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The Parallax  - Der letzte Überlebende

von XLynn777X
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
30.08.2018
30.08.2018
1
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Kapitel 1 – A New Friend


„Hallo?“

Nervös sah David auf sein Handy.
Würde ihm endlich jemand antworten? Nach all den Monaten?
Er glaubte nicht mehr daran. So oft hatte er versucht, andere Menschen, andere Überlebende, zu erreichen, und nie hatte er eine Antwort bekommen.
Er seufzte und ließ das Handy sinken. War enttäuscht, obwohl er es hätte wissen müssen.

Brrp Brrp.

Vor Schreck hätte David fast sein Handy fallen lassen.
War das...? Konnte es sein...?
Er sah aufs Display. Tatsächlich... Eine Antwort! Er konnte es kaum glauben. Er hatte tatsächlich eine Antwort bekommen.

„Wer ist da?“

„Erhältst du meine Nachrichten? Kannst du mich verstehen? Bitte nicht weggehen!“

Vor Aufregung hatte er sich gleich mehrmals vertippt und das Antworten dauerte länger als ihm lieb war.
Er schluckte, während er auf sein Handy starrte. Seine Hände zitterten, er hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen.

„Wer ist denn dort?“

„Oh, Gott sei Dank! Endlich!“

Die Person am anderen Ende schien echt zu sein. Er war nicht alleine!
Der Kloß in Davids Hals löste sich und er hatte wieder das Gefühl, atmen zu können. Das Zittern jedoch blieb.

„Mein Name ist David Blythe. Und ich bin der letzte Überlebende.“

Oder anscheinend nicht ganz der letzte, dachte David sich, während er die SMS abschickte.

„Der letzte Überlebende? Von was?“

Von was? Stellte diese Person sich dumm oder wusste sie vielleicht wirklich von nichts?
War eventuell doch nicht die ganze Welt von der Katastrophe betroffen?
Das Zittern seiner Hände hatte nachgelassen.

„Von was? Ähm, der großen Katastrophe? Der Apokalypse? Armageddon? Der tötlichen Seuche? Du weißt schon, Weltuntergang und so?“

„Du bist ja lustig... Gut im Verdrängen, was? Würde ich auch gern so gut können...“

Er konnte nicht anders als ein wenig zu provozieren.
Es konnte einfach nicht wahr sein, dass diese Person nichts von der Seuche mitbekommen hatte.
Die ganze Welt war davon betroffen, oder?

„Und du hast überlebt?“

David sah ungläubig auf die neue Nachricht und zögerte einen Moment. Dachte darüber nach was er darauf antworten sollte.

„Das war nicht einfach, kannst du mir glauben....“

„Als es losging habe ich mich in meiner Wohnung eingeschlossen. Keine Ahnung, wahrscheinlich hatte ich einfach nur Glück. Es lief in letzter Zeit nicht so gut. Ich hatte meinen Job verloren und so ohnehin keinen Grund raus zu gehen. Wer weiß, vielleicht wäre ich ansonsten bei einer so dummen Gelegenheit wie 'auf dem Weg zur Arbeit' infiziert worden. So brauchte ich aber nur die Tür abzuschließen.“

„Dann habe ich abgewartet. Was hätte ich schon machen sollen? Ich konnte nur am Fenster stehen und zusehen, wie sie unten wie die Fliegen wegsterben.“

„Und dann kamen die ersten dieser Monster. Die Untoten. Die SH311. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie sich verwandeln. Es war grauenvoll.“

„Als ich mir sicher war, dass aus meinem Haus niemand mehr am Leben war, habe ich die Nachbarwohnungen nach Essbarem durchforstet. Viel habe ich nicht gefunden. Ein paar Konserven, Fertiggerichte und unten bei Mrs. Crawley stapelweise selbstgemachte Marmelade. So habe ich überlebt.“

„Das war vor 6 Monaten. Ich bin der Letzte hier. Der letzte Überlebende.“

Nachdem David die Nachrichten abgeschickt hatte, hätte er sich am liebsten in den Arsch gebissen. Warum schrieb er denn gleich so viel? Bestimmt hatte er seinen einzigen Gesprächspartner jetzt schon vergrault - oder zu Tode gelangweilt.

„SH311?“

Eine knappe Antwort, aber immerhin eine Antwort. Er hatte ihn nicht verjagt.

„Den Namen hat man ihnen hier gegeben... Keine Ahnung, Zombies... Untote... Nenn es wie du willst. Hier hat man nur von den SH311 gesprochen.“

„Weil es doch dieses Statement von der Gesundheitsbehörde gab. Man möge doch bitte nicht Hollywood-Fiktionen mit der Realität verwechseln. Etwas wie Zombies gäbe es doch gar nicht und die Vorfälle seien ausschließlich medizinisch zu erklären.“

David schnaubte verärgert. So ein Schwachsinn!

„Medizinische Erklärung am Arsch. Die Realität toppt jeden Hollywood-Streifen. Einer nach dem anderen ist krepiert. Erst hat sie das Militär noch weggeschafft. Irgendwann waren es zu viele. Dann brach alles zusammen. Man hat sie einfach liegen lassen. Jetzt laufen sie da draußen rum.“

David war etwas beruhigt, dass diese fremde Person anscheinend so interessiert an seiner Geschichte war und noch nicht aufgehört hatte, ihm zu schreiben. Wenn es überhaupt ein Mensch war.

„Und wie hast du mich gefunden?“

Das nächste Thema, das schwierig zu erklären war.
Zumindest war es für die meisten anderen schwer zu verstehen, weil sie sich nicht so gut mit Technik auskannten wie er.

„Ich wollte natürlich nicht wahrhaben, dass es irgendwo da draußen nicht doch noch andere wie mich geben müsste. Jedoch wusste ich nicht, wo ich suchen sollte. Die Wohnung zu verlassen war mir außerdem zu riskant. Also habe ich diese Anlage gebaut. Ich habe das Smartphone an den Computer angeschlossen und ein kleines Programm geschrieben.“

„Das erstellt eine Liste aller denkbaren Rufnummern-Kombinationen und schickt automatisch an jede eine SMS, in der Hoffnung, dass ich so mit anderen Überlebenden in Kontakt treten könnte.“

„Nichts. Keine Reaktionen. Ich habe Millionen Anschlüsse durchprobiert, außer dir hat niemand geantwortet.“

Er hoffte, dass er es möglichst verständlich rübergebracht hatte.
Aber vielleicht war das auch gar nicht so wichtig. Ihm fielen noch so viele Fragen ein, die er in dieser Situation stellen würde.
Gespannt wartete er ab. Das erste Mal seit langem war David wirklich aufgeregt.
Die letzten Monate waren so unglaublich eintönig gewesen.

„Wie soll das auch funktionieren? Die Netze und Geräte sind doch bestimmt nicht mehr intakt.“

David lächelte sogar ein wenig, als er diese Frage laß.
Er hätte wahrscheinlich genau die gleiche Frage gestellt. Außerdem mochte er das System, das es ermöglichte, dass all das noch funktionierte.

„Noch sind grade mal 6 Monate vergangen, es gibt also bestimmt noch Geräte, die funktionstüchtig sind. Und bei den Netzen bin ich mir sogar sicher. Immerhin schreiben wir uns doch in diesem Moment, oder?“

„Man hat vor einigen Jahren intelligente Stromnetze aufgebaut, die sich vollautomatisch verwalten und warten. Das war damals ein riesen Ding. Aufgrund des Energiewandels war man gezwungen, die alten Leitungen durch kluge Systeme zu ersetzen, um die Versorgung Tag und Nacht sicherzustellen.“

„Dezentrale Netze hat man das genannt, mitdenkende Versorgungssteuerung, autarke Kontrollsysteme. Man hat Milliarden in Mikrodrohnen investiert, die die elektrischen Komponenten selbstständig am Laufen halten. Und dann weitere Millionen in Mikrodrohnen, die die Mikrodrohnen reparieren.“

„Ein gigantischer Aufwand. Aber allem Anschein nach, war es erfolgreich. Obwohl schon vor Monaten alles andere zusammengebrochen ist, die Energie- und auch Kommunikationsnetze sind nach wie vor online.“

David fragte sich, wo die Person herkam, mit der er grade Nachrichten schrieb. Bei ihr schien es keine dezentralen Netze zu geben. Anscheinend war sein Land in diesem Bereich weiter entwickelt.Für sie musste das alles unglaublich klingen, spannend und vielleicht sogar fiktiv.
Er versuchte, sich in die Lage seines Gesprächspartners zu versetzen. Würde er all das glauben oder würde er es nur für die durchgedrehte Fantasie eines Verrückten halten?

„Was hast du jetzt vor?“

Anscheinend war das nicht der Fall.
Oder aber er versuchte, abzulenken - gerade weil er ihn für verrückt hielt.

„Was soll ich vorhaben? Ich werde weitermachen, weiterhin bei jedem Geräusch zusammenzucken, weiterhin nachts wach liegen und mich fragen, wie es zu all dem kommen konnte.“

„Je nachdem wie gut ich meine Vorräte rationiere, werde ich für mehrere Tage oder sogar Wochen zu Essen haben. Dann werde ich hier verhungern. Oder ich breche mir bei einem dummen Zufall ein Bein und verblute ohne Hilfe. Vielleicht erwischen mich aber zuvor auch die die SH311 und bereiten dem Ganzen ein schnelles Ende.“

Was gab er da nur von sich? Sein Gesprächspartner musste ihn jetzt nicht nur für verrückt, sondern auch noch für total depressiv halten.
Schnell tippte er eine weitere Nachricht.

„Aber immerhin habe ich dich gefunden! Das macht mir Hoffnung.“

„Warte mal, da war was!“

David hatte ein Geräusch gehört. Es klang, als würde es von draußen kommen.

„Wo?“

Die Antwort kam schnell.

„Ich hab' etwas gehört. Unten auf der Straße. Moment, ich seh mal nach.“

„Du gehst ja nicht weg, oder?“

Er musste sich einfach vergewissern, dass er nicht gleich wieder komplett alleine war. Endlich hatte er jemanden gefunden. Allein der Gedanke, dass er wieder alleine sein könnte, brachte ihn fast zum Weinen.

„Keine Angst, ich bin da.“

David schluckte und atmete tief durch, ehe er aus dem Fenster sah.
Vor seinem Haus versammelte sich bestimmt ein Dutzend SH311. Wo kamen diese Monster jetzt her? Monatelang hatte er seine Ruhe vor ihnen gehabt. Wieso versuchten sie ausgerechnet jetzt, dieses Haus zu stürmen?

„Oh nein, vor dem Haus haben sich ein Dutzend SH311 versammelt. Sie versuchen, die Eingangstür aufzubrechen. Wenn sie das schaffen, sitze ich hier in der Falle.“

Ihm wurde mulmig.
Sollte es jetzt wirklich vorbei sein? Jetzt, wo er endlich jemanden erreicht hatte?
Ja, das würde zu seinem Leben passen.

„Bleib in deiner Wohnung. Vielleicht bemerken sie dich nicht.“

Etwas ungläubig starrte David die Nachricht an, die grade auf seinem Handy erschienen war. Versuchte dieser Fremde etwa grade, ihm Tipps zu geben? Ihm zu helfen, dass er überleben konnte?

„Das war meine Taktik für die gesamten letzten Monate. Darin bin ich gut. Aber ich frage mich, wieso die jetzt plötzlich in so einer Masse kommen.“

„Oh shit! Sie haben die Tür unten bereits aufgebrochen. Der äußere Verteidigungswall ist gefallen! Alle Mann zurück in den Bergfried!“

David wurde etwas panisch. Jetzt, da die SH311 im Hausflur waren, würde es sicher ein leichtes für sie sein, auch die Wohnungstür zu durchbrechen, da diese lange nicht so stabil waren wie die Haustür unten.

„Schön, dass du deinen Humor nicht verloren hast.“

Er schnaubte, als er diese Nachricht las.
Sonst war ihm ja auch nicht viel geblieben. Außerdem hatte es ihn in Hochstimmung versetzt, endlich nicht mehr ganz alleine zu sein.

„Ich lebe seit Monaten wie ein Tier. Mein Humor ist das einzige, was mich noch von diesen Monstern unterscheidet. Und wenn ich draufgehe, dann mit Humor!“

„Aber, hier, ich habe noch einen Witz auf Lager. Angesichts der gegenwärtigen Situation habe ich drei Möglichkeiten:“

Um es spannender zu machen beschloss er, jede Möglichkeit als eine einzelne Nachricht zu versenden. Es würde ihm sowieso niemand mehr eine Handyrechnung schicken.

„Ich kann entweder hier warten, bis sie mich früher oder später finden und bei lebendigem Leibe verspeisen...“

„Ich kann mir bei dem Versuch, über das Dach zu fliehen, den Hals brechen...“

„oder ich stürze mich, bewaffnet mit einem Deospray-Flammenwerfer in die Meute und sterbe einen glorreichen Heldentod.“


David war gespannt was für eine Antwort er bekommen würde, wie diese Person reagieren und wie sie entscheiden würde. Würde sie ihm sagen, was er tun sollte?

„Sperr die Wohnung ab und sei leise! Vielleicht verschwinden sie von selbst wieder.“

Diese Antwort brachte ihn zum Schmunzeln.
Genau so hätte er selbst auch entschieden. Aber er musste nicht entscheiden! Und das empfand er als unglaublich angenehm.

„Ha, das ist genau mein Motto! Im Zweifel lieber mal schön die Füße stillhalten!“

„Weißt du, was das Problem von all den Cops und Marines und Gehirnchirurgen in Zombie-Filmen ist? Sie können einfach nicht die Füße stillhalten.“

Er fing an, Schwachsinn von sich zu geben. Das lag an der Nervosität, an der Angst, dass die SH311 jederzeit in seine Wohnung stürmen könnten, um ihn zu töten.

„Wir bekommen die Welt da draußen nicht mehr zurück. Die Zeit der Menschen ist vorbei. Ein für alle Mal.“

„Wir können uns nur wie Ratten in den Löchern verkriechen und darauf hoffen, dass uns von Zeit zu Zeit ein paar Brotkrumen vor die Nase fallen.“

Ja, das klang schon wieder mehr nach ihm! Pessimistisch, hoffnungslos, das war David Blythe.

„Was machen die SH311 jetzt?“

David sah erneut aus dem Fenster. Nichts zu sehen.

„Unten vor dem Eingang sind jetzt keine mehr zu sehen. Die ganze Meute muss im Treppenhaus sein. Auf dem Weg zu mir!“

„Die haben mich bestimmt gewittert. Warum sonst sollten sie sich ausgerechnet vor diesem Haus versammeln?“

„Ich verstehe das aber trotzdem nicht. Wieso ausgerechnet jetzt? Und dann gleich so viele? Sie haben mich die ganzen Monate lang in Frieden gelassen und nun kommen sie in so einer Horde. Was geht denn hier vor?“

Er verstand das wirklich nicht.
Sie hätten schon viel früher kommen müssen, wenn es nur die Witterung war. Waren sie aber nicht, also wieso jetzt?

„Hast du die Tür abgeschlossen?“

Anscheinend machte diese Person sich wirklich Sorgen um ihn.

„Ja, fest verschlossen.“

„Ich kann jetzt nur abwarten.“

„Ach, falls das meine letzten Worte sein sollten, denk dir was cooleres aus. 'Ich kann jetzt nur abwarten' ist irgendwie ziemlich lame.“

„Was meinst du, soll ich Möbel vor die Tür schieben? Einerseits könnte sie das davon abhalten, meine Wohnung zu stürmen, aber andererseits will ich keinen Lärm machen und damit die Aufmerksamkeit auf mich lenken.“

Hoffentlich würde man ihm diese Entscheidung abnehmen. Auf der einen Seite würde er sich sicherer fühlen, wenn er ein Schrank vor der Tür stünde, auf der anderen Seite könnte genau das die SH311 zu der richtigen Wohnung locken.

„Ja, gute Idee!“

David atmete tief durch und sah sich kurz um. Was könnte er vor die Tür schieben?
Sein Blick fiel auf eine Kommode.

„Ok, einen Moment.“

Er griff unter die Kommode, hob sie an und... Klirr.
Die oberste Schublade war aus der Kommode gerutscht und einige seiner wertvollen Marmeladengläser, die er aus der Wohnung seiner Nachbarin geborgen hatte, waren auf dem Boden gefallen und zu Bruch gegangen.

„Shit! Shit! Shit!“

Durch diesen unglücklichen Vorfall würde er gezwungen sein, die Wohnung zu verlassen, wenn er nicht verhungern wollte, oder er gab einfach auf. Durch den Lärm hatte er jetzt sowieso seinen Aufenthaltsort verraten und sie würden ihn finden.

„Was ist passiert?“

Wahrscheinlich dachte sein Gesprächspartner jetzt er wäre von Monstern überrannt worden oder etwas Ähnliches.

„Ich wollte die Kommode vor die Tür schieben. Darin habe ich die restlichen Marmeladengläser von Mrs. Crawley gelagert. Früher waren da mal Socken drin, aber wozu brauche ich heutzutage schon noch frische Unterwäsche?“

„Dabei hat sich aber die oberste Schublade gelöst. Muss die Kommode zu stark angekippt haben. Jedenfalls sind mir ein paar Gläser auf den Boden gefallen und zersprungen. Shit!“

„Das haben die bestimmt gehört! Jetzt habe ich meinen Aufenthaltsort verraten.“

„Soll ich dir ein Geheimnis verraten?“

Da es jetzt ohnehin vorbei war, konnte er auch genauso gut mit Smalltalk anfangen.

„Psssst...“

David zog eine Augenbraue hoch.
Egal, ob er Nachrichten schrieb oder nicht, er gab keinen Ton von sich.

„...“

„Es ist weiterhin alles totenstill.“

„Wobei...“

„Wenn man jetzt etwas hören würde, dann wäre es ja auch totenlaut, nicht wahr?“

„Verstehst du? Die Un-TO-TEN kommen und dann ist es TO-TEN-laut und wenn sie nicht kommen ist es TO-TEN-still. Verstehst du? Verstehst du? Hahaha.“

Er ließ seinem Gegenüber gar keine Möglichkeit auf die Nachricht, auf seinen Witz, zu reagieren, sondern erklärte ihn direkt. Nach 6 Monaten der Einsamkeit war er es einfach nicht mehr gewohnt, dass ihm jemand zuhörte, weswegen er viele Selbstgespräche führte, auch jetzt, in dieser Situation.

„LOL“

War das Sarkasmus?
Doch David hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, er hatte etwas gehört.

„Da war was!“

Natürlich hielt er den Fremden auf dem Laufenden über das, was geschah. Irgendjemand musste ja sein Ende für die Nachwelt festhalten – falls irgendjemand überleben sollte.

„Kommen sie?“

Er lauschte einen Moment, bevor er eine weitere Antwort tippte.

„Ich glaube, ja. Schritte auf den Treppen. Fiese schlurfende Schritte. Die ganze Horde wälzt sich langsam Stufe für Stufe nach oben.“

„Sie kommen! Sie kommen!“

„Jetzt sind sie auf meiner Etage. Ich habe mich im Klo verkrochen. Das ist nach innen gelegen und sie sind direkt auf der anderen Seite dieser Wand. Ich kann beinahe hören, wie die Würmer durch ihre Schädel kriechen.“

Es schauderte ihn während er die Worte schrieb, Gänsehaut überzog seine Arme. Wenn sein Glück ihn dieses Mal im Stich ließ, würden bald auch Würmer durch seinen Schädel kriechen.

„Es werden immer mehr. Ich glaube, sie versammeln sich vor meiner Wohnung!“

„Wieso grade hier? Und wieso grade jetzt? Ich verstehe das nicht! Glaubst du, die können mich riechen?“

David wusste, dass dieser Fremde ihm auch keine Antwort auf diese Fragen geben konnte, doch es beruhigte ihn, sie zu stellen.

„Du hättest baden sollen.“

Baden... Er war anscheinend nicht der Einzige, der hier Humor hatte.

„Witzig.“

Eigentlich hatte er noch etwas Anderes schreiben wollen, etwas Lustiges, jedoch wurde er von einem lauten Geräusch abgelenkt.

„Oh verdammt!“

Es klang, als würden sie sich gegen die Wohnungstür werfen.

„Was ist passiert?“

Dieses Mal wunderte ihn die Frage nicht mehr. Er wollte auch gar nicht darüber nachdenken, sondern einfach glauben, dass es jemanden gab, der sich für ihn interessierte.

„Shit, sie werfen sich gegen die Wohnungstür. Die wird nicht lange halten.“

„Die Kommode wackelt auch schon. Das hätte ich mir sparen können. Die hält sie keine Sekunde auf.“

„Das ist das Ende!“

David verlor die Hoffnung.
Wenn die SH311 es in die Wohnung, schafften war er verloren. Das heißt, er war auf jeden Fall verloren.

„Hat mich gefreut, deine Bekanntschaft gemacht zu haben!“

„Hilfeeeeeeee!“

Er legte das Handy zur Seite, kauerte sich zusammen und schloss die Augen.

Brrp. Brrp.

Ihm fehlte die Kraft, auf sein Handy zu schauen, die Kraft, sich zu bewegen. David hatte sich damit abgefunden, hier und jetzt zu sterben.
Es war vorbei.

Brrp. Brrp.

Er hörte noch, wie sein Handy ein weiteres Mal vibrierte, dann wurde es dunkel.
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