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In my last life

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chief Jim Hopper Demogorgon Elf "Elfie" Jonathan Byers OC (Own Charakter)
22.08.2018
13.07.2020
12
15.763
4
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27.08.2018 1.344
 
Mit leerem Blick starrt Aspen die Uhr an der Küchenwand an, während der Zeiger langsam auf sechs Uhr zu schlich. Die Kaffeetasse in ihrer Hand war bereits seit mehr als einer halben Stunde leer und inzwischen so eiskalt, das sie sich fühlte, als umklammere sie die Hand eines Toten. Vollkommen regungslos beobachtete sie die Vögel vor dem Fenster, die höhnisch pfiffen und einen fröhlichen Tag verkündeten. Der Teller vor Aspen war unberührt, beinahe schon steril weiß. Es hatte eine Zeit in ihrem Leben gegeben, da wäre sie ausgerastet, wenn auch nur ein Fleck irgendwo auf dem weißen Keramik zu sehen gewesen wäre. Jonathan und Alex hatten sie oft genug mit ihrem Putzfimmel aufgezogen. Jonathan. Unaufhörlich kreisen Aspens Gedanken um den- inzwischen- jungen Mann. Erst als die Uhr tickend auf die volle Stunde vorrückt erhob sich das Mädchen schwerfällig. Die Nacht war kurz und anstrengend gewesen, der Traum hatte sämtliche Energie aus ihr gezogen, sodass sie sich nun fühlte wie eine zerplatze Kaugummiblase. Und der Tag versprach kaum besser zu werden.
Auf dem Weg zur Haustür sammelte sie ihre Tasche ein und warf anschließend noch einen letzten Blick in den Spiegel. Ihre Haare waren zerwühlt, sie hatte die Bürste in all den Kisten nicht finden können. Die Schatten unter ihren leblosen Augen wirkten beinahe Violett, davon konnte nicht einmal der dicke schwarze Liedstrich ablenken. Eine lebende Leiche starrte ihr müde aus dem kleinen Spiegel entgegen. Leider ein Anblick, der inzwischen beinahe zu ihrer Morgenroutine gehörte. „Aspen?!“, wie ein drohendes Donnergrollen erhob sich im selben Augenblick die Stimme ihres Vaters aus dem angrenzenden Wohnzimmer, wo er die Nacht über auf dem Sofa gelegen hatte. Der Fernseher war noch eingeschaltet, inzwischen hatte irgendeine dämliche Soap Opera zu laufen begonnen und das hohe Lachen von hellen Frauenstimmen erfüllte das Haus. So leise wie möglich griff Aspen nach ihrem Schlüsselbund, bevor sie auf Zehenspitzen die Tür öffnete und aus dem Haus huschte. Ihr Vater war kaum auszuhalten, wenn er einen Kater hatte. Seine Laune war auf dem Tiefpunkt und das junge Mädchen konnte sich sichtlich schöneres vorstellen, als diese zu ertragen. Mit Don McLeans „American Pie“ im Ohr marschierte sie hinüber zu ihrem Auto.


In der Nacht war es kalt geworden. So winterlich, dass die Bäume und Sträucher am Straßenrand von einer milchigen Raureifschicht überzogen waren, als wäre es Zuckerguss. Aspen hatte die Heizung des Wagens aufgedreht, um den ersten wirklich frostigen Tag im November gebührend willkommen zu heißen. Aus dem Autoradio schmetterte Pink Floyd „Another Brick in the Wall“. Obwohl Aspen die Straßen von Hawkins seit Ewigkeiten nicht befahren hatte, so fühlte es sich an, als wäre sie nie fort gewesen. Früher war sie zwar immer nur der „Copilot“ gewesen, doch trotzdem hätte sie den Weg auch mit verbundenen Augen gefunden. Beinahe von selbst lenkte die junge Frau den Wagen auf einen schmalen Seitenweg, der direkt zum alten Steinbruch der Settler Company führte. Hier hinten, abseits vom Kleinstadtleben, standen auch ein paar einsame Häuser. Jonathan wohnt hier ganz in der Nähe, schoss es ihr unwillkürlich durch den Kopf, während sie den Wald verließ und auf ein flaches Stück Kiesstrand zufuhr. Das Wasser, welches den Steinbruch inzwischen überspült hatte, war klar und schimmerte im aufgehenden Sonnenlicht Türkis. Rings herum erhoben sich mächtige graue Felsen, als wollten sie dem Wald trotzen. Hier war es ruhig, fast totenstill. Nur hin und wieder drang der Gesang eines Vogels an Asps Ohr, oder das Geräusch eines kleinen Steines, der sich gelöst und ins Wasser gefallen war. Ihr Atem klang störend und laut in dieser idyllischen Umgebung.


Der Kies knirschte unter ihren Sohlen, als sie sich dem Rand des Wassers näherte. Wie oft sie früher hier gewesen war. Kaum, dass der Sommer Einzug in Hawkins gehalten hatte und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sich hernieder senkten, da hatte sich Alex, Jonathan und sie schon auf den Weg gemacht. Bilder von damals wurden von ihrem Unterbewusstsein eingeblendet, als wolle ihr eigener Geist sie verhöhnen. Ihre Brust stach beim Gedanken an diese Zeiten. Fest ballte sie ihre Hände zu Fäusten, bis sich ihre Fingernägel schmerzhaft in ihre Innenflächen bohrten. Wenn Alex sie jetzt sehen könnte, würde er sie vermutlich auslachen. Kopfschüttelnd machte Aspen auf dem Absatz kehrt. Irgendwie hatte sie sich das alles hier leichter vorgestellt. Mit weniger Wiedersehen und eindeutig weniger Schuldgefühlen. Aber wie sooft hatte sie sich geirrt.


Nur war sie den Weg nicht gekommen um dann einen Zwiespalt mit sich selbst zu führen, also beförderte sie einen Block zu Tageslicht, den sie kurz darauf mit einem Kohlestift ergänzte. Im Schneidersitz machte sie es sich anschließend auf der Motorhaube des Mustangs bequem. Es dauerte nicht lange, da flog die Spitze des Stiftes über das feste Zeichenpapier. Aspen begann mit der Grundierung und skizzierte die Umrisse der Landschaft vor ihr. Zu lange hatte sie sich schon keine Zeit mehr für das zeichnen genommen. Gierig sog sie den Moment in sich auf. Baum um Baum fand seinen Weg auf das Papier, bevor sie sich den imposanten Felsenformationen widmete. Ihre Finger waren schon ganz schwarz vom Verwischen der weichen Kanten, als sie einen Blick auf die Uhr warf. Sie hatte die Zeit ganz vergessen, war in ihrer eigenen kleinen Welt versunken. Während sie sich selbst das Versprechen abnahm wieder öfter den Weg hier raus zu finden, beeilte sie sich den Motor zu starten.
„Und dann sind wie raus nach St. Marks gefahren. Auf den Parkplatz am Blue River. Abby, ich sag es dir, kein Typ hat mich jemals so lang und geil ge….“, bevor Carol weiter schaurige und zu Aspens Leidwesen sehr detaillierte Geschichten über ihre Sammlung an sexuellen Kontakten mit ihrem Freund Tommy preisgeben konnte, räusperte Aspen sich hörbar. Augenblicklich bombardierte Carol sie mit geringschätzigen Blicken, Abigail Spencer ließ entrüstet ihre Kaugummiblase platzen und Melody, die dritte im Bunde, schnappte wie ein Goldfisch nach Luft. Asp fühlte sich, als habe sie gerade eine Atombombe gezündet und nicht das belanglose Gelaber dieser dummen Pute unterbrochen. Sie saßen in einem der zahlreichen Biologiefachräume und warteten mehr oder weniger gespannte auf den erlösenden Gongschlag. Es war die letzte von insgesamt acht Schulstunden, die sie über sich ergehen hatte lassen. Nun saß sie also hier in der letzten Reihe, vor sich die drei Schlampen der Hawkins High und lauschte gezwungenermaßen ihren Geschichten, die sie sich mehr oder weniger leise zuflüsterten. Lydia öffnete bereits ihren Kirschrosa Mund, als die Schulglocke endlich klingelte und Aspen blitzschnell ihre Sachen in die Tasche neben sich stopfte, bevor sie aufsprang.


Der Flur war so gerammelt voll, dass Aspen ewig nach draußen brauchte. Hier und da wurde sie von einem orientierungslosen Schüler angerempelt, während sie sich unter dem Einsatz ihrer Ellenbogen eine Schneise durch die Menschenansammlung bahnte. Manchmal war Aspen der geborene Misanthrop. Endlich an ihrem Spint angekommen warf sie ihre Bücher nur so hinein, dass das in die Jahre gekommene Metall nur so ächzte. Sie wollte nur noch raus hier, die enge der Flure und die Anzahl der Schüler erdrückte sie beinahe. Jedes Mal wenn sie Nancy auf dem Flur sah, oder ihre Stimme in einem der Klassenräume hörte fühlte sie sich schlecht. Ja, sie hatte sich versprochen niemanden in das Chaos hinein zu ziehen, das ihr Leben war, aber sie hatte nicht gedacht, dass es so schwer werden würde. Sie lehnte den Kopf an den Regalboden ihres Spintes. Früher war sie gerne hier zur Schule gegangen, hatte die Pausen mit ihren Freunden und ihrem Bruder verbracht und die Zeit genossen, in der sie etwas neues lernen durfte. Seufzend warf sie die Metalltür zu und schulterte ihre Tasche. Doch sie kam nicht weit, eine Hand schloss sich erbarmungslos und schraubstockartig um ihren Oberarm. Hawkins war kein Platz für Andersartigkeit oder Rebellion. Ihr war bewusst gewesen, dass ihr Aussehen und ihr Art Aufsehen erregen würden, aber sie hätte nicht gedacht, dass sie wirklich Opfer eines dieses Klischeehaften Schulrowdys werden würde. „Schön dich wiederzusehen, Psychoschlampe. Wo hast du denn deinen Bruder gelassen? Ist er etwa das Menschenopfer für ein Ritual geworden?“. Aspen ersparte sich die Mühe im zu erklären, dass sie keine Anhängerin des Teufels war, nur weil sie gerne schwarz trug und nicht an Gott glaubte.
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