Vom Glück geküsst

von BAB
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
21.08.2018
27.05.2019
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Wie sie es geschafft hatte in den letzten Tagen nicht vor Langeweile zu sterben, war für Jessica selbst ein Rätsel. Erst zwei Wochen war sie im Mutterschaftsurlaub und das Ende noch lange nicht in Sicht. Der absolute Horror! Doch in dieser Nacht hatte sie keine Langeweile und war aus unerklärlichen Gründen etwas anders als sonst.
Gegen fünf Uhr am Morgen war Jessica wach geworden, sie hatte merkwürdige Rückenschmerzen und konnte nicht mehr einschlafen und das ausgerechnet vor Pauls großem Tag. Um sich nicht wälzend in ihrem Bett die restliche Nacht um die Ohren zu schlagen, hatte sie beschlossen aufzustehen und sich erst einmal einen Tee aufzusetzen. Während sie darauf wartete, dass das Wasser heiß wurde, setzte sie sich auf einen Stuhl in der Küche und hielt mit beiden Händen ihren Rücken fest und massierte ihn gelegentlich. Es war eigenartig. Im Unteren Rückenbereich hatte sie Schmerzen, die sie sich nicht erklären konnte. Seit Monaten hatte sie nicht mehr schwer getragen und zu Verrenkungen im Bett, dazu war sie auch nicht mehr in der Lage um sich den Rücken verdreht zu haben. Rätselnd saß sie in der Küche und versuchte ihrer Schmerzen Herr zu werden.
„Mann, was ist denn das?“, sagte sie und massierte mit ihren Fingern den unteren Rückenbereich, die Daumen ließ sie an ihren Hüften kreisen. Immer mal wieder ebbten die Schmerzen ab. Verdammt noch mal, sie wollte wieder schlafen!
Als das Wasser schließlich heiß war, stand sie auf um sich ihren Tee fertig zu machen. Anschließend setzte sie sich auf die Eckbank und genoss das heiße Getränk. Jessica bildete sich ein, dass der Tee ihren Rücken beruhigte. „Hm, geht doch“, freute sie sich. Als die Tasse schließlich leer war, ging sie wieder hoch ins Bett. Dort fing das Prozedere leider wieder von vorne an.
„Mann!“, ärgerte sie sich leise. Sie war müde und bereit jederzeit einzuschlafen, ihr Körper schrie nach Schlaf, die Augenlider waren schwer und ihr immer wieder zugefallen, doch diese Rückenschmerzen raubten ihr den letzten Nerv. Sie entschied sich dagegen eine Schmerztablette zu sich zu nehmen. Bisher hatte sie schon viel schlimmere Schmerzen aushalten müssen und auch ausgehalten. Außerdem wusste sie nicht, ob die Luna gut tun würde.
Sie drehte sich von ihrer Seitenlage zurück auf den Rücken um diesen gerade zu strecken. Die Schmerzen wurden etwas weniger, aber nicht viel weniger. So schlug sich Jessica die restliche Nacht um die Ohren. Wann sie eingeschlafen war, konnte sie nicht genau beziffern. Irgendwann hatte die Müdigkeit einfach überhandgenommen und gewonnen.
Nur knapp zwei Stunden später wurde sie wach und stand wie gerädert auf. Sie fühlte sich als hätte sie eine ganze Woche nicht geschlafen. Wenigstens waren diese verdammten Rückenschmerzen für den Moment wieder weg, weshalb sie sich dazu entschloss herunter in die Küche zu gehen. Mit einem ausgiebigen Frühstück würde sie sich schon stärken können für den Tag, der leider erst begonnen hatte.
Alfons saß schon beim Frühstück, hatte seine Zeitung auf dem Esszimmertisch ausgebreitet und nahm gerade einen kräftigen Schluck von seinem Kaffee. Als er Jessica die Küche betreten sah, nickte er einmal, schluckte seinen Kaffee herunter und wünschte ihr schließlich einen Guten Morgen.
„Haben’s gut geschlafen?“, fragte er. Sie sah zwar nicht so aus, in den letzten Zügen der Schwangerschaft hatte seine Frau allerdings auch nicht mehr so gut geschlafen und es bestand immer noch die Möglichkeit, dass sie doch geschlafen hatte.
„Nein“, sagte Jessica etwas grummelnd und setzte sich wieder Wasser in dieser uralten Kanne auf dem Herd auf.
„Wie kommt’s?“
„Ich habe so Rückenschmerzen.“
„Haben’s vielleicht falsch gelegen?“
„Das geht doch gar nicht mehr mit dem Bauch…“
„War ja nur so `ne Idee…“
„Wo ist denn Ihre Frau?“, Jessica nahm vor ihm auf einem Stuhl Platz und hielt sich wieder die schmerzenden Stellen. Es war ja so klar, dass das einfach nicht aufhören konnte!
„Zum Bäcker“, gab Alfons Antwort und musterte Jessica interessiert, da sie sich ihren Rücken massierte.
Dann gab es gleich wenigstens ein ordentliches Frühstück, freute sich Jessica. Ihr Plan, dadurch doch noch gestärkt den Tag beginnen zu gönnen, schien gar nicht mal so abwegig. Paul hatte heute seinen Triathlon für den er schon seit Monaten trainierte und da Jessica die Decke auf den Kopf fiel, wollte sie diesem beiwohnen. Für sie gab es deutlich spannenderes als diesen Sport, im Moment war aber alles besser als schon wieder sich langweilend vor die Glotze setzen zu müssen.
Nun  betrat Hildegard gut gelaunt die Küche. Ihren Korb hatte sie gut gefüllt mit allerlei Leckereien.
„Guten Morgen, Frau Bronckhorst.“
„Guten Morgen“, grummelte diese immer noch vor sich hin, hatte ihren Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt und ihren Kopf in ihre Handinnenfläche abgelegt, versuchte die Augen zu schließen.
„Haben Sie nicht gut geschlafen oder sind Sie gerade erst aufgestanden?“
„Beides.“
Das war nicht schwer zu sehen für Hildegard, Jessica hatte eigentlich immer Energiereserven gehabt. Diese Nacht musste schlimm gewesen sein.
„Dann lassen Sie uns frühstücken“, schlug Hildegard vor und legte die Brötchentüte auf dem Tisch ab.
Jessica entschied sich dazu die Rückenschmerzen nicht weiter zu erwähnen, dann bekam sie bestimmt Bettruhe verordnet und wie sie schon einmal festgestellt hatte, hatte sie keine Lust sich heute wieder langweilen zu müssen und frische Luft war bestimmt auch nicht falsch.

„Romy Ehrlinger kommt nachher zu uns, wir wollen alle gemeinsam Paul anfeuern. Ich habe sie beim Bäcker getroffen, Paul ist schon ganz aufgeregt, aber motiviert“, berichtete Hildegard als das Frühstück schon einige Minuten im Gange war. Jessica nahm nur am Rand davon Notiz, hatte wieder mit einem Schub dieser Rückenschmerzen zu kämpfen und hatte Mühe sich nichts anmerken zu lassen.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Hildegard die ihr genau gegenüber saß und gesehen hatte wie sie die Lippen zusammengepresst hatte.
„Hmhm, ich habe nur versucht ein Gähnen zu unterdrücken“, Jessica war um ein Lächeln bemüht.
Für Hildegard sah das anders aus, Jessicas Lächeln hatte nicht wie sonst ihre Augen erreicht und auch sonst hatte es nicht aufrichtig ausgesehen, Hildegard vertraute aber darauf, dass Jessica die Wahrheit sagte. Man konnte sich schließlich auch mal irren.
Ein Brötchen hatte Jessica gegessen und sich nur eine einzige Gurke aus dem Gurkenglas gefischt. Genüsslich essen sah bei ihr deutlich anders aus, doch Hildegard und Alfons beschlossen nicht weiter nachzufragen. Wenn sie mal etwas müder waren, eine harte Nacht hinter sich hatten, wollten sie meistens nur noch ins Bett und Schlaf nachholen. Essen war da zweitrangig und sie hatte ja schon etwas gegessen, was nicht ganz unwichtig für Luna war.

„Möchtest du noch etwas essen?“, fragte Romy und beobachtete Paul dabei, wie er seine Sachen zusammensuchte um seine Sporttasche zu packen. Dabei hatte sie gedacht, die hätte er schon am Vortag gepackt gehabt. Der Tisch war noch mit dem Frühstück eingedeckt, dafür war definitiv noch Zeit gewesen. Eigentlich war sie immer diejenige, die vor wichtigen Ereignissen nichts herunterbekam und von Paul beruhigt werden musste, dieses Mal schien es andersherum zu sein.
„Nee, wo ist denn diese Trinkflasche?“, fragte Paul, drehte sich zum Sofa um, auf dem die Kissen wild durcheinander lagen und trommelte mit seinen flachen Händen auf seinen Oberschenkeln herum.
„Die hier?“, Romy hielt ihm eine schwarze Trinkflasche entgegen.
„Du bist ein Engel“, sagte Paul und nahm erleichtert die Trinkflasche entgegen, allerdings nicht, ohne Romy eilig einen Kuss auf den Mund zu drücken, und schmiss die Trinkflasche anschließend in seine Sporttasche, die auf dem Wohnzimmertisch stand. Sie lugte noch zur Hälfte aus der Tasche heraus, Paul hatte nicht richtig getroffen, weshalb Romy sie richtig für ihn verstaute.
„Nur ohne Flügel…“, schmunzelte Romy über den Vergleich mit dem Engel und wurde nun auch nervös, weil Paul aus dem Zimmer stürmte und immer noch ganz durcheinander war. Sie hatten verschlafen, aber nicht viel, trotzdem war er nervös oder gerade deswegen. Prüfungsangst und diese Nervosität kannte sie, diesen Paul aber nicht.
„Hast du nicht gestern alles gepackt?“, rief Romy und wippte nun mit ihren Füßen auf und ab.
„Das dachte ich auch, das war aber die Tasche vom letzten Training“, rief Paul und betrat mit seiner schwarzen Trainingsjacke wieder den Wohnbereich, zog sie sich über die rechte Schulter.
„Hast du dann jetzt alles?“
Paul zog sich in Windeseile fertig an, das hieß seine Schuhe, und durchwühlte noch ein letztes Mal seine Sporttasche, nickte dann, atmete schwer und erleichtert aus.  Romy erblickte noch sein Handy auf dem Frühstücktisch und steckte es ihm schnell in seine rechte Tasche der Trainingsjacke.
„Du musst mich ja anrufen können“, sagte Romy, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und gab Paul einen Kuss auf seinen Mund zur Verabschiedung. Leider konnte Romy nur den Start, also das Schwimmen und anschließend eine kleine Etappe mit dem Rennrad verfolgen, das Laufen musste sie leider komplett auslassen, da sie arbeiten musste. Damit Paul sie sofort über sein Ergebnis informieren konnte, war sie froh dieses kleine nützliche Ding noch gesehen  und es ihm in die Tasche gesteckt zu haben. Ihr Freund war manchmal eben auch ein kleiner Chaot. Als Paul die Tür hinter sich zugezogen hatte, machte sich auch Romy bereit um zu den Sonnbichlers zu gehen, sogar etwas früher als geplant, denn sie wollte vorher noch in Ruhe mit Jessica reden. Es musste doch irgendwie möglich sein, dass man wieder miteinander klar kam, so wie vor der Schwangerschaft auch. Mit gemischten Gefühlen hatte sich Romy ihre Handtasche geschnappt und war ein wenig später Paul gefolgt. Hoffentlich ließ Jessica überhaupt mit sich reden!

Bis zum Vormittag hatte Jessica  die Schmerzen einfach ausgehalten, denn sie waren noch zum Aushalten gewesen und mit etwas Gegendruck in Form von eigenen Handmassagen sogar etwas zurückgegangen. Leider gesellten sich zu diesen Rückenschmerzen auch noch Schmerzen im Lendenbereich dazu. Für Jessica fühlte es sich so an, als ob der Schmerz stetig weiter nach unten in ihrem Körper wandern würde. Seit einer Stunde hatten sie also auch noch damit zu kämpfen.
„Immer diese Übungswehen!“, beschwerte sie sich in ihrem Zimmer sitzend auf ihrem Bett. Sie hielt ihren Bauch mit beiden Händen fest und versuchte die Schmerzen weg zu atmen. Sie hatte noch zwei Wochen Schwangerschaft vor sich, kein Grund zur Sorge. Und gleich ging sie schließlich zusammen mit Romy, Hildegard und Alfons zu diesem Triathlon. Das würde schon wieder werden!
„Kommst du Jessica? Wir wollen los“, hörte sie Romys Stimme aus dem Flur erklingen.
„Komme!“, sagte Jessica, stand mühsam auf.
„Gehen Sie schon mal, wir kommen nach“, sagte Romy und schickte Alfons und Hildegard hinaus.
„Gehen Sie ruhig, Frau Ehrlinger, ich warte“, schlug stattdessen Hildegard vor, die wusste, dass Romy den Start bestimmt nicht verpassen wollte, da sie ohnehin nicht den ganzen Triathlon sehen konnte. Außerdem war Jessica nicht die Schnellste und seit der Schwangerschaft erst recht nicht.
„Nein, nein, gehen Sie ruhig“, lächelte Romy.
„Wie Sie meinen“, lächelte nun auch Hildegard und schob ihren Mann aus der Tür. Es gab wohl noch redebedarf zwischen den Frauen!

Romy blickte hoch und sah endlich wie sich Jessicas Zimmertür öffnete. Schon wieder waren fünf Minuten vergangen. „Na endlich, wo bleibt’s du denn?“, fragte Romy verwundert, war selbst schon ganz nervös, weil Paul so nervös gewesen war. Unruhig knetete sie ihre Hände.
„Sorry…“, kam es nur von Jessica, die wieder etwas mehr Kraft hatte, sich mit beiden Händen am Geländer festhielt und seitlich die Stufen hinab stieg. Ihre Handtasche hatte sie um ihr rechtes Handgelenkt gehangen.
Romy kam das sehr merkwürdig vor. Jessica war hochschwanger, aber so war sie noch nie die Treppen hinab gestiegen, schon gar nicht so vorsichtig.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Romy und runzelte ihre Stirn, kniff sogar ein wenig die Augen zusammen, konnte nicht wirklich glauben, was sie sah.
„Hmhm…“, nickte Jessica.
„Das sieht aber nicht so aus“, etwas Sorge schwang bei Romy mit. So verkrampft wie sich Jessica am Geländer festkrallte und wie sie ihre Lippen aufeinander presste, da konnte nicht alles in Ordnung sein. Romy kniff noch etwas mehr ihre Augen zusammen und musterte Jessica, die endlich unten angekommen war.
„Bist du sicher, dass du mit möchtest?“, versicherte sie sich noch einmal und ging einen Schritt auf Jessica zu, die merkwürdig ruhig wirkte. Jessica nickte wieder nur. Romy bemerkte wie sie ihre Handtasche bei den Sonnbichlers in der Küche hatte liegen lassen.
„Also gut, ich hole mal eben meine Tasche…“, nun entfernte sich Romy von Jessica in Richtung Küche. In diesem Moment schrie Jessica überrascht auf: „Au!“
Sie hielt sich mit ihrer rechten Hand ihren Bauch fest, bekam mit ihrer linken Hand den Kleiderständer im Flur zu fassen. Romy kam aus der Küche gestürmt. „Was ist denn?“, fragte sie ganz aufgeregt und hatte nun ihre Augen weit aufgerissen. Wusste sie doch, dass eben nicht alles in Ordnung war!
Jessica versuchte die Empfindungen zu verarbeiten und atmete langsam aus. „Ich weiß es nicht“, antwortete sie und versuchte sich selbst immer noch zu analysieren.
„Komm, wir setzen uns in die Küche.“
„Das… geht nicht…“, stammelte Jessica die ihre Position gerade ganz angenehm fand, um die Schmerzen auszuhalten.
Das sah Romy, dass das etwas ganz und gar nicht ging und bevor Jessica umkippte und böse fiel, wollte sie auf Nummer sicher gehen und Jessica erst einmal in Sicherheit wissen.
„Was geht nicht? Hast du etwa Wehen?“, fragte Romy erschrocken.
„Ich dachte das sind wieder Vorwehen, aber die Rückenschmerzen, ich habe sie nicht ganz ernst genommen und jetzt…“ Und jetzt wurden die Schmerzen immer schlimmer!
Romy wurde kreidebleich. Wäre doch nur Frau Sonnbichler wieder hier! „Seit wann hast du die Rückenschmerzen?“
„Seit dieser Nacht…“
„Und du hast nichts gesagt!?“, ihr Entsetzen konnte Romy nicht verbergen. Sie wusste gerade nicht, ob sie sauer auf Jessica sein oder endgültig in Panik ausbrechen sollte.
„Na ja, ich dachte halt das sind Vorwehen“, Jessica zuckte nur mit ihren Schultern, sie hatte es Romy doch schon  vor wenigen Sekunden noch erklärt gehabt. Ihr war jetzt klar, die Rückenschmerzen waren die ersten Anzeichen für die bevorstehende Geburt gewesen, denn normale Rückenschmerzen waren das nicht. Außerdem gab es immer wieder Pausen, mit einem Unterschied, den Jessica jetzt erst bemerkte. Die Schmerzen vom Rücken waren in ihren Lendenbereich gewandert und waren von Stunde zu Stunde schlimmer geworden. Außerdem wurden die Pausen immer kürzer und wenn diese beendet waren, kam dieser Schmerz wieder. Das mussten einfach Wehen sein.
„Ich…ich… ruf einen Krankenwagen…“, stammelte Romy und rannte hektisch zurück in die Küche, ihre Handtasche hatte sie immer noch nicht, weil Jessica so geschrien hatte und sie sofort wissen wollte, was da los war.
„Nein!“, schrie Jessica.  Diese Dinger hatte sie fast ihr halbes Leben von innen sehen müssen, nicht schon wieder wollte sie da rein! Romy ignorierte diesen Wunsch. Mit zittrigen Händen und Fingern rief sie endlich einen Krankenwagen. Währenddessen ging sie zu Jessica zurück. Als sie aufgelegt hatte, sagte sie „Da bist du aber besser aufgehoben. Ich weiß doch nicht wie man ein Kind auf die Welt bringt! Und außerdem wären wir hier alleine…“
Mit diesen Worten hatte sie Jessica schnell beruhigt bekommen, denn wenn sie eins nicht wollte, dann war es Luna alleine auf die Welt bringen zu müssen.
„Au!“, sagte Jessica wieder und merkte nun wie sich ein leichter Schweißfilm auf ihrer Haut bildete. Gerade fühlte sie sich wie in einer Sauner.
„Was? Was ist denn?“, fragte Romy erschrocken und betete, dass der Krankenwagen in zwei Sekunden da sein würde. Jessica stand nun in einer etwas gebückten Haltung vor ihr, hielt ihren Bauch fest und den Kleiderständer.
„Es tut so weh!“, jammerte Jessica.
„Der Krankenwagen ist sicher gleich da!“, sagte Romy und versuchte damit auch sich selbst zu beruhigen. „Willst du dich nicht lieber setzen?“
Jessica schüttelte heftig mit ihrem Kopf. Wenn sie dies tat, hatte sie keine Ahnung, ob sie jemals wieder hochkommen würde.
Romy  schmiss hektisch ihr Handy in ihre Handtasche, stellte diese anschließend auf dem Boden ab, um beide Hände frei zu haben. Jessica kam ihr gerade sehr wackelig vor und auf Dauer war so zu stehen bestimmt nicht gut. Aber die Frau wollte sich ja nicht setzen!
„Mir tut ab hier alles weh“, Jessica zeigte mit ihrer rechten Hand in Höhe ihrer Nieren Romy ihren schmerzenden Bereich, zum besseren Verständnis. Romy wusste nun endlich wieder deutlich, dass Jessica vor ihr stand. Denn wenn die eins nicht war, dann introvertiert. Außerdem war es gerade sehr gut, wenn Jessica ihr sagte, wo sie schmerzen hatte und wie sie ihr helfen konnte.

„Wo bleiben die denn?“, wunderte sich Hildegard und blickte einmal hinter sich. Sie und Alfons waren fast am Startpunkt des Triathlons angekommen. Den See erkannten sie schon von weitem, wie er in der Sonne erstrahlte.
„Frau Bronckhorst  ist nicht mehr so schnell…“, warf Alfons ein und schlenderte gemütlich neben seiner Frau her.
„Du hast ja recht...“, sagte Hildegard, konnte ihr komisches Bauchgefühl aber nicht abschütteln, irgendetwas war seltsam. Jessica war seltsam gewesen. Trotzdem ging sie weiter neben ihrem Mann her. Vielleicht redeten die Frauen auch einfach nur sehr lange, wobei sich Hildegard nicht vorstellen konnte, dass Romy dafür nun die Ruhe hatte.

Zwanzig  Minuten später stürzte sich Paul  ins Wasser nachdem der Startschuss gefallen war, zeitgleich wurde es bei Jessica ebenfalls nass. „Oh!“, sagte sie nur und sah Romy an, für die nun noch ein bisschen mehr ersichtlich war, dass Luna mit großen Schritten dabei war das Licht der Welt erblicken zu wollen. Dann folgte Romy Jessicas Blick, der langsam in Richtung ihrer Beine wanderte.
Als sich die Blicke der Frauen wieder trafen, hatten sie denselben erschrockenen und verunsicherten Blick drauf.
„Ich glaube, deine Fruchtblase ist geplatzt…“, sagte Romy leise und blickte noch einmal auf Jessicas Beine, an denen Wasser hinunter rann.
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