Denn ich bin immer noch wach und warte nur auf dich

von Minou
GeschichteDrama, Romanze / P18
Felix Brummer / Kummer OC (Own Character)
26.08.2018
30.12.2018
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Ihr Lieben,

ab jetzt gibt es wieder eine neue Geschichte von mir, die regelmäßig veröffentlicht wird (und nicht AVL ist...). Immer sonntags wird es ein neues Kapitel geben.

Diese Geschichte hier soll euch und vor allem mich über die Pause hinwegtrösten, die nun unweigerlich begonnen hat und ist irgendwie eine Art Dankeschön. Ein Dankeschön, an all die tollen Menschen, die ich in den letzten Monaten kennen gelernt habe und die mein Leben jeden Tag bereichern, mit denen ich stundenlang vor jeder verdammten Kraftklub-Show gewartet habe, bis endlich der rote Vorhang fällt, die meine Freunde geworden sind.

Danke an EvaWunderbar, mit der ich momentan mehr rede, als mit irgendjemand anderem auf der Welt.
Danke an Panikherz, fiktiongirl und nieseinwiedu, die immer da sind, wenn ich mich auskotzen muss.
Danke an alle meine Leser, jeder Aufruf bedeutet mir so unglaublich viel.
Danke an alle, die ich bei den Kraftklub-Shows kennen gelernt habe und die dieses ganze Jahr zu etwas so besonderem gemacht haben.

Und an schmaui. Scheiße, ich hab echt einen Kloß im Hals, wenn ich daran denke, was ich dir eigentlich hier alles gerne sagen würde. Wir haben so unfassbar viel zusammen gelacht, so viel zusammen geweint, fühlen den gleichen Schmerz. Ich bin so froh, dass ich das nicht allein durchstehen muss, weil ich dich habe. Danke. Für alles. Wirklich.

Und falls ihr noch lest und nicht schon vorgescrollt habt zur Geschichte: GEHT ZUM FUCKING KOSMONAUT! ES IST UNFASSBAR!

Eure Minou

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Am sternenklaren Himmel stand der Vollmond in dieser Nacht von Freitag auf Samstag am letzten Wochenende im Juni und tauchte die ganze Szenerie in ein magisches Licht. Es war Kosmonaut-Festival und Felix war auf dem Campingplatz am Stausee Rabenstein.  Er hatte keine Ahnung, was ihn dorthin verschlagen hatte. Immerhin wusste er, dass sich hier sofort eine Menschentraube bilden würde, wenn er erkannt werden würde.
Er wanderte schon eine Weile zwischen den Zelten umher. Ziellos. Planlos. Auf der linken Seite saßen an ein Banner gelehnt zwei Mädels. Eine weinte, die andere versuchte mit allen Mitteln, sie zu trösten. 'Ach, Süße! Guck dich doch mal an! Du bist so ein wunderschönes Mädchen! Wie kannst du das nur nicht sehen?', fragte sie verzweifelt. Über Felix' Gesicht huschte ein kurzes Lächeln. Da war wohl gerade jemand abserviert worden. Er hörte die Antwort des anderen Mädchens nicht, nur ihr Schluchzen. Sein Weg führte ihn weiter Richtung Eingang. Natürlich hätte er auch einfach durch einen der Notausgänge gehen können, unter seinem schwarzen Shirt hatte er seinen Festivalleitungs-Pass versteckt. Aus der Rakete des Kliemannslandes blubberten unaufhörlich Seifenblasen, die Diskokugel warf ihr funkelndes Licht auf die Menschen und Zelte der Kamps. Wieder grinste Felix. Die Kamps mit K waren wirklich eine gute Idee gewesen und mit der Unterstützung von Fynn Kliemann war die Bewertung auch richtig lustig geworden.
'TRINK, TRINK, TRINK', hörte er eine Gruppe Männer im Chor grölen. Ein Typ, maximal zwanzig Jahre alt stand dort mit einem Trichter und ließ das bestimmt lauwarme Bier in einer beachtlichen Geschwindigkeit in seinem Magen verschwinden. Kurz schüttelt es Felix. Genau das hatte er vorhin mit den anderen Jungs auch gemacht. Es war beim besten Willen nicht das einzige Bier des Tages gewesen. Und ihm war klar, dass er immer noch nicht annähernd nüchtern war. Er ging weiter Richtung Einlass. Vom Wohnmobilcamp dröhnte 'Chemie Chemie Ya' aus den Boxen. Die ganze Straße stand voll mit Leuten, die dazu feierten. Mitgrölten. Tanzten. Sie alle waren ihretwegen hier. Wegen Kraftklub. Auch nach acht Jahren Band und sechs Jahren Kosmonaut fiel es ihm immer noch schwer, das wirklich zu glauben. Dass er Fans hatte. Menschen, die ihn mochten, ihn fast verehrten, ohne ihn wirklich zu kennen. Schnell zog er seine Cap noch ein Stück tiefer ins Gesicht. Niemand musste sehen, dass er hier war. Er hatte keinen Bock auf Fotos. Auf Lächeln. Er wollte keine gute Laune haben müssen. Genau darum war Felix auch nicht im Freundebereich. Da feierten alle seine Freunde nämlich gerade seinen neunundzwanzigsten Geburtstag. Und obwohl alle nur seinetwegen da waren, hatte er einfach keinen Bock mitzufeiern. Er wollte für sich sein, wollte Ruhe. Einfach Ruhe. Und... obwohl es auf dem Kosmonaut alles gab... alles mit Liebe von ihnen und ihren Freunden erdacht, geplant und aufgebaut wurde... Ruhe gab es hier nicht. Fast war er am Einlass angekommen. Ein Kerl in schickem Hemd sprang lässig über eine Absperrung. Hinter ihm eine Gruppe Mädchen, die er wohl beeindrucken wollte. Gelang ihm aber nur so mittel. Er blieb mit seinem Fuß am Gitter hängen, strauchelte, fiel auf den harten Asphalt und rollte über seinen Rücken ab. Erschrockenes Aufschreien bei den Damen war zu vernehmen und auch Felix zog die Luft scharf zwischen seinen Zähnen ein. Das hatte weh getan. Kein Zweifel. Aber... wenn er nun auch unbedingt angeben musste... Endlich war er am Einlass angekommen. Schnell zog er seinen Pass am Schlüsselband unter seinem Shirt hervor. Der Secu erkannte ihn sofort und winkte Felix schnell durch, der in diesem Moment mehr als dankbar war, dass er ihn nicht ansprach.
Als er auf dem Gelände ankam, wollte er direkt zum Strand. Wasser hatte schon immer eine beruhigende Wirkung auf ihn gehabt. Und der Stausee besonders. So viele Geister der Vergangenheit spuken hier herum. Lachten, weinten, stritten, liebten. So viele Geschichten waren hier entstanden, hatten sich in seine Erinnerungen gebrannt. So viele Träume hatten sie hier geträumt, die tatsächlich in Erfüllung gegangen waren. Der Strand war bereits mit Flatterband abgesperrt. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, wieder seinen Pass zu zeigen und einfach durchzugehen. Aber er wollte keine Aufmerksamkeit, also drehte er sich um und wollte an einem anderen Ort die weiß-rot gestreifte und im Wind flatternde Barriere hinter sich lassen, um die Ruhe zu finden, die sie so sehr brauchte.
Ein Mädchen kam ihm entgegen und schaute ihn an. Sie kam ihm bekannt vor. Er brauchte eine Sekunde, dann fiel es ihm ein. Das war ein Erste-Reihe-Mächen. Sie war dieses Jahr auf fast allen Konzerten gewesen. Aber deswegen war sie ihm nicht in Erinnerung geblieben. Beim Puls-Festival hatte sie gerade ein Foto mit Steffen machen wollen, als Felix sie gefragt hatte, ob er auch mit drauf sollte. Dann hatte er einen der übelsten Körbe seines Lebens kassiert. Mit einem Todesblick und einem 'Nee, lass mal' hatte sie ihn weggeschickt. Und irgendwie hatte Felix das ziemlich cool gefunden. Kein klassisches Felix-Brummer-Kreischemädchen. Ob sie ihn wohl gerade erkannte? Sie nickte kurz und lächelte. Ja, sie hatte ihn erkannt, aber sagte nichts. Erleichtert ging Felix weiter. Auf die erste Reihe war Verlass. Die wussten, wann die Jungs in Ruhe gelassen werden wollten. Meistens zumindest.
Vor Felix unterhielt sich eine kleine Gruppe über den inzwischen nicht mehr so geheimen Headliner. Felix blieb kurz stehen, um zu lauschen. Er drehte ihnen den Rücken zu, um nicht erkannt zu werden.
"Mann ey, warum sind wir bei RIN nur aus der ersten Reihe gegangen?", fragte ein Mädchen mit dunklen Locken.
"Weil der scheiße war", antwortete der Typ neben ihr.
"Aber Bausa? Hayiti? Cro? FUCKING MARTERIA UND CASPER?", mischte sich eine mit bunten Haaren ein. Felix musste schmunzeln. Ja, damit hatte wirklich niemand gerechnet. Klar waren die Kraftklub-Jungs enttäuscht gewesen, als sie gesehen hatten, wie sich der erste Wellenbrecher langsam leerte, nachdem der Vorhang des geheimen Headliners gefallen war.
"Es ist so beschissen, dass wir Cas und Marten nur von hinten gesehen haben", seufzte die mit den dunklen Locken.
"Immerhin sind wir nicht duschen gegangen, wie Lena", lachte das Mädchen mit den bunten Haaren.
"Ey, die Arme... die ist so ein riesiger Casper-Fan, die ist richtig fertig deswegen", warf der Typ ein. Felix ging weiter. Er musste schon ein bisschen darüber lachen, dass jemand duschen gegangen war, während der geheime Headliner gespielt hatte. Aber... selbst schuld. Das Highlight des Abends, die gemeinsame Single von Marten und Casper hatte sie verpasst.
Die meisten Stände waren gerade dabei, zu schließen. Er ging am Stand der 'Antifaschistischen Herzigkeit' vorbei. Auch die machten gerade alles sicher für die Nacht. Er grüßte kurz mit einer Hand. Irritiert schauen die beiden zu ihm. Dann erkannten sie ihn und lächelten ihn freundlich an. Felix atmete einmal tief durch. Wieso roch hier verdammt nochmal alles nach Gras? Wieder kam ihm das Mädchen mit den braunen Haaren aus der ersten Reihe entgegen. Sie schaute ihn verwirrt an, als würde sie sich wundern, dass er hier war und nicht im Backstage, um seinen Geburtstag zu feiern. Schnell schaute Felix weg. Er wusste doch selbst nicht, was er hier gerade tat. Wann war eigentlich alles so kompliziert geworden? Seit wann muss er vor ihr flüchten? Vor seiner wunderschönen, perfekte, süßen Freundin? Früher wollte er jede Sekunde mit ihr verbringen, jetzt konnte er ihre Nähe kaum noch aushalten. Wie konnte das sein? Er liebte sie doch!
Immer weiter ging er den Weg entlang, er sah, wie die Menschen sich zur Aftershow-Bühne bewegten, um den Abend ausklingen zu lassen. Und in all dem Trubel sah er ein Mädchen an einem Baum sitzen und in die Ferne gucken. Sie saß dort so ruhig, dass Felix sie fast anschauen musste, sie bildete so einen Gegenpol zur lauten Menschenmenge und der lauten Musik, die von der Aftershow-Bühne zu ihm drang.
Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Saß dort einfach und war ganz bei sich. Ihre blonden Haare hatte sie sich zu einem Dutt gebunden, einige lose Strähnen wehte der Wind in ihr Gesicht. Sie wirkte so zerbrechlich und zart, so, als würde sie nicht in diese Welt gehören, sondern in die der Fabelwesen und Geister.
Ein Mann stellte sich neben sie, war unübersehbar mehr als nur ein bisschen betrunken und lehnte sich an den Baum. Felix blieb stehen, beobachtete die Szene. Er würde sie doch wohl nicht blöd anmachen wollen! Kaum hatte Felix diesen Gedanken zu Ende gedacht, öffnete der Typ seine Hose und wollte augenscheinlich gegen den Baum pinkeln. Fassungslos sah Felix einen Moment zu ihm, dann beschloss er einzugreifen und dem Typen mal die Meinung zu sagen. Das konnte der doch nicht einfach so tun. Doch noch bevor er etwas sagen konnte, hörte er die Stimme des Mädchens.
"Hast du sie noch alle, du Penner? Pack dein Ding wieder ein und verpiss dich hier!", pöbelte sie ihn an. Mit glasigen Augen schaute der Betrunkene zu ihr herunter.
"HAST DU MICH NICHT GEHÖRT? STECK DEINEN KLEINEN PIMMEL EIN UND HAU AB!" Kurz erschreckte Felix sich wegen der Heftigkeit und Lautstärke ihrer Worte. Dann musste er Grinsen. Dahin war die Zerbrechlichkeit. Er fand sie direkt sympathisch. Auf den Typen schien sie auch Eindruck gemacht zu haben, der murmelte nur noch eine kurze Entschuldigung, dann war er verschwunden. Felix trat noch einen Schritt auf sie zu und stand nun direkt vor ihr. Sie sah zu ihm hoch, ihre leicht schrägen Augen funkelten gefährlich und ihre Lippen hatte sie fest aufeinander gepresst.
"Was war das denn?", fragte Felix immer noch ein bisschen schockiert, aber nicht minder belustigt.
"Mann, der hat seinen Schwanz direkt vor meinem Gesicht ausgepackt!", echauffierte sie sich wütend und musste doch ein kleines bisschen Grinsen. Eine starke Frau. Punkt für sie.
"Ich hab das wohl gesehen. Aber du hast ihn ja erfolgreich vertrieben. Richtig nice!", stellte er anerkennend fest.
"Na was hätte ich denn sonst machen sollen?", fragte sie schulterzuckend.
"Ich wollte dich gerade retten, aber... du brauchst anscheinend keinen starken Retter!" Felix grinste das Mädchen an, doch sie zog nur ihre Nase kraus und presste wieder ihre Lippen aufeinander. Felix kam nicht umhin, sie unfassbar niedlich zu finden. Mit ihren Sommersprossen und ihren blauen Augen, die er trotz der Dunkelheit leuchten sah, erinnerte ihn ein bisschen an eine kleine Elfe.
"Du bist ganz schön eingebildet hat dir das schonmal jemand gesagt?", spottete sie. Wieder musste Felix grinsen. Die hatte es faustdick hinter den Ohren.
"Ja", antwortete er nüchtern und hielt ihrem Blick stand.
"Na dann ist ja gut." Unschlüssig blieb er vor ihr stehen. Irgendwas zog ihn zu ihr hin.
"Kann... ich mich vielleicht zu dir setzen?", fragte er leise. Sie schaute ihn weiter an, schien etwas in seinem Blick zu suchen. Kurz zog sie die Augenbrauen zuammen. Dann zuckte sie mit den Schultern.
"Tu dir keinen Zwang an..." Er setzte sich neben sie. Kurz herrschte Stille.
"Gefällt... es dir hier auf dem Kosmonaut?", begann er nach einer Weile und fragte sich direkt, ob die Frage in ihren Ohren genau so blöd klang, wie in seinen.
"Ja, ist echt richtig cool... ihr habt euch wirklich Mühe gegeben...", erklärte sie. Felix nickte. IHR habt euch Mühe gegeben... sie wusste also sehr wohl, wer da neben ihr saß. Und sie war noch nicht in panisches Geschrei oder hysterisches Lachen ausgebrochen. Noch ein Punkt für sie.
"Das ist uns auch echt wichtig. Wir wollen, dass es so ist, wie wir es selbst als Künstler gerne auf anderen Festivals hätten. Ist das dein erstes Mal hier?" Sie lächelte sanft, dann nickte sie.
"Ja... ich wurde quasi mitgeschleift aber... jetzt will ich hier nicht mehr weg", seufzte sie und schaute zu Felix. Ihre Augen leuchteten, es war kaum zu übersehen, dass sie sich hier wohl fühlte. Hier auf dem Festival und hier neben ihm.
"Das kenne ich... es ist immer viel zu schnell vorbei... es sollte drei Tage gehen. Wer hat dich denn mitgeschleift?", wollte Felix wissen.
"Ach... ähm... Freunde halt... aber die sind nicht die zuverlässigsten..." Sie zuckte mit den Schultern, schaute auf ihre Hände.
"Wieso?", erkundigte Felix sie neugierig. Wieso saß sie hier eigentlich alleine?
"Naja... ich hab keine Ahnung wo die sich rumtreiben aber ist vielleicht auch ganz gut so... Ruhe tut gut..."
"Oh ja... die suche ich hier auch...", stimmte Felix ihr zu.
"Ja und jetzt... haben wir uns wohl gegenseitig gefunden... kurios oder?" Sie schaute ihn von unten an. So unschuldig und doch so... herausfordernd? Und er hatte plötzlich eine Idee.
"Hier ist es auch nicht wirklich ruhig... wenn du magst... ich wüsste, wo wir hin gehen könnten." Ein  schiefes Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit.
"Du willst mich also entführen?", fragte sie gespielt empört und stützte die Arme in die Hüften.
"Lässt du dich denn von mir entführen?" Felix sprach ganz leise und er sah, wie sich auf ihren Armen eine Gänsehaut ausbreitete.
"Wenn du mich dann gesund wieder gehen lässt und kein Lösegeld verlangst... klar..."
"Das bekomme ich hin... komm..." Mit einem Ruck war er aufgestanden und sie an ihrem Arm mit nach oben gezogen. Einen Moment schauten sie sich an. Dann streckte Felix ihr seine Hand hin. Sie zögerte keine Sekunde, zog mit einer Hand die Decke vom Boden, auf der sie gesessen hatte und griff mit der anderen nach seiner Hand.
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