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In my last life

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chief Jim Hopper Demogorgon Elf "Elfie" Jonathan Byers OC (Own Charakter)
22.08.2018
13.07.2020
12
15.763
4
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Dieses Kapitel
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13.07.2020 1.386
 
Aspen saß zusammengekauert an die Hauswand gelehnt, während sie Steve in jeder Einzelheit erzählte, was passiert war. Von dem Brief und dem, was Hopper ihr erzählt hatte. Seine Brauen waren zusammengezogen und er musterte sie mit einem skeptischen, leicht distanzierten Ausdruck. Das junge Mädchen fühlte sich verletzlich und krank, während sie mit an den Körper gezogenen Beinen auf dem kalten Steinboden saß. Am liebsten wäre sie darin versunken. Alles kam ihr zu viel vor, als würden tosende Wellen über ihrem Kopf zusammenschlagen und sie in die Tiefe ihres eigenen Geistes ziehen. „Wieso bist du deswegen zu mir gekommen?“, murmelte er anschließend. In ihm brodelte noch immer Wut wegen dem, was Aspen Nancy vor der gesamten Schule angetan hatte. Ihre mit Tränen gefüllten Augen sahen zu ihm auf und er wusste warum. Es war derselbe Blick mit dem sie vor zwei Jahren vor seiner Tür gestanden hatte, durchgefroren und mit durchweichten Sachen. Ein Schluchzen bahnte sich aus ihrer Kehle, Aspen presste eine Hand auf ihren Mund. Steve war kein Unmensch, er wusste, dass sich hinter ihrer Fassade aus Hass und Wut so viel mehr verbarg. Ein kleines Mädchen mit einem gebrochenen Herzen. Seufzend kniete er sich neben sie und nahm sie in den Arm. Ihre schlanken Finger krallten sich haltsuchend in seine Schultern, während sie haltlos schluchzte: „Irgendwas ist ihm zugestoßen.“


Nachdem Steves Mutter mehr als deutlich gemacht hatte, dass sie Aspen nicht in ihrem Haus dulden würde, hatten sich die beiden für ein kleines Diner in Hawkins entschieden. Sie saßen sich gegenüber auf den, mit rotem Kunstleder überzogenen, Sitzbänken und waren in ein überlegendes Schweigen verfallen. Vor Steve lag der Brief und Aspens Notizen, die sie nach dem Anruf in ihrer gewohnt unordentlichen Handschrift verfasst hatte. Ratlos stützte Steve den Kopf auf seiner linken Hand ab und sah sein Gegenüber mit einem suchenden Blick an: „Du musst mir erzählen, was passiert ist, als du weg warst. Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein.“ Über den Tisch hinweg legte er eine Hand auf ihre. Mit einem kummervollen Seufzen krampften sich Aspens Finger um das Glas Coca Cola, welches unberührt vor ihr stand. Ihre Aufmerksamkeit driftete zu der Jukebox, laut schmetterte Eurythmics „Sweet Dreams“. Es kam ihr beinahe vor, als würde die Musik in Schwaden durch den Raum wabern und sie betäuben. Die Leere, die Angst, den Schmerz. Sie dachte an die orange Film Dose in der Tasche ihrer Sweatshirt Jacke. Zwei kleine Pillen Bromazepam und ihr würde es augenblicklich besser gehen. Sie musste Steve nur sagen, dass sie schnell auf die Toilette ging. Eine kleine Notlüge und dann würde sie sich besser fühlen. In dem Moment, als sie den Mund öffnete, die Wörter lagen ihr schon auf der Zunge, trat Jonathan an ihren Tisch. Seine Miene war wie versteinert.


Jonathans warme braune Iris war von einer Härte durchtränkt gewesen, die Aspen nur von sich selbst kannte. Von dem gebrochenen Blick, den sie manchmal heimlich im Spiegel auffing. Auch jetzt starrten ihr die müden Augen einer Fremden entgegen. Das kräftige Meeresblau war über die Jahre dem stählernen graublau der Beeringsee gewichen. Ihre Hände zitterten leicht, als sie in der schwarzen Jacke ihres Bruders nach den Medikamenten abtastete. Die Dose war nur noch zur Hälfte mit den ovalen Kapseln gefüllt, welche ihrer Angst Einhalt und ihrem Kopf Ruhe bieten konnten. „Wenn sie es wirklich nicht mehr aushalten, dann wird eine davon helfen ruhig zu werden, Ms Bishop. Übertreiben sie es nicht!“, hörte sie die Stimme des Psychiaters wie ein längst verblasstes Mantra in ihrem Kopf, bevor sie drei Pillen in ihre Hand kippte. Das zusammengepresste Sedativum kratzte in ihrem Hals, Aspen drehte den fleckigen Wasserhahn auf und nahm ein paar Schlucke. Es schmeckte nach kalk und alten Leitungen. Mit den feuchten Händen wischte sie sich einmal über das fahle Gesicht. Ihre Lippen wirkten unnatürlich rot im Kontrast zu der Blässe ihrer Haut. Der dicke Liedstrich und die mehrmals getuschten Wimpern lenkten von ihren, tief in den Höhlen liegenden, Augen ab. Langsam begann das Beruhigungsmittel ihren Kopf mit Zuckerwatte zu stopfen. Als Aspen erleichtert lächelte erinnerte es sie an die Fratze eines Totenschädels. Ihr hohles, hysterisches Lachen hallte leise von den gekachelten Wänden wieder. Sie war kaputt.


Als Aspen zurück zum Tisch kam, bemerkte Jonathan sofort, den drastischen Umschwung ihrer Laune. Selbst ihre Schritte hatten etwas Federndes an sich und auf ihren Lippen lag ein schmales, aber unübersehbares Lächeln. Sie schob sich neben ihm auf die Bank, sodass er den Duft ihres Shampoos roch, ein Hauch von Lavendel und Zitrone. Ihr schien die unangenehme Stille kaum aufzufallen, während sie in großen Schlucken von ihrem Getränk trank. Sein Blick traktierte Harrington auf der anderen Seite des Tisches. Widerlicher, schleimiger Arsch, dachte Jonathan aufgebracht, als er an seine Hand auf Aspens zurückdachte. In ihm brodelte die Eifersucht. Als ihre Cola leer war, sah Aspen mit leicht glasigen Augen zu ihnen auf. Etwas in Jonathan zuckte zusammen. „Steve, ich kann dir nicht sagen was passiert ist. Ich versuche jeden Tag zu vergessen, was passiert ist.“, plapperte sie zusammenhangslos drauf los. Dabei klang ihre Stimme irgendwie anders als sonst, schleppender. Beinahe so, als hätte sie getrunken, doch als Jonathan sich ein Stück näher zu ihr lehnte, konnte er keinen Alkohol riechen. Harrington zog ebenso skeptisch eine Augenbraue nach oben: „Asp, bevor du zurück gekommen bist, hast du mir am Telefon erzählt, dass dich die Erinnerungen nicht schlafen lassen.“ Wütend schnaubend starrte Jonathan den blauen Tisch an. Sie hatte Steve angerufen. Und er nannte sie Asp. Er wollte brechen. Aspen zuckte die Schultern: „Steve… nicht hier.“ Jonathan warf seinem Rivalen einen vielsagenden Blick zu, beide schienen besorgt: „Wir können zu mir, meine Mutter ist nicht zu Hause.“


Aspen beharrte darauf alleine zu fahren und so waren es Jonathan und Steve, die sich zehn Minuten später gemeinsam in das grüne Auto von Joyce Byers quetschten. Beide ermahnten sich innerlich, dass sie es für eine Freundin taten. „Ich wusste nicht, dass du Aspen so nahe stehst.“, presste Jonathan zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, während er auf die Rücklichter ihres Wagens starrte. Steve schnaubte: „Du solltest doch am besten wissen, was für eine Geheimniskrämerin sie ist.“ Er hatte es einmal besser gewusst und die junge Frau in und auswendig gekannt, aber diese Zeit schien nur noch eine durchscheinende Erinnerung in seinem Unterbewusstsein zu sein. Wie ein gerahmtes Foto, dass man sich auf die Kommode stellt und welches einem nur noch Nebenbei auffällt. „Sie hat dich angerufen, bevor sie zurückkam?“, Jonathan konnte die nagende Ungewissheit in seinen Eingeweiden nicht ignorieren, welche sich um sie schlang wie eine eiserne Faust. „Eine Woche bevor sie wieder auftauchte hat sie mich mitten in der Nacht vollkommen fertig angerufen und irgendwas von Alex und einem schlimmen Vorfall geredet. Ich hab gesagt, dass ich sie sehen komme, aber Asp meinte, dass sie sowieso bald wieder hier ist.“, er sah nichts verfängliches darin. Jonathan schnaubte resigniert: „Aha.“. „Was, Byers? Was ist dein verdammtes Problem?“, die Luft schien beinahe zu knistern. Jonathan musste sich zusammenreißen den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. „Mein verdammtes Problem ist, dass du sie behandelst, als gehöre sie zu dir. Als wir Kinder waren, da hast du sie genauso fertig gemacht wie jeden anderen und jetzt hältst du ihre Hand und hilfst ihren Bruder zu suchen. Meinen besten Freund!“, Steve erkannte etwas in der Stimme des jungen Mannes, das er vage aus seiner eigenen kannte. „Du stehst auf Aspen?“, die Frage klang mehr wie eine Feststellung. Wild funkelte Jonathan ihn an, während sich seine Hand um das Lenkrad krampfte „Ich stehe nicht auf sie! Das ist mehr… verdammt, seit wir Kinder sind will ich nichts als sie beschützen und für sie da sein.“ „Mann, das will ich doch auch.“, Steve streckte abwehrend die Hände in die Luft. Aber Jonathan hatte sich schon in Rage geredet: „So wie bei all den anderen? Bei Nancy? Du hast sie nicht verdient, Harrington! Sie ist zu gut für dich und deine Spielchen. Ich hab sie, weiß Gott, auch nicht verdient, aber du…“. Das Schmunzeln auf Steves Lippen ließ in ihm nur noch mehr Gefühle aufwallen.

Er wollte diesen Idioten schütteln, bis ihm klar wurde, was Aspen ihm bedeutete, als dieser sich mit einem leichten Lachen zurück in den abgesessenen Sitz fallen ließ: „Keine Sorge, Byers. Niemand wird sie dir weg nehmen.“ er betonte seinen Nachnamen spöttisch „Als großer Bruder sollte ich sie schließlich von Typen wie mir fernhalten.“.
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