Zeitgeist

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
21.08.2018
21.08.2018
1
625
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Jaaa mich gibt es tatsächlich noch. Und ich schreibe auch noch an allem weiter. An manchem schneller und anderem langsamer. Jetzt hat mich mal ein ganz neues Genre gepackt und auch wenn wahrscheinlich viele damit nichts anfangen können... hier ist es! :)

________________________________________________


Mein Leben ist ein Chaos.
Ein einziges, riesiges Durcheinander mit Menschen, die ich liebe oder nicht ausstehen kann, mit Dingen, die mich erfüllen oder zutiefst betrüben, mit Gefühlen, die ich kontrolliere, solange andere bei mir sind und die mich übermannen, sobald ich alleine bin.
Hinzu kommen die Ängste und Sorgen, die dunklen Gedanken und Schatten, die mich verfolgen. Es ist wie ein dunkler Strudel, der mich immer weiter in seine Tiefen reißt und mit jedem Meter wird meine Welt trüber, schwärzer und er nimmt mir die Luft zum Atmen.
Nur ein Schritt. Nur ein Schritt und ein wenig Überwindung und alles wäre vorbei. Ist das wirklich die Lösung? Ich weiß weder ein noch aus. Ein Schritt nach vorn wäre die Erlösung meines bisherigen Leids, aber auch gleichzeitig das Ende meines Daseins. Ich würde niemals finden wonach ich suche, was auch immer das sein mag. Ein Schritt zurück wäre die Rückkehr in die Dunkelheit, die mich gefangen hält. Ich würde leben, doch ich müsste kämpfen, immer weiter, bis ich irgendwann wieder an den Punkt gelange, an dem ich in meiner Verzweiflung ertrinke. Was will ich wirklich? Wonach suche ich? Was brauche ich? Ich bin fehl am Platze. Ich gehöre nicht hierher. Warum musste das alles passieren?
Eine winzige Träne flüchtet sich meine Wange hinunter und tropft auf den Zettel in meiner zitternden Hand:
“Halt die Ohren steif und das Auge offen, Süße. Ben”.
Ich beiße mir auf die Lippe, um die Tränen zurückzuhalten, als ich diese Nachricht - diesen Abschiedsbrief - nun schon zum tausendsten Mal lese und ich meine Gefühle wieder nicht im Zaum halten kann.
Es ist nicht die Trauer, die mich verletzt, sondern die Wut, dass ich all diese Antworten niemals erhalten würde. Niemand wird dich vermissen, flüsterte die kleine, gemeine Stimme in meinem Kopf. Niemand. Vor allem nicht Ben. Niemand, sprach die Stimme zum wiederholten Male. Dann würde es auch niemanden stören, wenn ich weg bin.
Ich habe eine Entscheidung getroffen. Meine Zehenspitzen ragen bereits über die Kante hinaus. Nur noch ein wenig mehr…
Plötzlich räuspert sich jemand hinter mir und ich zucke zusammen. Ich drehe mich um, doch ich kann niemanden erkennen. Vermutlich habe ich es mir nur eingebildet. In dieser eiskalten Nacht würde mir garantiert niemand auf dieses Dach folgen. Ich lehne mich nach vorne.
Ehe ich mich versehe, packt mich etwas am Arm und wirft mich gewaltsam auf den Boden des Daches. Ich höre ein seltsam wirres Flüstern, als würde es nur in meinem Kopf widerhallen. An meiner Wange spüre ich den Hauch eines Atems.
Zögerlich öffne ich meine Augen, an denen sich Raureif wie ein weißer Mantel um meine Wimpern gelegt hat. Ich erwarte jemanden auf mir, da kurz Druck auf meiner Brust ausgeübt wurde. Ich habe Angst. Eine riesige Scheißangst.
Nichts. Niemand. Ich bin allein. Was zum Teufel war hier passiert?
“Hallo? Ist hier jemand?”, rufe ich so laut es mir trotz des Schocks möglich ist. Ich erhalte keine Antwort.
Langsam richte ich mich auf und putze den Schnee von meinem Mantel und der  zerrissenen Jeans. Ich schleppe mich verwirrt zur Feuertreppe und schlurfe eine Stufe nach der anderen hinunter, in den Gedanken nur bei diesem seltsamen Ereignis. Es war, als wollte etwas oder jemand nicht, dass ich es beendete.
Erst später, als ich auf der Fensterbank meines Zimmers sitze und versuche trotz der vielen Leuchtreklamen ein paar wenige Sterne ausfindig zu machen, wird mir bewusst, was ich dort beinahe getan hätte. Doch ich wurde gerettet… nein.
Ich habe einen Teil meiner Antwort endlich erhalten.
Review schreiben