Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Darcys auf Pemberley Teil XXVI

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
30.08.2018
04.10.2018
30
44.043
16
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
30.08.2018 1.861
 
Die Eltern, deren Kinder nach Kympton zur Schule mussten, standen früh auf. Allerdings kam dann noch George hinzu.
„Da Susan und ich sowieso nach Kympton fahren, können wir die Aufsicht übernehmen. Wenn ich eine Sechserkutsche bekomme, sollten wir alle genügend Platz haben. Die Sechser für die Schulkinder und meine Vierer für Susan, Agatha und mich. Dann könnt Ihr hier noch gemütlich zum zweiten Frühstück bleiben.“
In Anbetracht dessen, dass sie sich dann noch gemütlich mit den Freunden und Verwandten aus dem Süden unterhalten konnten, nahmen Fitzwilliam und Elizabeth das Angebot dankbar an.
Auch Edmund musste bedauernd noch vor dem zweiten Frühstück zum Gericht aufbrechen.

*

Emily fragte: „Was würdet Ihr jetzt eigentlich machen, wenn Ihr in Mansfield oder auf Pemberley wärt?“
„Das gleiche wie hier: frühstücken, allerdings nicht in einer so anregenden Runde. Die Töchter sind verheiratet und die Söhne in der Schule. Es ist also sehr still. Ich bin meinem Gatten aber dankbar, dass er sich nicht hinter der Zeitung versteckt, sondern sich mit mir unterhält“, erklärte Jane bereitwillig.
„Wir machen auch das gleiche wie jetzt: frühstücken. Später kümmere ich mich dann um die Geschäftsbriefe und Elizabeth macht eine Liste, wen sie in diesem Jahr zu Weihnachten einladen wird“, gab Fitzwilliam Auskunft.
„Na, dann wird es zumindest für Elizabeth heute langweilig werden. Das mit den Einladungen können wir uns doch sparen, nicht wahr? Wir fragen jetzt einfach in die Runde.“ Hier stockte Eliza ganz kurz. „Wer von den Gästen des letzten Jahres möchte dieses Jahr wiederkommen?“
Alle meldeten sich.
„Gegenprobe?“
Keiner meldete sich.
„Gut, dann muss jetzt nur noch ein Brief an Mrs. Collins geschrieben werden, wenn mich nicht alles täuscht – und die, die dieses Jahr neu eingeladen werden sollen. … Und ich hätte diese Abstimmung vielleicht lieber Elizabeth und Fitzwilliam überlassen sollen, aber nun ist es zu spät.“
Eliza war uncharakteristisch rosa.
Die Adligen sahen ein wenig verwundert auf Mrs. Heathcoat, aber diejenigen, die Eliza nun schon seit Jahren kannten – gut kannten, lachten nur herzlich über ihren Vorstoß. Ihr Vater schüttelte den Kopf.
„Ich finde es ja beruhigend, dass Dein Gatte Dich auch noch nicht erziehen konnte. Dann muss ich mir das wenigstens nicht als persönliches Manko ankreiden.“
Er setzte dazu eine Leidensmiene auf, aber seine Augen funkelten dabei – und gewiss nicht wütend.
Um es für Eliza nicht zu unangenehm werden zu lassen, fragte Elizabeth nun: „Ich weiß, dass dazu eine große Organisationsarbeit gehört hat, die wundervolle Feier gestern Abend für uns auf die Beine zu stellen. Wie seid Ihr nur auf die Idee gekommen?“
„Mama, die Idee hatte ich schon vor Michaelis, und Edmund hat dann gleich einen großen Plan entworfen und die notwendigen Briefe geschrieben. Schließlich mussten unsere Gäste aus dem Süden so frühzeitig informiert werden, dass sie den Urlaub regeln konnten. Er hatte auch die Idee mit Deiner Robe.
Dann erzählte ich George und Susan davon, und Susan erklärte, dass ihre Eltern am gleichen Tag Silbernes Jubiläum hätten. Daraufhin trug ich ihr auf, irgendwie dafür zu sorgen, dass Tante Jane in einer silberfarbenen Robe erscheint. Aber ganz naiv tun, nichts von einer Feier sagen.“
Besagte Tante sagte nun: „Sie hatte nur gesagt, dass Du eine Abendgesellschaft geben willst, für die eine hellgraue oder silberfarbene Robe toll wäre. Von Hochzeitstag hat sie nichts erwähnt. Aber wir konnten uns das schon denken. Das ist der Vorteil einer Doppelhochzeit: Man vergisst das Datum der schwesterlichen Hochzeit nicht. Wir haben die letzten Jahrestage nicht mehr groß gefeiert und hatten nur einmal vage angesprochen, ob wir das in diesem Jahr anders halten sollten. Nun, wenn wir uns an diese Feier anschließen konnten, ohne darauf hinzuweisen, also sozusagen heimlich, hatten wir nichts dagegen. Eine Abendgesellschaft war doch auf alle Fälle schöner als ein Essen zu zweit. Susans Vorschlag, silberfarbenen Stoff für die Robe zu wählen, fanden wir sehr passend. Dann sagte sie noch, wir sollten doch bitte nicht über Pemberley fahren, weil noch nicht klar wäre, ob und wie Elizabeth und Fitzwilliam dazu kämen. Das war eine nicht so geschickte Ausrede, aber wir konnten uns denken, dass sie überrascht werden sollten. Tja, und dann waren wir letztendlich selber die Überraschten.“
Charles ergänzte nun: „Ich gestehe, dass ich ein wenig verletzt war, weil Susan sich für diese Planung einspannen ließ, ohne daran zu denken, dass es ja schließlich auch unser besonderer Tag war. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie nur so gedankenlos tat, damit wir auch überrascht werden konnten. Hat man Euch unter dem Vorwand hierher gelockt, uns zu feiern, Darcy?“
„Nein, Onkel Charles, das konnte ich nicht machen. Warum sollte ich denn als Deine Nichte das Fest geben und meine Eltern dabei vergessen? Ich habe ihnen einen Brief geschrieben, dass ich sie ganz dringend zu einer großen Abendgesellschaft erwarte. Ich hatte einerseits darauf gebaut, dass sie mich nicht im Stich lassen würden, und andererseits gebangt, dass sie sich ein so tolles Programm für den Abend überlegt hatten, dass sie eine Absage riskieren würden. Ich war selig, als ich die beiden Kutschen in der Einfahrt sah“, erzählte Lady Jane anstelle ihrer Eltern.
„Und wie hat das mit der Robe geklappt?“
„Edmund hatte mir an einem Sonnabend gesagt, dass es doch ein wundervoller Einfall wäre, wenn ich meiner Gemahlin eine farblich passende Robe zum Hochzeitstag schenken würde. Ich hatte ihm keine feste Zusage gegeben, weil ich mich erst einmal mit der Idee anfreunden musste. Er vertraute darauf, dass sie sich in mir festsetzen würde. Am Sonntag fand ich die Idee schon passabel und am Montag war ich sofort losgefahren, um alles in die Wege zu leiten. Bevor ich den Stoffkauf getätigt hatte, war ich schon zu der Überzeugung gelangt, dass ich mich eigentlich auch passend einkleiden sollte. Auf Deine aparte Idee, Charles, ein Duplikat meines Hochzeitsanzugs fertigen zu lassen, war ich wirklich nicht gekommen. Ich fand die Idee inzwischen reizvoll, aber da wir uns für den Abend nichts weiter vorgenommen hatten, hätten wir uns zu unserem eigenen Abendessen eben umgekleidet, um den besonderen Tag zu markieren“, erklärte nun Fitzwilliam.

Die Duchess of Marlborough beobachtete ihre eigene Tochter, die mit leicht geöffnetem Mund von einem Sprecher zum anderen sah, als ob sie die Informationen trinken und damit besser verinnerlichen könnte. Mal sehen, welche Idee sie in zehn Jahren haben würde – nein, es waren ja nur noch neun!

Die Duchess of Gloucester war erstaunt, dass Lady Jane die Planung selber übernommen hatte. Sie hätte – wäre ihr jemals so eine Idee gekommen – die Haushälterin mit der Planung beauftragt.
„Was war Eurer Meinung nach das Schwierigste an der Organisation?“
„Das Schwierigste habt Ihr gestern alle mitbekommen: Wie macht man einer Dreijährigen klar, dass Jubiläum nichts mit jubeln, also kreischen, zu tun hat.“
Fürstin Dupres lachte: „Ja, das war wirklich schwierig, wobei ich nicht ganz verstanden habe, wieso.“
„Wenn die Schuljungen in die Ferien kommen, werden sie mit etwas begrüßt, was sich Jubel nennt, aber, ehrlich gesagt, eher ein Kreischen ist. Wenn Silvia dabei ist, rennt sie immer freudig mit, zum Karach machen, wie sie sagt. Letztes Jahr machte sie noch Kach, jetzt ist es Karach – und ich habe den Verdacht, wenn ihr eine Steigerung der Lautstärke gelingt, wird sie dafür noch eine Silbe dranhängen.“
„Und das stört Euch nicht, Lord Darcy?“
„Nicht, wenn die Begrüßung im Freien stattfindet. Dann fliegen ein paar Krähen entsetzt auf und fliehen nach Schottland. Leider kommen sie aber immer wieder zurück. Im Haus habe ich allerdings die Order gegeben, dass die Begrüßung leise und gesittet vor sich zu gehen hat, damit das Dach nicht abhebt. Bisher hat es immer geklappt.“

Anne musste sich sehr beherrschen, um nicht laut aufzulachen. Sie konnte sich noch gut an eine sogenannte ruhige Begrüßung erinnern, die sie vor ungefähr sechs Jahren einmal miterlebt hatte.
Dann sagte sie: „Wir sollten uns bemühen, am 19. Dezember auf Pemberley einzutreffen, damit wir das Empfangskreischen am 20. miterleben können. George, lass Dir etwas wegen Walter und Lewis einfallen.“
„So kurz vor den Endexamina möchte ich Walter nicht gerne vorzeitig aus der Schule nehmen. Wir werden uns überlegen, wem Du Dich mit Louisa anschließen kannst, dann bleibe ich im Süden, bis die Schule aus ist, und komme mit den Jungen nach.“
Der junge Gutsherr meldete sich nun zu Wort: „Wenn Ihr nach Longbourn kommt, kann ich Euch begleiten. Ich kann natürlich auch nach London kommen und Euch ab da begleiten. Das können wir ja noch brieflich regeln.“
Heathcoat sagte: „Ich schlage vor, wir kommen aus Hempstead Park nach London, nehmen da Schwiegermama und Schwägerin auf und fahren weiter nach Longbourn. Ob Markwood oder Windham sich dann uns anschließen, ist noch zu überlegen. Da sie aber auch Schuljungen haben, ist es für Walter und Lewis vielleicht schöner, wenn sie ebenfalls abwarten und nur die Damen vorausfahren lassen. Für männlichen Begleitschutz ist dann ja gesorgt.“
Mit dem Plan erklärten sich alle einverstanden.
Dann sagte Canterville: „Eine Sache wollte ich übrigens gestern Abend nicht erwähnen, weil ich nicht abschätzen konnte, wie sich diese Nachricht auf die Stimmung der Gäste auswirkt: Wir werden dieses Jahr nicht in Hampton Court Weihnachten feiern können. Mir wurde mit der Genehmigung des Urlaubs eine Einladung zum Diner bei Hofe am 24. überreicht. Somit wird die Bescherung in London sein, mit sämtlichen Weiterungen, da eine Anreise direkt vor der Bescherung indiskutabel ist.“ 'Weiterungen' verwendete er, um einen Proteststurm der Kinder zu vermeiden.
Er sah die betroffenen Gesichter seiner Verwandten und war froh, dass er Emilys Rat vom Vorabend gefolgt war. Bis zum nächsten Familientag hatten die Gemüter sich wohl wieder beruhigt.

*

Um die Mittagszeit herum verabschiedeten sich dann die Stanfolks, die Malcolms, die Bingleys, die Crenshaws und auch die Darcys. Tobi und Sarah wollten noch für zwei Tage nach Mansfield fahren. Als Elizabeth davon hörte, lud sie 'alle vom Gut Bingley' zum Abendessen am Sonnabend ein.
„Ich überlasse es natürlich Euch, wann genau Ihr kommen wollt, aber das wäre für Euch eine so schöne Gelegenheit, Susan und George wiederzusehen.“
Walter Gardiner begleitete seine Cousine an die Kutsche. Er druckste ein wenig herum, wusste nicht, wie er die Bitte, die ihm auf der Seele lag, am besten vorbringen konnte.
Fitzwilliam machte es ihm leicht.
„Walter, ich glaube, Dein Daniel wird am meisten unter den veränderten Bedingungen zu Weihnachten leiden, weil er doch alleine nicht gut geselligen Trubel veranstalten kann. Wenn Du willst, bekommst Du ebenfalls eine Einladung nach Pemberley. Wir haben zwar schon sehr viele Kinder, die zehn Jahre und älter sind, aber auch, wie Du bemerkt hast, fünf Kinder, die noch lange nicht zur Schule gehen und drei Babys. Das wäre doch was für Daniel, nicht wahr?“
Elizabeth ergänzte: „Und Deine Eltern und Geschwister werden dann auch eingeladen. Und wir haben seit einigen Jahren den schönen Brauch eines Neujahrsballes.“
Walter strahlte: „Ich muss das natürlich erst einmal mit Alice besprechen, aber ich würde die Einladung liebend gerne annehmen.“

*

In der Kutsche sagte Mr. Bennet: „Ich hatte ja erst Angst vor einem so bewegten Jahr, aber ich muss sagen, es hat mir gutgetan. Ich werde mit dem Arzt sprechen, ob er es für vertretbar hält, wenn ich im Februar nach Longbourn fahre, um zuzusehen, wie Charles sein Gut übernimmt. So einen wichtigen Tag würde ich gerne persönlich miterleben, statt nur in Erzählungen.“

*

Auf Pemberley ordnete Elizabeth an, dass das für den Donnerstagabend vorgesehene Festessen am Sonnabend nachgeholt werden solle.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast