Freiheit

GeschichteRomanze, Thriller / P18
Batman / Bruce Wayne Harley Quinn / Dr. Harleen Quinzel Joker
25.08.2018
14.08.2019
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Wichtige Anmerkung zu dem Kapitel:
Bitte lyncht mich nicht sobald ihr damit durch seid! Ich weis, dass ihr lange drauf gewartet habt, und dass vl nicht jeder mit diesen drastischen Entwicklungen gerechnet hat.
Trotzdem kann ich euch versichern: Es geht weiter! Langsam, aber es geht weiter.
Im nächsten Kapitel kommt es dann zur heiß ersehnten Konfrontation zwischen Harleen und dem Joker während des Ausbruchs.
Viel Spaß bis dahin, mit dem brutalen Auftakt!
Eure OMGITA



Als Harleen am nächsten Tag durch die Tore des Arkham Asylums trat, tat sie es in der Gewissheit, dass sie diese vertrauten Hallen bald nie mehr betreten würde.
Morgen war der große Tag!
Morgen würde sie zusammen mit Mister J. von hier fliehen, und ein neues Leben beginnen!
Eines, in dem sie endlich richtig zusammen sein konnten!
Als Mann und Frau…
Dr. Quinzel schob schnell alle nicht jugendfreien Gedanken zu Seite, und rückte sich hastig die Brille zurecht. Dafür war bald genug Zeit… oh, ihr Herz begann schon bei dem Gedanken daran zu rasen!
Der Plan des Jokers war einfach, aber clever:
Mit Hilfe der Frequenz-Störgeräte, welche sie so gewissenhaft in der Anstalt versteckt hatte, würden alle Notfallknöpfe, die Dr. Arkham wiederrum verteilt hatte, nutzlos werden. Auch eine automatische Weiterleitung per Funk an das Kontrollzentrum und eine Alarmierung der Polizei, wären dann nicht mehr möglich. Jeglicher Funk und Handyempfang wäre mit ihrer Aktivierung unterbunden.
Harleen müsste sich nur den Ersatzschlüssel für die Zelle des Jokers aus Arkhams Büro besorgen. Um Punkt 12 Uhr Mittag würde dann Mister J. mit dem Hauptschalter, welcher in Mr. Minkles steckte, dann das Sicherheitssystem lahmlegen. Die Wachen würde Dr. Quinzel in der darauffolgenden Verwirrung wegschicken, und ihren Mister J. aus seiner Zelle befreien. Anschließend würden sie in dem Chaos durch einen kaum benützten Gang des alten Trakts zum alten Lieferanteneingang ungesehen fliehen und dann - Freiheit!
Den heutigen Tag wollte sie nutzen, um von dem Ersatz-Zellenschlüssel einen Wachsabdruck zu nehmen. Klar, sie könnte den Schlüssel auch schon heute stehlen, doch was, wenn Arkham aus einer Laune heraus nach den Schlüsseln sehen wollte? Entweder sie würde sich den Schlüssel erst morgen holen oder… sie fertigte noch heute eine Kopie an. Es war nicht schwer jemanden zu finden, der für 50 Dollar innerhalb einer Stunde so ein Ding anfertigte – schließlich war das hier Gotham! Wenn sie heute Erfolg hatte, ersparte sie sich das Risiko morgen bei Arkham einsteigen zu müssen und generell, war heute die perfekte Gelegenheit!

Kurz vor Zehn Uhr, marschierte Dr. Quinzel schnurstracks in die Kantine um sich, offiziell, einen Muffin zu kaufen. Inoffiziell allerdings wartete Sie darauf, dass ihr Chef seine tägliche Kaffeepause antrat. Um an den Ersatzschlüssel zu gelangen, musste sie in Arkhams Büro. Diese Kaffeepause heute gab ihr die ideale Möglichkeit sich zu holen was sie brauchte. Normalerweise trank Arkham seinen Kaffee immer allein in seinem Büro, über einen Stapel von Akten gebeugt, doch nicht heute.
Denn heute hatte Juan Carlos Kantinendienst.
Juan Carlos war ein alter Latino mit verknitterter Haut und einer Glatze. Wie bei so vielen Männern war auch bei ihm von seiner einstigen Haar-Pracht nicht mehr übrig geblieben, als ein stattlicher grauer Schnurrbart. Dieser Mann war einer der Wenigen die schon in der Anstalt gearbeitet hatten bevor der ganze Wahnsinn los ging. Stolze 37 Jahre arbeitete Carlos in der Kantine, mit Unterbrechungen versteht sich, schließlich war das Asylum immer wieder geschlossen. Und immer wieder kam Carlos zurück – genauso wie Arkham!
Die Beiden teilten eine gemeinsame Vergangenheit, die sowohl mit den Mauern dieses Gebäudes als auch ihren Herzen verwachsen war.
Mittlerweile war Carlos allerdings schon alt geworden, und arbeitete nur noch einmal die Woche, um seine Pension auf zu bessern. Was für ein Glück für Harleen, dass gerade heute der älteste Freund ihres Chefs da war, um ihn ab zu lenken – aber was heißt hier Glück? Bestimmt hat Mister J. auch das irgendwie gewusst! Er wusste einfach alles!

„Seit wann vergiftest du dich denn mit dem Kantinen-Fraß?“, lachte plötzlich jemand hinter ihr.
Als die Ärztin sich umdrehte blickte sie in Amandas grinsendes Gesicht.
„Hey, auch ich darf mal sündigen.“, erwiderte Harleen ironisch und biss demonstrativ in den trockenen Muffin den sie sich als Alibi gekauft hatte. Igitt war das Ding bröselig…
Amanda lachte über den angeekelten Gesichtsausdruck ihrer Freundin, als diese versuchte die trockenen Muffin-Überreste wieder aus zu spucken. Es musste ein unglaublich komisches Bild gewesen sein, denn einige der anwesenden Kollegen verkniffen sich prustend das Lachen.
„Dr. Quinzel, Sie hier? Ah, wollten Sie überprüfen ob die Muffins noch immer so scheußlich sind wie immer? Haha.“, sagte eine gut gelaunte Stimme neben der Angesprochenen. Die Blondine hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen, als der Anstaltsleiter plötzlich neben ihr stand und herzhaft lachte.
War heute etwa internationaler „Anschleich-Tag“?
Der angebissene Muffin flog in hohem Bogen durch die Luft und landete mit einem >Klonk< im Abfalleimer – als Statement.
„Was soll ich sagen, Dr. Arkham? Ich bin und bleibe nun einmal eine unverbesserliche Optimistin!“, sagte Harleen und verkniff sich das Würgen. Ihr Boss lachte.
„Na, dann viel Glück! Diese Dinger schmecken seit Jahrzehnten wie Katzenstreu, und daran wird sich auch nie etwas ändern!“
Ob aus Ehrfurcht vor ihrem Chef oder weil sie seinen Spruch wirklich witzig fanden, die halbe Kantine lachte. Es war ungewöhnlich so viel gute Laune an einem Ort innerhalb der Anstalt zu finden. Dr. Quinzel lächelte und bemerkte, wie sich trotz all der Vorfreude Wehmut in ihr regte. An diesem Ort hier…hing sehr lange Zeit ihr Herz. Doch schon morgen, würde ihr Herz von hier weggetragen werden…
Sie beobachtete still wie ihr Vorgesetzter sich zu Carlos an die Durchreiche zur Küche stellte und die Beiden gemeinsam über alte Zeiten scherzten. Auch die anderen, anwesenden Kollegen, Ärzte, Krankenschwestern und sogar zwei Wärter vertieften sich wieder munter in ihre Gespräche …in der Kantine kamen eben alle zusammen.
Amanda stupste ihre selig dahinlächelnde Freundin unauffällig in die Seite. Harleen sah überrascht hoch und verstand, dass sie der Frau folgen sollte. In der hintersten Ecke der Kantine blieben sie weit möglichst von den Anderen stehen. Amanda sah ungewohnt angespannt aus.
„Harleen, ich muss dich um etwas bitten…falls dich Arkham heute zufällig fragt ob du weist wo Jonny ist… sag ihm er liegt mit Fieber im Bett okay?“
Verdutzt zog die Angesprochene die Brauen hoch.
„Ist alles okay, geht es Jonny gut? Ist irgendwas …passiert?“
Amanda seufzte und sah betreten weg, „… um ehrlich zu sein…ich weiß es nicht. Als ich ihn gestern nach seiner Schicht überraschen wollte, war er ganz…komisch. So ernst und… still. Und dann heute Morgen war er einfach weg! Normalerweise muss ich ihn aus dem Bett treten, und plötzlich steht er vor mir auf, und verschwindet bevor ich aufwache? Was soll das denn?
Ich hatte gehofft ihn hier zur Rede stellen zu können, aber laut seinen Kollegen ist er heute nicht zur Arbeit erschienen. Was soll ich davon halten, Harleen?“
Das überraschte die junge Blondine. Jonny schien ihrer Einschätzung nach so loyal wie ein Labrador zu sein, also woher kam dieses seltsame Verhalten auf einmal? Sie hatte Amanda selten wegen eines Mannes so geknickt gesehen, aber scheinbar war ihr Jonny wirklich wichtig..

„Es ist sehr nett von dir, dass du ihm trotzdem ungefragt ein Alibi gibst… vielleicht…vielleicht plant er ja eine Überraschung?“, versuchte sie die Ältere auf zu muntern. Diese sah überrascht ihre Freundin an.
„Eine Überraschung?“, wiederholte sie ungläubig.
Grinsend nickte Harleen.
„Genau! Du hast doch immer gesagt er ist so ein Romantiker! Wie lange seid ihr jetzt schon zusammen? Weist du noch das Datum?“
Jetzt lachte Amanda herzhaft:
„Meine Güte, wir sind doch keine Kinder mehr, die beschlossen haben ab einem gewissen Tag miteinander zu gehen!“
Froh darüber die Situation entspannt zu haben machte die junge Ärztin weiter.
„Aber heut zu Tage feiern viele verliebte Pärchen nicht nur den Jahrestag, sondern auch vor allem am Anfang der Beziehung jeden Meilenstein! Der erste Monat, die ersten drei Monate…“
Plötzlich blinzelte Amanda irritiert.
„Jetzt wo du es sagst…wir sollten ziemlich genau…schon drei Monate miteinander was am Laufen haben, wenn ich so nachdenke…Aber glaubst du wirklich Jonny plant irgendetwas wegen lausigen drei Monaten?“
Selbstsicher grinsend nickte Dr. Quinzel.
„Nach allem was er bereits abgezogen hat? Glaubst du denn, er ist der Typ für romantische Gesten, und aufwendige Planung? Der Mann hat dich mit allen Künsten der Verführung erobert, daher würde es mich nicht wundern, wenn er etwas ganz Besonderes plant!“, plapperte Harleen euphorisch drauf los.

Ein Stoß ging plötzlich durch das ganze Gebäude.
Eine Kaffeetasse zerbrach als sie vom Tisch rutschte, und ein paar Angestellten entkamen kurze, erstickte Schreie als sie mit einem Mal aus dem Gleichgewicht gebracht wurden und ineinander krachten. Auch Harleen und Amanda strauchelten, konnten sich jedoch an der Wand festhalten.
Das Beben, das ein kurzes Grollen mit sich brachte, dauerte keine 3 Sekunden.
Alle standen da, sahen sich verwirrt an, und wussten offensichtlich nicht so recht, was gerade geschehen war. Viele sahen hoch zur Decke, wo die Lautsprecher hingen, über welche die Durchsagen abgespielt wurden – sowie die Notfallsignale.
Irgendetwas war gerade passiert, dass konnte niemand leugnen aber…die Lautsprecher blieben stumm.
Mit jeder Sekunde der Stille, wurden die Menschen in der Kantine unruhiger, ein Raunen ging durch den Raum. Während die Ersten damit begannen zu fragen „Was das war“, schnappte sich Dr. Arkham blitzschnell eines der Walkie-Talkies der beiden anwesenden Wachen, um den Kontrollraum an zu funken.
Doch als er den Knopf drückte, der die Verbindung herstellen sollte, entkam dem Gerät nur ein schmerzhaftes, lautes Kreischen. Einige hielten sich sofort die Ohren zu.
Ungläubig starrte der Anstaltsleiter auf das Funkgerät.
„Was zur Hölle!?“
Dr. Arkham spuckte zitternd die Worte aus, und endlich nahm auch Harleens Kopf wieder seine Arbeit auf. Vom ersten Schock durch die Erschütterung betäubt, vom Kreischen der Kommunikationsgeräte wieder geweckt, war es ihr wieder möglich klar zu denken, auch wenn das nicht viel war:
Was um alles in der Welt ging gerade vor sich!?
Was war das für ein Lärm der dumpf aus dem Gang zum Hauptgebäude zu ihnen vordrang?
„Sind das Schüsse!?“, schrie plötzlich jemand in der Menge.
Die Furcht breitete sich augenblicklich auf den Gesichtern der Menschen aus. Alle dachten es, aber wie versteinert, keiner wagte es laut aus zu sprechen:

„…Das…Das ist…“, begann Harleen apathisch, doch konnte sie den Satz nicht zu Ende führen.
Mit einem Mal heulte endlich die Notfall-Sirene ohrenbetäubend durch das ganze Gebäude.
Der Arlarm war ausgelöst worden.
Eine unbekannte Stimme hallte panisch durch die Lautsprecher:
„ANGREIFER IM HAUPTGEBÄUDE, ICH WIEDERHOLE ANGREIFER IM HAUPTGEBAUDE, WIR WERDEN ÜBERRANT! SOFORTIGE EVAKUIERUNG EINLEITEN, ICH WIEDERHOLE, SOFORTIGE EVA- KSSSSSHHHHHHH…“
Die Durchsage brach ab.
Jetzt gab es kein Halten mehr - Panik brach aus. Menschen schrien, wollten fliehen, wussten aber nicht wohin. Der Lärm der Schüsse und ferne Schreie, näherten sich.
„ALLE SOFORT MIR NACH!“, brüllte Dr. Arkham über das Chaos hinweg, der auf eine der Sitzbänke gestiegen war. Durch das ständige an und abschwellende Dröhnen des Alarms verstand man ihn kaum, doch die Autorität, die in seiner Stimme mitschwang, konnte man fast schon körperlich spüren.
Noch bevor Harleen sich selbstständig in Bewegung setzten konnte, packte jemand sie am Arm und zog sie bestimmt hinter dem Anstaltsleiter her. Es war Amanda, die ihre Freundin mit eisernem Griff hinter sich herzog, ohne auch nur ein Wort zu sagen, aber das war okay.
Harleen vermochte nicht mit der derzeitigen Situation, um zu gehen. Alles in ihrem Kopf drehte sich nur um den einen Satz…

„…das ist…doch viel zu früh…“ flüsterte sie tonlos.


Die Fliehenden kamen dank Dr. Arkhams Führung schnell durch die verwinkelte Anlage. Der Alarm, die näherkommenden Schüsse – immer wieder stießen blutbespritze Überlebende zu ihnen.
Trotzdem schrie keiner mehr. Jeder beeilte sich und biss sich auf die Zunge.
Bloß keinen Laut von sich geben.
Arkham hielt in einem unauffälligen Seitengang, und wandte sich einer kleinen, unscheinbaren Tür zu, neben der ein morsches Bücherregal stand. Er griff mit der Hand in den schmalen Spalt hinter dem Regal, und es piepste leise, dann ein Klicken und die unscheinbare Tür öffnete sich.
„Alle rein da, los!“, spurte Arkham die anderen an, und zog die Tür vollständig auf.
Dahinter lag ein heller, großer, weißer Raum.
Die versteckten Notfall-Bunker.
Das waren sie also.
Ihre Gruppe war auf dem Weg zu diesem Ort auf fast 30 Personen angeschwollen, doch alle passten problemlos in das Versteck.
Als alle drinnen waren, stand nur noch Dr. Arkham alleine draußen am Gang.
„Jetzt kommen Sie schon!“, drängte Amanda ihn, doch Arkham blieb stehen. Sein Körper zitterte wie Espenlaub und kalter Schweiß lief ihm über das Gesicht.
„Wenn… wenn die Funkgeräte nicht funktionieren, dann heißt das, dass sie es irgendwie geschafft haben unsere Signale hier drin zu stören. Das würde auch bedeuten, dass im schlimmsten Fall der automatische Notfallalarm nicht die Polizei erreicht hat… Ich werde versuchen in den alten, unbenutzten Teil der Anstalt zu gelangen, die alten Telefonleitungen sollten noch funktionieren. Wenn wir Glück haben, haben sie sich nicht die Mühe gemacht, auch die Telefonleitungen zu kappen…
Egal was passiert – bleiben Sie da drin, bis Hilfe kommt!“
Mit diesen Worten, und noch bevor Amanda es verhindern konnte, schloss der Leiter des Arkham Asylums den Bunker. Dr. White stand vor der, nun von Innen sichtbaren, unbezwingbaren Stahltüre und musste zusehen, wie die automatischen Riegel sich schlossen.
Dr. Arkham hatte seine Entscheidung getroffen.


„Harleen! Harleen, verdammt nochmal!“
Klatsch.
Harleen Quinzel blinzelte verwirrt, und fragte sich warum ihre Wange plötzlich brannte.
Als wäre sie gerade aus einem langen Schlaf erwacht, nahm ihr Gehirn langsam wieder seine Arbeit auf. Was… was war geschehen?
Harleen hob den Kopf, und die Realität traf sie wie eine Abrissbirne als sie in Amandas entsetztes Gesicht blickte.
Hinter Dr. White, leuchteten die Blutspritzer auf den weißen Kitteln ihrer Kollegen hervor.
Es war die einzige Farbe in diesem weißen Raum, voll von weißen Kitteln… und doch war da so viel Rot…
„Harleen! Rede mit mir!“, schrie Amanda sie erneut an und schüttelte ihre Freundin, und endlich war die Schockstarre gelöst.
„Amanda…“, hauchte die Blondine mit glasigen Augen, „…was passiert hier?“
Tränen begannen über Harleens Wangen zu laufen.
Das konnte nicht real sein. Sie musste träumen. Das passierte alles in Wirklichkeit gar nicht.
Das konnte gar nicht passieren…
Als Amanda endlich wieder ein Lebenszeichen von ihrer Freundin erhielt, atmete sie erleichtert auf. Die Ohrfeige hatte anscheinend geholfen.
„Ich weis es selbst nicht, Harleen. Aber vorerst sind wir hier sicher. Egal wer diese Typen sind und was sie wollen – hier kommen sie nicht rein.“, sagte sie und legte eine Hand auf eine der weißen Wände.
„Wenn... sobald Dr. Arkham die Polizei informiert hat, werden diese Scheißkerle verhaftet, und wir kommen alle hier raus. Wir müssen uns nur ruhig verhalten und warten, bis alles vorbei ist.“
Der jungen Therapeutin lief es eiskalt den Rücken runter. Jede Zelle ihres Körpers wusste, dass das nicht so einfach war wie es bei Amanda klang. Vor allem, wenn Harleens größte Befürchtung sich bestätigte dann…
„Warum… warum sind alle Verbindungen tot? Ich dachte das neue Sicherheitssystem wäre unüberwindbar…?“, fragte Harleen leise, obwohl die Übelkeit, die sich in ihr breit machte, ihr bereits die Antwort verriet…
Amanda stürzte ihr Gesicht in ihre Hände.
„Das dachten wir alle, Arkham am Meisten! Es sollte eigentlich absolut unmöglich sein, unser Sicherheitssystem von außen lahm zu legen!“
Oh ja. Von außen war das auch unmöglich gewesen aber…
„Es ist der Joker! Ich spreche nur aus, was wir alle denken! Kein anderer Häftling, wäre in der Lage so etwas auf die Beine zu stellen!?“, schrie eine Stimme hinter den beiden Frauen.
Harleen hielt die Luft an. Einer ihrer Kollegen, ein kleiner Mann mittleren Alters, zeigte mit seinem bebenden Finger genau auf sie. Die Panik leuchtete aus seinen Augen, und plötzlich wandten alle Überlebenden ihre Aufmerksamkeit Harleen und diesem Mann zu.
„SIE! Sie sind seine Therapeutin!? Sie hätten das kommen sehen müssen!? Oder stecken sie etwa mit diesem Bastard unter einer Decke!?“
„Anderson!“, schrie Amanda plötzlich empört ihren Kollegen an, als dessen Vorwürfe an Harleen über seine Lippen gekommen waren.
„Was, White!?“, konterte dieser in Rage, „Sie haben es selbst gesagt! Es ist unmöglich unser Sicherheitssystem von außen zu überwinden! Das heißt, irgendwer hier drin hat ihm geholfen!?“
„Und sie glauben wirklich, dass Dr. Quinzel, die zusammen mit uns hier festsitzt, seine Komplizin ist!?“
Anderson, der kleine Therapeut mittleren Alters, sah auf die sitzende Harleen herab.
Sie saß da, wie eine Statue, bleich wie die Wand, und ihre Augen starrten glasig in das Nichts. Ihre Brust hob und senkte sich unregelmäßig, als würde sie dagegen ankämpfen zu Hyperventilieren.  
Selbst ein Laie sah, dass sie unter Schock stand, unfähig die Realität zu akzeptieren.
Das war nicht der schuldbewusste Blick eines Verräters – das war der Blick eines hilflosen Opfers, das aus seinem gewohnten Leben gerissen worden war, und nicht verstand was hier geschah.
Das erkannte auch Anderson. Er seufzte, und Amanda sah wie nah der Mann den Tränen war. Er hatte Angst – wie sie alle.
„…Irgendwer hier drin hat denen geholfen…“, flüsterte er bitter.
„Und wir werden denjenigen finden, sobald wir hier raus sind! Bis dahin sparen Sie sich Ihre haltlosen Vorwürfe!“, sprach Amanda ein Machtwort und es zeigte Wirkung. Anderson senkte den Kopf und zog sich in eine einsame Ecke zurück. Harleens Blick folgte ihm, und sie beobachtete wie der kleine Mann ein Foto aus seiner Tasche zog und zu Schluchzen begann. Die Blondine konnte keine Details erkennen, aber es sah nach einem Familienfoto aus…
Amanda seufzte, und nahm neben Harleen auf einer der weißen Bänke Platz.
„…Er hat recht…“, wisperte Dr. Quinzel kraftlos.
Natürlich reagierte Amanda sofort: „Nein hat er nicht! Im Moment wissen wir nicht einmal ob der Joker für all das verantwortlich ist! Und selbst wenn – es ist nicht deine schuld!“
Doch.
Das war es.  
All das war Harleens schuld.
Der gestörte Funk …das war eindeutig ihr Werk!
Sie hatte die Sender in der Anstalt versteckt, sie hatte Mister J. die Steuerung gegeben und sie…
Sie war dadurch auch verantwortlich für all das hier…
Aber warum? Warum passierte das alles? So… so war das alles doch nicht geplant gewesen!?
Amanda griff nach der blassen, kalten Hand ihrer Freundin.
„Harleen…“, begann sie sanft, „… Du bist nicht verantwortlich für die Taten deines Patienten. Und selbst wenn der Joker hinter all dem steckt, hier sind wir in Sicherhei-!“
Klonk, Klonk.
Augenblicklich verstummte jedes Geräusch im Bunker.
Es hatte…geklopft.
Dr. Quinzel wagte kaum zu atmen, aus Angst das jedes Geräusch sie verraten könnte.
Keiner rührte sich.
Nach ein paar weiteren stillen Sekunden stemmte Amanda sich neben ihrer Freundin hoch, und wandte sich leise, aber eindringlich an alle Anwesende:
„Hört zu, ich weis ihr habt Angst – ich auch! Aber wir werden hier lebend rauskommen, verstanden? Dieser Bunker ist absolut uneinnehmbar! Diese Mistkerle müssten schon die ganze Anstalt auseinander nehmen, um uns zu erreichen, und selbst dann würden Sie nicht einmal mit einem Raketenwerfer hier durch kommen, die Türe besteht aus gehärtetem Stahl! Ohne den Code, kommen die hier nicht rein!
Klonk. Klonk. Klonk, Klonk, klonk.
Es hatte erneut geklopft. Diesmal rhytmisch.
Harleens Herz pumpte ohne unterlass Adrenalin durch ihren Körper.
Ihr war schlecht, und am liebsten hätte sie sich übergeben.
Doch sie stand schweigend auf, und trat neben Amanda, welche angespannt die schwere Sicherheitstüre fixierte welche wie ein Grabmal vor ihnen aufragte.
„Das ist nicht Doktor Arkham… er kennt den Code, er würde nicht klopfen…“, flüsterte Amanda heiser. Was das bedeutete, wusste jeder:
Man hatte sie gefunden.
Irgendjemand begann zu schluchzen.
Von der anderen Seite der Türe war kein Laut zu vernehmen.
Harleen brauchte mehr als einen Versuch um einen Ton heraus zu bringen. In ihrem Hinterkopf formte sich ein schrecklicher Gedanke…
„Was… was, wenn sie ihn gefunden haben und er ihnen den Code verraten hat…?“, fragte sie bebend, doch Dr. White schüttelte nur den Kopf.
„Nein…Dr. Arkham würde eher sterben, als uns zu verraten. Sie haben den Code nicht.“
Die Blondine versucht aus Amandas Überzeugung Kraft zu ziehen, und ihre Atmung wieder zu kontrollieren, doch…
Biep… Biep, Biep.
Auf einmal wankte Amanda zurück, als hätte sie ein unsichtbarerer Schlag in die Magengrube getroffen. Ihre Augen waren weit aufgerissen, sie keuchte.
Biep…Biep…
Harleen, die genau wie Amanda sofort verstanden hatte, woher dieses leise Piepsen da draußen kam, gaben ihre Knie nach, sie wankte und stieß mit der Schulter gegen die Wand neben der Tür.
Absolutes Grauen durchflutete ihren Körper.
Jemand gab den Code ein.
Und Arkham war es bestimmt nicht.

Dr. Quinzel sah zu ihrer Freundin, die in der Mitte des Bunkers stand, und am ganzen Leib bebte.
Ihr Mund stand weit offen, die Worte wollten nicht ihren Weg über ihre Zunge finden.
„Das…das ist unmöglich! Nein! Das kann nicht sein!“, Amandas Stimme wurde lauter, panisch.
Biep, Biep.
Panik, breitete sich aus, jeder begriff nun, was gerade geschah. Harleen stand wie erstarrt neben der Türe, sich noch immer an die Wand stützend, unfähig sich zu rühren. Sie sah zu ihrer Kollegin, und ihre Blicke trafen sich.

„Harleen…es tut mir leid, dass ist alles meine Schuld!“

Natürlich glaubte die Jüngere das nicht, schließlich wusste sie genau, dass sie allein für alles verantwortlich war: „Nein, Amanda, Ich muss - !“, weiter kam sie nicht mit ihrem Schuldeingeständnis.
Über Amandas Wangen liefen Tränen der Verzweiflung, doch war da noch mehr…
„Harleen… nur Dr. Arkham und ich kannten den Code… aber… ich…“
Reue. Und eine fatale Erkenntnis.
Biep, Biep…
„…ich habe ihn Jemanden verraten.“
Biep.
Die letzte der 10 Ziffern des Codes war eingegeben worden.
Die Bunker-Türe öffnete sich.
Beißender Rauch quoll durch die Öffnung sobald sie einen Spalt offenstand, und alle Anwesenden wichen zurück in die hinterste Ecke des Raumes.
Doch nicht Harleen. Jegliche Kraft hatte sie verlassen, ihre Knie waren so tragfähig wie die eines neugeborenen Rehs. Lediglich die Wand verhinderte, dass sie in sich zusammenbrach und…
Amandas vor Angst geweitete Augen.
Sie stand mit den Anderen zusammengedrängt, wie in die Ecke getriebenes Getier, vor Angst erstarrt vor dem Raubtier welches nun vor ihnen stand um sie zu verschlingen…
Harleen konnte sich nicht umdrehen, wie eingefroren wandte sie der Bunkertür noch immer den Rücken zu, von Amandas Blick gefesselt.
Schritte. Tap, Tap, Tap, Tap… Tap. Tap.
Das Raubtier stand direkt neben ihr.
Und noch immer konnte Harleen sich nicht rühren, nicht einmal den Kopf drehen, um ihren baldigen Mörder an zu sehen. Sie wollte sein Gesicht jetzt nicht sehen…
Falls es Mister J. war… Nein.
Sie musste nicht hinsehen um zu wissen wer das war.
Das Entsetzen, welches sich in Amandas Augen abzeichnete, verriet es ihr.
„Guten Tag, Doktor Quinzel. Der Boss will Sie sehen.“

Jonny.

Als Harleen endlich den Kopf drehte stand ein vollkommen anderer Jonny neben ihr, als der, den sie gekannt hatte.
…Als der in den Amanda sich verliebt hatte und mit dem sie heimlich in diesen versteckten Raum gegangen war für gemeinsame Abenteuer am Arbeitsplatz…
„Du!? Du!?“, schrie Amanda von der anderen Seite des Raumes. Sie war vollkommen hysterisch, heulte Rotz und Wasser, und wurde von den anderen, von Todesangst gequälten, Kollegen zurückgehalten.
Mehr aus kollektivem Selbstschutz als der Intention heraus den Verräter Jonny vor Amanda zu schützen, denn hinter Jonny tauchten Gestalten auf…
Gestalten wie aus einem kranken Traum… ein riesiger, fetter Panda… ein Mann mit Ziegenkopf… das waren noch die Harmloseren… ein paar der Angreifer trugen diverse… Kleidungsstücke, die definitiv niemand unter 21 kaufen konnte.
Das Alles… trug die Handschrift des Jokers. In Neonschrift.
Jonny packte unsanft Harleens Arm, wodurch die Starre des Schocks endlich gebrochen war. Sie versuchte sich seinem Griff zu entwinden, doch erkannte recht schnell, dass das sinnlos war.
Ihr Gehirn wurde mit Adrenalin geflutet.
Tun, sie musste etwas tun!? Mister J. wollte sie sehen? Nach all dem, standen ihre Überlebenschancen bei 0.7% wenn er sie in die Finger bekam! Fluchtmöglichkeit? Keine! Kampf? Sie waren haushoch unterlegen.
Scheiße!?
Blieb nur noch…
„Wenn ich ohne Wiederstand mitkomme, passiert dann den anderen nichts?! “, schoss es aus Dr. Quinzel Mund, und sie blieb vor dem falschen Freund stehen.
… Schadensbegrenzung.
Sie konnte aus den Augenwinkeln sehen wie zwei weitere ihrer Kollegen Amanda niederrangen, um eine Eskalation zu verhindern, einer hielt ihr den Mund zu, doch ihre ersticken Schreie konnte jeder hören.

Jonny beobachtete wie seine Ex versuchte sich zu befreien, um sich wie eine Furie auf ihn zu stürzen, mit entspannter Miene.
„Das ist eine vernünftige Einstellung, Doktor.“, sagte er seufzend.
Er ließ ihren Arm los, trat einen Schritt zurück, und machte ihr deutlich, dass sie vor ihm den Raum verlassen sollte.
Harleen wusste, dass Amanda ihr diesen Akt der Selbstopferung nie verzeihen würde. Aber das war der einzige Weg… sie warf Amanda White noch einen letzten Blick zu.
All ihre Liebe für diese Freundin, und all ihr Bedauern über ihre gemeinsame Dummheit, lag in diesem einem Blick. Harleen versuchte nicht einmal die Tränen zu bekämpfen, trotzdem lächelte sie. Sie tat etwas Gutes. Sie beide waren schuld an dieser Zerstörung, doch Harleen hatte die größere Schuld auf sich geladen. Dafür wurde sie jetzt büßen.
Damit Amanda, die wie eine große Schwester für sie war, leben würde.
Dr. White biss in die Hand die sie zum Schweigen bringen wollte, doch sofort waren noch mehr Hände von verängstigten Kollegen da, welche die Mission des Vorgängers fortsetzen.
Der Blick der Geknebelten aber sagte was Amanda schreien wollte:
Tu das nicht!

Harleens Lächeln blieb unverändert, als sie sich umdrehte, ihren Kollegen den Rücken zuwandte, und mit Jonny den Raum verließ.
Das Lächeln erstarb, als sie sich draußen ein letztes Mal umdrehen wollte, und plötzlich zwei dutzend schwer bewaffnete Freaks neben der Bunkertüre sah – alle mit dem Finger schussbereit am Abzug.
Sie sah Jonny mit weit aufgerissenen Augen an.
„Nun, Dr. Quinzel, Sie kennen doch meinen Boss… “, sagte er, und mit seinen Worten traten die Freaks wie auf Kommando aus ihrer Deckung, und stellten sich zwischen Harleen und den Bunkereingang, mit dem Rücken zu ihrem Befehlshaber. Die Blondine konnte einzelne panische Gesichter ihrer Kollegen zwischen den Silhouetten der Angreifer sehen.
Jonny packte sie erneut am Arm, und zog sie hinter sich den Gang hinunter.
„… Er hält nicht viel von Vernunft.“
Als Jonny seine freie Hand hob, wusste Harleen bereits genau, was der Verräter damit meinte.
Sie riss sich los, öffnete ihren Mund, wollte schreien: „Nein, STOP!?“
Doch Jonny war schneller.
Harleens Kreischen vermischte sich mit dem Donner der Maschinengewehre, und den Todesschreien ihrer Kollegen im Bunker, als Jonny mit einem Fingerschnipsen das Signal zu feuern gab.
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