Fate/Astra

von Vangueis
GeschichteThriller, Fantasy / P18
OC (Own Character)
22.08.2018
19.08.2019
22
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Dieses Kapitel
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Der Morgen des ersten Tages, an dem der Gralskrieg offiziell begann,  war angebrochen. Der Graf war schon früh wach und arbeitete in seinem 'Büro', dass er sich innerhalb des Tempels von Caster einrichten lassen hatte. Er brütete über einen Stadtplan von Trier und versuchte zu ermitteln, wo sich der Stützpunkt der Lyra-Fraktion befinden könnte. Aber er konnte sich nicht recht konzentrieren. Rider stand hinter ihm und beobachtete ihn aufmerksam. "Master. Vielleicht sollte ich das übernehmen." Er deutete auf den Stadtplan. "Du bist zu gütig, Rufus. Ich dachte eigentlich, dass wäre zu langweilig für dich." Der Graf stand auf und machte für Rider Platz. "Nun, die Planung vor einer Schlacht und den Feind zu kennen ist essentiell für einen Krieg - essentiell für mich." Rider lachte bitter. Der Graf lehnte sich an die Wand und griff sich an die Stelle, wo einst sein rechter Arm war. Er hatte wieder Phantomschmerzen. Er spürte immer öfter den selben Schmerz, den er erstmals erlebte, als die Seeschlange seinen Arm abbiss. Doch der Schmerz ließ nicht nach und die Schmerzdauer wurde auch immer länger. Wenn das so weiter ginge, würde er den Schmerz nicht mehr aushalten. "Master?" fragte Rider. "Ja?" antwortete Sigismund ein wenig gequält. "Mal abgesehen von deinen Schmerzen, was beschäftigt dich?" Der Graf stutzte. Er war wieder einmal überrascht, wie feinfühlig Rider doch war. "Es ist dieses Mädchen, nicht wahr? Den Master von Saber meine ich." Sigismund atmete aus und überlegte kurz, bevor er antwortete. "Eher eine Mischung aus allen dem. Diese Schmerzen zehren an mir und Suzuka bereitet mir Kopfzerbrechen. Seitdem wir Saber mit den Uschebti von Caster beobachtet haben und dann auch noch Ruler auftauchte, hat sich ihr Zustand nur verschlimmert." Rider hielt kurz inne, indem was er tat. Seine Stimme war ungewöhnlich leise, als er weitersprach: "In der Tat. Das ist mir auch aufgefallen. Hat sie irgendeine Verbindung mit Ruler?" "Nicht wirklich." erwiderte Sigismund. "Ich weiß nicht, was Ruler ist. Aber ich habe eine Ahnung. Immerhin hat er sein Noble Phantasm offenbart. Außerdem kenne such ich sein Äußeres." Das stimmte. Ruler war bis auf die Farbe seiner Augen und Haare und der bleichen Haut identisch mit Shirou Emiya. "So ist das also." antwortete Rider. Danach herrschte schweigen zwischenden beiden und Rider arbeitete weiter am Stadtplan. Der Graf brach einer Weile das Schweigen. "Weißt du Rufus, manchmal wünsche ich mir einfach zu sterben. Aber ich habe Shirou Emiya versprochen, für die Dauer des Krieges auf seine Adoptivtochter aufzupassen. Daher darf ich noch nicht sterben. Außerdem muss ich noch sicherstellen, dass es meiner Familie gut geht, bevor ich diese Welt verlasse." Rider hörte auf zu arbeiten. Er stand auf und kniete sich vor dem Graf auf den Boden. Das brachte ihn ungefähr auf Augenhöhe mit Sigismund. "Ihr seid sehr edel, Master. Daher habe ich einen Vorschlag. Lasst uns diesen Kampf um den Gral zu Ende bringen und danach gemeinsam den Tod suchen!" Es klopfte an der Tür zum Büro des Grafen. Jasmin Shabh schob ihren Kopf aus der Öffnung und sagte ohne Umschweife: "Herr Graf, es geht los."

Abraham Josef Abramelin saß am Tresen der Kellerbar des Hauptquartiers der Lyra-Fraktion. Er sah in seine halbleere Teetasse und fragte sich erneut, ob es die richtige Entscheidung war, an diesem Gralskrieg teilzunehmen. Der Master des verbündeten Archers war mittlerweile auch aufgetaucht und es hatte bereits eine erste Besprechung gegeben, wie man im Krieg vorgehen würde. Jedoch hatten nur Vater Grantz und überraschenderweise auch Arawn-Cernunnos sowie seine Wenigkeit den Ausführungen von Harold Doppio zumindest mehr oder weniger zugehört. Die anderen waren mit irgendwelchen lapidaren Dingen beschäftigt, im Geiste wo anders oder überhaupt nicht anwesend. Und jetzt saß er hier alleine mit einer beständig kalter werdenden Tasse Tee. Rider begleitete Assassin bei einer Patrouille. Nun, vielmehr ließ Rider sich von Assassin begleiten - zumindest wäre dies die passendere Beschreibung für dieses Ereignis. Rider akzeptierte Assassin, stand ihm aber mit Argwohn gegenüber, so viel hatte Abe herausfinden können. Er seufzte und schloss die Augen. Er musste schleunigst herausfinden, wer seine Rider war. Ansonsten würde er ihr nicht ausreichend zur Seite stehen können. "Noch so eine verlorene Seele wie ich selbst? Wunderbar. Weningstens eine Person hier, die ich nicht sofort abstoßend finde." ertönte eine helle Stimme. Abe war nicht einmal mehr überrascht, wenn plötzlich irgendwelche Leute ihn aus dem Nichts ansprachen. Er wandte sich um und erblickte ein Mädchen in einem roten Kleid mit schwarzen Rüschen. Ihre Haut war ungesund bleich und hob sich stark durch ihre Kleidung und das dunkle Haar hervor. Ihre Augen jedoch strahlten in einem durchdringendem Grün. Sie raffte ihren Rock und machte einen Knicks. "Ich bin die Herzogin von Gautenbergh und Master von Archer. Freut mich." Sie ratterte diese Worte herunter, als hätte sie sie heute schon oft gesagt. "Mein Name ist Abraham Josef Abramelin, aber nennen Sie mich ruhig Abe. Ich bin der Master von Rider. An sich würde ich sie jetzt rufen, aber sie gerade... äh... unpässlich." Die Herzogin ließ sich neben ihm auf einen Barhocker fallen und sagte: "Sie sind freundlich, Großväterchen. Aber ich bin nicht an Ihren Servant interessiert, genauso wenig wie ich an diesem Krieg interessiert bin. Ich bin eigentlich nur aus Zufall hier." Abe schmunzelte. "Ach ja?" erwiderte er "Nur aus 'Zufall' wird man nicht vom Gral ausgewählt. Aber Ihre Beweggründe gehen mich auch nichts an." Sie errötete, was durch ihre bleiche Haut sehr hervorgehoben wurde. Hinter ihr manifestierte sich ihr Servant. Archer war ein Mann im mittleren Alter mit langen, braunen Haar. Er trug eine Tunika über einer teilweise vorhandenen Rüstung. Er lächelte spitzbübisch und sprach: "Hab' ich's dir nicht gesagt, Penelope? Vor dem Alter kann man nicht lügen." Das Mädchen errötete noch mehr und fuhr ihren Servant an: "Ich habe dir doch schon oft genug gesagt, dass ich nicht so heißen! Lass es endlich sein, Archer!" Der Servant überging ihren Protest und sprach Abe an. "Nimm's ihr nicht übel. Sie hat bloß nicht das beste Verhältnis zu ihrer älteren Verwandtschaft, da diese sie dazu zwang, überhaupt am Krieg teilzunehmen. Tja, ist halt nicht einfach so als aussterbende Magierfamilie." Die Herzogin boxte Archer gegen den Bauch, doch er lachte nur. Abe wurde sich wieder bewusst, warum er einmal Lehrer war: Die Jugend anzuleiten ist eben einfach wunderbar.

Im Tempel von Caster of Altair waren im Thronsaal alle Master der Altair-Fraktion. Jedenfalls fast alle. Der Master von Lancer hatte sich immer noch nicht mit ihnen in Verbindung gesetzt. Einige Servants hatten sich auch manifestiert, namentlich Saber und Caster. "Assassin ist vermutlich auf das Versteck von unserem Lancer gestoßen, Herr Graf." sagte Hortensia-Antonia Narciso während sie eine demütige Gebärde machte. "Lassen Sie das." sagte Sigismund. "Sie sind nicht meine Dienerin. Ich mag zwar einen Adelstitel tragen, aber sie haben jemand anderen die Treue geschworen. Wenn Sie sich mir gegenüber so verhalten, könnte das den jungen Herrn Galo beleidigen." Die Stimme des Grafen war eindringlich. Jasmin räusperte sich, was den Grafen zur Raison rief. "Pardon. Ich habe wohl ein wenig überreagiert. Was hat Assassin alles herausgefunden?" Die Portugiesin sah ihren Herrn an. Dieser nickte beifällig. "Assassin hat die Signatur von Lancer in der Kaisertherme ausmachen können. Vermutlich beziehen er und sein Master dort Unterschlupf. Auch sagte-" Sie hielt inne und schien zu lauschen. "Assassin hat mich soeben darüber informiert, dass Lancer in Bewegung getreten ist. Und..." Sie stoppte abermals. "Ja?" sagten der Graf und Enrico Galo simultan. "Lancer bewegt sich genau auf zwei feindliche Servants zu. Der eine ist der gegnerische Assassin, den anderen kann er nicht einschätzen." Schweigen. Der Graf knirschte mit den Zähnen und ballte seine verbliebene Hand zur Faust. Sein Plan geriet wieder ins Wanken. "Frau Shabh?" Jasmin zuckte zusammen. "J-Ja!" Sie war vom herrischen Ton des Grafen überrascht. "Sind Uschebti vor Ort? Haben wir ein Bild?" schnappte der Graf. Caster klatschte einfach nur in die Hände und eine Wand aus Äther erhob sich vor den Versammelten. In den Schwaden manifestierte sich ein Bild wie von einer Drohne. Ein anerkennender Pfiff ertönte. "So habt ihr also mich und das Erscheinen von Ruler beobachtet! Nicht schlecht - nay - wahrlich beeindruckend, Caster!" sagte Saber. Caster schwieg, lächelte aber selbstgefällig. Das Bild auf der Ätherwand wurde klarer und Lancer war zu erkennen: Ein bärtiger Mann in jadegrüner Kleidung und mit einer riesigen Hellebarde bahnte sich den Weg in Richtung zweier Servants der Lyra-Fraktion. "Rufus?" fragte der Graf grimmig. "Ihr habt gerufen, Master?" ertönte die Stimme von Rider. "Halt dich bereit. Wir dürfen eine Niederlage auf unserem Territorium nicht erlauben."

Abe hatte der jungen Herzogin gerade eine Tasse Tee zubereitet, als Rider sich meldete. Sein Gesicht wurde finster. "Tut mir leid, aber ich müsste Sie um etwas banales fragen." sagte er ernst. Die Herzoginsah ihn nur an. "Dürfte ich mir die Stärke von Archer leihen? Mein Rider hat sich gerade gemeldet. Sie und Assassin sind auf einen feindlichen Servant getroffen." Die Herzogin legte den Kopf schief. "Aber sie sind doch zu zweit?" Abe wollte schmunzeln, brachte es aber nicht hin. "Ihr seid wirklich unbelesen, was einen Gralskrieg angeht. Zum einen dürfen wir nicht davon ausgehen, dass der Feind alleine ist und zum anderen..." Archer sah seinen Master erwartungsvoll an. Doch diese hörte Abe sehr genau zu. Dieser fuhr fort: "Zum anderen konnte Rider mir bestätigen, dass der feindliche Lancer mindestens genauso stark wie unser Saber ist." Archer begann in seine Geisterform zu wechseln. "Mehr brauche ich nicht zu hören. Ich bin dann mal weg. Eine Dame in Nöten überlässt man nicht ihrem Schicksal." "H-Hey! " sagte die junge Adelige "Du bist immer noch mein Servant!" Archer sah sie an. "Tja, Penelope. Ich höre eben aufs Alter. Außerdem bist du nicht die einzige Frau in meinem Leben. Wenn du mich jedoch hier behalten willst, benutz' doch 'nen Befehlszauber."

Archer of Lyra sah seinen Master an. Sie war noch so ein junges Ding, unerfahren und naiv, noch darauf wartend, die Welt zu entdecken. Er selbst hingegen hatte schon viel erlebt - schon viele Freunde verloren. Er war nur hier, damit sein Master nicht auch alle ihre Freunde verlieren würde. "Ich hab' schon schlimmeres erlebt. Also. Hör auf den Master von Rider. Er hat schon mehr Erfahrungen sammeln können als du. Außerdem würde ich mich doch nicht einfach töten lassen. Immerhin wartest du 'zu Hause' auf mich." Die Herzogin sah zu Boden. Archer schloss die Augen. Sie war so stur, aber sie würde doch verstehen...
"In Ordnung." sagte sie leise und zurückhaltend. Archer hielt sich demonstrativ die Hand hinters Ohr. "Wie bitte? Du musst schon lauter sprechen, wenn ich's hören soll." Das Mädchen blickte auf und sah so aus, als ob ihr die ganze Situation ziemlich peinlich wäre. "Ich hab 'in Ordnung' gesagt, du Idiot!" Archer lächelte, nahm ihre Hand und küsste diese. "Na dann will ich die Dame mal nicht enttäuschen." Er wechselte in seine Geisterform und verschwand. Abe, der sich aus dem Geschehen herausgehalten hatte, musste auch lächeln. Archer war ein Servant, der einen Menschen durch seine Art ändern konnte und das wäre - zumindest glaubte Abe das - das beste, was der jungen Herzogin passieren könnte.

"Nun, das war enttäuschend." sprach Lancer of Altair. Vor ihm auf dem Boden lag Assassin of Lyra - besiegt. Nicht getötet, aber Bewegungsunfähig. Wie war das passiert? Rider hatte gar nicht beurteilen können, was geschah. Der feindliche Servant hatte nicht einmal angegriffen und dennoch lag Assassin nun zu seinen Füßen. Tatsächlich war es Assassin gewesen, der mit einer Pistole auf den Lancer feuerte, doch die Schüsse zeigten keinerlei Wirkung. Und dann im nächsten Augenblick ging Assassin zu Boden. Einfach so. Rider klopfte sich Staub von ihrem Pelzmantel. Sie hatte keine Ahnung, wie sie einen Kampf mit dem Feind angehen sollte. Also griff sie zu einem bewährten Mittel, um Konflikt aus dem Weg zu gehen. "Wie viel?" fragte sie den bärtigen Lancer. Dieser sah sie nur an, regte sich aber nicht. "Wie viel muss ich dir zahlen, damit du Assassin und - viel wichtiger - mich gehen lässt? Du scheinst stark zu sein und ich habe nicht die Intention, gegen dich zu fallen." Lancer of Altair strich sich den Bart und legte seine Stirn in tiefe Falten. "Ich strebe den Frieden an..." holte er aus. "Fein. Ich auch. Also, wie viel?" unterbrach ihn Rider. "...Doch..." fuhr Lancer of Altair fort "Doch wahrer Friede kann nicht erkauft werden. Ich strebe Frieden an, der dadurch entstand, dass es meine Feinde nicht mehr gibt. Deine Angebote sind also vollkommen bedeutungslos für mich." beendete er seine Rede. Er nahm eine Kampfhaltung ein und spannte sich an. Er holte zu einem gewaltigen Schwung mit seiner riesigen Hellebarde aus und schlug zu. Rider's Männer manifestierten sich vor ihr um einen menschlichen Schutzschild zu bilden, doch drei Pfeile trafen Lancer of Altair in der Schulter mit einer solchen Wucht, dass es ihn aus der Bahn warf. Die Hellebarde grub sich einen halben Meter von Rider entfernt in den Boden und ließ die Erde vibrieren. Der Lancer richtete sich auf und brach die Pfeile ab. Er schwieg und verzog keine Miene, als ob es gar keinen Schmerz gäbe. Er blickte in die Richtung, aus der die Pfeile kamen und endeckte Archer of Lyra. Dieser machte eine Art salutierende Bewegung und sagte: "Grüße." Lancer of Altair strich sich erneut über den Bart. "Du bist also der Archer... in deinen Pfeilen liegt keinerlei Bosheit. Das könnte lästig werden. Aber ich gratuliere dir. Mit nur drei Pfeilen hast du meine ganze Aufmerksamkeit erhalten. Deine Verbündeten können also gerne gehen." Archer legte an "Um ehrlich zu sein, hatte ich mir eine größere Wirkung der Pfeile erhofft." sagte Archer of Lyra. "Vielleicht sollte ich mehr auf meinen Bogen vertrauen. Aber damit würde ich meine Prinzipien brechen." Lancer hob eine Augenbraue. "Wie meinst du das? Bin ich deiner etwa nicht würdig!?" fragte er in einem lauten Ton. Rider hatte indessen ihre Männer angewiesen, Assassin aus der Gefahrenzone zu tragen. Archer kratzte sich am Kinn und erwiderte auf die Frage des Gegners: "Nee. Wo käme ich da denn da hin. Ich hab' einfach nur Respekt vorm Alter. Das ist alles, du Wutrentner." Rider gefiel, was Archer von sich gab. Sie müsste ihn später definitiv entlohnen.

Sigismund Schenk Graf von Falkenhain beobachtete das Geschehen bei der Kaisertherme. Lancer schien stark, aber nur auf eine bestimmte Weise. Dank den Äußerungen des Servants hatte der Graf bereits eine Theorie aufstellen können: Lancer hatte einen automatischen Konter gegen Angriffe, die aus Böswilligkeit geführt wurden. Die Pfeile von Archer of Lyra, die 'ohne Bosheit' waren, trafen ihn jedoch ohne Probleme. Wahrscheinlich konnte Lancer aufgrund dieser Fähigkeit, vielleicht sogar eines Noble Phantasms, Assassin of Lyra ohne einen Finger zu krümmen außer Gefecht setzen. Der Graf biss sich auf die Unterlippe. Er sah realistische Siegchancen auf Seiten des Archers der Lyra-Fraktion, da Lancer nicht sonderlich schnell erschien. "Rufus. Eile zu Lancer und wüte unter unseren Gegnern." sagte der Graf."Jawohl, Master." Jasmin wurde unruhig, doch niemand wiedersprach dieser Entscheidung. Alle hatten das Können des Feindes erkannt. Zwar hatten sie keinen Kontakt zu Lancer und dessen Master, aber eine Unterzahl konnte über Sieg und Niederlage entscheiden. Rider war bereits auf dem Weg zur Kaisertherme, als Enrico Galo den Grafen fragte: "Ist Rider wirklich stark genug?" Der Graf nickte. "Aber ja. Schließlich trägt er das Schwert, dass den Menschen den Frieden nahm."

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Die frühen Morgenstunden in Trier waren turbulent für die normale Bevölkerung. Die Weimarer Allee und die Kaiserstraße waren vollgesperrt, da es mehrere Detonationen an den Kaiserthermen gab. Die Behörden wussten nicht, warum diese Detonationen stattfanden, aber man munkelte, Menschen gesehen zu haben – daher gingen Gerüchte um, dass es ein terroristischer Anschlag sei. Nur zu Schade, dass die Menschen morgen nichts mehr davon wissen würden. Immerhin setzte die magische Welt alles daran, ihre Geheimnisse zu wahren. „Es war schon immer die schmutzige Aufgabe eines Beobachters, die Menschen der wachen Welt in einen Traum zu versetzen.“ Dachte Sapphire bei sich, der das Geschehen bei den Kaiserthermen aus der Ferne beobachtete. Wenn sich nicht bald etwas an der Situation ändern würde, müsste Ruler eigentlich aktiv werden. Aber Sapphire hatte bereits bemerkt, dass dieser Ruler nicht etwa die Einhaltung der Regeln anstrebte, sondern nur Frieden für alle will. Wie ‚die naive Unschuld, die die Grausamkeit der Welt noch nicht verstanden hat‘ würde Sapphire den Servant beschreiben. Er kratzte sein Kinn, als er feststellen musste, dass über den Kaiserthermen eine rot-pulsierende Gewitterwolke auftauchte. Er würde folgendes für die Nachwelt notieren:
„4:42 Uhr – Ein roter Reiter stieg vom Himmel auf das Schlachtfeld hinab.“

Archer of Lyra hielt den feindlichen Lancer schon eine geraume Zeit auf Abstand, doch einen wirklichen Treffer schien er nicht zu landen. Lancer of Altair, gespickt mit Pfeilen, schien den Schmerz zu ignorieren oder ihn schlichtweg nicht zu spüren. Archer wurde das jedenfalls zu viel. Daher machte er sich bereit, den einen Pfeil abzufeuern, der seine Herkunft, das Blut in seinen Adern und seinen Namen beweisen würde. Doch dazu kam es nicht. Ein blutroter Blitz schlug zwischen den beiden Kontrahenten ein und hüllte die Kaiserthermen in eine Rauchwolke, sodass nichts mehr zu erkennen war. Selbst Archer mit seinen guten Augen konnte nichts ausmachen. Als der Rauch begann sich zu lichten, schoss ein dunkelroter, gar feuriger Energiestrahl auf Archer zu und er konnte nur knapp ausweichen. Der strahl schlug hinter ihm in den Boden ein und es wurde kalt, sehr kalt von dort aus. Der Einschlagskrater selbst war nicht groß, aber alles in einem Umkreis von etwa fünf Metern davon fing an zu sterben: Die Blümchen gingen ein und der Rasen wurde braun und dürr. Archer lief es kalt den Rücken hinunter. Hätte ihn dieser Stoß getroffen, wäre er vermutlich nicht mehr. „Ups.“ ertönte eine raue Stimme aus den Rauchschwaden. Dort, wo der Blitz eingeschlagen war, stand ein grausames Pferd. Es war hautlos, das Muskelskelett war deutlich zu erkennen. Knochen traten an den Gelenken und aus dem Brustkorb hervor und es hatte Reißzähne, die so aussahen, als würde täglich ein Schwein reißen. Aus den tiefen Augenhöhlen glommen zwei kleine Augen wie schwindende Kohlen. Doch der Reiter des Pferdes war fast noch grausamer – Ein Hühne mit blutrotem Haar und einem Wolfsschädel der sein Gesicht verdeckte. Eine Aura, die identisch wie der Energiestrahl von eben war, stieg von dem Unhold auf und Archer wusste, dass er hier nicht mehr gewinnen konnte. Aber er musste Haltung waren. „Tut mir leid, Großer. Aber ich würde gerne mein Geplänkel mit dem Wutrentner da hinter dir fortsetzen.“ Keine Regung beim Gegenüber, aber die raue Stimme ertönte erneut: „Ich befürchte, dass ich das leider nicht zulassen kann.“ Archer grinste dämlich „Würdest du denn uns in Frieden abziehen lassen?“ Stille. „Nein? Also gut... wenigstens die Dame?“ Der Hühne lachte bitter. „Du bist ein lustiges Kerlchen, Archer of Lyra. Zu deinem Pech interessiert mich nicht, ob Mann oder Frau, ob alt oder jung, ob verletzt oder gesund, ob gut oder böse… Vor mir ist alles Leben gleichwertig – nämlich wertlos.“ Archer wusste was er zu tun hatte. Er hatte noch ein Ass im Ärmel, etwas, dass eine Flucht für ihn, Rider und Assassin erlauben würde. „Also gut, Großer, den kämpfen wir eben. Aber ich halt‘ mich nicht so zurück wie bei dem Wutrentner da.“ Er wies auf Lancer of Altair, der begonnen hatte, die Pfeile abzubrechen. „Nun, dann will ich nicht so unhöflich sein und dich einfach so auslöschen.“ sprach der Hühne und stieg von seinem grässlichen Pferd ab. „Bisschen viel Selbstvertrauen, wie?“ entgegnete Archer. „Fühle dich lieber geehrt und sie es als Akt der Gnade, dass ich nicht zu Ross mit dir Streite. Und sei dir bewusst, dass alles Leben, das von meiner Klinge geküsst wird, vergeht. Also gib dein Bestes.“ Rider of Lyra beobachtete das Geschehen. „Dieser Barbar blufft doch.“ sagte sie. „Da- wäre ich nicht so sicher, my dear…“ ächzte Assassin. „Der Kerl ist dein Gegenpart, Teuerste. Er ist der Rider der Altair-Fraktion – der Servant, weswegen der Bahnhof keine Option zum Aussteigen war.“

Der Schenk Graf von Falkenhain hatte sich in sein Büro zurückgezogen. Er musste nicht zusehen, um zu wissen, dass Rider zumindest in einem Stück zurückkehren würde. Ob er auch siegreich sein würde, war eine andere Geschichte. Solange es aber nicht zu einer Niederlage kommen würde, war ihm alles recht. Und eine Niederlage war vollkommen ausgeschlossen. Rider war ein Wesen, für welches das Prinzip des Todes einfach nicht zählte. Einer der Vorteile, wenn man die Verkörperung von etwas ist, das tief im menschlichen Charakter verwurzelt ist. Sigismund setzte sich an den Schreibtisch und griff zum Briefpapier und der Schreibfeder. Es war an der Zeit, seinen Sohn mal wieder etwas zu schreiben. Er musste Ephraim, seinen ganzen Stolz, ja irgendwie darauf vorbereiten, der nächste Schenk Graf von Falkenhain zu werden – und das auch noch früher als erwartet. Um ehrlich zu sein, empfand Sigismund es als Farce, hier zu sitzen und sich sicher zu sein, dass er sterben würde. Wie konnte er überhaupt sicher sein?  Nun, irgendwie würde die Lyra-Fraktion Rider ja aufhalten wollen… Aber seine liebe Irene und seine beiden Schätze Ephraim und Estelle müssen bis zu dem Tag, an dem er sterben wird, wohl behütet sein. Es klopfte erneut. Vielleicht sollte er ein ‚bitte nicht stören Schild‘ an die Tür anbringen. „Herein.“ Die Tür öffnete sich. Es war nicht Jasmin, sondern Fräulein Tatzelwurm, die nun hineintrat. „Ja?“ fragte der Graf ohne vom Brief aufzuschauen. Er mochte das Mädchen, hatte aber das Gefühl, dass sie leicht nervös wurde. Sie fing an etwas zu stottern hörte dann auf und sah zu Boden. „Nun? Wenn Sie nicht können, holen Sie jemand anderen. Sie müssen sich ja zu nichts zwingen, dass sie nicht können.“ Sie trat auf der Stelle. „N-nein… das geht nicht.“ sagte die junge Frau. „So? Na dann, lassen sie sich Zeit. Übereilen Sie nichts und überlegen Sie gut. Ich bin ein geduldiger Zuhörer. Meine Kinder waren auch sehr schüchtern.“ „Sie h-haben Kinder?“ fragte das Fräulein Tatzelwurm erstaunt. „Aber ja. Ich schätzte allerdings, dass Sie nicht hier sind um mehr über mich und über meine Familie zu erfahren.“ „N-Natürlich nicht!“ sagte das Mädchen und errötete. Der Graf seufzte innerlich. Das konnte ja heiter werden.

Archer of Lyra hatte ziemliche Probleme damit, dem feindlichen Rider zu entgehen. Zum Glück hielt sich aber Lancer of Altair aus dem Kampf. Zumindest momentan. Archer hechtete davon, nur um festzustellen, dass knapp neben ihn das schartige Schwert von Rider of Altair in den Boden einschlug. Er stieß sich abermals ab und sprang in die Luft, um einen Pfeil im Flug auf den Hühne abzufeuern. Der Pfeil traf sein Ziel mit einer solchen Wucht, dass es die freie Hand des Riders mit zu Boden riss und der Pfeil die Hand auf dem Untergrund fixierte. Der Unhold schien unbeeindruckt und riss sich einfach los. Seine Hand wurde dadurch zwar völlig zerfetzt, aber das schien ihn nicht zu interessieren. Er fing wieder an, auf Archer zuzustürmen, jedoch schneller als vorher. Archer wich mit einer gewaltigen Kraft aus, sodass er neben Rider of Lyra und Assassin landete. „Wir sollten gleich den Rückzug antreten. Das gewinnen wir nicht.“ Rider nickte, jedoch fragte sie: „Wie willst du das anstellen? Er scheint ja ziemlich schnell zu sein.“ „Vielleicht in dieser Welt“ erwiderte Archer und klopfte auf den Rundschild auf seinem Rücken und schnallte es los. Der feindliche Rider nahm sein schartiges Schwert in beide Hände und lachte bitter. „Distanz wird euch nicht helfen… so wahr dies das Schwert ist, durch das ich die Macht erhielt, den Menschen des Friedens zu berauben. Also…“ Er hob es und die bösartige Aura sammelte sich darum. Archer hielt den Schild vor sich und sprach: „Nun, alter Freund… ich muss mal von Legende Gebrauch machen. Das stört dich aber sicher nicht, da es ja deine Geschichte erzählt. Nicht wahr, Achilles?“ Rider of Lyra und Assassin starrten Archer an. Währenddessen ertönte die Stimme von Rider of Altair, der sein Noble Phantasm abfeuerte: „Instrumentum Belli!“ Die Aura um das Schwert wurde immens größer und der Hühne holte aus. „Also gut!“ rief Archer und der Schild leuchtete grünlich. „Akhilleus Kosmos!“ Aus dem Schild trat eine grüne Barriere aus, die sich zu einem Globus formte und die Aura gänzlich verschluckte. In dem Globus erschienen Strukturen – Mauern und Häuser – weite Felder, ein Schlachtfeld und tapfere Krieger – die große Schlacht von Troja. „Also dann, gehen wir!“ sagte Archer zu seinen Verbündeten. „Hoffentlich wird der Heimweg nicht zu einer Irrfahrt!“ er lachte herzlich und fing an zu laufen. Rider und Assassin folgten ihm und beide glaubten zu wissen, wer er war.

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Master und Servants in diesem Kapitel:

Franziska Herzogin von Gautenbergh - Eine junge Adelige aus einen aussterbenden Geschlecht. Sie wurde von ihrer Familie gezwungen, am Krieg teilzunehmen. Ihr Partner ist Archers of Lyra.

Archer of Lyra - Ein weltberühmter Held, der für seine scharfe Zunge, Schläue und eine gewisse Irrfahrt bekannt. Er geht dem "Dandytum" nach und hat eine gewisses Interesse an Frauen. Sein Master ist die Herzogin von Gautenbergh.

Lancer of Altair - Servant eines unbekannten Master. Er handelt autonom von der Altair-Fraktion.
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Der Kapitelname ist eine Anspielung an das gleichnamige Album und Lied der amerikanischen Thrash-Metal-Band Megadeth.
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