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Die Eule und der Pfau

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P6
21.08.2018
21.08.2018
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Wie jedes schöne Märchen, beginnt auch dieses mit den Worten...

Es war einmal...

...In einem weit entfernten Land, ein königlicher Ball der Vögel. Von überall her strömten die Gäste ein. Ob majestätischer Adler, oder quirliger Kolibri. Jeder war geladen, dieses Fest im Mondschein zu feiern.
Im Schutz der Fächerpalmen des großen Gartens, stand die Schutzbefohlene des Königs. Aufgrund ihrer besonderen Schöhnheit, war die junge Pfauendame von vielen begehrt, denn sie trug seit jeher das majestätische nachtblaue Gefieder, ihrer männlichen Artgenossen. Ihr Blick glitt suchend über die Menge, die tanzend im königlichen Garten umherwirbelte. Sie suchte jemanden besonderes.
"Darf ich um diesen Tanz bitten, MyLady?"
Der junge Pfau drehte sich um, als eine ihr bekannte Stimme hinter ihr erklang.
Er war es.
Höflich verneigte sich die Eule und sah dann zu ihr auf. Sie neigte ebenfalls den Kopf, wie es sich gehörte. Dann gingen sie gemeinsam zu den anderen. Es war eine klare Nacht und die Sterne zierten den schwarzen Himmel über ihren Köpfen. Begleiteten ihren Tanz.
Viele hatten bereits versucht, sie zur Tanzfläche zu führen, doch wartete sie nur auf ihn. Der König hatte sie ihm damals als Schülerin anvertraut. Von ihm hatte sie viel gelernt.
"Du sahst aus, als ob du nach jemandem Ausschau gehalten hättest.", bemerkte die Eule und drehte sich mit ihr.
Leicht senkte sie den mit der grünblau schimmernden Krone besetzten Kopf.
"Ich habe nur auf dich gewartet.", antwortete sie scheu.
Etwas überrascht, sah er die junge Dame an.
"Auf mich? Aber ich bin doch nur dein Lehrer.", entgegnete er, woraufhin sie ihn nur belustigt ansah.
Die Eule nahm es als Antwort hin und führte sie in eleganten Bewegungen weiter über den vom Mond erhellten Platz. Sie lauschten der Musik und den Klängen der Nacht, ehe sie unterbrochen wurden. Der Prinz höchstpersönlich wandte sich an die zwei und beäugte die Eule mit stechendem Blick. Diese verbeugte sich vor ihm.
"Meine Schöne.", sagte der Habicht mit hoch erhobenem Schnabel.
"Warum tanzt du nur mit ihm? Das finde ich nicht fair."
Die Eule nahm diese Worte als Aufforderung für ihn, zu gehen und ließ die beiden nach einem langen Blick in die Augen seiner Schülerin allein.
"Es war nicht meine Absicht, euch zu kränken, Mylord.",  sagte das Pfauenmädchen mit gesenktem Kopf und ließ sich vom Prinzen weiter zur Musik führen. Seine Bewegungen waren weniger fließend, als die der Eule und sie hatte Mühe, seinen Schritten zu folgen. Er zog sie eng an sich, was ihr sehr unangenehm war, jedoch ließ sie es über sich ergehen.
"Du verbringst viel zu viel Zeit mit ihm. Das gefällt mir nicht.", entgegnete der Habicht.
Einige weitere Drehungen und aneinandergepresste Schritte folgten.
"Seine Gesellschaft freut mich und er bringt mir viel bei.", erklärte ihm der Pfau.
"Außerdem liest er viel."
Der Prinz schnaubte und reckte den Kopf. Er selbst hielt davon eher wehnig. Für ihn waren Annerkennung und Stärke im Kampf wichtiger. Neben sich selbst, wie das Mädchen vermutete.
"Bücher... Es ist nicht gut, für eine Frau, wenn sie liest.", merkte er mit überheblicher Stimme an.
"Das bringt sie nur auf dumme Gedanken."
Sie ignorierte diese Bemerkung. Das Mädchen wusste, was der Prinz von ihrem Lehrer hielt. Und dem Begriff 'Bildung'.
Als der Tanz endete und sie von dem Habicht erlöste, atmete sie auf. Er war verwöhnt. Dachte, ihm gehöre die Welt und er könnte tun was er wollte, nur weil er der Sohn des Königs war.
Ihre Schritte führten das junge Pfauenmädchen zu einem Tulpenbaum. Die Blätter schienen silbrig zu glänzen. Sie hörte eine helle melodische Stimme vom Baum ertönen. So klar, wie die Nacht.
"Sagst du es ihr heute? Der Abend ist günstig.", sprach die kleine Nachtigall zu ihrem Lehrer. Die beiden saßen auf einem der Äste im Baum.
"Heute? Ich weiß nicht. Ich wollte es, aber er kam dazwischen."
Sagen? Sprachen die beiden etwa von ihr?
Vorsichtig kam sie näher und die Nachtigall erblickte sie.
"Wie dem auch sei. Du kannst das.", sagte sie zu der Eule. "Ich werde mal zu meinen Brüdern gehen. Wer weiß, was die wieder für einen Unsinn treiben."
Mit diesen Worten flatterte die Nachtigall davon. Die Eule saß still auf dem Ast. Das Pfauenmädchen atmete noch einmal tief durch und ließ sich neben ihm nieder.
"Ihre Geschwister haben wirklich nur Unsinn im Kopf, nicht wahr?", versuchte sie die Stille zu durchbrechen und sah zu den Sternen hinauf.
"Ja, das stimmt...", antwortete ihr Lehrer nachdenklich. "Ich hoffe, seine Hoheit hat dich gut behandelt."
Bei der Erwähnung des Prinzen sträubte sich ihr im Mondlicht schimmerndes Gefieder und sie schüttelte den Kopf, damit es sich wieder legte.
"Ich war froh, als ich den verwöhnten Kerl wieder los war.", antwortete sie schaudernd.
"Das glaube ich gern."
Erneut wurde es still und beide schauten nachdenklich in die Sterne.
"Weißt du...Ich...", hob die Eule an und der junge Pfau drehte den Kopf zu ihm.
"Du weißt, was ich bin...und was du bist...keiner würde das verstehen, aber...wenn du..ich meine..wir..."
Die Nervosität stand ihm ins Gesicht geschrieben und sein silbergraues Federkleid sträubte sich immer wieder etwas, wärend er die richtigen Worte suchte. Ruhig sah sie ihn an, obwohl sie mindestens ebenso nervös war.
Nun atmete er einmal tief durch und sah dem Pfauenmädchen in die Augen.
"Ich..liebe dich."
Etwas überrascht, aber sprachlos vor Glück, sah sie ihn an.
"Schon seit geraumer Zeit. Ich wusste nur nie, wie ich es dir sagen sollte.", fügte er hastig hinzu, woraufhin sie näherrückte. Den Blick auf seine Messingaugen gerichtet.
"Ich liebe dich auch.", antwortete der junge Pfau ruhig.
"Und es ist mir egal, ob du ein Pfau bist, oder eine Eule. Du wirst für mich immer ein wundervolles Wesen sein und jemand, der mir unendlich viel bedeutet."
Nach diesen Worten stellte sie ihre schimmernden Schwanzfedern auf und legte den Schnabel an seinen. Glücklich sah er sie an.
"Du bist wunderschön, mein Engel."
Nur der Mond, seine Sterne und die Tulpen um sie herum waren Zeugen, dieses von der Nacht verborgenen Schwurs ihrer Herzen.
 
 
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