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An meinen kleinen Bruder

von Capsuna
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Joule Purse
20.08.2018
20.08.2018
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Inspiriert von diesem Projekt: https://forum.fanfiktion.de/t/57619/1
Slash ist nur angedeutet.
Joule und Purse sind Geschwister in dieser Geschichte. Da im Stück sehr wenig über die Beziehung zwischen den Components untereinander gesagt wird, hab ich mir diese Freiheit einfach mal genommen ;)
Ach ja, die Weltmeisterschaft, von der hier geredet wird, ist selbstverständlich nicht die, um die es im Musical geht, sondern eine davor. Nicht die direkt davor - offensichtlich nicht, denn Greaseball und Electra lernen sich im Stück ja erst kennen - aber eine von denen davor.
Danke an -Maxine- fürs betalesen, ich hab schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben und die Geschichte wäre nicht so gut geworden, wenn ich dich nicht gehabt hätte. :D
Und jetzt viel Spaß :)
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„Ich wette, der gewinnt eh nicht. Der sieht viel zu gut aus.“
„Oh ja, der sieht echt viel zu gut aus...“
„Hör auf zu sabbern.“
„Ich sabber nicht, ich … um so einen Körper zu haben, muss man viel Arbeit investieren und ich erkenne das einfach an.“
„Aha.“
„Außerdem ist er wahnsinnig heiß.“
„So so, dein Beuteschema also?“, fragte Joule und hielt ihm die Chipstüte hin, „so `ne große, starke Lok?“ „Wessen Beuteschema ist das nicht?“, Purse griff in die Tüte und ließ sich tiefer ins Sofa sinken. „Also ich finde Loks attraktiver, die auch was drauf haben“, erwiderte Joule, „der sieht mir zu sehr danach aus, als ob er sich hauptsächlich um sein Aussehen kümmert. Da bleibt nicht mehr viel Zeit zum trainieren.“ „Er gewinnt bestimmt.“ „Wer sagt das? Du oder dein Schwanz?“ „Jouuule!“ Joule sah ihn grinsend an: „Wir können ja wetten. Wenn deine Traumlok gewinnt, spül ich eine Woche lang das Geschirr.“ „Erstens: Er ist nicht meine Traumlok. Zweitens: Mindestens zwei Wochen.“ „Dir ist klar, dass die Wettschulden auf dich zurückfallen, wenn irgendjemand anderes gewinnt, oder?“ „Nein. Du musst dir auch einen aussuchen, auf den du wettest.“ „Hmm“, Joule sah zum Fernseher und sah sich die Konkurrenten im Vorentscheid für die Weltmeisterschaft eine Weile lang sehr genau an, „okay. Ich nehme den Spanier.“ „Dein Beuteschema also?“, äffte Purse sie grinsend nach. „Nein, aber der hat vorhin den ersten Platz gemacht, der wird deinen Schönling locker schlagen.“ „Pff. Niemals.“
Die beiden hörten schlagartig auf zu reden, als im Fernsehen der Countdown anfing. „Gleich bist du erledigt“, flüsterte Joule grinsend. Purse nahm ihr daraufhin die Chipstüte weg und fischte sich die letzten Chips heraus, ohne vom Fernseher wegzuschauen. „Hey!“ „Na? Spürst du den Verlust?“, er hielt ihr die leere Tüte hin, „gewöhn dich schon mal dran.“ „Du kleiner, verfressener Sack“, sie schnappte ihm die Tüte aus der Hand, knüllte sie zusammen und warf ihn damit ab, „die nächste Packung holst du.“ Ohne Wegzuschauen lehnte sie sich zu ihm herüber und flüsterte ihm ins Ohr: „Du musst dabei an der Spüle vorbei, deinem neuen Zuhause in ein paar Minuten.“ „Das ist dein neues Zuhause, meins wird das Sofa hier sein.“ „Träum weiter.“ Der Sprengstoffwagen setzte sich wieder richtig hin und verfolgte das Rennen. Mit zunehmend entgeisterter Miene sah sie, dass sich Purses Schwarm gar nicht mal so schlecht schlug. Er hatte schon direkt am Anfang die Lok überholt, auf die sie gesetzt hatte und war im Moment auf dem zweiten Platz, holte aber immer weiter auf. Purse grinste. „Neeein, schneller!“

„Ende des letzten Rennens! Ende des letzten Rennens! Electra hat sich für die finale Runde des Vorentscheids qualifiziert!“ „Ha!“, Purse drehte sich zu ihr um und grinste sie schadenfroh an, „HA!“ Joule verschränkte die Arme: „Das war Glück.“ Dann beachtete sie ihn nicht mehr und sah weiter fern. Purse drehte sich auch wieder nach vorn und sah Electra leicht verträumt dabei zu, wie er seine Ehrenrunde drehte, während der Kommentator unaufhörlich weiter plapperte.

„Hey, das Finale des Vorentscheids findet ja in unserer Nähe statt. Wir sollten hinfahren und dich ihm vorstellen“, grinste Joule. „Spinnst du?“ „Warum nicht? Das hört sich nach Spaß an.“ „Das hört sich nach einer Blamage an.“ „Ich weiß. Spaß für mich.“ Purse warf ihr einen leicht gequälten Blick zu. „Nein, ernsthaft, was hast du zu verlieren? Vielleicht treffen wir ihn auch gar nicht und haben einfach so Spaß.“ „Das klingt schon besser.“ „Aber wenn wir die Chance haben, sprichst du ihn an.“ „Joule..“ „Deal?“ „Das war nicht Teil der Wette.“ „Ist mir egal. Deal?“ Purse seufzte. Er wusste nur zu gut, dass sie die ganze Nacht diskutieren konnte, bis sie ihren Willen bekam. „Deal.“ „Sehr gut. Du gehst eh viel zu selten aus“, sie wuschelte ihrem kleinen Bruder durch die Haare. Seit er bei ihr wohnte, sah sie ihn nur das Haus verlassen, wenn er zur Arbeit fuhr. Ansonsten saß er meistens hier auf ihrem Sofa, löste Sudokus oder sah fern und futterte dabei ihr Essen weg. Trotzdem würde sie das für nichts auf der Welt eintauschen. „Ausgehen? Er wird mich höchstens ansehen, sich denken „nett“ und dann zu jemandem fahren, der in seiner Liga spielt.“ „Oder er denkt sich „was für eine heiße Schnecke, dem spendier ich mal einen Drink“.“ „Nenn mich bitte nie wieder heiße Schnecke.“ Joule umarmte grinsend seinen Kopf: „Gut. Du bist eh meine kleine Babyschnecke.“ „Ich hab mich umentschieden.“ „Zu spät“, sie ließ ihn los und sah ihn an. Der zweifelnde Blick war immer noch nicht aus seinem Gesicht verschwunden. „Och, Pursey. Wir kriegen das hin, ich bin da ganz optimistisch. Wir machen dich schick, sprechen durch, was du sagst und vielleicht trinkst du dir noch etwas Mut an und dann klappt das.“


Ein paar Tage später war das nächste Rennen nur noch ein paar Stunden entfernt. „Muss so viel Haarspray wirklich sein?“, hustete Purse. Er saß schon seit einer Viertelstunde auf dem Klodeckel, während Joule ihm die Haare stylte. „Ja natürlich, du willst doch keinen Bad Hair Day haben heute.“ „Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt hin will.“ „Du musst hin, du bereust es sonst.“ Purse seufzte. Irgendwo hatte sie Recht. „Das wird nie funktionieren.“ „So darf man gar nicht denken. So. Du bist fertig.“ Neugierig stand Purse auf und sah sich im Spiegel an.“ Joule stand stolz hinter ihm: „Jetzt bist du in seiner Liga.“
Wenig später kamen sie bei den Gleisen an, auf denen das Rennen stattfinden sollte. Alles war sehr groß aufgemacht mit hunderten von Sitz- und Stehplätzen, Getränkeständen und Kamerateams, die jetzt schon anfingen zu drehen. Die beiden setzten sich mit Popcorn auf ihre Plätze und sahen ein paar Loks zu, die sich auf den Gleisen aufwärmten. „In echt sehen die alle viel kleiner aus“, meinte Joule enttäuscht. „Oh Starlight, da ist er“, Purse flüsterte fast, als er mit einem Popcorn unauffällig in Richtung Electra zeigte, der soeben die Gleise betreten hatte. „Und? Ist er immer noch wahnsinnig heiß?“ Purse nickte. „Sehr gut. Dann hab ich dich nicht umsonst fertig gemacht.“
Nach und nach wurde es immer voller und die anderen Gäste nahmen ihre Plätze ein. Inzwischen war auch keine Lok mehr auf den Gleisen zu sehen, die Rennteams standen inzwischen alle hinter den Kulissen und warteten darauf, auf die Gleise gerufen zu werden. „Glaubst du, er ist aufgeregt?“, dachte Purse laut. „Er? So oft, wie ich den schon in der Zeitung gesehen habe, muss er sich für den Größten halten. Wahrscheinlich schlägt der mit dem Rennen nur die Zeit tot bis zu seiner Siegerehrung.“ „Aber es ist doch noch gar nicht klar, ob er gewinnt.“ „Für ihn bestimmt.“ „Hm. Ich weiß nicht. Vielleicht ist er in echt ja ganz anders, als er sich in den Medien gibt und zittert gerade vor Nervosität.“ „Du kannst es ja später herausfinden.“
Der Kommentator rief die Loks mit ihren Rennpartnern auf die Gleise. „Guck mal, er fährt schon wieder mit diesem Kühlwagen. Was, wenn das seine Freundin ist und er gar nicht auf Männer steht?“ Joule sah ihn an: „Purse. Sieh ihn dir an. Sieh ihn dir ganz genau an und dann frag dich nochmal, wie wahrscheinlich es ist, dass er nicht auf Männer steht.“ „Ja gut...“ „Hör auf, Ausreden zu suchen, wir haben einen Deal.“

Fünf Minuten später fuhr Electra seine Ehrenrunde – mit demselben hochnäsigem Lächeln wie ein paar Tage zuvor im Fernsehen. Diesmal hatte er aber nur knapp gewonnen. Trotzdem starrte Purse ihn voller Bewunderung mit offenem Mund an: „Hast du das gesehen, diese Bewegungen, die Teamarbeit, es war perfekt..“ „Mund zu und steh auf, es geht los“, erwiderte Joule, stand auf und zog ihren Bruder mit auf die Beine, „jetzt kommt der beste Teil des Abends.“ Augenblicklich wich die Bewunderung aus seinem Gesicht und  seine Zweifel nahmen wieder Überhand:„Joule, ich kann das nicht.“ „Warum nicht?“, sie schob ihn langsam Richtung Getränkestände, die alle Rennteams angesteuert hatten, die noch rollen konnten. „Er ist wahnsinnig erfolgreich und berühmt und ich bin nur..“ „Vielleicht genau das, worauf er gewartet hat.“ „Jetzt hör mit diesen blöden Witzen auf. Du weißt ganz genau, dass das nicht stimmt.“ „Pursey“, sie drehte ihn zu sich um, „erstens weiß ich das nicht, das können wir gar nicht wissen, weil wir ihn nicht kennen. Zweitens trau ich dir das sehr wohl zu und drittens werden wir nie erfahren, was gewesen wäre, wenn du es nicht machst und du verpasst vielleicht etwas. Na komm.“ „Ich weiß nicht..“ „Da hinten steht er. Schnell, bevor er von Fans umringt wird.“ Mit den Worten gab sie ihm einen Schubs.
„Hey..!“, Purse stolperte nach vorn, kam direkt vor Electra zum Stehen und hielt sich automatisch an ihm fest, um nicht hinzufallen. Sobald er bemerkte, was er tat, ließ er ihn augenblicklich wieder los. Langsam sah er zu ihm hoch. Die Lok erwiderte den Blick amüsiert: „Wen haben wir denn da?“ „Hi“, stammelte Purse und wollte sich verlegen durchs Haar fahren, bis ihm das Haarspray in seiner Frisur einfiel. Schnell nahm er die Hand wieder runter: „Ich bin Purse..“ „Purse also.. hast du mich vorhin gewinnen sehen?“ „Ja.. ja klar.“ „Und?“ „Toll! Wirklich.. toll..“ Electra zog eine Augenbraue hoch. „Ich meine, du.. du bist so genau gefahren. Alles perfekt berechnet. Das hat mir gefallen.“ Die E-Lok sah ihn interessiert an. Normalerweise bewunderten die Leute seine Geschwindigkeit oder wie zielsicher er Konkurrenten mit Blitzen abschoss, fürs Rechnen wurde er noch nie gelobt. Er war sich nicht einmal sicher, was damit überhaupt gemeint war: „Perfekt berechnet?“ „Ja. Die Geschwindigkeit für die Kurven zum Beispiel oder wie weit ihr euch in die Kurve gelegt habt. Unglaublich synchron. Oder den Abschusswinkel der Blitze.“ Electra grinste: „So einer bist du also. Du siehst gar nicht aus wie ein Nerd.“ Purse lächelte verlegen: „Ist das gut oder schlecht?“ „Für was?“ „Naja.. ähm.. so.. allgemein.. ich meine.. äh.. … egal.“ Er wurde knallrot. Electra sah ihn an, fing dann an zu lächeln  und irgendwas in seinem Blick sagte ihm, dass er sich die Antwort bereits dachte. „Möchtest du was trinken, Nerd?“ Purse sah ihn überrascht an: „Ja klar, gerne.“ Die E-Lok drehte sich um und überflog das Angebot: „Ich denke mal, du stehst mehr auf Cocktails und nicht so auf Bier?“ „Ich.. mag kein Bier..“ Ging es hier gerade wirklich nur um Getränke? Electra zwinkerte ihm zu: „Das hab ich mir schon gedacht.“ Daraufhin bestellte er zwei Cocktails.
„Danke.“ „Bitte“, er hob sein Glas, „auf meinen Sieg.“ Purse stieß mit ihm an und trank. Er musste die ganze Zeit daran denken, was Joule gestern Abend gesagt hatte und konnte immer noch nicht ganz glauben, dass er sich jetzt tatsächlich in so einer Situation befand. „Und du bist also Mathematiker?“ „Nein. Fast. Ich bin Geldtransporter. Normaler Weise rechne ich mit Geld.“ „Ich rechne auch mit sehr viel Geld, sobald ich die Weltmeisterschaft gewonnen habe“, grinste Electra. Purse lachte. Die E-Lok sah ihm lächelnd zu, während er mit seinem Trinkhalm in seinem Glas rührte: „Was rechnest du denn genau aus? Wie viel man zukünftig für Lebensmittel bezahlen muss?“ „Nein. Naja, wenn ich für so einen Laden arbeiten würde, dann schon. Grob gesagt plane ich Finanzen. Ich optimiere Ausgaben, Investitionen und teilweise auch das Einkommen und verwalte alles und sorge so dafür, dass mein Arbeitgeber mehr von seinem Geld hat, ohne sich auch nur ansatzweise darum kümmern zu müssen.“ Die Lok sah ihn nachdenklich an: „Interessant.. und wer ist dein Arbeitgeber, wenn ich fragen darf?“ Purse sah verlegen weg: „Der Bahnhof hier.. ich verwalte auch nur einen Teil, nicht alles..“ „Du bist also quasi Beamter?“ „Ja..“ „Hört sich langweilig an.“ „Ist es auch..“ „Wieso suchst du dir dann nicht was Spannenderes?“ „Es gibt im Moment nichts anderes.“ „Hmm“, Electra sah ihn eine Weile lang an, „vielleicht.. ergibt sich ja noch was.“ Langsam strich er ihm über die Wange.
Purse sah ihn überrascht an. Electra grinste: „Du hast darauf gewartet, gib`s zu.“ Purse wurde knallrot: „Ich..“ „Shh“, er strich ihm durchs Haar, „oh wow, musste die Haarspraydose weg?“ „Das war meine..“ Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment lehnte sich Electra zu ihm rüber und küsste ihn kurz. „Du fackelst nicht lange, was?“, brachte Purse heraus, als er seine Stimme wiedergefunden hatte. „Wozu auch? Dass du auf mich stehst, war von Anfang an klar und um herauszufinden, ob ich dich auch gut finde, brauch ich nicht lange. Ich weiß, was ich will.“ Mit den Worten zog er ihn näher zu sich heran und küsste ihn leidenschaftlich. Purse erwiderte den Kuss schüchtern, während er langsam seine Arme um seinen Hals legte.
Electra ließ gerade eine Hand seinen Rücken hinunter wandern, als es durch plötzlich durch alle Lautsprecher tönte: „An meinen kleinen Bruder: Ich weiß, du würdest am liebsten noch die ganze Nacht lang mit Electra flirten, aber mir ist langweilig, es wird langsam kalt und ich hab die einzigen Schlüssel zu unserer Wohnung. Also wenn du nicht vorhast, die Nacht bei ihm zu verbringen, würde ich dir raten, dich jetzt zu verabschieden und mit mir mitzukommen, denn ich werde ins Bett gehen, sobald ich Zuhause bin und dein Klingeln dann nicht mehr hören. Falls du doch vorhast, mit ihm zu schlafen – viel Spaß und gute Nacht! Ich fahr jetzt los.“
Während der Durchsage war Purse hauptsächlich erstaunt, dass Joule es geschafft hatte, in den Kontrollraum zu kommen. Erst, als er Electra wieder ansah, bekam er rote Ohren. Dieser lächelte amüsiert: „Damit dürftest du mit mir morgen das Hauptthema der Klatschpresse sein.“ „Oh je..“ „Mach dir nichts draus, das wärst du sowieso gewesen. Die berichten ständig über mich“, obwohl er das mit einem abfälligen Gesichtsausdruck sagte, klang etwas Stolz in seiner Stimme mit, „bei wem hast du denn jetzt vor zu schlafen?“ Purse lächelte verlegen: „Ich glaube, es ist besser, wenn ich meine Schwester einhole.“ Electra starrte ihn an. Ihm hatte noch nie jemand einen Korb gegeben. Das konnte nicht sein. Er setzte ein gewinnendes Grinsen auf: „Nicht so schüchtern. Ich bin auch ganz vorsichtig“, zwinkerte er ihm zu. „Daran liegt es nicht, ich.. ich mach sowas nicht. Also One-Night-Stands. Aber falls du mich wiedersehen willst“, er zog einen handgeschriebenen Zettel mit seiner Telefonnummer heraus und drückte ihn ihm in die Hand, „würde ich mich sehr freuen. Viel Spaß noch auf der Party. Gute Nacht.“ Purse lächelte ihn an, küsste ihn kurz auf die Wange und fuhr dann weg. Electra sah ihm mit offenem Mund hinterher.

Purse fuhr schneller, um zu verhindern, dass er seine Meinung nicht doch noch änderte. Nach ein paar Minuten hatte er Joule eingeholt. „Ooh, wen haben wir denn da?“, sie sah ihn an, „wie ist es gelaufen?“ „Tja.. sieht so aus, als wäre ich tatsächlich eine heiße Schnecke..“ Joule grinste: „Ich hab es ja gesagt.“ „War doch gut, dass du mich dazu überredet hast, meine Nummer im Voraus aufzuschreiben..“ Sie sah ihn an: „Wieso bist du hier? So, wie es von Weitem aussah, hättest du locker mit ihm mitgehen können.“ „Hätte ich auch. Aber.. ich weiß ganz genau, wenn ich das getan hätte, wär ich morgen mit Schmetterlingen im Bauch aufgewacht. Er hätte mich zur Tür begleitet und sich dann nie wieder gemeldet. Wie alle vor ihm. Ich will das nicht mehr, auch nicht mit ihm.. ich hoffe, er meldet sich.“ Joule legte einen Arm um ihn: „Bestimmt.“ „Und wenn nicht? Er ist Electra, er kann jeden haben. Oh nein, was ist, wenn ich es gerade total verkackt hab? Als ob er sich die Mühe macht, mich anzurufen, er kann sich jeden anderen auf dieser Party nehmen. Oh Scheiße, Joule..“, er sah sie aufgewühlt an. „Pursey, ganz ruhig. Electra ist ein starker Charakter. Und was starke Züge gar nicht leiden können, sind Leute ohne Rückgrad, die zu allem ja sagen. Dass du deine Grenzen durchgesetzt hast, könnte dein entscheidender Vorteil sein gegenüber allen anderen, die er auf der Party noch trifft.“ „Meinst du wirklich?“ „Ja.“ Purse seufzte und schwieg eine Weile. Erst, als sie schon fast Zuhause angekommen waren, sagte er: „Danke.“ „Wofür?“ „Für.. alles? Dass du mich bei dir wohnen lässt, dass du mich zu meinem Glück zwingst und dass du mich immer aufbaust. Du bist die Beste.“ Joule nahm ihn lächelnd in den Arm: „Ist doch selbstverständlich, Babyschnecke.“ „Bitte vergiss diesen Spitznamen sofort wieder.“ „Niemals.“ „Ich hasse dich.“ „Ich weiß. Komm rein, es wird kalt.“
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