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In my last life

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chief Jim Hopper Demogorgon Elf "Elfie" Jonathan Byers OC (Own Charakter)
22.08.2018
13.07.2020
12
15.763
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30.08.2018 1.388
 
Der erste Stoß kam, kaum dass Aspen sich umgedreht hatte. Aus dem Gleichgewicht gebracht stolperte sie rückwärts, die Schließfächer prallten hart gegen ihren Rücken. Um sie herum wurde es still, als habe jemand die Lautstärke runter gedreht. „Fick dich selbst, Tommy.“, knurrte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen, während sie sich aufrichtete. Ihr Blick fixierte ihren Peiniger. 1.85m groß, rotes Haar und ein dreckiges Grinsen im Gesicht. Ein Lachen, als würde man Glas zerbrechen drang wie ein animalischer Laut aus seiner Kehle: „Ist das nicht eher dein Part, Hure?“. Aspens Hände verkrampften sich um den Riemen ihrer Tasche. Sie zitterte unterdrückt, würde ihm aber nicht die Genugtuung verschaffen seinen Triumph zu bemerken. Es wunderte sie, dass er seinen Frust nicht schon früher an ihr Ausgelassen hatte. Tommy und Carol waren dafür bekannt sich gerne an schwächeren zu vergreifen. Sadistisch langsam glitt sein Blick ihren Körper hinab, scannte jeden Millimeter von Aspen genauestens. Ein ekelhaftes Gefühl kroch daraufhin ihr Rückgrat hinauf wie eine Schlange. „Lass es einfach gut sein, Tommy.“, murmelte sie, sich bewusste, dass sämtliche Augen auf das Schauspiel gerichtet waren, dass sich gerade zutrug. Nach einem Moment der Stille, in dem sie glaubte ihr eigenes Herz wie wild schlagen zu hören, wandte sie sich ab.


Und gerade als sie dachte Tommys Fängen entkommen zu sein, spürte sie die Hände an ihrem Rücken. Dieses Mal steckte er seine ganze Kraft in die Bewegung und riss Aspen von den Füßen. Einen Moment strauchelte sie, in der Hoffnung sich wieder zu fangen, doch der Stoß war zu hart gewesen. Ihre Hände lösten sich von dem Riemen, als sie diese schützend vor ihr Gesicht hob und versuchte den Schaden zu minimieren. Ein unterdrückter Schmerzenslaut brach zwischen ihren zusammen gepressten Lippen hervor. Aspens Körper schien zusammengestaucht zu werden, während sie hart mit dem Linoleumboden kollidierte.  Ihr Kopf wurde ruckartig nach vorne geschleudert, ein rasender Schmerz schoss wie eine Kugel durch ihre Schulter hinauf in den Nacken. Nur Sekunden waren es, bis die Situation vorüber war. Keuchend starrte Aspen auf die feine Musterung des gelblichen Bodens, der nur Millimeter von ihrer Nase entfernt war. Ihre Pupillen waren vor Schreck geweitet, sie schien wie erstarrt. Nach einer gefühlten Ewigkeit in der sie alle anstarrten, begannen die ersten der Umstehend laut zu Johlen. Lachen hallte von den Wänden wieder, wie eine hängen gebliebene Schallplatte. Den pochenden Schmerz in ihrem Arm ignorierend, stemmte sich die Dunkelhaarige hoch. Ihr Blick blieb an einem Paar ausgelatschter weißer Chucks kleben, die größtenteils von einer ausgefransten Jeans verdeckt wurden.
Jonathan hatte die Lippen zu einer schmalen Linie geformt. Seine braunen Augen waren ausdruckslos, als er Aspen damit fixierte. Sie erinnerte sich an eine Situation, in der Zeit als sie Hawkins noch ihr zu Hause nannte, die genauso abgelaufen war. Der einzige Unterschied war, dass sie damals die Hand angenommen hatte, die er ihr entgegen streckte. Dieses Mal ignorierte sie es, riss ihre Tasche an sich und stand selbstständig auf, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Aspens Knie waren weich, drohten einen Augenblick lang weg zu knicken, bis sie sich wieder gefangen hatte. Die Demütigung und Schmach loderte in ihrem Innersten wie ein unaufhaltsamer Waldbrand. Ihre Augen brannten, doch sie erlaubte sich keine Schwäche. Mit schnurgeradem Blick bahnte sie sich einen Weg durch die umstehenden Schüler, während sie Carols gehässigen Blick in ihrem Rücken spürte. Das hier war noch nicht durchgestanden und das wussten beide.


„Aspen!“, Jonathans Stimme hallte hinter ihr über den beinahe leeren Parkplatz. Die brodelnde Wut in Aspens Brust schien sie beinahe zu verschlucken. Er sollte sie in Ruhe lassen. „Asp, bitte!“. Abrupt blieb die Angesprochene stehen und wirbelte herum: „Nenn mich nicht so, Jonathan!“. Feindselig funkelte sie ihr gegenüber an. Er sah müde aus, als habe er genauso wie sie in der letzten Nacht nur wenig Schlaf bekommen. Aber das war nicht ihr Problem. „Tut mir leid. Ich will doch nur, dass du weißt, dass ich nicht sauer bin.“, brachte er schnaubend heraus, als er sie endlich eingeholt hatte. Die Worte bedeuteten Aspen etwas, obwohl sie es definitiv nicht hätten tun sollen. Gezwungen unwissend zog sie eine Augenbraue nach oben: „Gut. Denn ich wüsste nicht einmal weswegen du das Recht dazu hättest, Byers. Ich hab nichts getan, was dich in irgendwelcher Weise auch nur im Entferntesten etwas angehen würde.“. Jonathan sah aus, als habe ihn das Mädchen geschlagen. Er fühlte sich, als würde er bei ihr gegen Windmühlen kämpfen. Dabei fiel sein Blick auf das schwarze Auto in einiger Entfernung: „Meinte Lex nicht immer, du würdest nur über seine Leiche mit dem Mustang fahren?“. Er grinste kurz, bei dem Gedanken an seinen ehemals besten Freund Alex. Mit einem Mal veränderte sich der Blick seines Gegenübers. Aspens Augen wurden glasig, ihr Mund trocken. Sie spürte die aufkommenden Tränen, als sie dem Blick des Braunhaarigen folgte. „Ja. Und er hat sich auch daran gehalten. So gut wie, zumindest.“, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, vermischte sich mit dem Wind.


Seine Augen weiteten sich geschockt, der Mund formte sich für einen Moment zu einem stummen Laut des Entsetzens. Jonathans Herzschlag wurde schneller, die Erkenntnis greifbarer. Sein bester Freund war: „Lex ist tot?“. „Verschwunden. Seit zwei Jahren. Ich denke er ist fort, für immer.“, antwortete Aspen mit rauer Stimme. Sie hatte ihren Bruder verloren. Ohne zu wissen wie es ihm ging, ob er lebte oder bereits irgendwo verrottete. Sie sah den Jungen vor sich etwas aufatmen, trotzdem blieb seine Miene entsetzt. Er trug die Jacke, die Alex ihm geschenkt hatte und welche ihm damals um einiges zu groß gewesen war. Inzwischen saß die Jeansjacke mit dem weißen Innenfutter wie angegossen und sah sogar recht ansehnlich aus. „Wenn ich irgendwas für dich tun kann, dann…“, Aspen verstand das offen gelassene Angebot, wich aber kopfschüttelnd zurück: „Es wäre einfacher für dich wenn du endlich verstehst, dass ich deine Hilfe nicht brauche. Hör auf mir nachzulaufen, du Freak.“. Wahrscheinlich schmerzte sie diese halbherzige Beleidigung mehr als ihr gegenüber, vielleicht war er es auch nur gewohnt. Flüchtig warf Aspen einen Blick auf die anderen Schüler, die sie interessiert beobachteten, streckte ihnen wütend den Mittelfinger entgegen und drehte sich um. Das waren dann schon zwei dramatische Abgänge für den heutigen Tag, die sie zu verzeichnen hatte.


„Haben sie Blaubeermuffins?“, hungrig musterte Aspen die Auswahl an Kuchen und Gebäckstücken in der Vitrine des „Josie´s Diner“. Die Bedienung war eine rundliche, dunkelhäutige Frau mit krausen Locken. Sie trug ein gelbes Kleid im Stil der 50er mit schwarzen Polkadotts darauf. „Aber natürlich, Liebes.“, lächelnd griff sie nach einem kleinen Teller und bestückte ihn mit einem fluffig aussehenden Küchlein. Nachdem Aspen einen schwarzen Tee dazu geordert hatte, nahm sie ihre Bestellung entgegen und setzte sich in eine der Nischen. Das ganze Café war im Stil eines 50er Jahre Lokals gehalten, im Hintergrund sang leise Elvis Presley „Love me tender“, der schwere Duft von Zimt und Vanille hing in der Luft. Nachdenklich drehte die junge Frau die riesige Teetasse in ihren schlanken Händen. Das Porzellan war Babypink mit weißen Gänseblümchen darauf. Einen Moment grinste das Mädchen, als sie den Kontrast zu ihrer so dunklen Kleidung feststellte. Doch das Lächeln verschwand bald wieder aus ihrem Gesicht und machte einem seltsamen Gefühl Platz. Alles in Hawkins war mit Erinnerungen an Jonathan und Alex behaftet, sie war froh endlich etwas aus der Stadt heraus zu kommen. Ein bisschen abschalten, keine Angst haben zu müssen in unangenehme Gespräche vermittelt zu werden.  Trotzdem schien sie die Stadt wie ein Schatten zu verfolgen. Bedacht nippte Aspen an dem Tee, der inzwischen etwas abgekühlt war. Der Geschmack von Bergamotte ließ sie verzückt aufseufzen. „Hey, Kleines.“, die warme Stimme riss Aspen aus ihrem Teeexzess. Mit leuchtenden Augen drehte sie sich zu der Person neben ihr um, bevor sie von ihrem Sitzplatz aufsprang und sich in die Umarmung ihres Gegenübers flüchtete. Fest schlangen sich ein paar Arme um sie, tief einatmend vergrub sie die Nase an seiner Halsgrube. Sie hatte ihn so vermisst. Widerwillig löste sich die Dunkelhaarige von ihm und zog ihn neben sich in die Sitznische. „Ich dachte ich muss verhungern. Du bist zu spät!“, scherzte sie plötzlich ausgelassener, während sie den Muffin halbierte  und die eine Hälfte ihm zuschob. Grinsend piekte er ihr mit seinem Zeigefinger in die Rippen: „An dir ist doch eh nichts dran!“. Augenverdrehend schob Aspen sich ein großes Stück der luftigen Köstlichkeit in den Mund. „Halt die Klappe, Steve.“.
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