What's the Story - My pretty Baby

GeschichteHumor, Romanze / P16
26.08.2018
06.12.2018
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Samus Sicht

Mit einem pochenden Kopf wache ich am nächsten Morgen auf.
Zuerst wundere ich mich, warum das Bett so klein ist und wo Neele steckt, aber dann kommen die Erinnerungen an letzte Nacht zurück.
Ich muss heute unbedingt mit ihr sprechen!
Ich hätte ihr gestern nicht aus dem Weg gehen dürfen, aber ich bin einfach so verwirrt.
Natürlich darf und sollte ich Johanna nicht glauben, aber die Angst, dass sie Recht hat, mit dem was sie sagt, ist ziemlich groß.
Seufzend schwinge ich mich aus Rikus Bett, welches er mir für diese Nacht netterweise angeboten hat, mit der Bedingung, dass ich heute mit Neele spreche.

Nur mit Boxershorts bekleidet gehe ich nach vorne in den Bus.
Sofort sehe ich Neele, die zusammengekauert auf einem der Sitze sitzt und sich etwas auf ihrem Handy ansieht.
Als sie mich bemerkt, sieht sie kurz auf, wendet ihren Blick jedoch schnell wieder von mir ab.
Sie sieht schrecklich aus, als hätte sie die ganze Nacht ge-weint, anstatt zu schlafen.
Das schlechte Gewissen macht sich in mir breit.
Wenn ich nicht vor ihr weggelaufen wäre, dann hätten wir das alles schon längst geklärt.
Ich konnte nicht wissen, wie sehr ich diese Aktion bereuen würde.
Als Neele plötzlich wieder ihren Kopf hebt, habe ich die Hoffnung, sie würde etwas zu mir sagen, aber sieht sie nicht zu mir, sondern hinter mich.
Verwundert drehe ich mich um und sehe Johanna, welche nur mit einem Shirt bekleidet, gähnend hinter mir steht.
"Guten Morgen!", murmelt sie und geht zur Kaffeemaschine. Warum ist sie denn immer noch hier!?
Ich sehe wieder zu Neele und erkenne Tränen in ihren Augen.
Was ist denn nun los?
Ich will gerade auf sie zu gehen, da springt sie plötzlich auf und rennt aus dem Bus.
"Neele! Warte!", rufe ich und laufe ihr hinter her, jedoch ist sie schon um die nächste Ecke verschwunden.
"Was hat sie denn?", murmele ich eher zu mir selbst, als Johannas Stimme ertönt.
"Ich glaube, sie denkt, dass wir miteinander geschlafen haben!", kichert sie.
Geschockt reiße ich die Augen auf.
"Warum das denn!?"
Durch Johannas verwirrten Blick wird mir bewusst, dass ich finnisch gesprochen habe.
Ich wiederhole es auf Englisch und sie lacht.
Ich weiß nicht, was daran jetzt so lustig sein soll!
Genervt sehe ich sie an. Sie verdreht die Augen.
"Ich denke mal, dass ich dein T-Shirt trage und naja, du läufst hier auch nur in Boxershorts rum!", erklärt sie und erst jetzt betrachte ich sie genau.
Stimmt! Sie trägt das T-Shirt, welches Neele gestern noch getragen hat.
"Warum zur Hölle trägst du mein T-Shirt!?" Wütend funkele ich sie an.
Ich kann das jetzt echt nicht gebrauchen. Wenn Neele denkt, ich hätte mit ihrer Schwester geschlafen, nur weil sie mich seit einiger Zeit nicht mehr ran lässt, wird sie mir das niemals verzeihen.
"Ich brauche eben irgendwas zum Überziehen und das lag bei Neeles Klamotten rum!" Sie zuckt mit den Schultern.
"Und deswegen nimmst du es dir einfach!?" - "Was soll ich sonst tun?" Sie nimmt den fertigen Kaffee und sieht mich über die Tasse hinweg an, während sie einen kleinen Schluck nimmt.
"Zieh es sofort aus!", knurre ich und kneife die Augen zusammen.
Sie stellt die Tasse ab und grinst mich an. "Ich trage da nichts drunter, aber wenn du das willst!" Sie legt ihre Hände an den Saum des T-Shirts und will es gerade hoch ziehen, als ich ihre Hände festhalte.
"Großer Gott nein!", sage ich.
"Komm schon, Samu, ich weiß, du willst es auch!" Sie kommt auf mich zu und ich weiche zurück.
"Lass den Blödsinn!" Als sie ihre Hände auf meine Brust legt, stoße ich sie bestimmt weg.
Es fühlt sich grauenvoll an, wenn eine andere Frau, außer Neele, dass tut.
Ich drehe mich um und hole mir ein paar Klamotten, um mich auf die Suche nach Neele zu machen.
Aus dem Bus stolpernd versuche ich mir die Schuhe anzu-ziehen.
"Was ist denn mit dir los?", fragt Riku belustigt.
"Hast du Neele gesehen?", ignoriere ich seine Frage.
Er schüttelt den Kopf. "Was ist denn schon wieder passiert?" Ich winke ab.
"Erzähle ich dir später. Sorg bloß dafür, dass dieses Weib verschwindet!" Ich zeige in den Bus und laufe an ihm vor-bei.
"Ähm okay?" Verwundert schüttelt er den Kopf.

Ich laufe über das ganze Gelände und frage jeden, der mir entgegenkommt, ob er Neele gesehen hat, aber sie scheint wie vom Erdboden verschwunden.
Wo steckt sie nur? Ich habe jetzt auch schon mehrmals versucht sie zu erreichen, aber sie geht nicht an ihr Handy.
Ich will gerade nochmal in den Bus gehen, als Mikko mich aufhält.
"Samu! Soundcheck!" sagt er knapp und zieht mich hinter sich her.
"Aber.." - "Nein kein aber! Egal was du schon wieder machen willst. Es hat bis später Zeit!" Mikko duldet keine Widerworte.
Seufzend folge ich ihm.
"War sie im Bus?" frage ich Riku.
Er schüttelt nur den Kopf.
Hoffentlich ist sie nach dem Soundcheck wieder da.

"Sind wir endlich fertig?", frage ich zum gefühlten hundertsten Mal ins Mikro. Mikko nickt genervt.
"Was hast du denn?", fragt er mich, als ich von der Bühne komme.
"Stress mit Neele!", seufze ich. "Warum das denn!?" - "Ihre Schwester ist gestern hier aufgetaucht und hat mir erzählt, ich wäre auf Neeles Masche reingefallen!"
Verwundert sieht Mikko mich an. "Du willst mir doch nicht weismachen, dass du einer fremden Person glaubst oder? Ich meine ja, ich hatte auch meine Zweifel, aber du hattest sie nie. Warum jetzt?" Mikko hat Recht.
"Ich weiß es doch auch nicht. Ich möchte gerne mit ihr sprechen, aber sie denkt wahrscheinlich ich hätte etwas mit ihrer Schwester gehabt!" Stöhnend lasse ich den Kopf in den Nacken fallen.
Warum muss es so kompliziert sein?
"Was!? Warum das denn?" Kurz erzähle ich ihm die Story und er schüttelt nur ungläubig den Kopf.
"Bring das in Ordnung, Samu!" - "Ich gebe mein Bestes!"
Ich klopfe ihm auf die Schulter und mache mich wieder auf die Suche nach Neele.
Ich gehe nochmal durch den Bus und mache bei unserem Schlafplatz halt.
Warum sieht es hier so leer aus?
"Samu!" Ich zucke zusammen. Der Stimme folgend entdecke ich Tommy, auf dem Bett über dem von Neele und mir.
Wenn er noch da ist, dann ist es Johanna auch.
Genervt atme ich durch, ehe ich mich an den kleinen Kerl wende. "Tommy! Hast du Neele gesehen?", frage ich in meinem besten Deutsch.
Er nickt. "Sie ist weg!", sagt er und ich sehe ihn mit großen Augen an.
"Weg?", frage ich. Was meint er mit weg?
Wieder nickt er.
"Hier!" Er hält mir einen Zettel hin. "Danke!" Ich lächele ihn an.

'Hey, Samu!
Es tut mir unendlich leid, dass ich auf diesem Wege Ab-schied nehme. Ich weiß es ist feige, aber ich muss einfach weg!
Wir hätten schon längst miteinander reden und alles klären sollen, aber momentan bin ich nicht in der Lage dazu.
Ich weiß nicht was Johanna dir alles erzählt hat, aber ich bin keine Schlampe. Es hat mich sehr verletzt, dass du ihr offensichtlich glaubst und nicht einmal das Gespräch mit mir gesucht hast. Du weiß wie lange ich brauchte um mich dir zu öffnen, anzuvertrauen!
Dumme Lügen meiner Schwestern haben alles zunichte gemacht, was wir beide uns aufgebaut haben! Den ganzen Tag habe ich versucht mit dir zu reden, aber du bist mir immer wieder ausgewichen!
Du kennst das Verhältnis zu meiner Familie. Hast du dich nicht einmal gefragt, wieso sie aus dem Nichts aufgetaucht ist und woher sie überhaupt wusste, wo ich bin?! Samu, du weißt, dass ich niemanden aus meiner Familie jemals wissen lasse, wo ich mich aufhalte.
Heute früh habe ich mit Sicherheit übertrieben, aber als ich Johanna in dem T-Shirt, das ich gestern noch getragen habe, und dich nur in Boxershorts bekleidet gesehen habe, war das alles zu viel für mich!
Ich brauche einfach im Moment Abstand, wir müssen beide über uns nachdenken und uns darüber klar werden, wo unsere Beziehung hinführen soll! Bitte verzeih mir.
Deine Neele'

Fassungslos lasse ich den Arm sinken. Das kann doch nicht ihr Ernst sein.
Sie ist einfach gegangen.
Einerseits kann ich sie verstehen, aber anderseits bin ich total traurig. Ich wollte es so gerne mit ihr klären und jetzt ist sie einfach weg.
Wie soll ich die letzten Tage bitte genießen, wenn ich nicht weiß, wie es in ihr aussieht.
Hat sie wirklich geschrieben, sie sieht keinen Sinn mehr in unserer Beziehung? Das kann nicht sein!
Ich habe sie verletzt, das weiß ich, aber ich möchte doch nicht, dass wir unsere Beziehung beenden.
"Scheiße!", fluche ich und bin froh, dass Tommy es nicht verstehen kann.
Er ist bei meiner lauten Stimme etwas zusammen gezuckt. Jetzt sieht er mich verwundert an.
"Komm, wir gehen deine Mama suchen!" Ich hebe ihn vom Bett.
Er ist wirklich süß, aber im Moment ist für ein Kind kein Platz in meinem Leben. Wer weiß, ob dafür überhaupt irgendwann mal Platz sein wird.
Das, was ich gestern zu Riku gesagt habe, dass ich keine Kinder mit Neele will, habe ich natürlich nicht so gemeint.
Ich war zu diesem Zeitpunkt einfach überfordert.
Tommy rennt vor und ich folge ihm.
"Johanna!?", rufe ich durch den Bus und sie sieht aus der Sitzecke hervor. "Ich glaube es ist besser, wenn du jetzt gehst!" Ich stelle mich arme-verschränkend vor sie und sehe sie auffordernd an.
"Gibt es Stress im Paradies?", grinst sie, steht aber zum Glück auf.
Mir wird immer deutlicher bewusst, dass ich nicht mal eine Sekunde daran hätte verschwenden sollen, ihr Glauben zu schenken.
Ich hocke mich zu Tommy runter. "Tschüss Kleiner! Wir sehen uns bestimmt wieder." Ich streichele ihm durch die Haare.
Er nickt eifrig und schließt seine kleinen Arme um meinen Hals. Ich drücke ihn an mich, ehe ich wieder aufstehe, um Johanna deutlich zu machen, dass sie jetzt verschwinden soll.
Sie nimmt ihre Tasche und stolziert an mir vorbei. "Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder.", schnaube ich. Sie lacht nur.
"Neele hat echt gute Arbeit geleistet. Du hasst uns genauso, wie sie es tut." - "Wer kann es ihr verübeln." Sie zuckt bloß mit den Schultern und verlässt endlich den Bus.
Tommy und ich winken uns noch zu, ehe sich die Tür vom Bus schließt.
Sofort versuche ich Neele zu erreichen, jedoch geht nur die Mailbox dran.
Seufzend lasse ich mich auf einen der Sitze fallen und stütze meinen Kopf in den Händen ab.
Wie konnte es bloß so aus dem Ruder laufen?

"Hey Kumpel. Alles klar?" Raul setzt sich mir gegenüber.
Müde hebe ich den Kopf. "Neele ist weg!", sage ich und seine Augen weiten sich. "Warum das denn!?" - "Ich weiß auch nicht, wir haben gerade ein bisschen Stress, der eigentlich gar nicht nötig ist. Sie braucht Abstand, meinte sie. Ich dachte, sie hat dir vielleicht etwas gesagt." Raul schüttelt nur den Kopf.
Ich weiß, dass die Beiden sich sehr gut verstehen, aber ich glaube aus ihrer Vergangenheit hat sie bis jetzt nur Lennja und mir etwas erzählt.
Ich habe mit dem Gedanken gespielt, bei ihr anzurufen, aber ich weiß nicht, ob Neele ihr etwas erzählt hat, deswegen lasse ich es lieber sein.
"Was ist denn zwischen euch beiden?" Ich finde es nett, dass Raul nachfragt, aber ich möchte ihm lieber noch nichts erzählen.
Ich weiß ja selbst nicht mal, was genau los ist und wie es nach der Tour weiter gehen wird.
"Sei mir nicht böse, Kumpel, aber ich möchte jetzt nicht darüber sprechen." Verständnisvoll nickt er.
"Hier! Trink erst mal ein Bier! In 30 Minuten geht es auf die Bühne!" Lächelnd drückt er mir die kühle Dose in die Hand, welche ich nur zu gerne entgegennehme.
"Danke!", sage ich während wir anstoßen.

Auf der Bühne kann ich kurz meine ganzen Sorgen vergessen und ordentlich Spaß haben, aber jetzt wo ich alleine in unserem Bett liege, mache ich mir unglaublich viele Gedanken.
Ich habe vorhin noch mit Riku gesprochen und ihm den Brief gezeigt. Er meinte, ich solle ihr die Zeit geben und wenn er etwas von Lennja erfährt, dann sagt er mir Be-scheid.
Ich habe nochmal versucht sie zu erreicht, aber wie erwartet geht nur die Mailbox an.
Seufzend lege ich das Handy neben mich und versuche zu schlafen.
Das werden ein paar anstrengende Tage.
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