Die Stadt des Bösen

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
23.08.2018
23.08.2018
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Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Das verborgene Dorf“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

Die Mädchen trainierten mit ihren Schwertern. Sie waren miteinander befreundet, obwohl sie unterschiedlicher hätten wohl nicht sein können. Eines der Mädchen war eine recht gute Kämpferin, die beiden anderen dagegen übten noch in dieser Kunst. Und so kam es, dass zwei der Mädchen spielerisch gegen das dritte Mädchen kämpften.
Ciara sprang vor und schwang ihren stählernen Xiphos, doch Soran wehrte den Angriff mit einem ihrer Schwerter mühelos ab. Ciara täuschte einen weiteren Angriff vor, um dann woanders zuzuschlagen, doch auch diesmal kam Soran ihr zuvor. Mehr noch, sie schlug den Angriff so hart zurück, dass Ciara einige Schritte nach hinten taumelte.
„Dich sollte man wirklich nicht unterschätzen.“ meinte die Halbdrow.
Ciara war die Tochter eines menschlichen, wilden Magiers und einer Drow. Das Mädchen hatte ein rundes, weiches, eher menschliches Gesicht. Dennoch waren die spitzen Ohren und die mandelförmigen, bernsteinfarbenen Augen, sowie die kurzen, weißen Haare unverkennbar Merkmale von Drow. Ihre Haut war deutlich heller als die einer reinen Drow, aber immer noch sehr dunkel. Allerdings war sie dank ihrer menschlichen Statur auch ein gutes Stück größer als eine Drow. Sie sah wie eine Halbwüchsige aus, was bei einer Halbdrow nicht viel bedeuten mochte, in ihrem Fall jedoch den Tatsachen entsprach, denn Ciara hatte erst fünfzehn Winter gesehen. Sie trug einen dunkelgrünen Kapuzenmantel und eine braune Hose.
„Dabei kämpft sie noch nicht einmal ernsthaft.“ bemerkte Kadlin, als sie vorstürmte, weil sie ihre Chance gekommen sah.
Das Mädchen schwang ein Sax aus Meteoreisen, und hätte Soran beinahe erwischt, doch sie wich ihrer Attacke aus, und schlug ihr heftig das Schwert aus den Händen. Ein gezielter Tritt von Soran schickte Kadlin schließlich zu Boden. Doch das Mädchen trat vor, und reichte ihrer Freundin die Hand, sodass diese aufstehen konnte.
„Da werde ich wohl noch eine ganze Weile lang trainieren müssen.“ meinte Kadlin.
Kadlin war ein Tiefling, und Tieflinge waren die gemeinsamen Nachkommen von Menschen und Dämonen, auch wenn sie zu einem erheblich größeren Teil Menschen als Dämonen waren. Trotz ihrer dämonischen Verwandtschaft war ihre Hautfarbe menschlich. Sie hatte spitze Ohren sowie kleine, vorstehende Hörner. Zudem hatte sie rote Augen, dunkelblaue Haare, Krallen an ihren Fingern und einen Schwanz. Die Kleidung die das Mädchen welches erst vierzehn Winter gesehen hatte, trug, war ein ockerfarbenes Leinenkleid.
„Ihr habt schon reichlich Fortschritte gemacht.“ lobte Soran, „Und ihr habt beide einen schnellen und wendigen Kampfstil. Wenn ihr einmal angegriffen werdet, werdet ihr immerhin nicht völlig wehrlos sein.“
Soran war ein Halbdrache und hatte bereits sechzehn Winter gesehen. Ihre Eltern waren ein Mensch und ein Bronzedrache. Als Halbdrache hatte sie eine humanoide Statur, jedoch war ihre Haut deutlich drachenartig, ihre Augen waren die eines Drachen, und ihre Haare schimmerten in Bronze. Ihre Finger endeten in Krallen, sie hatte zusätzlich Hörner, sowie einen Schwanz und zwei Flügel. Soran trug Wollkleidung, über welcher eine Lederrüstung war. Und in ihren Händen hielt sie zwei Kopis aus Elektrum.
„Ich verstehe nicht, warum ihr beiden überhaupt wissen wollt, wie man mit Waffen kämpft.“ sagte Jador, der gerade zu den beiden Mädchen getreten war, „Ihr verfügt doch über Magie, besonders du, Ciara.“
„Für Barden ist es nicht unüblich, neben Magie auch andere Dinge zu lernen.“ erwiderte Kadlin, „Zumal ich nicht sehr viele Zauber kenne, die ich auf meiner Laute ausführen kann.“
Bei diesen Worten ging das Mädchen zu zu ihrer Laute, und schnallte sich diese wieder auf den Rücken, nachdem sie ihr Schwert eingesteckt hatte.
„Und ich möchte kämpfen können, falls ich einmal keine Magie anwenden kann.“ antwortete die Halbdrow.
Auch Ciara und Soran steckten ihre Waffen wieder ein, nun, da das Kampftraining beendet war.
Jador war so alt wie Soran, und zugleich ein Tiefling wie Kadlin. Allerdings war die dämonische Seite bei ihm etwas deutlicher ausgeprägt. Seine langen, schwarzen Haare reichten bis auf seine Schultern, während sein Gesicht silberne Augen und spitze Ohren zeigte. Seine Hörner war deutlich stärker ausgeprägt, allerdings hatte auch er eine menschliche Hautfarbe. Er hatte an seiner schlanken, hochgewachsenen Statur Krallen, einen Schwanz, und seine Füße endeten in Hufen. Er trug dazu dunkle und weite Wollkleidung, und hatte auf seinem Rücken einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen.
„Wisst ihr wo Ragin ist?“ fragte nun ein weiterer Junge, „Wir hatten doch vereinbart, dass wir bald aufbrechen, und in dem nächsten Stadtstaat unsere Vorräte auffüllen.“
Es handelte sich um Inarisos, welcher der einzige Mensch unter den Freunden, und so alt wie Ciara war. Er hatte eine etwas stämmigere, kräftigere Statur, und dazu rote Haare und blaue Augen. Seine Kleidung bestand tatsächlich nur aus zwei Tüchern, welche er sich kunstvoll um den Körper gebunden hatte. Eines von ihnen war hellgrün, und das andere war hellblau. Als Hexenmeister trug er auch seinen Zauberstab bei sich.
„Er wollte eigentlich schon zurück sein.“ wunderte sich Jador.
In diesem Moment kam ein riesiger Panther auf die Freunde zugelaufen. Sowohl seine Größe, als auch seine roten Augen verrieten, dass er kein gewöhnlicher Panther war. Ragin war zurück. Kaum hatte er seine Freunde erreicht, verwandelte sich der Werpanther in seine elfische Gestalt zurück.
Als Elf war Ragin so groß wie ein Mensch. Er hatte blonde Haare, welche ihm bis auf die Schultern reichten, und grüne Augen. Dazu hatte er natürlich auch spitze Ohren. Für einen Elfen sah er ungewöhnlich muskulös aus, ein Merkmal davon, dass er schon seit einer ganzen Weile ein Theriantroph war. In seiner natürlichen Gestalt trug er ausgefranste, schwarze Weste und Hose, sowie einen Gürtel mit vielen Taschen.
„Wir müssen unschuldigen Menschen helfen.“ sagte er, „Nicht weit von hier werden einige Händler von Räubern angegriffen.“

Kolun sah sich von mehreren Räubern umzingelt. Er war ein Mensch, und dazu ein recht erfolgreicher Kleiderhändler. Was er verkaufte, ließ sich in den Städten in der Nähe gut verkaufen. Er war, wie er es meistens tat, in der Gesellschaft von anderen Händlern gereist. Doch diesmal hatte er auch seine Tochter Kjolan mitgenommen. Sie hatte als einziges von seinen Kindern Interesse daran gezeigt, den Familienbetrieb weiterzuführen, und so wollte er ihr einmal zeigen, was ein Händler tat.
Eine schlechte Idee, wie es sich nun herausstellte. Eine Räuberbande hatte offenbar in den Wäldern auf sie gelauert, und nun die Chance gesehen, sie zu überfallen. Und was konnten die Händler auch schon gegen sie ausrichten? Schließlich waren sie nur unbewaffnete Männer, welche Waren verkauften.
Die Räuber waren ungefähr zu gleichen Teilen Männer wie Frauen. Und sie waren ausschließlich Menschen, bis auf ihren Anführer, welcher ein Drachengeborener war. Er ähnelte einem humanoiden Drachen, allerdings hatte er weder Flügel noch einen Schwanz.
Es gab keine Möglichkeit zur Flucht, denn sie standen am Rand einer Klippe. Dieser war mehr als breit genug, als dass mehrere Wagen dort entlangfahren konnten, allerdings waren sowohl vor als auch hinter ihnen die Räuber. Die Händler hatten die Wagen von der Zwergen gekauft. Ihre Wagen beruhten auf der Technologie der Zwerge, und mussten nicht von Pferden gezogen werden, sondern liefen mit Zahnrädern und anderer Mechanik.
„Wir hätten doch besser die Halborks in der Stadt als Beschützer anheuern sollen.“ meinte Kjolan.
„Diese widerwärtige Orkbrut?“ schimpfte eine Händlerin.
„Deine vorlauten Sprüche werden die Räuber nicht vertreiben.“ meinte ein anderer Händler.
Der Drachengeborene trat auf die Händler zu. Er trug die übliche Kleidung der Räuber, hatte jedoch auch ein Amulett, welches aus purem Gold zu bestehen schien, und führte als Waffe eine Lanze mit sich.
Viele der Händler wichen aus Angst zurück, und diejenigen die es nicht taten, spielten einen Mut vor, welchen sie ganz bestimmt nicht hatten.
„Ich bin Enthaos.“ stellte er sich vor, „Der Anführer dieser Räuber, denn ich bin mit Abstand der stärkste von ihnen. Und, bei Tiamat, ich schwöre, dass ich euch zwei Entscheidungen lasse.“
Keiner der Händler sagte etwas, und der Drachengeborene fuhr, böse grinsend, fort: „Ihr übergebt uns eure Waren freiwillig, und wir töten euch schmerzlos. Oder wir nehmen uns eure Waren einfach, und töten euch schmerzvoll.“
„Das ist eine grausame Wahl.“ rief Kolun verzweifelt, „Bitte, lasst wenigstens meine Tochter gehen. Sie hat erst dreizehn Winter gesehen.“
Enthaos lachte nur.
„Gerade sie werden wir ganz gewiss nicht gehen lassen.“ redete er, „Denn es macht einfach furchtbar Spaß, Kinder zu töten. Habe ich Recht, Leute?“
Die anderen Räuber grölten lachend vor Zustimmung.
Kjolan weinte und versuchte sich hinter Kolun zu verstecken, was die Räuber nur dazu brachte, umso lauter zu lachen. Langsam rückten sie näher und näher.
„Bei Waukeen!“ rief plötzlich einer der anderen Händler aus, „Was hat eine Drow hier verloren?“
Die Räuber drehten sich um. Tatsächlich, ein Stück weit hinter ihnen stand ein junges Mädchen, welche wie eine Drow aussah. Sie hatten geglaubt, dass Drow nur selten ihre Städte im Unterreich verließen, und was konnte sie schon von den Händlern oder gar den Räubern wollen?
„Ich bin hier, um diese Menschen vor euch zu beschützen!“ rief sie, und streckte eine Hand vor, welche aufleuchtete.

Die Freunde hatten schnell gesehen, dass eine ganze Bande von Räubern die Händler umkreist hatte. Dank der scharfen Sinne von Ciara und besonders Ragin, wussten sie auch, dass diese Räuber die Händler in jedem Fall ermorden würden. Und so hatten die Freunde beschlossen, sie anzugreifen und die unschuldigen Menschen zu retten.
„Der Drachengeborene sieht gefährlich aus.“ redete Ragin, „Inarisos, Kadlin, traut ihr euch zu, sich ihm entgegenzustellen?“
Der Menschenjunge und das Tieflingsmädchen sahen sich an, und nickten dann einander zu.
„Gut. Ciara, kannst du sie ablenken, bis wir anderen in Position gegangen sind?“ fragte der Elf weiter.
„Kein Problem.“ gab das Mädchen zurück.
„Dann los!“ sagte Ragin, und die Freunde stürmten los.
Als Inarisos, Ciara und Kadlin losgelaufen waren, zog Jador seinen Bogen und einen Pfeil hervor.
„Legen wir dann los?“ fragte der Elf das Halbdrachenmädchen.
„Darauf kannst du dich verlassen.“ erwiderte sie, „Ich wette, ich kann mehr von ihnen erledigen als du.“
„Liebst du es sosehr, Wetten zu verlieren? Du hast doch keine Chance gegen mich.“ neckte Ragin sie.
„Vielleicht solltest du deine Worte mit Taten unterstreichen.“ feixte Soran.
Das Halbdrachenmädchen breitete ihre Flügel aus, und flog zu den Räubern.
Ragin verwandelte sich erneut, aber diesmal nicht in seine Panthergestalt, sondern in seine Hybridgestalt. Wie alle Theriantrophen hatte er nicht bloß eine tierische Gestalt, sondern auch eine, in welcher er wie ein humanoides Tier aussah. In seinem Fall war es ein Panther, und wieder leuchteten seine Augen rot.
Mit einem Satz sprang er von der Klippe und landete leichtfüßig mitten unter den Räubern auf der Klippe darunter. Ein Mensch, erst recht ein Elf, und wahrscheinlich sogar ein Ork hätten sich bei diesem Sprung erheblich verletzt, doch für einen Werpanther war es nur eine Kleinigkeit.
Die Räuber schrien auf und rannten durcheinander, doch Ragin nutzte seine Schnelligkeit, um Zweien von ihnen die Körper aufzuschlitzen. Auch Soran fuhr mit ihren Schwertern unter die Räuber und durchbohrte einen, während sie einen weiteren enthauptete. Eine Räuberin floh vor ihr, doch ein Mensch konnte einem Halbdrachen niemals entkommen. Soran machte einen Satz und landete genau vor ihr. Mit einem schnellen Hieb trennte sie beide Arme der Räuberin ab, welche voller Schmerz aufschrie. Das Halbdrachenmädchen bohrte ihr anderes Schwert in ihren Bauch und drehte die Klinge um.
Drei Räuber flohen vor Ragin, doch der Werpanther holte sie mühelos ein. Einen riss er mit einem Prankenhieb regelrecht in zwei Teile, während er die beiden anderen nur packte, und mit seiner enormen Kraft einfach mit einem großen Satz über die Klippen warf, sodass sie schreiend in die Tiefe fielen.
Eine Räuberin warf sich mit dem Mut der Verzweiflung auf den Werpanther und stieß mit einem Messer nach ihm. Die Klinge fügte Ragin einen tiefen Schnitt zu. Gefährlich für die meisten Rassen, kaum mehr als ein Kratzer für einen Theriantrophen. Doch gerade als er sie zerfetzen wollte, packte Soran sie mit ihren Krallen, zerrte die Räuberin von ihrem Freund und riss sie mit purer Kraft in zwei Stücke.
„Das ist ungerecht, ich wollte sie erledigen.“ redete der Werpanther.
„Ach echt? Ich wusste gar nicht, dass wir abgemacht hatten, gerecht zu kämpfen.“ gab Soran feixend zurück.
„Trotzdem bin ich in Führung. Ich habe zwei mehr erledigt als du.“ redete Ragin.
„Dann sieh mal her.“ forderte seine Freundin ihn auf.
Vier der Räuber hatten erkannt, dass sie gegen diese Gegner nichts ausrichten konnten, und waren auf den Wagen eines der Händler geklettert. Doch sie hatten die Kraft eines Halbdrachens unterschätzt. Soran rannte los und trat mit voller Wucht gegen den Wagen. Dieser rollte durch die Wucht des Treffers los und fiel über die Klippen, die schreienden Räuber mit sich reißend.
Inarisos und Kadlin stürmten los. Ein Räuber hieb mit seinem Schwert nach dem Jungen, verfehlte ihn jedoch. Im nächsten Moment stürmte das Tieflingsmädchen heran und durchbohrte ihn mit ihrem Sax. Der junge Hexenmeister sah, wie eine Räuberin fliehen wollte und deutete schnell in ihre Richtung. Kadlin zog sofort ihren beiden Kunai hervor und warf diese auf die Räuberin. Beide trafen sie in den Rücken, die Frau schrie auf, fiel zu Boden, und rollte über die Klippen.
„Verdammt, für die beiden Kunai aus Meteoreisen habe ich einiges an Münzen hingelegt.“ ärgerte sich Kadlin.
„Vorsicht!“ rief der Menschenjunge.
Ein Messer sauste hinab, und schnitt Kadlin über den Arm. Inarisos befand sich in einem Kampf mit einer Räuberin, und wehrte ihre Schwerthiebe mit seinem Zauberstab ab. Er konnte ihr nicht zur Hilfe kommen. Der Räuber der Kadlin angegriffen hatte, holte noch einmal mit dem Schwert aus, doch das Mädchen war schneller, und konterte mit ihrer Waffe. Doch der Mann war kräftiger als sie, sodass ihr die Waffe beinahe aus der Hand gefallen wäre.
Doch plötzlich flog ein Pfeil heran, durchbohrte den Arm des Mannes, und nagelte ihn regelrecht an den Wagen fest, neben welchem er stand. Kadlin lächelte Jador dankbar zu, auch wenn sie nicht wusste, ob er das aus dieser Entfernung sehen konnte. Im nächsten Moment durchbohrte sie den Räuber mit ihrem Schwert.
Und einen Augenblick später flog ein weiterer Pfeil heran, und bohrte sich in den Rücken der Räuberin, welche gegen Inarisos kämpfte. Die beiden Freunde klopften sich den Dreck von den Klamotten ab, und rannten dann wieder auf den Drachengeborenen zu.
Ciara rannte schnell durch die Reihen der Räuber. Sie war nicht getroffen worden, was sie wohl nicht bloß ihrer Schnelligkeit zu verdanken hatte, sondern auch der Tatsache, dass Jador ihr offenbar am häufigsten half. Zwei Räuberinnen rannten auf sie zu. Eine von ihnen wurde durch einen Pfeil niedergestreckt, und während die andere noch zu ihrer gefallenen Kameradin sah, sprang Ciara vor und durchbohrte sie mit ihrem stählernen Xiphos.
Dann sah die Halbdrow, wie einige der Räuber offenbar Jador entdeckt hatten. Sie waren auf einen der Wagen geklettert und schossen mit Pfeilen auf den Tieflingsjungen. Er war ein weitaus besserer Bogenschütze als sie, doch über kurz oder lang würden sie ihn treffen. Zeit für Ciara, ihre wahre Macht zu zeigen.
Das Mädchen fühlte die Magie in ihr aufsteigen. Es war mächtige Magie, wilde Magie. Sie brauchte keine Zaubersprüche, keine magischen Formeln. Wilde Magier wollten die Magie nicht ordnen, sie trugen ihr ihren Willen auf, und ließen der Magie dann freien Lauf.
In der Hand der Halbdrow entstand eine große, orangefarbene, magische Kugel. Sie warf diese auf den Wagen, auf welchem die Räuber standen, und er verging in einer gewaltigen Explosion, welche schließlich nur einen großen Krater hinterließ.
„Alle auf einen Streich.“ jubelte die Halbdrow.
Tatsächlich waren alle Räuber besiegt worden. Alle, außer zwei. Ein menschlicher Räuber und der Drachengeborene.
Als der Räuber sah, dass alle seine Kameraden besiegt worden waren, wollte er wenigstens das junge Mädchen töten, wenn er den Kampf schon nicht gewinnen konnte. Er stürmte vor, packte sie und warf sie kraftvoll über den Rand der Klippe. Einen Augenblick später bohrte sich ein Pfeil in seinen Rücken.
Kjolan fiel über die Klippe, konnte sich jedoch rechtzeitig an deren Rand festhalten. Doch das Mädchen wusste, dass ihre Kraft nicht ausreichen würde, in wenigen Augenblicken würde sie in die Tiefe stürzen. Ragin sprang los. Ein Mensch wäre niemals schnell genug gewesen, ebenso wenig ein Elf, aber ein Theriantroph schon. Er rannte zum Rand der Klippe, sprang, und griff mit seiner Hand nach dem Mädchen, welches genau in diesem Moment den Halt verlor.
Ragins Krallen bohrten sich in ihre Haut, doch er hielt sie fest. Mühelos zog er das Mädchen wieder hoch und setzte sie neben sich ab.
„Kjolan!“ rief ihr Vater, rannte zu ihr und nahm sie in seine Arme.
„Ich danke dir.“ sagte das Mädchen zu dem Werpanther.
„Ich habe dir gerne geholfen.“ erwiderte dieser.
„Wann wird sie sich verwandeln?“ fragte Kolun und deutete auf die Kratzwunden am Arm seiner Tochter.
„Überhaupt nicht. Dazu hätte ich sie beißen müssen.“ erwiderte Ragin.
Der Kampf war noch nicht vorbei. Enthaos sah, dass alle seine Räuber erledigt worden waren. Doch er war noch lange nicht besiegt worden. Er streckte seine Lanze vor und machte sich kampfbereit, denn der Menschenjunge und das Tieflingsmädchen unter den Angreifern kamen auf ihn zu. Auch diese Drow näherte sich ihm. Sie würden eine böse Überraschung erledigen.
Ciara schleuderte einen weiteren, orangefarbenen Ball aus Magie auf ihren Gegner, doch der Drachengeborene streckte bloß seine Lanze vor, und der magische Angriff prallte an ihr wirkungslos ab. Einen Moment später schoss aus der Lanze genau der gleiche Angriff, welchen Ciara abgeschossen hatte. Die Halbdrow warf sich gerade noch rechtzeitig zu Boden, sodass er sie verfehlte, und weit, weit hinten im Wald einschlug.
Inzwischen hatte auch Soran beschlossen, in den Kampf einzugreifen. Sie öffnete ihren Mund und schoss einige Blitze auf den Drachengeborenen ab. Dieser saugte diese wieder mit seiner Lanze ein. Doch diesmal zielte er auf Jador und traf ihn mit voller Wucht. Der Tieflingsjunge sackte zusammen.
„Jador!“ schrie das Halbdrachenmädchen.
„Meine Lanze absorbiert jede Form von Magie, und wirft diese auf den Gegner zurück.“ sagte er, „Und das beste ist, dass ich jede Form von Magie, mit der ich jemals angegriffen worden bin, immer wieder zurückwerfen kann. Nur eine Waffe mit ähnlicher Macht könnte meine Lanze zerstören. Und jetzt werde ich euch der Reihe nach töten! Und mit dieser Drow fange ich an!“
Er richtete seine Lanze auf Ciara und ein gelber Pfeil schoss heraus. Doch Inarisos war schneller. Er warf seinen Zauberstab, sodass der magische Pfeil diesen traf. Beide Waffen leuchteten auf, und explodierten dann.
„Wie konntest du es wagen?“ fuhr der Drachengeborene auf.
„Du hast es doch selber gesagt. Nur eine ähnlich mächtige Waffe könnte deine Waffe zerstören.“ erwiderte der Hexenmeister.
„Das wirst du bereuen!“ fuhr Enthaos auf.
Er öffnete sein Maul und schoss eine Flammenkugel auf den Hexenmeister ab. Doch Kadlin sprang vor und stellte sich schützend vor ihren Freund. Die Flammenkugel hatte keine Auswirkungen auf sie, lediglich ihre Kleidung qualmte ein wenig.
„Tieflinge sind immun gegen Feuer, wie du festgestellt haben dürftest.“ sagte sie grinsend.
„Und jetzt habe ich etwas für dich!“ sagte Soran.
Das Halbdrachenmädchen richtete beide Schwerter auf ihn und rief: „Clara Cut Gladius!“
Ihre beiden Schwerter leuchteten auf, und mehrere Lichter in der Form von Schwertklingen schossen auf den Drachengeborenen zu, und trafen ihn. Enthaos taumelte noch einige Schritte weiter, dann zerfiel er in mehrere Stücke.
„Damit ist auch der letzte Gegner besiegt.“ stellte Kadlin fest.
Neben dem zerstückelten Körper lag etwas. Es war das goldene Amulett des Drachengeborenen. Kadlin beugte sich vor, und hob es auf. Vielleicht konnte es noch einmal nützlich sein.
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