you're my only rule

von Frana
GeschichteKrimi, Romanze / P18 Slash
19.08.2018
15.03.2019
9
54379
17
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  _(: 3⦣⦦)_
Und schon sind wir im neuen Jahr.
Hoffentlich seid ihr so gut durchgerutscht, wie wir… ähhh vor drei Monaten^^‘
Im Übrigen haben wir…. Trommelwirbel bitte…. Die 100 Favos locker geknackt!!!
(*≧ω≦*) *Freudentränen heul*
Das ist doch unglaublich und gerade mal 8 Kapitel bisher.
Wow Wow wow!!!Dankeschön für so viel Unterstützung!
Dieses Kapitel war etwas zäh und hat deshalb so lange gedauert. Wir werden uns mit den nächsten beeilen, versprochen. Und danke, dass ihr immer so toll dabei bleibt, auch wenn’s mal länger dauert.

Dann kommt hier jetzt also das neue Kapitel für euch. ( ̄▽ ̄)
*rum hüpf*

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Kapitel 9: Was passiert jetzt mit Christa???


Erens POV:

»Was wollte der Computerheini hier? « hörte Eren eine kalte ruhige Stimme und scheuchte damit wie ein Huhn von seinem Stuhl auf.
Wäre er wirklich ein Vogel, hätte er jetzt sicher einige Federn gelassen.
Ihm hämmerte das Herz so laut in der Brust, dass er fast vergessen hätte auf die gestellte Frage zu antworten, die bei dieser tiefen Stimme eindeutig von seinem Vorgesetzten gekommen sein musste.
Die Antwort lag ihm auch schon auf der Zunge, aber sobald er seinen Kopf hob, um Levi richtig anzusehen, blieben ihm von ganz allein die Worte im Hals stecken.
Der Mann sah so fertig aus, als würde er jeden Moment aus den Latschen kippen.
Müde und blass, noch viel müder und blasser als heute Morgen.
Seine grauen Augen und seine blasse Haut machten es nicht besser, sondern noch um einiges schlechter, wenn man Eren fragte, der den Inhalt von Levis Worten bereits wieder vergessen hatte. Er sah seinem Gegenüber halb perplex halb verblüfft ins Gesicht, unfähig etwas anderes als die Blässe zu sehen.
Er arbeitet immer noch. Wann hat er heute überhaupt angefangen? Der sitzt doch sicher schon seit mindestens zehn Stunden im Büro.
»Wann haben Sie heute Feierabend? « brach es aus ihm heraus, während er unbewusst mit ausgestrecktem Arm auf seinen neuen Chef zutrat, um ihm non-verbal seine Hilfe anzubieten. Nach diesem turbulenten Tag dachte er nicht im Geringsten daran sich abweisen zu lassen, sollte Levi aller Erwartung nach seine Hand wegschlagen wollen.
Und dass er mittlerweile das Du benutzen durfte war ihm ebenfalls entfallen.
Verständlich bei dem reservierten Ausdruck im Gesicht des Schwarzhaarigen.

Der Arm blieb jedoch wo er war.
Der Ackermann runzelte nur tonlos die Stirn über sowohl Geste als auch Frage des Größeren.
Er lehnte sich gegen den großen grauen Aktenschrank und sah ihn mit müde glänzenden Augen an, die nach einer Antwort verlangten.
»Der Typ, was wollte er? «
»Wer? « hörte Eren sich fragen.
Jetzt verfinsterte sich Levis Gesicht doch noch.
»Der Kerl, der gerade aus diesem Büro stolziert kam, als hätte er eine verdammte Gehaltserhöhung bekommen, Jäger! « keifte er mit zunehmend rauerem Ton.
Ihn interessierte wohl nichts mehr, als die Antwort auf seine Frage. Ganz gleich, ob er sich die nächsten zehn Minuten gerade auf den Beinen halten konnte oder erschöpft zusammenbrach. Eren aber war besorgter, als es vielleicht den Anschein hatte.
Nach dem Höllenmobil und der ewigen Meckerei und Schimpferei des Kleineren glaubte er langsam mit ihm klarkommen zu können, wenn er sich nur mit Levi beschäftigte.
…Ein-zwei Drinks zum Feierabend oder Lunch zusammen, ein paar Gespräche...
Daraus würde aber nichts werden, wenn er zuließ, dass dieser Mann jetzt so weiter machte und sein Bewusstsein erst im Krankenhaus wiedererlangte.
»Balg! Was wollte er? Ich werde nicht nochmal fragen! «
»Wen meinen-…Ohhhh….«
Oh!
Jetzt verstand Erens verschlafenes Hirn wenigstens wieder, um wen es eigentlich ging.
Hieß das jetzt, Levi verzichtete auf seine Hilfe, oder…
Ihm schwirrte der Kopf und sein Chef machte es nicht besser, als er…

urk! Wieso?!
Sein Boss hatte eiskalt direkt vor seinem Gesicht geschnipst und als wäre er ein angefahrenes Reh, begannen Erens Augen vor Schreck zu tränen. Er musste aussehen wie ein geprügelter Hund. Eine totale Heulsuse. Und eine Antwort auf seine angebotene Hilfe hatte er auch noch nicht bekommen. Die würde er aber auch nicht kriegen, sollte er jetzt nicht schleunigst antworten. Also stellte er seine eigenen Fragen hintan und antwortete stattdessen auf die seines Chefs.
»Jonah… äh… der Informatiker, er wollte mein Handy überprüfen, glaube ich. Zur Sicherheit der Kanzlei und-«
»Gut« unterbrach ihn Levi harsch.
»Dann kannst du jetzt gehen. Ab morgen will ich, dass du tust was Eld dir sagt und studierst so gut du kannst. «
»W-Warte! « rief Eren und lief ihm die paar Schritte nach, die der Schwarzhaarige während seiner kurzen Worte machte.
Dafür, dass er so klein war, konnte er ganz schön große Schritte tun. Das war ihm schon heute Morgen aufgefallen.
»Du solltest dich lieber ausruhen. «
Levi schüttelte leicht den Kopf und machte daraufhin ein Gesicht, das auf schwere Kopfschmerzen hinwies.  
»Nicht nötig. Ich habe noch zu tun, also geh jetzt. «
Er verschwand so schnell, dass Eren fast glaubte der Ältere würde vor ihm davonrennen.  Der Braunhaarige wäre im Leben nicht hinterher gekommen, bei dem Speed. Aber seine Sorge verschwand deshalb trotzdem nicht.


Er tat letztendlich, wie ihm geheißen und machte sich daran das Gebäude zu verlassen.
Eld und der Rest waren nicht zurück gekommen, aber da Levi ihm freigestellt hatte zu gehen sah er sich schon fast genötigt endlich aus seinem Machtbereich zu verschwinden.
Er wollte gerade sein Handy aus der Tasche popeln, als ihm wieder einfiel, dass es ja eh nicht greifbar war. Es lag sicher noch auf dem Schreibtisch der Informatik-Abteilung.
Naja.
Sollte Jonah fertig sein, würde er es sicher bei ihm im Büro deponieren, so dass er es morgen wieder hätte. Für heute konnte er darauf verzichten…zumindest dieses eine Mal. Er erwartete keine Benachrichtigungen und sollte eine SMS von Jean kommen… er würde sie ohnehin nicht lesen wollen. Das redete er sich zumindest ein.
Außerdem konnte Armin damit rechnen, dass es bei ihm später wurde und brauchte nicht benachrichtigt werden. Solange nicht seine Fahrkarte oder Schlüssel weg waren, konnte er auch ohne Probleme in sein vorübergehendes Zuhause gelangen.
Allein sein knurrender Magen müsste eigentlich schon Aufforderung genug sein die Kurve zu kratzen, um sich vollzustopfen. Auf sein Handy zu warten war einfach nicht mehr drin.
Mit Gedanken schon bei einer heißen Suppe, einem Steak mit Kartoffeln oder frischem Salat, drückte er auf den Knopf für den Fahrstuhl und wartete, bis das wohlbekannte Bing ertönte.
Auf Fastfood-Fraß hatte er gerade so gar keinen Bock. Er hoffte also inständig, dass der gute Armin was vorbereitet hatte.

Angenehmerweise kam der Fahrstuhl schnell und war zudem leer.
So spät waren wohl die wenigsten noch im Büro.
Eren konnte sich auch nicht vorstellen, dass solch ein Arbeitspensum zur Gewohnheit werden würde. Die anderen waren zwar auch noch da, aber das lag sicher nur an der zusätzlichen Arbeit wegen der ungeklärten Aufenthaltsfrage der kleinen Hitch.
Der Braunhaarige wünschte sich für die Arme wirklich nur das Beste und bei dem Eindruck, den er von Petra und Eld bekommen hatte, glaubte er, dass die beiden sich mit Sicherheit gewissenhaft darum kümmern werden.
Eren schüttelte den Kopf und ließ die Arbeit für heute hinter sich.
Durch die Sicherheitskontrollen musste er nicht erneut, sondern einfach durch das Drehkreuz und schwupp war er draußen. Auch die Wachen von heute früh, waren nicht mehr an ihrem Platz. Jetzt lastete das komplette Vertrauen wohl auf den Sicherheitskameras und dem einen Wachmann am Empfang, der die Bildschirme im Auge behielt. Er nickte dem guten Mann im Vorbeigehen zu und verließ das Gebäude. Nur um einen Moment später gegen einen Riesen zu prallen und rückwärts auf den Bordstein zu fallen.


»Eren, du Mistkerl! « schrie ihm eine bekannte Stimme mitten ins Ohr, während ihn ein fester Griff am Arm packte und auf die Beine zerrte.
Noch bevor er richtig reagieren konnte packte der Größere ihn am Kragen, fauchte ihn erneut an: »Meine Schwester, ist das dein scheiß Ernst?! Du nimmst sie einfach so mit und nun kommst du ohne sie raus und gehst nach Hause?!!! «
»Reiner? Ich-… urg!«
Die Stimme hatte seinen Freund verraten und nun, wo er wieder richtig konzentriert war, konnte er dessen wutentbranntes Gesicht direkt vor dem seinigen sehen. Kurz fragte er sich, ob er die SMS von vorhin auch wirklich abgeschickt hatte, aber Reiner zerschlug seine inneren Zweifel schneller, als sie sich hätten festigen können.
»Deine kleine Nachricht macht es auch nicht besser, Mann! Wo ist sie jetzt? «
Eren schüttelte leicht den Kopf und sah mit Furcht, wie sein Freund sich weiter vor ihm aufbaute. Die Fäuste des blonden Riesen waren sicher größer als Bowlingkugeln und mindestens so hart. Eren hatte sich schon ewig nicht mehr geprügelt und sollte er sich seinen Gegner aussuchen können, dann wäre es sicher nicht Reiner Braun!
Allein der Grund war ihm dabei mehr als unrecht.
Was hätte er denn tun können? Christa war vielleicht Zeugin in einem Mordfall und er hatte versucht zumindest ihren großen Bruder zu informieren. Was in drei Gottes Namen hätte er denn noch alles tun sollen???
…Auch, wenn er einräumen musste, dass er sie tatsächlich beim Gedanken an ein saftiges Stück Fleisch vollkommen vergessen hatte. Mieser Hunger! Der Magen konnte wirklich ein Verräter sein!
Warum muss ich nur so ein dummer Vielfraß sein?!
Eren konnte sich aber nicht darauf konzentrieren die nächste Bahn zu Armins Bude zu bekommen, um zu essen, wenn sein Muskelprotz von einem Kumpel ihn so in der Mangel hatte, ohne ihm zuzuhören.
»W-Warte mal Reiner. Ich…Christa, sie…«
Seine Schultern verkrampften sich vor Angst. Das konnte er unmöglich erklären.
Christa war ein liebes Mädchen und würde niemals etwas Verbotenes tun.
Bei einem so obsessiven Bruder wie Reiner, was sollte er da tun, um ihm die Beweggründe seines Vorgesetzten begreiflich zu machen? Er war schon vollkommen am Ende, wenn er daran dachte, Levi widersprechen zu müssen, um Christa wieder mit Reiner nach Hause schicken zu können.

Zu seinem Glück kam etwas Unerwartetes geflogen, um ihn aus seiner Notlage zu retten.
Das leichte Flumpp war wie das rettende Folgetonhorn des Rettungsdienstes. Eine Sirene des Himmels, gefolgt von der Stimme der verrückten Kanzleichefin.
»Wie wär‘s mein Großer, wenn du meinen neuen Angestellten in Frieden lässt und im Tausch bekommst du deine Schwester und als Bonus dieses Stressbällchen. «
Sie nickte zum quietsch orangenen Stoffball, der zu Reiners Füßen umher kullerte.
Das gezierte Grinsen über die Brille würde ihr irgendwann noch mal zum Verhängnis werden, aber Eren war gerade mehr als dankbar diese Frau als Chefin zu haben.
Dreistigkeit sollte belohnt werden!
In diesem Fall wurde sie es in Form des gelockerten Griffs, aus dem sich Eren leichter befreien konnte. Mit diebischer Freude sah ihm Hanji dabei zu, wie er Abstand zu seinem aufgebrachten Freund suchte und deshalb näher zu ihr kam. In ihrem Gesicht konnte man ablesen, dass sie es als persönlichen Sieg verbuchte, auf welche Weise auch immer. Eren gönnte es ihr, aus vollem Herzen. Seine Retterin verdiente es später auf ein Essen eigeladen zu werden und er notierte es sich gerade in seinem inneren Terminkalender.

»Was haben Sie mit meiner Schwester gemacht? Sie wissen schon, dass es verboten ist jemanden ohne triftigen Grund festzuhalten und dann auch noch eine Minderjährige! «
Man sah Reiner an, dass er sich nur mit aller letzten Kraft beherrschen konnte.
Sein Kiefer arbeitete, während sich die festen Muskeln unter dem leichten T-Shirt anspannten. Wirklich beeindruckend, auch wenn Hanji keinerlei Angst erkennen ließ.
Eren glaubte auch kein Stück, dass sein Freund die Hand gegen sie erheben würde, egal wie sehr er gerade brodelte. Reiner war keiner von diesen Kerlen, die Frauen schlugen.
Er sah vielleicht aufgepumpt aus, aber sicher nur, um dafür zu sorgen, dass Verehrer seiner Schwester sich bei seinem Anblick einnässten. Gut, dass Mikasa auch allein auf sich aufpassen konnte, sonst würde er… nee wohl eher nicht. Muskeln baute er nicht annähernd so schnell auf.
»Wir haben deine Schwester aus einem sehr guten Grund mitgenommen. Ich dürfte dir zwar nichts Genaues sagen, aber da du mit Eren bekannt bist, will ich mal nicht so sein. «
Sie warf dem Braunhaarigen einen Blick zu, der unmissverständlich einem stillen Vorwurf gleichkam.
Als wolle sie sagen, dass sie Eren als absolute Plaudertasche einschätzte, die eh kein Geheimnis bewahren konnte. Dies entsprach zwar im Großen und Ganzen der Wahrheit, aber er fühlte sich dennoch leicht gekrängt. Wieso ließ sie ihn denn überhaupt so einen Job machen, wenn er nicht verschwiegen genug war? Bei Reiner handelte es sich immerhin um einen seiner engsten Freunde. Da konnte er unmöglich seine Treue brechen und ihm verschweigen, dass er Christa mitgenommen hatte. Das konnte er einfach nicht!

»Psst Süßer! Ich nehme es dir nicht übel und fresse dich deswegen auch sicher nicht auf. « raunte ihm Hanji zu, bevor sie das Wort wieder an den Blonden richtete.
Dass Eren die gesunde Gesichtsfarbe gegen den Ton einer Kalkleiste eingetauscht hatte war ihr selbstverständlich aufgefallen und zu kombinieren, woran das liegen musste war nicht gerade ein großes Kunststück.
»Folge mir. Ich bringe dich zu deiner Schwester. «
Sie nickte in Richtung Gebäude und wandte sich dann um, ohne auf die beiden jungen Männer zu warten, die ihr hastig hinterher kamen, Reiner dabei immer schön in Erens Richtung starrend. Dem Braunhaarigen war gar nicht wohl dabei, wie sie so das Gebäude betraten und unter den bewegten Kameras hindurch huschten. Es kam ihm einfach nicht richtig vor. Vor allem aber fürchtete er sich mehr denn je vor Levis Reaktion auf das Handeln ihrer Chefin.



Levis POV:

»Wie weit sind wir mit ihr? Hat sie schon was gesagt? «
»Nein, nichts. « antwortete Moblit dem zutiefst angepissten Anwalt und übergab ihm die Notizen, die er während der Befragung angefertigt hatte.
Levi warf einen schnellen Blick auf die verfassten Mitschriften und schnalzte resigniert mit der Zunge.
Das konnte doch alles nicht wahr sein! War dieses Mädchen etwa aus Beton? Nach mehr als einer Stunde der endlosen Fragen musste sie doch mal zu reden anfangen, wie jeder andere Mensch auch. Aber nein, sie blieb härter als Stein.
Durch die verspiegelte Scheibe beobachtete er gerade, wie sie locker eine blonde Strähne nach hinten wischte und sich dabei ziemlich gelangweilt im leeren Raum umsah.
Die Kleine hat Dreck am Stecken.
Das fühlte er nicht nur, er sah es in diesem Moment ganz deutlich.
Nach außen hin machte sie vielleicht den Eindruck eines kleinen lieben Mädchens, das immer noch in der Sesamstraße wohnte. Aber in Wirklichkeit schätzte er sie als eine Braut ein, die jeden Morgen Stahlnägel frühstückte.
So verschüchtert, wie sie noch auf seiner Rückbank zusammengekauert gewinselt hatte, glaubte Levi eigentlich leichtes Spiel mit ihr zu haben. Tja scheiße gelaufen.
Er hatte sich verkalkuliert.
Die Kleine war taff!

»Gute Arbeit. Mach Schluss für heute, ich übernehme das jetzt. «
Er nickte seinem Kollegen zu und betrat das Verhörzimmer.
Das Mädchen hob den Blick sobald sie die Tür ins Schloss fallen hörte und setzte sofort wieder die Maske der kleinen Unschuld vom Lande auf. Levi hätte direkt loskotzen können. Er hatte schon bessere Fassaden gesehen.
Eines musste man ihr aber lassen: Sie hatte sich eine für sie passende Rolle ausgesucht. War geradezu bemitleidenswert, wie sie »Herr Ackermann,… heißt das ich darf jetzt gehen? « fragte, während sie sich dabei so schüchtern wie ein Mauerblümchen gab. Er war fast versucht ihr den Wunsch zu erfüllen, aber diese kleine Scharade dafür frühzeitig zu beenden, wäre viel zu schade gewesen.
Also setzte er sich falschrum auf den gegenübergestellten Stuhl und signalisierte ihr, sich ebenfalls niederzulassen. Nur weil Moblit nichts aus ihr rausbekam hieß das nicht, dass sie auch gegen den Meister bestand. Bisher hatte er noch jeden geknackt.
Besonders feierlich waren die möchtegern harten Kerle, die nach nur zehn Minuten Rotz und Wasser heulten.
»Ich fürchte, es gibt da noch ein paar Ungereimtheiten, bei denen du mir helfen musst. Du heißt Christa, richtig? « fing er die Unterhaltung entspannt an.

Die Angesprochene nickte abgehackt und setzte sich wieder an den Tisch, die Arme schützend vor dem kleinen Körper verschränkt. Mit so einer Masche bekam sie den Ackermann im Leben nicht klein, aber der Versuch war durchaus niedlich anzusehen.
Hätte er eine eigene kleine Tochter zuhause, würden die runden Knopfaugen sicherlich ziehen. Pech für sie, dass er nicht gedachte irgendwann mal Kinder zu haben. Trotzdem überlegte er, ob es sich lohnen würde ihr kleines Spielchen mitzumachen. Wenn sie sich in Sicherheit wog, würde es möglicherweise um einiges einfacher werden sie auflaufen zu lassen. Außerdem machte es sicher eine Menge Spaß und nach Hause fahren würde er heute sicher auch nicht mehr. Die Nacht gedachte er mit seinen Akten im Büro zu verbringen.

»Ja, Christa Braun. « bestätigte die Blondine und knetete nervös die Hände im Schoß.
»Gut, dann habe ich ein paar Fragen an dich. «
Es war nicht seine Art um den heißen Brei herum zu reden und kam deshalb lieber gleich zum Punkt, solange er noch die eindeutige Autorität hier hatte. So müde, wie er war bezweifelte er ein Verhör von mehreren Stunden so ohne Partner locker wegstecken zu können. Das hielt ihn aber nicht davon ab seine Erschöpfung in eine drückende Präsenz zu verwandeln in deren Nähe sich die kleine Schülerin möglichst unwohl fühlte.
»Zunächst sag mir, was du in der Gasse getrieben hast, in der man den Toten fand? «
Das Mädchen wurde im Gesicht weiß wie Schnee, schwenkte dann aber auf einen überraschten Ausdruck um, den ihr so mancher Psychologe als echte Erschrockenheit bescheinigt hätte.
»We-welcher Tote?? Jemand ist gestorben?! «
Levi hatte schon damit gerechnet, dass die kleine Göre die Grausamkeit der Tat für sich nutzen würde. Er schlug die Akte auf und schnippte ihr die verstörenden Bilder direkt so entgegen, dass sie vor ihr liegen blieben.
Wie ein abgezockter Profi mied sie die Fotos, sah betreten auf die Tischplatte nieder und strich sich über die sicher trockenen Augen, als würde sie gleich zu heulen beginnen.
»Wie furchtbar. « schluchzte Christa und ließ ihren Zuschauer beim nächsten Aufsehen in wirklich wässrige blaue Augen blicken. Kein Wunder, dass Moblit keine Chance gegen sie hatte. Sie war ihm bei weitem überlegen und so viel Levi wusste, hatte der junge Sekretär einiges für Kinder übrig. Da reichten ein paar Krokodilstränen schon aus, um ihn zu brechen.
»Sie wollen also noch nie was von derlei Dingen gehört haben, Miss Braun? « fuhr er kühl fort, während er auf die höfliche Anrede umschlug. Sie sollte die Distanz bemerken, die er offen vor ihnen ausbreitete.
Ein sicheres Zeichen für sie, dass man sie als Tatverdächtige in Betracht zog.

»Nein natürlich nicht! « antwortete Christa schnell.
Sie hatte es wirklich eilig jegliche Schuld von sich zu schütteln.
»Hm verstehe. « reagierte der Anwalt dagegen überzeugt ruhig und lehnte sich im Stuhl zurück. Er fuhr sich dabei nachdenklich übers Kinn, als würde er wirklich unsicher, was nun zu tun war. Fürs erste etwas Verständnis zu zeigen war die eine Möglichkeit, aber für gewöhnlich stieg er sofort volle Ladung aufs Gas. Er wartete nicht gern und legte die Karten deshalb offen auf den Tisch, wann immer er Antworten forderte.
»Wissen Sie, dass Sie dort waren steht außer Frage. Man hat Ihr Aussehen deutlich erkannt und kann Sie deshalb klar identifizieren. «
Er machte eine Pause, um zu sehen wie die Kleine darauf reagierte. Sie sollte mittlerweile wissen, dass es sich nicht nur um eine wilde Anschuldigung handelte und auch den Grund, aus dem sie nicht als einzige hinten auf dem Rücksitz seines Wagens saß, sollte ihr allmählich aufgehen. So sehr er auch bezweifelte, dass sie gleich mit dem Messer auf Hitch losgehen würde, desto beruhigter war er doch zu wissen, wo das Mädchen gerade war.
Und zwar weit außerhalb der Reichweite jeglicher Bedrohung.
Er hatte nicht umsonst sein Team beauftragt sich um sie zu kümmern. Sie brauchten nur ein paar Anrufe zu tätigen und jeglicher Zeuge plus Angehörige waren für mögliche Verfolger restlos verschwunden.

Überrascht war Levi deshalb schon, dass die Beschuldigte nicht einmal mit der Wimper zuckte. Sie legte wohl keinen Wert mehr auf ihre ach so schöne Maske.
Sie zuckte nur trocken mit den Schultern und lehnte sich etwas entspannter zurück, als säße sie in ihrem Wohnzimmer auf der Couch.
Mit ihrem neuen Auftreten und dem kühlen Blick war sie Levi ohnehin um einiges sympathischer.
»Dann war ich eben dort. Na und? « schnarrte sie und überschlug herrisch die Beine übereinander.
Sie tauschte die ordentliche Frisur mit einem Wisch durch die hellen Strähnen gegen eine wuschelige Mähne ein. Nun sah sie mehr aus, wie eine kleine Mafiabraut, als eine feine Schülerin. Sogar ihre Stimme wurde eine Spur tiefer. Alles was jetzt noch fehlte, war ein Nasenpiercing und ein Tattoo auf dem Rücken.
Wobei sie das sogar haben könnte.
»Oh es geht mir gar nicht so sehr um das, was Sie getan haben. « gab Levi gelassen von sich, wieder auf die Abbildungen zeigend. Er gab sich keine Blöße, nur weil die Blondine versuchte mit ihm zu spielen. Ein anderes Gesicht hatten ihm schon viele gezeigt. Das juckte ihn nicht mehr. Er war einfach zu deutlich im Vorteil, um sich davon beeindrucken zu lassen.
»Es ist um einiges interessanter zu erfahren, wer deine Begleitung an diesem Tag war. «
Und an dieser Stelle musste er sich wirklich ein Lächeln verkneifen, als ein heftiges Zucken durch die Schultern des blonden Prinzesschens ging. Das war es also, ihr Kryptonit?
Wer auch immer die andere Person war, sie schien der Schlüssel zu sein, mit dem man dieses Schloss knacken konnte. Blöd, dass Hitch die andere nicht wirklich erkennen konnte.
Ein schwarzer Pferdeschwanz und eine dünne große Gestalt waren alle Anhaltspunkte, die er hatte. Und natürlich die Beziehung zur Göre in der blauen Jacke vor sich.
Jetzt wo diese allerdings zugegeben hatte am Tatort gewesen zu sein, konnte er sie noch etwas länger hier behalten und ausquetschen wie eine Zitrone.

Er stand langsam von seinem Stuhl auf und ging um den Tisch herum. Hinter dem Mädchen wurde er langsamer und bohrte mit seinem Blick fast ein Loch in ihren Hinterkopf.
»Wir können uns die ganze Nacht unterhalten, wenn du willst. «
Das Mädchen schnaubte: »Mir hat es besser gefallen, als Sie mich noch gesiezt haben, Mister Ackermann. «
Sie zog eine hämische Grimasse, die Levi nur zu kleinen Teilen sehen konnte.
In ihrer Stimme spiegelte sie sich trotzdem zur Genüge wider.
»Oder reicht Revaille auch aus? «
Levis Stirn zog tiefe Falten. Sie hatte also nur so getan, als würde sie ihn gar nicht kennen.
Den Spitznamen kannten immerhin nicht viele und besonders keine kleinen Neuntklässlerinnen. Irgendjemand musste ihn ihr verraten haben und Hanjis quirliger Sekretär war es sicher nicht gewesen.
»Außerdem ist es eigentlich nicht erlaubt einen Minderjährigen ohne Kenntnis der Eltern gegen seinen Willen festzuhalten, oder irre ich mich da? Sie werden noch Probleme bekommen. « fügte sie diebisch lächelnd hinzu.
Seine Hände stützten sich wie automatisch gegen Christas Stuhllehne, damit sein Oberkörper langsam nach vorne gleiten konnte und sein Gesicht nahe ihrem Ohr zum stehen kam.
»Mach dir da mal keine Sorgen, Spätzchen. «
Er entfernte sich wieder, um sich stattdessen gegen den Tisch zu lehnen und auf den blonden Haarschopf herunter sehen zu können. Es brauchte keine Minute, da stellte sich auch Christa mit einem bösen, lodernden Blick auf die Beine.
Oh, wird da etwa jemand nicht gern Spätzchen genannt?
Sie öffnete den Mund bereits, um wohl etwas sehr unverfrorenes zu sagen, wurde aber von der aufschwingenden Tür unterbrochen, was ihr an dieser Stelle wohl auch den Hals rettete.
Sie schluckte ihre Beleidigungen beim Anblick der drei Ankömmlinge sofort herunter und stürzte sich ungehindert der vordersten Person entgegen, die gerade unerlaubt Levis Verhörzimmer betrat.


»Bruder! «
»Christa! Wie geht es dir? Ist alles gut? Haben sie mit dir irgendetwas angestellt, das du nicht wolltest? « schmetterte Reiner drauf los und presste den kleinen Körper seiner Schwester fest an sich.
Den folgenden Todesblick richtete er gegen den perplexen Anwalt, der sich erst wieder gesammelt fand, als der Hüne ein langgezogenes Zischen von sich gab.
Im Inneren des Schwarzhaarigen staute sich gerade ein unheimlicher Wutanfall an, der mysteriöser Weise nur durch Hanjis Erscheinen am Ausbruch gehindert wurde.
»Wir sind für heute fertig. « teilte sie ihm mit und lies zu, dass der Riese seine Schwester aus dem Zimmer und damit gleichfalls Levis Machtbereich brachte. Eine Sünde, die der Ackermann nicht so schnell verzeihen würde. Mit harten Schritten folgte er, bis Eren ihn in dem Türrahmen abfing indem er ihm offen den Weg versperrte.
»Sir, ich bringe Sie jetzt nach Hause! «
Der Bengel fasste ihm an die Schultern und hielt ihn fest. Das einzige, das Levi tun konnte war zuzusehen, wie die kleine blonde Schlampe mit ihrem Affenbruder davon stolzierte. Während sie verschwand warf das Balg ihm einen Blick über die Schulter zu und zwinkerte, wie das kleine Miststück, das sie war.
Levi haderte kurz mit sich, ob er Eren die Arme brechen sollte, um sich zu befreien und das kleine dreckige Gör an ihren Goldzotteln zurück zu zerren, aber sein gesunder Menschenverstand hielt ihn gerade noch so davon ab mit der Verstümmlung seines Assistenten zu beginnen.
Sein Kopf tat weh, aber das Problem erkannte er noch, weshalb er seine Stimme lieber gegen die Brillenschlange erhob.
»Wir können sie nicht gehen lassen. Sie war dort und-«
»Schon gut. « insistierte Hanji in ihre Entscheidung.

»Ich bin ausgeschlafen und weiß, was ich tue. Du solltest aber langsam nach Hause gehen. «
Sie ignorierte seinen eindeutigen Hass und drehte sich zu Eren. Eine Geste, die sich der junge Mann gegenüber seinem Teamleiter auch in hundert Jahren nicht getraut hätte.
Das konnte man ihm an der Stirn ablesen. Auch wenn er den gleichen anstrengenden Tag hinter sich hatte, wirkte der Junge noch um einiges belastbarer, als er.
»Es wäre bezaubern, wenn du ihn jetzt übernehmen könntest. Ich kümmere mich derweil um deinen Freund und seine Schwester. «
Der Junge nickte eilig.
»Ach und Eren,«
Sie zog ein Smartphone aus ihrer Tasche und warf es ihm zu.
»Das wollte ich dir geben. Es ist fertig. «
Damit verabschiedete sie sich und ließ die beiden Männer allein auf dem Gang zurück.
Hat die Idiotenbrille den Burschen gerade zu meinem Babysitter gemacht?!
Der Tag übertraf sich immer wieder selbst.


Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ließ er schweigend alles Folgende über sich ergehen.
Sowohl, dass der Frischling ihn in die Garage begleitete, als auch die Fahrt zu sich nach Hause.
Dabei litt er im Stillen vor sich hin, nachdem er Eren seine Adresse mitteilte und sich von ihm den Schlüssel aus der Hand haschen ließ.
Er wusste selbst nicht, was ihn geritten hatte einen anderen die Hand ans Lenkrad seines heiligen Wagens legen zu lassen und dann auch noch einen Jungspund wie Eren.
Da war ein Unfall ja schon vorprogrammiert.
Aber seine milden Befürchtungen blieben unbegründet.
Der Neue fuhr vorschriftengemäß ans Ziel und wollte sich dann durch den Dschungel der U-Bahn kämpfen. Levi hörte ihn etwas von einem Armin brabbeln und einer letzten Bahn, die er noch erwischen musste. Der Anwalt war in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde und seines heutigen Arbeitspensums jedoch nicht sonderlich erpicht aufs Zuhören.
Dazu kam, dass er als der Ältere nicht zulassen konnte, dass eine wehrlose Bohnenstange mit zugegeben hübschem Gesicht, wie Eren es hatte, allein durch die Gegend rannte und die Verbrecher der Welt aktiv auf sich aufmerksam machte.

Nachdem Eren heute schon sein Auto fahren durfte sah Levi keinen Grund, weshalb er nicht auch in seine Wohnung kommen dürfe. Also griff er sich den Jungen und beschloss, ihn für heute bei sich einzuquartieren. Sie würden morgen früh zusammen zur Arbeit fahren und je schneller die beiden miteinander warm wurden, so wie Hanji es sich wünschte, desto besser.
Sie waren sich noch nicht vertraut genug, wie die Brille fand und wenn es darum ging „Freunde“ zu finden, zog er die Sache lieber schnell und schmerzlos durch.
Außerdem konnte er nicht bestreiten, dass Eren etwas Interessantes an sich hatte, mit dem er sich gerade durchaus umgeben wollte.
Solange das Balg ruhig war und keinen Mist anstellte konnten sie sich sicher arrangieren.
Fürs erste stellte er ihm ein paar bequeme Klamotten zur Verfügung, die Farlan für einen seiner spontanen Besuche bereit hielt. Sein alter Kollege wusste genau, wie es Levi anekelte, wenn jemand mit Straßenkleidung in seine Räumlichkeiten kam und deponierte es rotzfrech in seiner Bude, lud sich damit auf Lebenszeit bei ihm ein.
Als wäre seine Wohnung sowas wie ein kostenloses Motel mit bed and breakfast inklusive.
Und soweit er wusste hatte auch Isabel, die kleine Hexe, irgendwo ihren Ersatz-Kosmetikplunder versteckt.
Irgendwann hatte er aufgegeben sich gegen sie aufzulehnen. Sie tat ja sowieso, was sie wollte.

»Ähm… Sir?... Ich sollte vielleicht doch besser gehen. Ich meine… Sie sind sicher müde und ich will nicht unnötig-« hörte er Eren vom Flur aus drucksen, während er schon umgezogen aus dem Schlafzimmer kam.
»Wenn du willst kannst du vorher noch duschen. « antwortete er und ignorierte vollkommen den Inhalt von Erens gestammeltem Kommentar.
»Du bist der Braun-Ziege hinterher gerannt, hast dich fast vollgekotzt und stinkst. « fügte er in poetischer Levi-Manier hinzu.
Eren lief knallrot an und bewegte sich endlich, um ihm ins weite Wohnzimmer zu folgen. Aber weiter, als bis zum Türrahmen, wo Levi ihm die Kleidung zuwarf, wollte er nicht.
Sah nicht so aus, als würde Jäger sich heute mal entspannen und einfach nur auf ihn hören.
Der Braunhaarige verhielt sich wie ein kleiner Hund bei seinem neuen Herrchen, ängstlich und scheu. Statt sich in Richtung Badezimmer zu begeben, blieb er stocksteif stehen und glotzte ihn einfach nur aus riesigen Stielaugen an.
Für die Gedanken dieses Bengels würde er jetzt gut und gerne einen Penny geben, denn seine Augen schienen Eren langsam aus dem Gesicht zu kullern.
An was mag er nach diesem ersten Arbeitstag wohl denken?...
»Hör auf zu gaffen und ab unter die Dusche, Jäger! «
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