krächzt er und ich meine Angst in seinen Augen zu sehen, bevor er die Hand austreckt und nach einem Blitz einer seiner Waffen in der Hand hält. Black Star und ich tun es ihm gleich und so stehen wir da: Zu dritt, mit klopfenden Herzen, schweißnassen Händen, bebenden Körpern und kaltem Schweiß am Rücken und sehen dem Türknauf der Eingangstür zu, wie er sich Millimeter um Millimeter dreht. Als das Schloss knackt, fasse ich den Schaft der Sense enger zwischen meine Hände.
„Bereit Soul?“ – „Immer.“.

Die Tür knarrt beim Öffnen, eine weiß-behandschuhte Hand greift durch den Spalt und drückt auf den Lichtschalter. Erstaunlich helles Licht flutet den Raum und ich sehe kurz Sternchen. Dann schiebt sich erst ein Bein und dann der Saum eines Anoraks, schließlich ein ganzer Mensch in den Raum. Lange, weiße, glatte Haare fallen bis auf die Hüfte über den grauen Mantel, der nackte Beine bis zum Knie bedeckt. Die junge Frau dreht sich nicht mal zur Raummitte, sondern zieht die Tür mit Gesicht zum Türblatt zu und schließt mit einem Klicken ab. Dann hebt Laurence den Kopf und mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie lächelt.
„Guten Abend, Death the Kid. Tut mir leid, dass du so lange warten musstest.“
Mir stockt der Atem. Sie wusste, dass wir hier sind? Und sie kennt Kid?! Nervös wechselt mein Blick immer wieder zu Kid, der rechts von mir etwas weiter vorn steht und beide Arme schlaff am Körper hängen hat. Die Pistole in seiner Hand zittert. Ist es, weil er zittert oder weil Liz nervös ist? Ich lecke mir über die Lippen.
Dann dreht sich Laurence schwungvoll um und lächelt tatsächlich breit. Doch ihr Lächeln wird von einem freudigen Überraschen abgelöst:
„Oh, du hast Freunde dabei? Wie unhöflich von mir.“ Sie zwinkert uns zu. Mit der Ruhe einer Monarchin streift sie den Anorak ab. Darunter trägt sie ein stark-rotes Petticoat-Kleid und schwarze, hohe Schuhe. Den Mantel legt sie ordentlich zusammen, nur um ihn dann nach rechts auf den Boden zu werfen. Sie wirft sich das weiße, aalglatte Haar zurück und legt es gebündelt über ihre linke Schulter
Sie ist bildhübsch. Und viel jünger; vielleicht maximal ein Jahr älter als wir, obwohl ihre ganze Körperhaltung und Gestik sie älter aussehen lässt. Zumindest erwachsener als wir mit unseren zittrigen Händen und angstschwachen Blasen.
„Na, das ist aber sehr unhöflich, dass ihr nicht mal zurück grüßt – obwohl ihr hier ja quasi eingebrochen seid“ sagt sie ruhig und schnalzt dieses „tztztz“ mit ihrer Zunge während sie sich in Zeitlupe die Handschuhe von den Händen zieht.
Ich werfe einen kurzen Blick auf ihre Hände: Sie sehen aus, als hätte sie sie in schwarzer Acrylfarbe getunkt und zur Elle hin verschmiert. Ihre Fingerkuppen sind nicht mehr als messerspitz zulaufende, unheimlich lange Auswüchse. Mit solchen Händen würde ich auch nicht durch die Weltgeschichte spazieren. „Das ist ja eklig“ flüstert Black Star in meinem Kopf. Meine Mundwinkel verziehen sich schon zu einem Lächeln als Laurence ihren Blick von Kid abwendet und einen Tadelnden Richtung Black Star wirft. Zufall? Ich fürchte nicht.
Kid räuspert sich: „Du hast recht. Guten Abend, Laurence. Unglaublich, dass jemand wie du auf Etikette wert legt.“ Seine Stimme ist ruhig und gefasst, als ob man einen Schalter umgelegt hätte. „Kein Grund mich gleich zu beleidigen. Außerdem weiß ich gar nicht was du meinst?“ flötet sie und zieht die Augenbrauen hoch. Langsam aber grazil macht sie einige Schritte auf uns zu, doch wendet den Kopf Richtung Ost-Flügel als sie etwa fünf Meter vor Kid steht und die Hände (?) vor ihrem Bauch faltet.
„Du weißt was ich meine“ antwortet Kid eisern und nickt in ihre Blickrichtung.
Der Ausdruck auf Laurences Gesicht hat sich urplötzlich verändert und ich verspüre Genugtuung. All ihr Selbstbewusstsein ist für einen Moment versiegt und sie schaut leicht panisch drein. Doch dann lächelt sie, wendet den Blick wieder zu Kid und sagt seelenruhig:
„Ich glaub ich muss mal mit deinem Vater reden. Eure Allianz der Gutmenschen war noch nie besonders freundlich-“, ich unterbreche sie mit einem Schnauben, dass sie kurz aus dem Tritt bringt, „-uns gegenüber, aber einbrechen UND Eigentum stehlen, dass ist nun echt nicht die Art von Erziehung die ich erwartet habe.“
„Dass du es wagst von Eigentum zu sprechen!“ zischt Black Star lautstark und macht zwei Schritte auf sie zu. Kid hebt die Hand ohne seinen Blick von Laurence abzuwenden um zu signalisieren, dass wir ruhig bleiben sollen. Mir juckt es in den Fingern dieser Schlange den Hals umzudrehen und auch der Schaft der Sense wird brennend heiß. Aber Befehl ist Befehl.
„Wie willst du es denn sonst nennen? Ach, warum diskutieren wir eigentlich…“
Für einen Bruchteil einer Sekunde war sie verschwunden, doch ein leises Wusch! lässt mich herum fahren.
Laurence steht mitten im Dreieck, dass Kid, Black Star und ich bilden. Vom Nahen ist sie noch hübscher, doch beim Anblick ihrer schwarzen Finger wird mir schlecht.
„Es ist eh zu spät“ sagt sie und kann sich ein fieses Lachen nicht verkneifen. Sie lässt den Blick erwartungsvoll durch die Runde wandern, als würde sie erwarten, dass wir mitlachen würden. „Nichts ist zu spät solange wir hier sind um dich aufzuhalten“ antwortet Black Star bissig.
„Ach das nützt nichts mehr! Mein Plan ist vollendet und außerdem … ihr drei gegen mich? So verzweifelt ist der Shinigami etwa?“ Beim nächsten Satz richtet sie sich einzig an Kid und ich muss mich anstrengen um zu hören, was sie sagt. „Er hat nicht etwa dich; seinen eindeutig zu jungen, zu unerfahrenen, zu feigen Sohn geschickt?“
Bevor Kid überhaupt den Kloß in seinem Hals runterschlucken kann fauche ich: „Glaub mir Laurence, du wirst hier nicht erhobenen Hauptes rauskommen! Nicht nachdem du den Kindern so etwas antust und unsere Fähigkeiten unterschätzt!“
„Ach, du kannst auch sprechen? Nun, dann sag doch was ich getan haben soll!“ faucht sie zurück. Blöderweise, weiß ich es tatsächlich nicht.
Die junge Hexe lächelt befriedigt. Eine lange Pause entsteht, die nicht enden will und mir wird immer kälter. „Nun, ich will es euch sagen – sonst sterbt ihr ja, ohne es zu erfahren! Das wäre nun wahrlich ein Jammer, oder etwa nicht?“
Soul in meinen Händen knurrt so sehr, dass meine Hände zittern. Auf Telepathieebene spüre ich, wie ungeduldig auch die anderen sind. Wir wollen nicht reden, wir wollen kämpfen! Nur Kids Seelenschwingungen bleiben mir verborgen. Er macht doch keinen Ego-Shooter daraus, oder? Laurence derweilen spitzt die Lippen vergnügt, dreht uns den Rücken zu und beginnt mit einem tadelnden Monolog:
„Nun, dass unserer Streben nach Macht mit Wahnsinn einhergeht, scheint eurem Metier schon immer ein Dorn im Auge gewesen zu sein. Aber mir widerstrebt es etwas, von diesem Ziel abzulassen. Gut, den letzten Kampf habt ihr gewonnen – zugegeben. Sehr heldenhaft in den Augen der Menschen. Deswegen habe ich mir gedacht,-“, damit dreht sie sich schwungvoll zu uns um, „was, wenn es keine Helden mehr gibt?“ Ihre rhetorische Frage widert mich so sehr an, dass ich den Blick kurz von ihr abwenden muss. Wie selbstverliebt kann man denn sein? Die Rede hat sie bestimmt schonmal vor dem Badezimmerspiegel geübt.
„Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Ich musste quasi dafür sorgen, dass es Leute wie euch nicht mehr gibt. Unkraut jätet man schließlich auch mit der Wurzel.“ Ihr Grinsen ist noch ekelhafter als ihr Monolog. Ich kann Hexen nicht leiden, aber das bedeutet nicht, dass ich ihnen jegliche Selbstwürde raube, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.
In mir kocht die Wut hoch, die aber droht in Verzweiflung umzuschlagen, weil ich nichts machen kann. Sobald Kid uns frei gibt, verliert Laurence in einem Sekundenbruchteil ihren Kopf.
„Ich musste lange suchen, musste es aushalten unter Menschen zu leben, musste mich ihnen anpassen, um dann endlich ein Versuchsobjekt zu finden. Das kleine Menschenkind … wie war noch mal ihr Name?“ fragt sie Black Star, der ja zuvor so wütend geworden war.
„Oh Laurence, tu nicht so als ob du so gefühlskalt wärst – du kennst ihren Namen: Ella. Ich kann ihn dir auch buchstabieren, dass dein Erbsenhirn nicht überfordert wird! E-L-L-A!“ Kid und ich werfen uns einen vielsagenden Blick zu und müssen grinsen. Wenigstens Black Star bleibt wer er ist.
„Stimmt. So schwer sich zu merken, bei all den Versuchen, die wir durchführen mussten. Nun also, Ella ist quasi unser ‚missing link‘ gewesen, den wir brauchten. Ich vermute ihr kennt euch nicht so mit Hexenmagie aus – um es kurz zu machen: Ich habe einen Teil von Ellas Seele rausgerissen, um sie normal zu machen. Kein schöner Anblick, aber man tut, was man tun muss“ sagt sie gleichgültig und schulterzuckend.
„Du Monster!“ schreie ich ohne wirklich nachzudenken. Einem sechsjährigen Kind einen Teil der Seele wegzunehmen ist grauenhaft, unmenschlich, sadistisch, und … ! Auf der anderen Seite der halle höre ich, wie Black Star anfängt sie Sicheln zu schwingen und wie sie in der Luft klirren. Es ist unheimlich kalt.
„Damit kann ich leben“ antwortet sie mir zischend. „Viel wichtiger ist, dass ihr das nicht mehr tun werdet. Denn bereits eine geringe Menge des Gifts – das wir durch Ellas Hilfe entwickeln konnten – reicht aus, um in Zukunft alle Kinder immun gegen eure Mutationen zu machen! Und da reicht schon ein kleines Stück Schokolade …“
Ihr Lachen ist anwidernd. Die Sicheln höre ich bevor ich sie sehe, doch Laurence duckt sich leider zu schnell weg. Black Star fängt die fliegende Waffe und kräuselt enttäuscht die Stirn.
„Das hättest du lieber nicht tun sollen“ flüstert Laurence drohend.


-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Nun, ich präsentiere die Einleitung zum Show-Down! Es sieht etwas wenig aus, obwohl es drei Seiten waren? Nun ja, ich hoffe es gefällt euch trotzdem!
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