Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

In my last life

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chief Jim Hopper Demogorgon Elf "Elfie" Jonathan Byers OC (Own Charakter)
22.08.2018
13.07.2020
12
15.763
4
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.06.2020 1.413
 
Aspen ging am nächsten Tag nicht in die Schule. Sie wusste, dass etwas Schlimmes geschehen war. Aber sie konnte niemandem davon erzählen, was sie in der Nacht zuvor auf der Maple Street gesehen hatte. Es gab Dinge über die man besser nicht redete, wenn man sein Leben nicht in einer Gummizelle fristen wollte. Früher hätte sie geredet, damals, bevor ihr Vater sie zu all den Ärzten geschleppt hatte. Aspen schluckte zwei der Tabletten, die dafür sorgen sollten, dass sie sich besser fühlte, auf einmal. Die Wände ihres Zimmers schienen zu schrumpfen, ihr ganzes Leben fühlte sich beklemmend an. Selbst der Gedanke an Jonathan, der sie sonst ruhelos umhertrieb, schaffte es nicht sie von den Geschehnissen der gestrigen Nacht abzulenken. Alles fühlte sich so surreal an. Hawkins schien seine Bewohner zu verschlingen wie ein hungriges Monster, dieser Ort war schon immer anders  gewesen. Er zog Menschen an, die rastlos umher streiften, Menschen, die niemand anderes wollte. Nachdem sie stundenlang die rissige Decke über ihrem Bett angestarrt und versucht hatte sich vorzustellen wie es war nicht sie selbst zu sein, schlüpfte Aspen unter der Bettdecke hervor. Das Haus war so leblos und kalt wie ein Mausoleum. Lustlos öffnete sie ein paar der Kisten und zog die darin befindlichen Gegenstände heraus. Eigentlich hatte sie nicht damit gerechnet lange zu bleiben, weshalb sie es nicht für nötig erachtet hatte die Kartons auszuräumen. Aspens Blick fiel auf einen Bilderrahmen, welchen sie zuunterst, eingeschlagen in einige Lagen Seidenpapier, entdeckte. Sie kannte das Foto darin nur zu gut, trotzdem nahm sie den goldenen Rahmen heraus, um die schützende Verpackung zu lösen. Von dem glänzenden Fotopapier lächelte ihr eine jüngere Version von sich selbst entgegen. Sie trug ein himmelblaues Sommerkleid und ihre blonden Haare wehten, von einer lauen Sommerbriese getragen, im Wind. Neben ihr stand Jonathan, seine Sachen wie immer abgetragen und zu groß. Er hatte einen Arm locker um ihre Hüfte gelegt und seine Augen waren anstatt nach vorne, direkt auf sie gerichtet. Sie wusste nicht mehr wann er angefangen hatte sie mit diesem Blick anzusehen, aber sie wusste, dass es ihr gefallen hatte. Wäre das alles nicht passiert, da war sich Aspen sicher, dann wären sie irgendwann zusammengekommen. Irgendwann, wenn einer von beiden den Mut gehabt hätte endlich über seine Gefühle zu reden. Aber die Dinge die passiert waren, konnten nun mal nicht ruckgängig gemacht werden. Seufzend ließ Aspen das Bild zurück in die ansonsten leere Kisten gleiten, bevor sie sich dem Rest ihrer Sachen widmete.
Es war mitten in der Nacht, als das Schrillen der Klingel Aspen aus unruhigen Träumen riss. Einen Moment war sie verwirrt und orientierungslos. Ihr Herz raste, von den schrecklichen Bildern, die sie noch Sekunden zuvor in ihren Träumen gequält hatten. Erneut ertönte die Klingel und Aspen stand schwerfällig auf. Ihr Schädel dröhnte und sie kniff die Augen zusammen, als sie den Lichtschalter betätigte. Das Haus lag still und verlassen dar, vielleicht hatte John seinen Schlüssel vergessen und war derjenige, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Ein tiefes, melancholisches Seufzen entwand sich Aspens Kehle. Er war kein schlechter Mensch, aber er hatte sich in Wut und Trauer verloren. Vielleicht würde ihr bald genau dasselbe passieren und sie würde in ihren unterdrückten Emotionen ertrinken. Als sie die Tür aufgesperrt und geöffnet hatte schlug ihr eine eiskalte Prise entgegen. Aspen zog fröstelnd die Schultern nach oben, doch die Kälte verschwand augenblicklich, als die sah, wen sie da vor sich hatte. Sie starre ihn einfach an, ohne ein Wort über die bereits bläulich gefärbten Lippen zu bringen. Die braunen Haare hingen ihm klitschnass in die blasse Stirn und Jonathans Augen schienen tränennass. Tief in ihrem Herzen erzitterte etwas bei diesem verletzlichen Anblick. Regen prasselte unerbittlich auf Jonathan hernieder, der aussah, als würde er sich jeden Augenblick übergeben. „Will ist verschwunden.“, seine Stimme bebte und brach schließlich. Will war seit er geboren worden war Jonathans ein und alles. Er hatte sich liebevoll um ihn gekümmert, manchmal zusammen mit Aspen auf ihn aufgepasst, wenn Joyce wieder Überstunden gemacht hatte. Die Bilder der vergangenen Nacht tauchten lebendig vor ihrem inneren Auge auf, aber sie verdrängte die diffusen Gedankenschnipsel.  „Komm rein.“, Aspens Stimme war weicher als sonst, während sie zur Seite trat, um Jonathan ins Haus zu lassen.


„Es ist nichts Besonderes…“, Aspen hatte das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen. Für dieses Haus und auch für sich selbst. Jonathan saß ihr gegenüber an dem schäbigen Küchentisch. Sein Blick wanderte von seinen um eine Teetasse geschlungenen Finger zu ihrem schmalen Gesicht: „Du weißt, dass ich der letzte bist, vor dem du dich wegen so etwas rechtfertigen müsstest.“. Jonathans Familie hatte nie viel Geld gehabt, selbst als sein Vater noch bei ihnen gewohnt hatte, waren die Verhältnisse immer schwierig gewesen. Aspen nahm unter Jonathans Blick einen verlegenen Schluck von ihrem extra starken Kaffee. „Du siehst müde aus.“, stellte er dann nach kurzer Beobachtung mit einem besorgten Unterton fest. Ihre Haut war blass und unter ihren Augen zeichneten sich bläulich schimmernde Adern ab. Er konnte nicht so tun, als ob sie ihm egal wäre, gleichwohl sie ihn immer wieder von sich stieß. Aspen wand sich unter seinem bohrenden Blick: „Ich schlafe nicht mehr sehr viel, seit…“, einen Augenblick lang schien sie mit sich zu ringen, bevor sie es schaffte ihre Gedanken auszusprechen „Sei Lex verschwunden ist kann ich nicht mehr schlafen. Zumindest nicht richtig.“. „Ich fahre zu unserem Vater. Will kann nur dort sein.“, das Flehen in seiner Stimme ließ keine andere Möglichkeit zu. Aspens Magen zog sich zusammen und ein eiskalter Schauer jagte ihr über den Rücken. Der verängstigte Junge auf der Straße brannte auf ihrer Netzhaut, doch sie schüttelte nur unmerklich den Kopf. Sie war verwirrt gewesen und die Medikamente, die sie nahm um besser schlafen zu können, konnten Halluzinationen verursachen. Aber diese Kreatur hatte sich nicht angefühlt wie ein Streich ihres Verstandes.


„Bitte komm mit mir. Ich weiß, dass du mich nicht um dich haben willst, aber ich weiß nicht wen ich sonst fragen könnte.“, das Verlangen ihre Hand in seine zu nehmen brachte ihn halb um den Verstand. Aber er beherrschte sich, begnügte sich damit sie anzusehen und sich zu fragen, was in ihrem Kopf vorging. Sie wirkte nicht angespannt, aber es schien, als würde sie auch nie ganz zur Ruhe kommen. Wie eine Gejagte. Wie so oft wünschte sich Jonathan nichts mehr, als zu wissen vor was sie davon lief. „Es ist nicht so, dass ich dich nicht bei mir haben will, Jonathan! Aber ich kann nicht riskieren, dass dir auch noch etwas passiert.“, sie stellte die Tasse so energisch vor sich ab, dass etwas heißer Kaffee über ihre Hände schwappte. Aspen zuckte nicht einmal zusammen: „Weißt du, wie viel Kraft es mich kostet dich jeden Tag von mir fern zu halten? Es ist die Hölle.“. Sie stand auf, der Körper taub von der Heftigkeit ihrer Gefühle. Sie hasste es, wie Jonathan es schaffte sie zu beeinflussen. Sobald er in ihrer Nähe war spielten ihre Gefühl verrückt und sich zurück zu halten schien keine Option mehr. Hinter ihr kratzte der Stuhl auf dem er gesessen hatte über das alte Parkett. Seine Wärme überbrückte die Kluft zwischen ihnen. Sie konnte ihn beinahe auf ihrer Haut spüren, ihre Wangen färbten sich rosig. „Ich wollte dich nie im Stich lassen, Asp. Egal was, du bist immer für mich da gewesen und umgekehrt hätte es genauso sein sollen.“, der Raum schien nicht mehr so abstoßend und kalt, seit er hier war. Jonathan erfüllte das Haus mit Wärme und dem Gefühl von Geborgenheit. Etwas, dass ihr ihr Vater schon lange nicht mehr geben konnte. Er musterte sie, wie sie regungslos mit dem Rücken zu ihm gewandt dastand. Sie war kleiner als er, alles an Aspen schien filigran und doch irgendwie kantig. Sie war dünn geworden, beinahe glich sie einem Geist. Er hatte nicht gewusst wohin, also war er zu dem einzigen Menschen in Hawkins gekommen, dem er mehr vertraute als sich selbst. All die langen Jahre ohne Aspen waren eine Qual gewesen, als habe ihm jemand ein Stück seiner Seele aus der Brust gerissen: „Ich brauche dich.“. Sein flüstern ließ sie erschaudern. Seine Worte schmeichelten wie Seide über ihre Haut. Egal wie sehr sie es sich wünschte, sie konnte ihn nicht erneut von sich stoßen. „Okay.“. Jonathan atmete hörbar auf, seine Schultern sackten ein Stück nach vorne. Irgendwo hinter diesem Wall aus Verbitterung und Hass steckte das Mädchen mit den funkelnden Augen, in das er sich vor so langer Zeit verliebt hatte. In einer Zeit, als alles noch einfacher war.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast