Der Gott der List [DGvA FF]

von BlueSiren
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P12
19.08.2018
19.08.2018
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Eine gewisse Person hat ein gewisses Buch geschrieben und mal gesagt ihr größer Wunsch wäre Fanfiction zu dem Buch. Zusätzlich hat gewisse Person viele Steilvorlagen geliefert.

Man muss „Die Götter von Asgard“ von Liza Grimm nicht gelesen haben, um diesen One Shot zu lesen, aber mache Anspielungen versteht man vielleicht nicht.
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Beryllia tauchte dicht am Grund des Flussbettes entlang. Über Wasser war die Nacht angebrochen. Die unnatürliche Finsternis der Hexen wälzte sich wie Nebel über den Waldboden, die Felder und den Bachlauf. Seit Utgard, Asgard und Midgard auf Odins Geheiß hin getrennt worden waren, war es kalt und düster geworden innerhalb dieser Wälder nahe Niflheimr. Früher hatte Beryllia in der Sonne Midgards aufs Felsen, umspült von eisblauem Wasser gesessen und ihr grünblaues Haar gekämmt. Ihr süßlicher Gesang hatte Menschen angelockt wie Honig die Fliegen. Selbst Götter hatten sich ihr manchmal genähert, sie umgarnt und umschmeichelt. Denen, die sie besonders liebte, hatte sie Perlen und Edelsteine geschenkt, die sie in Schiffswracks am Grund der Meere gefunden hatte. Doch dieser Fluss war weitab vom Meer, weitab von den quirligen Kreaturen Midgards.

Keine Menschen, keine Wale oder Haifische, keine Robben, keine Quallen.

Nur endloses dunkles Wasser und ein paar ausgehungerte Seeschlangen und Fischlein. Ans Ufer wagte sich Beryllia bei Nacht nicht mehr, denn auch die Hexen waren einsam und traurig. Viele ihrer Schwestern waren gestorben, verschwunden oder hatten sich vor Kummer in Schaum aufgelöst. Beryllia war eine der wenigen Nixen, die übrig waren. Ihr Hass auf die selbstsüchtigen Götter war groß.
Unter einem auffällig geformten Felsen tastete Beryllia nach ihrem größten Schatz. Ein kleines Kästchen, in dem sich das Herz ihrer Schwestern befand. Wenn eine Nixe sich in Schaum auflöste, so blieb ihr Herz als Perle zurück. Immer, wenn Beryllia die Hoffnung zu verlieren drohte, holte sie das Kästchen hervor und dachte an ihre liebe Schwester.
Ein Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Durch die Wasseroberfläche sah sie den Umriss einer Person mit einer Laterne in der Hand. Die andere Hand war in den Fluss getaucht und winkte ihr zu. Das konnte nur eine Person sein. Es gab niemanden, der sie besuchte oder der wusste, dass sie hier lebte außer ihm. Seine Besuche waren meist mit Ärger verbunden, dennoch machte Beryllias Herz einen kleinen Sprung vor Freude. Sie war nicht ganz allein auf dieser Welt. Die Person bewegte den schlanken Zeigefinger zu einer auffordernden Geste. Sie sollte auftauchen. Rasch verstaute sie das Kästchen wieder in seinem Versteck und tauchte nach oben. Sie wollte dem Besucher eine kleine Lektion in Sachen Respekt erteilen und öffnete ihren Mund mit den Fangzähnen, um ihm kräftig in den Finger zu beißen, doch im letzten Moment zog die Person ihre Hand weg. Beryllia tauchte auf und musste einige Male blinzeln, damit sich ihre Augen an die Welt über Wasser gewöhnten.

„Ich weiß, ich bin zum Anbeißen, aber das musst du nicht gleich wörtlich nehmen!“, sagte Loki, der Gott der List und des Feuers. In der Tat war er unberechenbar und gefährlich wie eine offene Flamme. Sein Gesicht war von schwarzen Locken eingerahmt und die feine Nase mochte nicht so zu den frechen Augen und dem kessen Lächeln passen. Wie alle Götter war er schön und doch war da etwas in seinem Blick, in seiner Art, die ihn exotisch und geheimnisvoll wirken ließen. Beryllia beobachtete das Spiel seiner Grübchen und Augenbrauen gerne.
Hinter ihm befand sich ein Schatten, der dem Licht der kleinen Laterne fernblieb. Obwohl Beryllia nichts erkennen konnte, spürte sie Augen wie glühende Kohlen auf sich liegen. Die Hexe aus der Donnergrube. Loki arbeitete nur zu gerne mit zwielichtigen Gestalten zusammen, um seine Pläne zu verwirklichen. Ein andermal half er den Göttern wieder oder imponierte Odin. Der Gott war rätselhaft und launisch, aber Beryllia wusste um die Gefahr, mit dem Feuer zu spielen. Sie konnte sich jederzeit wieder auf den Grund des Flusses retten, wenn es ihr zu heiß wurde.
„Was willst du hier, Loki?“, fragte Beryllia ohne Umschweife. Der Gott kam nie ohne ein Anliegen. Seine Augen funkelten belustigt und er erhob sich.
„Kann ich nicht einfach ein paar liebreizende Freundinnen besuchen ohne etwas zu wollen?“
„Kannst du, tust du aber nicht, Gott der Lügen“, zischte die Hexe aus den Schatten heraus.
Beryllia verschränkte die Arme auf einem Stein und legte ihren Kopf darauf ab. Sie grinste und ließ ihre Fangzähne sehen. Auch wenn Loki ein Gott war, er war alleine im dunklen Wald. Wenn es darum ging, einen gemeinsamen Feind zu zerfleischen würden sich sogar Zwerge und Eisriesen zusammentun.
„List und Tücke. Keine Lügen!“, berichtigte Loki die Hexe und rümpfte die Nase, „Aber nun gut. Ich will meinen alten Freundinnen nichts vormachen. Ich benötige tatsächlich eure Hilfe. Und nebenbei könntet ihr einen kostbaren Preis erlangen.“
„Kostbar, ja? Sprich weiter!“, schnurrte Beryllia.
„Ein Gott für dich, Teuerste“, erklärte Loki und deutete zuerst zur Hexe, „Und ein frisches Menschlein für dich, Liebste.“
„Wenn die Nixe an deinen Füßen zieht und ich an deinen Armen, haben wir beide einen halben Gott“, sagte die Hexe mit einem Kichern, das Beryllia eine Gänsehaut bekommen ließ.
„Midgard wurde von dieser Welt getrennt. Es gibt keine Menschen mehr hier. Und die armen Seelen, die sich hierher verirren werden von Werwölfen oder Nachtmahren verschlungen“, antwortete Beryllia und schob sich eine Strähne ihres nassen Haares hinters Ohr. Sie wollte sich vor Loki oder der Hexe nicht anmerken lassen, dass sie dieses Angebot neugierig stimmte.

„Gut beobachtet, Beryllia“, sagte Loki und nickte.
Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken und ging ein paar Schritte, immer bedacht den Schein der Laterne nicht zu verlassen.
Der Glanz eines neuen goldenen Fadens, der den Webstuhl befällt, besiegelt das Ende der Götterwelt. Sobald der Held nebst dem Gott des Krieges fällt, beginnt das Ende der Götterwelt. So lautet die neueste Prophezeiung der Nornen. Und nun ratet, wer begleitet von unserem starken, heldenhaften Tyr auf dem Weg nach Niflheimr ist.“
„Warum sollten die Götter sich dem Helden nähern, wenn es das Ende der Götterwelt bedeutet?“, krähte die Hexe ungeduldig. Loki runzelte die Stirn. Ganz kurz, glaubte Beryllia, etwas wie Ungeduld in seinen Augen aufblitzen zu sehen. Etwas schien den Gott nervös zu machen.
„Weil Tyrs geliebte Walkürenschwester involviert ist und er sich wohl ein wenig in die junge Heldin verschossen hat.“
Beryllia schnalzte mit der Zunge und die Hexe zischte ungehalten.
„Der starke und stolze Gott des Krieges soll einem Menschenmädchen verfallen sein? Du hattest schon bessere Lügengeschichten!“
Loki zuckte mit den Achseln und drehte sich. „Die Geschichte ist zu seltsam, um sie zu erfinden, findest du nicht?“
„Hmm“, machte Beryllia und setzte sich auf einen Felsen und warf ihre Haare zurück, „Und du willst die beiden aufhalten und dich ihrer Entledigen, weil…?“
„Um das Menschenmädchen tut es mir nicht leid. Sie ist ein schusseliges, verträumtes Ding. Seid ihr es nicht leid hier zu leben? In einer toten Welt, in der sich nichts verändert, in der nichts passiert? Während die Götter und Helden aus goldenen Bechern Met trinken und im Überfluss versinken, während die anderen Welten im ewigen Schlaf liegen? Einen nicht enden wollenden Albtraum vor den geschlossenen Lidern, unfähig auch nur einen Finger zu rühren?“, fragte Loki und sein Gesichtsausdruck wurde ernst. Niemand sagte etwas. Kalte Wut hing in der Luft.
Natürlich! Diese Frage erübrigte sich. Die Hexen hassten es, die Nixen, die Werwölfe - alle. Obwohl sie sich in Svartalfheim frei bewegen konnten, war es nichts als ein Käfig. Und im Gegensatz zu den Göttern war dieser nicht einmal aus Gold.
„Was also schlägst du vor?“, ergriff Beryllia schließlich das Wort.
„Wenn du mich betrügst, reiße ich dich mit in die ewige Finsternis!“, flüsterte die Hexe unheilvoll.

Loki wandte den beiden den Rücken zu und sein Gesicht zierte ein zufriedenes Lächeln. Seine Lügen funktionierten immer. Schon bald war es um Ray und Tyr geschehen.
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