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In my last life

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chief Jim Hopper Demogorgon Elf "Elfie" Jonathan Byers OC (Own Charakter)
22.08.2018
13.07.2020
12
15.763
4
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Dieses Kapitel
1 Review
 
24.08.2018 1.360
 
“To live is the rarest thing in the world. Most people exist, that is all.”

― Oscar Wilde



Für Sekunden fühlte sich Aspen, als würde sie sich in einem Vakuum befinden. Niemand bewegte sich, kein Laut drang zu ihr durch. Das Nerv tötende Geschnatter der Mädchenansammlungen wurde, ebenso wie das Gegröle der basketballspielenden Halbstarken, Sekunden nach Aspens Auftritt vom Wind davon getragen. Alle Augen waren auf sie gerichtet und nur das monotone Geräusch ihrer schwarzen Doc Martens hallte über den Vorplatz. Niemand wies sie darauf hin, dass Rauchen auf dem Schulgelände verboten war, als sie eine Zigarette aus der rot-weißen Verpackung zog und sich zwischen die Lippen klemmte. „Oh mein Gott!“, spottete Carol Perkins, während ihr Blick wie hypnotisiert an Aspens schulterlangen rabenschwarzen Haaren hing. Anstatt stundenlang bei einem Friseur zu sitzen, hatte sie sich eine Schwere geschnappt und kurzen Prozess gemacht. Der Rauch brannte in ihren Lungen, als sie die Spitze der Lucky Strike mit einem Zippo zum Glimmen brachte und den einatmete. In der Zeit, die Aspen benötigte um von ihrem Wagen zur Eingangstür zu gelangen, versuchte jeder so viel wie möglich von ihrem Aussehen in sich aufzusaugen, um ihren Auftritt später in aller Einzelheit analysieren zu können.


Doch davon bekam Aspen vorerst nichts mit. Stattdessen bahnte sie sich einen Weg zum Sekretariat, das am anderen Ende des Gebäudes lag. Aus ihrer Umhängetasche zog sie einen Stapel Formulare und Bescheinigungen, die sie vor der pummeligen Sekretärin auf dem eierschalenfarbenen Tresen ausbreitete. „Aspen Bishop. Ich habe vor zwei Wochen angerufen.“, murmelte Aspen knapp, während sie entnervt ein junges Mädchen fixierte, welches sie so schamlos anstarrte, dass es seine Bücher fallen ließ. Überschwänglich nickend tauchte die Schreibtischkraft hinter einem Aktenschrank ab: „Ah ja. Die ganze Belegschaft hat sich gefreut, dass Hawkins chronische Einser-Schülerin wieder da ist! Ich bin übrigens Misses Laedis.“. Aspen lächelte schmallippig, während sie einen Stapel Unterlagen entgegen nahm. Zu Oberst lag ein sehr voll aussehender Stundenplan, auf dem eine unleserliche Notiz stand: Bitte am Mittwoch nach Schulschluss bei Dr. Pete (Schulpsychologe) melden. Sie machte mit sich selbst aus, diesen Termin einfach zu vergessen. Müde beobachtete sie ihr Gegenüber, welches nun begann wild durch die von ihr ausgelegten Blätter zu wühlen. „Kann ich dann gehen?“, fragte sie mit merklich genervter Stimme. Die Sekretärin sah sie scharf an: „Natürlich, junges Fräulein.“


Vor einer Holztür mit einem eingelassenen Fenster blieb Aspen stehen. Der Unterricht hatte noch nicht begonnen, also schlich sie so leise wie möglich in den kleinen Klassenraum. In fünf Reihen erstreckten sich Einzeltische bis hinter an die Wand, die mit Plakaten zugepflastert war. Ein Overhead Projektor projizierte bereits ein unausgefülltes Arbeitsblatt an die kalkweiße Vorderwand. An die surrende Maschine gelehnt stand eine groß gewachsene Frau in einem zimtfarbenen Kostüm, das zu altbacken für ihr junges Gesicht wirkte. Ohne sich vorzustellen setzte Aspen sich auf einen der hintersten Plätze. Bella Adams, die Mathematik Lehrerin, hatte bereits von der Neuen Schülerin gehört. Um genau zu sein war sie sogar das Nummer Eins Thema im Lehrerzimmer gewesen, aber das würde sie natürlich niemals zulassen. Stattdessen musterte sie die blasse Persönlichkeit im hintersten Eck des Klassenzimmers. Auch wenn Bella Adams bis vor einem Jahr noch in New York gelebt hatte und nur wegen ihrem Mann nach Hawkins gezogen war, war sie noch nicht ganz warm mit der Rebellionskultur der Punk- und Gothic-Szene geworden, die dieses Mädchen eindeutig ausstrahlte.


Zum Klingeln der Pause hatten sich wohl immer noch nicht alle an Aspen satt gesehen, denn auf dem Weg zu ihrem Spint schienen sich alle nach ihr umzudrehen. Die Blicke brannten wie Säure in ihrem Nacken, als sie den taubenblauen Metallschrank erreichte. Mürrisch warf sie ihre eben abgeholten Schulbücher in den engen Stauraum, bevor sie die Tür scheppernd zuwarf. „Du hättest mir sagen können, dass du wieder in der Stadt bist, Asp.“ der Duft nach Veilchen lullte sie beruhigend ein, als Nancy Wheeler sie in eine enge Umarmung schloss. Aspen und Nancy waren beste Freundinnen gewesen. Sie hatten die Art von Freundschaft gehabt, in der man sich die abwegigsten Sachen und die schlimmsten Geheimnisse anvertraute. Aber diese Zeit war vorbei und würde wahrscheinlich auch nie wieder aufleben, also schob Aspen das Mädchen sanft aber bestimmt von sich. Nancy war gewachsen und damit ein kleines Stück größer als sie selbst, außerdem hatte Nancy anscheinend einen Gefallen an modischer Kleidung entwickelt und beschlossen sich zu schminken: „Ich habe niemanden informiert, der nicht wichtig gewesen wäre.“. Die Worte waren hart, doch Aspen hatte beinahe niemanden über ihre Rückkehr in Kenntnis gesetzt und gehofft, solange wie möglich unbemerkt zu bleiben. Und bevor sie ihrer ehemals so vertrauten besten Freundin in die Arme fallen konnte machte die dunkelhaarige auf dem Absatz kehrt und verschwand im Gedränge der Schülerscharen.


„Fuck. Fuck. Fuck.“, Aspen ballte ihre Hände zu Fäusten und presste sie sich verzweifelt an die vom Schweiß feuchte Stirn. Sie fühlte sich gelinde gesagt absolut beschissen. Selbst jetzt noch, eine halbe Stunde nach ihrem Zusammentreffen mit Nancy, konnte sie noch ihren zutiefst verletzten Blick vor sich sehen. Sie war kein grausamer Mensch, auch wenn ihr Betragen es manchmal vermuten ließ. Aber für manche Personen aus ihrem alten Umfeld war es einfach besser, die neue Aspen nicht kennenzulernen. Sie sollten sie als das Mädchen in Erinnerung behalten, das sie vor ihrer Flucht aus Hawkins gewesen war. Jetzt stand sie hier, auf dem Parkplatz und wollte nichts lieber als sich irgendwo zu verkriechen. Sie musste ihre Gedanken ordnen, etwas Struktur in das Chaos in ihrem Kopf bringen. Festen Schrittes steuerte das Mädchen also auf den Mustang zu, der einladend in der Sonne glänzte. Nach einem letzten Blick hinüber zum Schulgebäude- beinahe erwartete sie einen wütenden Lehrer, der jeden Moment auf den Parkplatz stürmen würde- schwang sie sich hinter das Steuer. Kaum hatte sie den Schlüssel im Zündschloss gedreht, erklang das sanfte Schnurren des leistungsstarken Motors. Alles in ihr jubelte, als sie die Tachonadel nach oben schnellen ließ und das Fenster hinunter kurbelte. Die Häuser verschwammen und gingen irgendwann in Bäume über, die sich endlos dahin zu ziehen schienen. Für einen kurzen Moment schien sie frei zu sein. Dieser Augenblick in dem der Wind ihr durch die Haare fuhr und die Sorglosigkeit ihre Sinne ganz benebelte, endete abrupt als hinter ihr das Blaulicht eines Streifenwagens erschien.


„Aspen? Nicht die Bishop, die ich erwartet hätte zu sehen.“ überrascht beugte Chief Hopper sich hinunter, bis sein Gesicht vor dem Fenster erschien. Er war etwas in die Jahre gekommen, sein Bart ergraut und die Haare lichter. Außerdem stank er nach billigem Fusel und Zigaretten: „Nun Chief, an diesen Anblick müssen sie sich wohl demnächst gewöhnen.“. Routiniert zog er eine Kippe aus der Brusttasche seines beigen Hemdes und steckte sie sich an. „Ich hab gehört, dass ihr wieder in der Stadt seid. Aber ihr seid nicht gerade willkommen, nach allem was passiert ist.“ für einen Wimpernschlag war er wieder so ernst und besorgt wie damals an dem Tag, bevor sie abgehauen waren. Aspen zuckte die Schultern. Sie hatte vor langer Zeit aufgehört auf die Hilfe ihres Patenonkels zu bauen. Außerdem war sie es gewöhnt nicht willkommen zu sein: „Nichts, dass ich nicht erwartet hätte. Hawkins vergisst nie, vor allem keine Skandale.“. Der Chief lachte rau, bevor er sich aufrichtete und auf das Dach klopfte. „Fahr vorsichtig, Aspen. Die Straßen hier draußen können tückisch sein bei dieser Witterung.“, spielte er auf das Spiel von Licht und Schatten an, bevor er langsam zu seinem Wagen zurück trottete und sich schwerfällig auf den Sitz fallen ließ. Zurück blieb nur der Geruch nach Tabak und Deodorant.


Ihr Vater schien bereits in die Kneipe gegangen zu sein, als Aspen den Wagen auf den Vorplatz des heruntergekommenen Hauses lenkte. Die ehemals weiße Fassade hatte einen grauen Schleier, die Fenster waren zugig, der Kamin defekt und das Fundament leckte wahrscheinlich. Kein Wunder, das ihr Vater das Haus- wenn man es überhaupt als solches titulieren konnte- spotbillig erhalten hatte. Knarzend fiel die marode Haustür hinter der Schülerin ins Schloss und tauchte den vor ihr liegenden Flur in Dunkelheit. Auch nachdem sie mehrmals den Lichtschalter betätigt hatte blieb es stockdunkel. „Verdammt, Dad!“, fluchte Aspen, als ihr bewusst wurde wo er das Geld, dass eigentlich für den Strom gedacht gewesen war, nun verprasste.
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