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Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
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31.08.2018 1.815
 
Nachdem Anja auf dem Krankenhausparkplatz eingeparkt hat, sich die kleine Reisetasche für ihren Ex-Mann geschnappt hat, geht sie als erstes zum Büro von Doktor Clemens Mehrtens. Ein „Herein!“, ertönt nachdem sie angeklopft hat. „Anja, gut das du schon wieder zurück bist.“, sagt er gleich als sie eintritt. „Wieso? Was ist passiert?“, fragt sie sogleich ängstlich.
Clemens ist aufgestanden um ihr entgegen zu gehen. „Ich habe mit Doktor Johnson gesprochen, er kann morgen hier sein.“, lässt er sie wissen. „Das ist gut…das heißt er glaubt die OP ist machbar?“, will sie sogleich wissen. Der Arzt nickt, doch sein Gesicht bleibt ernst. „Was ist?“ „Nun…Franz weigert sich. Er lehnt die Operation ab, du musst mit ihm reden. Franz braucht diese OP nur so können wir ihm seine Bewegung wahrscheinlich wiedergeben.“ „Was meinst du damit er weigert sich? Er hat doch geschlafen als ich ging.“ „Ja, aber er war noch einmal wach und so habe ich ihm erzählt, dass wir ihn übermorgen operieren wollen, aber er will davon nichts wissen. Er ist so stur!“ Die Pathologin kannte Franz gut genug um zu wissen, dass da mehr dahinterstecken muss. „Ich rede mit ihm und die Operation wird stattfinden! Plan das ein, so früh wie es geht.“, sagt sie sehr resolut. Der Arzt nickt und schenkt ihr ein Lächeln, er mochte Anja immer sehr zog aber den Kürzeren da der Polizist schneller war.
Als Anja vor dem Zimmer ihres Ex-Mannes steht muss sie noch einmal tief Luft holen. Es würde ein hartes Stück Arbeit werden ihn zur Operation zu bewegen aber er musste durfte sich diese Gelegenheit nicht durch die Lappen gehen lassen. Sie öffnet leise die Tür und tritt ein, es war schon ein schwerer Anblick ihn da so liegen zu sehen, so hilflos und verletzt, dass es ihr ums Herz schwer wurde. Sie tritt nun zu ihm, die Tasche ließ sie einfach neben dem Schrank stehen. „Hey…du bist ja schon wieder wach. Wie geht es dir?“ Hubsi sieht sie an und sie konnte sich irren, aber es sah aus als hätte er geweint. Aber das würde ihm gar nicht ähnlichsehen. „Wie solls mir schon gehen? Großartig geht´s mir, die Schmerzen merk ich nicht, dafür könnt ich vor lauter Medikamente sicher auf Wolke 7 schweben, wenn es da nicht das kleine Problem geben würde, das ich meine Beine nicht bewegen kann und somit keinen Schritt tun kann.“, bemerkt er in einem scharfen Tonfall. Sie will ihm wie zuvor schon über die Stirn streichen, doch er dreht den Kopf zum Fenster. „Das ist doch gar nicht sicher, dass du nie wieder gehen kannst. Lass dich operieren und dann wird das schon wieder.“, spricht sie nun sanft auf ihn ein. „Nein!“, ist das einzige was sie als Antwort bekommt.

Während Anja sich erst einmal schweigend zu Hubsi ans Krankenbett setzt, bekommen die Kollegen im Revier Besuch. Herr und Frau Wildmoser betreten das Gebäude mit der kleinen Jessica.
„Entschuldigung…Frau Wirth?“, spricht Frau Wildmoser die junge Beamtin an. „Oh, Frau Wildmoser, hallo.“, erwidert Sonja. „Wir haben wollten uns erkundigen, wie es ihrem Kollegen geht. Jessica fragt ob sie ihn besuchen kann.“ Und da kommt das kleine Mädchen mit ihrem Vater herein. „Hallo,“, ertönt ihre kindliche Stimme. „Hallo, du bist also die Jessica hmm?“, fragt Sonja mit einem Lächeln. „Ja, und…ich möchte den Franz besuchen.“ „Nun, weißt du kleine Maus, dass geht leider nicht. Er darf noch keinen Besuch haben weißt du? Aber vielleicht geht das morgen.“, sagt Sonja und sieht die Eltern der Kleinen an. Nun ist es Herr Wildmoser, der das Wort ergreift. „Frau Wirth wir haben gelesen das er…im künstlichen Koma liegt und wir haben auch versucht mehr zu erfahren aber das war uns nicht möglich.“ Sonja nickt, „Das liegt daran, das wir eine sogenannte Nachrichtensperre verhängt haben. Es geht ja auch um die Privatsphäre von Herrn Hubert.“ „Das verstehen wir sehr gut, aber wir haben es ihm zu verdanken, dass unserem Mädchen nichts passiert ist, wir fühlen uns verantwortlich dafür was passiert ist und…“, doch Sonja unterbricht ihn. „An so etwas sollten Sie nicht einmal denken. Niemand ist Schuld an dem was passiert ist. Es war ein Unglück…es konnte ja niemand ahnen was passiert. Ich kann Ihnen jedoch eines mitteilen, er wurde aus dem künstlichen Koma geholt vor ein paar Stunden und er war in der Zwischenzeit auch schon wach. Aber mehr kann ich Ihnen wirklich nicht sagen.“ Man sieht wie das Ehepaar etwas erleichtert wirkt als sie hören, dass der Polizist nicht mehr im Koma liegt. Der Polizeirat tritt aus seinem Büro, „Ah, Frau Wildmoser guten Tag. Sie müssen der Ehemann sein, und ich nehme an, du bist die kleine Jessica?“, sagt er zu dem kleinen Mädchen. „Ja, ich möchte zum Franz.“, sagt sie wieder. Da geht ihr Vater in die Hocke. „Sobald man ihn besuchen darf, fahren wir zu ihm. Versprochen Spatz, aber so lange das noch nicht geht müssen wir warten.“ Girwidz sieht fragend zur Sonja und da er gehört hatte, was sie dem Paar erzählt hat, entschied er etwas, was er normalerweise nicht tun würde. „Fräulein Wirth, würden Sie einen Moment auf Jessica aufpassen? Vielleicht…möchtest du einen Kakao?“ „Auja,“ sagt die Kleine mit leuchtenden Augen. „Na dann komm mal mit.“, sagt Sonja, steht auf, nimmt ihre Hand und geht mit ihr zum Automaten.
„Würden Sie kurz in mein Büro kommen?“, bittet der Polizeirat das Ehepaar nun, und sie folgen ihm und nehmen Platz. Herr Wildmoser ergreift die Hand seiner Frau. „Herr Polizeirat, da…ist noch etwas anderes, was Ihre Kollegin nicht erzählen wollte. Aber…wir würden wirklich gerne wissen was mit Herrn Hubert ist.“ „Nun, normalerweise würde ich das nicht tun und ich überschreite hier eine Linie. Herr Hubert ist…er ist derzeit gelähmt und wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen ob das nur vorrübergehend ist oder ein…dauerhafter Schaden.“, erzählt er dem Paar nun, welches geschockt vor ihm sitzt. Die Frau hatte sich sogar die Hand vor den Mund geschlagen und sogar Tränen schimmerten in ihren Augen. „Kann…man da gar nichts machen?“, fragt ihr Mann. „Nun, es wurde ein Spezialist aus den USA kontaktiert, aber wir wissen noch nicht wann und ob operiert wird. Ich denke, Sie verstehen warum meine Mitarbeiterin Ihnen das nicht erzählt hat. Aber es geht hier um die Gesundheit eines Kollegen und eines Freundes, wir wollen nichts preisgeben was eventuell Schaden anrichtet.“, sagt der Girwidz nun.
„Wir verstehen es, aber…wir würden gerne helfen. Wenn er nicht nach unserer Jessica hätte suchen müssen, dann wäre das nicht passiert.“, sagt Frau Wildmoser mit brüchiger Stimme. „Dann beten Sie für ihn. Mehr können Sie zurzeit nicht tun. Selbst uns sind die Hände gebunden.“ Das Ehepaar versteht und nickt, dann verabschieden sie sich vom Polizeirat holen Jessica, welche im Konferenzraum mit Sonja und Riedl ist und ihren Kakao trinkt. Auch sie verabschiedet sich artig und geht mit ihren Eltern und fährt nach Hause. „Oh man, die können einem ja auch irgendwie leidtun.“, sagt Sonja zum Riedl gewandt. „Du meinst, weil sie sich die Schuld geben?“, fragt er und Sonja nickt. „Ja, aber…das war doch ein Unfall. Es hat ja niemand den Baum auf den Hubsi geworfen.“ „Ach Riedl, es gibt Menschen, die reagieren so weil sie denken, dass sie es hätten verhindern können, wenn sie besser auf ihr Kind aufgepasst hätten zum Beispiel.“ Riedl versteht das, auch für ihn war die Situation nicht leicht, denn nicht nur der Girwidz war sein Vorbild, sondern auch Franz Hubert, doch das würde er nie laut aussprechen.

Franz war wieder eingeschlafen und Anja wacht an seiner Seite, wie sie es schon in den vergangenen Tagen getan hatte. Er war einfach so verdammt stur und sie wusste nicht, wie sie ihn von der notwendigen Operation überzeugen sollte. Es war bereits 20:00 Uhr als Clemens noch einmal in das Zimmer tritt um nach seinen Patienten zu sehen. „Und?“, fragt er leise, da Hubert die Augen geschlossen hat. „Hast du ihn überreden können?“, fragt er Anja. „Nein, er hat mich gar nicht richtig angehört. Auch berühren durfte ich ihn nicht, es ist als hätte er bereits damit abgeschlossen, dass es überhaupt keine Aussicht auf Heilung gibt und er einfach aufgibt. Das passt überhaupt nicht zu ihm, so kenne ich ihn nicht.“, sagt Anja traurig. „Nun, es ist ein einschneidendes Erlebnis und natürlich muss er mit der Situation erst einmal zurechtkommen. Wenn wir die Schwellung operativ entfernen können, und selbst wenn einer der Wirbel gebrochen sein sollte hat er gute Chancen. Man würde den Wirbel mit Platten verstärken oder ihn mit einem anderen Wirbel fixieren, so dass diese zusammenwachsen bzw. eine Versteifung vornehmen. Der Eingriff ist natürlich nicht ungefährlich und passieren kann immer was, aber auch Doktor Johnson sagt, so wie die Aufnahmen auf ihn wirken und von meinen Erzählungen her, ist das die einzige Chance, die Franz hat. Andernfalls…“, zögert er. „Was andernfalls? Clemens sag schon.“, fleht Anja. „Andernfalls wird er nie wieder laufen können.“, spricht er es aus.
Anja schluckt und wischt sich die Tränen, die ihr nun in die Augen traten weg. „Komm her…,“ sagt er nun leise und zieht sie vom Stuhl hoch und nimmt sie in den Arm. „Ich weiß, es ist schwer, aber wir müssen ihm gut zureden. Er muss diese Chance ergreifen und ich verspreche dir wir tun alles was uns möglich ist damit er wieder auf seinen zwei Beinen steht.“

Clemens führt Anja aus dem Zimmer raus, damit sie noch einen gemeinsamen Kaffee trinken gehen konnten. In dem Moment wo die Tür sich schließt, dreht sich Franz mit dem Kopf Richtung Tür. Seine Augen und sein Gesicht waren Tränen nass, denn er hatte alles mit angehört, wusste um seine Chancen. Er hat eine panische Angst im Rollstuhl zu enden, aber auch vor der Operation. Wozu operieren, wenn die Möglichkeit einer dauerhaften Lähmung auch danach besteht? Seine Situation war weiß Gott beschissen. Und er wollte nicht das ihn jemand so sah, er konnte es ja selber kaum ertragen.

                                                   Tagesblatt Wolfratshauser Kurier

                                          Polizist aus künstlichem Koma geholt

Nach Mitteilung der Polizei Wolfratshausen, wurde der verunglückte Polizist Franz Hubert am gestrigen Nachmittag aus dem künstlichen Koma geholt. Er ist aufgewacht und war den Informationen nach auch ansprechbar. Wie die Polizei weiter mitteilt ist der Gesundheitszustand des Polizisten weiterhin sehr ernst, nähere Angaben dazu liegen jedoch nicht vor. Des Weiteren bedankt sich die Polizei Wolfratshausen für die große Anteilnahme an ihrem verletzten Kollegen, welche sie schier überrannt hat. Man versucht den Alltag wie immer zu gestalten, auch wenn das aus verständlichen Gründen nicht leicht ist. Mit den Gedanken seien alle bei Franz Hubert, der in der Uniklinik München weiterhin behandelt wird.
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