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Die Geschichte der Mary Sue Potter

OneshotHumor, Parodie / P12 / Gen
OC (Own Character)
21.08.2018
21.08.2018
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Vorwort: Plotbunnys sind Plagegeister. Immer, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, tauchen sie auf und hoppeln, aufdringlich mit ihren Schwänzchen wackelnd, auf dem Schreibtisch herum.
Die meisten verscheuche ich mit einer ärgerlichen Handbewegung, andere, die mich besonders treuherzig anschauen, sperre ich in Käfige, die ich mit Namensschildern versehe, um meine Ruhe vor ihnen zu haben. Da gibt es eines, dessen Käfig mit „Weltbetrachtung“ beschriftet ist und das die Bezeichnung Plotbunny eigentlich nicht verdient hat, weil es mich zu ein paar amateuerphilosophischen Ausführungen verleiten will, dann gibt es eines, auf dessen Namensschild „Norderholm“ steht und bei dem es sich um ein ausgemachtes Killerkaninchen handelt, da „Norderholm“ ein Horrorroman werden soll, und noch so manch andere, die ich nicht alle aufzählen will. Ein besonderer Fall ist der Käfig mit der Beschriftung „Tristan Teubner“; beim Versuch, das Viech zu erlegen, sind vor Jahren bereits 64 handgeschriebene Seiten herausgekommen, aber dann entwand sich das Plotbunny meinem Würgegriff und liegt nun schlafend im Käfig.
Kurz und gut: ich habe schon einen regelrechten Kaninchenstall zu Hause, und als ob das noch nicht genug wäre, tauchen immer wieder mal neue auf.
Eines davon war in der letzten Zeit besonders unverschämt und versuchte mich zu einer Parodie auf schlechte Fanfictions zu verleiten.
„Hau ab!“ rief ich ihm das erste Mal zu. „Ich schreibe schon an drei langen Werken gleichzeitig und habe auch sonst noch allerlei Dinge zu tun, ich kann mich doch nicht um dich kümmern. Außerdem bin ich ein Autor eigenständiger Werke und schreibe nur ganz selten mal Fanfictions - höchstens mal als kleine Spielerei zwischendurch, wenn ich Zeit dafür habe, und die habe ich nicht.“
Das Plotbunny hoppelte verschreckt davon, und ich hoffte, es los zu sein. Schließlich gab es noch genug andere Autoren, die es ebenso gut ärgern konnte.
Leider war es wenig später schon wieder da, und so beschloß ich, es auch im Käfig einzusperren, um weiter an meinen großen erzählerischen Werken schreiben zu können.
Aber ich hatte offenbar die Käfigtür nicht richtig abgeschlossen, denn als ich an einem meiner Texte weiterarbeiten wollte, trieb es sich nicht nur abermals auf dem Tisch herum, es knabberte auch noch meine Notizen an!
Damit war das Maß voll, und ich mußte zur Schrotflinte greifen. Und hier ist das Ergebnis:



Die Geschichte der Mary Sue Potter


Mein Name ist Mary Sue Potter, und ich bin die Zwillingsschwester von Harry Potter, der früher einmal als „Der Junge, der überlebt hat“, ziemlich berühmt war, bis - nun ja, bis ich nach Hogwarts kam. Aber ich will den Ereignissen nicht vorgreifen.
Wie bekannt sein dürfte, drang Voldi (ich nenne ihn Voldi) ins Haus unserer Eltern ein, als ich und Harry ungefähr ein Jahr alt waren, und er brachte dabei unsere Eltern um. Er versuchte das auch mit Harry, aber der Versuch bekam ihm nicht besonders gut - wie wohl ebenfalls bekannt sein dürfte. Wenn der Schwachmat es mit mir versucht hätte, wäre er vielleicht sogar endgültig erledigt gewesen, aber das ist nur so eine Vermutung von mir, genau weiß das keiner, wahrscheinlich noch nicht einmal Dumbi (ich nenne ihn Dumbi), der doch sonst immer alles weiß.
Jedenfalls ließ Dumbi Harry bei seinen Muggelverwandten, den Dursleys aufwachsen, aber da er wohl fand, daß die spießigen Dursleys unmöglich zwei Zaubererkinder ertragen könnten, gab er mich bei so einer alten Sabberhexe in Pflege, die sich anfangs noch recht gut um mich kümmerte, dann aber immer unfreundlicher wurde, weil sie wohl meine strahlende Schönheit nicht länger ertragen konnte. Genau wie mein Bruder, nur aus anderen Gründen, wurde ich in einen Schrank verbannt; wobei ich zur Verteidigung meiner Pflegemutter allerdings erwähnen muß, daß meine Schönheit wirklich überwältigend ist. Mein Haar ist nicht so strubbelig wie das meines Bruders, sondern von einem wunderbar seidigen Glanz, der mal an Perlmutt und dann wieder an Tautropfen, die im Licht der Morgensonne auf einer duftenden Wiese glänzen, erinnert; meine Augen funkeln wie hochwertige, von Meisterhand geschliffene Smaragde; mein sinnlicher Mund bringt, was manchmal übrigens etwas lästig sein kann, nahezu jeden Mann sofort dazu, sich unsterblich in mich zu verlieben, und meine Zähne erstrahlen wie die schönsten aller Alpengletscher. So sah ich zumindest aus, als ich mich das letzte Mal im Spiegel sah; das ist aber schon eine ganze Weile her, denn den Spiegeln ging es irgendwann ebenso wie meiner Pflegemutter: sie konnten meine Schönheit einfach nicht mehr ertragen und zersplitterten sofort, wenn ich mich vor sie stellte.
Es ist schon erschreckend, wie wundervoll ich bin.

Meine Sabberhexen-Pflegemutter verhinderte mit allerlei Intrigen drei Jahre lang erfolgreich, daß ich nach Hogwarts kam, und so verbrachte ich die Zeit ohne Zauberstab und ohne jedes Lehrbuch; aber dank meines einzigartigen Talents und meiner überragenden Intelligenz fand ich auch so heraus, wie ich mich meiner Kräfte bedienen konnte, und es kam endlich ein schöner Sommertag, an dem ich meine Pflegemutter in eine Kröte verwandelte und sie anschließend in ein Wetterglas steckte.
Damit war ich reif für Hogwarts, oder vielleicht sollte ich besser sagen: Hogwarts war reif für mich. Erst einmal besorgte ich bei dem ollen Ollivander einen Zauberstab, wobei ich seinen Laden ziemlich durcheinander brachte, denn kaum nachdem ich das Geschäft betreten hatte, fingen die Zauberstäbe auch schon an, Funken zu sprühen und sich untereinander zu bekämpfen, denn natürlich wollte jeder Stab der meine werden.
Nachdem ich in Hogwarts angekommen war, löste mein bloßes Erscheinen überall Raunen und Staunen aus, was aber nichts daran änderte, daß ich einem Haus zugeteilt werden sollte. Es kam mir recht albern vor, zusammen mit all diesen dummen kleinen Erstklässlern auf das Urteil des Sprechenden Huts zu warten, aber daran ließ sich nun mal nichts ändern.
Als ich dann schließlich an die Reihe kam, hörte ich in meinem Kopf die Stimme des Hutes: „Oh! Du bist wundervoll! Du bist eine Göttin! Was soll ich nur mit dir machen? Jedes Haus wird von dir profitieren, aber keines wird deinen Fähigkeiten gerecht. Ich kann dieses Urteil nicht fällen, es wäre zu ungerecht gegenüber den Häusern, die dann das Nachsehen hätten. Entscheide selbst!“
Also nahm ich den Hut wieder ab und rief, schon wegen der Familientradition, laut: „Gryffindor!“

Natürlich war ich DAS Gesprächsthema in Hogwarts, viel mehr als das Trimagische Turnier, das Dumbi angekündigt hatte. Natürlich merkte auch Harry schnell, daß sich kaum noch jemand für ihn interessierte; am Anfang fand er das wohl recht erholsam, aber nach ein paar Tagen war er doch schon erkennbar angefressen, denn daß er nun schlagartig völlig abgemeldet war, machte ihm wohl doch zu schaffen.
Regelrecht gehaßt wurde ich allerdings von Hermine, da ich ihren Ruf als Jahrgangsbeste noch in der ersten Schulwoche pulverisierte. Die Ärmste tat mir fast ein wenig leid - das heißt, wenn ich mal dazu kam, an sie zu denken, was sehr selten der Fall war, denn wenn ich auch alle Hausaufgaben in Rekordzeit zu erledigen verstand, hatte ich doch kaum eine freie Minute zur Verfügung, da es immer sehr zeitaufwendig war, mich zu schminken; dies ist nämlich ziemlich schwierig, wenn jeder Spiegel zersplittert, sobald man auch nur in seine Nähe kommt.
Außerdem nahmen mich diverse Rendezvous in Anspruch, wobei das mit Sevi (ich nenne ihn Sevi) vielleicht das erwähnenswerteste war.
„Du bist wundervoll“, säuselte er, was nun noch nicht so sonderlich interessant war, da ich das schließlich selbst wußte. Aber dann erklärte er mir noch: „Aber trotzdem muß ich dir ab und zu Punkte abziehen. Zum einen will ich, daß Slytherin endlich mal wieder den Hauspokal gewinnt, nachdem Dumbledore in den letzten Jahren deinem arroganten und mittelmäßigen Bruder Unmengen an Punkten zugeschrieben hat. Außerdem schulde ich es meinem Ruf. Kein Gryffindorschüler hat jemals einen einzigen Punkt von mir bekommen, nicht mal die Alleswisserin Granger, und wenn ich es jetzt tue, dann fangen die Leute an zu tuscheln. Verstehst du das?“
Das verstand ich recht gut, aber tatsächlich zog Sevi mir immer nur sehr wenige Punkte ab, und wenn er sich unbeobachtet wähnte, lächelte er mir sogar ein wenig zu.

Als dann das Trimagische Turnier näher rückte und der Feuerkelch die Namen der Teilnehmer ausspuckte, war auch Harrys Name darunter. Die meisten glaubten, er selbst habe seinen Namen mit irgend einem Trick in den Kelch geworfen, damit überhaupt mal wieder von ihm gesprochen wurde, aber Dumbi glaubte das nicht. Er war ohnehin not amused und forderte mich in aller Stille auf, ein Auge auf Harry zu werfen, da die Anforderungen des Turniers nicht für Viertklässler gedacht waren.
Das war vermutlich nicht verkehrt, denn schon bei der ersten Aufgabe bekam es Harry mit einem ungarischen Hornschwanz zu tun, dem er ein goldenes Ei abknöpfen sollte. Das Viech war ziemlich bösartig, aber ich warf dem Drachen einen unauffälligen Blick zu, und als er mich bemerkte, klimperte ich ein wenig mit meinen Wimpern, und danach schnurrte der Hornschwanz nur noch wie ein Kätzchen und ließ sich ohne weiteres das Ei abnehmen.

Zwischen der ersten und der zweiten Aufgabe stand noch der Weihnachtsball an, und natürlich wollten alle Jungen mit mir tanzen, so daß ich zunächst erwog, das Los entscheiden zu lassen; aber dann fiel mir wieder Harry ein, von dem wirklich niemand mehr sprach, und so erbarmte ich mich, huldvoll und gnadenreich, wie ich nun mal bin, meines Bruders und erwählte ihn als meinen Tanzpartner.
Auch bei der zweiten und dritten Aufgabe war das eine oder andere unauffällige Eingreifen meinerseits erforderlich, und dann verschwand Harry auch noch mit dem Trimagischen Pokal; selbst ich brauchte ein wenig Zeit, um dahinterzukommen, wohin er verschwunden war. Als ich dann endlich auf dem Friedhof eintraf, sah ich mal wieder, daß man Harry auch wirklich keine Minute allein lassen kann, denn da stand er doch tatsächlich vor dem ollen Voldi! Und nicht nur das, all seine Todesser waren auch vor Ort.
Als Voldi allerdings mich erblickte, begann sein Zauberstab sogleich ehrfürchtig zu zittern, bis er ihm ganz aus der Hand fiel. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn bewegungsunfähig zu machen und dann in das arktische Eis hineinzuzaubern, und nach meinen Berechnungen wird es 15347 Jahre, 56 Tage, 3 Stunden, 28 Minuten und 18,456389 Sekunden dauern, bis er durch den Klimawandel wieder zum Vorschein kommt, wobei ich aber zugeben muß, daß ich mir bei der letzten Nachkommastelle nicht ganz sicher bin. Anschließend verkündete ich den Todessern, daß ich sie alle in knallrümpfige Kröter verwandeln werde, und sie stritten sich noch darum, wer von ihnen als erster drankommen dürfte. Ich nahm ihnen die Entscheidung ab und wählte Lucius Malfoy, aber sie kamen alle an die Reihe, nur Wurmschwanz verwandelte ich wieder in eine Ratte, das fand ich stilvoller.
Nachdem ich und Harry nach Hogwarts zurückgekehrt waren, stellte sich übrigens noch heraus, daß der angebliche Mad-Eye Moody ein getarnter Todesser war, was mich nicht wirklich überraschte; er hatte nämlich das ganze Schuljahr noch nicht um ein Rendezvous mit mir gebeten und konnte also nur ein fauler Apfel sein.
Beim Hauspokal sah es zunächst so, als ob diesmal Slytherin siegen würde, denn Sevi hatte ganze Arbeit geleistet, und Gryffindor war weit abgeschlagen. Aber dann sprach mir Dumbi noch 100 Extrapunkte für meine Verdienste auf dem Friedhof zu und 400 weitere Punkte für meine offenkundige Herrlichkeit, und so lag Gryffindor doch wieder vorn. Jetzt muß ich nur noch entscheiden, mit wem ich die Ferien verbringen will.
Es ist schon erschreckend, wie wundervoll ich bin.
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