Leuchtturm

GeschichteHumor, Romanze / P18
FC Bayern München
22.08.2018
26.03.2020
55
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Phil McGraw


Das Richtige zu tun bedeutet nicht gleich, dass alles fantastisch ist. Du tust das Richtige, weil es das Richtige ist.
                                 

(Aus Full House)



„Also ich bin nicht zu Leon hingegangen und habe ihm-“
„Schnauze, Titzia! Du warst derselben Meinung wie ich, dass man Thomas nicht erlauben hätte können den Ritter für Lea zu spielen“, schnitt ich ihr energisch das Wort ab.
„Thomas? Was hat, … warte! Wollte er mich etwa-“
„Heimbringen und dich um sorgen! Wollte er zu 100 % deshalb hat er mich auch wütend aufgehalten, als Jo auf dem Klo war bevor wir von der Hochzeitsfeier heimgefahren sind und will sich mit mir treffen!“, unterbrach ich sie und biss von meinem belegten Brötchen ab.
„Scheiße! Es war ein verdammter Fehler, dass ich kurzweilig bei ihm gewohnt habe. Dicht gefolgt von, dass ich so feige bin um ihm ein für alle Mal klar zu machen, dass ich seine Gefühle nicht erwidern kann“, stöhnte Lea auf und fuhr sich durch ihr unordentliches Haar.
„Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Zumal ich mit dem Gedanken gespielt habe ihn eine rein zu schlagen, als er meinen genialen Plan, dass du und Leon endlich miteinander tanzt mit seiner blöden Polonaise zunichtegemacht hat“, regte Titzia sich zum Schluss hin auf.
„Irgendwie tut er mir ja leid. Ich meine was habe ich alles angestellt, um Manu für mich zu gewinnen als der noch mit Ökonadina zusammen war.“
„Du musst zugeben, dass Thomas bei dir bessere Chancen gehabt hätte, wenn du nicht so versessen darauf gewesen wärst Neuer um den Finger zu wickeln der dummerweise immun gegen dich war, weil er auf mich stand, steht wie auch immer“, kam es von Titzia die sich eine Brötchenhälfte dick mit Nutella bestrich.
„Apropos Manuel! Um was ging's eigentlich in eurer Unterhaltung, die David dermaßen aufgewühlt hat, dass er mir an der Hochzeitsfeier gleich mehrere Nachrichten geschickt hat in dem er erst ausgeflippt ist und sich dann entschuldigt hat. Ich habe sie aber erst vorher gelesen als ich mein Handy ans Ladekabel gehängt habe.“ Überrascht sah ich die Brünette an und wechselte einen Blick mit Titzia die sich prompt an ihrem Tee verschluckt hatte. Erst als das Husten bei ihr nach ließ ergriff sie das Wort. „Er hat was! Der tut ja gerade so, als wollte ich mit Neuer durchbrennen und-“
„Hör auf um den heißen Brei zu reden,Letizia! David in Ehren ich kann über emotionale Ausbrüche hinweg sehen aber du willst mir ja wohl nicht sagen, dass Lina keine Ahnung vom Gesprächsinhalt hat.“ Leas Gesichtszüge verhärteten sich. Ihre sonst so braunen warmen Augen verengten sich zu Schlitzen und hätte sie die Gabe besessen Funken sprühen zu lassen hätte sie es getan. Ihr harter Blick bohrte sich gerade zu in die von Titzia. An ihrer Stelle wollte ich nicht sein. Seit sie vermeintlich außen vor gelassen worden war was Jo und mich und unsere Beziehung anging, war sie empfindlicher geworden. Was sicherlich auch mit ihrem Gefühlschaos zu tun hatte. Was Titzia anging, merkte man ihr deutlich an, dass sie sich nicht all zu wohl in ihrer Haut fühlte. Sie konnte im Allgemeinen den Leuten nicht all zu lange in die Augen sehen und wandte sich ab. Dabei schluckte sie merklich.




„Nachdem du nicht auf Alabasis Nachrichten reagiert hast, ist er zu mir gekommen und ich habe ihm geraten er solle Titzia nicht drängen, sondern darauf warten, dass sie zu ihm kommt und ihm sagt was Sache ist. Was die Situation mit Manu angeht, Lea, weiß ich nur davon, weil du und Daina nicht da wart. Ansonsten hättest du es sicher auch mitbekommen.“ Titzia pflichtete mir eifrig nickend bei. Das letzte, was sie wollte, war, dass Lea sauer war. Der angefressene David, den sie hinhielt, reichte vollkommen aus. Leas Lippen, die zu einem schmalen Strich geworden waren, wurden breiter und weicher. Sie knabberte an ihrem Zwieback und wirkte ein wenig ruhiger als bis gerade.
„Neuer wollte mit mir über seine Aktion, die er damals in Italien beim Verstecken im Dunkeln vorhatte erzählen. Als wäre seine Kuss-Aktion von großer Bedeutung gewesen. Einen Scheiß war es das. Wir gerieten in Streit,als ich ihm unvermittelt sagte, dass ich schwanger sei und mit David zusammen. Er glaubte doch tatsächlich-“
„Titzia! Bevor du weiter sprichst, solltest du Lea mitteilen, dass es eine -“
„Eine was! Was sollst du mir sagen“, unterbrach Lea mich barsch und sah Titzia misstrauisch an.
„Ach verdammt! Ich hätte es euch viel früher sagen müssen, dass es mir die Sicherung herausgehauen hat, als Lea vermeintlich so tat, als interessiere sie sich für David und ich aus Dummheit gepaart mit Verzweiflung anfing mit Manuel zu flirten ; in der Hoffnung, dass David es bemerken würde. Was er nicht tat und mein Plan nicht aufging. Neuer wollte mit mir reden, da er der Auffassung war, dass mein Flirt mit ihm nicht gespielt gewesen sei, sondern, dass ich was für ihn empfinden würde“, redete sich Titzia in Rage und so schnell, dass ich Mühe hatte ihr zu folgen. Selbst, wenn ihre Worte nichts neues für mich waren.
„Du hast mit Manu geflirtet, der blöderweise darauf eingestiegen ist und es David nicht die Bohne interessiert hat“, fasste, Lea nüchtern zusammen ehe sie anfing schallend zu lachen. Das war so typisch. Zu lachen, obwohl es nicht zu lachen war.
„Hör auf zu lachen! Das ist überhaupt nicht lustig“, meckerte Titzia sogleich los was nicht all zu viel half. Lea kicherte wie wild, ununterbrochen und warf immer wieder Wortfetzen wie Manu und eifersüchtig ein.
„Dass ich das noch erleben darf. Manuel Neuer geht auf einen Flirt ein! Man fasst es nicht. Ich war unermüdlich und habe kein einziges Erfolgserlebnis gehabt. Dann kommst du und er zeigt, dass er ein Mann ist und die Flirtsignale versteht! Ich will meinen Zaunpfahl zurück.“ Nach diesem Satz blieb kein Auge trocken. Wir lachten schallend los und die arme Chia die friedlich in ihrem Körbchen geschlafen hatte, beschwerte sich bellend ehe sie sich wieder zusammen rollte und döste.
„Wie gesagt es tut mir leid, wie das gelaufen ist. Ihr hättet viel früher von wissen sollen und ich werde Sarah gleich eine lange Nachricht schicken damit sie auch Bescheid weiß. Aber mir war es im Nachhinein auch unangenehm und ich dachte, wenn ich das lange genug verdränge, dann würde ich vergessen wie peinlich und dämlich die Aktion war. Zumal es mir nur Ärger eingebracht hat“, seufzte Titzia.




„Schon gut, Süße. Wir alle machen Fehler. Ich hätte die Flirt-Aktion verhindern können, wenn ich mit euch geredet hätte. Aber was passiert ist, ist passiert.“
„Nimm's mir nicht übel, Titzia aber du und ich haben genug darüber gesprochen und ich würde gerne das Thema wechseln. Wenn Lea noch mehr wissen will, könnt ihr ja darüber quatschen, wenn ich mich gegen 14. 30 Uhr zu meinen Eltern aufmache. Sie haben mich zum Kaffeetrinken eingeladen und Oma hat Torte gebacken.
„Torte! Was würde ich für ein Stück Torte geben“, seufzte Lea und schob sich den Rest des Zwiebacks deren Schokoguss in ihrer Hand geschmolzen war und sie die Finger notdürftig an einem Taschentuch abwischte in den Mund.
„Schon okay, Lina. Wäre ich nicht diejenige die Mist gebaut hat, würde ich es auch nicht mehr hören wollen.“ Ich lächelte sie dankbar an und wandte mich Lea zu. „Oma gibt mir sicher ein paar Stücke für euch mit! Dann holst du dir deines bei uns ab.“




„Wir könnten aber auch Leon beauftragen, dass er es dir vorbeibringt. Er bekommt bestimmt auch eines ab.“, feixte Titzia und wir waren wieder beim vorherigen Thema angelangt.
„Ha! Ha! Ha! Falls ihr es vergessen haben solltet, macht er seit einiger Zeit diese glutenfreie Ernährung also schätze ich nicht, dass er die Torte essen würde. Selbst, wenn er wollte“, kam es von Lea wie aus der Pistole geschossen.
„Das eine hat doch nichts mit dem Anderen zu tun. Nur, weil er seines nicht isst, kann er dir deines doch vorbeibringen“, gab ich grinsend zurück.
„Manchmal seid ihr genauso nervig und schlimm wie eine der zehn Plagen die Gott über die Ägypter gebracht hat“, schnaubte Lea auf.
„Dann spann uns nicht weiter auf die Folter!“
„Genau! Wir wollen Details Lea Marie Moosburger! Ansonsten schreibe ich Leon eine WhatsApp, dass es dir ich zitiere, soooooo scheiße geht und wir keine Zeit hatten zu kommen und er dir Schmerzmittel und Tee vorbeibringen soll“, setzte Titzia einen drauf und ich lachte über ihre Unverfrorenheit los.
„Alter! Spinnst du! Schreib dem ja nicht. Es war schwer genug ihn vonzuüberzeugen, dass ich auch ohne ihm klarkomme“, brauste Lea auf.
„Was! Bist du verrückt! Der arme Gore! Da scheint er es Jamie Fraser gleichzutun und pennt vor der Tür seiner Angebeteten und du schickst ihn weg“, platzte Titzia los.
„Stimmt! Jetzt, wo du es sagst, Titza. Jamie hat das bei Claire auch gemacht. Das war so süß und sie hat ihm eine Decke gebracht. Wie schade, dass du schon unzurechnungsfähig warst und ihm keine mehr bringen konntest.“ Lea streckte mir ihren Mittelfinger entgegen und war versucht einen Zuckerwürfel nach mir zu werfen besann sich aber, weil sie wohl daran dachte, wie Sauerei aufräumen durfte.
„Ich war betrunken und habe weder dir noch Titzia aufgetragen, dass ihr Leon -“
„Aufgetragen. Merket auf. Sie sagte aufgetragen. Fehlt nur noch, dass sie Marian Dashwood zitiert und sagt ich habe eine hohe Meinung von ihm und kann ihn gut leiden“, frotzelte ich und duckte mich weg, als auch schon das Sofakissen an mir vorbeisegelte und es neben Chias Körbchen fiel. Die Hündin erwachte abermals laut bellend und wollte sich aufs Kissen stürzen als ich mich lang machte und es ihr vor der Nase wegzog. Titzia brüllte vor Lachen und selbst Lea konnte nicht anders als mitzulachen. Wir hatten sie mit unserer Outlander Sucht angesteckt und sie war inzwischen auf demselben Level wie wir. Besonders, weil ich Merket auf gesagt hatte. Merket auf war das sprachliche Erkennungszeichen des damaligen Prinzen Charles.
„Warum hast du den armen Leon heimgeschickt? Nachdem er endlich ein Erfolgserlebnis hatte?“
„Wieso! Ist das euer Ernst! Schaut mich mal an! Ich sehe aus wie ein Penner! Meine Haare ähneln einem Vogelnest, ich habe gekotzt und nicht nur einen Kater, sondern mehrere die zwischen meinen Schultern hin und her springen.“
„Ach was! Du machst dir viel zu viele Sorgen. Sorgen die unbegründet sind. Ich meine wie oft haben die Jungs uns im abgestürzten Zustand gesehen! Hundertmal reichen da nicht aus.“
„Lina hat recht! Du hast mit ihm in einer WG gelebt. Er weiß also wie du nach einer durchzechten Nacht aussiehst. Genauso wie, wenn du übermüdet vom Dienst kommst, Mundgeruch hast, wenn du nichts gefrühstückt hast oder mal wieder über den Durst getrunken hast.“
„Lea! Leon würde gerne viel öfter für dich da sein. Aber dummerweise kann er das immer nur, wenn du sternhagelvoll bist und dich zumeist nicht dran erinnerst.“
„Vor allem hast du uns Besserung gelobt und du auf ihn zugehen wolltest“, warf Titzia ein was zu führte, dass ich mich ausschüttete vor Lachen und von den anderen beiden neugierig gemustert und angeblökt wurde was ich schon wieder wissen würde und sie nicht. Auf den Moment hatte ich gewartet. Lea zu sagen, dass sie Leon einen Brief versprochen hatte.




„Ich habe was! Du bist doch nicht mehr ganz bei Trost! Ich habe sehr viel getrunken aber ich wüsste ja wohl, wenn ich so einen Stuss erzählt hätte“, wetterte Lea und ihr Gesicht wurde, dabei schön durch blutet. Titzia hingegen hielt sich nach meiner Erzählung immer noch den Bauch vor Lachen.
„Wenn ich es dir doch sage. Er hat gewartet, dass du was sagst und dann hast du angefangen zu reden, hast eine Pause eingelegt und verkündet du schreibst ihm einen Brief, den du ihn an den Bayerischen Hof schickst.“ Kopfschüttelnd stellte Lea ihre leere Teetasse ab und sank zurück in die Kissen.
„Der Alkohol ist auch nicht mehr das, was er mal war! Wer schreibt bitte einen Brief.“
„Lass es mich so formulieren. Hätte Leon jenen Brief, den du verfasst hast bekommen statt, dass er vernichtet worden wäre, wäre vieles einfacher.“
„Dem ist leider nichts hinzuzufügen“, grunzte die Brünette.
„Was soll ich ihm denn schreiben? Ich habe das letzte Mal einen Brief geschrieben als ich noch in Bochum wohnte und wir in der Grundschule das Thema Briefe schreiben behandelten und Brieffreunde zugelost bekamen“, entgegnete Lea.
„Du könntest ihn fragen wie es ihm geht und dich bedanken, dass er sich um dich gekümmert hat, als du Granda Grande warst.“
„Guter Einstieg, Lina. Außerdem solltest du ihm wissen lassen, dass die WG ohne ihn nicht mehr dasselbe ist und du erst jetzt die kleinen Dinge siehst, die er gemacht hat. Zum Beispiel Wäsche waschen.“
„Stimmt. Dass er gewaschen hat ohne, dass man ihn zu auffordern musste, ist Gold wert! Bei Jo und David redest du dir den Mund fusselig. Abgesehen natürlich von dem Farbunfall, als deine Klamotten rosa waren.“
„Oh ja ich erinnere mich. Sein roter Pullover war das Übel aber er hat als Wiedergutmachung gekocht und die Lasagne war total gut und ich weiß noch, dass ich sagte, an ihm sei ein Koch verloren gegangen.“
„Das solltest du auch erwähnen, dass es niemand gegen den Pizzateig aufnehmen kann als er.“ Lea lächelte schwach und wirkte dennoch kläglich. Ich wusste, dass sie gleich noch sagen würde, dass Leon ja nur mit ihr Taxi gefahren wäre und geblieben, weil ich es ihm gesagt hatte.
„Lea! Leon wäre auch ohne mein Zutun bei dir geblieben. Er will dich wissen lassen, dass er für ich da ist und er will auch gebraucht werden.“
„So schaut's aus. Lina hat ihn nur einen kleinen Schubs gegeben“, schlug Titzia in dieselbe Kerbe.
„Jep! Ich habe Thomas daran gehindert ihm zuvorzukommen. Er hat mir übrigens geschrieben, dass ich bis 14.00 Uhr zu ihm kommen soll“, hörte ich mich sagen und tippte weiter an meinem Antwortschreiben für Herrn Müller.
„Schreib ihm, dass ich mitkomme! Es wird Zeit, dass ich Verantwortung übernehme und ihm klarmache, dass es so nicht weiter gehen kann und ich ihn als guten Kumpel schätze und nicht verlieren will aber ich keine romantischen Gefühle für ihn habe.“ ergriff Lea das Wort, die sich vom Sofa erhob.
„Gut gesprochen! Ich wünschte, ich wäre bei Leon nicht so feige gewesen.“
„Das hat er längst überwunden also quäle dich nicht weiter mit.“
„Ihr habt mein Wort, dass ich auch mit David reden werde.“
„Das wollen wir auch hoffen. Es wird immer schwieriger sich komplett raus zu halten, habe ich festgestellt, wenn man mit beiden Parteien befreundet ist“, stellte ich fest und stellte das dreckige Geschirr aufs Tablett.




Während Lea unter die Dusche sprang, machten Titzia und ich klar Schiff in der Küche. Das schmutzige Geschirr stellte ich in die Spülmaschine und meine spanische Freundin wischte die Arbeitsplatte ab. Im Anschluss räumte sie noch die eingepackten Brötchen weg damit sie nicht hart wurden und ich stellte die Spülmaschine an. Danach kehrten wir ins Wohnzimmer zurück und spielten mit Chia. Sie brachte uns ihren kleinen Spielball, den wir abwechselnd warfen und sie ihn zurückbrachte. Es dauerte jedoch bis sie ihn losließ. Danach legte sie sich auf meinen Schoß, verteilte ihre Hundehaare und ich kraulte sie. Titzia die den TV angemacht hatte, zippte durch Amazon Prime, als sie mich durch einen kurzen Freudenschrei darauf aufmerksam machte, dass
Friends eine US Sitecom aus den 90 er Jahren offenbar beim Streaming Anbieter nun zu finden war. Sofort waren Titzia und ich im Fangirl Modus und begannen die Staffeln nach unserer Lieblingsfolge zu durchforsten, als wir sie auch fanden. Sie trug den Namen
ein Hummer für Ross. Als Teenager war ich sehr lange in Ross Geller, der von David Swimmer dargestellt wurde verliebt gewesen. Bzw. passte geschwärmt besser. Er spielte den älteren Bruder von Monica Geller, die von Courteney Cox gespielt wurde. Titzia fand Joey Tribbani der von Matt LeBlanc verkörpert wurde und in der Clique als hoffnungsloser Schauspieler galt am Besten. Genauso wie seine Sprüche die denen von Chandler Bing alias Matthew Perry in nichts nachstand. Letzteren fand Lea auch sehr amüsant. Ebenso Phoebe aka Lisa Kudrow die eine total unbegabte Sängerin und eine kleine Schreckschraube war. Wenn wir angetrunken waren und anfingen nostalgisch zu werden, dann fing, Lea jedes Mal von an sie wolle sich dieselbe Frisur schneiden lassen wie Rachel Green alias Jennifer Aniston, die durch die Serie zur Stilikone wurde.




Ich wollte jede Minute der Folge genießen aber immer wieder drängte sich Thomas und das angesetzte Gespräch in meinen Kopf. Einerseits war ich froh, dass er sich zügig gemeldet hatte. So hatte ich nur eine kurze Gnadenfrist bevor ich ihm Rede und Antwort stehen musste. Er verdiente Offenheit und Ehrlichkeit. Auch, wenn es bedeutete, dass einer von uns zweien in dem Fall er leiden würde. Seine Hoffnung zu Staub zerfallen würde. Seine Wut und Enttäuschung würde ich zu spüren bekommen. Er war ein bayerisches Urgestein. Ein Mann der klaren Worte. Er würde es nicht gutheißen, dass Lea aber auch wir so lange die Klappe gehalten hatten. Er wie Leon vor einiger Zeit noch das Recht haben sollte Liebeskummer zu haben. Liebe war ein zweischneidiges Schwert. Sie sorgte nicht nur für, dass man Schmetterlinge im Bauch spürte, die Welt für den Verliebten nur noch aus rosa Wolken bestand und man ständig an den Anderen dachte. Nein sie sorgte auch für bittere Tränen und Kummer. Kummer den man nur schwer ertragen konnte. Kummer der zu Wut und Traurigkeit führte. Man hätte blind sein müssen, um nicht zu sehen, dass Thomas es überhaupt nicht gut aufgenommen hatte, dass Leon zu Lea in die WG zog aber auch danach. Seine Reaktion den gemeinsamen Tanz zu sabotieren war eindeutig gewesen. Ich wusste noch nicht was ich ihm sagen würde. Natürlich war da zuerst Manu der ihm im Weg stand. Er seine Chancen nutzte so wie damals auf der Strandparty und Manuel bei Lea in Vergessenheit geriet. Aber auch nach ihrer ewigen unerwiderten Liebe zum Keeper der Roten schaffte er es nicht, dass sie aus der Freundeschiene ausbrachen. Auch Lea musste sich die Frage gefallen lassen. Sie wurde ja durch uns aufmerksam gemacht. Sie glaubte, auch zwischendurch ihre Gefühle hätten sich verändert aber sie war nie näher darauf eingegangen. Hatte mit uns darüber gesprochen. Wenn ein zartes Pfänzchen gewachsen war so war es eingegangen. Eingegangen, weil es nicht mit Liege gehegt und gepflegt wurde.




„Wir können los und sollten uns auf zwei Autos aufteilen, wenn du nachher noch zu deinen Eltern fährst.“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als Leas Stimme erst leise und dann immer lauter an mein Ohr drang. Titzia schaltete derweilen den Flachbildschirm aus und Chia sprang von meinem Schoß als sie Leas Stimme vernommen hatte. Sie schmiegte sich an sie und Lea bückte sich, um sie hochzuheben und zu streicheln. Sie hatte Jogginghose gegen Strumpfhosen sowie einem langärmeligen Strickkleid getauscht. Dazu ihre hohen Stiefel und fertig. Ihre Haare fielen ihr glatt über den Rücken und ähnelten weniger einem Vogelnest.
„Dann fahre ich bei dir mit Lea und du setzt mich beim Rückweg in der WG ab?“
„Wenn ich in der WG Hühnersuppe bekomme?“
„Was das denn eine Frage. Selbstverständlich bekommt unsere Schnapsdrossel ein Süppchen.“
„Ob du laufen willst habe ich gefragt“, konterte Lea ihr und ich lachte auf als wir in Richtung Garderobe gingen und Chia uns folgte.
„Bleibt Chia hier oder nimmst du sie mit?“
„Ich denke, wir sind nicht all zu lange weg, oder?“
„Da ich die Vorarbeit leiste bin ich nach einer halben Stunde weg. Oma hasst Unpünktlichkeit und von Thomas bis zu mir heim brauche ich die Zeit.“
„Dann geht ihr doch schon mal runter und ich fülle Chias Napf eben noch mit Futter und sage ihr, dass ich nicht lange weg bin und schreibe Mama eine WhatsApp, dass sie oder Papa nach Chia sehen sollen, wenn wir nach einer Stunde nicht zurück sein sollten.“




Der Fahrtweg zu Thomas war viel zu schnell vergangen. Was sicher an dem Gegensatz lag, dass, wenn man es nicht eilig hatte, die Zeit sich anders drehte, als umgekehrt. Lea und Titzia waren nach mir losgefahren, um mir die Zeit mit Thomas zu lassen, die ich benötigte. Mein Herz klopfte viel zu schnell und zu laut in meiner Brust. Innerlich sträubte sich alles gegen ihm sagen zu müssen, dass all seine Mühen, sein Werben bei Lea umsonst waren. Bei der Floskel, dass andere Mütter auch schöne Töchter hatten, drehte sich mir der Magen um. Als würde diese bescheuert Phrase einen tatsächlich aufmuntern. Wohl kaum! Da kamen höchstens die Aggressionen hoch. Zumindest wäre es bei mir so gewesen, wenn einer meiner Freunde während der Trennungsphase von Joelle dem Fatzke sowas abgelassen hätten. Als ich schließlich von weiten den rot gestrichenen Zaun wahr nahm, der sich rings herum um das große landwirtschaftliche Grundstück, was Thomas sein Eigen nannte, schlang , wurde mir übel und ich atmete tief ein und wieder aus. Die Gedanken überschlugen sich. Wie würde er reagieren? Würde er mich womöglich rauswerfen? Die Freundschaft überdenken? Schließlich stellte ich mein Auto im Hof, dessen Tor ich problemlos passieren konnte ab und griff eilig zum Handy um Bianca eine Sprachnachricht zu schicken. Ich informierte sie, dass ich bei Thomas wäre und ein unangenehmes Gespräch anstand und sie nicht auf mich zu warten brauchten, falls ich es bis 15.00 Uhr nicht schaffen würde. Danach schob ich es weg und stieg mit klopfenden Herzen aus.




Das alte mehrstöckige Bauernhaus mit seinen dunklen hölzernen Balkonen, an denen jeweils eine Reihe Blumenkübel hingen, versprühte wie immer, wenn man Thomas besuchte seinen Charme. Einst hatte der Ur Bayer erworben und restaurieren lassen aber ihm den, urigen Flair gelassen. Zum Beispiel gab, es an jedem Fenster die typischen Fensterläden die in einem dunklen Grün schimmerten. Die Pferdeställe fanden sich einige Gehminuten vom Haus entfernt in Richtung der vielen eingezäunten Koppeln. Neben dem Sport züchtete er mit Liebe und Hingabe Pferde und schickte sowohl den Jungs in der WhatsApp Gruppe als auch uns viele Bilder seiner Lieblinge.
Kaum, dass ich an der roten Haustür angelangt und geklingelt hatte, hörte ich den Summer und konnte eintreten.
Wie immer, wenn man Thomas besuchte, hörte man Hundegebell. Er brachte Micky und Murmel seine beiden Hunde erstmal in einen Nebenraum damit sie ein wenig herunterkamen. Sie waren immer aufgeregt und freuten sich auf Besuch. Als ich meine Jacke an den Haken gehängt und meine Schuhe ausgezogen hatte, tapste ich den Gang entlang und sah Thomas, der in der Wohnzimmertür stand.
„Hi Lina. Danke, dass du es dir einrichten konntest zu kommen.“ Er klang hölzern und überhaupt nicht gut gelaunt und humorvoll wie es sonst Thomas Art war.
„Du meintest, du würdest dich melden und ich bin gekommen“, entgegnete ich und folgte ihm ins Wohnzimmer. Es war im altmodischen Stil eingerichtet. Geblümte Tapete, eine große Mahagonifarbene Sofalandschaft mit Überwurf, sowie der passende Sessel, ein hölzerner Tisch auf dem er bereits zwei Gläser sowie eine Flasche Wasser und Apfelsaft gestellt hatte. Im Eck eine Stehlampe mit Beigefarbenen Schirm. Eine braune Schrankwand die zum Teil mit Büchern und Ordnern voll gestellt war. Aber auch Vitrinen in denen eine Nachbildung von Meisterschale, WM Pokal von 2014 und DFB Pokal standen. Er machte eine Handbewegung in Richtung Sofa und ich setzte mich. Er beanspruchte den Sessel. Einige Meter von mir weg hing, der riesige Flachbildschirm an der Wand in dessen Oberfläche ich mich spiegelte. Verdammt war ich bleich geworden. Außerdem machte, mich das viel zu laute Ticken der Uhr nervös und ich nicht wusste, ober anfangen wollte zu reden oder ich. Im Moment harrte er noch aus, als er sich Apfelsaft einschenkte und diesen mit Wasser vermischte. Ich spürte das Vibrieren meines Handys und unterdrückte den Drang nachzusehen, wer geschrieben hatte. Stattdessen goss ich mir auch Mineralwasser ein, um was zu tun zu haben.




„Lina! Wie lange kennen wir uns? Ich glaube mein Gedächtnis lässt mich im Stich. War es 2014 oder doch erst letzte Woche.“ Thomas durchbrach die Stille und der Satz, den er aussprach, versetzte mir feine Stiche. Wie als würde mich jemand mit dünnen Nadeln am ganzen Körper bearbeiten. Immer wieder kurze und schmerzhafte Stiche.
„Seit 2014. Das sind meiner Rechnung zufolge vier Jahre“, antworte ich ihm dumpf.
„Vier Jahre erst. Kam mir viel länger vor!“ Mein Bauch begann zu rumoren. Mein schlechtes Gewissen schrie, ganz laut Hallo hier bin ich. Aber nicht, weil ich Leon ihm vorgezogen hatte, sondern, weil ich es zugelassen hatte, dass Lea übergangsweise bei ihm gewohnt hatte, dass wir alle so verdammte Feiglinge waren statt zu ihm ehrlich zu sein. Die Wut, die ich gegen mich selbst hegte, gab mir die nötige Kraft, um mich zu sammeln. Innerlich atmete ich tief ein und wieder aus.
„Ja vier Jahre sind im Vergleich, zu dem, was wir schon alles erlebt haben zu kurz. Thomas! Ich weiß, wieso du mich herbestellt hast. Meine Aktion, dass ich Leon statt dir geholfen habe hat dir im wahrsten Sinne der Worte sauer aufgestoßen.“
„Gut erkannt! Aber die Frage ist wieso, hast du es gemacht? Du wusstest, dass ich mich für sie seit langem interessiere, dass ich meine Chance ergriff, als das Thema Manu abgehakt war, um ihr zu zeigen, dass ich mehr für sie über hatte, als Freundschaft. Stattdessen fällst du mir in den Rücken und-“
„Thomas! Ich wollte dir nicht in den Rücken fallen. Dich nie verletzen oder Misstrauen sähen. Du gehörst seit langem zu den Menschen, die mir wichtig sind. Umso schwerer fiel es mir, dir nicht weiterzuhelfen, weil ich wusste und du weißt es tief in dir drinnen auch, dass dein Zug bei Lea abgefahren ist. Deine Bemühungen umsonst waren. Nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Dein Verhalten den Tanz zwischen Lea und Leon zu sabotieren war ein schlechter Versuch zu verhindern, dass sie sich noch näher kommen als es bereits durch ihre Wohnsituation geschah. Auch, wenn du Hoffnung hattest, als sie sich stritten, er später in den Bayerischen Hof zog und sie übergangsweise bei dir gewohnt hat. Das änderte nichts an deiner Situation. Weiter möchte ich gar nicht darauf eingehen. Lea dürfte inzwischen da sein und du klärst den Rest mit ihr.“ Ich leerte mein Glas in einem Zug, stellte es auf dem Tisch ab und stand auf. Ich fühlte mich schrecklich. Ich hatte ihm ein Messer in den Rücken gerammt und Lea würde es gleich qualvoll rausziehen. Das konnte ich nicht zulassen. Sie sollte wieder fahren und Gras über die Sache wachsen lassen. Er derjenige sein sollte der bestimmte, wann er mit ihr nochmal drüber reden wollte. Immerhin hatte ich ihm durch die Blume gesagt, dass seine Anstrengungen sich im Sand verlaufen hatten. Thomas schien meinen Aufbruch gar nicht wahr genommen zu haben. Er wirkte völlig abwesend und saß zusammen gesunken im Sessel. Die Hände um den Oberkörper geschlungen. Ich wollte ihn in den Arm nehmen und Mut zu sprechen, dass die Zeit alle Wunden heilte. Aber Männer reagierten ja Gefühls-technisch komplett anders als wir Frauen. Ich biss mir auf die Lippen und entschied nicht weiter auf ihn einzuwirken, sondern zu gehen. Als ich an der Tür ankam, hörte ich ein heiseres: „Danke für deine Direkt und Ehrlichkeit, Lina. Das mochte ich immer schon an dir.“ Ich wand mich um und sah, dass Thomas Gesicht nass war und glänzte. Seine blauen Augen gläsern. In seinen Augen saß zumeist der Schalk und man nie wusste was als Nächstes von ihm kam. Aber hier und heute saß kein Thomas Müller der zu Scherzen aufgelegt war. Nein sein Herz wurde soeben gebrochen und ich war maßgeblich daran beteiligt.
„Es tut mir so leid“, nuschelte ich hilflos und kämpfte gegen meine eigenen Tränen an. Tränen der Wut und der Traurigkeit. Ich stolperte davon, hörte die Hunde bellen die nach wie vor weggesperrt waren und zog mir hastig die Schuhe sowie meine Jacke an, als ich aus dem Haus stürzte und beinahe mit Lea und Titzia zusammen stieß die in den Startlöchern standen.
„Ach du Scheiße, Lina! Was ist passiert?“ echoten die Beiden als sie mich erblickten. Ich kam vor ihnen zum Stehen und wischte mir die Tränen mit einem Taschentuch weg ehe ich hineintrompetete.
„Die Feigheit hat uns eingeholt. Das ist passiert. Ich fühle mich beschissen und ich habe ihn verraten, als ich Leon geholfen habe. Aber es hätte nichts genützt und wäre nur noch komplizierter geworden, wenn er dich heim gebracht hätte.“
„Oder auch nicht. Überlegt mal. Vielleicht hätte die Situation auch zu geführt, dass die Situation geklärt worden wäre“, ergriff Titzia nachdenklich das Wort.
„Das wissen wir nicht. Fakt ist, dass ich jetzt reingehen und mit dem Thema abschließen will aber ich kann nicht! Er sollte die Zeit bekommen sein Herz zu flicken und zu heilen! Das Gespräch rennt nicht davon.“
„Nicht mehr, meinst du, nachdem ich ihm symbolisch gesprochen das Messer reingerammt habe.“ Schuldbewusst sah Lea mich an und ich seufzte. „Tut mir leid. Es war meine Idee Leon zu mobilisieren, dass eine Reaktion von Thomas kommt, hätte mir klar sein müssen.“
„Du hast es nur gut gemeint. Das weiß Thomas auch.“ Ich nickte leicht und schloss die Beiden in die Arme bevor ich mich zum Auto begab und mich auf dem Fahrersitz niederließ. Noch während ich vom Hof davon fuhr, warf ich einen letzten Blick durch den Rückspiegel zurück und sah wie die Mädels sich ins Auto setzten, als die Haustür aufgerissen wurde und Thomas vor ihnen stand.


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Hallo ihr Lieben :)

Wie ihr meiner Ankündigung auf meinem Profil entnehmen konntet, ist mein USB Stick kaputt gegangen auf dem ich meine Kapitel gespeichert habe. Zum Glück, wusste ich noch in etwa was im aktuellen Kapitel vorkommen sollte aber es hat sich auch verselbständigt. Was die restlichen Kapitel angeht muss ich die neu schreiben und werde dafür länger brauchen.
Anbei möchte ich mich für die Kommentare zum letzten Kapitel bedanken *-* Das Chap wurde zum XXL Kapitel und ich hoffe es hat euch gefallen. Was war denn eure Lieblingsstelle? Oder was hat euch geärgert? Teilt es mir gerne mit ^^ Meine Lieblingsstelle war, als Titzia Lea verarscht hat von wegen sie die Schnapstrossel würde auf jeden Fall ein Süppchen bekommen und Lea darauf sagte Ob sie laufen will :D Aber auch die Anspielung auf ein Zitat von Jane Austen aus Sinn und Sinndlichkeit war sehr amüsant^^ Dicht gefolgt von, dass Lea ihren Zaunpfahl was Manu angeht zurück will und Titzia meinte, wenn Lea nicht auspackt, schreibt sie Leon :D  Tja und dann kommen wir zum unangenehmen Stelle. Das Gespräch mit Thomas. Ich hatte die Stelle mehrmals überarbeitet, weil ich von Thomas eine ganz andere Reaktion erwartet hatte die er dann zum Schluss brachte und ein Cliff zustande kam der nicht geplant war. Ich könnte mir vorstellen, dass einige von euch sicher sagen werden, dass sie es feige von Lea fanden, dass Lina zuerst mit Thomas gesprochen hat. Aber wie ich schon öfters sagte ist die Ich – Perspektive darauf beschränkt zu erzählen was Lina mitbekommt.. Daher hat sie auch nur eine beschränkte Sicht darauf und als erstes mit ihm geredet … Wie immer würde ich mich sehr über Feedback freuen <3
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