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Auf der Suche nach Hoffnung

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Resa Staubfinger
27.08.2018
27.08.2018
1
650
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Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
27.08.2018 650
 
Hallo ihr Lieben,
ich habe letztens mal wieder in Tintenherz hineingelesen und da ist mir eine bestimmte Stelle aufgefallen, die ich unbedingt ein wenig ausschmücken musste. Ich hoffe es gefällt euch! Reviews sind selbstverständlich gerne gesehen!

Disclaimer: Diese Geschichte dient allein der Unterhaltung. Ich verdiene hiermit kein Geld. Alle Personen gehören Cornelia Funke.




Staubfinger Pov

Ich hatte schon angenommen, Capricorn würde uns auf ewig in diesen Netzen baumeln lassen, aber ich hatte mich geirrt. Stattdessen saß ich nun schon wieder in diesen gottverfluchten Kerkern fest! Er hatte mich wieder erwischt! Ich ärgerte mich zu Tode. Es hätte niemals so kommen dürfen. Warum konnte ich dieses Buch nicht einfach loslassen? Ich kannte die Antwort darauf. Ich würde alles dafür tun, zurückzukehren, ich wusste das. Aber es ging  hier nicht nur um mich! Es ging um ein kleines Mädchen, ihren Vater und … ihre Mutter. Resa, die meinetwegen hier neben mir auf dem kalten Steinfußboden sitzen musste. Nur weil sie mir geholfen hatte, sollte sie nun mein Schicksal teilen. Es war nicht fair!
Sie selbst schien weit weniger Angst zu haben als ich. Ich habe sie schon immer für ihre Zuversicht bewundert. Bewundert, ja das war das richtige Wort. Ich genoss ihre Anwesenheit sehr. Ich wollte ihr nah sein. Doch jedes Mal, wenn ich mich dabei ertappte, ihr hinterher zu schauen, fühlte ich schreckliche Schuldgefühle durch meinen Körper jagen. Ich hatte eine Frau und zwei Kinder! Ich liebte Roxane, mehr als ich jemals sagen könnte, aber sie war weit weg und wer wusste schon, ob ich jemals zu ihr zurück finden würde… und ob sie auf mich gewartet hatte. Hier war ich allein. Allein in einer fremden Welt. Ich hatte Angst, große Angst, seit Zauberzunge mich her gelesen hatte. Resa war die einzige, die diese Angst vertreiben konnte mit den Zeichen, die ihre Stimme ersetzten, oder allein durch ihre Anwesenheit.
„Resa?“ Sie sah mich an. „Es tut mir schrecklich leid. Ich hätte dich niemals in diese Situation bringen dürfen! Bitte verzeih mir. Ich habe es nicht verdient, aber…“
Resa legte mir einen Finger auf die Lippen und lächelte. Für sie gab es nichts zu vergeben. Sie war mir nicht böse, das wusste ich. Vorsichtig strich sie über mein Kinn und legte ihre Hand an meine Wange. Ich verharrte regungslos. Mit einer beinahe kindlichen Neugier fuhr sie meine Wangenknochen nach und strich mir dann sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Resa“, ich versuchte meine Stimme ruhig klingen zu lassen, doch ich war mir sicher, dass sie das leise Zittern wahrgenommen hatte, „Was wird das?“
Ich konnte ihre Augen nicht deuten, aber sie lächelte immer noch. Dann zuckte sie leicht mit den Schultern. Sie hatte das nicht vorgehabt. Ich griff nach ihrer Hand und umschoss sie sanft. Sie war so zerbrechlich und doch so stark.
Sie beugte sich vor. Unsere Gesichter waren nur Millimeter voneinander entfernt. Ich spürte ihren warmen Atem an meiner Wange. Ich schloss die Augen und überbrückte den letzten Abstand. Ihre Lippen waren weich und sanft. Der Moment schien ewig anzudauern. Ich fuhr ihr über das lange blonde Haar und zog sie näher zu mir. Der Kuss war harmlos, beinahe unschuldig. Ich spürte weder den kalten Boden unter mir, noch die Angst, die mich sonst immer quälte. Das alles bedeutete nichts. Gar nichts.
Als sie sich wieder von mir löste, lächelte sie. Wie immer. Sie musste nichts sagen. Worte waren in diesem Augenblick völlig überflüssig. Sie legte den Kopf an meine Schulter und schloss friedlich die Augen. Ich hätte lachen können. Welch eine Ironie! Gerade hier in einem Kerker, kurz vor meiner geplanten Hinrichtung, fühlte ich mich leichter und sorgloser, als jemals in den zehn Jahren zuvor.
Ich legte einen Arm um Resa. Sie schlief fast und wir beide spürten die stille Übereinkunft, dass dies eine einmalige Sache bleiben würde. Nie würden wir darüber sprechen, nie jemandem davon erzählen. Doch fühlte ich keine Schuld. Ungewöhnliche Zeiten forderten manchmal ungewöhnliche Maßnahmen.
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