True North

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
27.08.2018
12.02.2019
25
158250
38
Alle
90 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
Guten Abend!

Jetzt sind wir tatsächlich hier beim Epilog angekommen. Als ich die Story letzten Sommer angefangen hab zu schreiben, dachte ich niemals, dass ich sie mit 25 Kapitel und in doch so kurzer Zeit beenden würde.
Dazu habt ihr natürlich zum größten Teil beigetragen! Die Motivation, die ihr mir immer wieder mit euren Reviews, Sternchen, Favo Einträgen und den ganzen Klicks gebt, ist unendlich viel wert und ich kann mich gar nicht genug bedanken bei euch allen! ♥

Es ist, wie so oft am Ende einer Gesichte, etwas bittersweet. Einerseits ist es ein schönes Gefühl ein Projekt zu beenden, aber gleichzeitig auch immer seltsam nicht weiter hierran zu schreiben und von euch zu hören.

Ich hoffe aber mal euch wird der Abschluss hier jetzt auch noch gefallen und ihr seht die Zeit, die ihr mit Lesen verbracht habt, nicht ganz so als Verschwendung an.

Man liest sicher wieder voneinander, bis dahin liebe Grüße und 1000 Dank für alles! xoxo

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E p i l o g   –   B e   w i t h   y o u   a l w a y s

I've seen so much in my life
Brightest dawn and darkest night
Every moment led me to this place
And I'll never be the same


Be with you always - Mighty Oaks



Jubelnd riss Freddy die Arme in die Luft und sprang nach vorne auf Joko drauf, der bis gerade nach hinten gelehnt gegen das Sofa gesessen hatte. Lachend umfasste er den Jungen, zog ihn nach vorne und auf seinen Schoß. „Schon wieder ein Tor!“, lachte der kleine Junge und grinste dabei so Klaas typisch, dass es Joko mal wieder kurz den Puls in die Höhe schießen ließ. „4:2! Ich gewinne schon wieder!“

Seine blauen Augen blitzten triumphierend und Joko, der sich in dem Moment vor allem dank dieses Grinsen nicht anders zu helfen wusste, fing an ihn zu kitzeln. Der Kleinere quietschte auf und wand sich lachend auf Jokos Arm, während der erbarmungslos fortfuhr. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, informierte er ihn  dabei. „Wir sind erst in der 70. Minute! Ich hab also noch genug Zeit aufzuholen!“

Gut, natürlich spielte er hier nicht vollkommen ernst und setzte alles dran zu gewinnen, aber ganz mühelos agierte er auch nicht. Klaas‘ Sohn hatte eindeutig diese schnelle Auffassungsgabe seines Vaters geerbt und obwohl das hier erst ihr drittes Spiel war schon einiges verstanden. Vor allem für sein Alter und Joko hielt es auch für möglich, dass er ihn hier noch höher abzog, wenn er nicht aufpasste. Wobei ihm das nicht ganz so sehr weh tat. Zum einen hatte er Freddy nämlich Gladbach überlassen, um ihm direkt mal zu zeigen, welche Mannschaft es drauf hatte und sich selbst mit einem Grinsen für Wolfsburg entschieden, und zum anderen war seine Freude über die Tore so niedlich mit dem breiten Grinsen seines Vaters auf dem Gesicht, dass Joko es kaum egal hätte sein können irgendwie.

Trotzdem ganz blamieren wollte er sich auch nicht und so hielt er Freddy mit seinen Armen auf seinem Schoß gefangen, während seine Spieler sich zum Anstoß aufstellten. „Ey!“, beschwerte dieser sich lautstark , da er natürlich ziemlich machtlos gegen seinen Griff war. „Das ist unfair! Lass mich los!“ Er lachte jedoch immer noch und hing ohne wirkliche Gegenwehr in seinen Armen.

Joko überging diese Forderung und stürmte auf Freddys Tor zu, sobald der Anstoß ausgeführt war. „Jetzt wirst  du zerstört, du Zwerg“, grinste er dabei neckend.

Freddy lachte wieder und schüttelte den Kopf. „Ich werde trotzdem noch… Ha! Ha!“ Er fing wieder lauter an zu lachen und ließ sich gegen Jokos Brust fallen, als dieser es tatsächlich schaffte gegen den Pfosten zu schießen, von dem der Ball ins Toraus abprallte, und seine Chance zu vermasseln. „Oh man…“ Er ließ seinen Kopf nach hinten fallen und stöhnte. „Das kann doch nicht wahr sein…“

Immer noch kichernd richtete Freddy sich in seinem Schoß auf und platzierte seinen kleinen Hände an Jokos Wangen. „Das war echt schlecht.“

Joko musste automatisch wieder grinsen. „Du bist wirklich fast schon so charmant wie dein Vater.“

Freddy kicherte wieder, als Joko ihm einen Finger in den Bauch piekte, griff aber schon wieder nach seinem Controller. Bevor er diesen jedoch erreicht hatte, hörten sie wie die Haustüre aufgeschlossen wurde und ihre Köpfe fuhren zeitgleich herum. „Papa!“, rief Freddy auch sofort aus und sprang von Jokos Schoß, um in den Flur zu sprinten.

Der Ältere lachte, da er diese Reaktion sehr gut nachvollziehen konnte und nicht viel gefehlt hätte, damit er dem kleinen Jungen hinter gerannt wäre. Allerdings wusste er ja, dass die beiden sich auch wegen ihm nicht mehr so viel sahen und, dass Klaas ausgerechnet heute, wo Doris zum ersten Mal auf sie zugekommen war und gefragt hatte ob sie Freddy über Nacht nehmen konnten, da sie für zwei Tage arbeitstechnisch selbst weg war, auch noch bis 18:00 Uhr hatte arbeiten müssen, an ihm genagt hatte. Er wollte nicht, dass Freddy dachte, dass er ihm egal war oder er sich nicht mehr um ihn kümmern wollte. Einerseits hatte Joko diese Angst zwar nachvollziehen können, doch dass Klaas seinen Sohn über alles liebte, das konnte ja wohl jeder sehen und Freddy war sowieso vollkommen ein Papakind, was Joko immer wieder grinsen ließ.

So wollte er ihnen diesen kleinen Moment jetzt auch alleine lassen und beschloss stattdessen schon mal die Konsole auszuschalten. War vielleicht auch besser, wenn Klaas das nicht direkt sah, da er kein großer Fan von Videospielen war und der Meinung, dass sein Sohn sowieso noch zu jung dafür war. Nachdem Klaas ihn von der Vorschule am Mittag abgeholt und dann an der Redaktion an Joko übergeben hatte, hatte er auch noch einen eindeutigen Blick kassiert. Nur waren Freddys Augen riesig geworden, als er dann mit Joko in Klaas‘ und seine Wohnung gekommen war und die Playstation unter dem Fernseher entdeckt hatte. Nachdem sie dann also zusammen die Hausaufgaben gemacht, die er in der Vorschule bekommen hatte, auf dem Spielplatz um die Ecke sich bewegt und dann noch Pizza gemacht hatten, hatte Joko beschlossen, dass es ja auch nicht schaden konnte ein zwei Spiele zu machen. Vor allem da ihm sehr wohl aufgefallen war, dass der Junge immer wieder in Richtung seines Fifa Spiels geschielt hatte. Seine Freude war bei Jokos Vorschlag auch riesig gewesen und so hatten sie sich vor einer halben Stunde ins Wohnzimmer gesetzt und Freddy ihn jetzt drei Mal besiegt.

„…und dann hab ich bestimmt aus 100 Metern ein Tor gegen Joko geschossen und sein Torwart hatte überhaupt gar keine Chance und weißt du was, Papa? Dann hat er mich festgehalten, weil er ein Tor machen wollte und dann hat er nur gegen den Pfosten geschossen und ich konnte gar nichts machen und Joko hat es trotzdem nicht geschafft!“ Klaas kam mit seinem Sohn auf dem Arm ins Wohnzimmer, der natürlich schon dabei war auszuplaudern, was sie verbotenes getan hatten.

„Ach was?“, fragte Klaas dazu auch gerade mit hochgezogener Augenbraue und ihre Blicke trafen sich. „Ich sag dir ja immer, von dem Joko kannst du nicht so viel erwarten.“

Joko biss sich auf die Unterlippe, doch das amüsierte Blitzen in den Augen seines Freundes beruhigte ihn. Freddy kicherte, während Joko den beiden entgegen kam und eine Hand an Klaas‘ Hüfte platzierte, um sich zumindest einen kurzen Kuss zur Begrüßung abzuholen. „Hey“, flüsterte Joko dann noch gegen seine Lippen und Klaas fing an zu grinsen. „Hey.“

Sie sahen sich einen Moment in die Augen und Jokos Herz kam wie so oft in der Nähe dieses Mannes aus dem Rhythmus. Nur waren sie nun mal nicht alleine und Freddy beschloss ziemlich schnell, dass die beiden Männer sich zu viel miteinander und zu wenig mit beschäftigten. „Ich hab alle Spiele gewonnen gegen Joko, Papa! Er hatte gar keine Chance.“

Klaas sah wieder zu seinem Sohn, das Grinsen immer noch auf den Lippen. „Mhm, Joko fertig machen liegt dir ja auch in den Genen.“

Joko lachte leise , während Klaas zwischen den beiden hin und her sah. „Habt ihr denn schon was gegessen?“

Joko öffnete den Mund, doch Freddy war schneller und berichtete aufgeregt: „Wir haben Pizza selber gemacht und auf dich gewartet mit Essen! Ich will nämlich, dass wir alle zusammen essen!“

Joko drehte den Kopf und gab Klaas einen Kuss auf den Kopf, vergrub seine Nase dabei in seinen Haaren, doch war ziemlich machtlos gegen das breite Grinsen auf seinem Gesicht. Diese Tatsache hatte Freddy ihm nämlich schon eröffnet, während sie die Pizza für Klaas belegt hatten. Er wollte mit dem Essen warten bis sein Vater auch Zuhause war, damit sie alle zusammen am Tisch sitzen und essen konnten. Warum wusste Joko nicht so ganz, doch irgendwie ließ ihn das so bescheuert glücklich fühlen, dass er ihm sofort zugestimmt hatte. Irgendwie vermittelte ihm das das Gefühl eine Familie zu sein, mit Klaas und seinem Sohn und, dass der ihn so selbstverständlich akzeptierte, obwohl er ja nun mal irgendwie schuld war, dass seine Eltern sich getrennt hatten, war alles andere als selbstverständlich.

Klaas setzte seinen Sohn jetzt ab und lachte leise, während er übertrieben skeptisch von Freddy zu Joko sah und wieder zurück. „Ihr habt Pizza selber gemacht?“

„Ja!“, bekräftigte der Kleine sofort und schnappte sich jeweils eine Hand der beiden Männer, ohne die gespielte Skepsis seines Vaters wirklich zu bemerken. „Kommt! Ich hab Hunger und will endlich Pizza essen!“

Joko versetzte Klaas, der ihn immer noch deutlich fragend mit einer hochgezogenen Augenbraue ansah, einen Klaps auf den Hintern und zwinkerte ihm zu. „Guck nicht so. Pizza kriege sogar ich hin, Herr Heufer-Umlauf.“

Klaas schnaubte leise, während Freddy sie in die Küche zog, wo ihnen der wirklich einladende Geruch von Pizza schon entgegen schlug.

Als Freddy auf direktem Weg auf den Ofen zu steuerte, mahnte Joko ganz automatisch: „Pass auf!“ Er ließ Klaas los, um seine beide Arme von hinten um den Kleinen zu schließen und ihn sicherheitshalber hoch zu heben. „Das ist heiß. Du verbrennst dich sonst.“

Freddy seufzte theatralisch und drehte  den Kopf, um ihn anzusehen. „Weiß ich doch, Joko! Ich wollte nur durch das Fenster gucken!“

Der schmunzelte über den ernsten Blick, den er eindeutig von seinem Vater hatte und bei dem Fünfjährigen irgendwie einfach nur amüsant war, doch nickte dann schnell. „Okay, wollte nur sicher gehen. Ich schaff es schließlich auch immer wieder mich zu verbrennen.“

Freddy legte den Kopf schief und tätschelte dann plötzlich seine Haare. „Dann muss ich ja eher auf dich aufpassen, oder?“

Klaas, der bis gerade nur breit grinsend neben ihnen gestanden hatte, fing an zu lachen und versuchte eher kläglich das mit einem Husten zu tarnen. Joko schnaubte amüsiert, streckte dem Älteren der beiden die Zunge raus und nickte dann zu Freddy. „Ja, vermutlich wäre das besser… dann lass uns mal nach der Pizza sehen und du passt auf, dass ich mich nicht verbrenne, ja?“

„Ja!“ Freddy grinste zufrieden und nickte zustimmend, während Joko sich mit ihm vor den Ofen hin hockte und ihn auf sein Knie absetzte. Sie sah eindeutig fertig aus, doch trotzdem fragte Joko ihn. „Und? Was denken Sie, Herr Pizza Meister?“

Freddy kicherte leise, was seinen nachdenklichen Blick nicht ganz so überzeugend wirken ließ. „Ich würde sagen Essen ist fertig!“, verkündete er dann aber und Joko richtete sich grinsend wieder mit ihm auf. „Das sind doch gute Neuigkeiten“, erwiderte er dazu.

„Oh ja“, pflichtete Klaas ihm bei, fuhr mit der Hand über den Kopf seines Sohnes und fügte hinzu: „Dann kümmern wir uns da jetzt drum. Du gehst dir aber erst mal die Hände waschen.“

„Okay!“ Ohne Protest drehte Freddy sich sofort um und flitze aus der Küche.

Joko sah ihm noch grinsend nach, als Klaas auch schon vor ihm erschien, die Hände an seinen Wangen platzierte und ihn stürmisch küsste. Joko, der im ersten Moment überrumpelt von dieser Aktion war, wollte sich aber auch nicht beschweren. So erwiderte er den Kuss instinktiv, schlang die Arme um Klaas‘ Hüften und ließ sich bereitwillig rückwärts schieben bis er gegen die Anrichte stieß. Ein leises Seufzen konnte er dabei nicht unterdrücken, als Klaas ihm auch noch die Zunge in den Mund schob und seine Finger sich in sein Hemd krallten. „Danke, Joko!“, nuschelte er zwischen zwei Küssen.

Der Ältere lehnte sich da überrascht zurück und legte fragend den Kopf. „Wofür das denn?“

Klaas seufzte. „Na… dafür, dass du dich heute um Freddy gekümmert hast und so…“

Joko verdrehte die Augen. „Das ist doch selbstverständlich!“

„Nein, ist es nicht und das weißt du…“

„Hey…“ Joko platzierte die Hände an seinen Wangen und sah ihm direkt in die Augen. „Ich liebe dich, Klaas und du weißt wie gerne ich Freddy hab. Solange es ihm nicht zu langweilig wird mit so einem alten Mann wie mir rum zu hängen…“

„Ja, der alte Mann, der ihn alle Regeln brechen lässt, die sein Vater ihm aus gutem Grund setzt!“

Joko lachte. „Regeln brechen ist gesund.“

Klaas schnaubte, doch bevor er hier jetzt eine ernsthafte Diskussion vom Zaun brechen konnte, drückte Joko ihm schon wieder seine Lippen auf. Und hatte damit auch Erfolg, da er überhaupt gar keinen Widerstand mehr leistete und den Kuss enthusiastisch erwiderte. Lange ging das aber nicht und Joko war froh, dass er seine Hand noch auf Klaas‘ unterem Rücken liegen hatte und nicht bereits tiefer gewandert war, als eine helle Stimme sie unterbrach: „Ih! Papa! Papa! Nicht immer knutschen!“

Die beiden Männer lösten sich voneinander und drehten lachend die Köpfe in Richtung von Freddy. „Ihr habt gesagt wir essen was und mein Hunger ist so groß!“, fuhr der auch fort und breitete zur Verdeutlichung wie groß die Arme aus.

Joko grinste an Klaas vorbei in seine Richtung. „Oh, das ist ja echt viel.“

„Wir sind ja schon dabei, wir können auch nicht zaubern“, erwiderte Klaas grinsend und löste sich dann doch von Joko, den das leise Seufzen ließ. „Du kannst schon mal anfangen den Tisch zu decken“, forderte der Jüngeren seinen Sohn dazu auf.

Der stöhnte darüber zwar aber nickte. „Na gut…“ Er tapste auf die beiden zu und Joko drehte sich um, um drei Teller aus dem Schrank über ihnen zu holen. Die reichte er an Freddy, der damit zum Küchentisch ging, um zu decken. Da Joko eben mit dem Finger verbrennen die Wahrheit gesagt hatte, überließ er es auch seinem Freund die Pizza aus dem Ofen zu holen und schnappte sich stattdessen Besteck und Gläser, um Freddy zu helfen.  In Rekordgeschwindigkeit und ohne, dass irgendwas zu Bruch ging, erledigten sie ihre Aufgabe zeitgleich mit Klaas, der den Pizzaschneider gerade in die Spülmaschine räumte, als Joko sich wieder zu ihm umdrehte. „Wir sind fertig“, verkündete der Ältere.

Klaas, dessen Finger wohl von der Pizza wirklich bekleckert worden waren, schob sich diese gerade, als Joko ihn wieder ansah, scheinbar völlig nebensächlich in den Mund. Nur wurde Jokos Blick davon magnetisch angezogen und es fing augenblicklich an in ihm zu kribbeln, als Klaas auch noch an seinen Fingern saugte. Zum einen wollte er sie ihm entziehen, sie sich selbst in den Mund schieben und mit der Zunge umspielen, gleichzeitig würde er Klaas‘ Finger auch nur liebend gerne mit seinen eigenen ersetzen.

„Ich auch“, nuschelte der gerade um seinen Zeige- und Mittelfinger herum und Jokos Kopfkino legte einen Gang zu, rief ihm Bilder von vergangener Nacht, mit Klaas vor ihm auf den Knien, ins Gedächtnis. Und das war gerade mehr als ungünstig.

„Ja! Endlich! Pizza! Pizza! Pizza!“ Oh fuck, ja. Der Grund warum das sowas von ungünstig gerade war, meldete sich da nämlich schon zu Wort und Joko zwang sich dazu wegzusehen und kurz tief Luft zu holen. War das eigentlich noch normal, dass ein einziger Mensch so was so einfach und so schnell in einem auslösen konnte?

„Dann schön brav hinsetzen“, forderte Klaas und Freddy gehorchte ohne zu zögern, machte große begeisterte Augen, als Klaas die beiden Bleche auf den Aufsetzern abstellte und rutschte auf seinem Stuhl ungeduldig hin und her. „Sei vorsichtig, die sind noch heiß!“, warnte er seinen Sohn, als dieser die Hand schon nach dem ersten Stück ausgestreckt hatte. „Man Papa! Weiß ich doch!“, erwiderte er mit einem Augenrollen und schnappte sich schnell ein Stück Pizza, um es auf seinen Teller zu befördern.

Joko hatte sich indes immer noch nicht bewegt, sah zwischen Klaas und dessen Sohn hin und her und schwankte gefühlstechnisch von belustigt bis hin zu frustriert. Klaas drehte sich schließlich wieder zu ihm um, nachdem er wohl sicher gegangen war, dass sein Sohn erst mal voll und ganz auf die ersehnte Pizza fokussiert war, ohne Gefahr zu laufen sich zu verbrennen, da er dicht an ihn ran trat. Automatisch hielt Joko die Luft an, als sich Klaas‘ Hand auch schon auf seinen Hintern legte und kurz zudrückte. „Warten wir hier auf schöneres Wetter, Winti?“

Er musste ein Keuchen unterdrücken, schlug seine Hand schnell weg und warf den Gedanken, dass Klaas zuvor vielleicht wirklich unterbewusst gehandelt hatte, direkt mit über Bord. Denn sein Grinsen und diese Handlung hier gerade sprachen Bände. Mistkerl! Das würde er schon noch zurückkriegen! Nur leider musste er fürs erste seine Rache verschieben und sich vor den Augen von Freddy zusammen nehmen. So nahm er lediglich auf dem Stuhl, den Klaas ihm zurückzog, Platz und grinste hoffentlich entspannt und überzeugend.

Klaas tat so, als würde er von Jokos innerem Kampf gar nichts mitbekommen, ließ sich auf den Platz zwischen ihm und seinem Sohn nieder und schnappte sich dann den Teller seines Freundes, um ihm zwei Stücke Pizza darauf zu legen und ihm diesen dann mit einem Zwinkern zurück zu reichen. Joko verdrehte darauf schon wieder ehrlicher grinsend die Augen, während Klaas sich ebenfalls ein Stück nahm und Freddy schon nach seinem zweite angelte. Nachdem der Jüngere kurz gegen seins gepustet hatte, biss er rein, kaute ein paar Mal und schluckte. Dann drehte er sich wieder zu Joko, schmunzelte leicht anerkennend und ließ seine linke Hand auf seinem Oberschenkel landen, um diesen entlang zu streicheln. „Echt nicht schlecht. Hätte ich dir ja gar nicht zu getraut“, kommentierte er dazu.

Joko schnaubte, doch bevor er etwas erwidern konnte, fiel Freddy dazwischen: „Aber Papa, ich hab doch geholfen!“

Klaas wandte sich ihm wieder zu, ließ die Hand aber auf Jokos Oberschenkel liegen. „Stimmt“, grinste er. „Du hast das fehlende Talent definitiv ausgeglichen.“

Freddy kicherte und biss ein so großes Stück ab, dass sein Mund zu voll zum Antworten war, sodass er nur nicken konnte.

Joko schüttelte gespielt empört den Kopf, doch umfasste unter dem Tisch Klaas‘ Hand. „Tja, meine Talente liegen halt eher in anderen Bereichen.“

Klaas warf ihm einen amüsierten Blick zu, doch es war wieder Freddy, der zuerst reagierte und ehrlich interessiert fragte: „Wo drin denn? Bei Fifa hab ich dich ja auch die ganze Zeit geschlagen.“

Klaas fing an zu lachen und Joko wollte zwar nicht, doch musste miteinstimmen. „Du kannst ihn definitiv nicht verleugnen“, brummte er, wenn auch nur halbherzig genervt.

Mit einem ziemlich heuchlerischem Lächeln strich der Jüngere über seinen Handrücken und gab ihm einen Kuss auf die Wange, um so neben seinem Ohr flüstern zu können: „Ja, aber deine andere Talente weiß ich umso mehr wertzuschätzen.“

Joko wackelte mit den Augenbrauen und sie grinsten sich kurz an bis Freddy deutlich genervt stöhnte. „Papa!“

„Ja“, lachte Klaas und wendete sich wieder seinem Sohn zu, im Inbegriff wohl etwas zu sagen.

Der Kleinere schielte jedoch eindeutig an Klaas vorbei und hatte die Augen auf Joko fokussiert. Er hatte gerade wohl eindeutig ihn angesprochen und das realisierte Klaas wohl im selben Moment, denn er drehte sich wieder um und blinzelte überrascht. Kurz bekam Joko Sorge, dass ihm das nicht so ganz gefallen würde und so räusperte sich verlegen bevor er vorsichtig fragte: „Ähm… ja?“

„Ich hab was gefragt!“, beharrte Freddy, scheinbar ohne irgendwas zu bemerken.

„Ja… ähm… gibt ja auch noch andere Dinge auf der Welt als Kochen und Fifa spielen“, antwortete er also schnell, grinste unsicher und warf seinem Freund einen prüfenden Seitenblick zu.

Der lachte da schon wieder und drückte seine Hand versichernd. „Du musst wissen, Freddy, bei manchen Menschen sind die Talent sehr, sehr tief versteckt.“

Mit der Antwort schien der Junge zufrieden, denn er grinste breit und biss wieder in seine Pizza. Klaas zwinkerte ihm zu und Joko verdrehte die Augen, wenn er auch sein Grinsen nicht weniger verstecken konnte. Scheinbar gab es keinen Grund zur Sorge, da Klaas sich darauf vorlehnte und ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen gab, was Joko sich wieder komplett entspannen ließ. Ihre Finger blieben verschränkt auf seinem Bein liegen, während Klaas sich wieder gerade auf seinen Stuhl setzte und dann fragte: „Was habt ihr beide denn den ganzen Tag so ohne mich gemacht? Nur drinnen gesessen und Playstation gespielt?“

Mit gespielt strenger Miene sah er zwischen Joko und seinem Sohn hin und her.

Letzterer machte kurz große Augen und schüttelte dann heftig den Kopf. „Nein Papa! Nein haben wir nicht!“ Und während Freddy dann ansetzte Klaas, der ihn ehrlich interessiert, wenn auch nicht minder amüsiert ansah, detailreich von ihren Tag zu berichten, konnte Joko seinen Blick von seinem Freund irgendwie nicht abwenden und gegen das breite Grinsen dabei war er genauso machtlos.

+++


Ungefähr zweieinhalb Stunden später ließ Joko sich mit einem leisen Ächzen auf dem Sofa nieder. Nachdem Klaas eben mit Freddy verschwunden war, um ihn ins Bett zu bringen, hatte er die Küche und das Wohnzimmer aufgeräumt. Mit einem Kind machte man doch mehr Unordnung als sonst. Die hatte er jetzt aber zum größten Teil beseitigt und war doch relativ froh seine müden Knochen jetzt ausruhen zu können, denn auch wenn er heute ja nun mal früh Feierabend gemacht hatte, um sich um Freddy zu kümmern, waren die letzten Tage, Wochen, wenn er ehrlich war, hart gewesen und die saßen ihm noch in den Gliedern.

Seit sie aus dem Urlaub und der Winterpause zurück waren, war es wie erwartet nicht einfach gewesen. Nach der Bombe, die sie da in der letzten Sendung hatten platzen lassen, bestand da natürlich auch öffentliches Interesse an ihrer Beziehung. Es wurde drüber geurteilt und geredet, in Magazinen, anderen Sendungen und unter den anderen Promis. Die Reaktionen waren zwar nicht ganz so negativ, wie Joko ganz zu Anfang befürchtet hatte, aber nun mal leider auch nicht ausschließlich positiv.

Da wurde gelästert, beleidigt und dumme Fragen im Interview gestellt. Es wurden ihnen Sprüche gedrückt, bescheuerte Dinge unterstellt und Seitenhiebe ausgeteilt. Und es wurde gezweifelt, zum eine an ihrer Beziehung, zum anderen an ihrer Fähigkeit künftig noch so ihre Sendungen führen zu können, die darauf ausgelegt waren, dass sie gegeneinander antraten. Niemals hätte Joko damit gerechnet, doch irgendwie traf ihn das alles mehr als gedacht.

Eigentlich waren sie halt an Kritik gewöhnt, auch an hirnlose und wenig konstruktive, und früher hatte Joko darüber auch immer gut hinweg sehen können. Aber jetzt, wo es hauptsächlich Anfeindungen gegen Klaas gab, wegen ihm, es gegen ihre Beziehung ging und seine Sexualität , da war das plötzlich nicht mehr so einfach. Am liebsten hätte er nämlich plötzlich auf jeden einzelnen Hasskommentar reagiert und jedem einzelnen dieser Idioten mal deutlich gemacht, was er von dieser beschissenen Homophobie hielt. Rein gar nichts änderte sich schließlich. Klaas und er waren immer noch dieselben Personen. Im Grunde wussten sie doch nicht mal wirklich, wie es war, wie das laufen sollte, ohne einander zu lieben. Von Anfang an war da doch etwas zwischen ihnen gewesen. Die verbitterten Rivalen, die sich bis aufs Blut hassten, waren sie doch nie gewesen.

In so Momenten wo alles über ihm zusammen zu brechen drohte, waren es Klaas‘ Hände, die ihn berührten, seine Lippen, die ihn küssten, seine Stimme, die ihm sanft beruhigende Worte ins Ohr flüsterte, die ihm dabei halfen runter zu fahren und der Welt lediglich gedanklich den Mittelfinger zu zeigen.

Er versuchte dann auch sich auf das positive zu konzentrieren, auf ihre Fans, die sie nach wie vor unterstützen und immer wieder auf allen möglichen Social Media Seiten verkündete, wie sehr sie sich auf kommende Staffel freuten, auf ihr Team, das mit ihnen unnachgiebig arbeitete und die ihnen helfen wollte der Welt einen regenbogenfarbenen Mittelfinger zu zeigen in Form eine qualitativen, witzigen, unterhaltsamen Staffel, für die sie alle in den letzten Wochen alles gaben und auf ihre Freunde und Familien, die so positiv reagiert hatten auf ihre Beziehung, die sich tatsächlich für sie freuten und hinter ihnen standen.

Auf das alles versuchte er sich zu konzentrieren, doch das einzige, was immer wirklich half, das war Klaas. Für den tat er das alles schließlich und für den würde er das auch immer wieder tun.

Denn das, was sie hatten, das war ihm verdammt nochmal alles wert. Dafür würde er durch die Hölle gehen, um es dramatisch auszudrücken, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn wenn er Klaas' Hand hielt, wenn er ihn anlächelte, küsste, sich morgens verschlafen an seine Seite drückte, abends grinsend über ihm lag, da war Joko sich sicher, er war der glücklichste Mensch auf dieser Erde. Klaas machte ihn so glücklicher, wie er sich noch nie zuvor in seinem Leben gefühlt hatte und irgendwie war er sich auch ziemlich sicher, dass das hier mit ihm genau richtig war und er wollte nie wieder, dass sich irgendwas änderte.

Wenn es so etwas wie die große Liebe oder den Einen oder was auch immer wirklich gab, dann war Joko sich ziemlich sicher, dass Klaas genau das für ihn war. Es gab nichts auf dieser Welt, was er nicht tun würde für ihn. Er fühlte sich sicher, angekommen, irgendwie komplett mit Klaas an seiner Seite und er war sich ziemlich sicher, dass es da nichts mehr gab, was stärker war als sie beide. Dafür war ihre Vergangenheit wohl Beweis genug. Es hatte so viele Widerstände gegeben, so viel Rückschläge, so  viele Tränen und Schmerzen und Leid und trotzdem hatten sie immer wieder zueinander gefunden.

Grinsend schüttelte Joko den Kopf über sich selbst und seine verknallten Gedanken, zugegeben froh, dass Klaas die nicht hören könnte und streckte sich, sodass seine Knochen knackten und ließ seinen verspannten Nacken kurz kreisen.

„Na mein alter Mann…“, erklang in dem Moment Klaas‘ sanfte Stimme und nur zwei Sekunden später hatten sich seine warmen Hände auf seine Schultern gelegt.

Der Konter auf seine Worte hin, blieb Joko so ziemlich im Hals stecken, als Klaas seinen Griff etwas verstärkte und anfing ihn zu massieren. Automatisch fiel Jokos Kopf nach vorne, er stöhnte leise und seine Augen fielen zu, als der Kleinere auch noch anfing sanfte Küsse in seinen Nacken zu hauchen. Seine verhärteten Muskeln entspannten sich unter Klaas‘ Fingern und trotzdem war er Joko noch viel zu weit weg. Er griff also nach hinten, umfasste Klaas‘ Handgelenke und murmelte leise: „Komm her…“

Das musste der Jüngere sich wohl auch nicht zwei Mal sagen lassen, da er mit zwei großen Schritten um das Sofa rum kam und sich von Joko auf seinen Schoß ziehen ließ. Er schlang die Arme um den Hals des Älteren und ihre Lippen fanden sich. Schlagartig fühlte Joko sich wie berauscht und als ob jegliches Gewicht von seinen Schultern genommen wurde. Sie vertieften Kuss und Joko hätte damit gerne noch Ewigkeiten weiter gemacht. Selten war er so süchtig danach gewesen jemanden zu küssen und dieser Person so nah zu sein wie bei Klaas. Der biss ihm gerade sanft in die Unterlippe bevor er den Kuss schon wieder löste und sich ein Stück zurück lehnte.

Das alleine gerade hatte aber schon gereicht, um Joko nach Luft schnappen zu lassen und er blinzelte fragend, als sich ihre Augen fanden. Klaas lächelte sanft und flüsterte dann: „Ich liebe dich, Joko.“

Automatisch musste der Ältere da grinsen und er lehnte sich vor, um sich noch einen kurzen Kuss zu stehlen. „Ich liebe dich auch, Klaas. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr.“

Klaas schnaubte leise und verdrehte leicht die Augen, während er sanft seine Wange entlang streichelte und der Ausdruck in dem Blau war so weich und voller Emotionen, dass Joko mal wieder drohte sich darin komplett zu verlieren. „Ganz ehrlich, der Tag heute hatte gefühlt 48 Stunden…“, gestand er dann leise. „Ich wollte die ganze Zeit einfach nur weg und zu euch..."

„Was denn?" Joko grinste neckend, wenn sein Herz bei diesen Worten in seiner Brust auch ziemlich anschwoll. „Hattest du Angst ich bring dir deinen Sohn um?“

Klaas schnaufte leise. „Nein! Man Joko ey…“ Er schob die Unterlippe vor und sah dabei so niedlich aus, dass Joko nicht anders konnte als ihn wieder an sich zu ziehen und zu küssen. Leider wusste er ja auch haargenau wie Klaas sich gefühlt haben musste, denn die Zeit ohne ihn zog sich auch für Joko immer und jede Sekunde fühlte sich da an wie eine Ewigkeit.

„Ich weiß was du meinst… ich hab mich den ganzen Tag auf das hier gefreut“, nuschelte er wahrheitsgemäß gegen seine Lippen und ließ seine Hand Klaas‘ Rücken runter wandern bis zu seinem Hintern, um diesen kurz zu massieren und ihn an so gezielt an sich zu ziehen. Klaas‘ Finger krallten sich in seine Haare und er keuchte automatisch, was Joko sofort ausnutze, um seine Zunge in seinen Mund zu schieben.

Klaas‘ Hüften ruckten vor und Joko stöhnte leise in seinen Mund. Er spürte wie sich Klaas‘ Lippen zu seinem leichten Grinsen verzogen und er die Bewegung seiner Hüften wiederholte. Joko kam ihm mit seinem Becken entgegen, spürte bereits wie das Blut in seinem Körper südlich wanderte und es kostete ihn einiges an Selbstbeherrschung nicht laut zu stöhnen.

Sie vertieften den Kuss und Joko  genoss die Nähe zu ihm, wobei ihm mal wieder bewusst wurde, dass er wirklich nichts anderes auf dieser Welt mehr brauchte als diesen Mann. Er überließ Klaas die Kontrolle über den Kuss, ließ ihn mit seiner Zunge in seinen Mund dringen und ein paar Synapsen in seinem Kopf gaben dabei den Dienst auf. Er reduzierte sich komplett auf das hier, auf Klaas, auf das Gefühl, was er in ihm auslöste.

Obwohl sie sich so nah gerade waren, reichte Joko das immer noch nicht. Er wollte mehr, wusste aber auch, dass er nie genug bekommen würde, wenn es um Klaas ging. Er zog ihn, als er sein Becken wieder nach vorne rucken ließ, fest an sich und löste den Kuss, um sich tiefer zu arbeiten. Er küsste sich seinen Kiefer entlang und verharrte dann an seinem Hals. Dort saugte er sich fest, biss ihn hin und wieder sanft und registrierte zufrieden die Gänsehaut und den schwerer werdenden Atem seines Freundes, als er den Kopf zur Seite fallen ließ, um ihm mehr Angriffsfläche zu geben. Joko ließ seine Hände schließlich von seinem Hintern nach vorne wandern, um seinen Gürtel zu öffnen. Er fummelte einen Moment als Klaas‘ Hände plötzlich seine Handgelenke umfassten und aufhielten. „Joko nicht…“, keuchte er dazu. „Nicht jetzt… Freddy ist hier man…“

„Mhm“, brummte der Ältere gegen seinen Hals, wenig begeistert davon das hier jetzt abzubrechen. „Dann wird das hier ganz einfach eine Runde Aushalten leise sein.“ In der Hoffnung Klaas so zu überzeugen, legte er seine Hand auf die deutliche Beule in seiner Jeans und rieb darüber.

„Fuck!“, zischte Klaas, während er sich seiner Hand entgegen drängte. Joko war schon froh, dass der Kleinere nach wie vor so empfindlich und sensibel auf ihn reagierte, wie das auch andersherum der Fall war und war sich schon sicher, dass er hier gewonnen hatte, als Klaas mit beeindruckender Selbstbeherrschung sich aufrichtete und seine Hand von seinem Schritt wegzog. Seine Augen waren jedoch verräterisch dunkel, als sie ihn fixierten. „Alter! Nein! Ich mein es ernst!“

Joko schnaufte leise, wenn er auch verstehen konnte, dass Klaas hier eine Grenze zog. Schließlich wollt er auch nicht wirklich, dass Freddy wach wurde geschweige denn über sie stolperte in so einer eindeutigen Situation. Das einzige, was ihm gerade eine gewisse Genugtuung gab war, dass es Klaas wohl trotzdem ebenso schwer wie ihm selbst fiel sich zusammen zu reißen.

„Ist ja gut…“, murmelte er also und ließ den Kopf nach vorne fallen, um sein Gesicht an Klaas‘ Brust zu vergraben. Er atmete seinen Geruch tief ein und schob die Hände unter Klaas‘ Shirt, einfach um seine warme, weiche Haut direkt spüren zu können. Ein warmer Schauer lief seinen Rücken runter, als er spürte wie Klaas seine Finger jetzt sehr viel sanfter durch seine Haare, wandern ließ, sie glatt strich und ihm einen Kuss auf die Schläfe hauchte, auf die Wange und auf sein Ohr, wo er dann flüsterte: „Wir holen das morgen Abend nach, ja?“

Sein warmer Atem kitzelte Jokos Hals und zur Unterstützung seiner Worte ließ Klaas seine Hüften nochmal provozierend kreisen. Mistkerl! Joko stöhnte gedämpft gegen seine Schultern, während seine Finger sich in seine Rücken bohrten. Das machte es schließlich nicht gerade einfacher bis morgen zu warten. „Klaas ey! Hör auf damit!“

Klaas lachte heiser und das klang so verdammt schön, dass es ein angenehmes Kribbeln in Jokos Bauch verursachte. Er biss sich auf die Unterlippe, vergrub die Nase an Klaas‘ Halsbeuge und brummte nur auf sein sowieso nicht ehrlich gemeintes: „Sorry.“

Er schlang die Arme jedoch wieder fester um seinen Hals und lehnte seinen Kopf gegen den von Joko. So eng umschlungen verharrten sie eine Zeit lang still und Joko musste zugeben, dass das auch gar nicht so übel war und er es dann auch nur noch halb so schlimm fand, dass sie nicht weiter gehen konnten, heute Nacht. Ihr Atem wurde wieder ruhiger und wenn Joko ehrlich war, er hätte auch gut und gerne so einschlafen können, vor allem da Müdigkeit in letzter Zeit Teil seines Charakters geworden zu sein schien. Außerdem fühlte er sich gerade so wohl, mit Klaas auf ihm drauf, seinen sanften Berührung, der Wärme die von seinem Körper ausging und dieser Vertrautheit zwischen ihnen, dass er sich sicher war, dass es besser kaum werden konnte.

Irgendwann rührte der Jüngere sich dann aber wieder, gab ihm noch einen Kuss auf den Haaransatz, einen weiteren auf die Schläfe und Joko drehte den Kopf, damit sie sich wieder richtig küssen konnte, wenn jetzt auch sehr viel weniger fordernd und gierig. Dieses Mal war es sanft, auskostend, versichernd. Das, was sie hier teilten, das gehörte nur ihnen und das wollten sie beide auch und niemand könnte ihnen das kaputt machen oder wegnehmen.

„Gehen wir ins Bett?“, fragte Klaas schließlich leise gegen seine Lippen und Joko nickte sofort.

Schlafen, mit Klaas in seinen Armen war nichts wozu er je nein sagen würde.

„Gut.“ Klaas gab ihm noch einen Kuss und rutschte dann von seinem Schoß um aufzustehen.

Nach einem Abstecher ins Bad, gingen sie auf direktem Weg ins Schlafzimmer, entledigten sich beide ihrer Klamotten und lagen nur kurz darauf nur noch in Boxershorts im Bett, beide auf der Seite, einander zu gewandt und ihre Blicke miteinander verankert. An Schlaf war irgendwie nicht mehr so ganz zu denken. Denn so müde Joko eigentlich war, so wenig wollte er gerade die Augen schließlich. Durch das Mondlicht, das die einzige Lichtquelle war und durch das Fenster rein schien, sah Klaas‘ Haut noch heller aus als sonst, es verlieh ihm einen fast schon überirdischen, unechten Eindruck, seine Haare, die er selbst wohl eben auch noch in Ordnung gebracht hatte und seine blauen leuchtenden Augen, vermittelte er das Bild eines jungen Gottes und er erschien Joko unecht, zu schön um wahr zu sein, schon fast, und er musste die Hand ausstrecken und ihn berühren, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er wirklich hier bei ihm war.

Es zuckte minimal um Klaas‘ Mundwinkel, als Joko über seine Wange streichelte. Seine Augen fielen dabei zu und Jokos Finger wanderten etwas höher, zeichneten besorgt die tiefen Augenringe nach und er biss sich auf die Unterlippe. Denn natürlich auch für Klaas war die letzte Zeit sehr hart gewesen. Wenn Joko anfangs noch dafür gesorgt hatte, dass sein Freund nicht viel mitbekam von dem Scheiß, den die Klatschpresse da teilweise geschrieben hatte, hatte er ihn auch nicht vor allem schützen können und nachdem sie zurück in Berlin waren, war er sowieso chancenlos gewesen.

Klaas selbst hatte zwar nie groß was dazu gesagt, sondern eher immer ihn in den Arm genommen, wenn dann mal irgendwie alles zu viel geworden war, doch dass die Geschichte gerade nicht ganz so spurlos an ihm vorbei ging, das hatte Joko gesehen. Jedes Mal wenn Klaas‘ Züge sich verhärteten, wenn er eine Schlagzeile las, wie er seine Schulter anspannte, wenn er die nächste Beleidigung hörte oder er die Hände so fest zu Fäusten ballte, dass seine Knöchel weiß hervor traten, wenn ihnen ein Gast oder ein Auftritt abgesagt wurde mit der Begründung der Distanzierung zu neusten Ereignissen, sah er es.

Und einmal da hatte er Klaas sogar weinen sehen. Ein einziges Mal nur und doch hatte das gereicht und für Joko fühlte es sich an wie 100 Mal mindestens. Denn Klaas weinte eigentlich nur. Klaas war stark und unerschütterlich und im Grunde immer gut gelaunt. Er konnte mit Krisen umgehen, sie bewältigen und weiter machen. Er wurde nicht groß von Gefühlen beeinträchtigt oder ließ sich von ihnen leiten. Er konnte gute emotionale Distanz wahren. Meistens zumindest. Denn es gab auch diese Momente ganz selten nur und auch nur bei ausgewählten Personen zu Anlässen, die ihm ehrlich am Herzen lagen, da ließ Klaas das manchmal durchblitzen und Joko wusste die Bedeutungsschwere dahinter.

An besagtem Abend war Joko früher nach Hause gekommen und Klaas hatte auf dem Balkon gestanden , geraucht und als Joko zu ihm geschlichen kam, ihn hatte überraschen wollen, da hatte er mehr erschrocken zusammen gezuckt, war sich panisch übers Gesicht gefahren, um die Tränen wegzuwischen und doch war es sinnlos gewesen. Natürlich hatte Joko es da schon längst gesehen gesehen. Kurz hatte er überlegt so zu tun, als wäre nichts, aber sich dann schnell dagegen entschieden. Denn Klaas‘ Augen waren gerötet und leicht geschwollen und für nichts auf der Welt hätte er Klaas jetzt alleine da stehen lassen. Es hatte Jokos Herz gebrochen. Das tat es heute noch, wenn er daran dachte. Sie hatten sich darauf nur einen Moment angesehen bis Joko ihn stumm in seine Arme gezogen hatte und Klaas war förmlich gegen ihn gefallen, hatte sich an ihm festgeklammert wie ein Ertrinkender und stumm geweint. Joko hatte ihn festgehalten, ihm immer wieder über den Rücken gestreichelt und sanfte Küsse gegen die Schläfe gegeben, bis Klaas sich irgendwann beruhigt hatte.

Was genau vorgefallen war oder ob es einfach nur alles war, was sich aufgestaut hatte bis zu dem Zeitpunkt wusste Joko bis heute nicht, da sie nie drüber gesprochen hatte, doch es hatte ihm gezeigt, dass das alles für Klaas genauso schwer war wie für ihn. Kurz hatte er es da auch in Betracht gezogen alles zu beenden, einfach um seinem Freund diese ganzen Schmerz und den Stress zu ersparen. Diese Idee war von dem Jüngeren selbst aber schon im Keim erstickt worden, denn als Joko es hatte ansprechen wollen, hatte er die Worte kaum über die Lippen gebracht und Klaas hatte vehement protestiert. Er wollte sich das nicht kaputt machen lassen, er wollte kämpfen. Joko konnte nicht leugnen wie froh er über diese Worte gewesen war.

Doch er hasste es auch Klaas so zu sehen, wie es gerade war. So dünn und blass und müde und die Sorge nahm immer wieder Überhand. „Wie war dein Tag denn heute, Hase? Abgesehen davon, dass du mich furchtbar vermisst hast“, fragte Joko schließlich leise.

Klaas seufze, wenn einer seiner Mundwinkel sich auch leicht hob und zuckte mit den Schultern. „War schon in Ordnung… Hatte schon schlimmere Tage.“

Generell mochte Joko es momentan nicht wenn Klaas alleine ins Büro musste und war froh, dass das nur selten vorkam. Heute war es wegen Freddy nun mal nicht anders möglich gewesen und da er seinen Sohn wegen ihm auch schon nur viel zu selten sah, hatte es natürlich nicht langer zur Debatte gestanden. Seine Antwort beruhigte Joko auch nur bedingt und er verschränkte ihre Finger miteinander, ließ seinen Daumen über Klaas‘ Knöchel wandern und murmelte dann: „Du weißt, dass ich immer für dich da bin, wenn was ist, oder?“

Klaas nickte stumm und kam näher gerückt. Die Einladung nahm Joko sofort an, schlang die Arme um seinen schlanken Körper und zog Klaas an seine Brust, der die Nase dort vergrub und ein Bein zwischen die von Joko schob. So blieben sie liegen, lauschten nur auf den Atem des anderen bis Joko seinen Mut zusammen gekratzt hatte und etwas ansprach, was ihm schon den halben Tag durch den Kopf schwirrte: „Was hältst du davon am Wochenende weg zu fahren?“

Er spürte wie Klaas an seiner Brust die Stirn runzelte. „Was?“

„Weiß nicht, einfach weg von hier und dem ganzen Scheiß, nochmal was Ruhe und Pause haben…“, murmelte er.

Klaas seufzte fast schon wehmütig und drückte sich etwas enger an ihn. „Wir müssen Büroarbeit erledigen, Winti…“

„Ich weiß, aber… ich mein, die wartet auch bis Montag noch auf uns und dieses Wochenende steht doch kein Dreh an. Also... lass uns ans Meer fahren, Klaas. Nur du und ich. Wir fahren Samstagmorgen los und kommen Sonntag zurück. Ich kümmer mich auch um alles, du musst nur ja sagen.“ Als Klaas darauf still blieb, sah Joko seine Wochenendplanung, die ihm jetzt, wo er sie verbalisiert hatte, sogar noch etwas besser gefiel, schon zerplatzen wie eine Seifenblase und so fügte er in leiser Verzweiflung noch hinzu: „Ich mein, wir können ja zur Not auch da was Papierkram erledigen, Emails beantworten oder so, aber ich würde einfach gerne nochmal mit dir hier raus kommen, und das alles für ein paar Stunden nochmal vergessen, weil ich denke, dass…“

„Ja“, unterbrach Klaas‘ leise Stimme ihn.

Joko hielt inne. „Echt?“

Klaas nickte. „Ja, lass uns wegfahren.“

Der Ältere grinste automatisch breit, verstärkte seinen Griff um den Jüngeren und vergrub die Nase in seinen Haaren bevor er die Augen dann auch schloss. „Gut. Dann steht das jetzt fest.“

Klaas nickte nochmal und Joko spürte wie er ihm ein paar Küsse gegen die Brust hauchte und dann nuschelte: „Ich verlass mich da jetzt wohl auf ich, dass ich nichts machen muss.“

„Klar, weißt doch, dass du dich auf mich verlassen kannst.“

„Ja, das weiß ich wirklich, Winti.“ Es war nur ein Flüstern, doch es reichte aus, um Joko mal wieder dieses Gefühl, was ein riesen Matsch aus Glück und Zuneigung und Liebe und Wärme war und nur Klaas in ihm auslösen konnte, fühlen zu lassen.

Er drehte sich nach einem Moment auf den Rücken, zog Klaas so halb auf sich und grinste weiter leicht vor sich hin, während er in seinem Kopf schon zehn Schritte weiter und im Auto neben Klaas auf dem Weg ans Meer saß, er ihm dabei eine Demo von einem möglichen neuen Gloria Song vorspielte  und sie jetzt schon wussten, dass sie morgen ungestört beieinander wären und ausschlafen und richtig essen und einfach nur sie selbst sein durften.

Im hier und jetzt nutzte der Jüngere ihre neue Position, um sich etwas enger an ihn zu kuscheln und das holte Joko auch zurück, da es definitiv genug war, um nicht in Träumerein versinken zu wollen. Plötzlich war die Realität hier mit Klaas in seinen Armen sehr viel besser. Der schmiege sich gerade an ihn und es gab kein besseres Gefühl gerade für den Älteren. Klaas' Atme ging vollkommen langsam und gleichmäßig und Ruhe, die in diesem Moment herrschte, versprach Erholung, die sie beide dringend benötigen. „Schlaf gut“, flüsterte Joko also leise.

„Gute Nacht, Wintimaus“, erwiderte Klaas träge. Der Schlaf schien auch schon an den Rändern seines Bewusstseins zu ziehen. An keinem Ort und mit anderem anders wäre das hier auch nur annähernd so perfekt.

Natürlich war die gesamt Situation alles andere als optimal momentan. Es war schwer und doch wusste Joko, dass er es nicht anders wollte. Denn es war das Wochenende, was ihnen jetzt bevorstand, es war Klaas‘ Grinsen nachdem sie sich geküsst hatten, es war das Gefühl wenn er morgens aufwachte und das erste, was er sehen durfte dieser Mann war. Das waren die Dinge, die zählten, das waren die Dinge, die es einfacher machten und die, die ihn immer wieder dazu brachten, weiter zu machen, egal was passierte.

Es würde nicht auf magische Weise von heute auf morgen plötzlich in Ordnung sein, aber es würde voran gehen, einfacher werden irgendwann und egal wie lange es dauerte, jede Sekunde, die sie zusammen Verbringen durften, war es ihnen wert.
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